Weihnachtsgeschichte 2.0

Es gibt so Kinderträume, die muss man sich einfach erfüllen, wenn man groß ist.
Einer dieser Träume heißt bei mir: Playmobil.
Mein Mann ist bekennender Lego-Fan, weil eben nichts vorgegeben ist und man nach Lust und Laune bauen kann, wonach einem der Sinn steht. Ich mag stattdessen gerade diese vorgegebene Begrenztheit von Playmobil: Kind – Mütze – Skateboard – klack. Herr Buddenbohm hat vor einiger Zeit eine sehr witzige Abhandlung über die Sehnsucht nach dem Klack geschrieben, wirklich lesenswert! Ich mag diese herrliche Unkompliziertheit von Playmobil, dieses sich abfinden mit der Tatsache, dass man nur ein Gelenk in der Mitte seines Körpers hat und damit tut, was man eben damit tun kann: sitzen und stehen. 
Das wohl interessanteste Spielzeug in unserem Haushalt ist das, was nur in der Vorweihnachtszeit bespielt werden kann: die Playmobil Krippe. Die verbringt den Advent auf unserem Wohnzimmertisch und verschwindet nach Weihnachten konsequent im Schrank. Man sollte viel mehr saisonales Spielzeug einführen. Jedenfalls fieberte Fiona sehnsüchtig darauf hin, endlich die Krippe aufbauen zu können: Stall, Esel, Kuh, Schafe, Hirte, Engel, Maria, Josef, Baby „Dschiesis“, dessen „Nachtlicht“, die Feuerstelle mit dem an einer Holzkonstruktion befestigten Kochtopf und den Tauben. Zwischen den beiden letzten stellte Fiona spontan einen Zusammenhang her, setzte den christliche Vogel in den christlichen Kochtopf und beschloss: „Heute gibt es gebratene Taube.“
 
Und weil ich die war, die im Laden nicht dran vorbeigehen konnte, kam auch noch Besuch zum Essen vorbei: die heiligen 3 Könige mit ihrem bepackten Kamel, das „eigentlich ein Dromedar“ ist (O-Ton Fiona). Zumindest war es ursprünglich so geplant, aber wer kennt das nicht? Während man eifrig Pläne schmiedet, kommt es erstens anders und zweitens als man denkt. Die heiligen 3 Könige folgten also dem Stern, der über dem Stall unseres Bethlehemer Wohnzimmertisches leuchtete. Sie hatten Goldmünzen und diverse andere wertvolle Geburtstagsgeschenke im Gepäck. Als sich das Dromedar (Nono sagt übrigens konsequent der Dromedar) zwischendurch hinlegen und ausruhen wollte, schimpfte mein Kind: „Dromedar! Du kannst dich jetzt nicht hinlegen. Wir müssen dem geborten Baby doch noch die Geschenke bringen!!!“ Ohne Rast setzten sie also ihre beschwerliche Reise fort und plötzlich sahen sie, wem sie die ganze Zeit gefolgt waren. Es war nicht der Stern über Bethlehem, sondern das helle Licht eines Weihnachtsmarktes gewesen. Das Jugendmotto „You Only Live Once“ ein bisschen zu wörtlich genommen, zahlten sie mit den Münzen aus der Schatztruhe, legten ihre Königsumhänge ab, setzten sich in das Karussell und wenn sie inzwischen nicht in der Krippe angekommen sind, fahren sie noch heute selig frohlockend im Kreis….Oh holy flight.
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