Kleinkindverhaltensregeln 1.0

Weil ihr den Babyknigge und die Baby-Verhaltensregeln bei Tisch so gerne gelesen habt und die inzwischen schon so lange her sind, gibt es heute ein Update. Das jüngste Familienmitglied ist inzwischen 14 Monate alt und stellt alles auf den Kopf, im wahrsten Sinne des Wortes.

Ein von Vivi (@mamazweipunktnull) gepostetes Foto am 22. Dez 2015 um 6:06 Uhr

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Kleinkindverhaltensregeln 1.0

#1
Versuche, so lange wie möglich mit dem Sprechen zu warten! Benutze stattdessen weiterhin „A, A, A!“ und deinen ausgestreckten Zeigefinger für Dinge/Essen/Trinken, das du begehrst. Kopfschütteln und Nicken als Antwort auf eine Rückfrage sind okay. Denke dir lustige, nichtexistente Laute und Silbenverbindungen aus, nutze diese und gestikuliere wild dazu. Dann halte die Hand vor den Mund und lache laut über deinen „Satz“. So generiert man Publikum!

#2
Gehe im gemeinsamen Kinderzimmer regelmäßig heimlich auf Schatzsuche. Große Bausteine, Babylego und die Kugelbahn sind nur Hindernisse; du suchst winzige Murmeln, Bügelperlen, Loom-Gummis, Perlen, Glitzersteine und andere Dinge, die sich prinzipiell gut eignen würden, um sie in den Mund oder die Nase zu stecken. Schenke auch Staubflusen oder Trocknerfusseln große Beachtung. Daraus kann man mit einem bisschen Geschick noch etwas Schönes filzen.

#3
Wann immer sich die Gelegenheit ergibt, gehe durch die geöffnete Badezimmertür auf direktem Wege ins Paradies. Dort warten Sonnencreme, Knisterbad, Dschungeldusche und Prinzessinnenschaum darauf, von dir entdeckt zu werden. OBs, Badeperlen und Klosteine geben extra Punkte!

#4
Stelle bei jeder sich bietenden Gelegenheit deinen Musikgeschmack unter Beweis und suche aus dem Wohnzimmerregal die CDs, die dir besonders gefallen. Ziehe sie aus dem Schrank, öffne die Hülle und verteile die losen Silberscheiben auf dem Fußboden. Advanced Memory, ein großer Spaß für Eltern!

#5
Auf die offensive Frage „Hast du Kacka drin?“ oder die etwas subtilere Schwester „Brauchst du eine neue Windel?“ schüttle grundsätzlich entschieden den Kopf. Also wirklich!

#6
Verstecke übriggebliebene Weintrauben, Blaubeeren oder Toasthäpse mit Leberwurst in den Ritzen deines Hochstuhles und erkläre die Mahlzeit als beendet, indem du deinen Teller hochnimmst und auskippst. Das sollten deine Eltern dann auch nonverbal verstehen. Mit dem leeren Teller als verlängerter Arm kann man übrigens wunderbar den Becher Milch umschmeißen, den sie extra außerhalb der „Grabschzone“ plaziert hatten. Ist einen Versuch wert! Stehe außerdem im Hochstuhl auf um der Situation die nötige Dramatik hinzuzufügen.

#7
Gib vor, dich intensiv mit Steckdosen zu beschäftigen. Sie werden daraufhin alle mit einer Kindersicherung ausstatten, die dann deiner Mutter zu schaffen macht, wenn sie die Waschmaschine einstecken will.

#8
Unerlässlich: bringe herrenlose Stifte unbedingt in deine Gewalt und markiere damit dein Zuhause.

#9
Wecke auch nach deinem 1. Geburtstag deine Eltern noch mindestens 1-2x pro Nacht.
Wenn du irgendwann durchschläfst, werden sie dich feiern wie eine Königin!

#10
Hilf wann immer du kannst beim Aufräumen des Fußbodens im Arbeitszimmer. Studiere zu diesem Zweck intensiv herumliegende Noten und markiere die, die du nicht magst, mit einem Riss. Das erleichtert deiner Mutter später das Sortieren.

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Habt ihr noch Ergänzungen eurer Kinder? Schreibt sie mir gerne in die Kommentare!
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Schnittmusterchaos

Meine Freundin Ka von NikaRockt hat einen Beitrag zum Ideensammeln geschrieben, wie man als Nähfee Ordnung in seinem Schnittmusterchaos hält.
Ich musste doch grinsen, als ich den Screenshot ihrer Organisationsstrategie gesehen habe: Name, Bild, Material, gedruckte Größe, Nahtzugabe ja oder nein, … Typisch Ka!

Ich bin da doch eher pragmatisch veranlagt und habe alles für euch, aber sicher keine Tipps um Ordnung zu halten. Nur das Genie beherrscht das Chaos! Ich habe rein interessehalber mal meinen Taschenrechner bemüht und sage und schreibe 234 (!) Schnittmuster/Nähanleitungen auf meinem Computer gefunden. Hossa! Wo kommen die denn alle her? Asche auf mein Haupt, denn ich habe erst einen Bruchteil dessen tatsächlich genäht. Eines Tages, wenn ich alt bin und die Kinder aus dem Haus sind, kann ich die ganzen Strampler, Babymützchen, Kindershirts und Pumphosen dann nähen, für die ich die Schnittmuster in jungen Jahren gekauft habe, haha. Auch, wenn mir aktuell die Zeit fehlt, um alle Schnitte auszuprobieren (ausreichend Stoffe wären mit Sicherheit vorhanden…), horte ich meine Schnittmusterdateien wie einen Schatz und freue mich auf den Moment, wenn ich doch mal wieder ein neues ausdrucke und zuschneide. Kommt Zeit, kommt Stoff.

Das ist nur die Spitze des Eisberges aka oben auf dem Stoffschrank drauf ^^

Meine gedruckten Schnittmuster sind in einem ganz normalen bunten Ordner, der nicht wie geplant im Schrank steht, sondern dekorativ auf dem Keyboard liegt, weil ich ihn ständig benutze. Die Schnitte, die ich am Häufigsten nähe, sind in Folien mit Klebezettel in einem Stehsammler auf dem Schreibtisch. Eine saubere Übersicht über gedruckte Größen oder vorhandene Dateien gibt es nicht. Ist also immer wieder eine Überraschung, wenn ich so durch den Ordner blättere. Andererseits kann ich aber bestimmte Schnitte blind aufschlagen, weil ich genau weiß, wo sie sind. Ich gelobe also keine Besserung, denn Ordnung wird in mein persönliches Chaos erst einziehen, wenn ich groß bin. Und das kann noch dauern… 🙂

An die Näherinnen: wie macht ihr das mit euren Schnittmustern? 
Seid ihr auch so Chaoten wie ich oder organisiert ihr euch wie Ka?

Kurz mal rebooten

Ich habe gerade das große Kind mit dem Schlitten zur Schule gezogen und auf dem Rückweg gedacht, wenn ich zu Hause bin, muss ich bloggen. Jetzt sitze ich vor dem leeren Editor und die Gedanken drängeln sich im Kopf, aber keiner will der erste sein.

Ich hätte nie für möglich gehalten, dass ein zweites Kind von den gleichen Eltern so anders sein kann als das erste. Alle lachen immer, wenn ich bei Fiona rückblickend von einem „Anfängerbaby“ spreche, aber genau das war sie. Felicia hingegen hat es faustdick hinter den Ohren. Ich glaube, dass das eine genetisch bedingte Charaktersache ist, aber sicherlich tut auch der „Ich-bin-das-zweite-Kind“-Status sein Übriges dazu.
Sie fordert mich. Um ehrlich zu sein, bringt sie mich auch körperlich an meine Grenzen. Ich habe keinen Moment mehr für mich alleine, nur diesen jetzt gerade, wo sie nebenan mit Papa im Bett liegt und noch schläft [Anm.d.Red: 2min, nachdem ich das schrieb, wurde sie wach]. Tagsüber Mittagsschlaf ist oft Fehlanzeige, und wenn, dann nur kurz mal eine halbe Stunde in der Trage, also auch an mir dran. Wenn ich aufs Klo gehe, dusche oder mir die Haare wasche, habe ich Publikum, was nebenbei den Badezimmerschrank ausräumt. Wenn ich versuche, im Home Office zu arbeiten, sitzt hinter mir im Laufgitter ein Baby, das bespaßt werden möchte und das auch lautstark äußert. Ich kann alle Melodien und Texte des blinkenden Telefons auswendig mitsingen und währenddessen Noten für ein ganz anderes Lied aufschreiben – Multitasking at its best! Ich bin unglaublich schnell in der Erledigung von Aufgaben geworden, weil ich ja nie weiß, wie lange sie mich noch arbeiten lässt und wann ihre Geduld endgültig vorbei ist.
Wenn ich sie auf dem Schoß habe und am Klavier etwas ausprobiere, schiebt sie meine Hände weg und macht selber Musik. Die Demo-Taste kennt sie auch schon.

Wenn ich – nachdem sie satt ist – endlich auch essen möchte, klettert sie in ihrem Hochstuhl und versucht ständig, auszubrechen. Wenn ich dem großen Mädchen ein Buch vorlese, sitzt ein kleines Mädchen im Bett und versucht, die Seiten zu zerreißen, wenn ihm die Zeit bis zum Umblättern zu lange dauert. Wenn ich abends völlig erschlagen auf die Couch gehe, klettert ein mopsfideles Baby auf mir rum, nimmt mir die Bücher weg, die ich gerade lesen möchte (hat zwar keine Haare aber interessiert sich brennend für „Wunderschöne Flechtfrisuren“), versucht, die CDs auszuräumen oder die Handcreme zu essen und schreit, wenn ich etwas wegnehme. Wenn ich mich hinlege, um das nörgelig-müde aber trotzdem aufgedrehte Kind zu stillen, schlafe ich ein und verpasse die einzige Sendung, die ich gern sehen möchte und auf die ich mich den ganzen Tag gefreut habe (Ja, ich oute mich als Dschungel-Gucker, aber ich verpenne ja alle Folgen…). Wenn ich dann ins Bett gehe, wird das Baby wach, brüllt, lässt sich von Papa nicht beruhigen und ich putze mir in Windeseile die Zähne und schminke mich gleichzeitig ab, damit das große Kind von dem Gebrüll nicht wach wird. Wenn ich dann blitzschnell den Schlafanzug anziehe und ins Bett gehe, um das Baby erneut zu stillen, schlafe ich dabei ein und liege die ganze Nacht mit hochgeschobenem Oberteil auf der Seite. Ungefähr alle 2 Stunden werde ich geweckt und muss das Baby wieder beruhigen, bevor es in einer anderen unbequemen Position weiterschläft. Sicher haben wir versucht, das schlafende Baby in sein eigenes Bett zu legen, aber nachdem das ein paar Mal schief gegangen ist, wird man vorsichtig und genügsam. 30cm Bett sind völlig ok, solange man mal für eine Stunde die Augen zumachen darf.
Todmüde gucke ich aufs Handy und werde panisch, wenn es schon halb 6 ist und ich das Gefühl habe, noch gar nicht geschlafen zu haben. Denn 6.20 Uhr klingelt der Wecker und dann ist meine Nacht vorbei. Ich habe Augenringe bis zum Knie und furchtbar Rücken von dem krummen Liegen. Und sollte ich in absehbarer Zeit mein erstes graues Haar kriegen, weiß ich schon, nach wem ich es benennen werde…

Das große Kind genießt die morgendliche Exklusivzeit mit mir, das merke ich. Ich dope mich mit Kaffee, bin für sie gut gelaunt und überspiele meine Nacht, damit Fiona einen guten Start in den Tag hat. Wir gehen im Dunkeln zur Schule, quatschen über Dies und Das, verabschieden uns und ich laufe allein zurück.

Diese 10min sind meine Me-Time. Nur ich und meine Gedanken.
Und die kalte Luft. Kurz mal rebooten. Strg Alt Entf.
 
Ich liebe dieses Baby abgöttisch und wenn es sich morgens verschlafen die Augen reibt und lächelt, ist jede noch so schlimme Nacht vergessen.
Aber es bringt mich an meine Grenzen. Ich. Bin. So. Müde.
Natürlich laufen auch nicht alle Tage und Nächte so ab, aber eben die meisten.
Anfang der Woche waren wir beim Osteopathen, mein letzter Strohhalm, was das Schlafproblem angeht. Der hat eine Blockade am Kreuzbein festgestellt und behoben und ich warte nun, ob sich dadurch irgendetwas ändert.
Ich freue mich täglich auf die Stunden am Nachmittag, in denen ich arbeiten gehen darf und sie bei meiner Mama ist. Eine kleine Auszeit für uns beide, kurz mal auf „Pause“ gedrückt. Sie weiß ganz genau, was sie will und auch, was sie nicht will. Sie wird unglaublich bockig, wenn etwas nicht so läuft, wie sie es sich vorstellt, kann aber andererseits auch wahnsinnig gut gelaunt sein, tanzen, singen, erzählen, lachen und flirten, was das Zeug hält.
Noch so ein kleiner Mensch und doch schon so viel Persönlichkeit!
Ich schätze, wenn dieses Kind erst spricht, können wir uns alle warm anziehen.

Kennt ihr diese Situationen auch?
Waren bei euch auch beide Kinder so grundverschieden? 
 
Ein seltenes Bild: das Kind schläft!

Die Top 11 der Elternkörperteile

CFalk  / pixelio.de

Habt ihr auch neue Körperteile bzw. -funktionen an euch entdeckt, seitdem ihr Eltern seid?
Ich habe mal die Top 11 aufgeschrieben, die mir in den vergangen 6 Jahren „gewachsen“ sind bzw., die die Palette ihrer Funktionen erweitert haben.

1. Maxi-Cosi-Ellenbogen, der
Am Anfang stellt der mit einem 3,5kg-Neugeborenen gefüllte Autositz noch kein Problem dar, aber mit steigendem Gewicht des Babys wird das „mal locker“ Hochtragen des Maxi Cosis in der Ellenbogenbeuge zum Kraftakt. Führt zu einseitigem Muskelaufbau im jeweiligen Oberarm. Inzwischen bin ich dazu übergegangen, den Sitz stationär im Auto zu lassen und das Kind separat mithochzunehmen.

2. Lego-Fuß, der
Viel zitiert, weil so wahr: der Fuß, ein Körperteil, um im Dunklen Legosteine aufzuspüren. Geht oft Hand in Hand mit der nicht extra aufgeführten Lautlos-Funktion, die immer dann benutzt wird, wenn man vor Schmerz eigentlich gerne schreien würde, es aber in Anbetracht schlafender Babys nicht tut und sich stattdessen auf die Lippe beißt.
3. Leichtschlafsensor, der
Hat es zwei Zimmer weiter gerade gehustet?
Jemand eine Rotznase?
Da hat doch eben was geknackt! Kannst du bitte nachsehen?
Der Körper ist von nun an auf Leichtschlaf programmiert. Das diente vermutlich der Arterhaltung und ist evolutionstechnisch hängen geblieben. Schließlich muss Mutti wach sein, bevor der Bär die Höhle auseinander- und den Nachwuchs mitgenommen hat. Also: Obacht.

4. Superbrainbrowser, der
Das Mutterhirn: ein Browser mit 475 offenen Tabs.
Wenn Schwangerschaftsdemenz und Milchhirn langsam abnehmen, funktioniert alles wieder wie ursprünglich programmiert. Da weiß Mama genau, wann wer zum Zahnarzt muss, was zum Indianerfest in der Kita mitgebracht werden sollen, an welchen Tagen das Kind zu wessen Geburtstag eingeladen ist, wie viel Kleingeld am Wandertag benötigt wird und, was im Kühlschrank fehlt. Das Dialogfenster „Keine Rückmeldung“ ist morgens vor dem ersten Kaffee allerdings nicht selten, besonders, wenn man am Vorabend nicht alle Fenster ordnungsgemäß geschlossen hat.
5. Schaukelhüfte, die
Ein weibliches Körperteil, das von der Natur so konstruiert worden ist, dass ein Kleinkind bequem darauf sitzen kann, während man es mit einem Arm stützt. Rhythmisches Hin- und Herschaukeln ist in der Programmierung eingeschlossen. Die Schaukel- und Sitzhüfte ist beim Mann anatomisch bedingt nicht bzw. nur rudimentär vorhanden.

6. Zusammenklappfunktion, die
Was bei Kinderwägen ein wesentliches Kriterium ist, darf auch bei Müttern nicht fehlen. O.g. Funktion erweist sich als besonders hilfreich im praktizierten Familienbett. Mütter können sich, unabhängig von Körpergröße und Gewicht, platzsparend zusammenfalten, um den Kindern größtmöglichen Komfort zu bieten. Randvolle Harnblasen, eingeschlafene Extremitäten oder Hustenreiz lassen sich ebenfalls unterdrücken, wenn ein gemütlich schlafender Kinderkopf die Bettflucht verhindert.
7. Bückrücken, der
In den ersten zwei Jahren nach der Geburt eines Kindes verlagert sich der Hauptaufenthaltsort der Eltern auf den Fußboden, um heruntergefallene Kekse aufzuheben, das Krabbelkind vor dem beherzten Griff in die Steckdose zu bewahren oder die Händchen festzuhalten bei den ersten unsicheren Schritten. Elternrücken scheinen allerdings auf die Bückfunktion eingerichtet zu sein. Wenn die Zeit der Kita-Elternabende auf Zwergenstühlen vorbei ist, also nach etwa 6 Jahren, bildet sich der Bückrücken meist folgenlos wieder in eine aufrechte Position zurück. Es sei denn, zwischenzeitlich sind kleine Geschwister „nachgewachsen“…
8. Notfallfinger, der
Wird benutzt, um verschluckbare Kleinteile in Windeseile aus Kindermündern zu holen, Nicht-Kaubares aufzufangen, bevor es auf der Tischdecke landet und nicht zuletzt, um schnell Google zu befragen, was Marienkäfer fressen. 

9. Kindershoppingschalter, der
Wird scheinbar immer dann umgelegt, wenn man einen Laden betritt, in dem es u.a. auch Kindersachen gibt. Da zieht man lois, um endlich mal wieder einen schönen Pullover für sich selber zu kaufen und kommt mit einer Tüte voll Hosen, Jacken, Socken, Schlafanzügen, Kleidern und Shirts wieder raus. Alles zwischen Größe 74 und 128. Und ohne den Pullover.
10. Nervschwelle, die

Das Herabsetzen selbiger führt dazu, dass man als Eltern auch die 100. Wiederholung der immer gleichen Lieder einschlägiger Kinderparty-Stars oder das millionste Vorlesen einschläfender Geschichten erträgt, solange das Kind nur glücklich ist. Ein überlebenswichtiges Feature im Alltag mit Kindern, denn der Endgegner heißt: „Bobo Siebenschläfer“. Schnarch…

11. Oktopusarme, die
Links auf der Hüfte das Baby, rechts über’m Arm die Wickeltasche, in der einen Hand eine Trinkflasche und die Mütze, in der anderen den Haustürschlüssel und einen Schal, zwischen den Zähnen die Post aus dem Briefkasten. Und dann sagt das Kind mit Schulrucksack: „Ich habe so viel zu tragen heute. Kannst du Hasi nehmen?“
Kennt ihr das auch? Und fallen euch noch welche ein?

Mittwochs-Mimimi

Follow my blog with Bloglovin Bei Twitter gibt es das Hashtag #mimimi, meist in Verbindung mit dem Montag. Das ist dieses „alles doof“ und „ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden“. Wenn man es dann mal rausgezwitschert hat, ist es ja meist schon besser…

Ich bin Musiklehrerin und Dirigentin.
Und ich war in den ersten 5 Tagen meiner Herbstferien mit Musikschülern im Probenlager.
Probenlager heißt, wir wohnen zusammen in einem großen Haus, wir essen gemeinsam Frühstück, Mittag, Abendessen, wir proben, üben, spielen, basteln, lachen. „Unsere“ 20 Kinder waren zwischen 6 und 11 Jahre alt, dazu kamen 40 Gastkinder unserer Partnerschule aus der Nähe von Warschau, mit denen wir gemeinsam ein deutsch-polnisches Musikprojekt auf die Beine stellen.

Die Proben haben super geklappt, es war nur streckenweise im 60-Mann-Orchester ein bisschen sehr laut. Meine ersten polnischen Vokabeln heißen übersetzt „Krach“, „ruhig“, „Pausen“ und „eins zwei drei vier“. An einem der Tage kam sogar ein Regisseur, der einen Film über uns und das Projekt produziert, der vermutlich im Hessischen Rundfunk zu sehen sein wird. Quintessenz der Kinder-und-Lehrerinterviews war: „Der beeindruckendste Moment war der, als polnische und deutsche Schüler gemeinsam Musik gemacht haben, obwohl sie sich nicht unterhalten konnten. Musik ist eben eine internationale Sprache.“

Wir hatten sehr schöne Tage, haben viel gelacht und tolle Erfahrungen gesammelt beim Mundharmonika lernen, Pompoms basteln, im Indoorspielplatz, bei der Akkordeon-Solo-Meisterschaft mit Medaillenverleihung und bei der internationalen Disco. „Die Jungs klopfen immer bei uns“, „xy ärgert mich“ und „Sie blutet ein bisschen an der Lippe. Hast du ein Pflaster?“ hat man auch immer dabei, aber es musste niemand vorzeitig abgeholt werden und alle hatten eine schöne Zeit.

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Ich war glücklicherweise nicht alleine verantwortlich für die Kinder, wir waren insgesamt 5 und zeitweise sogar 7 Betreuer, aber dieses Tag und Nacht dabei sein, organisieren, proben, koordinieren und durchzählen schlaucht doch ganz schön. Ich sag mal so: ich liebe unsere Probenlager, aber hinterher weiß man auch immer ganz genau, was man die letzten Tage gemacht hat.

Dieses Mal kam noch dazu, dass ich mich erkältet hatte und direkt am ersten Tag mit einem dicken Kopf rumlief. Kennt ihr das Gefühl, wenn man denkt, es hätte jemand Watte in die Ohren gesteckt? War für das Mundharmonika lernen nicht soo schlecht, aber insgesamt war ich nur 80% meiner selbst. Einen Tag später „wanderte“ die Erkältung in die Bronchien und beschloss, auch dort zu bleiben. Ich bellte so, dass mir Tränen in die Augen stiegen und ich dachte, beim nächsten Anfall würde ich meine Lunge mitraushusten… Das 10-Monats-Baby, das derzeit Probleme mit dem schwierigen Spagat zwischen „Das möchte ich können“ und „Das kann ich tatsächlich“ hat, war zeitweise auch entspreched quengelig und praktiziert im Moment nachts etwas, das mit Durchschlafen nicht viel gemeinsam hat.
Zu allem Überfluss habe ich gestern auch noch eine falsche Bewegung mit dem rechten Arm gemacht, während ich das Baby auf dem linken hielt. Im Reflex griff ich nach der fallenden Trinkflasche und machte eine Bewegung, die ich gerne rückgängig machen würde, wenn ich könnte. Die Schmerzen in der Schulter machen den Arm völlig unbrauchbar, ich kann ihn unter Belastung keinen Zentimeter vom Körper wegbewegen. Hose hochziehen oder Fenster öffnen sind gerade beinahe unmöglich und ich schreie regelmäßig auf vor Schmerz, wenn ich ihn bewege und dabei nicht an den invalidisierten Arm denke. Das schreit nach Arzt…

Das große Kind war in diesem Jahr zum ersten Mal nicht als „mein Kind“, sondern als reguläre Musikschülerin dabei und war kaum zu merken. Einzig auffällig war das täglich mehrfache Stoßen und Stolpern, aber die Gliedmaßen sind im Moment einfach unproportional lang und sie hat sie nicht im Griff, was unzählige blaue Flecken an Knien und Schienbeinen bezeugen.

Nach diesen 5 ereignisreichen Tagen kommen wir nun also nach Hause, ich pfeife auf dem allerletzten Loch und will eigentlich nur ins Bett.
Das Baby hat sich das anders vorgestellt und quengelt. Es ist sauber. Es ist satt. Es klebt an mir dran in der Manduca. Und es kratzt beim Nörgeln meine Leberflecke am Hals auf und schreit wütend, wenn ich seine Hand wegschiebe, weil es mir weh tut. Es hat nicht umsonst den Spitznamen Godzilla. In diesem Moment, in dem ich – der einarmige Bandit, der fast im Stehen einschläft – eigentlich nur die Beine langmachen und mich erholen will, sagt das große Kind, es wolle jetzt basteln.
B-A-S-T-E-L-N!!

Durchatmen.
Ich machte mir einen Pfefferminztee, ihr einen Kakao und wir bastelten tatsächlich ein wenig. Ich half, so gut das mit sich windendem Quengelbaby in der Bauchtrage eben möglich war. 3 Kreuze, als der Piratenschiffbausatz fertig war! Dann der Wunsch nach dem zweiten Bastelprojekt.
Ich erklärte ihr, dass ich einfach nicht mehr könne, wirklich nicht, und einen Tag Pause brauche. Sie wollte aber j-e-t-z-t basteln.
Am Ende weinten wir alle drei. Das Baby vor Müdigkeit, Fiona vor Enttäuschung und ich vor Erschöpfung.

Ein Moment, in dem man erkennen und einsehen muss, dass man nicht Lehrer, Dirigent, Erzieher, Animateur und Supermama gleichzeitig sein kann. That’s life.

Kennt ihr solche Situationen auch? 
Wie schafft ihr den Spagat zwischen working mum und Zirkusdompteur?

9 Monate kleines F

Mein liebes Baby,

ich muss noch ein letztes Mal diese Anrede benutzen, auch wenn du mit 8kg und ca. 78cm schon ziemlich „handfest“ aussiehst und kaum noch etwas an das winzige Neugeborene von vor 9 Monaten erinnert. Beim nächsten Brief in 3 Monaten wirst du nämlich schon 1 Jahr alt (!) und dann ist das mit dem Baby ja wohl endgültig passé…

In den vergangenen 3 Monaten hat sich einiges getan: man merkt jetzt deutlich dein Interesse an der Welt. Du hast bereits ein Lieblingsbuch („Mein erstes Buch von den Tieren“), das du immer beim Essen „liest“. Die dicken Papp-Seiten waren z.T. schon verklebt und haben ziemlich gelitten, aber das ist dir egal. Auf die Schieber stehst du total. Wann immer man fragt „Wo ist der Löwe?“ steckst du deinen kleinen Zeigerfinger in das Loch und ziehst den Schieber vor. DA ist der Löwe!
Auch frisst du jetzt nicht mehr die Seiten an und weichst die Pappe auf, bis die Farbe abgeht, sondern du benutzt Bücher tatsächlich so, wie ursprünglich vorgesehen. Jedenfalls meistens. Bye bye, orale Phase!


Dein liebstes Spielzeug ist momentan die große Feuchttücherbox neben dem Wickeltisch (auf den du kaum noch rauf passt übrigens). Wenn du die Box zu fassen kriegst, ziehst du sie zu dir ran, trommelst darauf rum und freust dich über diese fette Beute. Ich bin ganz froh, dass du die Taste zum Öffnen noch nicht entdeckt hast, aber lange wird wohl auch das nicht mehr dauern.
[Ich muss wohl nicht extra erwähnen, was sie – als könnte sie lesen, was ich gerade schreibe – just in diesem Moment hinter mir macht im Laufgitter? Es klingt jedenfalls so: rupf, hihi, rupf, hihi, rupf, …]

Apropos trommeln: Musik hast du vermutlich im Blut, genau wie deine große Schwester. Wenn ich Kinderlieder anmache aus der musikalischen Früherziehung, wippst du rhythmisch auf und ab, drehst deinen Kopf wild hin und her, lächelst und fängst an zu klatschen mit deinen kleinen Händchen.
Das. Ist. So. Süß!!
Wenn ich dich mal zum Unterricht mitnehmen muss oder du bei einer Probe dabei bist, hörst du aufmerksam zu, solange wir spielen. Wenn ich dann allerdings den Schülern etwas erkläre, äußerst du lautstark, wie unwichtig du dieses theoretische Gelaber findest und erklärst mit ausdrucksstarker Mimik und Gestik, dass wir endlich weiterspielen sollen. Überhaupt ist deine Gestik wahnsinnig ausdrucksstark. Ich kann mich nicht erinnern, dass Fiona das ähnlich ausgeprägt hatte. Zum Beispiel streckst du deine Händchen aus, machst mit den Fingern immer wieder eine Faust, drehst sie dabei leicht und öffnest sie wieder, wenn du etwas haben oder mitteilen möchtest.
Winken, Klatschen und energisches Kopfschütteln („Neeee“) sind deine neusten Features, die du bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu perfektionieren versuchst.

Wenn du staunst, formst du mit deinen Mini-Lippen einen Kreis und sagst immer wieder zärtlich „Oooooohhhh!“. Staunen kann man übrigens über einen leeren Karton genauso wie über blinkendes Plastikspielzeug. Oooohh, ooohhh!
Zu deinem Vokabular zählen außerdem MAMAMAM und BABABA, sowie lautes Lachen aus vollster Kehle, so dass man sich dabei selbst kaum halten kann, so ansteckend!

Wenn deine Cousine Charlotte zu Besuch ist, könnt ihr euch jetzt schon richtig unterhalten!
„Agraa“ – „Mamam!“ – „Rrrguu“ – „Babbooee“ – „Chrrr“. Sie ist 3 Monate jünger als du und von Mal zu Mal merkt man, wie sich der anfangs noch riesige Unterschied langsam „verwächst“. Ihr interessiert euch für das gleiche Spielzeug, ihr tragt die gleiche Kleidergröße und einer Cousine kann man ganz wunderbar ein bisschen an den Haaren ziehen, vor allem, wenn sie davon mehr hat als man selbst! Es ist toll, euch beiden beim Wachsen zuzusehen!

Seit etwa 4 Wochen bist du mittendrin in der Fremdelphase, das heißt konkret: MAMA!
Solange du auf meinem Arm aus sicherer Entfernung andere Leute angucken kannst, lächelst du sogar. Aber wehe, wenn ich auf die Idee komme, auf „Kann ich sie mal nehmen?“ mit „Ja“ zu antworten. Dann brüllst du auf dem fremden Arm von 0 auf 100 so, als würde man dir Arme und Beine ausreißen. Nehme ich dich wieder, bist du schlagartig ruhig und grinst. Nun ja…

Die Nachmittage verbringst du – zusammen mit deiner Schwester – immer für 2 Stunden bei meiner Mama. Das klappt super und durch den täglichen Kontakt fremdelst du bei ihr nicht. Im großen Kinderwagen, liebevoll dein Wohnmobil genannt, kannst du entspannen, spielen, schlafen und fühlst dich wie zu Hause. Ihr verbringt jeden Tag eine harmonische Zeit miteinander, bis zu dem Zeitpunkt, an dem du mich kommen siehst. Denn dann muss man seinem Unmut weinend Ausdruck verleihen.

Du bist in jeder Hinsicht ein „extremes“ Baby, so lala gibt es bei dir nicht. Entweder bist du sehr freundlich, lachst, flirtest und quietschst vor Freude oder aber du bist extrem genervt und tust das auch sehr deutlich kund. Ich bin jedes Mal überrascht von dem erstaunlichen Repertoire an Gesichtsausdrücken, über die du schon verfügst! Am besten präsentieren kannst du sie übrigens beim Mittagessen: bei Kartoffeln mit Hackfleisch oder Nudeln Bolognese kann es gar nicht schnell genug gehen und du lachst wie eine Hyäne, immer wenn du einen Bissen im Mund hast, und bei Rahmspinat ziehst du die angeekelt-Palette aus dem Ärmel. Börgs!
Was du besonders gut kannst, ist, Bananenstückchen, Gurkenscheiben oder auch Spielzeuge in nicht dafür vorgesehene Öffnungen zu stecken. Wenn du fertig gelesen hast, drehst und wendest du zum Beispiel dein Buch so lange, bis es tatsächlich in die kleine Lücke zwischen deinem Stuhl und der Wand passt. Bumms, weg. Außerdem interessierst du dich brennend für Physik und die Phänomene des Alltags: wie lange braucht die Schüssel, bis sie unten angekommen ist? Was macht sie für ein Geräusch? Klingt sie genauso, wenn sie links vom Stuhl fällt oder rechts? Klebt Marmeladentoast, wenn man es auf Mamas Kopf fallen lässt, während die gerade unter dem Tisch Essensreste aufsammelt? Macht ein beherzter Griff in die offene Butter die Haut weicher? Und wohin fliegt eigentlich Brei, wenn man ihn mit Schwung vom Löffel katapultiert? ….

Gestillt wirst du immer noch, aber eigentlich nur über den Tag verteilt ein Mal und dann abends zum Einschlafen bzw. nachts. Ich bezweifle, dass es da noch um Nahrungsaufnahme geht. Viel mehr ist es das Bedürfnis nach Nähe und Nuckeln und da du weder Däumchen noch Schnuller nimmst, funktioniert das Einschlafen nicht anders. Es ist ja nicht so, dass wir keine Nuckel hätten! Alle erdenklichen Farben, Formen und Modelle hast du zur Auswahl. Du steckst ihn dir beim Spielen in den Mund, gerne auch falschrum, nur um ihn danach mit angeekeltem Gesichtsausdruck wieder rauszuziehen. Ich glaube, das haben sich die Hersteller irgendwie anders gedacht, Baby! Ich für meinen Teil genieße diese ruhigen, innigen Momente noch, weil ich weiß, dass wir uns nie wieder so eng verbunden fühlen werden wie jetzt beim Stillen.

Wenn du, wie gerade diesen Moment, mit einer leeren Schultüte von Fiona spielst und ich sehe, wie du auf der Spitze kaust, sage ich laut „Nein!“ und nehme sie von deinem Mund weg. Darüber ärgerst du dich so, dass du im Laufgitter randalierst wie Godzilla! Du probierst es immer wieder, das machst du bestimmt nur, weil ich weiter oben geschrieben habe „bye bye, orale Phase“. Man, Murphy!

Ich werde oft gefragt, ob es unter den Geschwistern schon Konkurrenz gibt.
Momentan ist es, wie schon von Anfang an, noch die ganz große Liebe von beiden Seiten. Niemanden guckst du so verliebt und glücklich an, wie deine große Schwester. Und von ihr bekommst du jeden Nachmittag, wenn wir sie von der Schule abholen, als Erstes einen Kuss. Sie liebt dich abgöttisch und ich laufe fast über vor Glück, wenn ich euch zusammen kuscheln sehe.

Was das Krabbeln angeht, machst du keinerlei Anstalten. Es ist genau wie vor 5 Jahren. Fiona ist irgendwann einfach aufgestanden und losgelaufen mit dem rosanen Puppenwagen. Ich vermute, bei dir wird es ähnlich ablaufen (haha). Wenn du in Bauchlage auf dem Teppich liegst, schiebst du dich rückwärts und legst so schon ganz schöne Strecken zurück. Besonders motivierend wirken kleine Lego- oder Playmobilteile, die du wie ein Adler aus einiger Entfernung schon anvisierst und als Ziel ins Auge fasst. Aber wenn ich dir auf alle Viere helfen will, guckst du mich an, als wäre ich von einem anderen Stern, lässt dich wieder in Bauchlage fallen und ignorierst deine außerirdische Mutter. Aber Krabbler waren wir ja alle keine, das ist wohl irgendwie genetisch bedingt.

Als ich deinen 6-Monatsbrief geschrieben habe, war gerade das erste Zähnchen unten rechts durchgekommen. Danach hattest du eine ganze Weile nur unten 2 lange Kuchenzähne, die bei jedem Lächeln dafür sorgten, dass man dich sofort knutschen wollte, weil es so niedlich aussah. Vor ein paar Tagen haben sich zu den Hasenzähnchen noch 2 gigantische obere Schneidezähne gleichzeitig dazugesellt! Die Spitzen, die rausgucken, sehen aus, als wären sie viiiel zu groß für deinen kleinen Mund und haben ganz schöne Zahnschmerzen gemacht! Und fotoscheu sind sie außerdem.

Im August warst du zum ersten Mal krank mit 39 Fieber. Ich gab dir alle paar Stunden Zäpfchen und Fiebersaft abwechselnd und leidete ganz schrecklich mit, weil es dir nicht gut ging und du quengelig und insgesamt ganz schön reduziert warst. Nach ein paar Tagen Fieber kamen dann plötzlich rote Punkte überall und damit stand die Diagnose fest: das 3-Tage-Fieber. Bei Fiona lief das damals nicht so „glimpflich“ ab, denn die hatte sehr hohes Fieber (40 und mehr) und sogar Fieberkrämpfe. Da macht man ganz schön was mit…

Deine Augen sind inzwischen eindeutig nicht mehr blau, wie es im Reisepass steht, sondern dunkelgrün. Deine blonden Haare wachsen nun auch sichtbar und du hast sehr große Ähnlichkeit mit deiner Schwester, sagen alle. Wenn du friedlich schlummerst und ich deine süße Schlafschnute sehe, könnte ich dir stundenlang dabei zugucken!
Und manchmal sehe ich dich an und staune einfach nur über diesen kleinen eigenständigen Menschen, der da im Laufgitter sitzt und randaliert, und der vor gut 9 Monaten noch in meinem Bauch gestrampelt hat. Ein Wunder eben…

Du machst uns vollständig, Felicia.
Ich liebe dich,
deine Mama

 

Brief an meine große Tochter

Meine allerliebste Fiona von der ganzen Welt,

morgen ist dein großer Tag, deine Einschulung, auf die du nun schon so lange wartest.
Am liebsten wärst du letztes Jahr schon zur Schule gekommen. Eine Rückstellung (weil du mit 5 Jahren eingeschult wirst) wäre für uns nicht in Frage gekommen. Du bist zwar sehr gerne in den Kindergarten gegangen, aber man hat im letzten Jahr deutlich gemerkt, dass du endlich lernen willst. Obwohl wir es zwischendurch immer mal wieder probiert haben, hat dich das Lesen nicht so interessiert. Diesen Sommer auf Kreta ist dann plötzlich der Knoten geplatzt! Mit einer „Zaubertafel“ hast du auf ein Mal gelesen und auch selber geschrieben, wie du es hörst: BLUME, QUALE, GOMIBAL, LIGE, PUL, MERESTIR und viele andere süße Kreationen.

Du bist fest entschlossen, später Quallenforscherin zu werden und alle aus deinem Umkreis wissen das. In den Geschenken zu deiner Einschulung wird sich das widerspiegeln: von der Kuschelqualle über Quallenlexika bis zur Quallenlampe. Es gibt kaum etwas, das dich so fasziniert wie diese Tiere. Du kommst regelmäßig mit „iPaddy“ zu mir und möchtest, dass ich „Quallen“ google. Dann schaust du dir stundenlang Filme und wissenschaftliche Dokumentationen an und verblüffst fremde Leute mit deinem Wissen, wie z.B. letzte Woche in Binz am Ostseestrand. Ich sah dich von Weitem aus meinem Strandkorb am Ufer stehen, eine Traube Erwachsene um dich herum. Du erklärtest mit großen Augen, einer Qualle in der Hand und wichtigen Gesten, dass die Ringe zwar Ohren heißen, in Wahrheit aber ihre Geschlechtsorgane seien. Und gleichzeitig warntest du in deinem Vortrag vor der gefährlichen Irukandji-Qualle und der Portugiesischen Galeere.

Ich finde wahnsinnig toll und beeindruckend, wie du dich für Dinge begeistern kannst und wie konzentriert und ehrgeizig du deine Ziele verfolgst. Schweinebaumel an der Reckstange hast du dich lange nicht getraut, hast es aber so lange probiert, bis es endlich geklappt hat. Und dann hast du mir beschrieben, wie dein Mut im Bauch gekitzelt hat, als du zum ersten Mal losgelassen hast.

Du bist seit gut 8 Monaten große Schwester vom kleinen F, und zwar die tollste auf der ganzen Welt! Du singst für sie, kuschelst mit ihr und drückst sie ganz fest, wenn ihr euch morgens zum ersten Mal seht oder sie nachmittags beim Abholen dabei ist. Du „liest“ ihr Bücher vor, hilfst beim Füttern und spielst in der Wanne geduldig mit ihr Ball („Nein, zu MIR! Nicht in den Mund!“). Und ich kann mein Glück kaum fassen, wenn ich euch beide zusammen sehe, meine beiden wunderschönen Mädchen.
In manchen Momenten, wenn deine Schwester dir mal wieder besonders ähnlich sieht, sehe ich wieder die kleine Nono vor mir, die am ersten Geburtstag mit wenig Haaren in dem gleichen Hochstuhl gesessen und die Hände vor Freude in die Luft gestreckt hat. Paradoxe Zeitrechnung mit Kindern: eine Ewigkeit und irgendwie doch nur ein Augenblick.

Ich habe dir letztens einen Flyer vorgelesen, den wir von der Grundschule bekommen haben. Auf dem steht, was zukünftige Erstklässler können sollten. Dass du noch keine Schleife binden konntest, hat dir keine Ruhe gelassen und du hast geübt, bis es ging. Jetzt kann die Schule starten!

Im Juni hattest du dein großes Jahresabschlusskonzert mit der Melodica. Noch zu Weihnachten hast du bei der Probe zwar alles mitgespielt, aber beim eigentlichen Konzert wolltest du lieber vom Publikum aus zusehen. Lampenfieber? Davon war im Sommer nichts mehr zu merken! Souverän und selbstbewusst hast du ganz vorne links im Orchester auf der Bühne gesessen und dein erstes großes Konzert gespielt. Mein kleines Mädchen. So groß. Dass du dir hinterher am gleichen Tag den Arm gebrochen hast und wir den Abend im Krankenhaus verbracht haben, ist allerdings die nicht so schöne Erinnerung.

Ein komisches Alter ist das – man hat ein bisschen das Gefühl, als hättest du deinen Körper momentan nicht im Griff. Arme und Beine wirken unverhältnismäßig lang und nicht selten haust du dir deine Extremitäten irgendwo an oder stolperst über deine eigenen Füße. Erst letztens haben wir ein nagelneues Spiel ausprobiert namens „Alles Banane“, bei dem man mit einer gelben Holzbanane pantomimisch Gegenstände darstellen muss. Bei deiner ersten Vorführung hast du dich mit ausgestrecktem Arm gedreht und hast prompt am Türrahmen eine Ecke an der Banane abgeschlagen, weil du noch nicht wusstest, wie groß dein Armradius inzwischen geworden ist…

Vor einigen Wochen waren auch deine Launen extremer; du hast wegen Kleinigkeiten gezickt und gemotzt und wurdest nur noch wütender, wenn man dir Hilfe angeboten hat. Zum Beispiel wolltest du ein weißes Blatt Papier in deinem Rucksack mitnehmen, wolltest aber nicht, dass es knautschig wird. Ich riet dir, es einmal ordentlich zu falten und in dein Malbuch reinzulegen, damit es nicht knickt. Du bist ausgerastet, weil es nicht ganz in das Malbuch passte und ein kleines Stück Papier noch überstand. Als ich sagte, dass es trotzdem nicht so knicken würde als wenn du es „nackt“ in den Rucksack steckst, warst du bockig und wolltest weder Malbuch noch Papier mitnehmen. Ich war traurig, dass du mich so anzickst und dich wütend aufs Bett wirfst, wenn ich dir nur helfen will. Aber wir haben darüber geredet und uns ganz fest in den Arm genommen. Blöde Vorschulpubertät.
Du stehst zur Zeit total auf Tattoos und findest von deiner Lieblings-CD „Eule findet den Beat“ Punkmusik am Coolsten („Die putzen sich mit Schokolade die Zähne und kämmen sich nicht die Haare!“).

In den letzten ca. 2 Monaten hattest du nachts wieder Probleme beim Einschlafen. Trotz Nachtlicht, Gute-Nacht-Kuss, Hörspiel, Schlafmilch und Wärmekissen riefst du bis 22.30 Uhr nach uns und konntest einfach nicht einschlafen, obwohl du müde warst. Oft hast du auch in der Nacht nach mir gerufen, dann bin ich zu dir gekommen und habe dich getröstet, weil du Albträume hattest. Deinen Wunsch, mit in mein Bett zu kommen, würde ich dir niemals abschlagen. So schliefen wir dann auf 90cm zu dritt: ein Baby, das im Schlaf aus unerklärlichen Gründen nicht nur 75cm lang, sondern auch ebenso breit ist, ein 1,21m langes Vorschulkind und am Fußende zusammengerollt eine Mama mit „Isch habe Rücken“ am nächsten Morgen. Oft ist Papa ein paar Nächte ins Wohnzimmer umgezogen, damit du in seinem Bett schlafen konntest. Das war die Sicherheit, die du brauchtest in der Zeit, in der du kein Kindergartenkind mehr, aber auch noch kein Schulkind warst. Neben der unbändigen Vorfreude auf den neuen, aufregenden Lebensabschnitt ist da ganz bestimmt auch ein bisschen Unsicherheit und Angst vor dem Unbekannten. Das ist ganz normal. Wir sind für dich da!

Schon mehrfach wurdest du von Bekannten aber auch von Fremden gefragt, ob du in die Schule kommst. Wenn du stolz mit „JA!“ geantwortet hast, kam nicht selten der Kommentar mit dem „Ernst des Lebens“, der jetzt losgehen würde. Wir haben ausführlich darüber gesprochen und ich habe dir erklärt, dass das meistens alte Leute sagen, die keine Ahnung haben, dass jetzt kein Ernst, sondern der wahre Spaß beginnt! Der Ernst des Lebens ist von mir aus die erste Steuererklärung, aber doch nicht der erste Schultag! Du weißt das inzwischen besser und grinst nur noch wissend, wenn dein Schulbeginn wieder ein Mal unqualifiziert kommentiert wird.

Der Osterhase hat in diesem Jahr deine Schulmappe mitgebracht, ein wunderschönes Exemplar in rot/rosa mit Herzen. Zeitlos und mädchenhaft mit einem einfachen Magnetverschluss. Seitdem hatten wir genug Zeit zum Üben der Abläufe und haben x Mal Schule gespielt. Du hast mich regelrecht verpflichtet, an den Nachmittagen Schulaufgaben vorzubereiten. Beim Klingeln kamst du mit deinem Rucksack ins Wohnzimmer stolziert, hast gewissenhaft die ersten Rechen-, Schreib- und Malaufgaben gelöst und deine Schulstifte eingeweiht.

Ende Juni wurdet ihr von der Grundschule zum „Schnuppertag“ eingeladen, an dem ihr euch morgens in der Schule getroffen, eure Klassenlehrerin kennengelernt und in den Schulalltag reingeschnuppert habt. Ganz aufgeregt hast du mir von diesem Tag erzählt und wusstest vor lauter Eindrücken gar nicht, wo du anfangen sollst!

In dieser Woche hat in Berlin die Schule wieder begonnen, das heißt für dich, du darfst schon 5 Tage vor der Einschulung in den Schulhort gehen, Klassenkameraden kennenlernen, im Klassenzimmer spielen, malen, bauen, kneten, auf dem Spielplatz rutschen, klettern und all die schönen Dinge ausprobieren, die dann auch im Schulalltag auf dich warten. Wenn ich dich morgens zur Schule bringe, staune ich über dieses große Kind mit einem Schul- und einem Wackelzahn, das federnden Schrittes auf das Hortgebäude zu geht und nachmittags so glücklich und übersprudelnd von seinem Tag erzählt.

Und in diesen Momenten habe ich auch ein wenig Angst vor morgen und würde, wenn ich könnte, vielleicht auch nochmal zu meiner Mama ins Bett kriechen nachts. Ich freue mich so sehr für dich, dass es jetzt endlich weitergeht, dass etwas Neues anfängt und du nicht mehr zu den Kleinen gehörst. Das lachende Auge kann es kaum erwarten, dich vom ersten Schultag abzuholen und deine erste Hausaufgabe mit dir gemeinsam zu lösen.
Das weinende Auge sucht währenddessen schon mal die Taschentücher raus und bereitet sich seelisch und moralisch auf den Moment vor, in dem das große Mädchen in seinem wunderschönen Kleid mit Blume in der Hand und Schulmappe auf dem Rücken aufgerufen wird, zu seiner Klassenlehrerin geht und nochmal verschwörerisch zwinkert, wenn es mit der Klasse die Turnhalle verlässt. Schnief! Gut, dass ich ein Baby zum Dran-Festhalten dabei habe, wenn du, mein großes Kind, fliegen lernst…

Liebe Fiona, 
ich wünsche dir eine wundervolle Einschulung, einen ganz tollen Schulstart und freue mich auf den neuen Lebensabschnitt! Bleib so mutig, abenteuerlustig und wissbegierig wie du bist!
Ich liebe dich,
deine Mama

Hier sind zwei Perlen, 
in groß und in klein.
Denn dein erster Schultag,
wird diesen Herbst sein.
Ich trage die große,
und denke an dich,
du hast die kleine
und denkst auch an mich!

Und dann in der Schule
ist’s wie Zauberei:
beim Spielen und Lernen
hast du mich dabei!