Nummer 3

Wie viele Monate schiebe ich diesen Post jetzt schon vor mir her… obwohl es mir eigentlich ein Bedürfnis ist, darüber zu schreiben. Aber kennt ihr das, wenn die richtigen Worte fehlen?

Gestern Abend las ich den Artikel von Halima über ihren 3. Kinderwunsch, den sie sich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr erfüllen möchte, obwohl er da ist. Und plötzlich hatte ich das Gefühl, es ihr schuldig zu sein, unserer Nummer 3.

20.11.2017

„Nachdem ich 3 Tage gefangen war in einer Seifenblase, in der die Welt einfach angehalten hat und die Zeit um mich herum still stand, sickert jetzt so langsam in mein Bewusstsein, was ich vor 72 Stunden erfahren habe: ich bin schwanger.“

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Mit dem Kinderwunsch ist das ja so eine Sache. Beim ersten Kind war ich noch sehr jung, 22 Jahre alt. Ich habe zu dieser Zeit gerade mein Musikstudium beendet und bekam nach dem Abschluss also erst mal unsere Tochter. Als sich nach etwa 3 Jahren der Gedanke an ein Geschwisterchen bemerkbar machte (ringsherum plötzlich nur noch Schwangere, Babys, Kinderwägen, hach – ihr kennt das!), dauerte es geschlagene anderthalb Jahre, viele Auf und Abs und eine Fehlgeburt, bis sich Tochter Nummer 2 endlich auf den Weg machte. Mama, Papa, 2 Kinder. 4er-Familie. Komplett, also? Ich erinnere mich noch gut an die 2. Schwangerschaft und die ersten Wochen mit dem Neugeborenen, in denen ich nicht nur 1x wehmütig dachte: „Das soll das letzte Mal gewesen sein?“. Ich lief mit unserer frisch geborenen Tochter auf dem Arm einen Tag nach der Geburt über die Wöchnerinnenstation des Krankenhauses, atmete ihren Babyduft ein und mir kamen die Tränen. Meine letzte Geburt, mein letztes Baby??

Die ersten Monate mit Nummer 2 – ach was sag ich, to be honest: die ersten anderthalb Jahre – gestalteten sich als wahre Herausforderung. Das ruhige, ausgeglichene, zufriedene Baby, das die große Schwester mal gewesen ist, war hier nur ein ferner Wunschtraum. Dieses zweite Kind schlief nicht oder nur sehr selten. Es forderte immer 150% Aufmerksamkeit, es schrie und ließ sich nur schwer beruhigen, es war die meiste Zeit unzufrieden mit sich und der Welt. Da halfen kein Osteopath, keine Federwiege, keine Globuli und erst recht kein „So-lernen-Kinder-schlafen-(ohne schreien lassen)-Buch. Ich war am Ende, sowohl körperlich als auch psychisch. Dieses Baby verlangte mir alles ab und die Doppelbelastung Selbstständigkeit und Familie + Schlafentzug brachte mich sehr nah an meine Grenzen.

Der Gedanke an ein mögliches 3. Kind war demzufolge in sehr, sehr weite Ferne gerutscht. Ok, ich bin Anfang 30. Es ist noch nicht so, dass die biologische Uhr wahnsinnig laut tickt. Aber würde ich das irgendwann später überhaupt noch ein Mal schaffen? Noch mal die anstrengende erste Zeit? Was, wenn das Dritte wieder nicht schlafen würde? Rückblickend muss ich zugeben, dieser 3. Kinderwunsch war trotzdem da. Die ganze Zeit über. Er war versteckt in einer der hintersten Ecken und gut verschlossen. Aber er war da. Ich begnügte mich mit dem Gedanken „Vielleicht in ein paar Jahren noch einen Nachzügler“, ahnte aber insgeheim, dass wenn die Kinder erst groß sind, ich sicher nicht den Mut und die Kraft hätte, noch ein Mal „von vorne“ anzufangen. Immerhin wird unsere erste Tochter dieses Jahr 9.

Als ich dann aber im November 2017 den zweiten Strich auf dem Schwangerschaftstest gesehen und nach 3 Tagen „Schockstarre“ realisiert habe, dass sich trotz im Zeitfenster genommener „Pille Danach“ (!) ein Löwenembryo eingenistet hat, der trotz widrigster Umstände den Weg zu uns gefunden hat, wusste ich, dass wir dieses 3. Wunder bekommen werden.

Inzwischen bin ich Anfang 7. Monat, der Bauch ist nicht mehr zu übersehen und mit jedem „Hallo“ aus dem Bauch wächst die Liebe zu unserem 3. Mädchen, obwohl natürlich die Angst vor den ersten Monaten und dem möglichen Temperament der kleinen Löwin nicht weg ist! Aber in hormongetränkte, rosa Watte eingepackt ist sie momentan, haha. Ich kann nicht sagen, ob ich mich in ein paar Jahren tatsächlich noch mal bereit dafür gefühlt hätte oder ob es (vermutlich eher) bei den zwei Damen geblieben wäre. Auf jeden Fall bin ich inzwischen sehr froh, dass das Löwenbaby mir diese Entscheidung abgenommen hat. Denn dieses dritte Kind, das vielleicht auf Ewig „nur“ einen wir-sind-noch-nicht-vollständig-Platz in meinem Herzen gehabt hätte, hat nun einen Platz in meinem Bauch gefunden. Und darüber könnte ich nicht glücklicher sein!

Welcome to the family, little one!

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(Nicht mehr) Schwanger – die Geburt

[Wie in einem der vorherigen Schwangerschaftsposts schon mal geschrieben, bin ich die ganze Schwangerschaft über von meinem nach Eisprung berechneten Entbindungstermin 20.12. ausgegangen. Die Ärztin hat anhand des ersten Ultraschalls den 24.12. als Berechnungsgrundlage genommen]

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Freitag, 19.12.14, 39+6
Dieses Kind wird wehenlos zur Welt kommen. Anders kann ich es mir nicht erklären. Aber von vorn: 9 Uhr Termin zum CTG: NICHTS. Direkt nach mir hatte meine Schwester auch CTG (sie hat Termin im März) und während ich bei ihr mit drin saß, hatte ich in den 15min 3x einen harten Bauch. Jetzt gerade auch immerzu. Vorführeffekt! Die müssen doch denken, ich spinne. Untersucht wurde ich nicht, aber den Einweisungsschein fürs Krankenhaus habe ich mitbekommen. Laut Frau Doktor reiche es, wenn mich am 26. in der Klinik vorstelle, es müsse nicht unbedingt unser Heiligabendausflug werden. Lieber wäre mir allerdings: Geburt am (spätestens) 21.12., 3 Tage Serviceprogramm in Anspruch nehmen und Heiligabend Familienausflug aus dem Krankenhaus nach Hause zu Viert. Wie findest du das, kleiner Schatz? P.S. Fest steht schon mal: im Winter deiner Geburt lag bisher noch kein Krümel Schnee. Es regnet bei osterlichen 11 Grad Plus.

(immernoch) Freitag, 19.12.14, 39+6
21.40 Uhr: ich glaube, ich habe Wehen! Etwa alle 7 Minuten, aber seit heute so, dass ich anfange zu schwitzen und die Augen zumachen muss und manchmal unkontrollierte Geräusche von mir gebe. Huh? Vorhin war es ein Gefühl wie ein Kratzen am Muttermund von innen. Machst du jetzt die Tür auf?! Knock knock. Du fühlst dich allerdings nicht an wie ein unbeweglicher Wackerstein im Bauch – das sei laut meiner Oma ein untrügliches Anzeichen für die bevorstehende Geburt – sondern du bist erstaunlich aktiv momentan! Wird doch wohl keine Punktlandung werden morgen am 20.? Ich bin gespannt! Aua-Wehen: 20.47 – 20.52 – 21.00 – 21.08 – 21.19 – 21.25 – 21.34 – 21.40 – 21.50 – 22.03 – 22.09 – 22.29 – 22.37 – 22.43 – 22.51 – 22.56 – 23.01 – 23.07 –> na, heute noch Krankenhaus…? 
P.S. Dein Papa kam nach einem langen Arbeitstag erschöpft nach Hause und meinte nach der Weheninfo nur „och nö“ und meine Mama schrieb „Geh schlafen“. Die haben gut reden!

Samstag, 20.12.14, 40+0
Ich glaube, 40+0 ist tatsächlich dein Geburtstag, der 20.12.2014. Die Wehen gestern gingen noch ein bisschen weiter, irgendwann bin ich „vorsichtshalber“ duschen gegangen, man kann ja nie wissen. Ich schrieb das meiner Mama, die diese Info versehentlich als „Zieh dich an und mach dich bereit zum Herkommen“ missgedeutet hat (müssten wir nachts ins Krankenhaus fahren, käme sie zu uns um auf Fiona aufzupassen). Kurz darauf (etwa 00.30 Uhr) sendete ich: „Wehen sind nach dem warmen Wasser weniger geworden, versuche jetzt zu schlafen.“ und sie: „Na toll, sitze gestiefelt und gespornt in der Küche und frühstücke.“ Ups! Ich konnte dann zwar einschlafen, bin aber um 4 wach geworden von Wehen. Dann aufs Klo: Zeichnungsblutung! YESSS! Wehen waren so, dass ich nicht mehr schlafen konnte, bin also aufgestanden um kurz vor 5, habe Zähne geputzt, gefrühstückt (!), ein letztes Bauchfoto gemacht und kurz bevor ich deinen Papa wecken wollte zum Losfahren, wurden die Wehen weniger, obwohl ich mich zwischenzeitlich schon auf der Arbeitsplatte in der Küche abstützen musste zum Veratmen! Um 6 bin ich dann nochmal ins Bett und dachte: „Augen zumachen bis die nächste Wehe mich weckt“. Ende vom Lied: um 9 Uhr ausgeschlafen und wehenlos aufgewacht. Super. Meine Hebamme schreibt, ich solle mich schön ausruhen, es könne „unsere heilige Nacht“ werden heute. Wehen tauchen inzwischen (11 Uhr) langsam wieder auf, 10-Minuten-Abstand oder mehr. Ich glaube, lange dauert es jetzt nicht mehr! Hatte nachts schon alles auf den Küchentisch gelegt: Mutterpass, Ladekabel, Socken, Flasche Wasser… aber du willst wohl einfach nicht raus, wenn’s hell ist, kann das sein? Freue mich auf jede Wehe – bald bist du da ❤ "

Bis dahin geht das Tagebuch. 
Es sollte tatsächlich der letzte Eintrag vor der Geburt gewesen sein.


[Wer sich beim Lesen gefragt hat, was eine Geburt mit Bildender Kunst zu tun hat, kommt hier ein kurzer Ausflug in die Gynäkologie, wo man von der Zeichnungsblutung oder auch dem Abgang des Schleimpfropfes spricht. Ihr könnt es euch denken: eine Geburt und alles, was mit ihr zu tun hat, ist nicht nur rosa Wattewölkchen. In diesem Fall klingt aber das olle S-Wort wesentlich ekliger als der eigentliche Vorgang! Der Schleimpfropf verschließt sozusagen die Gebärmutter während der Schwangerschaft, um das Eindringen von Keimen zu verhindern. Wenn sich der Muttermund in Vorbereitung auf die Geburt langsam öffnet, löst sich der Pfropf und man findet ihn am Klopapier. Weil in den meisten Fällen ein bisschen Blut dabei ist, bezeichnet man diesen Vorgang auch als „Zeichnungsblutung“ oder schlicht „Zeichnen“.]

Fiona hatte ich 15 Stunden nach dem „Zeichnen“ auf dem Arm. Ich wertete dies also als untrügliches „Zeichen“ für die bevorstehende Geburt (obwohl es bei anderen Frauen trotzdem noch Tage dauert danach). Die Wehen tauchten ja wie gesagt am Vormittag langsam wieder auf, aber nicht so stark, dass sie mich nachhaltig beeindruckten. Wir beschlossen, dass Fiona an diesem Abend vorsichtshalber gleich bei meiner Mama übernachten sollte. Sie freute sich und packte ihre Tasche, während ich mich einem Nähprojekt widmete: dem versprochenen Pullover aus Drache-Kokosnuss-Stoff. Zwischendurch kam immer mal eine Wehe; ich hörte kurz auf zu nähen und atmete stattdessen. Ich wusste intuitiv, dass dieses Kind aller Wahrscheinlichkeit nach noch am gleichen Tag geboren werden würde, ging also noch in aller Ruhe Haare waschen, denn dazu kommt man ja hinterher meist erstmal nicht, und schminkte mich ein bisschen, damit ich auf den ersten Fotos nicht so fertig aussehe.

Wir verabredeten uns zu 14 Uhr mit und bei meinen Eltern um die Ecke zum Ente essen. „Das schaffe ich noch“, schrieb ich ihnen. Meine gepackte Kliniktasche und noch ein paar andere wichtige Unterlagen nahm ich direkt mit ins Auto, weil ich von meinen Eltern aus nach dem Essen dann gleich weiter fahren wollte ins Krankenhaus. Wir aßen also genüsslich unsere Ente und auch ich schaffte endlich mal wieder mehr als eine Kinderportion, weil sich der Bauch inzwischen tatsächlich gesenkt hatte. Demzufolge hatte auch der geknickte Magen wieder ein bisschen größeres Fassungsvermögen als in den Wochen zuvor. Während des Kaffeetrinkens hinterher kamen die Wehen in Abständen von 5-10 Minuten und waren so, dass ich mich währenddessen nicht mehr unterhalten konnte, sondern alle Gespräche für etwa 45 Sekunden eingestellt werden mussten. Hätte es nicht in Strömen geregnet, wäre ich draußen noch eine Runde spazieren gegangen, so aber verabschiedeten wir uns von Fiona und meinen Eltern und fuhren ins Krankenhaus. Ich dachte, spazieren könne ich auch über den Krankenhausflur…

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Als wir fuhren, war es stockdunkel draußen, fühlte sich an wie spätabends, war aber tatsächlich erst kurz vor halb 5. Bei der virtuellen Kreißsaalführung, die wir im 6.Monat gemacht hatten, wurde ganz genau gezeigt, wo der Eingang zum Kreißsaal ist und wo man klingeln muss. Und obwohl ich ja durch diese Führung und die erste Geburt 2009 grob wusste, wie alles abläuft, klopfte mein Herz ein bisschen schneller als normal, als ich auf den Klingelknopf drückte (und das lag nicht an den paar Treppenstufen).Vorher noch ein schnelles Erinnerungsfoto von der Kreißsaaltür und dann ging sie auch schon auf.
„Hallo, wir kommen zur Entbindung“ – „Ach schön, na denn komm‘ se mal rein.“

An der Eingangstür gab ich für die nächsten Stunden Chipkarte, Mutterpass und Schamgefühl ab und bekam dafür eines dieser wunderbar praktischen Krankenhauskleidchen mit rückseitigem Ausschnitt von der Hebamme, auf deren Schildchen „Antje“ stand. Ich sagte, ich habe für die Entbindung extra ein langes Nachthemd zum Knöpfen mitgebracht, aber Antje meinte, ich solle ruhig erstmal das Krankenhaushemd nehmen und mich erst später für den eigentlichen Kreißsaal umziehen; schwitzen werde ich noch genug. Ich zog es also an, wurde ans CTG angeschlossen und prompt ließen die Wehen nach bzw. kamen in sehr großen Abständen, 15min und mehr. Super. Die Herztöne gefielen ihr nicht wirklich, deswegen bekam ich einen halben Liter Wasser, den ich schlückchenweise während des CTGs mit Strohhalm trinken sollte. Die Herzkurve wurde direkt besser, allerdings blieb es wehentechnisch bei einer Nulllinie (trotz Wehen ab und zu!).

Sie untersuchte den Muttermund und stellte fest, dass sich da zwar schon ein bisschen was getan hatte, aber der Gebärmutterhals (ihr erinnert euch – der „Flaschenhals“) noch nicht ganz verstrichen war. Bevor der nicht weg ist, können sie auch nichts machen, um die Geburt „anzuschubsen“. Es hieß, die Ärztin käme gleich, um den Papierkram mit mir zu besprechen (Geburtsarten, Risiken, Schmerzmittel, etc.), dann werde ein Ultraschall gemacht, um Lage und Gewicht noch mal zu bestimmen und dann untersuche sie mich in einer Stunde erneut. Wenn sich bis dahin nichts getan habe, solle ich erst mal auf die Wochenstation verlegt werden. Nach Hause schicken wolle sie mich aber nicht, denn bei Zweitgebärenden könne es auch mal plötzlich ganz schnell gehen. Hört hört! Mein Mann machte ein Foto von mir, wie ich grinsend im Kleidchen am CTG lag, und schickte es meiner Mama, 17.50 Uhr. Ich hielt währenddessen die Twittergemeinde auf dem Laufenden:

Anschließend folgten das Arztgespräch und der Ultraschall. Köpfchen war tief im Becken, Versorgung gut und geschätzt wurde sie auf 3200g. Danach wurde ich wieder untersucht. Fruchtblase sei prall, Gebärmutterhals immer noch tastbar und Muttermund unverändert. Aaaah, ich wollte nicht auf Station! Da sind die ganzen Nicht-Mehr-Schwangeren mit ihren Neugeborenen. Da fühlt man sich mit Kugelbauch so fehl am Platz!

Die Hebamme deutete meinen enttäuschten Gesichtsausdruck richtig und grinste:
„Soll ich Ihnen sagen, was ich an Ihrer Stelle machen würde? Sie könnten jetzt natürlich auf dem Klinikgelände spazieren gehen, aber dafür haben wir nicht das richtige Wetter. Die meisten Frauen wollen das absolut nicht, aber oft kann ein kleiner Einlauf Wunder bewirken, weil Darm und Gebärmutter direkt Wand an Wand liegen. Wird das eine aktiv, regt es das andere zum Mitmachen an.“
– „Wenn Sie meinen – ich mach alles mit. Also los.“

18.15 Uhr: die gesamte Kreißsaalabteilung war an diesem Abend bis auf uns beide und Hebamme Antje menschenleer. Die Türen standen also offen und ich konnte in meinem offenen Hemdchen zwischen der Untersuchungsliege und dem Klo hin und her wandern, ohne Rücksicht nehmen zu müssen auf eventuell wartende Papas-to-be auf dem Gang. Während der ersten 15min auf dem Klo kamen bereits 3 Wehen und zwar solche, die es in sich hatten. Hui! Als Antje mich eine Wehe veratmen hörte, meinte sie anerkennend: „Na das klingt doch schon anders!“ Konnte sie tatsächlich nur anhand meines Atmens einschätzen, wie stark die Wehen waren? Zauberei. Mein Mann und ich durften nach nebenan in ein kleines Wohnzimmer gehen – eigentlich ein Wehenvorzimmer mit 3 Schränken für persönliche Sachen, einer Couch und einem geschmückten Weihnachtsbaum. So saßen wir also dort, sehr romantisch im Schein der Kerzen Lichterkette, ich bekam einen heißen Früchtetee und 15min später sollten wir rüberkommen in den Kreißsaal.

Die Klinik verfügt über 3 Kreißsäle, von denen ich mir einen aussuchen durfte. Ich entschied mich für den mit der stimmungsvollsten Lampe an der Decke. Geburtswanne und andere Specials wollte ich nicht, nur Lachgas hatte ich schon im Vorfeld „bestellt“. Das werde erst seit Kurzem wieder als Schmerzmittel in der Geburtsmedizin angewandt, über eine Maske eingeatmet und fühle sich an, wie 2 Gläser Sekt auf nüchternen Magen, erklärte die Ärztin. Toll, nehm ich! Die Wirkung ist zeitlich begrenzt: man kann es während einer Wehe einatmen und kurz nachdem man die Maske vom Gesicht nimmt, lässt auch die Wirkung wieder nach. Schwester Antje ließ uns allein im „Wehenwohnzimmer“ und bereitete im Kreißsaal alles vor. Währenddessen erkundigten sich meine Herzensdamen auf Twitter nach meinem Schuhwerk und ich zwischerte in den Wehenpausen noch fröhlich zurück. Es sollte mein vorerst letzte Antwort gewesen sein:

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In der Linken die Tasse Tee, in der Rechten das Handy, ging es kurz vor 19 Uhr nach nebenan in den Kreißsaal, den ich beim Reingehen noch fotografierte. Die Wehen kamen in kurzen Abständen und waren schon nicht mehr lustig, weshalb Schwester Antje mal wieder ein CTG sehen wollte. Ich biss ganz schön die Zähne zusammen und freute mich, dass nun wohl ENDLICH ordentliche Gebirge auf dem Wehenschreiber zu sehen sein würden. Wenn man schon Schmerzen hat, soll das CTG einen wenigstens mit einer hohen Zahl dafür „belohnen“. [Zur Info: die Nulllinie liegt bei ungefähr 20, bei „echten“ Wehen würde das Gerät 50 oder 60 anzeigen]. Eine heftige Wehe kam, ich lag auf der Seite und drehte mich extra zum Gucken um und sah: eine 27. Uh! Höher als 35 sind sie übrigens bis zum Schluss nicht geworden, kann bei nicht gertenschlanken Frauen aber daran liegen, dass die darüberliegende Polsterschicht die Kontraktionen der Gebärmutter nicht 1:1 an den Messkopf weitergibt…  

19.00 Uhr: mein Mann machte wieder ein Foto von mir, grinsend auf dem Kreißbett und schickte es an meine Mama.
Die antwortete: „Die grinst ja immer noch!“ – „Ja, aber alle 3 Minuten nicht mehr!“
Danach ging alles ganz schnell. Wir waren allein im Kreißsaal, ich lag auf dem Rücken und plötzlich platzte die Fruchtblase. Ich bekam auf ein Mal ein bisschen Angst: jetzt würde es wirklich losgehen! „Hol die Hebamme!“ rief ich. Sekunden später stand sie vor mir, untersuchte das Fruchtwasser (war farblos, alles ok. Ist es grün, heißt es, dass das Kind „Stress“ hat im Bauch bzw. die Versorgung nicht gut ist) und meinte, ich solle mich auf die linke Seite drehen. Während einer Wehe (au!) untersuchte sie den Muttermund und sagte etwas wie „Köpfchen dreht sich schon rein“ oder so. Im Geburtsvorbereitungskurs hatten wir gelernt, wann sich unter der Geburt das Kind wie dreht. War in dem Moment natürlich alles weg und mir auch ziemlich egal. Ich lag immer noch auf der Seite und hörte mich während einer Wehe panisch rufen: „Es drückt schon so, ich glaub, das Kind kommt jetzt!“. Dass ich natürlich nicht dazu gekommen bin, das extra für diesen Zweck gekaufte Nachthemd anzuziehen, muss ich wohl nicht extra erwähnen. Und meinen Früchtetee habe ich auch kalt werden lassen…

Mein Mann verlangte das Lachgas (für mich, nicht für sich), ich nahm nur am Rande wahr, dass jemand sagte, es sei zu spät. ZU SPÄT für Schmerzmittel, eine Äußerung, die ich von der ersten Geburt schon kannte. Er drängte, dass sie es bitte trotzdem noch holen solle, weil ich beim letzten Mal schon keines hatte. Eine Schwester verließ darauf den Raum und kam eine gefühlte Ewigkeit später erst wieder. Lasst es vielleicht 3-4 Minuten gewesen sein ^^ Ich durfte mich endlich auf den Rücken drehen. Die erste Presswehe kam, ich wollte schreien, aber erinnerte mich daran, dass Atmen wirksamer ist. Ich hechelte also tapfer gegen das dringende Brüll-Bedürfnis an und es war tatsächlich besser, hatte man das erste Hoch der Wehe erstmal geschafft. Eine Hand vergrub ich im Stillkissen an meinem Kopf, mit der anderen zerquetschte ich etwas, was sich hinterher als Hände meines Mannes herausstellte. Zwischen den Wehen gab es gefühlt keine Pausen mehr, keine Erholung. Sie rollten unaufhörlich auf mich zu und ich atmete um mein Leben. Irgendwann hielt jemand eine Maske vor mein Gesicht. Ah, das Lachgas! „Ihre Frau muss die Atemmaske aber selber halten!“ mahnte die Schwester. Ich hörte es, konnte die Maske aber nicht halten, denn ich musste mich ja an meinem Mann und dem Stillkissen festhalten und es fehlte irgendwie eine dritte Hand. Und überhaupt: nehmt dieses blöde Ding weg und lasst mich in Ruhe! Die Schwester stand also untätig neben mir, etwas hilflos und mit dem Lachgas in der Hand, die Hebamme machte irgendetwas am unteren Ende des Bettes, mein Mann sagte „Gleich geschafft, das Köpfchen ist schon da!“ und eine Presswehe später, kurz vor halb 8, wurde unser Baby geboren und mir auf die Brust gelegt…
Große, dunkle Augen guckten mich wach an. Oh Gott, sie ist da! Love at first sight!

„Ein Mädchen, herzlichen Glückwunsch!!!“

Um 19.28 Uhr, 3 Minuten nach der Geburt und nur eine knappe halbe Stunde nach dem letzten Grinsefoto, bekam meine Mama das Bild ihrer wieder grinsenden Tochter aufs Handy, diesmal mit Baby im Arm. Sie konnte es fast nicht glauben!

Und weil im Krankenhaus immer noch nichts los war, durften uns meine Eltern und die frischgebackene große Schwester noch direkt im Kreißsaal besuchen! Keine 20min später klopfte es an der Tür, mein großes Kind kam rein und dann rollten die Freudentränen bei allen. Der perfekte Abschluss dieser tollen und vor allem schnellen Geburt. Was für ein Erlebnis. Kurz nach 21 Uhr wurden wir auf die Wochenstation gebracht. Und statt – wie das Baby – zu schlafen und mich von der Geburt zu erholen, guckte ich dieses wunderschöne, perfekte Menschlein an, fotografierte von links, von rechts, von oben und von unten und war einfach nur überwältigt, unendlich glücklich und dankbar für dieses kleine Wunder: FELICIA

Bild auf dem Krankenhausflur

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Schwanger – der zehnte Monat

Der zehnte Monat, Woche 37 –  40

Diesen Post wollte ich eigentlich irgendwann Anfang nächsten Jahres als Rückblende auf die allerletzten Wochen schreiben, wenn das Baby längst da ist und friedlich neben mir schlummert (lasst mir diese Illusion!). Aber da ich nun immer noch hier sitze und warte (ok, obwohl die 40 Wochen noch nicht ganz um sind), kann ich genauso gut den letzten Schwangerschaftsmonat noch vor der Geburt aufschreiben…

„Was für eine aufregende Woche seit dem letzten Eintrag! Am Donnerstag war ich bei meiner Hebamme in der Praxis. Sehr entspannt: Tee trinken, quatschen, Streptokokken-Abstrich und CTG mit 10 Punkten „bestanden“ (10 P.  heißt: Herzfrequenz super, keine Wehe). Samstag waren wir dann zum Babybauchshooting beim Fotografen. Den Termin hatte ich schon vor einigen Wochen ausgemacht. Es war sooo toll und hat riesigen Spaß gemacht! Die Bilder sind einfach der Wahnsinn. Statt der geplanten 10 haben wir 20 Stück genommen (von 66!) und gucken sie uns fast täglich an. Wunderschöne Erinnerungen an eine ganz besondere Zeit. Erst konnten Papa und Nono Eis essen gehen, während ich professionell geschminkt wurde und dann ging es für alle 3 bzw. dreieinhalb ins Studio. Die junge, dynamische Fotografin war ein echter „Glücksgriff“ und sprudelte nur so vor kreativen Motivideen für Familien-, Eltern-, Bauch- und Mamabilder. Am Montag war dann wieder Frauenarzttermin: CTG – as usual – wehenlos, 10 Punkte, und Muttermund ist noch fest verschlossen. Als ich erwähnte, was ich noch vorhabe an Konzerten, meinte die Ärztin nur: „Na Sie sind ja optimistisch!“. Ich musste versprechen, dass ich langsam mache, einen Stuhl mit auf die Bühne nehme und so oft es geht sitze, wenn ich nicht dirigieren muss. Auf dem Rückweg im Auto dann ein komisches Gefühl: „Rudolph, the rednosed reindeer“ im Radio. Stimmt, Totensonntag ist vorbei. Danach beginnt offiziell die Vorweihnachtszeit und die Radiosender warten nur darauf, dass sie endlich ihr musikalisches Weihnachtsfeuerwerk abschießen können. Aber Rudolph im Radio heißt auch: Endspurt, es wird ernst! Beim Arzt sollte ich übrigens noch einen Termin für nächste Woche vereinbaren. Der Sprechstundenhelfer schlug den 02.12. vor und ich sagte erst: „Nee, in EINER Woche!“ und dann: „Oh, achso…“ December’s coming!“

Unser großes Jahreskonzert in der letzten Novemberwoche hat wunderbar geklappt, auch wenn es ein komisches Gefühl war, sich als Dirigentin mit seinem Höckerchen auf der Bühne hinzusetzen, wenn man sonst einfach zur Seite abgegangen ist. Als ich zum ersten Mal vor das Publikum getreten bin, ging ein hörbares Raunen durch die Menschenmenge. Es wussten wohl noch nicht alle von der Schwangerschaft. Nun ja, zu übersehen ist sie inzwischen wirklich nicht mehr. Spezielle Umstandsauftrittskleidung musste ich mir übrigens nicht kaufen. Das ist der unschlagbare Vorteil, wenn man als Frau sowieso Klamotten für 3 verschiedene Kleidergrößen im Schrank hat ^^

„Ich träume so einen Mist in letzter Zeit, das gibt’s gar nicht! Letztens habe ich (in echt) überlegt, wie man feststellt, ob man tröpfchenweise Fruchtwasser verliert. Ein Anruf in der Apotheke brachte Klarheit: mit speziellen pH-Testhandschuhen für unglaubliche 35€ (!) – oder eben kostenlos im Krankenhaus bei Verdacht. Eine Nacht später träumte ich, ich sei im Einkaufscenter gewesen und habe mir in der Apotheke so einen Test gekauft. Er sah aus wie ein ganz normaler Clearblue-Schwangerschaftstest mit Digitalanzeige und ich machte ihn gleich vor Ort auf der Apothekentoilette. Erst zeigte er „Schwanger 3+“ an und kurz darauf blinkte „FRUCHTWASSERFLÜSSIGKEIT“ im Display. Als ich panisch aus dem Apothekenklo raus wollte, herrschte plötzlich Seuchenalarm und das gesamte Einkaufscenter wurde zur Quarantäne-Station erklärt. Nicht raus und nicht rein. Hilfe! Oh man, dementsprechend schlecht geschlafen, die Nacht. Heute dann das plötzliche Verlangen, auch die Babytasche mit eigenen Klamotten für den Heimweg aus dem Krankenhaus zu packen – check – und Geburtskarten online auszusuchen und (bis auf die Daten) vorzubereiten (check). Nanu, Nestbau?!“

Nachdem in dieser Woche der MaxiCosi bei uns eingezogen war, holte ich auch endlich den noch original verpackten Kinderwagen im Karton aus dem Keller. Den hatten wir Anfang des Sommers schon gekauft, als wir noch nicht mal das Geschlecht unseres Kindes kannten. Aber die Farbe „red rumour“ wäre im Zweifel auch für einen kleinen Jungen nicht unpassend gewesen. Trotz verhältnismäßig wenig technischen Verständnisses saß ich nun also zwischen Rädern und Stangen im Flur und schaffte tatsächlich ganz alleine, a) den Buggy vollständig auf- (und auch wieder ab-)zubauen und b), sogar die Adapter für die Babyschale zu montieren (tricky!). Anschließend fuhr erst ich ein paar leere Testrunden durch die Wohnung und bewunderte den nicht vorhandenen Wendekreis des Quinnys und dann wurde Zoé, unsere BabyBorn, von Fiona angeschnallt und im Wohnzimmer spazieren gefahren. Und weil ich danach dann auch noch die Isofix-Base in meinem Auto „installiert“ habe, fährt seit Wochen der MaxiCosi leer auf dem Rücksitz mit und dient zuweilen Liemhasi als komfortable Reisemöglichkeit in der 2. Klasse. Ist also jetzt alles da, fehlt eigentlich nur noch das Baby!

„Freitag Abend, ich bin über’s Wochenende allein zu Hause und fühle mich prompt unwohl. Der Bauch wird ständig hart und mir ist ein bisschen schlecht. Senkwehen?! Mit letzter Kraft noch Fiona ins Bett gebracht und jetzt liege ich mit Wärmflasche auf der Couch. In ein paar Tagen bist du offiziell kein Frühchen mehr. Ich weiß noch genau, wie ich in der ersten Schwangerschaft mit deiner großen Schwester auf den Tag X hingefiebert habe. Aber irgendwie macht einem dieser Umstand auch ein bisschen Angst. Wenn es jetzt losginge, würde niemand mehr versuchen, dich noch ein bisschen im Bauch zu halten, sondern du dürftest einfach so rauskommen. Uah! Lass dir aber bitte bitte noch ein bisschen Zeit, okay?“

„Dezemberchen“, so habe ich den zweiten Strich auf dem Schwangerschaftstest ganz am Anfang

genannt (und so heißt auch noch der Fotoordner auf dem PC). Und „plötzlich“ ist er da, der Monat, in dem das Dezemberchen vermutlich geboren wird! Der Bauch wurde in diesen Tagen schon ziemlich oft hart, ohne weh zu tun zwar, aber eben hart. Manchmal war es sogar beim Laufen unangenehm und ich musste kurz stehenbleiben, weil es vom Bauch über die Oberschenkel bis fast zu den Knien gezogen hat. Meine Hoffnung, dass das effektive Senkwehen seien, die das Baby tief ins Becken, sozusagen in „Startposition“ schieben, wurden beim nächsten Arzttermin allerdings wieder zunichte gemacht. Auf dem CTG: keine Wehe! Die Arzthelferin hat den oberen Rand der Gebärmutter ertastet und meinte, Platz sei da oben jetzt aber keiner mehr. Ich frage mich ernsthaft, wo die ganzen Organe hin sind. So ein Querschnitt durch einen hochschwangeren Körper würde mich dann doch interessieren. Bestimmt alles irgendwo am Rand und nur noch halb so groß. Wer weiß, vielleicht streichel ich bei der Beule rechts außen in Wahrheit nicht die Füßchen meines Babys, sondern meine Leber oder so. Who knows! Der Sprechstundenhelfer fragte mich beim Terminvereinbaren ganz ungläubig, ob ich tatsächlich noch Auto fahren würde. „Klar, besser als laufen, oder?“

„Sozusagen in 4 Tagen, an 38+2, ist deine Schwester zur Welt gekommen. Ein bisschen unheimlich ist

mir das schon. Da ist diese zweite Schwangerschaft nun „schon“ fast wieder vorbei. Andererseits wird es ja auch langsam Zeit, denn mein aktueller Zustand ist wohl am Besten mit RIEN NE VA PLUS zu beschreiben. Da überlegt man sich zwei Mal, ob man etwas Runtergefallenes aufhebt. Zurück aus dem Krankenhaus werde ich erstmal eine Runde ausgelassen auf der Couch hüpfen und mich hinlegen – aufstehen – hinlegen – aufstehen. Aus keinem besonderen Grund, einfach nur, weil ich es dann wieder kann! Mal im Ernst: ich glaube so oder so ähnlich fühlt sich alt sein an. Ich weiß jetzt auch, warum es den Mutterschutz gibt: damit man sich morgens nicht mehr anziehen muss! Hosen und Socken sind echt gemein! Und Rasieren hat ein bisschen was von blind Rasenmähen… Beim Essen sitze ich nach hinten gelehnt wie ein Mann mit sehr großem Bierbauch, weil selbst gerade sitzen nicht mehr geht! Werde sofort ermahnt. Und wenn ich im Unterricht auf dem kleinen Akkordeon mitspiele, wird der Bauch sofort hart. Jetzt noch 2 Tage durchhalten, dann die beiden Konzerte am Wochenende und dann bin ich fertig für dieses Jahr. Habe gestern Nacht geträumt, dass ein Kaiserschnitt gemacht werden musste, aber hier zu Hause! Ich lag in der Höhle unter Fionas Bett und dann kamen Ärzte rein und haben gesagt, sie müssten das Kind jetzt holen und haben diese grünen Tücher aufgespannt und alles vorbereitet. Im Traum wundert man sich über unrealistische Situationen ja nicht zwangsläufig. Auf jeden Fall war das (sogar im Traum) eine ganz schreckliche Erfahrung, auf die ich – auch wenn es im OP und nicht im Kinderzimmer stattfände – nach Möglichkeit gerne verzichten möchte. Habe übrigens noch Mini-Bettwäsche für dich bestellt, damit das Babybay-Bettchen ein bisschen „benutzerfreundlicher“ aussieht. Wir freuen uns alle so auf dich, kleines Wunder!“

Anfang des Monats hat die erste Mama aus dem Geburtsvorbereitungskurs (siehe 9.Monat) ihre Tochter bekommen! Sie war auch laut ET-Liste die Erste. Und die Zweite … bin ICH! Wie du wohl aussiehst? Wie Baby Fiona? Ähnlich? Oder ganz anders?
In der 39. Schwangerschaftswoche habe ich mehrfach gedacht, wir müssten evtl. in der Nacht ins Krankenhaus fahren und habe schon „vorsichtshalber“ das Handy ans Ladekabel angeschlossen und überlegt, was noch dringend in die Kliniktasche muss. Mir wird auch jetzt noch oft richtig übel aus heiterem Himmel, ich fange an zu frieren, der Bauch wird oft steinhart, drückt, und ich fühle mich insgesamt einfach nicht wohl, fast wie krank, nur eben ohne krank. Aber die Tatsache, dass ich immer noch einschlafen kann, heißt ja scheinbar, dass alles noch im grünen Bereich ist. Das Komische? Am nächsten Morgen ist immer alles vorbei, als wäre nie was gewesen. Der Bauch ist weich und (fast) nicht zu merken und mir geht es blendend. Gegen 18 Uhr geht’s dann immer bergab und ich vegetiere vor mich hin auf der Couch in der Hoffnung, dass es entweder richtig losgehen oder bald wieder besser werden möge. Und dann sagt Dr. Google, dass der Körper vor einer anstehenden Geburt gerne noch mal „ausmistet“ und viele Frauen mit Übelkeit, z.T. Erbrechen und Durchfall zu kämpfen haben, bevor es richtig los geht. Und prompt muss ich auch noch aufs Klo… Wunschdenken?

„Gestern war wieder Termin bei Frau Doktor. Ständig harten Bauch in den letzten Tagen, aber auf dem CTG natürlich wie immer: keine einzige Wehe. Nicht mal ’ne halbe. Vorführeffekt? Habe aber auf einer Untersuchung bestanden, um zu erfahren, wie es an der Muttermundfront aussieht. Sie meinte, sie gebe keine Prognosen ab, denn manchmal könne es auch von 0 auf 100 ganz schnell gehen, aber einen aktuellen Ist-Zustand könne sie mir mitteilen. Dann die große Ernüchterung: der Gebärmutterhals (der „Flaschenhals“, um es sich bildlich vorzustellen) sei noch bei 3,5cm (muss vor einer Geburt „verstreichen“, also komplett weg sein) und der Muttermund noch fest verschlossen. Das heißt, es sieht also nicht danach aus, dass das Baby in den nächsten Tagen „rausfällt“. Hmpf. Köpfchen „hat Bezug zum Becken aufgenommen“, das bedeutet, dass das Kind sich langsam auf den Weg in die Startposition macht, aber noch nicht ganz dort – fest im Becken – „angekommen“ ist. Du scheinst es dir gerade so richtig bequem da drin zu machen. Und ich dachte, du möchtest Weihnachten schon mit deiner Familie unter dem Baum feiern…?“

„Habe vor ein paar Tagen gedacht, dass ich tröpfchenweise Fruchtwasser verliere. Gleich die Hebamme angeschrieben, ihre Antwort: „uhiii, es wird spannend! Könnte aber auch nur Pipi gewesen sein“. Mit Letzterem hatte sie scheinbar recht. Schade! Immerhin drückt ein Kopf mit geschätzten 35cm Umfang auf die Harnblase, da hat man’s nicht immer 100% im Griff, besonders nicht, wenn man auf allen Vieren durchs Kinderzimmer kriecht und Rumliegendes aufsammelt… Abends auf dem Sofa wurde der Bauch so oft und in so kurzen Abständen hart (unangenehm), dass ich begonnen habe, auf die Uhr zu gucken. 12 min Abstand etwa. Ich war in Achtungsstellung, aber es hat sich dann doch wieder beruhigt und ich bin irgendwann eingeschlafen. Wenn der Bauch ruhig ist, möchte ich am Liebsten alles tun, um die Wehen anzuschubsen. Aber wenn der Bauch immerzu hart wird, möchte ich nur, dass es aufhört, damit ich ruhig schlafen kann. So wird das doch nix 😉 

Bild: Peter Hebgen  / pixelio.de

Tagsüber bleibe ich oft ganz dekadent bis mittags im Schlafanzug, nähe ein bisschen, blogge, bereite Weihnachtsgeschenke vor und sitze auf Kohlen. Wehwehchenstatus ist relativ hoch. Ich dachte nicht, dass ich es mal sage, aber ICH MÖCHTE NICHT MEHR SCHWANGER SEIN. Alles tut weh, jede Bewegung ziept irgendwo anders. Bauch drückt, pullern, kalt, Hunger, wääh. Ich möchte den Bauch endlich neben mir auf der Couch zu liegen haben oder auf der Brust oder im Bettchen. Nur nicht mehr bei jedem Schritt spazieren tragen. Wer inzwischen so groß ist wie ein Kürbis, könnte wirklich langsam ausziehen! 
Meine Schwangerschafts-App zeigt seit übrigens heute kein Ultraschall-Bild mehr, sondern das Bild eines Säuglings, denn „rein statistisch gesehen wird dein Baby am Ende dieser Woche das Licht der Welt erblicken“! Hast du das gehört, Baby? Ich hab ein bisschen Angst aber will dich gleichzeitig auch unbedingt endlich kennenlernen!“

Zu Beginn der 40. Schwangerschaftswoche – gestern – schob sich noch kurzfristig ein Hochzeitstermin vor die anstehende Niederkunft des „dicken Dings“, wie mich meine Mama liebevoll nennt. Der meiner Schwester. Dass sie schnell entschlossen ist, kenne ich nicht anders von ihr. Ob ich noch als Hochzeitsgast würde teilnehmen können, vermochte ich bei der Einladung eine Woche vorher nicht zu sagen. I’ll try my very best. Aber da sich das Bauchkind drinnen häuslich eingerichtet hat und nicht daran denkt, seine Wohnung zu räumen, stand der kleinen Feier nichts im Wege. Während der standesamtlichen Trauung war noch alles ruhig, aber am Nachmittag im Restaurant begann der Bauch in relativ kurzen Abständen hart zu werden wie ein Medizinball, so dass meine Oma ganz besorgt meinte, ich solle doch mal auf die Uhr gucken und mir die Abstände einprägen. Meine Schwangerschafts-App hat eine praktische Wehen-Funktion, bei der man auf „UMPF!“ drückt, wenn es weh tut bzw. hart wird und auf „besser„, wenn es nachlässt. Die „Umpfs“ kamen im Abstand von 6 – 15 min über einen Zeitraum von mehreren Stunden, aber immer noch so, dass ich mich währenddessen unterhalten konnte und nicht das dringende Bedürfnis verspürte, die Hebammen im Krankenhaus damit zu „belästigen“. Abends ließen sie nach und in der Nacht habe ich geschlafen wie ein Stein. Nun ja… Und dabei hatte ich gestern echt Hoffnung auf den Einzug in den Kreißsaal. Aber immerhin, irgendwas tut sich! Morgen habe ich wieder Termin zum CTG und „wehe“, wenn da keine Wehe drauf ist!

ET minus 6, eine knappe Woche noch. Oder weniger. Oder mehr. Der Countdown läuft und das Entbindungstermin-Raten von unserer „Sexparty“ im Sommer geht in die heiße Phase!

Und was glaubt ihr…? Any suggestions?

Schwanger – der neunte Monat

Der neunte Monat, Woche 33 – 36

„9. Monat – WAAAAS? Aber du hast doch noch ein paar Wochen!?“
Wie ganz am Anfang im allerersten Monat (der eigentlich noch gar keiner ist) schon mal erklärt, wird eine Schwangerschaft nicht in Kalendermonaten, sondern in Mondmonaten gezählt, d.h., 4 Wochen = 1 Monat. Der erste Monat beginnt mit der letzten Regel, also wenn man eigentlich noch gar nicht schwanger ist. Dadurch kommen am Ende nicht wie im Volksmund üblich die berühmten 9, sondern ganze 10 Monate (40 Wochen : 4 = 10) heraus.

Zu Beginn des neunten Monats haben wir zusammen Halloween gefeiert, natürlich mit entsprechender „spooky“ Bauchbemalung ein paar Tage vorher. Ich trug ein Kostüm, als wir um die Häuser zogen, und wurde von (älteren) Nachbarn auf den kugeligen Hexenbauch angesprochen. Meine Märchenanspielung „Da ist Gretel drin“ haben sie allerdings nicht verstanden und beglückwünschten mich stattdessen zu dem schönen Namen Gretel. Ups.
Ende Oktober habe ich mir eine fiese Erkältung eingefangen mit einem handfesten Schnupfen. Die machte zusätzlich zur Kurzatmigkeit das Keuchen nach 3 Treppenstufen nicht wirklich besser und blieb die kommenden Wochen hartnäckig…

„Letztes Wochenende war der Geburtsvorbereitungskurs, Sa. und So. von 10 – 14 Uhr, speziell für Zweiteltern. Nachdem unser erster Kurs 2009 von einer kinderlosen Esoteriker-Hebamme mich nicht von den Socken gehauen hatte, habe ich erst überlegt, ob wir dieses Mal überhaupt einen Kurs machen sollten. Immerhin kann man sich auf eine Geburt nicht wirklich vorbereiten, die passiert einfach. Aber als meine coole Hebamme ihren Zweit-Eltern-Kurs vorgeschlagen hat, war ich sofort überzeugt. Die Frau ist so toll, das musste einfach lustig werden. Und genau so war es dann auch! Wir waren 8 Paare: von sehr sympathisch bis eher unterirdisch alles vertreten. Und wozu nun so ein Kurs, wenn man doch schon ein Kind bekommen und schon eine Geburt erlebt hat? Weil jede Schwangerschaft anders ist, weil die erste Geburt mit der zweiten absolut nichts gemeinsam haben muss, außer das Kind, das am Ende dabei rauskommt, weil man nach ein paar Jahren gefühlt ALLES vergessen hat (Blasensprung? Sofort liegend ins Krankenhaus? Oder doch noch zu Hause auf die Wehen warten?) und weil es gut tut, sich ganz bewusst diese 2 Vormittage Zeit für Baby Nummer 2 zu nehmen, wo doch schon die gesamte Schwangerschaft wahnsinnnig schnell vergeht und irgendwie „nebenher“ läuft. 

Die Hebamme hat gefragt, was uns speziell interessiert, was wir wiederholen möchten und was vielleicht komplett irrelevant ist. Mit einem Becken aus Stoff, einem Fruchtblasensack mit Plazenta („Das habt ihr alles auch, außer die Schnur mit der Kordel, natürlich!“) und einer Babypuppe hat sie uns am Anfang realistisch und ausführlich demonstriert, was Körper und Kind im Verborgenen anstellen, wenn die Geburt kurz bevor steht und welches Teil sich wohin drehen muss, damit es dann auch wirklich los gehen kann. 
Am Süßesten waren aber die Männer mit ihren Fragen. Einer hat gehört, dass man mit „Wehengesängen“ die Geburtsschmerzen lindern kann und wollte wissen, ob sie das mit uns üben könne, jemand anderes wollte gerne die Plazenta als homöopathische Kügelchen verarbeiten lassen. Es gibt übrigens nichts, was es nicht gibt! Auf jeden Fall hat sie uns Hoffnung gemacht, dass sich die Kreißsaalhebamme auf uns freuen und Spaß mit uns haben wird, weil Zweit- bzw. Mehrgebärende meist ganz genau wissen, was sie wollen und was nicht. Und ganz wichtig: beim Verdacht auf „echte“ Wehen nicht mehr den Badewannentest zu Hause machen (in der warmen Wanne werden echte Wehen stärker), sondern am Besten gleich ins Krankenhaus fahren. Das „Körpergedächtnis“ vergisst nichts und weiß beim zweiten Mal eben schon, wie alles funktioniert. Dementsprechend schneller verläuft eine zweite Geburt dann auch meistens.

Die einzelnen Geburtsphasen hat sie kurz und humorvoll erklärt (Phase 1: die Wehen kommen unregelmäßig, Muttermund öffnet sich langsam. Man macht noch Witze. Phase 2: Muttermund ist vollständig geöffnet, Wehen kommen regelmäßig und in kurzen Abständen, man macht keine Witze mehr, sondern verflucht Partner, Ärzte und Klinikpersonal, inoffizieller Beiname dieser Phase : „Der Exorzist“, Phase 3: Kind kommt. Plazenta auch noch irgendwann hinterher. Alles wieder gut. Äh, war was?!) und obwohl man richtiges Atmen eigentlich nicht üben kann, hat sie uns noch die „Rotzhochziehatmung“ von der sog. Schwarzwaldhebamme in ihrer Ausbildung demonstriert: ganz kurz und schnell einatmen (wie Rotze hochziehen) und anschließend etwas länger und ggf. laut ausatmen. Soll sehr effektiv sein. Ansonsten gab es noch ein paar Hinweise für hinterher, z.B. Netzschlüppis aus dem KH mitgehen lassen (beileibe nicht schön, aber ungemein praktisch), schon vorher Wochenbettzubehör kaufen für zu Hause (ja, bei einer Geburt fließt Blut und nein, es gibt nichts Erotischeres als sog. „Vorlagen“ mit dem Namen PELZY) und wir haben erfahren, was Magerquark und Weißkohl mit dem u.U. schmerzhaften Milcheinschuss am 3. Tag zu tun haben (Heiß, heiß, heiß! Löschen!). Alles in Allem ein spannendes und informatives Wochenende mit vielen netten Bekanntschaften! In diesem Sinne: lasset die Geburten bald beginnen!“

Auf der Rückfahrt vom zweiten und letzten Tag Geburtsvorbereitungskurs dann der elterliche Super-GAU, Zitat, mein Mann: „Duu? Irgendwie werde ich mit dem Namen (Anm. d. Red.: den wir seit etwa 10 (!) Wochen als Favoriten haben) doch nicht warm. Und an die Schreibweise kann ich mich auch nicht gewöhnen. Können wir noch mal neu verhandeln? Oder ersten und zweiten Namen umdrehen?“ AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHH!

Eintrag ins Babytagebuch, ein paar schlaflose Nächte und Namensdiskussionen später:

„Hallo Prinzessin, du wirst es nicht glauben: DU HAST EINEN NAMEN! Ich habe in den letzten Tagen seitenweise Blätter vollgekritzelt mit allen möglichen Vorschlägen und Kombinationen und dabei bin ich bei einer bestimmten immer wieder gelandet. Als ich deinem Papa die vorgeschlagen habe, war er sofort einverstanden und dann das Verrückteste: er zeigte mir einen kleinen Zettel in seiner Schreibtischschublade mit Namensvorschlägen. Keiner seiner Namen war unter meinen Favoriten, aber ganz unten stand sie dann: genau die Kombination, die ich für dich rausgesucht hatte! Damit war der Name nun wirklich beschlossene Sache. Fiona haben wir nicht eingeweiht, denn sonst wüsste es die ganze Welt schon, bevor du geboren bist, weil sie sich so auf dich freut und so kleine „unwesentliche“ Details wie einen Namen nicht für sich behalten könnte. Aber als ich ihr mal viele verschiedene Namen aufgezählt und gefragt habe, welcher ihr am Besten gefällt, hat sie ebenfalls genau den genannt, den du bekommen sollst. Ich glaube, das kann kein Zufall sein. Heute war übrigens auch wieder Termin bei der Ärztin. 

Gesicht im Profil, v.l.n.r.: Stirn, Nase, Mund

Der Muttermund ist noch fest zu, aber langsam könnten sich die ersten Senkwehen ankündigen. Abends auf der Couch komme ich kaum mehr ohne Hilfe hoch, Modell „gestrandeter Wal“. Frau Doktor wirkte ein bisschen überrascht beim Ultraschall, weil du schon 2500g wiegst und 42 cm groß bist, ein bisschen mehr als der Durchschnitt für diese Woche.  Sie meinte: „Sehen Sie das? Ihr Kind sieht schon ziemlich „fertig“ aus, rundes Bäuchlein, Gesicht schon gut gepolstert, da ist schon alles dran.“ 
Ich: „Also Fiona wog 3,6kg bei der Geburt.“ Sie: „Na ob das hier mal reicht…?“ Es bleibt spannend, vielleicht machst du dich ja wirklich ein bisschen früher als Heiligabend auf den Weg zu uns. Ich bin jedenfalls fest davon überzeugt und freue mich riesig auf dich, kleine Weihnachtsmaus!“


Mein Schwangerschaftsnewsletter aus dem 9. Monat fragte übrigens passenderweise, ob Mama und Papa schon ein paar Vornamen in die engere Wahl genommen hätten. Hahaha, sehr witzig. Außerdem gucke ich regelmäßig in eines meiner liebsten Bücher zum Thema: „Schwangerschaft und Geburt“ von Katharina Mahrenholtz und Dawn Parisi. Herrlich unverkrampfte („Ausfluss: Iiieeh, hässliches Wort. Liegt – wie so vieles – an den Hormonen. Trösten Sie sich mit dem Gedanken, dass Sie immerhin mehr als neun Perioden sparen.“), überspitzte und ziemlich direkte Bestandsaufnahme der „besonderen Umstände“

Ich zitiere mal den Zustand im dritten Trimester, S.72: „Im Spiegel sehen Sie ein fremdes Ich: Brüste, Bauch, Po – alles irgendwie überdimensioniert. Ein Zustand, an den man sich nur schwer gewöhnen kann. Aber immerhin ist jetzt allmählich das Ende in Sicht. Das Wesen in Ihrem Bauch hat sich schon fast zu einem fertigen Menschen entwickelt. Und Sie haben das beruhigende Gefühl, dass heutzutage schon Babys, die in der 28. Schwangerschaftswoche geboren werden, recht gute Überlebenschancen haben. Und falls Sie bisher Angst vor der Geburt hatten: die wird jetzt ersetzt durch den immer stärker werdenden Wunsch, das alles möge ein Ende haben – eine hervorragende Einrichtung der Natur.“


Besonders schön ist auch immer der kurze Exkurs mit dem Stempel „FÜR MÄNNER“ mit der Überschrift: So fühlt sich eure Frau.

Zitat, S.88: „Sie glaubt nicht, dass sie jemals wieder einen Bikini tragen, locker-flockig Treppen steigen oder ungestört schlafen können wird. Wenn ihr euch ein entferntes Bild vom Zustand einer im neunten Monat schwangeren Frau machen wollt, seien hier folgende Übungen empfohlen:
01. Setzt euch an einen Tisch, und zwar so, dass die Tischplatte von unten gegen die unteren Rippenbögen drückt. So in Etwa fühlt sich Sitzen an für eure Frau (nur, dass das Baby nicht nur gegen die Rippen drückt, sondern auch die inneren Organe zusammenquetscht).
02. Tragt eine Bierkiste vom Supermarkt nach Hause und dann in den vier
ten Stock. So in Etwa fühlt sich Gehen bzw. Treppen steigen für eure Frau an.
03. Leiht euch die Latzhose eurer Frau, stopft das Sofakissen rein, stellt euch vor den Spiegel und überlegt, welches Sakko dazu passt. So in Etwa fühlt sich Ausgehen an für eure Frau.
04. Geht mit euren Kumpels was Scharfes, Fettiges beim Chinesen essen und trinkt dazu ordentlich Alkohol. Völlegefühl? Sodbrennen? So in Etwa fühlt sich Schlafengehen an für eure Frau (nur, dass sie nicht den Spaß mit dem Alkohol hatte).“



„Heute begännen (gibt es diesen Konjunktiv?) rein theoretisch die 6 Wochen Mutterschutz vor der Geburt, zumindest für Arbeitnehmerinnen. Ich hab zwar den Unterricht schon drastisch reduziert, habe aber noch Einiges vor bis Dezember. Immerhin stehen ja noch Konzerte an, für die geprobt werden muss. Aber wenn der Bauch manchmal hart wird und es beim Laufen zieht, als ob das Kind jeden Moment rausfällt, ahne ich dunkel, warum es diese Schutzfrist für Mütter gibt… Also alles langsam angehen lassen, jetzt ganz besonders! Manchmal kriege ich richtig Panik vor der Geburt und weiß gar nicht so recht, wieso. Eigentlich bin ich ganz entspannt und denke mir, es wird schon alles klappen. Aber an manchen Tagen wird mir heiß und kalt, wenn an den Moment denke. Und schlecht. Und panisch. Warum nur? Ich kann es mir nicht erklären, ist auch immer nur kurz und wahrscheinlich wie so Vieles: ganz normal im Endstadium. Habe jetzt endlich angefangen mit Fionas Hilfe („Hier steht Fünf-Null-Strich-Fünf-Sechs, nehmen wir!“) Babysachen nach Größe zu sortieren und zu waschen. So klein, unvorstellbar, dass du die bald tatsächlich tragen wirst! Laut der gängigen Empfehlungen für die Erstlingsausstattung benötigt man lediglich 4 Bodies, genauso viele Strampler, eine Jacke und ein Mützchen. Der Blick in die Babykommode mit den gewaschenen Klamotten sagt: wir könnten auch Drillinge bekommen. Klamottentechnisch wäre es jedenfalls kein Problem…“

Zu dieser Zeit haben wir (Nestbau?!) alles noch fehlende Zubehör besorgt: Fläschchen, Nuckel, HA-Nahrung, Einmal-Waschlappen, Wegwerf-Wickelunterlagen, einen stillfreundlichen Schlafanzug
zum Knöpfen vorne, ein langes Nachthemd für die Geburt, … Und in der 36. Woche hat es mich dann auch endlich gepackt: das Verlangen, die sog. Klinik-Tasche zu packen. Was da drin sein sollte, lässt sich eigentlich in wenigen Worten zusammenfassen: Klamotten, bei denen es einem später nicht weh tut, wenn man sich von ihnen trennen muss. Nein, mal im Ernst: eine Geburt ist zwar nicht direkt mit einem Splatterfilm (engl. to splatter – spritzen) zu vergleichen, aber zu romantisch-verklärt sollte man sich das Ganze nicht vorstellen. Frau liegt im Kreißbett, presst mit geschlossenen Augen hoch konzentriert die Lippen aufeinander, macht einmalig ein Geräusch wie beim Kugelstoßen – Schnitt – ein sauber-glänzendes Baby im Arm und eine top gestylte Mama im Bett – das gibt’s nur im Film.
Also neben den Wegwerf-Shirts ein paar kleine Duschgel-Shampoo-Zahnpasta-Fläschchen in Reisegröße, eine bequeme Hose, Latschen (die Klinik bat ausdrücklich um „keine Flip-Flops“, denn das Geräusch, wenn Schwangere in Erwartung der Geburt die Gänge hoch- und runterfloppen, sei unerträglich, hahaha) und warme Socken, denn eine alte Hebammenweisheit besagt: kalte Füße – schlechte Wehen. Klar, Lieblingsmusik kann man sich mitnehmen, etwas zum Lesen auch. Ob man dafür unter der Geburt tatsächlich die Nerven hat, wage ich allerdings zu bezweifeln. Als Letztes gehören noch Familienstammbuch, Versichertenkarte und Mutterpass da hinein, aber die haben wirklich noch ein bisschen Zeit. Also, Kliniktasche? CHECK.

„Jetzt sind wir auch laut offiziellem Termin in der 36. SSW. Hooray! (Arzt hat den 24.12. als Berechnungsgrundlage genommen, ich selbst bin nach Eisprung-Bienchen-und-Blümchen-Rechnung beim „inoffiziellen“ 20.12. gelandet) Gestern hatte ich das Geburtsplanungsgespräch im Krankenhaus. Kann man machen, muss man aber nicht. Der Vorteil ist, dass die Akte schon angelegt und bei der tatsächlichen Vorstellung zur Geburt dann alles Bürokratische erledigt ist und man demzufolge unter Wehen keine überflüssigen Fragen beantworten muss. So der Plan. 
Die Oberärztin hat kurz Ultraschall gemacht, sich aber in erster Linie auf die „Funktionsfähigkeit“ von Plazenta und Gebärmutter beschränkt, also Durchblutung und Versorgung untersucht. Im Arztbrief steht „Grannum Grad 1-2“, das bedeutet (es gibt Grad 0 – super – bis Grad 4 – schlecht. Danke, Dr. Google), dass die Plazenta so langsam den Geist aufgibt und anfängt zu verkalken. Ist aber in dem Stadium völlig normal, da sie ja eh nur auf eine „Haltbarkeit“ von 40 Wochen ausgelegt ist, also alles im grünen Bereich. Von dir habe ich nur ein rundes Köpfchen gesehen, das aber noch nicht ins Becken gerutscht ist. 2620g wiegst du in Etwa, das ist gar nicht so wenig (aber Durchschnitt für diese SSW) und 6,7cm Oberschenkelknochenlänge entsprechen einer Gesamtkörpergröße von 46,9cm. Wow! Danach musste ich noch etwa 20min auf das Hebammengespräch wegen der Formalitäten warten, und wo? Genau, direkt im KREIßSAAL!“ 

aus dem Aufklärungsbogen „Geburtshilfliche Maßnahmen“

Das letzte Mal, dass ich einen Kreißsaal von innen gesehen hatte, live und in Farbe, war im Oktober 2009. Wobei von „live und in Farbe“ hier eigentlich nicht die Rede sein kann, denn in meiner Erinnerung ist alles ein bisschen schwammig vernebelt. Ich könnte nicht mal mehr sagen, welche Farbe die Wände hatten. Zurück zu 2014: ich setzte mich an den kleinen Tisch für die Angehörigen und schaute mich um. Links das Kreißbett mit Stillkissen, daneben CTG und allerhand Kabel und Schnüre, und rechts ein gigantisches Ungetüm namens „Gebärwanne“ mit Hochziehseil (pardon, aber Schwangere aus Wannen zu hieven ähnelt ein bisschen dem Bild von Kränen auf Schrottplätzen). Dahinter ein Pezziball, ein vorbereitetes Babybett, Wickeltisch mit Wärmestrahler, Waage, usw. Die Uhr tickte und nebenan veratmete eine Gebärende ihren 3cm offenen Muttermund mit lauten „Oooohhh“s und „Aaaahhhh“s. Zwischendurch liefen Hebammen und Krankenschwestern an der offenen Kreißsaaltür vorbei und winkten mir fröhlich zu. Ich grinste schief, hatte aber ein mulmiges Gefühl so zwischen den ganzen „Geburtsgerätschaften“ und hoffte, die Hebamme würde bald kommen. So bei „vollem Bewusstsein“ ist ein Kreißsaal nämlich irgendwie unheimlich.

Hier wurden und kleine Menschen geboren. Echte! Hier in diesem Raum machten sie ihren ersten Schrei, wurden gewogen und ihren Mamas auf den Bauch gelegt. Und in etwa 5 Wochen würde genau das mit mir und meinem Baby so passieren. Ach du Scheiße! Als dann endlich die freundliche Hebamme kam, besprachen wir ein paar Fragebögen mit Organisatorischem, ich bekam (nur für den Fall der Fälle) den Aufklärungsbogen zur PDA (Periduralanästhesie, also Rückenmarksbetäubung), den ich zu Hause ausfüllen konnte, und Infoflyer zum Thema Neugeborenenscreening, Vitamin-K-Gabe und Lachgasinhalation gegen Geburtsschmerzen (das gibt es wirklich!). Zum Schluss hieß es nur, man freue sich auf die Weihnachtstage mit mir in der Klinik („Wir machen es uns dann schon gemütlich hier, keine Angst!“) und ich solle mich direkt am Termin im Krankenhaus vorstellen, also Heiligabend, falls nicht vorher die Wehen einsetzen. Sollte sich dann noch nichts tun, werde man noch eine weitere Woche warten bis zur Einleitung, die fiele dann genau auf den 31.12., Silvester. Nun ja, die Termine haben wir uns vielleicht wirklich nicht so günstig „ausgesucht“, aber ich gehe ja fest davon aus, dass die kleine Lady ihr erstes Weihnachten schon live mit uns unterm heimischen Tannenbaum feiern möchte…Drückt uns die Daumen!

 …………………………………………………………..to be continued………………………………………………………..

<<< 8. Monat

Schwanger – der achte Monat

Der achte Monat, Woche 29 – 32

„Vor 5 Jahren um die Zeit war ich mit Fiona schon in der „heißen Phase“ und habe mögliche Geburtstermine aufgeschrieben, die mir gefielen. Komische Vorstellung. Heute ist tatsächlich die allerletzte Stunde musikalische Früherziehung. Zum Glück! Ich liebe meine Kleinen ja wirklich sehr, aber ich kann echt nicht mehr. Gehen, Stehen, Sitzen, Liegen – immer tut irgendwo etwas weh! Beim Laufen zieht es von den Oberschenkelinnenseiten bis zur Körpermitte, wie Muskelkater. Das soll wohl die sogenannte Symphyse sein [Schambeinfuge: kurz gesagt, ein Teil aus Faserknorpel, das die linke und rechte Beckenhälfte miteinander verbindet]. Ein Körperteil, von dem ich bis dato nicht wusste, dass ich es habe…“

Zu Beginn der 29. Schwangerschaftswoche stand das zweite Mal Baby-TV in Walsleben auf dem Programm. Keine medizinische Untersuchung, sondern wirklich nur reines Babygucken in 3D zum Spaß und für schöne Erinnerungen. Die Sitzung ist zwar nicht ganz billig, aber absolut ihr Geld wert. Wie oft habe ich nach der ersten Entbindung die 3D-Bilder von Fiona noch mal rausgekramt und an die Zeit gedacht, als sie noch im Bauch gewesen ist. Das funktioniert mit den „echten“ Fotos einfach besser als mit den schwarz-weißen Ratebildern. Den Termin hatte ich schon vor Monaten ausgemacht und freute mich wahnsinnig auf die halbe Stunde Kinofilm live aus dem Bauch. Vermessen wurde natürlich auch: 37cm lang und in völlig querer und „zusammengeklappter“ Lage mit Kopf rechts, Knie (!) rechts und Po links. Ein vernünftiges Gesichtsbild erwies sich anfangs als ganz schön schwierig, denn so eine Plazenta scheint ein angenehmes Kopfkissen zu sein. Die kleine Lady war wie immer ganz ruhig und hat hauptsächlich geschlafen. Ob das noch so ist, wenn sie auf der Welt ist? Auf jeden Fall war es unglaublich faszinierend, so ein richtiges Baby auf der Leinwand zu sehen. Klar, „fertig“ ist sie noch lange nicht, aber die Proportionen sehen einem Neugeborenen doch schon sehr ähnlich. Ich bin verliebt!

„Hallo meine Schnecke, vorgestern haben wir schon den 5. Geburtstag deiner großen Schwester gefeiert! Den Käsekuchen zum Frühstück habe ich nicht so gut vertragen und du hast geboxt und getreten wie wild. Hat dir nicht geschmeckt?! Momentan tut mir echt alles weh und ich kann kaum richtig laufen. Hoffentlich bleibt das nicht bis Dezember so! Und die Hormone spielen scheinbar auch verrückt. Muss manchmal einfach grundlos weinen und habe keine Ahnung wieso! Das ist vielleicht ein blödes Gefühl. Und wenn ich dann vielleicht noch gefragt werde, warum ich schlechte Laune habe, macht es alles nur noch schlimmer. Denn ICH HABE JA KEINE SCHLECHTE LAUNE. Schiebe ab sofort alles auf dich. DU hast vielleicht schlechte Laune, aber ICH doch nicht 😉 Heute war ich bei der Ärztin, zum ersten Mal CTG seit 5 Jahren. Erstaunlich, was man alles vergisst! Ich erinnerte mich vorher nur noch dunkel daran, dass man 30-45 min auf dem Rücken liegt und kleine Schallköpfe mit Gurten um den Bauch geschnallt hat, die auf einem meterlangen Papierbogen Herztöne des Ungeborenen als Gebirge aufschreiben. Vorsorglich hatte ich mir ein Buch für die Zeit

eingesteckt, das ich vor Ort allerdings nicht mal geschafft habe auszupacken. Auf dem Rücken liegen musste ich nicht – seitlich ist auch viel angenehmer – und das CTG lief nur 15min, in denen ich zwar gelesen habe, aber nicht mein Buch, sondern den Frage- und Aufklärungsbogen zur Anti-D-Prophylaxe*. Auf dem CTG war links die Herzfrequenz tatsächlich als Gebirge zu sehen (die Schwester musste ab und zu mal am Bauch rütteln, weil du – wie immer – geschlafen hast), mittig die Kindsbewegungen als dünne oder dickere schwarze Balken und rechts momentan noch eine Nulllinie, die zu einem späteren Zeitpunkt mal Wehen anzeigen soll. Also alles super! Auf 1500g wirst du geschätzt, Köpfchen ist inzwischen unten, da, wo es hingehört. Ein Bild gab es dieses Mal nicht, denn zwischen deinem süßen Profil und der kuscheligen Plazenta war nie so viel Platz, dass man etwas hätte erkennen können. Sah immer aus wie eine gigantische Beule vor dem Kopf, in die du dein Näschen steckst…“

*Für Mütter, die rhesus-negativ sind [also das Rhesusfaktor-Antigen nicht besitzen, ca. 15% der Bevölkerung], steht um die 28. Schwangerschaftswoche herum diese Prophylaxe-Impfung an, um einer möglichen Blutgruppenunverträglichkeit vorzubeugen. Wenn der Papa des Kindes nämlich rhesus-positiv ist, kann es das Baby ebenfalls sein. Kommt dann unter der Geburt kindliches Blut mit dem Blut der Mutter in Kontakt, bildet die Antikörper gegen den „falschen“ Rhesusfaktor und es kann bei einer erneuten Schwangerschaft zu einer Abstoßungsreaktion aufgrund der Rhesusunverträglichkeit kommen.

Tim Reckmann  / pixelio.de

Die Rücken- bzw. Symphysenschmerzen wurden in diesen Wochen immer schlimmer. Sich mit etwas von der Größe einer Ananas im Bauch noch halbwegs elegant fortzubewegen, scheint anatomisch ein Ding der Unmöglichkeit. Der gefürchtete Watschelgang hatte mich schon eine Weile fest im Griff, ob ich wollte oder nicht, und besonders abends beim Aufstehen von der Couch fühlte ich mich wie mindestens 100 Jahre alt. Erstmal langsam nur die Beine raushängen lassen, dann irgendwann den Oberkörper samt Bauch hinterher wuchten und nach 5 min tatsächlich aufstehen… Bei den ersten Schritten nach längerem Liegen sind mir außerdem immer die Beine eingeknickt vor Schmerz, ganz komisch! Als ich die Frauenärztin darauf angesprochen habe, meinte die nur, bei einer zweiten und jeder weiteren Schwangerschaft sei eben das gesamte Gewebe etwas weicher und nachgiebiger und da können solche Wehwehchen auch viele Wochen vor der Geburt auftreten, sei nichts Ungewöhnliches. Mich an jeden Strohhalm klammernd, fragte ich sogar in der Apotheke nach homöopathischen Kügelchen gegen Symphysenbeschwerden, die mir in meiner Dezembermama-Gruppe empfohlen worden waren. Die Apothekenfrau fragte 3x nach, wo genau ich Schmerzen habe und wie man „Sümfüße“ buchstabiere. Schließlich habe ich mich einfach bedankt und den Laden ohne Kügelchen verlassen. Aber wenige Tage später war die Erlösung in der Post: ein Ersatzteil für meinen Rücken! Das Wunderdings heißt „BabyBelt“ und ist eine Bauchstütze aus weichem, flexiblem Material mit seitlichem Klettverschluss. Das Teil legt man sich um und trägt es unsichtbar unter den normalen Klamotten. Es stützt den Babybauch und entlastet somit den Rücken und ob man es glaubt oder nicht, schon nach 2 Tagen war es besonders beim abendlichen Couchaufstehen deutlich zu merken! Nicht mehr 100 Jahre alt, sondern nur noch gefühlte 85. Ein Segen und seitdem mein täglicher Begleiter!
Die Füße sind übrigens weg, wenn ich im Stehen von oben runtergucke und sie entfernen sich auch im Sitzen immer weiter vom restlichen Körper. Schuhebinden geht nur noch mit Luftanhalten und Expressknoten. Letztens hat Fiona schallend gelacht, als ich gefragt habe, ob sie mir die Socken anziehen könnte. Immerhin habe ich es bei ihr ja auch lange genug gemacht. Irgendwie nimmt mich hier niemand ernst 😉 Ab sofort keine Schuhe mit Schnürsenkeln mehr!“

„Na meine Süße! So langsam, wie die ersten 12 Wochen vergangen sind, so schnell rennt die Zeit jetzt! 32. Schwangerschaftswoche, unfassbar! Habe mich letztens beim Einkaufen erschreckt, weil mir gegenüber so eine dicke Frau im Spiegel stand! Gestern waren wir wieder beim Arzt, Termine sind jetzt nicht mehr alle 4, sondern schon alle 2 Wochen, allerdings ohne Ultraschall, nur Blutdruck, Wiegen (Augen zu: +13kg! ) und CTG. Zwischendurch war die Herzfrequenz immer mal ganz kurz bei etwa 70 (normal 130 – 160). Da konnte mich aber die Schwester beruhigen: das passiert, wenn das CTG die kindlichen Herztöne kurz „verliert“ und stattdessen meine findet ^^ Puh! Die Gebärmutter gehe inzwischen bis fast zum Rippenbogen, aber ein bisschen Platz sei noch, hieß es. Wo die ganzen Organe hin sind, die da eigentlich sind, übersteigt trotz jedes theoretischen Wissens meine Vorstellungskraft. Wo die Lunge nicht ist, weiß ich jedenfalls: da, wo sie hingehört. Anders lässt sich nicht erklären, dass ich nach gerade mal 18 Treppenstufen bis zu unserer Wohnungstür so aus der Puste bin, dass ich mich hinsetzen und ausruhen muss. Kann mir gerade nicht vorstellen, je mal 1 Std. Zumba getanzt zu haben und danach noch lebensfähig gewesen zu sein. Vor ein paar Tagen hattest du deinen ersten Schluckauf, abends beim Ins-Bett-Gehen ein rhythmisches Pochen unten am Bauch. Total süß! Seitdem immer öfter, weil du dich beim Fruchtwassertrinken verschluckst. Dieser Reflex trainiert deine Atemmuskulatur für die Zeit nach der Geburt. Habe gelesen, dass man nie wieder so viel Schluckauf hat wie im Bauch. Hicks! Habe vor ein paar Tagen einen Body für dich gekauft mit der Aufschrift „Ich bin eine Berlinerin“ und einen zuckersüßen rosa Strampler mit angenähtem, weißen Jäckchen. Letzteres soll dein Outfit sein für den Weg vom Krankenhaus nach Hause. Und an den Klischee-Tatzenhandschuhen und der Öhrchenmütze kam ich auch nicht vorbei. Allet nur wejen die Hormone! „

Der Bauch hat für mein Empfinden zu dieser Zeit im wahrsten Sinne des Wortes „große“ Fortschritte

gemacht, jedenfalls war er im Sitzen manchmal schon ganz schön kugelig. Und nach vorne gelehnt am Tisch lümmeln ging auch schon nicht mehr, weil ich sofort mit einem dezenten aber nicht ganz angenehmen Tritt in die Rippen zu korrekter Sitzhaltung ermahnt wurde. Schlimmer als die eigenen Eltern in der Pubertät! Schade, dass man nach einiger Zeit vergisst, wie sich ein strampelndes Baby im Bauch anfühlt. Es ist so schön, dass ich es gerne konservieren würde. Denn so anstrengend der wachsende Bauch ist, so sehr fehlt er einem dann doch, wenn er wieder weg ist. In diesen letzten Tagen des achten Monats sind wir in den Herbstferien eher spontan 2 Tage in den Kurzurlaub nach Rügen gestartet. Strandspaziergänge an der frischen Luft mit Schal und Pudelmütze, eine Bootsfahrt auf der unruhigen Ostsee (bei der um mich herum gekotzt wurde und ich währenddessen ganz entspannt den heißen Kakao durch den Schiffsbauch bis an Deck balanciert habe), ein Hotel mit Thermalbad im Keller und einfach noch mal „Tapetenwechsel“, das tat gut. Schwimmen soll ja für Schwangere die angenehmste Form von Bewegung sein. Das kann ich bestätigen. Allerdings ist die Schwerkraft ein ganz schönes Arschloch, wenn man dann aus dem Wasser herauskommt und der Bauch Stück für Stück wieder spürbar ist.
Nur noch 2 Monate, dann wird das Wunder Wirklichkeit…


………………………………………………………..to be continued………………………………………………………………

<< 7. Monat

Schwanger – der siebte Monat

Der siebte Monat, Woche 25 – 28

„Hallo Prinzessin, deine Schwester und ich gehen heute Nachmittag zu einem Geschwisterkurs, bei dem die Großen lernen, wie man ein Baby wickelt, füttert, usw. Sie freut sich schon ganz doll und ich bin auch total gespannt! Ich habe ihr erzählt, dass man der Hebamme auch Fragen stellen darf. Sie überlegte kurz und meinte dann: „Ok, dann frage ich, wie es sein kann, dass der Mensch vom Affen kommt…“ Haha, das ist typisch Fiona! Ich habe seit 2-3 Tagen immerzu das Gefühl, ganz nötig aufs Klo zu müssen und dann kommt oft gar nichts. Trittst du mir in die Blase oder muss das so?! Ich kann mir noch überhaupt nicht vorstellen wie es sein wird, wenn du da bist. Es ist gar nicht mehr so lange! Der September hat angefangen, Oktober, November, … DEZEMBER! Es gibt schon Dominosteine und Spekulatius im Supermarkt. Die wird es vermutlich auch noch geben, wenn du schon da bist! Auf dem Schulhof gestern habe ich im Vorbeigehen die Hortnerinnen tuscheln gehört: „…ob die schwanger ist?“ Vielleicht sollte ich mir ein Schild basteln:  
NEIN, DER IST NICHT ANGEFRESSEN ^^“

Der Geschwisterkurs war übrigens wirklich toll! Fiona interessiert sich brennend für alles, was mit Bauch und Baby zusammenhängt, und lauschte dementsprechend gespannt, was die Hebamme erklärte. Erst haben sie anhand von Bildern Begriffe wie Fruchtblase, Gebärmutter und Mutterkuchen besprochen und dann ein Lied gelernt, um es dem Bauch vorzusingen („Hallo Baby, hörst du mich?“ auf die Melodie von Bruder Jacob. So süß!). Die „Großen“ haben die Hände auf den Bauch gelegt, ihr neues Lied vorgesungen und unser Baby hat tatsächlich mit einem Tritt „geantwortet“. Ein toller Moment! Anschließend hat jedes Geschwisterkind eine schwere, mit Sand gefüllte Babypuppe in den Arm gelegt bekommen und alle haben gemeinsam das Halten, Wickeln und Anziehen geübt. Wir Mamas sollten die Kinder all das machen lassen, wobei wir sie später auch „in echt“ miteinbeziehen wollen. Ich habe gestaunt, wie vorsichtig und liebevoll Fiona das Sand-Baby aus- und angezogen hat; sogar die kleinen Füßchen hat sie massiert. Ich freue mich so auf die gemeinsame Zeit mit meinen Mädels!

„25+6: ich bin ein UHU! Nur noch 99 Tage bis zum Entbindungstermin, 14 Freitage bis Weihnachten. Nur noch! Plötzlich rennt die Zeit. Waaah! Den 7. Monat glaubt man mir zwar immmer noch nicht so recht, aber laufen tue ich derzeit manchmal schon wie auf dem Weg zur Entbindung! Gestern war der Ischias so schlimm, dass ich in der Schule kaum die Treppen runtergekommen bin. Ich muss schon fast hochschwangermäßig die Hände im Hohlkreuz abstützen, aber nicht etwa, weil der Bauch so groß ist, sondern weil sich der Unterkörper anfühlt wie ein unbewegliches Teil, total steif! Die Kinder in der Schule wollten alle gerne „Frau Baby“ streicheln, so nennen sie dich 🙂 Erzähle ihnen, dass du auch im Bauch schon alles hören kannst und dich freust, wenn sie ohne Fehler spielen. Plötzlich fangen die tatsächlich an zu üben und wollen dir alle etwas vorspielen…“


Obwohl wir erstens noch eine ganze Menge Babyklamotten von Fiona besitzen und zweitens von meiner Cousine auch einen ganzen Sack voll „vererbt“ bekommen haben, gehen sie manchmal in der Babyabteilung mit mir durch. Es gibt einfach zu viel süße Sachen für die Allerkleinsten! Habe bei H&M ein gepunktetes Body-Mützchen-Set mit der Aufschrift „BORN 2014“ gekauft und zu Hause dann gedacht: Oh, wie optimistisch von mir! Immerhin halten sich Kinder ja bekanntlich nicht so genau an ihre Termine. Wenn „Frau Baby“ spontan beschließt, noch 8 Tage länger zu bleiben, haben wir schon das erste geschichtsträchtige Teil im Schrank, haha. Aber immerhin eine Anekdote für später, sollte es wirklich so kommen. Lieber wäre mir allerdings, sie würde ihn am Heiligabend schon tragen können…

„Guck mal, Mausekind, das bist du! Gestern war endlich wieder Termin bei der Frauenärztin. Du bist 33cm lang und 1000g schwer, so viel wie eine große Wasserflasche! Du hast dich in den letzten Wochen gedreht und liegst jetzt „richtig rum“, also mit dem Kopf unten. Heißt aber nichts, noch ist genug Platz zum Drehen da drin. „Die Gebärmutter nähert sich dem Rippenbogen“, meinte sie beim Abtasten. Ein erstaunliches Körperteil, immerhin ist es im „ungenutzten“ Zustand nur so groß wie ein Hühnerei. Meine dollen Ischiasschmerzen seien (auch so früh) bei einer 2. Schwangerschaft ganz normal. Dagegen hilft nur, öfter Ruhepausen einzulegen („Wollen Sie mal ein paar Tage zu Hause bleiben? Soll ich sie krank schreiben?“ Haha, selbst(ständig) ist die Frau…). Fiona war wieder mit dabei, hat alles genau beobachtet und sich wiegen und Blutdruck messen lassen für Eintragungen in ihren Geschwisterpass. Den darf sie auch immer gleich mit abgeben an der Anmeldung, die nehmen das Ganze total wichtig. So cool! Ich hatte gestern auch gleich noch den Zuckertest wegen Schwangerschaftsdiabetes, der findet regulär Mitte der 20er-Wochen statt: ein großes Glas Zuckerwasser auf Ex und dann eine Stunde warten und Blut abnehmen lassen. Ein bisschen mulmig war mir schon danach…Ergebnis in 2-3 Tagen. Hoffentlich ist er unauffällig! Ich habe letztes Wochenende eine winzige Bäremütze mit Ohren (hach!) für dich gekauft und Tatzen-Handschuhe. So niedlich! Can’t stop myself! Habe im Moment oft das Gefühl, als sei meine Haut am Bauch irgendwie „zu klein“. Beim Sitzen spannt alles. Ganz komisch.“

Wie schon 2009 bei Fiona bin ich auch in dieser Schwangerschaft wieder in einer Gruppe mit Mamas, die den selben Entbindungsmonat haben wie ich, zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch, für geteilte Freude und Hilfe bei Problemen und Wehwehchen. Aus der damaligen StudiVZ-Gruppe sind z.T. Freundschaften entstanden, die bis heute anhalten. Und auch, wenn es in den meisten Fällen „nur“ der Online-Kontakt ist, ist es dennoch schön zu sehen, wie die Bauchmäuse von damals in diesen Wochen alle schon ihren 5. Geburtstag feiern. Jedenfalls war eine der Dezembermamas 2014 schon mit regelmäßigen Wehen im Krankenhaus und in dieser frühen Woche musste ihre Tochter per Kaiserschnitt geholt werden. 33cm und 850g, so ein kleines Leben, und so viele Schläuche! Glücklicherweise ging (und geht) es den beiden den Umständen entsprechend gut und die kleine Kämpferin hat sich toll entwickelt. Trotzdem bleibt ein mulmiges Gefühl zurück, wenn man die Bilder aus dem Krankenhaus sieht und damit direkt vor Augen geführt bekommt, wie klein und zerbrechlich das Wunder noch ist, das man unter seinem Herzen trägt…

„Na meine Mini-Maus, wieder ist eine Woche vergangen. Einerseits kann ich es kaum abwarten, dass die Zeit vergeht, andererseits kriege ich leichte Panik, wenn jemand sagt, dass in 3 Monaten schon Weihnachten ist! Du bist etwa so groß wie ein Blumenkohl, turnst fleißig in meinem Bauch und trittst mich ganz weit oben rechts unter der Brust, wenn ich krumm sitze. Zuckertest war übrigens unauffällig, zum Glück! Vor ein paar Tagen wurde ich von Eltern meiner Früherziehungskinder mit Blick auf den Bauch vorsichtig gefragt, ob man mich beglückwünschen dürfe. ICH BIN ENDE 7.MONAT! SIEB-TER! Mir selbst kommt der Bauch jetzt schon viel größer vor – liegt wohl an der Perspektive – aber scheinbar ist er ja doch noch verhältnismäßig klein. Aber solange Baby so groß und schwer ist, wie es sein soll, mache ich mir keine Gedanken. Offensichtlich „verteilt“ es sich bei mir einfach gut im „Gesamtkonzept“ 😉 War ja in der anderen Schwangerschaft genauso. Beim zügigen Laufen habe ich mich kürzlich selbst beim „Armrudern“ erwischt zum Ausgleichen. Ach du Scheiße! Stop that!
In den letzten Tagen habe ich öfter Probleme mit dem Blutdruck. Manchmal wird mir abends auf der Couch ganz plötzlich schlecht, hin und wieder auch tagsüber aus heiterem Himmel. Nicht lustig! Diese Woche hatte ich übrigens meine letzten Stunden in der musikalischen Früherziehung, ab Oktober übernimmt eine ganz liebe Musikstudentin meine Kleinen. Die Orchester und Ensembles unterrichte ich noch bis zum letzten Konzert im Dezember, aber das Singen, Springen und Tanzen fällt mir mittlerweile schon ganz schön schwer und ich gerate schnell aus der Puste. Langsam wird es ernst.
Fiona: „Weißt du was? Wir könnten mal wieder schwimmen gehen.“ Einen Moment später: „Ach nee, mit dem dicken Bauch gehst du bestimmt unter…“ Haha!“

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Schwanger – der sechste Monat [+Outing]

Der sechste Monat, Woche 21 – 24

„Weißt du, was krass ist? 6. MONAT (sechs-ter!). Wo ist die Zeit hin? Und trotzdem ist mir die Schwangerschaft immer noch nicht anzusehen, nicht zwingend, jedenfalls. Du zeigst dich jetzt jeden Tag mit kleinen Stupsern, so ein wahnsinnig schönes und einmaliges Gefühl! Die Untersuchung im Babykino hat übrigens wie damals bei deiner Schwester eine Vorderwandplazenta ergeben [d.h. einfach nur, dass die Plazenta – der Mutterkuchen, der das Baby im Bauch versorgt – vorne an der Bauchwand angewachsen ist, dämpft dadurch Tritte ab], also kein Wunder, dass ich dich erst jetzt so richtig spüren kann. Deine Stupser waren immer sehr weit oben im Bauch. Der Ultraschall hat gezeigt, dass du mit dem Köpfchen nach unten liegst, wobei ich glaube, dass du dich inzwischen nochmal gedreht hast, weil ich dich jetzt auf ein Mal unten im Bauch merke. An Wehwehchen habe ich sowas wie Ischias-Ziehen beim Aufstehen, wenn ich länger gesessen habe, rechts zwischen Rücken und Po. Kommt man sich vor, wie eine alte Frau beim Aufstehen! Die Gender-Reveal-Party ist übrigens heute in 2 Wochen. Deko ist schon angekommen, sooo süß, winzige pinke und blaue Schnuller, wie die, die man sich in Groß in den 90ern als Kette um den Hals gehängt hat. Außerdem Teller, Becher, Servietten im „BOY or GIRL?“-Design. Ich freue mich so, das wird bestimmt ganz toll!“

Anfang des sechsten Monats sind wir mit dem Orchester auf Konzertreise nach Griechenland geflogen. Flug und Busfahrt waren auch gar kein Problem, aber man sollte so einen schwangeren Organismus nicht unterschätzen! Der stellt gnadenlos alle „überflüssigen“ Körperfunktionen ein, wenn er merkt, dass etwas nicht so ist, wie es sein sollte, um das Baby optimal zu versorgen. In meinem Fall hieß das: ich musste mich jeden Abend entscheiden, ob ich vor dem Konzert mit allen gemeinsam esse oder ob ich im Interesse aller darauf verzichte. Beim ersten Auftritt (im Amphitheater eines 5-Sterne-Hotels) ahnte ich noch nichts von den Vorgängen und bediente mich am üppigen Buffet, nur um kurze Zeit später kreidebleich auf der Bühne zu stehen, in der Hoffnung, nicht vom Dirigentenpult zu fallen vor Übelkeit. Wahrscheinlich war es der Kreislauf, der zwar mit dem Klima ganz gut klar kam, aber mich in die Horizontale zog, sobald sich zusätzlich zu den warmen Temperaturen noch das Blut im Magen sammelte nach dem Essen. Eins geht nur: Verdauung oder Kreislauf…

„Wow, gestern spät abends habe ich deine Tritte zum allerersten Mal von außen durch die Bauchdecke gespürt. Ohne Zweifel! Oh Gott, war das schön! Man vergisst nach 5 Jahren total, wie sich das anfühlt. HERZAUGEN! Und bei dem einen Auftritt hast du mich auch leicht gestupst, beim 2. Satz von Transylvania [einem mazedonischen Volkslied mit Gänsehaut-Charakter], da hast du dir aber wirklich schöne Musik ausgesucht! Gegessen habe ich vor dem Auftritt übrigens nichts: „Die Dirigentin würde sich das Hühnchen gerne einpacken lassen“ – haha. Apropos Essen, du bist diesen Monat etwa so groß wie eine Cantaloupe-Melone!“

Wieder zurück in Berlin ging es ans Auspacken und Aufbauen der gekauften Möbel: Hensvik, Malm und die anderen schwedische Freunde. Wenn so ein Wickeltisch einsatzbereit steht, wird es irgendwie nochmal greifbarer, das Ganze. Das Wetter für unsere anstehende „Sex-Party“ sah zu dem Zeitpunkt mit einer Regenwahrscheinlichkeit von 70% laut wetter.com nicht gerade rosig aus für einen schönen Augusttag, also wurde zur Sicherheit der Party-Pavillon im Garten aufgebaut, damit wir in jedem Fall trocken bleiben würden. Ich war ein bisschen traurig, dass von meiner Verwandschaft niemand zugesagt hatte, freute mich aber umso mehr, dass Freunde und Bekannte begeistert von der Idee zur Party waren, sich schon im Vorfeld viele Gedanken machten und zahlreich zum Lüften des Geheimnisses erscheinen würden!

„Ich habe übrigens seit ein paar Tagen „rischtisch Rücken“! Es zieht und sticht hinten rechts knapp über’m Po, wie kurz vor Hexenschuss. Fühlt sich an, als ob eine einzige falsche Bewegung ausreichen würde um für immer in der Haltung bleiben zu müssen… Dementsprechend vorsichtig und steif laufe ich gerade. Hoffentlich sind das noch nicht die Anfänge des „Watscheltums“. Bisschen früh, oder?! Wenn ich abends von der Couch aufstehe um ins Bett zu gehen, muss ich mich Wirbel für Wirbel aufrichten, damit nichts zieht oder piekt. Na das kann ja noch heiter werden… P.S. Nach dem letzten Heißhungeranfall auf Erfrischungsstäbchen esse ich inzwischen zum ersten Mal in meinem Leben Senf. Seltsame Vorlieben hast du! P.P.S. Beim Niesen einen Tropfen verloren. WTF? Beckenboden, wo bist du?!“

Ebenfalls im 6. Monat waren wir zu einer digitalen Kreißsaalführung. Das läuft so ab: ein ganzer Haufen Kugelbäuche nimmt in einem Konferenzsaal des Krankenhauses Platz, begleitet von Männern mit Gesichtsausdrücken zwischen „Ich-habe-Feuer-gemacht“ bis „Ich will zu meiner Mutti“. Eine Ärztin, eine Krankenschwester und eine Hebamme werfen abwechselnd ein paar Eckdaten zu einer etwa 60-seitigen Powerpoint-Präsentation mit qualitativ mittelmäßigen Bildern von Wochenstation und Kreißsaal ein und wollen den potentiellen „Kundinnen“ damit das Krankenhaus schmackhaft machen. Gezeigt wird der Ablauf vom Ankommen im Krankenhaus („und an dieser Tür drücken Sie dann diesen Schalter…“) bis zum Tag der Entlassung; ähnlich erschöpft wie nach dem realen Prozedere fühlt man sich auch nach der zweistündigen Vorstellung. Es zog sich unglaublich in die Länge und die Zwischenfragen mancher Männer waren an Komik fast nicht zu überbieten: „Sie haben also 3 Kreißsäle. Und was, wenn ICH die Nummer 4 bin?!“ Die Hebamme hat allerdings so freundlich-gelassen gekontert, wie es wohl nur Frauen können, die seit vielen Jahren in diesem Bereich arbeiten: „Wenn wir nicht auch für diese Situation eine Lösung finden würden, hätten wir unseren Beruf verfehlt.“ Donnngg, voll auf die Zwölf. Eine der Hebammen würde ich jedenfalls gerne für die Geburt buchen, schade, dass das in der Form nicht möglich ist. Ein echtes Berliner Urgestein, weiblicher Mario Barth im Kittel, das die ganze Sache mit der richtigen Portion Humor betrachtet. Thema Babybett nach der Geburt: „Wat solln dit jetzt, denkt sich Baby. Eben war ick do noch im Bauch, wat soll ick jetzt mit nem eijenen Bett..?!“ Hahaha. Gefällt mir!

„Hallo mein Schatz, 

aufregende Tage liegen hinter uns! Zuerst der Termin bei der Ärztin, nach 6 langen Wochen endlich mal wieder! Sie hat aber nur ganz kurz geschallt und nicht das zweite große Screening gemacht, weil sowieso 3 Tage später der Termin zur Feindiagnostik anstand, wo alle Organe genauestens untersucht und vermessen wurden. Alles bestens, du bist super entwickelt, „ausgeklappt“ ganze 30cm lang, wiegst 470g und liegst mit dem Kopf oben. Was noch oben war, sind übrigens deine Füße (Fußsohlen 4cm lang, awwww), du liegst da wie ein Klappmesser. Von mir hast du diese Gelenkigkeit bestimmt nicht! Ansonsten wurden alle Umfänge/Durchmesser unter die Lupe genommen, Oberschenkelknochen, Herz (4 Kammern, alle genau zu sehen!), Galle, Leber, Harnblase, etc. Der Wahnsinn, was heutzutage alles möglich ist mit der Technik. Der Arzt hat ganz schön auf dem Bauch rumgedrückt, aber du hast die Mitarbeit verweigert. Ob da ein kleiner Steinbock durchscheint…? 🙂 Dein Geschlecht wurde übrigens in allerletzter Sekunde vor der Feier nochmal bestätigt. Puh! Dann kann sie ja kommen, die Sex-Party!“

 „A baby is coming, as cute as can be. 
A boy or a girl – you’re invited to see!“

Und dann war er kurz darauf auch endlich gekommen, der große Tag! Geregnet hat es zwischenzeitlich zwar kurz, tat dem Spaß aber keinen Abbruch! So viele liebe Menschen waren da, um unsere „Nummer 2“ zu feiern!  
„Haben sich alle sehr mit uns gefreut, du hast jetzt schon viele Freunde!“ 
Zu Beginn der Party musste sich jeder Gast für Team BLAU oder Team PINK entscheiden, seine Auswahl mit einer entsprechend farbigen Wäscheklammer an der Kleidung kennzeichnen und sich auf einer Leinwand mit pinkem bzw. blauem Namensschildchen verewigen. Als kleine Entscheidungshilfe gab es direkt daneben eine Übersicht mit den Old-Wives-Tales, den Ammenmärchen, die einer Schwangeren früher erzählt und anhand derer das Geschlecht des Ungeborenen vorausgesagt wurden, wie z.B. runder Bauch = Mädchen, spitzer Bauch = Junge, Lust auf Süßes = Mädchen, Lust auf Saures = Junge usw.

Dann gab es einen kleinen Laufzettel zum Ankreuzen, auf dem alle Aufgaben der Gäste einzeln aufgelistet waren, z.B. einen Hot-Dog vom Buffet essen, ein Polaroid-Foto mit den werdenden Eltern machen und sich damit im Gästebuch verewigen, einen Babybody bemalen, Entbindungstermin-Raten, Breisorten verkosten (Fisch im Gläschen ist echt eklig!), Bauchumfang schätzen, usw.
Ich lasse mal die Bilder sprechen, vielen Dank an dieser Stelle an Marco, den Fotografen!

Polaroid mit den Gastgebern

family & friends

der am Vorabend geschnitzte Melonenkinderwagen mit Mango-Baby ❤

Wildlachs mit Gemüse? Rahmspinat? Oder doch lieber Früh-Karotten?
mit
Der Umschlag wurde im Laufe des Nachmittags gut gefüllt, ich bin gespannt,
wer richtig liegt und das Geld am Ende bekommt!

Die Bodies – hier noch ganz jungfräulich weiß

Bauchumfang schätzen und Maßband abschneiden – gar nicht so leicht!

Zusammenfassend wünschen die Gäste dem Baby meine Haare und Papas lange Beine 😉

Auf kleinen vorbereiteten Zetteln in der jeweiligen Farbe haben die Teams gegeneinander Stadt-Land-Fluss gespielt mit Kategorien wie Babyname, Babyspielzeug, Babypflegeprodukt etc., die männlichen Gäste durften ihre Wickel- und Anziehfähigkeiten zur Freude der weiblichen Zuschauer an zwei Puppenkindern unter Beweis stellen (die meines Mannes sind noch ausbaufähig) und dann wurden noch die passend abgeschnittenen Maßbänder zur Bauch-Anprobe gebracht (hier hat übrigens meine Oma gewonnen, auf den Zentimeter genau. Einer Schneiderin macht eben niemand etwas vor…) Als Preise für die einzelnen „Challenges“ gab es je nach Team eine pinke oder blaue Pombär-Tüte, rosa Erdbeer- oder blaue Alpenmilch-Rittersport, pinke Gummibären-Ferkel oder blaue Schlümpfe. Herrlich doof, dieses Gender-Farben-Klischee, aber in diesem Fall einfach absolut passend!

Stadt-Land-Fluss mal anders

Zoé wickeln und anziehen gegen die Zeit, hier auf eine ganz spezielle Art und Weise…

 Als alle Aufgaben erledigt waren, wurde es langsam spannend. 
Wir holten den „Enthüllungs-Kuchen“…

…schnitten ihn gemeinsam auf, hoben ihn vorsichtig an uuuund…
PINK! IT’S A GIRL!



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