Ein Sack voll Blödsinn: Schule.

Ich hätte noch vor wenigen Jahren nie gedacht, dass ich schon nach so kurzer Zeit, in der mein Kind zur Schule geht, so wütend auf dieses sture, nicht zeitgemäße System sein würde. Natürlich erinnert man sich an seine eigene Schulzeit und an die Begebenheiten, Lehrer oder Fächer, mit denen man so seine Probleme hatte (öhöm). Aber – ich kann nur für uns sprechen – wir jedenfalls sind im Herbst 2015 durchweg positiv und voller Vorfreude in den neuen Lebensabschnitt „Schule“ gestartet, keine Rede von „Ernst des Lebens“. Inzwischen geht sie in die 3. Klasse, seit diesem Schuljahr werden die Leistungen anhand von Schulnoten bewertet und natürlich war neben vielen Einsen und Zweien auch schon mal die eine oder andere 3 dabei: Hefterführung, Handschrift oder ein Englischtest in zweifelhafter Form, der mehr Ähnlichkeit mit einem Schnittmuster für Handschuhe hatte, haha. Who cares.

Dass Eltern nicht immer einer Meinung mit Lehrern sind, okay. Auch das kommt vor und ich spreche hier nicht von Helikoptereltern, die in jeder Note ihr Kind ungerecht bewertet sehen. Aber als ich im Hausaufgabenheft die Aufgabe „Gedicht lernen Lesebuch“ und die dazugehörigen zwei Gedichte zur Auswahl gesehen habe, habe ich doch an der pädagogischen Kompetenz der Lehrerin gezweifelt.

Vielleicht stoßen mir die Gedichte so bitter auf, weil ich selber Lehrerin bin und man in der Ausbildung von Kindern doch ein gewisses pädagogisches Konzept verfolgt, dessen Inhalte logisch (!) aufeinander aufbauen und sich im Schwierigkeitsgrad langsam und kontinuierlich steigern.

Wenn man Gedichte lernt, lernt man doch, was Reimschema und Versmaß angeht, zuallererst die gleichmäßigen Grundformen. Paarreim, Kreuzreim oder oder. Jambus, Trochäus, Daktylus, Anapäst – das muss in der Grundschule sicher noch niemand wissen, aber welches Versmaß auch immer zu Grund liegen mag, es sollte ein regelmäßiges sein, damit die Kinder erstmal grundsätzlich ein Gefühl für den Sprachrhythmus bekommen!

„Unsere“ beiden Gedichte sind eine wahrhafte Katastrophe und speziell Erwin Moser („So im Schatten liegen möchte ich“) gehört für seines, abgedruckt in einem Lesebuch von Klasse 3, posthum verkehrtherum aufgehängt und mit einem Buch über Reimschemata gefoltert: 3 Strophen, in denen sich kein Wort reimt und der Sprache keinerlei einheitlicher Rhythmus zu Grunde liegt. Dass wäre, als wenn ich (Musiklehrerin) mit den Instrumentalschülern nach den ersten drei Tönen direkt Freejazz oder den 7/8tel-Takt behandle!

(Der Vollständigkeit halber: „Einfach alles“ ist nicht von Herrn Moser, sondern von Klaus Kordon)

Natürlich gibt es Gedichte, die absichtlich keinem festen Reimschema folgen oder deren Versmaß aufgebrochen wird, um die Inhalt-Form-Beziehung zu unterstreichen. Aber mit Analyse und Interpretation beschäftigt man sich in der Oberstufe im Grund- oder Leistungskurs und muss die Gedichte in der Regel „nur“ analysieren und nicht auswendig lernen. Sicher steht im Rahmenlehrplan Deutsch für Klasse 3 „ein Gedicht lernen“ für das zweite Halbjahr, aber weshalb ist ein Lehrer nicht in der Lage, aus 1 Milliarde Gedichten in Lesebuch und Internet dafür ein vernünftiges auszuwählen?

Fiona hat als „kleineres Übel“ das zweite ausgewählt, immerhin reimt es sich.

Aber möcht‘ ich tatsächlich ein Sack voll Blödsinn sein? Am liebsten hätte ich einen Brief geschrieben, in dem ich ausführlich begründet hätte, weshalb mein Kind keines der beiden Gedichte gelernt hat…

Denn ein Sack voll Blödsinn ist für mich nur eines: Seite 90 im Lesebuch!

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Ein Rant: Horror-TV im DisneyChannel!

Donnerstag vor 1 Woche: ich habe von 19 bis 20.30 Uhr Ensembleprobe, die Kinder sind bei meiner Mama, Fiona darf fernsehen und beide Kinder werden anschließend bettfertig gemacht, während ich noch arbeite.

Das große Kind schaute an diesem Donnerstag also das Vorabendprogramm im Fernsehen, es lief DisneyChannel. Wo tagsüber normalerweise Phineas & Ferb, Garfield und Micky Maus Wunderhaus über den Bildschirm flimmern, kam an diesem Abend um halb 7 „Jessie“, eine Sitcom, beschrieben als „Kinder- und Jugendserie“. Fiona schaute alleine im Wohnzimmer, ich war nebenan in der Küche und trank noch einen Kaffee kurz vor der Probe. Nach etwa 20min kam sie weinend und völlig aufgelöst zu mir und stammelte etwas von Abigail und, dass sie so schreckliche Angst hätte. Die Tränen liefen nur so und sie zitterte am ganzen Körper. Ich versuchte erstmal, sie zu beruhigen, bis sie mir erklären konnte, was geschehen war.
In der Folge Jessie, die sie geguckt hat, ging es wohl um eine Halloweenparty. Ein Geistermädchen namens Abigail mit langen schwarzen Haaren vor dem Gesicht ist als Video auf einem Handy zu sehen. Alle Kinder, die das Video gesehen haben, sind kurz darauf verschwunden.
Erinnert das noch jemanden an den Horror-Schocker „The Ring“?!

Screenshot von http://www.dailymotion.com

Screenshot von http://www.dailymotion.com

Fiona war jedenfalls völlig verängstigt und ließ sich nur schwer beruhigen. Ich erklärte ihr, dass das alles nur erfunden sei und es weder Abigail im Speziellen noch Geister im Allgemeinen wirklich gäbe. Ich googelte die Folge und sagte ihr, dass am Ende rauskommt, dass sich die Kinder nur verkleidet haben, um Jessie einen Schrecken einzujagen. Wir sprachen ausführlich über Geister, Verkleidungen, Halloween, etc.
In der ersten Nacht konnte sie nicht alleine in ihrem Zimmer schlafen. Sie ging abends nicht mehr alleine auf die Toilette, weil es darin dunkel ist, bevor man Licht anschaltet. Wenn wir im Dunkeln nach Hause kommen, sucht sie draußen meine Hand (ich trage währenddessen schon Baby, Arbeitstasche, Schulmappe und Schlüssel) und sie geht auch abends nicht mehr alleine ins Wohnzimmer. Vor ein paar Tagen ist sie nachts aufgewacht und hat gebrüllt wie am Spieß, einfach so. Und wieder fiel der Name Abigail.

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In einer anderen Nacht wachte sie ebenfalls weinend auf und erzählte mir von ihrem Albtraum. Sie hatte geträumt, dass ich diesen Anruf auf dem Handy bekommen und das Video mit Abigail gesehen habe.

Sicher sollte die Sendung eine Parodie auf „The Ring“ sein, ich habe inzwischen Ausschnitte auf Youtube gesehen. Am Ende ist es ein verkleidetes Kind, was durch den Fernseher kommt und die Perücke abnimmt. Bis zum Ende hat Fiona es allerdings nicht gesehen. Sie stand ja schon vorher völlig neben sich. Ich kann verstehen, dass diese Szenen sie nachhaltig verängstigt haben. Unverantwortlich, zur Sandmann-Zeit so etwas auszustrahlen. Da guckt das Kind ein Mal abends TV und das haben wir nun davon…

Wie geht ihr damit um, wenn eure Kinder irrationale Ängste haben? Tipps, anyone?