Brief an meine große Tochter

Foto 11.06.18, 08 44 18Mein liebes großes Mädchen,

du bist 8 Jahre alt (ja, ich weiß, du wirst im Herbst noch 9, das macht in diesem Alter einen RIESENunterschied!), gehst in die 3. Klasse und heute morgen habe ich dich zu deiner ersten richtigen Klassenfahrt verabschiedet. 5 Tage lang, ein großes Abenteuer! Du liebst Abenteuer, du liebst Verreisen und du liebst es, selbstständig zu sein. Das alles weiß ich. Und trotzdem habe ich einen dicken Kloß im Hals, wenn ich an die nächsten Tage denke. Es ist nicht so, dass ich es dir nicht zutraue oder die Über-Helikoptermama bin, aber es gab in der Vergangenheit einige Situationen, die mich sehr nachdenklich gestimmt haben.

Du bist ein sehr cleveres Kind, schon immer gewesen. Du hast wahnsinnig viele Interessen und deine Begeisterungsfähigkeit und dein Enthusiasmus überraschen mich immer wieder auf’s Neue! Erwachsene staunen, wenn du erzählst, welche Länder der Erde du kennst, in welchen Weltmeeren die „Portugiesische Galeere“ zu Hause ist, was Steinmarder fressen und, dass man Spaghetti orthografisch korrekt mit „h“ in der Mitte schreibt, weil es italienisch ist. Im Orchester bist du die Allerjüngste und trotzdem sehr beliebt unter den 11- bis 13-Jährigen, weil sie deine herausragenden musikalischen Leistungen anerkennen und dich auf Grund derer schätzen.

Aber in deiner Klasse bist du die Einzelgängerin.

Die, die mit ihrer zuweilen altklugen Art bei den Gleichaltrigen aneckt und sich Sätze anhören darf wie „Wenn du so weitermachst, hast du bald gar keine Freunde mehr.“

Die, die morgens vor Schulbeginn auf den Hof kommt, sich zu einer Gruppe Mädchen aus der Klasse stellen will und hören muss: „Da kommt F., kommt, lasst uns lieber gehen…“.

Die, die jede Hofpause allein verbringt, weil sie mit dem Entenmutter-Entenkinder-Spiel der anderen nichts anfangen kann.

Die, die durch und durch eine kleine Lehrerin ist und die Korrektur einfach nicht runterschlucken kann, wenn jemand einen falschen Imperativ benutzt: „Aber Mama, ich muss das doch sagen! Ich will ihnen doch nur helfen, wenn sie es nicht wissen…“

Schon Mobbing oder noch Spaß?!

Ich würde es vielleicht nicht unbedingt als „Mobbing“ bezeichnen, das ist ein großes Wort. Aber manchmal erzählst du mir abends im Bett unter Tränen von einer Situation aus der Schule und dann kann ich nur fassungslos den Kopf schütteln, dich in den Arm nehmen, deine Tränen trocknen und uns beiden wünschen, dass du drüber stehst, dass du ein „dickes Fell“ bekommst und dir nicht zu Herzen nimmst, was die anderen sagen!

Vor Kurzem hast du den Rezitatorenwettbewerb der Grundschule gewonnen und durftest anschließend deine Schule beim Gesamtausscheid des Stadtbezirkes vertreten. Als auch dort, unter den ganzen Erstplazierten der anderen Schulen, DEIN Name auf Platz 1 genannt wurde, konnten wir alle das kaum glauben! Die beste Rezitatorin des ganzen Bezirkes!! Am nächsten Tag in der Schule wurdest du hämisch gefragt, ob du die einzige Teilnehmerin gewesen bist… Man mag das abtun als dummen Drittklässlerkommentar, aber mich treffen diese Worte, wiedergegeben aus deinem Mund, mitten ins Herz, weil ich weiß, dass du mit jeder dieser unqualifizierten Antworten beim nächsten Mal ein Stück von dir verstecken wirst.

Ich finde dich so toll, wie du bist. Und ich will nicht, dass du dich mit 8 Jahren schon verbiegen musst. Dich anpassen und verstellen musst, nur um anderen zu gefallen. Alle deine liebevollen Eigenarten gehören zu deiner kleinen-großen Persönlichkeit und sowohl die Schule als auch deine Mitschüler versuchen mit aller Kraft, dich „kleinzukriegen“ und dich in die gängige Norm zu pressen. Du bist so ein wunderbarer Mensch mit so viel Empathie, Feingefühl, Humor, mit so vielen kreativen Ideen in deinem klugen Kopf. Ich kann dich nicht vor allem beschützen, das weiß ich. Und an Erfahrungen wächst man. Das gehört zum Großwerden dazu. Auch, dass einen nicht jeder leiden und man es nicht immer allen anderen recht machen kann, wirst du im Laufe der Zeit erfahren. Aber bitte bitte bleib wie du bist und lass dich nicht die runde Form pressen, wenn du eigentlich viereckig bist! Denn im Wesentlichen sind es genau diese Ecken, die den Menschen aus- und interessant machen! Und wer nicht so rund geschliffen ist wie alle anderen, kann eben auch mal anecken. Don’t worry!

Ich hab dich lieb!

Deine Mama

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Ein Sack voll Blödsinn: Schule.

Ich hätte noch vor wenigen Jahren nie gedacht, dass ich schon nach so kurzer Zeit, in der mein Kind zur Schule geht, so wütend auf dieses sture, nicht zeitgemäße System sein würde. Natürlich erinnert man sich an seine eigene Schulzeit und an die Begebenheiten, Lehrer oder Fächer, mit denen man so seine Probleme hatte (öhöm). Aber – ich kann nur für uns sprechen – wir jedenfalls sind im Herbst 2015 durchweg positiv und voller Vorfreude in den neuen Lebensabschnitt „Schule“ gestartet, keine Rede von „Ernst des Lebens“. Inzwischen geht sie in die 3. Klasse, seit diesem Schuljahr werden die Leistungen anhand von Schulnoten bewertet und natürlich war neben vielen Einsen und Zweien auch schon mal die eine oder andere 3 dabei: Hefterführung, Handschrift oder ein Englischtest in zweifelhafter Form, der mehr Ähnlichkeit mit einem Schnittmuster für Handschuhe hatte, haha. Who cares.

Dass Eltern nicht immer einer Meinung mit Lehrern sind, okay. Auch das kommt vor und ich spreche hier nicht von Helikoptereltern, die in jeder Note ihr Kind ungerecht bewertet sehen. Aber als ich im Hausaufgabenheft die Aufgabe „Gedicht lernen Lesebuch“ und die dazugehörigen zwei Gedichte zur Auswahl gesehen habe, habe ich doch an der pädagogischen Kompetenz der Lehrerin gezweifelt.

Vielleicht stoßen mir die Gedichte so bitter auf, weil ich selber Lehrerin bin und man in der Ausbildung von Kindern doch ein gewisses pädagogisches Konzept verfolgt, dessen Inhalte logisch (!) aufeinander aufbauen und sich im Schwierigkeitsgrad langsam und kontinuierlich steigern.

Wenn man Gedichte lernt, lernt man doch, was Reimschema und Versmaß angeht, zuallererst die gleichmäßigen Grundformen. Paarreim, Kreuzreim oder oder. Jambus, Trochäus, Daktylus, Anapäst – das muss in der Grundschule sicher noch niemand wissen, aber welches Versmaß auch immer zu Grund liegen mag, es sollte ein regelmäßiges sein, damit die Kinder erstmal grundsätzlich ein Gefühl für den Sprachrhythmus bekommen!

„Unsere“ beiden Gedichte sind eine wahrhafte Katastrophe und speziell Erwin Moser („So im Schatten liegen möchte ich“) gehört für seines, abgedruckt in einem Lesebuch von Klasse 3, posthum verkehrtherum aufgehängt und mit einem Buch über Reimschemata gefoltert: 3 Strophen, in denen sich kein Wort reimt und der Sprache keinerlei einheitlicher Rhythmus zu Grunde liegt. Dass wäre, als wenn ich (Musiklehrerin) mit den Instrumentalschülern nach den ersten drei Tönen direkt Freejazz oder den 7/8tel-Takt behandle!

(Der Vollständigkeit halber: „Einfach alles“ ist nicht von Herrn Moser, sondern von Klaus Kordon)

Natürlich gibt es Gedichte, die absichtlich keinem festen Reimschema folgen oder deren Versmaß aufgebrochen wird, um die Inhalt-Form-Beziehung zu unterstreichen. Aber mit Analyse und Interpretation beschäftigt man sich in der Oberstufe im Grund- oder Leistungskurs und muss die Gedichte in der Regel „nur“ analysieren und nicht auswendig lernen. Sicher steht im Rahmenlehrplan Deutsch für Klasse 3 „ein Gedicht lernen“ für das zweite Halbjahr, aber weshalb ist ein Lehrer nicht in der Lage, aus 1 Milliarde Gedichten in Lesebuch und Internet dafür ein vernünftiges auszuwählen?

Fiona hat als „kleineres Übel“ das zweite ausgewählt, immerhin reimt es sich.

Aber möcht‘ ich tatsächlich ein Sack voll Blödsinn sein? Am liebsten hätte ich einen Brief geschrieben, in dem ich ausführlich begründet hätte, weshalb mein Kind keines der beiden Gedichte gelernt hat…

Denn ein Sack voll Blödsinn ist für mich nur eines: Seite 90 im Lesebuch!

Zimmer im Kopf

Fiona ist 7 Jahre alt und geht in die 2. Klasse.

Sie war schon seit frühester Kindheit ein sehr wissbegieriges Kind, wollte immer schon die Welt erklärt bekommen, interessierte sich für alles um sie herum, machte gerne kleine Experimente und entwickelte sich in den letzten Jahren zum absoluten Spezialisten auf dem Gebiet ihrer Lieblingstiere: Quallen. (Ja, so habe ich anfangs auch geguckt, als sich mir die anmutige Schönheit dieser Spezies noch nicht so recht erschließen wollte, haha). Sie wurde mit 5 eingeschult, vier Wochen bevor sie 6 geworden ist. Wir hätten sie zurückstellen lassen können, haben uns aber bewusst für das frühe Einschulen entschieden. Es war einfach zu merken, besonders deutlich in den letzten Monaten vor Schulbeginn, dass sie bereit war. Dass sie das zusätzliche Jahr Kita sehr wahrscheinlich nicht als „noch ein Jahr unbeschwert Kind bleiben“ empfunden hätte.

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Sie schrieb unermüdlich Buchstaben und Zahlen, wollte lernen wie man rechnet und fing im Sommerurlaub plötzlich an zu lesen. Nachdem sie zu Ostern ihre Schulmappe bekommen hatte, musste ich regelmäßig mit ihr Schule spielen. Dann kam sie mit Ranzen auf dem Rücken ins Wohnzimmer stolziert, machte sich über meine ausgedruckten Arbeitsblätter her, schrieb und malte, was das Zeug hielt, und wartete auf die „Pausenklingel“ meines Handys, damit sie endlich ihre Brotbüchse plündern konnte. Ich würde hier gar nicht pauschal sagen, Einschulung mit 5 ist gut oder Einschulung mit 5 ist schlecht. Eltern kennen ihre Kinder am besten und können demzufolge auch am besten einschätzen, ob ihr Kind sich im zusätzlichen Kitajahr langweilt oder ob es das unbeschwerte Spielen noch länger genießen möchte. Wie bei so vielen Entscheidungen gilt auch hier, oder hier ganz besonders: hört auf euer Bauchgefühl.

Sie hatte einen durchweg guten Start in der ersten Klasse: eine engagierte und vor allem liebevolle Lehrerin (bei der ich selbst vor 20 Jahren schon Unterricht hatte), tolle Klassenkameraden, viele Freunde und Spaß am Lernen („Schon eine Woche Schule und wir haben noch keine Hausaufgaben aufbekommen! Das finde ich nicht in Ordnung!“). Sie kam mit den Unterrichtsinhalten gut mit und zeigte mir täglich stolz ihre Hefte. Nur das frühe Aufstehen war ihr nach der ersten Schulwoche schon über…

Eine Träumerin?

Im Entwicklungsgespräch zu Beginn des zweiten Schuljahres erwähnte die Klassenleiterin, dass Fiona mit dem Stoff zwar super mitkäme, aber manchmal noch sehr verträumt und langsam sei (eine „Folge“ des frühen Einschulens? Möglich. Wir würden es dennoch wieder so machen). Zum Beispiel montags, wo sie regelmäßig nach dem Sportunterricht zu spät zur nächsten Unterrichtsstunde kommt, weil das Umziehen eben etwas länger dauert. Oder der Deutschtest: schreibt die schwersten Wörter fehlerfrei, kann eigentlich alles perfekt und liest dann die Aufgabenstellung nicht richtig bei „Benutze unbestimmte Artikel: ein, eine“ und setzt stattdessen „der die das“ ein. Oder Mathe: sie rechnet 10 Aufgaben des gleichen Typs ohne Fehler und bei der 11. schreibt sie plötzlich die Zahlen falschrum, also 63 für sechsunddreißig (was für ein blödes System auch, dass die Deutschen ihre Zahlen von hinten nach vorne sprechen. Ist euch das mal aufgefallen? Spanien, Frankreich, England, etc. sagen z.B. thirtysix, also „richtig rum“, hmpf!). Wenn ich sie frage, was bei dieser Aufgabe anders war, sagt sie manchmal Sachen wie:

„Weißt du, Mama, mein Kopf hat plötzlich mitten im Test an die gepunktete Wurzelmundqualle gedacht und ich habe mich gefragt, ob es die vielleicht auch in der Nordsee gibt…“.

Kreativität – ein neues Schulfach?

Ziemlich bald wurde mir klar: Fiona ist nur bedingt für dieses Schulsystem geeignet. Ich gehöre gewiss nicht zu den Übereltern, die meinen, kleine Mozarts oder Einsteins geboren zu haben und auf die Diagnose „Hochbegabung“ spekulieren. Ich bin selber Pädagogin. Aber ein Kind, das sich in andere Welten träumt, dabei vor sich hin philosophiert und über wichtige Fragen des Lebens sinniert, „kollidiert“ zwangsläufig irgendwann mit dem Lehrplan, der für die aktuelle Stunde eben nicht Meeresforschung, sondern Rechnen vorgesehen hat. Grundsätzlich ist daran ja gar nichts Falsches, irgendein System muss es ja geben und Lehrer können nicht jede Stunde darauf eingehen, was die jüngeren Schüler gerade beschäftigt. Aber ich finde, Kreativität sollte ein eigenes Schulfach sein! „Creativity is intelligence having fun“ – Ideen sammeln, sie weiterentwickeln, ausprobieren, experimentieren, Materialien kennenlernen, forschen. Nicht nur nach „Schema F“ abarbeiten, sondern selber denken, umdenken, neu denken. Das sind doch die gefragten Kompetenzen auf dem Arbeitsmarkt. Warum wird das dann nicht gelehrt?

Ja, als „Kreativfächer“ gibt es Musik und Kunst. Aber mal ehrlich: was wird denn gemeinhin mehr belächelt, als diese „Sekundärfächer“? Wie oft schon habe ich gehört, dass Musik gar von Fachfremden unterrichtet wird, die keine einzige Note kennen? „Ist ja nur Grundschule, ein bisschen singen kann doch jeder“. What?!

Fiona macht selber Musik seit sie 4 ist und spielt ganz allein (!) eine zweite oder dritte Stimme, also eine rhythmisch und melodisch komplett andere Melodie als die anderen Spieler. Was attestiert ihr die Musiklehrerin der Schule auf dem Zeugnis? Bei „Rhythmusgefühl“ 3 von 4 Punkten, haha. Als ich Fiona darauf ansprach, meinte die nur trocken:

„Ach weißt du, Mama, Musik ist total langweilig. Frau XY macht jede Stunde irgendein Lied an und wir sollen einfach mitsingen. Wir machen nie was mit richtigen Instrumenten oder so. Das macht mir keinen Spaß, deswegen mache ich da auch nicht so richtig mit.“

In Kunst sollten sie den Struwwelpeter malen, mit langen Haaren, riesigen Fingernägeln, usw. Fionas sah zum Fürchten aus und hatte schwarze Striche auf der Haut („weil er doch so dreckig ist!“). Die Lehrerin hatte aber gefordert, kein Schwarz zu benutzen und war deshalb mit Fionas Bild nicht zufrieden. Vielleicht findet ihr das kleinkariert, aber wie soll sich Kreativität entwickeln, wenn nicht durch die (freie!) Umsetzung der eigenen Vorstellungen zum vorgegebenen Thema? Wer sagt denn, dass der Struwwelpeter nicht Dreck auf der Haut hatte, weil er sich nie gewaschen hat? Ich habe sie für ihr Bild gelobt und auch hervorgehoben, wie gut ich ihre Idee finde mit den schwarzen Dreckstrichen. Ganz egal, was die Lehrerin davon hält.

Wenn man Kinder lässt, entwickeln sie oft ganz ohne Hilfe die erstaunlichsten Ideen, von denen wir Erwachsenen uns noch eine Scheibe abschneiden könnten. Letztes Frühjahr bastelte ich z.B. eine Karte zur Hochzeit und schnitt aus (teurem) selbstklebendem Glitzermoosgummi die Form eines Hochzeitskleides aus. Freihand. Die Taillie ist viel zu schmal geworden und das Moosgummikleid sah aus, als könnte es Barbie passen, landete also im Müll. Als Fiona ins Arbeitszimmer kam und das gute verschnittene Glitzerzeug im Papierkorb sah, fragte sie, ob sie das haben könne. Als sie kurze Zeit darauf mit ihrem Bild fertig war, kam ich aus dem Staunen nicht heraus: aus dem zu knappen Brautkleid war kurzerhand verkehrtherum ein Meerjungfrauenschwanz geworden! Erstaunliche Idee, oder? Ganz große Liebe!

 

Aber auch wenn ich sie für das kreativste Kind der Welt halte, stellte sich mir die Frage: wie kriegen wir es trotzdem hin, dass sie konzentriert bei der Sache ist, aber dennoch ihre Kreativität nicht vom starren Schulsystem abtrainiert bekommt?

Die Lösung ist so einfach wie genial

Zimmer im Kopf!

Wie bitte?! Ja, ihr habt richtig gelesen. Fiona selber hatte ein paar Wochen vor Weihnachten die Idee, als ich vorsichtig mit ihr über das „Problem“ gesprochen habe.

„Mama, wie wär’s denn, wenn ich mir für jedes Unterrichtsfach ein eigenes Zimmer in meinem Kopf einrichte? In meiner Fantasie? In dem Zimmer sieht dann alles so aus, wie ich es mir vorstelle, also bei Mathe sind da ganz viele Zahlen und Lineale und Plus und Minus. Und bei Deutsch sind alle Buchstaben drin! In Kunst stelle ich mir Stifte, Pinsel, Tuschkasten und Blätter vor und die Wände sind ganz bunt in Regenbogenfarben. Und in jedem Zimmer steht natürlich ein Schreibtisch! Und die Pokémons und Quallen und so sind in einem Extrazimmer, in das kann ich dann am Nachmittag reingehen, wenn die Schule vorbei ist. Ein Anziehzimmer richte ich mir auch noch ein, dann klappt das nach dem Sport bestimmt auch schneller!“

Ja, und was soll ich sagen: es funktioniert!

Ab und zu sprechen wir über die Zimmer: ich frage konkret nach, ob sie mir erzählen will, wie es in den einzelnen Zimmern aussieht, in welchen Zimmern sie tagsüber so war, ob es auch in einem vielleicht ganz unordentlich ist und wir mal aufräumen müssen (haha) und so erzählt sie auch von sich aus mehr als nur das obligatorische: „gut“ auf die Frage, wie es heute in der Schule war.

Ich habe tatsächlich das Gefühl, dass sie sich durch die „Zimmer“ besser fokussieren kann, ihre Energien besser bündelt und die Bewertungen der letzten Wochen ihren Fähigkeiten entsprechen und sich nicht mehr so viele kleine Flüchtigkeits- oder Konzentrationsfehler einschleichen. Wenn sie merkt, dass ihre Gedanken sich „selbstständig“ machen, kann sie mental in das Zimmer gehen, das ihr hilft, bei der Sache zu bleiben. Und wenn irgendetwas kreativ ist, dann doch genau DIESE Idee, oder?

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Bildquellenangabe: Eileen Naumann/ pixelio.de

Kennt ihr solche oder ähnliche Situationen bzw. Probleme von euren Schulkindern auch?

#12von12 im April

Eigentlich war gestern ein Tag für die Tonne – die Kitaeingewöhnung läuft inzwischen mehr als holprig (siehe Bild 6/12) und nimmt mich als Mama verständlicherweise ganz schön mit. Außerdem wird die kleine Madame wohl krank und ist dementsprechend drauf. Ich konnte gestern ungelogen keine 2min vor dem Computer sitzen und wenigstens darüber n a c h d e n k e n, was ich arbeiten sollte. Das ist frustrierend. Es heißt ja, Selbstständige arbeiten selbst und ständig, aber ich konnte mich gestern darauf verlassen, dass sie sich im Minutentakt irgendwo gestoßen oder Dummheiten gemacht hat, etwas haben wollte oder quengelig war, weil sie einfach mit der Gesamtsituation unzufrieden gewesen ist. Kennt ihr das? Statt wie sonst um 4 sind wir dann schon um 3 die große Schwester von der Schule abholen gegangen, weil wir es drinnen einfach nicht mehr ausgehalten haben. Nun ja, 12 schöne Bilder haben wir trotzdem gemacht, hier sind sie:

[6] aus #12von12 Kitaeingewöhnung Tag 7: ganz großer Mist. So gut, wie es letzte Woche angefangen hat, so schwierig ist es heute. Während ich mit den Großen oben Musik gemacht habe, war sie unten in ihrer Gruppe und hat sich nach kurzer Zeit wieder so reingesteigert ins Weinen, dass nichts geholfen hat. Wollte nicht malen, nicht raus gehen, nicht trinken, nicht Keks essen, nicht bauen, nichts. Die Erzieherin sagt, sie weiß nicht, womit sie sie "kriegen" kann und was sie gerne macht. Und genau das ist es: eigentlich macht sie all das gerne, was die Erzieherin ihr vorgeschlagen hat 😞 nach einer Stunde hat eine Kollegin mein Kind auf dem Arm mit raus genommen. Aber auch da – nur am Schluchzen, ganz rote Augen. Nun ein neuer Plan: morgen einen Tag "Pause" und ab Donnerstag fangen wir noch mal von vorne an, also ich bleibe mit drin und auch nur 1h pro Tag… Jetzt ist sie ohne Meckern sofort eingeschlafen. Bin mir nicht sicher, ob da nicht auch wieder was im Anzug ist. Hustet seit gestern 😩 #6von12 #kita #eingewöhnung #kindergarten #woche2

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[10] aus #12von12 Orchesterprobe mit dem Nachwuchs gehabt und jetzt: Feierabend 🎉🎉🎉

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[12] aus #12von12 Sonnenuntergang, gute Nacht! #latergram #sundown #beautifulsky #skyporn

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Mehr gibt’s bei Draußen nur Kännchen zu sehen.

6 Monate Schulkind

Unglaubliche s-e-c-h-s Monate soll dein erster Schultag schon her sein, wie schnell rast die Zeit denn bitte?!
Du hast doch gerade erst Zuckertütenfest im Kindergarten gefeiert und jetzt wird schon bald die nächste Vorschulgruppe verabschiedet. Verrückt!

Wie auch schon beim letzten Bericht (3 Monate Schulkind) geschrieben: wir bereuen keine Sekunde, dich kurz vor deinem 6. Geburtstag schon eingeschult zu haben, obwohl die meisten deiner Klassenkameraden inzwischen schon 7 werden oder geworden sind. Du bist angekommen in deinem neuen Lebensabschnitt, hast dich an den Tagesablauf gewöhnt und bist auch nicht mehr soo maulig beim frühen Aufstehen. Ich wäre es zwar, 6.15 Uhr ist einfach noch nie meine Zeit gewesen, aber lasse mir nichts anmerken, damit du einen guten Start in den Tag hast und ihn mit guter Laune beginnst! Mit ganz kleinen Augen nutze ich die 20min zwischen Wecken und Aufstehen in der ansonsten stillen Wohnung für den „Brotbüchsenzauber“, wie es dein Papa nennt. Puzzleteilchen aus Toast, Gurkensterne und Melonenherzchen – das ist mein Yoga zum Wachwerden. Du würdest ganz normal geschIMG_9411nittene Gurken auch essen, das Alibi-Obst sowieso drin lassen und den Toast auch viereckig nehmen, aber weil ich weiß, dass du dich darüber freust und, weil ich dir zeigen möchte, dass du mir diese liebevollen Extraschnippeleien wert bist, mache ich das jeden Morgen. Manchmal stecke ich auch einen kleinen Liebesbrief oder „Kussbonbon“ mit rein und stelle mir vor, wie du ihn in der Frühstückspause findest und lächelst: Guten Appetit! Ich hab dich lieb, Mama ❤

Was eure Lehrerin uns letzten Sommer gesagt hat, habe ich nicht für möglich gehalten: im Dezember können die Kinder lesen. Du konntest tatsächlich im Dezember lesen – ganz langsam, aber richtig. Mittlerweile scannst du deine ganze Umgebung nach etwas Lesbarem ab und mit dem Lesen kommen auch die Fragen: was heißt eigentlich ULTRAHOCHERHITZT und HOMOGENISIERT?
Ähhh…

Du gehst – im Gegensatz zu mir damals – sehr gerne in den Schulhort und bist traurig, wenn du mal nicht bis 16 Uhr bleiben darfst. Ihr macht dort tolle Sachen: basteln, backen, stempeln, experimentieren und 1x im Monat steigt eine große Mottoparty. Das letzte Motto war Weltraum. Du hast dich akribisch darauf vorbereitet, aus unserem riesigen Konzertkostümfundus den Astronautenanzug mit Helm rausgesucht und wir haben zusammen einen Ufokuchen gebacken. Am Morgen der Party dann: Fieber. Das tat mir in der Seele weh! (Aber deine coole Horterzieherin hat gesagt, dass ihr bald in die Sternwarte geht und du dein Kostüm dann gerne anziehen darfst ^^).

Deine Lieblingsfächer sind nach wie vor Sport und Lebenskunde, aber auch Kunst gefällt dir sehr! Ich bewundere dein kreatives Potential und, wie du deine Ideen einbringst! Als ihr den Struwwelpeter gemalt habt, habt ihr seine Haare und Fingernägel aus schwarzen Papierstreifen gerissen und aufgeklebt. Du hattest zusätzlich die Idee, den nassen Pinsel mit schwarzer Farbe auf die gemalten Klamotten tropfen zu lassen, damit sie dreckig aussehen. Das fand deine Lehrerin nicht so gut, aber ich finde das großartig! Auch zu Hause produzierst du ein tolles Bild nach dem anderen. Was die Malkünste angeht, hast du mich längst überholt! Weiter so! Seitdem du in der Schule Buchstaben lernst, bastelst du dir regelmäßig Bücher, denn du machst nichts lieber als Dinge zu sortieren und zu archivieren, meine kleine Forscherin! Auch Einkaufszettel schreibst du mittlerweile am liebsten selber.

 

Obwohl du in deiner Freizeit sehr gerne Musik machst und eine der besten in deiner Akkordeongruppe bist, magst du das Fach „Musik“ in der Schule nicht so. Als ich fragte, weshalb, erklärtest du mir: „Weil wir da überhaupt nicht Musik MACHEN, Mama! Die Lehrerin macht immer einfach ein Lied an und wir sollen mitsingen. Ohne Instrumente! Das macht mir keinen Spaß.“ 
Das kann ich so gut verstehen, mein Schatz!

Dein erstes Halbjahreszeugnis hast du Ende Januar bekommen und warst mächtig stolz (nicht nur du!). In meinem eigenen Zeugnis der ersten Klasse war neben viel Lob für sprachlich-musische Fähigkeiten auch zu lesen: „Addition und Subtraktion im Zahlenbereich bis 20 bereiten ihr zuweilen noch Probleme.“
Dir nicht! Du bist schon mehrfach „Rechenkönigin“ geworden und hast kleine Tests mit „O F.“ bestanden. Zehner und Einer, Vorgänger und Nachfolger – you rock!

 

Geltende Währung zur Bestimmung des Coolness-Faktors und des Reifegrades in der ersten Klasse sind übrigens Wackelzähne! Da wird geklatscht und getrascht, geholfen, beratschlagt, es werden Wackel-Tipps gegeben und Erfahrungen geteilt: im Club der fehlenden Zähne. Die beiden unteren Schneidezähne bist du schon im Herbst losgeworden. Nachdem einer der oberen so bedrohliche Winkel eingenommen hat, dass einem vom Zugucken schlecht geworden ist, hat er nach vielen wackligen Wochen vor ein paar Tagen endlich aufgegeben. Hooray! Letztes Wochenende hat sich der zweite angeschlossen. Und nun fehlt dir ein Erkennungsmerkmal! Dein Babylachen mit den zwei großen, ein bisschen auseinanderstehenden Schneidezähnen, dieses freche, verschmitzte Nono-Grinsen – weg! Wuaah! DU bist stolz wie Bolle, schließlich hast du jetzt ein Riesenloch für den Strohhalm, und singst „Zahnlose Minka, Auto ohne Blinker“. ICH allerdings muss mich erst noch langsam daran gewöhnen, dass mein „großes Baby“ mit den langen Beinen nun nicht mehr nur keines mehr ist, sondern auch nicht mehr wie eines aussieht. Auch nicht ein klitzekleines bisschen…

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Im April findet der Rezitatorenwettbewerb eurer Schule statt, für den du dich freiwillig gemeldet hast. Als ich staunte, meintest du nur trocken: „Wenn es irgendwo gilt, mutig zu sein und sich etwas zu trauen, bin ich dabei! Das kann ich gut!“. Und weil wir online kein passendes Gedicht gefunden haben, habe ich dir kurzerhand ein schönes von den Tieren in der Tierschule geschrieben; vom Elefanten, der nicht so gut springen kann wie der Frosch und der Katze, die beim Schwimmunterricht blubbert und untergeht. „Kopf hoch“, sagt der Lehrer dann, „weil man nicht alles können kann. Seid verschieden, habt nur Mut: jeder kann was and’res gut!“. Keine 24 Stunden später konntest du alle 6 (!) Strophen auswendig. Hut ab!

Seit etwa 4 Monaten Foto 20.03.16, 21 44 30gehen wir morgens täglich zu Fuß zur Schule. Du bewegst dich gerne und sagst selbst, du bist „frischer“ im Kopf, als wenn wir fahren, und ich muss mit dem Auto nicht vor der Schule um einen Parkplatz drängeln und genieße die exklusive Zeit mit dir, meinem großen Mädchen. Unterwegs untersuchst du gefrorene Pfützen, Regenwürmer und Schuhabdrücke und erklärst mir mit deinem wichtigen Blick, welche Frühblüher auf dem Weg du in der Schule schon kennengelernt hast.

Du warst inzwischen schon auf gefühlte 20 Kindergeburtstage eingeladen, hast viele neue Freundinnen gefunden und mir gestern mit verschmitztem Grinsen erzählt, dass du VERLIEBT bist. Aber nicht nur in einen Jungen, sondern gleich in 3. Naja, viel hilft viel!

Seit du in der Schule bist haben wir ein fettes Minus auf dem Konto der Kleber, Bleistifte, Lineale, Anspitzer und Radiergummis. Ich weiß nicht, wohin die alle verschwinden oder wo in deiner Schulmappe sich das schwarze Loch befindet, aber du kratzt dir jedenfalls nur ratlos am Kopf und „weißt auch nicht“. Überhaupt weißt du Vieles nicht mehr, z.B., was es am selben Tag zum Mittagessen gegeben hat. Aber die temporäre Amnesie kenne ich ja schon aus Kita-Zeiten. Foto 20.03.16, 21 47 36

So schön es in der Schule ist – eine Situation, in der mein Mamaherz geblutet hat, gab es schon. Du erzähltest eines Tages am Wochenende unter Tränen, dass Mitschülerinnen dich gezwungen hätten, schneller zu essen und sogar, dein Essen wegzuschmeißen, obwohl du noch nicht satt warst. Sie wollten als Erste fertig sein und wieder auf den Hof gehen und das dürfen sie nur, wenn der ganze Tisch aufgegessen hat. Ich weiß, dass ich dich nicht dein Leben lang vor allem beschützen kann und dass du lernen musst, dich durchzusetzen und deine Meinung zu sagen. Aber in diesem Fall habe ich dir versprochen die Erzieherin zu bitten, beim Mittagessen ein Auge auf die Mädels zu haben. Seitdem gab es keine Probleme mehr. Ich wünsche mir, dass du auch in Zukunft mit deinen kleinen und großen Sorgen zu mir kommst und wir gemeinsam eine Lösung finden!

Mit Beginn der Schulzeit müssen ja vor allem die Eltern lernen, loszulassen. Wo man ein paar Monate vorher noch mitreingegangen ist, 3 Worte mit der Erzieherin gewechselt und das Kind in liebevolle Hände „übergeben“ hat, steht man heute nur noch am Schultor und winkt. Die meisten Kinder gehen von dort alleine über den großen Hof bis zu ihren jeweiligen Gebäuden. Wenn wir nicht gerade einer Klassenkameradin begegnen, mit der du zusammen reingehen kannst, möchtest du lieber, dass ich dich noch begleite bis zum Haus. Das mache ich sehr gerne, solange du mich lässt, und kann so Schritt für Schritt lernen, wie es ist, einem Kind Flügel zu schenken und es in die Selbstständigkeit zu entlassen… Bleib wie du bist! Ich bin stolz auf dich, mein großes Mädchen!

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Best-Of Jan/Feb

Habt ihr Lust auf die schönsten Fotos aus unserem Jahresbeginn 2016?
Dann nehme ich euch mit auf einen kleinen Januar-Februar-Insta-Rückblick in Bildern.
Kindermund-Zitate gibt es weiter unten natürlich auch!

Ein Foto als Ausmalbild gedruckt und bunte Haare gepustet
Fingerstricken!
Happy Birthday to me – hallo 29! Ab jetzt für immer ^^
im Schnee mit Schlitten zur Schule, ein großer Spaß!
Olaf
Für den Fasching 2016 ein Minion-Mädchen genäht
eingeschlafen auf Opas Schoß
Winterromantik in Berlin
My-little-Pony-Zeichnungen mit klebrigsüßen Namen wie „Rainbow Dash“ und „Pinky Pie“
Bollerwagenidylle am letzten Schultag vor den Ferien
das erste Zeugnis!
Winterferien: eine Woche Sonne auf Teneriffa
Endlich mal die Einschulungskarten hübsch im Rahmen organisiert
Das Schönste, das ich je verschenkt habe, für meine Mama zum 65.
Des Forschers liebste Beschäftigung: ordnen und systematisieren
Schöne Verwendung für den Urlaubssand (Rahmen: RIBBA von Ikea)
Geschwisterplüsch
ein neues Sport-Shirt für’s Schulkind genäht
„Guten Morgen, Berlin!“
„Wir“ tanzen auf dem Tisch
Paradies meiner Kindheit: Kletterreifen bei meiner Oma vor der Tür, hach
Maestro am Xylophon

Der Kinder liebste Tradition: Wannensnack am Sonntag Abend
Kranksein ist eine blöde Kuh, denn…
…wir hatten doch extra einen Ufo-Kuchen für die Weltraumparty in der Schule gebacken…
…und das passende Kostüm aus unserem Konzert-Fundus rausgesucht
Füchse vernäht
Rico, Private, Kowalski und Skipper: aus Playmais

Und hier sind die Zitate der letzten Wochen:
Fiona ist 6 Jahre und 4 Monate alt.
Bleigießen am Silvesterabend.
Fiona: „Hm, mein Blei sieht aus wie ’ne Flugratte.“
Wir lüften am Neujahrstag.
Sie: „Boah, die Luft riecht noch nach Silvester…“
„Ich glaube, mein Bauch ist eingeschlafen.“
„Warum können eigentlich Vögel fliegen?
Die haben doch auch Schwerkraft!“
Ich: „Sasa und ich fahren Donnerstag ins Stoffhaus.“
Fiona: „Kann ich mit?“
Ich: „Du bist in der Schule.“
Fiona: „Voll unfair! Ich muss arbeiten und ihr könnt euch amüsieren.“
„Mama, mein Bleistift schreibt nicht mehr. Der brauch eine neue Pupille.“
Im Familienfotobuch 2015 steht hinten ein Best-Of von Fiona-Zitaten drin.
Sie: „Cool, liest du mir mal meine Witze vor?“
 Sie bekommt ein Fuchs-Kuscheltier geschenkt und sagt zu ihm:
„Du kannst ein bisschen mit Hasi abhängen, Mr. Fuchs.“

Hundekot auf dem Gehweg.
Fiona: „Wenn der Hund talentiert gewesen wäre, 
hätte er die Kacke mit dem Fuß weggeschoben.“

Wir lassen eine Geburtstagsrakete steigen.
Ich: „Und jetzt schnell weg, eigentlich darf man das nur zu Silvester.“
Fiona: „Ist das im Namen des Gesetzes?“

„Da ist immer so viel los. Dieser ganze Trumbummel.“

Sie guckt auf die Uhr:
„Also wenn der kleine Zeiger sich ein bisschen beeilt,
ist es gleich halb 9.“

Ich schreibe ihr eine Entschuldigung.
Sie: „Lies mal vor.“
Ich lese.
Sie: „Ist ok, aber nächstes Mal bitte nicht 
mit der professionellen Stimme lesen.“

„Guck mal, mein Wackelzahn ragt schon aus dem Gebiss raus!“

Wir kommen vom Kinderarzt.
Sie streichelt ihr Lieblingskuscheltier und sagt:
„Weißt du, in Hasi stecken alle Krankheiten, die ich jemals hatte.“

„Erinnerst du dich noch, als mir so schlecht war, 
dass ich neben der Straße auf den Bürgerweg gekotzt habe?“

 
 

Temporäre Schulkindamnesie

oder: wie mich das Kind mit „Weiß ich nicht mehr“ an den Rand der Verzweiflung brachte.

Fiona geht in die 1.Klasse und besucht mit viel Freude den Lebenskundeunterricht (das weltliche Pendant zu Religion). Die Kinder durften im Unterricht ihre Namen auf kleine Zettel schreiben und in ein großes Glas stecken. Jede Woche wird nun ein Kind gezogen, das „Bärchen“ mit nach Hause nehmen darf.
Bärchen ist ein kleiner Teddybär, der eine Woche lang bei jedem Kind zu Hause wohnen darf. Er kommt in einer durchsichtigen Plastiktüte und bringt eine Art Mini-Schulranzen, eine Zahnbürste und ein großes Tagebuch mit. In dieses Tagebuch malen, schreiben und kleben die Kinder ein, was Teddy in der Woche bei ihnen alles erlebt hat. Eine total schöne Idee, wie ich finde. Entsprechend aufgeregt war Fiona, als sie gestern stolz das Bärchen samt Zubehör aus ihrer Mappe zog.
Im Tagebuch stehen auf der ersten Seite die Regeln für das Zusammenleben. Nummer 1 lautet:
Pass immer gut auf Bärchen und seine Sachen auf.

Bärchens erste Nacht bei uns verlief problemlos; er durfte natürlich in Fionas Bett schlafen.
Heute früh bereitete ich Toast zu, extra in Bärchenform mit einem unserer vielen Ausstecher. Honigbrot mag er nämlich für sein Leben gern, erzählte mir das Kind.
Und dann, kurz vor dem Losgehen zur Schule, schickte ich Fiona und Bärchen Zähneputzen, schließlich hat der Teddy ja sogar eine eigene Zahnbürste dabei.
Daraufhin stellte mir Fiona die Frage der Fragen:
„Wo ist Teddys Zahnbürste?“
– „Na in dem Beutel mit seinem Zubehör. Wo hast du den denn?“
„Du hattest ihn doch.“
– „ICH?! Nein, DU hast ihn doch gestern gehabt. Wo hast du die Tüte denn hingelegt, nachdem du den Bär rausgenommen hattest?“
„Ich weiß es nicht mehr.“

Diese vorübergehende Amnesie befällt Kinder meistens schon im Kindergarten, wenn man sie am Abend fragt, was sie am gleichen Tag (!) zum Mittag gegessen haben.
Möchte man wissen, was das Kind in der Schule gelernt hat, muss man konkreter fragen: „Ihr habt heute bestimmt das R gelernt. Oder das B?“. Fragt man allgemein, gibt es oft nur „Weiß ich nicht mehr“ zur Antwort. Verrückt, so ein Kinderkopf. Auch die Handschuhe, die sie morgens noch anhatte, sind am Nachmittag nicht mehr da. Mützen, Schals und Strickjacken ereilt nicht selten das gleiche Schicksal.
Letztens hat sich in der Schule die Jacke eines Jungen angefunden, der vor 6 Jahren (!!) die Grundschule verlassen hat. Scheint also kein Einzelfall zu sein, mein Kind. Gut, dass der Kopf angewachsen ist!

Zurück zu Bärchen:

„Wir haben ihn noch keine 24 Stunden und du hast schon seine Sachen verbummelt?!?“
– „Wir haben ja noch eine ganze Woche Zeit, sie zu finden, Mama…“

Und während ich, den Tränen der Verzweiflung nahe, eine Stunde meines Vormittages damit verbrachte, das Kinderzimmer inklusive Verkleidungskiste umzupflügen, kam mein Mann aus dem Wohnzimmer, hielt eine Tüte hoch und fragte, was die zwischen den Spielzeugen auf der kleinen Couch mache und was das da drin sei…
Bärchen wird den Rest der Woche von der Hand in den Mund leben müssen, denn sein Rucksack (mit Verpflegung) wurde von mir konfisziert und wird erst am Tag der Rückreise wieder herausgegeben. Sicher ist sicher!

Sind eure Kinder auch solche verplanten Verbummler? Wird das irgendwann besser?