Schwanger – der siebte Monat

Der siebte Monat, Woche 25 – 28

„Hallo Prinzessin, deine Schwester und ich gehen heute Nachmittag zu einem Geschwisterkurs, bei dem die Großen lernen, wie man ein Baby wickelt, füttert, usw. Sie freut sich schon ganz doll und ich bin auch total gespannt! Ich habe ihr erzählt, dass man der Hebamme auch Fragen stellen darf. Sie überlegte kurz und meinte dann: „Ok, dann frage ich, wie es sein kann, dass der Mensch vom Affen kommt…“ Haha, das ist typisch Fiona! Ich habe seit 2-3 Tagen immerzu das Gefühl, ganz nötig aufs Klo zu müssen und dann kommt oft gar nichts. Trittst du mir in die Blase oder muss das so?! Ich kann mir noch überhaupt nicht vorstellen wie es sein wird, wenn du da bist. Es ist gar nicht mehr so lange! Der September hat angefangen, Oktober, November, … DEZEMBER! Es gibt schon Dominosteine und Spekulatius im Supermarkt. Die wird es vermutlich auch noch geben, wenn du schon da bist! Auf dem Schulhof gestern habe ich im Vorbeigehen die Hortnerinnen tuscheln gehört: „…ob die schwanger ist?“ Vielleicht sollte ich mir ein Schild basteln:  
NEIN, DER IST NICHT ANGEFRESSEN ^^“

Der Geschwisterkurs war übrigens wirklich toll! Fiona interessiert sich brennend für alles, was mit Bauch und Baby zusammenhängt, und lauschte dementsprechend gespannt, was die Hebamme erklärte. Erst haben sie anhand von Bildern Begriffe wie Fruchtblase, Gebärmutter und Mutterkuchen besprochen und dann ein Lied gelernt, um es dem Bauch vorzusingen („Hallo Baby, hörst du mich?“ auf die Melodie von Bruder Jacob. So süß!). Die „Großen“ haben die Hände auf den Bauch gelegt, ihr neues Lied vorgesungen und unser Baby hat tatsächlich mit einem Tritt „geantwortet“. Ein toller Moment! Anschließend hat jedes Geschwisterkind eine schwere, mit Sand gefüllte Babypuppe in den Arm gelegt bekommen und alle haben gemeinsam das Halten, Wickeln und Anziehen geübt. Wir Mamas sollten die Kinder all das machen lassen, wobei wir sie später auch „in echt“ miteinbeziehen wollen. Ich habe gestaunt, wie vorsichtig und liebevoll Fiona das Sand-Baby aus- und angezogen hat; sogar die kleinen Füßchen hat sie massiert. Ich freue mich so auf die gemeinsame Zeit mit meinen Mädels!

„25+6: ich bin ein UHU! Nur noch 99 Tage bis zum Entbindungstermin, 14 Freitage bis Weihnachten. Nur noch! Plötzlich rennt die Zeit. Waaah! Den 7. Monat glaubt man mir zwar immmer noch nicht so recht, aber laufen tue ich derzeit manchmal schon wie auf dem Weg zur Entbindung! Gestern war der Ischias so schlimm, dass ich in der Schule kaum die Treppen runtergekommen bin. Ich muss schon fast hochschwangermäßig die Hände im Hohlkreuz abstützen, aber nicht etwa, weil der Bauch so groß ist, sondern weil sich der Unterkörper anfühlt wie ein unbewegliches Teil, total steif! Die Kinder in der Schule wollten alle gerne „Frau Baby“ streicheln, so nennen sie dich 🙂 Erzähle ihnen, dass du auch im Bauch schon alles hören kannst und dich freust, wenn sie ohne Fehler spielen. Plötzlich fangen die tatsächlich an zu üben und wollen dir alle etwas vorspielen…“


Obwohl wir erstens noch eine ganze Menge Babyklamotten von Fiona besitzen und zweitens von meiner Cousine auch einen ganzen Sack voll „vererbt“ bekommen haben, gehen sie manchmal in der Babyabteilung mit mir durch. Es gibt einfach zu viel süße Sachen für die Allerkleinsten! Habe bei H&M ein gepunktetes Body-Mützchen-Set mit der Aufschrift „BORN 2014“ gekauft und zu Hause dann gedacht: Oh, wie optimistisch von mir! Immerhin halten sich Kinder ja bekanntlich nicht so genau an ihre Termine. Wenn „Frau Baby“ spontan beschließt, noch 8 Tage länger zu bleiben, haben wir schon das erste geschichtsträchtige Teil im Schrank, haha. Aber immerhin eine Anekdote für später, sollte es wirklich so kommen. Lieber wäre mir allerdings, sie würde ihn am Heiligabend schon tragen können…

„Guck mal, Mausekind, das bist du! Gestern war endlich wieder Termin bei der Frauenärztin. Du bist 33cm lang und 1000g schwer, so viel wie eine große Wasserflasche! Du hast dich in den letzten Wochen gedreht und liegst jetzt „richtig rum“, also mit dem Kopf unten. Heißt aber nichts, noch ist genug Platz zum Drehen da drin. „Die Gebärmutter nähert sich dem Rippenbogen“, meinte sie beim Abtasten. Ein erstaunliches Körperteil, immerhin ist es im „ungenutzten“ Zustand nur so groß wie ein Hühnerei. Meine dollen Ischiasschmerzen seien (auch so früh) bei einer 2. Schwangerschaft ganz normal. Dagegen hilft nur, öfter Ruhepausen einzulegen („Wollen Sie mal ein paar Tage zu Hause bleiben? Soll ich sie krank schreiben?“ Haha, selbst(ständig) ist die Frau…). Fiona war wieder mit dabei, hat alles genau beobachtet und sich wiegen und Blutdruck messen lassen für Eintragungen in ihren Geschwisterpass. Den darf sie auch immer gleich mit abgeben an der Anmeldung, die nehmen das Ganze total wichtig. So cool! Ich hatte gestern auch gleich noch den Zuckertest wegen Schwangerschaftsdiabetes, der findet regulär Mitte der 20er-Wochen statt: ein großes Glas Zuckerwasser auf Ex und dann eine Stunde warten und Blut abnehmen lassen. Ein bisschen mulmig war mir schon danach…Ergebnis in 2-3 Tagen. Hoffentlich ist er unauffällig! Ich habe letztes Wochenende eine winzige Bäremütze mit Ohren (hach!) für dich gekauft und Tatzen-Handschuhe. So niedlich! Can’t stop myself! Habe im Moment oft das Gefühl, als sei meine Haut am Bauch irgendwie „zu klein“. Beim Sitzen spannt alles. Ganz komisch.“

Wie schon 2009 bei Fiona bin ich auch in dieser Schwangerschaft wieder in einer Gruppe mit Mamas, die den selben Entbindungsmonat haben wie ich, zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch, für geteilte Freude und Hilfe bei Problemen und Wehwehchen. Aus der damaligen StudiVZ-Gruppe sind z.T. Freundschaften entstanden, die bis heute anhalten. Und auch, wenn es in den meisten Fällen „nur“ der Online-Kontakt ist, ist es dennoch schön zu sehen, wie die Bauchmäuse von damals in diesen Wochen alle schon ihren 5. Geburtstag feiern. Jedenfalls war eine der Dezembermamas 2014 schon mit regelmäßigen Wehen im Krankenhaus und in dieser frühen Woche musste ihre Tochter per Kaiserschnitt geholt werden. 33cm und 850g, so ein kleines Leben, und so viele Schläuche! Glücklicherweise ging (und geht) es den beiden den Umständen entsprechend gut und die kleine Kämpferin hat sich toll entwickelt. Trotzdem bleibt ein mulmiges Gefühl zurück, wenn man die Bilder aus dem Krankenhaus sieht und damit direkt vor Augen geführt bekommt, wie klein und zerbrechlich das Wunder noch ist, das man unter seinem Herzen trägt…

„Na meine Mini-Maus, wieder ist eine Woche vergangen. Einerseits kann ich es kaum abwarten, dass die Zeit vergeht, andererseits kriege ich leichte Panik, wenn jemand sagt, dass in 3 Monaten schon Weihnachten ist! Du bist etwa so groß wie ein Blumenkohl, turnst fleißig in meinem Bauch und trittst mich ganz weit oben rechts unter der Brust, wenn ich krumm sitze. Zuckertest war übrigens unauffällig, zum Glück! Vor ein paar Tagen wurde ich von Eltern meiner Früherziehungskinder mit Blick auf den Bauch vorsichtig gefragt, ob man mich beglückwünschen dürfe. ICH BIN ENDE 7.MONAT! SIEB-TER! Mir selbst kommt der Bauch jetzt schon viel größer vor – liegt wohl an der Perspektive – aber scheinbar ist er ja doch noch verhältnismäßig klein. Aber solange Baby so groß und schwer ist, wie es sein soll, mache ich mir keine Gedanken. Offensichtlich „verteilt“ es sich bei mir einfach gut im „Gesamtkonzept“ 😉 War ja in der anderen Schwangerschaft genauso. Beim zügigen Laufen habe ich mich kürzlich selbst beim „Armrudern“ erwischt zum Ausgleichen. Ach du Scheiße! Stop that!
In den letzten Tagen habe ich öfter Probleme mit dem Blutdruck. Manchmal wird mir abends auf der Couch ganz plötzlich schlecht, hin und wieder auch tagsüber aus heiterem Himmel. Nicht lustig! Diese Woche hatte ich übrigens meine letzten Stunden in der musikalischen Früherziehung, ab Oktober übernimmt eine ganz liebe Musikstudentin meine Kleinen. Die Orchester und Ensembles unterrichte ich noch bis zum letzten Konzert im Dezember, aber das Singen, Springen und Tanzen fällt mir mittlerweile schon ganz schön schwer und ich gerate schnell aus der Puste. Langsam wird es ernst.
Fiona: „Weißt du was? Wir könnten mal wieder schwimmen gehen.“ Einen Moment später: „Ach nee, mit dem dicken Bauch gehst du bestimmt unter…“ Haha!“

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Schwanger – der sechste Monat [+Outing]

Der sechste Monat, Woche 21 – 24

„Weißt du, was krass ist? 6. MONAT (sechs-ter!). Wo ist die Zeit hin? Und trotzdem ist mir die Schwangerschaft immer noch nicht anzusehen, nicht zwingend, jedenfalls. Du zeigst dich jetzt jeden Tag mit kleinen Stupsern, so ein wahnsinnig schönes und einmaliges Gefühl! Die Untersuchung im Babykino hat übrigens wie damals bei deiner Schwester eine Vorderwandplazenta ergeben [d.h. einfach nur, dass die Plazenta – der Mutterkuchen, der das Baby im Bauch versorgt – vorne an der Bauchwand angewachsen ist, dämpft dadurch Tritte ab], also kein Wunder, dass ich dich erst jetzt so richtig spüren kann. Deine Stupser waren immer sehr weit oben im Bauch. Der Ultraschall hat gezeigt, dass du mit dem Köpfchen nach unten liegst, wobei ich glaube, dass du dich inzwischen nochmal gedreht hast, weil ich dich jetzt auf ein Mal unten im Bauch merke. An Wehwehchen habe ich sowas wie Ischias-Ziehen beim Aufstehen, wenn ich länger gesessen habe, rechts zwischen Rücken und Po. Kommt man sich vor, wie eine alte Frau beim Aufstehen! Die Gender-Reveal-Party ist übrigens heute in 2 Wochen. Deko ist schon angekommen, sooo süß, winzige pinke und blaue Schnuller, wie die, die man sich in Groß in den 90ern als Kette um den Hals gehängt hat. Außerdem Teller, Becher, Servietten im „BOY or GIRL?“-Design. Ich freue mich so, das wird bestimmt ganz toll!“

Anfang des sechsten Monats sind wir mit dem Orchester auf Konzertreise nach Griechenland geflogen. Flug und Busfahrt waren auch gar kein Problem, aber man sollte so einen schwangeren Organismus nicht unterschätzen! Der stellt gnadenlos alle „überflüssigen“ Körperfunktionen ein, wenn er merkt, dass etwas nicht so ist, wie es sein sollte, um das Baby optimal zu versorgen. In meinem Fall hieß das: ich musste mich jeden Abend entscheiden, ob ich vor dem Konzert mit allen gemeinsam esse oder ob ich im Interesse aller darauf verzichte. Beim ersten Auftritt (im Amphitheater eines 5-Sterne-Hotels) ahnte ich noch nichts von den Vorgängen und bediente mich am üppigen Buffet, nur um kurze Zeit später kreidebleich auf der Bühne zu stehen, in der Hoffnung, nicht vom Dirigentenpult zu fallen vor Übelkeit. Wahrscheinlich war es der Kreislauf, der zwar mit dem Klima ganz gut klar kam, aber mich in die Horizontale zog, sobald sich zusätzlich zu den warmen Temperaturen noch das Blut im Magen sammelte nach dem Essen. Eins geht nur: Verdauung oder Kreislauf…

„Wow, gestern spät abends habe ich deine Tritte zum allerersten Mal von außen durch die Bauchdecke gespürt. Ohne Zweifel! Oh Gott, war das schön! Man vergisst nach 5 Jahren total, wie sich das anfühlt. HERZAUGEN! Und bei dem einen Auftritt hast du mich auch leicht gestupst, beim 2. Satz von Transylvania [einem mazedonischen Volkslied mit Gänsehaut-Charakter], da hast du dir aber wirklich schöne Musik ausgesucht! Gegessen habe ich vor dem Auftritt übrigens nichts: „Die Dirigentin würde sich das Hühnchen gerne einpacken lassen“ – haha. Apropos Essen, du bist diesen Monat etwa so groß wie eine Cantaloupe-Melone!“

Wieder zurück in Berlin ging es ans Auspacken und Aufbauen der gekauften Möbel: Hensvik, Malm und die anderen schwedische Freunde. Wenn so ein Wickeltisch einsatzbereit steht, wird es irgendwie nochmal greifbarer, das Ganze. Das Wetter für unsere anstehende „Sex-Party“ sah zu dem Zeitpunkt mit einer Regenwahrscheinlichkeit von 70% laut wetter.com nicht gerade rosig aus für einen schönen Augusttag, also wurde zur Sicherheit der Party-Pavillon im Garten aufgebaut, damit wir in jedem Fall trocken bleiben würden. Ich war ein bisschen traurig, dass von meiner Verwandschaft niemand zugesagt hatte, freute mich aber umso mehr, dass Freunde und Bekannte begeistert von der Idee zur Party waren, sich schon im Vorfeld viele Gedanken machten und zahlreich zum Lüften des Geheimnisses erscheinen würden!

„Ich habe übrigens seit ein paar Tagen „rischtisch Rücken“! Es zieht und sticht hinten rechts knapp über’m Po, wie kurz vor Hexenschuss. Fühlt sich an, als ob eine einzige falsche Bewegung ausreichen würde um für immer in der Haltung bleiben zu müssen… Dementsprechend vorsichtig und steif laufe ich gerade. Hoffentlich sind das noch nicht die Anfänge des „Watscheltums“. Bisschen früh, oder?! Wenn ich abends von der Couch aufstehe um ins Bett zu gehen, muss ich mich Wirbel für Wirbel aufrichten, damit nichts zieht oder piekt. Na das kann ja noch heiter werden… P.S. Nach dem letzten Heißhungeranfall auf Erfrischungsstäbchen esse ich inzwischen zum ersten Mal in meinem Leben Senf. Seltsame Vorlieben hast du! P.P.S. Beim Niesen einen Tropfen verloren. WTF? Beckenboden, wo bist du?!“

Ebenfalls im 6. Monat waren wir zu einer digitalen Kreißsaalführung. Das läuft so ab: ein ganzer Haufen Kugelbäuche nimmt in einem Konferenzsaal des Krankenhauses Platz, begleitet von Männern mit Gesichtsausdrücken zwischen „Ich-habe-Feuer-gemacht“ bis „Ich will zu meiner Mutti“. Eine Ärztin, eine Krankenschwester und eine Hebamme werfen abwechselnd ein paar Eckdaten zu einer etwa 60-seitigen Powerpoint-Präsentation mit qualitativ mittelmäßigen Bildern von Wochenstation und Kreißsaal ein und wollen den potentiellen „Kundinnen“ damit das Krankenhaus schmackhaft machen. Gezeigt wird der Ablauf vom Ankommen im Krankenhaus („und an dieser Tür drücken Sie dann diesen Schalter…“) bis zum Tag der Entlassung; ähnlich erschöpft wie nach dem realen Prozedere fühlt man sich auch nach der zweistündigen Vorstellung. Es zog sich unglaublich in die Länge und die Zwischenfragen mancher Männer waren an Komik fast nicht zu überbieten: „Sie haben also 3 Kreißsäle. Und was, wenn ICH die Nummer 4 bin?!“ Die Hebamme hat allerdings so freundlich-gelassen gekontert, wie es wohl nur Frauen können, die seit vielen Jahren in diesem Bereich arbeiten: „Wenn wir nicht auch für diese Situation eine Lösung finden würden, hätten wir unseren Beruf verfehlt.“ Donnngg, voll auf die Zwölf. Eine der Hebammen würde ich jedenfalls gerne für die Geburt buchen, schade, dass das in der Form nicht möglich ist. Ein echtes Berliner Urgestein, weiblicher Mario Barth im Kittel, das die ganze Sache mit der richtigen Portion Humor betrachtet. Thema Babybett nach der Geburt: „Wat solln dit jetzt, denkt sich Baby. Eben war ick do noch im Bauch, wat soll ick jetzt mit nem eijenen Bett..?!“ Hahaha. Gefällt mir!

„Hallo mein Schatz, 

aufregende Tage liegen hinter uns! Zuerst der Termin bei der Ärztin, nach 6 langen Wochen endlich mal wieder! Sie hat aber nur ganz kurz geschallt und nicht das zweite große Screening gemacht, weil sowieso 3 Tage später der Termin zur Feindiagnostik anstand, wo alle Organe genauestens untersucht und vermessen wurden. Alles bestens, du bist super entwickelt, „ausgeklappt“ ganze 30cm lang, wiegst 470g und liegst mit dem Kopf oben. Was noch oben war, sind übrigens deine Füße (Fußsohlen 4cm lang, awwww), du liegst da wie ein Klappmesser. Von mir hast du diese Gelenkigkeit bestimmt nicht! Ansonsten wurden alle Umfänge/Durchmesser unter die Lupe genommen, Oberschenkelknochen, Herz (4 Kammern, alle genau zu sehen!), Galle, Leber, Harnblase, etc. Der Wahnsinn, was heutzutage alles möglich ist mit der Technik. Der Arzt hat ganz schön auf dem Bauch rumgedrückt, aber du hast die Mitarbeit verweigert. Ob da ein kleiner Steinbock durchscheint…? 🙂 Dein Geschlecht wurde übrigens in allerletzter Sekunde vor der Feier nochmal bestätigt. Puh! Dann kann sie ja kommen, die Sex-Party!“

 „A baby is coming, as cute as can be. 
A boy or a girl – you’re invited to see!“

Und dann war er kurz darauf auch endlich gekommen, der große Tag! Geregnet hat es zwischenzeitlich zwar kurz, tat dem Spaß aber keinen Abbruch! So viele liebe Menschen waren da, um unsere „Nummer 2“ zu feiern!  
„Haben sich alle sehr mit uns gefreut, du hast jetzt schon viele Freunde!“ 
Zu Beginn der Party musste sich jeder Gast für Team BLAU oder Team PINK entscheiden, seine Auswahl mit einer entsprechend farbigen Wäscheklammer an der Kleidung kennzeichnen und sich auf einer Leinwand mit pinkem bzw. blauem Namensschildchen verewigen. Als kleine Entscheidungshilfe gab es direkt daneben eine Übersicht mit den Old-Wives-Tales, den Ammenmärchen, die einer Schwangeren früher erzählt und anhand derer das Geschlecht des Ungeborenen vorausgesagt wurden, wie z.B. runder Bauch = Mädchen, spitzer Bauch = Junge, Lust auf Süßes = Mädchen, Lust auf Saures = Junge usw.

Dann gab es einen kleinen Laufzettel zum Ankreuzen, auf dem alle Aufgaben der Gäste einzeln aufgelistet waren, z.B. einen Hot-Dog vom Buffet essen, ein Polaroid-Foto mit den werdenden Eltern machen und sich damit im Gästebuch verewigen, einen Babybody bemalen, Entbindungstermin-Raten, Breisorten verkosten (Fisch im Gläschen ist echt eklig!), Bauchumfang schätzen, usw.
Ich lasse mal die Bilder sprechen, vielen Dank an dieser Stelle an Marco, den Fotografen!

Polaroid mit den Gastgebern

family & friends

der am Vorabend geschnitzte Melonenkinderwagen mit Mango-Baby ❤

Wildlachs mit Gemüse? Rahmspinat? Oder doch lieber Früh-Karotten?
mit
Der Umschlag wurde im Laufe des Nachmittags gut gefüllt, ich bin gespannt,
wer richtig liegt und das Geld am Ende bekommt!

Die Bodies – hier noch ganz jungfräulich weiß

Bauchumfang schätzen und Maßband abschneiden – gar nicht so leicht!

Zusammenfassend wünschen die Gäste dem Baby meine Haare und Papas lange Beine 😉

Auf kleinen vorbereiteten Zetteln in der jeweiligen Farbe haben die Teams gegeneinander Stadt-Land-Fluss gespielt mit Kategorien wie Babyname, Babyspielzeug, Babypflegeprodukt etc., die männlichen Gäste durften ihre Wickel- und Anziehfähigkeiten zur Freude der weiblichen Zuschauer an zwei Puppenkindern unter Beweis stellen (die meines Mannes sind noch ausbaufähig) und dann wurden noch die passend abgeschnittenen Maßbänder zur Bauch-Anprobe gebracht (hier hat übrigens meine Oma gewonnen, auf den Zentimeter genau. Einer Schneiderin macht eben niemand etwas vor…) Als Preise für die einzelnen „Challenges“ gab es je nach Team eine pinke oder blaue Pombär-Tüte, rosa Erdbeer- oder blaue Alpenmilch-Rittersport, pinke Gummibären-Ferkel oder blaue Schlümpfe. Herrlich doof, dieses Gender-Farben-Klischee, aber in diesem Fall einfach absolut passend!

Stadt-Land-Fluss mal anders

Zoé wickeln und anziehen gegen die Zeit, hier auf eine ganz spezielle Art und Weise…

 Als alle Aufgaben erledigt waren, wurde es langsam spannend. 
Wir holten den „Enthüllungs-Kuchen“…

…schnitten ihn gemeinsam auf, hoben ihn vorsichtig an uuuund…
PINK! IT’S A GIRL!



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<– 5. Monat

10 Dinge, die einem so niemand sagt

Ihr Lieben, ich weiß: im Moment ist es auf dem Blog ein bisschen schwangerschaftslastig. Da die Zugriffszahlen auf die regelmäßigen Updates vom Babybauch aber höher sind als die der „normalen“ Posts, gehe ich mal davon aus, dass euch das nicht stört 🙂
Denn wenn etwas so im Mittelpunkt steht wie eben die 10-monatige Entwicklung vom „Reiskorn zur Wassermelone“, schlägt sich das natürlich auch im „digitalen Wohnzimmer“ wieder, also hier.

Ich habe heute 10 Fakten über die Schwangerschaft für euch, die einem so vermutlich niemand vorher sagt (und die man größtenteils nach dem ersten Kind vergisst, tatsächlich!).

Bildquellenangabe: Alexandra H.  / pixelio.de

01.) Übelkeit ist nicht unbedingt nur ein Phänomen der ersten 12 Wochen. Sie kann jederzeit aus dem Hinterhalt auftreten, wenn man nicht mit ihr rechnet (niedriger Blutdruck? Ich weiß was dagegen! Wie wär’s mit einer Runde kotzen?) oder sie wird in den späteren Wochen durch das nicht viel angenehmere Sodbrennen abgelöst.

02.) An Tagen, an denen man von Sodbrennen und Übelkeit verschont bleibt, hat man etwas anderes: APPETIT. Sicher, das Baby wiegt im 7. Monat rund 1 kg und das gesamte intrauterine Zubehör (Fruchtwasser, Plazenta, Gebärmutter selbst, etc.) auch noch mal ein bisschen. Aber wo um Himmels Willen kommen die restlichen 8 Kilos her?! Das bisschen Marzipan wird doch wohl nicht…? Und die Kartoffelpuffer letztens… Ach ja, Pizza essen waren wir auch vor ein paar Tagen. Öhm. Auf den Schreck erstmal ein Eis ^^

03.) So schön, wenn der Bauch wächst und man endlich eindeutig nach schwanger aussieht. Aber let’s face the fact: an manchen Tagen ist er einfach nur im Weg! Socken anziehen? Ach, lieber barfuß. Geldstück im Auto runtergefallen? Das liegt in 3 Monaten auch noch dort. Haare waschen über dem Badewannenrand? Lassen wir das lieber…

04.) Hallo, Blase! In den ersten Schwangerschaftswochen muss man schon häufiger auf die Toilette, weil ein erhöhter Östrogenspiegel für gelockertes Gewebe und nachgiebige Muskeln sorgt, in Vorbereitung auf die kommenden Monate. Nicht mehr lustig ist es dann, wenn ein kleines, ca. mangogroßes Köpfchen auf die Harnblase drückt und man direkt nach dem Klobesuch schon wieder hingehen könnte (ohne wirklich zu müssen, versteht sich). Oder wenn man vor einer 20-minütigen Autofahrt denkt „Das schaffe ich noch!“ und 5 min später so nötig muss, wie in seinem ganzen Leben noch nicht… Ich letztens zu Fiona: „Waaaah, lass mich durch, ich muss aufs Kloooo!“ Sie trocken: „Ich weiß, Mama. Du musst immer auf’s Klo, wenn wir irgendwo waren…“

05.) Schlafen ist auch nicht das, was es mal war. Auf dem Bauch liegen geht nicht mehr, weil man durch heftige Tritte der Empörung sofort auf die ungünstige Lage hingewiesen wird. Da es einen jahrelangen Bauchschläfer aber selbst aus der stabilen Seitenlage immer wieder in die Horizontale zieht, hilft nur eines: das monströse, U-förmige Stillkissen als Stütze zwischen die Beine (ich habe es auch damals schon ausschließlich dazu benutzt). Dass man im Ehebett genauso gut eine Wand auf Höhe der Besucherritze hochziehen könnte, brauche ich an dieser Stelle wohl nicht erwähnen. Auf dem Rücken liegen soll man im letzten Schwangerschaftsdrittel übrigens auch nicht mehr, weil die schwere Gebärmutter auf die Vena Cava drückt. Dadurch kann die Sauerstoffversorgung sinken, der Blutdruck fällt und einem wird schwindelig und übel (siehe 01.).

06.)  „Isch habe R-Ü-C-K-E-N!“
In der ersten Schwangerschaft hatte ich am Tag der Geburt keine Wehen. Neeeiiin. Ich hatte „nur“ furchtbare Rückenschmerzen, erzählte ich meiner Mama am Telefon. Solche Rückenschmerzen, dass ich mich regelmäßig hinknien und abwarten musste beim Bettenbeziehen. 6 Stunden später war das Kind auf der Welt. Soviel dazu. In dieser Schwangerschaft fingen die Wehwehchen schon deutlich früher an, ganz normal, meint meine Frauenärztin. Das Baby liegt mehr „hinten raus“ und drückt damit auf einen ganz bestimmten Nerv, den Ischias. Das hat zur Folge, dass ich nach längerem Sitzen oder Liegen gaaanz langsam aufstehen muss, ich die ersten Schritte wegen Schmerzen humple als hätte ich mir den Knöchel verstaucht und manchmal nicht weiß, wie ich halbwegs elegant die Treppen in der Schule runterkommen bzw. abends bequem auf der Couch liegen soll. Außerdem erwische ich mich selbst ab und zu bei dem gefürchteten schwangeren „Watschelgang“, der mich aussehen lässt, als befände ich mich schon auf direktem Weg in den Kreißsaal. Hilfe!

07.) Der eigentlich ungeliebte Gang zum Frauenarzt wird in der Schwangerschaft der monatliche Termin, auf den man sich am meisten freut. Vergessen sind der blöde Stuhl und medizinische Gerätschaften, die klingen als wären sie aus der Weltraumforschung („Spekulum“), denn schließlich darf man nach einer gefühlten Ewigkeit von 4 Wochen endlich wieder das Schönste: Baby gucken! Worauf ich mich jetzt schon sehr freue ist das CTG. Da liegt man plus-minus eine halbe Stunde auf einer Liege mit einem Gurt um den Bauch und ein faxähnliches Gerät spuckt meterlange Herzton- und Wehengebirge aus. Das wird die Zeit sein, in der ich endlich wieder dazu komme, ein Buch zu lesen ^^

08.) JA, Brüste wachsen in der Schwangerschaft ganz von alleine. NEIN, nicht anfassen. Dass die Dinger sich nämlich nicht zum Zwecke erotischer Freuden auf das Doppelte vergrößern, sondern zur unter Umständen sehr empfindlichen Milchproduktion, erfährt man(n) so meist auch erst, wenn es soweit ist… Brustwarzen verändern übrigens ihre Farbe, bis sie dunkelbraun oder je nach Typ fast schwarz werden vor der Geburt. Der Sinn des Ganzen? Neugeborene sehen anfangs nur starke Kontraste auf relativ kurze Distanz. Da kann man froh sein, dass Mutter Natur sich nicht große, rot-blinkende Pfeile für die Milchstation ausgedacht hat. Apropos rote Pfeile – die berühmten und gefürchteten Dehnungsstreifen müssen einem nicht zwangsläufig den Bauch „ruinieren“. Es hängt in erster Linie vom Bindegewebe und der Veranlagung ab, ob man welche bekommt bzw. wo. Schön finde ich ein Zitat von Pinterest dazu: „Your body is not ruined. You’re a goddamn tiger who earned her stripes!“ Also falls ihr welche bekommt, seid stolz auf eure Tiger-Stripes!

09.) Schwangerschaftsdemenz – die gibt es wirklich! Eine gewisse Tüddeligkeit lässt sich werdenden Müttern nicht absprechen, vermutlich, weil sich alles um das Bauchkind dreht und andere, eigentlich auch wichtige Dinge da schon mal in den Hintergrund geraten können. Ich bin dazu übergegangen, mir alles aufzuschreiben, weil ich sonst völlig planlos und mit leerem Wagen im Supermarkt stehe, wo ich doch eben noch zu Hause die Regale unseres Kühlschranks gecheckt habe. Experten vermuten „hormonelle Prozesse als Ursache für die vorübergehenden Gedächtnisdefizite“. Vorübergehend klingt schon mal sehr positiv, die Wahrheit sieht allerdings anders aus, nämlich so wie beim Thema „Energie“ im Physikunterricht: eine Form wird lediglich in eine andere umgewandelt! Aus der Schwangerschaftsdemenz wird nach der Geburt das selbsterklärende „Babybrain“ oder auch „Milchhirn“. Und wenn die Gedächtnisleistung irgendwann wieder nahezu vollständig an die eines Nicht-Elter heranreicht, kommen Hormone mit Partyhütchen und pflanzen einem die Idee zu erneutem Nachwuchs ein. Ja, ja, der eeeeewige Kreis *sing*

10.) So sehr man sich auf die Schwangerschaft freut, es gibt zwischendurch diese verflixten Alles-Zu-Viel-Tage, an denen man am liebsten im Bett liegen geblieben wäre mit Decke über dem Kopf. An diesen Tagen wünscht man sich in sein Teeniezimmer zurück mit dem fröhlich-unbeschwerten „Mmm Bop“ von den Hanson-Brüdern im Radio und den Mathehausaufgaben als einziger Verpflichtung des Tages. Da reicht es schon aus, wenn der Rücken bei jeder Bewegung weh tut, man seine mühsam vorbereiteten Unterrichtsmaterialien zu Hause liegen lässt (siehe 09.), die Fernbedienung der Alarmanlage den Geist aufgibt und dann noch jemand eine falsche Frage stellt. Plötzlich ist man sich nicht mehr sicher, ob die Entscheidung für ein zweites Kind die richtige war und ob man wirklich die Kraft für ein Neugeborenes und ein Vorschulkind aufbringen kann, wenn man doch momentan abends kaum sich selbst die Treppen hochkriegt. Solche Tage gibt es einfach. Am nächsten Morgen streichelt man im Bett seinen runden Bauch, bekommt einen zärtlichen Tritt als Antwort und sprudelt fast über vor Liebe, wenn dann auch noch die große Schwester zum Kuscheln in Mamas Bett kommt. Hach, Hormone!

Und, fällt euch noch etwas ein?

Schwanger – der fünfte Monat

Der fünfte Monat, Woche 17 -20

Anfang 5.Monat – avocadogroß

„Letzten Freitag war ich wieder zur Untersuchung und es wurde zum ersten Mal Ultraschall über den Bauch gemacht, endlich! Fiona war mit dabei, hat alles gesehen und zum Erstaunen von Fr. Doktor selber erklärt, was auf dem Monitor zu sehen ist („Also, da ist der Kopf, dort die Wirbelsäule und hier sind die Arme und die Beine….“). Die Schwester hat sich auch wieder ganz intensiv mit ihrem Geschwisterpass beschäftigt, hat sie gewogen, Eintragungen und Stempel gemacht, toll! Und du, kleiner Schatz, bist ca. 15cm groß und hast geschlafen. Ich habe mich auf der Stelle in dein süßes Stupsnäschen verliebt! Die Ärztin wollte sich bei der Untersuchung zwar nicht 100%ig auf ein Geschlecht festlegen, hat aber eine Tendenz geäußert…“  

Ab diesem Zeitpunkt hieß es für uns abwarten und Klappe halten, denn ich habe mir etwas ganz Besonderes für diese zweite Schwangerschaft einfallen lassen. In Amerika sind Babyshower-Partys für die werdende Mama ja selbstverständlich, bei uns ist dieser Trend gerade erst am Rüberschwappen. Was mir aber noch besser gefiel (speziell, weil es das Zweite ist): eine Sex-Party oder auch Gender-Reveal-Party! Wie der Name schon sagt, wird hier eine Feier veranstaltet, um Familie und Freunden das Geschlecht des Nachwuchses zu verraten. Lustige Spiele rund um’s Thema Baby, Wickelolympiade, Breiverkostung und am Ende ein Kuchen mit blauer oder pinker Füllung, um das Geheimnis zu lüften. Seit Beginn der Schwangerschaft sammelte ich schon fleißig Ideen dafür auf Pinterest und konnte es kaum abwarten, endgültig bescheid zu wissen, um dann die Party für Mitte des 6. Monats zu planen zu können.

Der Anfang des fünften Schwangerschaftsmonats fiel genau zusammen mit dem Anfang der Sommerferien in Berlin. Und da sich das zweite Schwangerschaftsdrittel für Urlaubsreisen am Besten eignet (Gefahr einer Frühgeburt ist gering und der Bauch ist noch nicht zu groß), ging es für uns 10 Tage an den Sonnenstrand in Bulgarien, nur etwa 2 Flugstunden entfernt.

„Das Fliegen hat dir scheinbar nicht so gut gefallen, irgendwie war der Bauch „unruhig“, teils Darm, teils du, glaube ich. Ich bin mir relativ sicher, dich vorgestern stupsen gespürt zu haben, aber seitdem nicht mehr. Zeig dich mal! Gestern war ich kurz panisch: ein nasser Fleck unter mir auf der Liege, die vorher trocken war!! Dachte an Fruchtwasser und hatte gleich die schlimmsten Szenarien im Kopf – liegend ins Krankenhaus, Infektionsgefahr, usw. Das mobile Internet, was ich eigentlich nicht nutzen wollte, beruhigte mich aber ein bisschen, denn kleine Risse wachsen wohl wieder zu und Fruchtwasser werde ständig nachproduziert, heißt es. War aber zum Glück eine einmalige Situation. Vielleicht war der Fleck ja doch vorher schon da von einer nassen Badehose oder so. Wer weiß. Immer diese Über-Panik, nervt mich selber, aber das gehört zum Mama-Werden wohl einfach dazu. Muss übrigens alle halbe Stunde auf’s Klo, und dann nur für 3 Tropfen. Kann das sein, dass du auf meiner Blase turnst?!“

Der Bauch wurde in dieser Urlaubswoche immer größer und härter, was aber wohl nicht nur am
Bewohner darin gelegen hat. Es ist nämlich so: die Schwangerschaftshormone verlangsamen den Transport der Nahrung durch den Verdauungstrakt, um möglichst viele Nährstoffe herausfiltern und sie über die Plazenta an das Baby weitergeben zu können. Ansich ja eine gute Sache. Diese Tatsache führte allerdings zu meinem nächsten Eintrag ins Babytagebuch: 

„Im Urlaub eine neue Vokabel gelernt: CONSTIPATION – Verstopfung! Habe alles versucht – morgens vor dem Frühstück ein Glas warmes (!) Wasser getrunken (uerks!), mich von frischen Pflaumen und Kiwis ernährt, literweise getrunken, Naturjoghurt gegessen, … Die guten Tipps aus dem Internet helfen mir hier nicht wirklich, denn finde mal Buttermilch, Trockenfrüchte oder Milchzucker in einem kleinen bulgarischen Tante-Emma-Laden! Keine Chance. Als wir in der wunderschönen Altstadt von Nessebar bummeln waren und einer Apotheke begegneten, versuchte ich mein Glück und tatsächlich: man gab mir ein Tütchen mit einem dickflüssigen, extrem süßen Gelee, für Säuglinge und Schwangere geeignet. Ich gehe mal davon aus, dass es Milchzucker gewesen sein wird. Lesen konnte ich es jedenfalls nicht. Keine Ahnung, was von allem letztendlich geholfen hat, aber einen Tag später ging’s mir besser. Da war direkt die ganze Familie erleichtert, haha. Fiona: „Darmschlingen? Igitt, habe ich sowas auch?!“ Habe im Laufe des Tages immer mal wieder kleine Flatterbewegungen gespürt (könnten allerdings auch die vielen Pflaumen sein, die ich zu verdauungsfördernden Zwecken durch meinen Körper geschleust habe…).“

Ich fand, dass mein Bäuchlein zu diesem Zeitpunkt schon eindeutig nach Baby und nicht mehr nach zu viel gegessen ausgesehen hat. Eine der Animateurinnen war allerdings ganz erstaunt, als wir etwas von „pregnancy“ erwähnten. Manno! Der fünfte Monat war so das Stadium, in dem ich mich gefühlt irgendwo zwischen „nicht mehr sexy“ und „noch nicht sexy“ befand, ein bisschen unförmig halt. Schwangere sehen ja eigentlich so schön aus, aber solange man sich noch nicht sicher sein kann, dass andere Menschen bei einem bauchzeigefreundlichen Oberteil „oh, wie süß, ein Babybauch!“ denken, sondern vielleicht doch „Kann die sich nicht ein Shirt in ihrer Größe kaufen…?“, kann man die Rundungen einfach noch nicht so richtig genießen 😉 Auf jeden Fall hatte ich das Gefühl, als würde sich der Bauch immer über Tag „aushängen“, expandieren, so dass er abends kugelrund ist. Demzufolge fanden auch erste (harmlose) Wehwehchen Eingang ins Tagebuch:

„Bin schon in dem Stadium angekommen, in dem mein Körper beim Bücken/Hinsetzen/Aufstehen Geräusche entstehen lässt! Unkontrollierte, versteht sich! Inzwischen ist es so, dass ich beim Sitzen überlege, was ich noch brauche oder mit hoch nehmen könnte, wenn ich schon mal unten bin. Aber immerhin hat mir Fiona heute ein Kompliment gemacht, genauer gesagt meinte sie: „Deine Brüste sind schon ganz schön groß geworden. Guck mal nach, ob schon Milch rauskommt!“ Findet sie extrem faszinierend, das Ganze. Uh.“

Im Internet las ich für den 5. Monat immer Größenangaben von etwa 15 Zentimetern (ich bin jetzt wieder beim Baby, nicht mehr bei den Brüsten…), kurze Zeit später sollten es schon 25 sein. Habe mich immer gefragt, wo diese 10 cm so plötzlich herkommen. Irgendwann fand ich die Antwort in meinem Schwangerschaftsnewsletter: „bisher wurde immer die SSL (Scheitel-Steiß-Länge) angegeben, also Kopf bis Po, ab sofort ist die angegebene Länge die Gesamtkörpergröße Ihres Babys“. Aha! Als wir aus Bulgarien zurück waren, habe ich gleich wieder den Angelsound benutzt und den kräftigen Herzschlag auch auf Anhieb gefunden. Allerdings konnte man kaum noch längere Zeit zuhören, weil Babys Bewegungen auch sehr deutlich zu hören waren und jedes Mal übersteuerten, ein Krachen im Ohr. Trotzdem schön!

Bild: http://www.pinterest.com

„Ich glaube, abends zeigst du dich manchmal mit einem zärtlichen Stupser, als ob man von innen mit dem Finger angeschnipst wird. Aber immer nur 1x und wenn man gezielt darauf wartet, dann sowieso nicht. Du wiegst so viel wie 2 Tafeln Schokolade und du kannst mich hören! Ein komisches Gefühl, zu wissen, dass ein winziger Jemand über so viele Monate bis zur Entbindung jedes Wort wahrnimmt. Mamas Stimme, die erste Konstante in deinem Leben. Ein immer noch absolut unwirklicher und abgefahrener Zustand. Du bist in mir drin! 
„I’m so crafty, I make people“ sagt Pinterest dazu, haha.“

Meine Appetitwelle erreichte im 5.Monat ihren bisherigen Höhepunkt: ich musste nahezu alles, was ich erzählt bekam, auch selber essen. Da gab es neben meiner großen Liebe zu Dosenobst (Pfirsiche! Yummy!) die Kirschsuppe, von der mir meine beste Freundin erzählte und die es anschließend mehrfach gab, oder auch spätabendliche Fahrten zu McD*nalds, weil kurze Zeit vorher jemand nebenbei etwas von einem Burger erwähnt hatte…

Ende 5.Monat: bananengroß

Gegen Ende des Monats waren wir am Potsdamer Platz zur Show der BLUE MAN GROUP, der Saal war voll und wir hatten tolle Plätze! Kurz vor Veranstaltungsbeginn wurde mir plötzlich übel, heiß und kalt abwechselnd, und ich dachte, ich müsste rausgehen, war aber gleichzeitig froh, zu sitzen. Was war das? Platzangst etwa? Als die Show dann losging, war es in meinem Bauch ganz unruhig. Das war dir bestimmt zu laut! Sorry for that 😉
Bei einem Rundgang durch den Möbelschweden einige Tage später sind sie irgendwie mit mir durchgegangen, der erste richtige Baby-Kaufrausch: eine ganz tolle Wickelkommode passend zur bisherigen Kinderzimmerserie und das dazugehörige Babybett. Wie ich das da so im Laden gesehen habe, kam der Nestbautrieb durch.
Ach, das wird sooo schön!

„20. Woche, gestern war unser großer Tag: Babykino in Walsleben! Das ist keine ärztliche Untersuchung, sondern ein 3D/4D-Ultraschallstudio in der Nähe von Neuruppin, ca. 1,5 Std. Fahrt von Berlin entfernt. Natürlich gibt es in der Hauptstadt Spezialpraxen für Feindiagnostik, die ebenfalls im Zuge ihrer Untersuchung kurz auf 3D umschalten, aber von einem privaten Studio, was sich ausschließlich auf die dreidimensionale Darstellung von Babys im Mutterleib konzentriert, habe ich in der Form vorher noch nie gehört. Drinnen erwartete uns ein großer Raum, ganz liebevoll eingerichtet, mit der Untersuchungsliege, einer gigantischen Leinwand (BabyKINO) und 4 echten Kinositzen für die Familie. Jedenfalls war es eine unglaubliche Erfahrung, das müssen wir zu einem späteren Zeitpunkt unbedingt wiederholen! Ich war sooo aufgeregt. Papa durfte noch nichts davon wissen, er bekommt die Bilder nämlich erst zum Hochzeitstag geschenkt, pssst! Es war der Wahnsinn! Du bist so schön und siehst auf vielen Bildern genauso aus wie Fiona beim 3D-Ultraschall. Warst ziemlich ruhig, hast erst ein bisschen „Nabelschnursport“ gemacht (fast unheimlich, wie die Nabelschnur in 3D aussieht) und dann geschlafen. Ach, „telefoniert“ hast du auch mit der Hand am Ohr, genau wie Nono damals. Und es war absolut eindeutig: ich konnte für unsere Sex-Party jetzt Lebensmittelfarbe in ……… bestellen. 
Du bist und bleibst ein …………“ 

…………………………………..Auflösung folgt im 6.Monat, to be continued…………………………………………

<— 4. Monat

Schwanger – der vierte Monat

Der vierte Monat, Woche 13 – 16

„Heute war endlich wieder Baby-TV bei der Frauenärztin. Wohl die einzige Zeit im Leben einer Frau, in der sie es kaum erwarten kann, auf den „heißen Stuhl“ zu kommen… Nach einem schnellen „WiegehtshabenSieFragen?“ hat sie kurz geschallt und meinte nur, du seist inzwischen so groß, dass es fast schon ein Fall für Ultraschall über den Bauch gewesen sei. Nächstes Mal dann! Du warst sehr aktiv, hast dich gestreckt und deine Beinchen zwei Mal nacheinander gaaaanz lang gemacht. So süß! Gewachsen bist du auch: 6,4 cm von Kopf bis Po. Wahnsinn oder? So ein kleiner großer Mensch turnt da in meinem Bauch! Und ich habe e-n-d-l-i-c-h meinen Mutterpass bekommen, bin also jetzt auch ganz offiziell schwanger! Habe mich zu Hause gleich an die Nähmaschine gesetzt und dem Pass ein hübsches Outfit genäht. Die Familie weiß es jetzt auch. Meine Oma: „Also hatten die Mohrrüben doch was zu sagen!“ (Hatte ganz am Anfang furchtbaren Appetit auf Möhreneintopf und habe 4 Tage am Stück davon gegessen. Diese Tatsache hatte meine Oma dazu veranlasst, zu fragen, ob ich schwanger sei (äh, nein, warum?). Weshalb wissen die Frauen der Familie sowas immer sofort?!)

Juhu, geschafft! 4. Monat, endlich aufatmen: das Ende der kritischen 12 Wochen und der Beginn der „Wohlfühlzeit“! Liest man am Anfang der Schwangerschaft in Ratgebern, dass die Übelkeit mit der 13. Woche verschwindet, hofft man das zwar ganz stark, kann es sich aber absolut nicht vorstellen, wenn sich aktuell mal wieder das Mittagessen auf dem Rückweg befindet. Aber was soll ich sagen – genau so war es! Fast von einem Tag auf den anderen waren die extreme Schlappheit und Müdigkeit weg und die Lebensgeister kamen langsam zurück (ok, ich gebe zu, abends auf der Couch habe ich immer noch schneller geschlafen als der Prime-Time-Film zu Ende gewesen ist ^^). Heißhunger hatte ich auch in dieser Zeit nicht zu knapp: auf grüne Bohnen, Philadelphia, frisches Brot mit Butter, Nektarinen und äh…Eis. Alles in rauhen Mengen und solange, bis die Phase wieder vorbei war.
Ebenfalls Anfang des 4. Monats hat Fiona ihren „Geschwisterpass“ bekommen, eine Art kleinen Ausweis im gleichen Stil gehalten wie der originale Mutterpass, nur eben für große Schwestern und Brüder (gibt’s für kleines Geld bei dawanda, gesehen und sofort verliebt in die Idee).

Vorne werden (genau wie im „echten“) Stempel gesammelt von Arzt, Hebamme, Kita usw. und statt Blutgruppe, Rhesusfaktor und Antikörpern wird im Geschwisterpass z.B. nach Anzahl der Finger und Zehen gefragt und ein Geschwister-Suchtest durchgeführt (noch negativ). Das Ultraschallbild aus der 11. Woche habe ich ihr in klein ausgedruckt, damit sie es einkleben konnte und den Pass hütet sie seitdem wie eine Trophäe.

In Woche 14 sah ich von außen noch nicht wirklich schwanger aus, aber im Liegen hatte der Unterbauch schon eine deutliche kleine Babywölbung.
Wie süß! Da ist jemand drin!
Zu dem Zeitpunkt habe ich eine Weile überlegt, ob ich mir wirklich ein „Angelsounds“ bestellen soll. Das ist keine moderne Spieluhr, sondern ein Gerät zum Hören der Herztöne des Babys mit etwas Ultraschallgel und Kopfhörern. Neumodischer Schnickschnack und unnötiges Geld-zum-Fenster-Rauswerfen denken sicher einige. Aber ihr glaubt nicht, wie ewig lang die 4 Wochen zwischen zwei regulären Vorsorgeterminen sein können, wenn man sein Bauchkind noch nicht spürt. In der Hoffnung, es hinterher bei Ebay wieder loswerden zu können, bestellte ich also das „Angelsounds“ und konnte dann kaum die Tage abwarten, bis der DHL-Mann mir mein Päckchen in die Hand gedrückt hat. In dem Moment, in dem ich ein zartes, aber rhythmisches Hufgetrappel aus meinem Bauch gehört habe, kullerten ein paar Tränen meine Wangen runter vor Freude über das erste selbstgehörte Lebenszeichen von meinem Baby.
In den darauffolgenden Wochen habe ich immer mal wieder kurz gehört, ob es noch da ist, besonders, wenn ich aus irgendeinem Grund ein „komisches Gefühl“ hatte (sowas haben werdende Mamas öfter…). Es beruhigt einen doch sehr, wenn man einfach die Möglichkeit hat, zu Hause kurz in den Bauch „reinzuhören“ und nicht wegen jedes Zipperleins beim Arzt im Wartezimmer zu sitzen oder sich grundlos Gedanken zu machen.
Birgt allerdings auch Risiken, das „Angelsounds“, z.B., wenn man den Herzschlag nicht auf Anhieb findet. Es braucht schon etwas Geduld und Feingefühl. Auf jeden Fall war ich froh, es zu haben. So konnte auch die große Schwester schon gespannt ein erstes Mal Baby hören und über das kleine Herzchen staunen.

„Die gute Nachricht: du bist etwa so groß wie ein Pfirsich, kannst nach der Nabelschnur greifen und am Daumen lutschen und dein Gesicht bekommt deutlichere Konturen: Nase, Kinn, Ohren, Augen, Lippen. 
Die schlechte Nachricht: jedes Kind kostet einen Zahn, sagt man. Ausgerechnet am Sonntag habe ich heftige Zahnschmerzen bekomen und den Tag mit Kühlpack und Salbeitee auf dem Sofa verbracht! Wollte eigentlich die Hochzeitszeitung für den 30. Hochzeitstag (meiner Eltern) fertig stellen, aber rien ne va plus mit dem Zahn! Habe morgens eine halbe und nachmittags eine ganze Paracetamol nehmen müssen, so schlimm. Hatte zwar ein schlechtes Gewissen wegen Tabletten in der Schwangerschaft, aber erstens soll Paracetamol da das Mittel der ersten Wahl sein bei Schmerzen und zweitens ging es wirklich nicht anders… Montag morgen dann zuerst zum Kinderarzt mit der erkälteten Fiona und dann weiter zum Zahnarzt. Kaum wieder zu Hause, ist mir auf der anderen Seite ein Stück Zahn abgebrochen beim Essen! Das gibt’s doch nicht! Zwillinge? Dienstag also wieder hin, Zahnschmerzen auch wieder da. Großbaustelle! Man, ausgerechnet jetzt…“

Bild: http://www.amazon.de

In der 15. Woche schrieb ich in mein Schwangerschaftstagebuch: „Mitte des vierten Monats: im Ultraschall ist eine Geschlechtsbestimmung jetzt weitgehend sicher möglich, sagt der Newsletter – WHAT?! Ich bin mir irgendwie so sicher, dass du ein kleiner Bruder bist. Alles ist anders als bei Fiona, vor allem meine Haut (ständig Pickel und irgendwelche Flecken!). Am Wochenende haben wir den 30. Hochzeitstag gefeiert. Nach einem ganzen Tag auf den Beinen war der Bauch abends gefühlt riesig groß, nanu! Unsere Gäste aus den USA tippen auch auf einen Jungen („I wish you joy and health! And: it will be a boy!“), ob Frau Dr. beim nächsten Ultraschall schon was dazu sagen kann? Bei Fiona war es auch in der 16. Schwangerschaftswoche, glaube ich. So aufregend!!! Du bist jetzt ca. 8cm lang (SSL) und gerade mal 50g schwer. Frauen, die schon ein Kind geboren haben, könnten in dieser Woche evtl. schon erste Kindsbewegungen spüren. Oh wie schön wäre das! Zeig dich, mein Schatz! Haben übrigens schon einen Kinderwagen für dich ausgesucht, bzw. einen Buggy, in den ich mich verliebt habe: den Quinny Zapp Xtra mit 3 Rädern in der Farbe „red rumour“ (hoffentlich kein Omen, haha), auf den man auch ganz bequem die Autoschale montieren kann und der für Junge und Mädchen gleichermaßen passen würde. Hach, freu ich mich!“

Als ich vor 2 Monaten den positiven Test in der Hand gehalten habe, war die erste „Amtshandlung“ als Schwangere das Verschicken einer Emailanfrage an eine Hebamme. In der Schwangerschaft mit Fiona habe ich schlichtweg nicht gewusst, dass man sich auch vor der Entbindung schon eine suchen kann und vor allem wusste ich nicht, dass die Krankenkasse ihre Besuche bezahlt. Das Berufsbild der Hebamme war für mich das der Frau, die mich im Kreißsaal zum Atmen auffordert und sagt, dass und vor allem wann ich pressen soll. Dass man sie als „praktisches Accessoire“ schon während der gesamten Schwangerschaft an seiner Seite haben, sie intensiv kennenlernen und mit allen Fragen des täglichen Schwangerschaftswahnsinns „belästigen“ kann, war mir neu. Die damalige war mir nicht besonders sympathisch und wir sind bis zum Ende einfach nicht so richtig warm miteinander geworden. Sie so alt, ich so jung. War irgendwie nix. Dieses Mal sollte das anders laufen! Die Hebamme, die unmittelbar in unserer Nähe wohnt, heißt zufällig auch Vivien und hat mir sofort ganz lieb geantwortet. Sie würde mich annehmen und wir könnten einen Termin zum Kennenlernen ausmachen. YES! Ich fühlte mich wie damals im Sportunterricht, wenn ich in ein Handball-Team gewählt worden bin und nicht noch als Letzte auf der Bank sitzen musste. Sie wollte mich kennenlernen, wir hatten ein DATE!

Dieses erste „Date“ stand Ende der 15. SSW an. Ich war ganz aufgeregt und gespannt, ob sie mir sympathisch sein würde. Um 9 klingelte es an der Tür. Vivien wollte eigentlich nur eine halbe Stunde „smalltalk“ machen, damit wir uns kennenlernen und beschnuppern können. Aus der halben Stunde wurden 2, wir quatschten uns fest und konnten uns fast nicht trennen. Es war, als wäre eine sehr gute Freundin zu Besuch. Neben dem Namen verbanden uns noch einige weitere Gemeinsamkeiten (fast gleichaltriges Kind, in Süddeutschland studiert bzw. Ausbildung gemacht, usw.) und wir hätten noch eine ganze Weile weitererzählen können. Mir ist ein großer Stein vom Herzen gefallen. Ich hab eine Hebamme und die gebe ich auch nicht mehr her!

„Wo ist die Zeit hin? 16.Woche! Du bist so groß wie eine Orange, ca. 12cm, und 110g schwer, so viel wie eine Tafel Schokolade. Morgen erfahren wir das ganz genau, denn dann ist endlich wieder Termin bei Frau Dr. und Fiona kommt mit! Ich glaube, in den letzten Tagen habe ich dich tatsächlich schon gespürt, mein Schatz! 100%ig sicher bin ich mir nicht, aber gerade gestern Abend war irgendwie „Unruhe“ als ich auf der Couch gelegen habe. So schön! Letzten Sonntag hatte mein Bauch übrigens Unwucht! Eine Beule auf der rechten Seite, ganz hart. Was war das? Kopf? Po? Und nach dem Frühstück ist mir plötzlich sauschlecht geworden, mit Kotzen! Hä? Kann aber auch am Blutdruck liegen, der war sehr niedrig, 104/59 und Puls nur 47. War mal wieder halbtot scheinbar. Das Konzert am selben Nachmittag haben wir trotzdem gut über die Bühne gebracht. Morgen ist der letzte Arbeitstag, es trennen uns nur noch wenige Stunden von den SOMMERFERIEN! P.S. Habe heute Nacht geträumt, dass du geboren wurdest und ein Mädchen warst! Bei Fiona hatte ich so einen eindeutigen Traum auch. P.P.S. Dein Quinny-Flitzer, den ich mir ausgeguckt hatte, steht neu und OVP im Keller. War ein unschlagbares Angebot mit zeitlich begrenztem Aktionsgutschein. Konnte nicht anders :)“ 

……………………………………………….to be continued……………………………………………………….

Schwanger – der dritte Monat

Der dritte Monat, Woche 9 – 12 
(oder: Endspurt der längsten 12 Wochen meines Lebens…)

„Hey dritter Monat, hallo! 9. Woche, das klingt schon total schwanger! Ab sofort heißt du Fötus und nicht mehr Embryo („Keimling“). Du bist ca. 1,4cm groß und fängst jetzt an, deine Mini-Arme und Mini-Beine zu bewegen, natürlich noch nicht spürbar. MORGEN ist er endlich, der große Tag, an dem wir uns sehen bzw. eher ich dich. Ich weiß gar nicht, was ich fühlen soll: aufgeregt, vorfreudig, ängstlich, zuversichtlich, panisch, ruhig, zufrieden, verliebt, hoffnungsvoll, beunruhigt – irgendwie alles gleichzeitig!“

Auch wenn zu dem Zeitpunkt (bis auf einen kleinen Blähbauch) äußerlich meist noch nicht viel zu sehen ist, arbeitet der weibliche Körper in diesen Wochen auf Hochtouren. Er baut um und an, produziert Zellen, Blut und was er sonst noch so braucht für einen 2-Personen-„Haushalt“. Vor allem aber beschert er der werdenden Mama eines: Hormone! Diese kleinen Biester sorgen zwar einerseits dafür, dass man auch noch in den nächsten 7 Monaten von der Regel verschont bleibt, andererseits sind sie auch verantwortlich für die wirren Gedanken und gegensätzlichen Gefühle, die man plötzlich mit sich herum trägt (siehe oben).

„Ich hatte einen aufgeregten Blutdruck von 129/85 und habe auf dem Stuhl beim Arzt fast die Luft angehalten vor Anspannung! Endlich die erlösenden Worte: „HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!“ Yes! Kein Suchen und kein Raten: sofort die große Fruchthülle mit Dottersack und Inhalt auf dem Monitor! Ein „großer“, kräftiger Embryo mit erkennbarem Kopf und Körper und deutlich schlagendem Herzchen. 1,44cm großes Glück, das entspricht SSW 7+6, also nur 4 Tage weniger als nach meiner Rechnung. Das ist absolut im Rahmen und kann auch durch Messungenauigkeiten entstehen. Dadurch ergibt sich allerdings als Entbindungstermin eine Punktlandung am Heiligabend, 24.12.2014. Das wird spannend, ein Weihnachtswunder! DU BIST DA UND ES GEHT DIR GUT!!! Ich könnte die ganze Welt umarmen. Endlich haben sie auch Blut abgenommen und das ganze Schwangerschaftsprogramm gestartet. Es ist offiziell, ich bin ZWEI! Mutterpass gibt’s leider erst nächstes Mal in 4 (!) Wochen, eine gefühlte Ewigkeit…“

Der Übergang vom 3. zum 4. Monat ist die magische Grenze, ab der eine Fehlgeburt sehr unwahrscheinlich wird. Manche Ärzte warten mit dem Ausstellen des Mutterpasses tatsächlich bis zum Beginn des 4. Monats. Vorher gilt das Alles-oder-Nichts-Prinzip: geht bei der Zellteilung oder der Entwicklung des Embryos irgendetwas schief, beendet die Natur die Schwangerschaft in diesem frühen Stadium. Neben den ganzen guten Gedanken und der wöchentlich wachsenden Vorfreude, wächst aber auch noch etwas anderes: die Angst um die anderthalb Zentimeter Mensch im Bauch. Sie begleitet einen von dem Zwei-Linien-Moment auf dem Klo an und wird in diesen letzten 4 Wochen vor Ablauf des „kritischen Countdowns“ nicht unbedingt besser. Selten sind Tage und Wochen so unglaublich langsam vergangen wie die des dritten Monats… Außerdem möchte man endlich allen sagen, was los ist, Aufklärungsarbeit leisten über die anhaltende „Magenverstimmung“ der letzten Wochen und sich am Liebsten die frohe Botschaft mit Edding auf die Stirn schreiben. Nur noch 2-3 Wochen den Mund halten. Fiona fragte in dieser Zeit immer öfter aus heiterem Himmel, wann wir denn ein Geschwisterchen kriegen würden. Sie wünsche es sich doch schließlich so sehr. „Bald, mein Schatz. Bestimmt ganz bald…“

„Hallo Baby, du bist jetzt schon ca. 2,5cm groß, wiegst gerade mal 4,5 Gramm und siehst aber schon aus wie ein richtiger kleiner Mensch! Alles ist schon dran und muss „nur noch“ wachsen und reifen. Das Gefühl, einen echten Minimenschen im Bauch spazieren zu tragen ist immer noch so unwirklich und beim 2. Mal nicht weniger aufregend als beim ersten! Diese Woche wächst deine Nasenspitze und deine individuellen Hand- und Fußabdrücke bilden sich aus. Ein Wunder! In ein paar Tagen kann ich auch endlich deine große Schwester einweihen. Ich platze sonst!“

Und weil ich bei Fiona vor 5 Jahren Anfang der 11. Woche zum Ultraschall war und in dieser Zeit das mit Abstand niedlichste Bild der gesamten Schwangerschaft bekommen habe („Oh, ein Gummibär!“), habe ich nach meinem Arztbesuch telefonisch noch einen zusätzlichen Termin vereinbart für genau diese Zeit, einerseits zur Beruhigung für mich und andererseits, um das kleine Gummibärchen auf dem Monitor nicht zu verpassen. 21€ ist er mir allemal wert, dieser zusätzliche Ultraschall. Yippie!

„Der absolute Wahnsinn, Baby! Ich hab immer noch solche Herzaugen, wenn ich an den Moment denke, als wir uns „gesehen“ haben. Du bist in den vergangenen 2 Wochen unglaublich gewachsen, ganze 3,68cm groß von Kopf bis Po (SSL = Scheitel-Steiß-Länge) und ein richtiges, echtes, kleines Menschlein. Es war wie im Film: Ultraschall an, Baby da, du hast dich kräftig bewegt und es sah aus, als würdest du am Däumchen lutschen. Ich hätte stundenlang zusehen können, wie du dich bewegst, so schwerelos in deinem Zuhause. Das ist so emotional und gleichzeitig so unwirklich: das da auf dem Bildschirm ist in meinem Bauch drin! Waaaah! Mein Baby! P.S. Abends mörderschlecht und gekotzt. Aber egal. Ich bin einfach nur glücklich.“

In dem Moment, als auf dem Monitor zu sehen war, wie du deine Mini-Beinchen streckst und strampelst, hörte ich meine Mama hinter dem Vorhang schniefen. Die durfte mit zum Termin und war fix und fertig und total überwältigt. 1986 war die Technik noch eine andere. Dass man heutzutage bereits ein paar Wochen nach der ersten Zellteilung ein dreieinhalb Zentimeter großes Kind und u.a. dessen 10 winzige Finger so genau sehen kann, davon war man vor 28 Jahren noch ein ganzes Stück entfernt.

Im Verlauf des dritten Monats war ich abends immer so tot, dass ich mich zu nichts mehr in der Lage fühlte. Manchmal habe ich nicht mal mehr geschafft, mit Fiona Zähne putzen zu gehen. Übel war mir auch immer noch, nicht mehr ganz so oft, aber wenn, dann richtig. Da half nur liegen und Augen zu!

„12.SSW – heute sind es noch genau 200 Tage, 80 schon geschafft! Ich dachte, dass das Schlecht-Level inzwischen schon bei Null angekommen sein müsste, ist es aber nicht! Tagsüber ist alles okay, aber abends lege ich mich um 7 auf die Couch und stehe nicht mehr auf, so schlapp! Und überhaupt, was ist eigentlich mit meiner Haut los? Ich hatte nie typische Teenie-Probleme mit Pickeln und unreiner Haut. Bis jetzt. Fast täglich ist irgendwo was im Gesicht, was da nicht hingehört. Habe mir (zum ersten Mal in meinem Leben!) Concealer gekauft und jetzt auch eine dunkle (haha) Ahnung, wofür Frauen sowas benutzen. Mein Schwangerschaftsnewsletter meint dazu: entweder strahlen Sie jetzt, wie nur eine werdende Mama strahlen kann – leuchtend-gesunder Teint, schöne Nägel und volles, glänzendes Haar ODER das genaue Gegenteil tritt ein.“  Hauptgewinn, würde ich sagen.

Mein Newsletter kündigte mir übrigens neben dem Gegenteil eines strahlenden Teints auch den hCG-Peak für diese Zeit an. Danach nimmt die Hormonkonzentration wieder etwas ab und demzufolge sollen auch Übel- und Müdigkeit weniger werden. Naja, die Hoffnung stirbt zuletzt!

„Ich warte schon sehnsüchtig auf den Energieschub, der kommen soll, wenn die ersten 3 Monate geschafft sind. Kann mir im Moment nicht vorstellen, jemals wieder so fit zu sein, um ins Fitnessstudio zu gehen oder überhaupt irgendetwas Zusätzliches zu machen außer den täglichen Abläufen und der Arbeit. Ach übrigens, Wehwehchen fangen schon an, haha! Wenn ich mich im Bett von einer auf die andere Seite drehe oder ruckartige Bewegungen mache, zieht es in der Leiste. Sollen wohl die Mutterbänder sein. Körperteile, von denen man nicht weiß, dass man sie hat. Meine Waage zeigt schon – ähm – ein bisschen mehr an als noch vor ein paar Wochen, aber ich esse ja auch fast alles, das mir in den Weg kommt und das permanent. Ein elender Teufelskreis: je weniger Pausen ich zwischen den Mahlzeiten lasse, desto weniger schlecht ist mir… Vielen Dank dafür.“

„Du wirst große Schwester!“

„Fiona war letzten Mittwoch Mittagskind. Ich habe Kindersekt zum Anstoßen gekauft, wir haben zusammen gekocht und dann habe ich zu ihr gesagt, dass es etwas zu feiern gibt: „Nono, du wirst große Schwester! Wir kriegen ein Baby!!“ Sie machte riesengroße Augen und sagte: „Echt?! Zeig!“ Ich habe ihr ein Ultraschallbild gezeigt („Hihi, Mama, sieht aus wie ein Elefant!“) und ihr einen Button geschenkt, auf dem „Große Schwester“ steht. Den trug sie ganz stolz und wollte ihn nicht mal zum Schlafen abmachen. Außerdem küsst sie inzwischen regelmäßig meinen Bauch abends („bye bye, Baby, kiss good-night“) und cremt ihn ein. Hach! P.S. Mein kleines Dezemberchen, du sorgst nun schon seit 3 Monaten für so ein Durcheinander in meinem Körper, würdest aber noch locker auf einen Suppenlöffel passen. Verrückt, das! Wir bekommen tatsächlich ein Baby, so richtig echt und ohne Quatsch!“

……………………………………………………to be continued…………………………………………………….

<– 2. Monat

Schwanger – der zweite Monat

Der zweite Monat, Woche 5 – 8

Da hat man gerade erst vor ein paar Tagen den positiven Test in der Hand gehalten und ehe man sich’s versieht, ist man schon im zweiten Monat schwanger. „Wie weit bist du denn?“ – „Im zweiten Monat!“ klingt ja schon mal gut, nur, dass die Wenigsten ihrem Umfeld bereits zu diesem frühen Zeitpunkt von ihrer Schwangerschaft erzählen.
Kurz vor Beginn der 5. Woche sind wir in den Urlaub geflogen. Am Morgen nach meinem positiven Test, um genau zu sein. Den Abend vor der Abreise habe ich mit Googeln verbracht. Fazit: Fliegen ist – auch zu diesem sehr frühen Zeitpunkt – nicht schädlich. Was bleiben will, das bleibt. Während des Fluges schaute ich immer wieder auf meinen Bauch, hielt ihn gedankenverloren fest, als ob er sonst abfallen könnte. Nur ich weiß, was da drin ist… Der erste Urlaub mit 2 Kindern? Okay, du warst zu dem Zeitpunkt ein 1-2 Millimeter großes Zellhäufchen, das vermutlich noch nicht mal als schwarzer Fleck in der Gebärmutterschleimhaut zu erkennen gewesen wäre bei einem Ultraschall, aber im Herzen bedeutet dieses zweite Strichlein auf dem Test eben viel, viel mehr. Mein Baby.
Hatte ich den Appetit auf Käse erwähnt aus der Zeit, bevor ich von der Schwangerschaft wusste? Im Bordmenü gab es ein Laugenbrötchen und u.a. ein Stück Weichkäse. Musste mich als erstes auf den Käse stürzen, dabei habe ich bis vor wenigen Jahren überhaupt noch keinen gegessen…
In Ägypten angekommen, konnte ich mich nur in einer Position sonnen und mein Rücken musste unfreiwillig weiß wieder nach Hause fahren: auf dem Bauch liegen ging gar nicht! Der war zu dem Zeitpunkt noch unauffällig flach, verraten können hätte mein kleines Geheimnis nur das debile Dauergrinsen, aber „meine Brüste bringen mich um“ steht in meinem Schwangerschaftstagebuch. Sie fühlten sich an wie zwei große, blaue Flecken und blieben auch eine ganze Weile so.
Nach dem Schnorchelausflug fragten unsere Freunde, mit denen wir die Tour gemacht haben, ob sie uns noch kurz auf einen Abstecher mit in die Wüste nehmen könnten, um etwas abzuholen bei den Beduinen. Wüstentour for free war toll, allerdings ist die ägyptische Wüste größtenteils kein feiner Sandstrand, sondern eine hügelige Piste aus Sand und Steinen. Um auch nicht die kleinste Erschütterung abzubekommen, „schwebte“ ich die Fahrt über mit Kraft meiner Oberschenkel ein paar Zentimeter über dem Sitz, um das „Häufchen“ nicht durchzurütteln. Den Muskelkater davon kann ich – fast – immer noch spüren…
Gut, dass ich in dieser ersten schwangeren Woche nicht zu Hause gewesen bin, sonst hätte ich mich wohl direkt beim Frauenarzt im Wartezimmer einquartiert, damit er „nur mal guckt ob alles in Ordnung ist“. Wer schon mal schwanger war, weiß, dass das Quatsch ist. In der 5. Woche sieht man noch gar nichts, meistens nicht mal eine Fruchthöhle (das ist der kleine schwarze Fleck in der Gebärmutter, nicht Baby, sondern „nur“ Babys Zuhause erstmal), höchstens eine aufgebaute Schleimhaut, wie sie auch kurz vor Einsetzen der Regel zu sehen wäre. Aber die Angst um das millimetergroße Häufchen fährt eben vom ersten Tag an mit (und wird wohl nicht zwingend weniger für die kommenden 18 Jahre). Für die ersten Tage oder Wochen einer Schwangerschaft sollte es eine Art „Pregnancy Test Kit“ zu Studienzwecken geben, mit verschiedenen Tests diverser Marken, auf denen man dann selber die Strichstärke auswerten kann. Es ist sooo interessant! Das Schwangerschaftshormon hCG verdoppelt sich anfangs etwa alle 2 Tage. Nicht schwanger hat man einen Wert von unter fünf. 14 Tage nach dem Eisprung liegt er im Falle einer Schwangerschaft schon bei ca. 90. Die gängigen Urintests messen je nach Marke eine Konzentration ab 10, 25 oder auch 50 IE/l (Internationale Einheiten pro Liter). Da die Konzentration bis zur 12. Woche stetig steigt, verändert sich auch die Strichstärke. Was anfangs nur ein zarter Hauch von zweiter Linie war, zeigte sich eine Woche später schon als ausgewachsener, fetter Strich. Yes, du bist wirklich da, mein kleines Dezemberchen!

In dem Moment, in dem ich „so richtig“ schwanger war, kam auch die Sache mit dem Essen bzw. nicht essen. Als VIP-Gäste des Hotels durften wir uns an einem Abend ein besonderes Menü vom Küchenchef zubereiten lassen mit 4 Gängen. Ich freute mich schon wie blöd auf das Eis mit Früchten zum Nachtisch, aber soweit sollte es nicht kommen. Schon während der Vorspeise (Hawaii-Salat, mmhhh!) schwand der Appetit und ich musste kapitulieren und mich ins Bett legen. Der „Chef de Cuisine“ tat mir wirklich leid, musste er doch ernsthaft an sich und seinen Kochkünsten gezweifelt haben, aber da war wirklich nichts zu machen. Zu allem Überfluss hat der Geruch von Fionas Erdbeerzahncreme dann auch noch spontanen Würgereiz ausgelöst. Na super, das ging ja gut los…

In der 6. Woche, wieder zurück in Berlin, wurde mir permanent ein bisschen schlecht nach dem Essen und abends war ich so müde, dass ich oft fast im Stehen eingeschlafen wäre. Am nächsten Morgen dafür um 7.45 Uhr wach (trotz Ferien) und an Schlaf war nicht mehr zu denken. Habe mit Pokerface ganz nebenbei zu meinem Mann gesagt, dass ich wohl in den nächsten Tagen mal zum Frauenarzt gehen werde, „weil ich meine Tage schon so lange nicht mehr hatte“. Er wollte direkt am selben Tag einen digitalen Test kaufen. Aus der eigentlich geplanten Überraschung mit dem ersten Ultraschallbild wurde dann spontan doch eine andere, nicht weniger gelungene:
[3+ bezeichnet die Anzahl der Wochen seit der Befruchtung, war genau 21 Tage danach]

Zu dem Zeitpunkt war der Embryo etwa so groß wie eine Erbse. Eine Erbse mit schlagendem Herzen. Tagebuch: „5 Millimeter – unfassbar, dass aus dir in einigen Monaten ein richtiger Mensch werden wird. Ich liebe dich jetzt schon und freue mich unglaublich auf diese Schwangerschaft und alle Erfahrungen, die man beim 2. Mal bestimmt noch viel bewusster und intensiver wahrnimmt!“
Meine Mama (aus frühen Kindheitstagen von allen „Sasa“ genannt) hat übrigens mit großen Augen diesen Zettel vorgefunden:

Mitte der 6. Woche wollte ich E-N-D-L-I-C-H zum Frauenarzt gehen, um mir die Schwangerschaft bestätigen zu lassen. 5+3, da könnte man mit etwas Glück vielleicht sogar schon einen Embryo sehen als winzigen weißen Punkt in der schwarzen Blase. Ich wartete nach dem Urlaub noch hibbelig den Ostermontag ab, um am Dienstag Morgen gleich um 5 nach 8 bei der Ärztin vor der Tür zu stehen. Vor einer verschlossenen, wohlbemerkt: „Wir machen URLAUB.“ Aahh! Auch alle anderen Gynäkologen in der Umgebung hatten sich ausgerechnet die Woche nach Ostern für ihren Praxisurlaub ausgesucht, hätte man sich denken können. Ich notierte in meinem Tagebuch: „Die andere Ärztin hat auch Urlaub. April ist definitiv kein guter Monat zum Schwangerwerden!“ Am Mittwoch, einen Tag nach meinem geplanten Arztbesuch, wollte ich zu einem Workshop nach Baden-Württemberg fahren, beruflich nicht ganz unwichtig. Aber ich konnte doch nicht einfach fahren, ohne zu wissen, ob da in meinem Bauch wirklich alles in Ordnung und an Ort und Stelle war! Ich traute mich gar nicht, mich richtig zu freuen, aus Angst, dass wieder irgendetwas nicht stimmen könnte [Letztes Jahr positiver Test, Schwangerschaftshormon und Fruchthöhle vorhanden, aber leider keine embryonalen Anlagen, ein sog. „Windei“].

Die permanente Übelkeit wertete ich jedenfalls als gutes Zeichen (viel übel = viel Hormon) und machte mich am nächsten Tag auf den Weg nach Süddeutschland. 2 Tage später erst nur ein bisschen rot am Klopapier und dann etwas später der Schock auf dem Klo: BLUT! Viel hellrotes Blut. Nein, scheiße! Panik! Ich habe den letzten Workshop am Freitag Nachmittag sausen gelassen und bin in strömendem Regen über den Marktplatz gelaufen auf der Suche nach meiner damaligen Frauenärztin. In dieser Stadt hatte ich 3 Jahre gewohnt, war aber so verwirrt, dass ich die Praxis nicht mehr gefunden habe. Die Tränen liefen. Der Regen auch. Es war wie in einem schlechten Film.
Also zurück zur Ferienwohnung, von dort aus angerufen und letztendlich doch wieder hingefunden. Noch nie in meinem Leben war ich so glücklich über die (eher ungewöhnliche) Freitagabend-Sprechstunde eines Arztes gewesen. Ich wartete etwa 1 Stunde, unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen, geschweige denn, ein Buch oder eine Zeitung zu lesen. Ich guckte raus in den Regen und hoffte einfach nur das Beste. Im Behandlungszimmer schilderte ich die Situation und meine Angst. Die Ärztin beruhigte mich erstmal und machte gleich einen Ultraschall, den allerersten in dieser Schwangerschaft. Mein Herz schlug bis zum Hals und ich hielt vor Anspannung die Luft an, man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Auf dem Monitor ein dunkler Fleck in der Gebärmutter. Oh nein. Wie damals. Komm schon, Baby! Dann ein krisseliger, heller Kranz. Der Dottersack. „Wo ein Dottersack ist, ist auch ein Baby……..Moment………..ich suche………..DAAAA!!!

Die nette Ärztin hat selber kurz aufgeschrien vor Freude, denn da war tatsächlich ein klitzekleines pulsierendes Pünktchen zu sehen, das Herz! Mein eigenes hat in dem Moment wohl kurz ausgesetzt.
Obwohl wirklich nicht viel zu erkennen war, hat Fr.Dr. mir ein Bild ausgedruckt, wahrscheinlich einfach, um dem Häufchen Elend, das ich bis kurz vorher noch gewesen bin, etwas in die Hand drücken zu können. Und als ob es ein Wink des Schicksals gewesen wäre: der Name, der oben links auf dem allerersten Ultraschallbild steht, ist nun der gleiche wie damals bei der großen Schwester, als ich noch im Süden gewohnt und studiert habe…

Mir war in dieser Zeit oft vom Augenöffnen bis zum Schlafengehen speiübel, allerdings meistens ohne Erbrechen. Ich habe das eine Mal für sagenhafte 112€ Lebensmittel eingekauft, nur um die ganze restliche Woche nicht noch mal in den Supermarkt gehen zu müssen. Eine echte Herausforderung! Auch Facebook und Twitter: man sollte nicht meinen, wie viele Leute ihr Essen posten, bei denen ich schnell – sehr schnell – weiterscrollen musste, um Schlimmeres zu verhindern… Ein Mal hat mein Mann Kuchen gebacken um mir eine Freude zu machen. Ist leider nach hinten losgegangen. Der Geruch des eigentlich leckeren Schokokuchens im Ofen war so schlimm, dass ich mich an dem Abend mit einer Decke auf den Balkon setzen musste zum Atmen ^^
Geholfen hat von allem, was man gegen die Übelkeit machen kann, nichts, außer schlafen vielleicht. Nein, mal im Ernst:
so viele Möglichkeiten hat man nicht, wenn Medikamente wegfallen. Etwas essen vor dem Aufstehen und länger liegen bleiben, frische Luft, viel Trinken, Zwieback, Kekse, Knäckebrot für zwischendurch, keine fettigen, sauren oder frittierten Speisen, an Zitronen riechen, Ingwertee trinken (DAVON wurde mir erst richtig schlecht!), Akupressurbänder für’s Handgelenk (hatte ich bei Fiona damals, hat nicht geholfen) und der für mich letzte Hauch von Strohhalm zum Dranfestklammern: homöopathische Kügelchen. Anderen scheinen sie ja zu helfen, vielleicht bin ich einfach immun dagegen, wer weiß. Ich glaube, ein bisschen Linderung verschafft hat mir „Nausema“, ein reines Vitaminpräparat, das helfen soll, den Mangel an B-Vitaminen auszugleichen, der für die Übelkeit verantwortlich sein kann.
Alles ein bisschen spekulativ, ganz genau weiß man es eben nicht. Wie auch immer – rückwärts ging eh nicht mehr, also Augen zu und durch. Man kann es sich zwar nicht vorstellen, aber mit Beginn des 4. Monats ist die Übelkeit bei den allermeisten Frauen verschwunden, wenn sich der Körper auf die ganzen „Umbauarbeiten“ und Mamawerdungsprozesse eingestellt hat, also hat man in den Hoch-Zeiten des Schlecht-Seins wenigstens einen Countdown zum Rückwärtszählen…

so groß wie ein Reiskorn

In der 7. Woche war dann auch meine Ärztin endlich wieder da. Ich vereinbarte einen Termin und ging nun relativ gelassen und entspannt an die Sache ran, wusste ich ja, dass da ein kleines Herzchen fleißig schlägt und alles in Ordnung ist. Beim Ultraschall war ich voller Vorfreude, doch auf dem Monitor war wieder nur eine große schwarze Blase. Endlose Sekunden vergingen: „Also ich sehe jetzt im Moment noch nichts…“ DAS KANN NICHT SEIN, VERDAMMT! Irgendwann hat sie dann doch noch Dottersack und einen winzigen, pulsierenden Strich gefunden, meinte aber nur trocken, es sei noch sehr früh. 5./6. Woche. Ich solle in 2 Wochen nochmal kommen. Ich hatte mich so auf diesen Termin gefreut (Blutuntersuchungen? Mutterpass? „Herzlichen Glückwunsch“?) und dann die Ernüchterung: „noch sehr früh“. Immer wieder hörte ich diese Worte in meinem Kopf. Und ich machte mir Sorgen. Ich wusste, dass 5. Woche nicht stimmen konnte. Aber erstmal den Ball flach halten. Da hat ein kleines Herz geschlagen, das ist erstmal die Hauptsache. Diese frühen Untersuchungen sind Fluch und Segen zugleich. „Bestimmt hast du in 2 Wochen alles aufgeholt, was dir an Größe gefehlt hat, stimmt’s?“ schrieb ich in mein Schwangerschaftstagebuch… In dieser Woche bekam ich übrigens eine Nachricht von meiner besten Freundin, aus heiterem Himmel, sie habe geträumt, ich sei schwanger. „Wäre doch schön, wenns wahr werden würde, oder?“ – „You got me. Es ist wahr, 7.Woche :D“

so groß wie eine Blaubeere

In der „Blaubeerwoche“ (8.SSW) ist der Embryo von der (Eizellen-)Größe einer Bleistiftspitze auf etwa 1,5cm gewachsen und hat schon winzige Finger und Zehen! Die Übelkeit war immer noch da, gleichzeitig aber auch der Appetit. Paradox! Der Heißhunger fing an mit Vollkornbrot-mit-Schinken-und-Radieschen (YES! Immerhin, schließlich war es beim letzten Mal McFlurry!) und etwas später Buttertoast zum Frühstück. Kaffee ging gar nicht mehr (vorher 4-5 Tassen tägl.) und Wasser, ganz normales Wasser, löste sofortigen Würgereiz aus! Das war dann die Orangensaftphase, zu 100% unverdünnt, versteht sich.Wenn ich Appetit auf irgendetwas bekam, musste ich das sofort essen und dann auch manchmal eine ganze Woche lang nichts anderes. Ich bestellte Möhreneintopf bei meiner Mama und aß ihn täglich von Montag bis Donnerstag. Als meine Mama das mit dem Appetit auf den Eintopf meiner Oma erzählte, wurde die gleich misstrauisch: „Ist sie schwanger?“. Die Frauen der eigenen Familie sind eben eine ganz besondere Spezies mit überaus feinen Antennen… Und jetzt noch eine „Beichte“ zum Schluss: in der 8. Woche – Ende des 2. Monats – habe ich zum ersten Mal eine Umstandsjeans angezogen. Nicht, dass der wachsende Bauch es schon erfordert hätte, aber normale Hosen drückten plötzlich beim Sitzen. Optisch unterscheidet sie sich nicht groß von einer normalen, aber die eigentliche Jeans beginnt erst direkt unter dem Bauch und darüber ist das Paradies: ein ganz weiches, extrem dehnbares Bündchen.
Auszug aus dem Babytagebuch: „Nur noch 5 Tage bis zum nächsten Termin!! Fiona weiß noch nichts von dir, aber ich platze, wenn ich es ihr nicht bald erzählen kann. Noch 4 Wochen… „Übergestern“ habe ich mit ihr *einfach so* das Buch „Wie entsteht ein Baby“ gelesen, darin steht sinngemäß: „Mama und Papa müssen sich sehr lieb haben und zusammen schlafen.“ Fiona: „Hast du Papa lieb?“ – „Ja.“ „Und ihr seid ja auch immer zusammen im Schlafzimmer…“ Für sie ist die Sache klar. Sie wünscht sich eine Schwester, der sie die Windeln wechseln (darauf komme ich zurück, mein Schatz!) und etwas vorsingen möchte. Als ich vorsichtig gefragt habe, ob ein Brüderchen auch okay wäre, meinte sie ganz abgeklärt: „Ja ja, das kann man sich ja nicht aussuchen. Mann muss es nehmen wie’s kommt.“ Haha. Vor gerade mal 5 Jahren war sie das kleine Bauchbaby. Unfassbar, und alles ein großes, großes Wunder! P.S. Gebärmutter ist inzwischen etwa so groß wie eine Grapefruit [unschwanger wie eine Faust].“

FYI: Ich habe Kunst abgewählt 😉


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