Die dritte Schwangerschaft

Ob ich über diese dritte Schwangerschaft auf dem Blog auch so ausführlich berichten werde, wie bei der zweiten (2014), wurde ich in den vergangenen Monaten oft gefragt.

Theoretisch ja, total gerne! Praktisch gibt es bisher genau einen Post zu diesem Thema und ich befinde mich heute bereits in der Mitte der 40. Schwangerschaftswoche. Öhm ja.

#dickbauchdienstag aus Schwangerschaftswoche 40! Der letzte hoffentlich…? Das Baby hat nicht nur die Größe dieser riesigen Frucht 🍉 – der dicke Bauch fühlt sich auch in Etwa so an, wie die Dirty Dancing-Szene „Ich habe eine Melone getragen“. Die #Mimimi s nehmen täglich zu, von Wasser in den Füßen 💦 (Sind DAS meine Füße?! So sehen doch meine Zehen nicht aus!) über Watscheln-Extreme 👣, schlaflose Nächte weil einfach irgendwie alles wehtut bis Bück-ich-mich-oder-wird-es-auf-dem-Boden-von-alleine-verrotten…? 🙈 Bald bist du bei uns, Baby! 😍🍉 Wie geht es euch momentan, liebe Mitschwangere? (Von denen so viele schon kuscheln dürfen und gar nicht mehr schwanger sind! Gefühlt jeden Tag gibt es ein neues Julibaby in meinem Feed 😍) #schwanger #julibaby2018 #5daystogo #ssw40 #pregnancy #bumpupdate #pregnantbelly #bauchbild #schwanger2018 #julibaby #schwangerschaft #endspurt @babypicsapp

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Und das spiegelt eigentlich auch schon ganz gut wider, wie eine dritte Schwangerschaft in den meisten Fällen läuft: nebenher!

Beim ersten Kind checkt man täglich die aktuelle Entwicklung, freut sich über jeden Millimeter, den die zarte Knospe (laut App) wächst und kennt auf den Tag genau die aktuelle Woche der Schwangerschaft. Man liegt abends romantisch verstrahlt auf der Couch und liest dem Bäuchlein pädagogisch wertvolle Kinderbücher vor, meldet sich in der 5. Woche zum Geburtsvorbereitungskurs an, prägt das Ungeborene auf die Spieluhrmelodie und informiert sich schon mal vorsorglich über die Kurszeiten von Pekip, Babyschwimmen, Kindertanz und Turnen.

In der zweiten Schwangerschaft hat man – wenn das Zweitgeborene wie in unserem Fall mit einem Abstand von +-5 Jahren folgt –  immerhin neben der Große-Schwester-Bespaßung noch die Zeit, täglich die App zu checken, den Bauch einzucremen, zum Babybauchshooting zu gehen und einen Geschwisterkurs zu besuchen. Wöchentliche Fotos mit einem Obst, das in seiner Größe der des Embryos entspricht, und auch eine Kreißsaalbesichtigung in der Wunschklinik waren noch drin.

15 Fun-Facts zu dieser dritten Schwangerschaft:

  • Ich wusste meistens, in welcher Woche ich gerade bin. Oft. Also ungefähr.
  • Geburtsvorbereitungskurs habe ich keinen besucht. Ich weiß inzwischen, wie es geht.
  • Im Kreißsaal kenne ich mich auch ohne Besichtigung aus.
  • In der 34. Woche wurde ich von meiner Hebamme gefragt, ob ich alles soweit vorbereitet hätte. Ich habe schallend gelacht.
  • Alle Babyklamotten des zweiten Kindes sowie sämtliche Umstandsmode war einem spontanen Ich-miste-die-Schränke-aus zum Opfer gefallen, etwa 3 Monate, bevor ich schwanger geworden bin. D’oh!
  • Ich hatte in dem Jahr vor der Schwangerschaft mit viel Disziplin 15kg abgenommen bis Wohlfühlgewicht. Die und noch einige Bonuskilos sind inzwischen wieder da. Leider war ich bis zur 13. Woche im Teufelskreis „Nur solange ich esse, ist mir nicht schlecht“ gefangen und auch danach schmeckten Kohlenhydrate irgendwie besser als Gemüse, haha.
  • Ich habe (immerhin!) einen Strampler für das Baby genäht bisher.
  • Die ersten Babyutensilien sind erst vor wenigen Wochen bei uns eingezogen, in einem aggressiven Anfall von Nestbautrieb aufgrund z.T. schmerzhafter Senkwehen. Wenigstens ein Bettchen sollte man haben, oder?
  • Wir hatten noch sagenhafte 3 Babyschalen im Keller, die wir in der Zwischenzeit aus reiner Faulheit noch nicht bei Kleinanzeigen eingestellt haben. Alle 3 konnten wir bei näherer Betrachtung leider nur noch entsorgen, da es im Keller scheinbar irgendwo doch feucht gewesen sein muss…
  • Heublumensitzbad, Himbeerblättertee und Dammmassage? Nope.
  • Ich habe auch dieses Mal wieder ein Babytagebuch als Erinnerung geführt, allerdings mit meistens nur einem Eintrag pro Woche. Aber immerhin!
  • Die Frage, die mir mit Abstand am meisten gestellt wurde, war die nach dem Namen (nein, kein drittes F. Das zweite war ja schon eher „Zufall“.)
  • Die ehrlichste Reaktion auf diese dritte Schwangerschaft war: „Schwanger?! Oh Gott! …Na herzlichen Glückwunsch!“
  • Eine Babyparty wollte ich dieses Mal eigentlich nicht feiern, denn beim Dritten lässt die allgemeine Wohoo-sie-kriegen-endlich-ein-Baby-Euphorie des Umfeldes verständlicherweise ein wenig nach. Meine amerikanische Brieffreundin aus Teenagerzeiten kam mich allerdings Anfang Juli besuchen und fragte vorher ganz direkt: „Are you planning a baby shower? If not, can I have one?“. Und aus „I’ll see what I can do!“ wurde doch eine kleine aber feine pinke Feier im engsten Kreis mit schönen Erinnerungen, über die ich jetzt sehr froh bin!
  • Meine Geburtsvorbereitung bestand in der Lektüre diverser Bücher zum Thema „selbstbestimmte Geburt“ und im vorsorglichen Lackieren der Zehennägel, auch wenn Letzteres eher der Szene aus Dinner for One glich, in der der schon fortgeschritten-angetrunkene James mit der Flasche das Glas anvisiert und mit einer flotten Bewegung den Wein über der Tischdecke verteilt. Well…

Ich freue mich nicht weniger über das dritte Wunder, als über die ersten beiden, aber diese Exklusivzeit mit Mama und Bauch, die gibt es im ganz normalen Familienalltag mit zwei Kindern eben so gut wie nicht. Ihr wisst schon, diese rosa-plüschigen Momente, in denen man komplett Eins ist mit sich und dem Bauchkind, sich das Leben nach der Geburt in den buntesten Farben ausmalt und sich beim Babygeschäft-Bummel im Nestbau-Deluxe so richtig schön einstimmt auf das neue Leben – die sind irgendwie rar gewesen. Denn legt man sich mit der Spieluhr in der Hand aufs Bett, ist garantiert im nächsten Moment ein Kind in der Nähe, das das singende Tierchen genau jetzt zum Kuscheln benötigt („so lange das Baby noch nicht da ist, kann ich sie doch haben, oder?“). Legt man im Garten die Beine hoch, um zumindest innerlich ein paar Worte an das Baby zu richten und ihm gedanklich mitzuteilen, wie man sich auf seine Ankunft freut, hat sich ein Geschwisterkind gerade den Kopf an der Schaukel gestoßen und möchte auf den Schoß und „kusseln, Mama!“. Und im Babygeschäft auf der Suche nach Nuckeln, Fläschchen und Mobile läuft man Gefahr, dass die Geschwister währenddessen diverse Plüschtiere mit großen Augen und ebenso großen Preisschildern adoptieren möchten #TeamOnlineshopping. Immerhin das Vorlesen schaffen wir jeden Abend, zwar nicht exklusiv für das Ungeborene, aber so ist das, wenn man als jüngste Schwester in eine Familie hineingeboren wird.

Da sind nicht nur Mama und Papa, die auf dich warten, sondern da wird eine grooße Familie sein, die dich empfängt, die sich auf dich freut, dich in ihrer Mitte willkommen heißen und immer für dich da sein wird! Deine großen Schwestern können es kaum erwarten, mit dir zu spielen, mit dir zu lachen, zu tanzen, zu lernen und dir allerhand große-Schwestern-Blödsinn beibringen zu können ❤ Da nimmt man die fehlende Bauchexklusivzeit doch gerne in Kauf, oder? 😉

ET minus 4. Can’t wait to meet you!

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Brief an meine große Tochter

Foto 11.06.18, 08 44 18Mein liebes großes Mädchen,

du bist 8 Jahre alt (ja, ich weiß, du wirst im Herbst noch 9, das macht in diesem Alter einen RIESENunterschied!), gehst in die 3. Klasse und heute morgen habe ich dich zu deiner ersten richtigen Klassenfahrt verabschiedet. 5 Tage lang, ein großes Abenteuer! Du liebst Abenteuer, du liebst Verreisen und du liebst es, selbstständig zu sein. Das alles weiß ich. Und trotzdem habe ich einen dicken Kloß im Hals, wenn ich an die nächsten Tage denke. Es ist nicht so, dass ich es dir nicht zutraue oder die Über-Helikoptermama bin, aber es gab in der Vergangenheit einige Situationen, die mich sehr nachdenklich gestimmt haben.

Du bist ein sehr cleveres Kind, schon immer gewesen. Du hast wahnsinnig viele Interessen und deine Begeisterungsfähigkeit und dein Enthusiasmus überraschen mich immer wieder auf’s Neue! Erwachsene staunen, wenn du erzählst, welche Länder der Erde du kennst, in welchen Weltmeeren die „Portugiesische Galeere“ zu Hause ist, was Steinmarder fressen und, dass man Spaghetti orthografisch korrekt mit „h“ in der Mitte schreibt, weil es italienisch ist. Im Orchester bist du die Allerjüngste und trotzdem sehr beliebt unter den 11- bis 13-Jährigen, weil sie deine herausragenden musikalischen Leistungen anerkennen und dich auf Grund derer schätzen.

Aber in deiner Klasse bist du die Einzelgängerin.

Die, die mit ihrer zuweilen altklugen Art bei den Gleichaltrigen aneckt und sich Sätze anhören darf wie „Wenn du so weitermachst, hast du bald gar keine Freunde mehr.“

Die, die morgens vor Schulbeginn auf den Hof kommt, sich zu einer Gruppe Mädchen aus der Klasse stellen will und hören muss: „Da kommt F., kommt, lasst uns lieber gehen…“.

Die, die jede Hofpause allein verbringt, weil sie mit dem Entenmutter-Entenkinder-Spiel der anderen nichts anfangen kann.

Die, die durch und durch eine kleine Lehrerin ist und die Korrektur einfach nicht runterschlucken kann, wenn jemand einen falschen Imperativ benutzt: „Aber Mama, ich muss das doch sagen! Ich will ihnen doch nur helfen, wenn sie es nicht wissen…“

Schon Mobbing oder noch Spaß?!

Ich würde es vielleicht nicht unbedingt als „Mobbing“ bezeichnen, das ist ein großes Wort. Aber manchmal erzählst du mir abends im Bett unter Tränen von einer Situation aus der Schule und dann kann ich nur fassungslos den Kopf schütteln, dich in den Arm nehmen, deine Tränen trocknen und uns beiden wünschen, dass du drüber stehst, dass du ein „dickes Fell“ bekommst und dir nicht zu Herzen nimmst, was die anderen sagen!

Vor Kurzem hast du den Rezitatorenwettbewerb der Grundschule gewonnen und durftest anschließend deine Schule beim Gesamtausscheid des Stadtbezirkes vertreten. Als auch dort, unter den ganzen Erstplazierten der anderen Schulen, DEIN Name auf Platz 1 genannt wurde, konnten wir alle das kaum glauben! Die beste Rezitatorin des ganzen Bezirkes!! Am nächsten Tag in der Schule wurdest du hämisch gefragt, ob du die einzige Teilnehmerin gewesen bist… Man mag das abtun als dummen Drittklässlerkommentar, aber mich treffen diese Worte, wiedergegeben aus deinem Mund, mitten ins Herz, weil ich weiß, dass du mit jeder dieser unqualifizierten Antworten beim nächsten Mal ein Stück von dir verstecken wirst.

Ich finde dich so toll, wie du bist. Und ich will nicht, dass du dich mit 8 Jahren schon verbiegen musst. Dich anpassen und verstellen musst, nur um anderen zu gefallen. Alle deine liebevollen Eigenarten gehören zu deiner kleinen-großen Persönlichkeit und sowohl die Schule als auch deine Mitschüler versuchen mit aller Kraft, dich „kleinzukriegen“ und dich in die gängige Norm zu pressen. Du bist so ein wunderbarer Mensch mit so viel Empathie, Feingefühl, Humor, mit so vielen kreativen Ideen in deinem klugen Kopf. Ich kann dich nicht vor allem beschützen, das weiß ich. Und an Erfahrungen wächst man. Das gehört zum Großwerden dazu. Auch, dass einen nicht jeder leiden und man es nicht immer allen anderen recht machen kann, wirst du im Laufe der Zeit erfahren. Aber bitte bitte bleib wie du bist und lass dich nicht die runde Form pressen, wenn du eigentlich viereckig bist! Denn im Wesentlichen sind es genau diese Ecken, die den Menschen aus- und interessant machen! Und wer nicht so rund geschliffen ist wie alle anderen, kann eben auch mal anecken. Don’t worry!

Ich hab dich lieb!

Deine Mama

Nummer 3

Wie viele Monate schiebe ich diesen Post jetzt schon vor mir her… obwohl es mir eigentlich ein Bedürfnis ist, darüber zu schreiben. Aber kennt ihr das, wenn die richtigen Worte fehlen?

Gestern Abend las ich den Artikel von Halima über ihren 3. Kinderwunsch, den sie sich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr erfüllen möchte, obwohl er da ist. Und plötzlich hatte ich das Gefühl, es ihr schuldig zu sein, unserer Nummer 3.

20.11.2017

„Nachdem ich 3 Tage gefangen war in einer Seifenblase, in der die Welt einfach angehalten hat und die Zeit um mich herum still stand, sickert jetzt so langsam in mein Bewusstsein, was ich vor 72 Stunden erfahren habe: ich bin schwanger.“

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Mit dem Kinderwunsch ist das ja so eine Sache. Beim ersten Kind war ich noch sehr jung, 22 Jahre alt. Ich habe zu dieser Zeit gerade mein Musikstudium beendet und bekam nach dem Abschluss also erst mal unsere Tochter. Als sich nach etwa 3 Jahren der Gedanke an ein Geschwisterchen bemerkbar machte (ringsherum plötzlich nur noch Schwangere, Babys, Kinderwägen, hach – ihr kennt das!), dauerte es geschlagene anderthalb Jahre, viele Auf und Abs und eine Fehlgeburt, bis sich Tochter Nummer 2 endlich auf den Weg machte. Mama, Papa, 2 Kinder. 4er-Familie. Komplett, also? Ich erinnere mich noch gut an die 2. Schwangerschaft und die ersten Wochen mit dem Neugeborenen, in denen ich nicht nur 1x wehmütig dachte: „Das soll das letzte Mal gewesen sein?“. Ich lief mit unserer frisch geborenen Tochter auf dem Arm einen Tag nach der Geburt über die Wöchnerinnenstation des Krankenhauses, atmete ihren Babyduft ein und mir kamen die Tränen. Meine letzte Geburt, mein letztes Baby??

Die ersten Monate mit Nummer 2 – ach was sag ich, to be honest: die ersten anderthalb Jahre – gestalteten sich als wahre Herausforderung. Das ruhige, ausgeglichene, zufriedene Baby, das die große Schwester mal gewesen ist, war hier nur ein ferner Wunschtraum. Dieses zweite Kind schlief nicht oder nur sehr selten. Es forderte immer 150% Aufmerksamkeit, es schrie und ließ sich nur schwer beruhigen, es war die meiste Zeit unzufrieden mit sich und der Welt. Da halfen kein Osteopath, keine Federwiege, keine Globuli und erst recht kein „So-lernen-Kinder-schlafen-(ohne schreien lassen)-Buch. Ich war am Ende, sowohl körperlich als auch psychisch. Dieses Baby verlangte mir alles ab und die Doppelbelastung Selbstständigkeit und Familie + Schlafentzug brachte mich sehr nah an meine Grenzen.

Der Gedanke an ein mögliches 3. Kind war demzufolge in sehr, sehr weite Ferne gerutscht. Ok, ich bin Anfang 30. Es ist noch nicht so, dass die biologische Uhr wahnsinnig laut tickt. Aber würde ich das irgendwann später überhaupt noch ein Mal schaffen? Noch mal die anstrengende erste Zeit? Was, wenn das Dritte wieder nicht schlafen würde? Rückblickend muss ich zugeben, dieser 3. Kinderwunsch war trotzdem da. Die ganze Zeit über. Er war versteckt in einer der hintersten Ecken und gut verschlossen. Aber er war da. Ich begnügte mich mit dem Gedanken „Vielleicht in ein paar Jahren noch einen Nachzügler“, ahnte aber insgeheim, dass wenn die Kinder erst groß sind, ich sicher nicht den Mut und die Kraft hätte, noch ein Mal „von vorne“ anzufangen. Immerhin wird unsere erste Tochter dieses Jahr 9.

Als ich dann aber im November 2017 den zweiten Strich auf dem Schwangerschaftstest gesehen und nach 3 Tagen „Schockstarre“ realisiert habe, dass sich trotz im Zeitfenster genommener „Pille Danach“ (!) ein Löwenembryo eingenistet hat, der trotz widrigster Umstände den Weg zu uns gefunden hat, wusste ich, dass wir dieses 3. Wunder bekommen werden.

Inzwischen bin ich Anfang 7. Monat, der Bauch ist nicht mehr zu übersehen und mit jedem „Hallo“ aus dem Bauch wächst die Liebe zu unserem 3. Mädchen, obwohl natürlich die Angst vor den ersten Monaten und dem möglichen Temperament der kleinen Löwin nicht weg ist! Aber in hormongetränkte, rosa Watte eingepackt ist sie momentan, haha. Ich kann nicht sagen, ob ich mich in ein paar Jahren tatsächlich noch mal bereit dafür gefühlt hätte oder ob es (vermutlich eher) bei den zwei Damen geblieben wäre. Auf jeden Fall bin ich inzwischen sehr froh, dass das Löwenbaby mir diese Entscheidung abgenommen hat. Denn dieses dritte Kind, das vielleicht auf Ewig „nur“ einen wir-sind-noch-nicht-vollständig-Platz in meinem Herzen gehabt hätte, hat nun einen Platz in meinem Bauch gefunden. Und darüber könnte ich nicht glücklicher sein!

Welcome to the family, little one!

Wenn die Flügel wachsen…

Vorletzte Nacht schlich ich mich zu den Kindern in (mein) Bett und kuschelte mich an das schlafende Schulkind. Ja, die Mädels schlafen momentan beide im Elternbett, wo Papa freiwillig das Feld geräumt hat und vorübergehend ins Wohnzimmer umgezogen ist. Sie brauchen sich trotz aller Kabbeleien und sie brauchen mich im Moment. Das Gitterbett dient als Buch- und Kuscheltierablage und die Betten im Kinderzimmer sind nur Deko. Aber ich fühle, dass es ihnen so, wie es gerade ist, Halt und Sicherheit gibt, dass sie die Nähe und Geborgenheit des Familienbettes suchen. Und eines Tages wird es, ohne dass wir das vorher ahnen, das letzte Mal gewesen sein. Die Zeit geht viel zu schnell vorbei. Also habe ich mir vorgenommen, meine 20cm Betthälfte zu genießen, so lange die Kinder sie noch mit mir teilen.

Jedenfalls lag ich da so neben meiner schlafenden, großen Tochter und schaute sie an im schwachen Licht der Straßenlaterne, die durch unser Fenster schien. Ihr wunderschönes Profil: ihre perfekten Lippen, ihre langen Wimpern, ihre dunklen Augenbrauen, die Rundung ihrer Nase, ihr wunderschöner Mund, der inzwischen schon so viele schlaue Dinge sagt. Ich lauschte ihrem gleichmäßigen Atem. Und plötzlich liefen mir Tränen die Wangen herunter.

In meinem Kopf spielte sich ein Film ab

Lauter Erinnerungsfetzen von diesem, meinem ersten Kind. Auf ein Mal sah ich sie, wie sie auf der Schaukel saß und lachte, ihr helles, klares Kinderlachen, „Bitte anschaukeln, Mama!“. Wie sie in meinen viel zu großen Absatzschuhen durch die Wohnung lief, in ihrem Hochstuhl sitzend „Kling Glöckchen“ sang, wie sie ihre allerersten Lieder auf der Melodica spielen lernte und wie wir zusammen über die Hängebrücke auf dem Spielplatz kletterten. Ich sah sie an und mir wurde in diesem Moment in der Nacht bewusst, dass dieser kleine Mensch nicht mehr da ist. Sie ist jetzt jemand anderes. Wie Berlinmittemom es letztens so treffend beschrieben hat: sie ist eine andere Version von sich selbst. Ich liebe sie mit jedem Tag noch ein bisschen mehr und ich könnte nicht stolzer auf meine große, selbstbewusste Tochter sein. Aber die kleine Fiona, diese, die ich auf meinen Schultern durch den Tierpark getragen und beim Fahrradfahrenlernen festgehalten habe, die ist nicht mehr da. Die Babyzeit, IHRE Babyzeit, mit ihrem einzigartigen Geruch, mit winzigen Füßen, kleinen Händchenabdrücken in Salzteig und mit ersten Schritten an meiner Hand – die ist unwiederbringlich vorüber. Mit jedem Milchzahn, den sie verliert, wird sie ein Stück erwachsener und selbstständiger. Schöner und klüger. Lustiger und mutiger. Umso mehr genieße ich die kleinen, seltenen Momente, in denen sie zeigt, dass sie zwar eine tolle große Schwester, aber eigentlich doch selber manchmal noch klein und kuschelbedürftig ist und meine Nähe sucht.

An meiner Hand läuft noch ein anderes kleines Mädchen, eines, das fast täglich Neues lernt und gerade mittendrin in der Entwicklung ihrer eigenen kleinen Persönlichkeit ist. Mamasein zum zweiten Mal erleben – das fühlt sich ganz anders an. Ich liebe meine Kinder nicht gleich. Ich liebe sie beide bis ans Ende der Welt, aber auf ganz unterschiedliche Arten. Die beiden könnten nicht verschiedener sein! Man erlebt die Meilensteine des ersten Kindes mit dem zweiten nicht einfach noch mal, man erlebt sie mit jedem Kind anders. Dem kleinen wachsen gerade Wurzeln, dem Schulkind jeden Tag etwas größere Flügel…

In dieser Nacht streichelte ich gedankenverloren ihre Handfläche, als sie, immer noch schlafend, ihre Finger um meine legte. As long as I’m living, my baby you’ll be… ❤

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Wie ich abnahm und dabei mich selber fand

ll

img_0457 Ich war noch nie schlank.
Seit ich denken kann, bin ich das kleine dicke Mädchen gewesen: lebensfroh, lustig und eben rund.
In der Grundschule spielten wir das Märchen von Schneewittchen nach. Ich bekam mit meinem dunklen Locken die Hauptrolle. Nachdem ich den vergifteten Apfel gegessen hatte, trug der Prinz mich nicht, sondern fuhr mich in einer Schubkarre davon. In meiner Jugend unternahm ich unzählige Versuche, abzunehmen. Körnerkur, Almased, FDH, Kalorienzählen, Low Carb, Eiweißshakes, deren Geschmack mir bis heute Würgereiz beschert, Gemüsesuppenkur, Weight Watchers, bei denen ich meine Tagespunkte schon nach dem Frühstück verbraucht hatte, etc.
Gewichtsprobleme begleiteten mich seit je her. Während des Studiums nahm ich ab, in dem ich keine Kohlenhydrate mehr aß. Es hat funktioniert, war aber eine Zeit, die von Verzicht geprägt war. Wenn ich jetzt daran zurück denke, erinnere ich mich nur noch an alles, was ich nicht „durfte“ und wie ich litt, als alle anderen Flammkuchen aßen und ich einen Salat. Der komplette Verzicht tat körperlich weh, aber ich hielt es durch. Dann wurde ich schwanger.

38-woche-1Ich nahm zu, bekam das Kind und blieb so. Nach etwa 3 Jahren wollte ich wieder schwanger werden. Die Monate vergingen und es klappte einfach nicht. Als der Test nach 9 Monaten endlich positiv war, hielt die Freude nicht lange. Missed Abortion in der 6. Woche. Das hCG (Schwangerschaftshormon) war nicht gestiegen und die Fruchthülle blieb leer. Ich drängte bei den Nachuntersuchungen zur Fehlgeburt wegen immens langer Zyklen auf eine Untersuchung der Hormone. Beim Endokrinologen wurde anschließend eine Insulinresistenz festgestellt. Mit (damals) 26 Jahren! Scheiße! Insulinresistenz ist, vereinfacht gesagt, die Vorstufe zur Zuckerkrankheit Diabetes und u.a. verantwortlich für hormonelles Chaos, Zyklusschwankungen, fehlende Eisprünge usw. Im ersten Moment erschien mir – mit „akutem“ Kinderwunsch – DAS als das größte Problem. Im Laufe der Zeit verstand ich, dass sich aus dieser Vorstufe ein Diabetes mellitus entwickeln, wenn ich mein Leben und vor allem meine Ernährung nicht ändern würde.

Ich begann mit 87kg (bei einer Körpergröße von gerade mal 1,68m) und stellte meine Ernährung auf Insulintrennkost um: morgens Kohlenhydrate, mittags (gesunde) Mischkost und abends ausschließlich Eiweiß, zwischen den Mahlzeiten mindestens 5 Stunden Pause, damit der Insulinspiegel absinken kann.
Es funktionierte! Ich konnte mich satt essen, nahm trotzdem ab und nach den ersten Kilos normalisierte sich auch der Zyklus. Meinen 27. Geburtstag feierten wir in Ägypten, ich passte nach 6 Monaten mit etwa 74kg in mein Abiballkleid von 2006 und fühlte mich sensationell gut. Kurz darauf wurde ich auch endlich schwanger.

In der Schwangerschaft nahm ich das mit der Ernährung dann nicht mehr so genau. Appetit auf bestimmte Nahrungsmittel schiebt man schnell mal dem Baby in die Schuhe und ist sich sicher, man müsse den Schwangerschaftsgelüsten nachgeben. Außerdem wird man ja eh „dick“, also was solls. So ernährte ich mich in der ersten Schwangerschaft von McFlurry und in der zweiten hauptsächlich von Dosenpfirsichen. Nachdem das Kind geboren war, blieb ich also wieder rund. Der Gedanke an die Krankheit war weit weg, denn ich hatte ja das, weshalb ich damals zum Arzt gegangen war: neben mir lag mein Baby, ich war glücklich.

Der erhöhte Kalorienbedarf in der Stillzeit ist auch eine prima Pseudoausrede, um seine schlechten Essgewohnheiten zu rechtfertigen. Alle Versuche, die ich im letzten Dreivierteljahr unternommen hatte, scheiterten. Ich wurde immer wieder schwach, gab spontanen Gelüsten nach und hatte mich so an Alltagsroutinen wie die Kekse zum Kaffee gewöhnt, dass ich dachte, ich könnte es momentan nicht. Zu fett (haha) war der Schweinehund, der mir einredete, ich bräuchte es gar nicht erst zu versuchen. Ist ja auch egal. Ich seh halt so aus. Die Waage stand seit Monaten unter der Couch und verstaubte. Ich hatte insgeheim Angst vor der Zahl, die drauf stehen würde, deshalb benutzte ich sie vorsichtshalber nicht. Prinzip: was ich nicht sehe, ist auch nicht da. Natürlich hätte ich mich auch einfach mal „zusammenreißen“ und eine Diät anfangen können, aber ganz offensichtlich war der Leidensdruck nicht groß genug. Das Dicksein war nichts, was mich nachhaltig beschäftigte.

Und dann kam der Tag im Juli 2016.
Ich fuhr zusammen mit meiner Mama ins Stoffhaus. Die Verkäuferinnen sind immer sehr nett und kennen uns schon viele Jahre. In meiner 2. Schwangerschaft konnten sie fast monatlich dem Bauch beim Wachsen zusehen, wenn ich Babystoffe shoppen kam, und freuten sich auch nach der Geburt jedes Mal auf Smalltalk-Ebene, wenn ich mit dem Baby den Laden betrat. Im Sommer waren wir durch Konzerte und viele Proben bis zu diesem Tag längere Zeit nicht dort gewesen. Ich stand seitlich am Resteständer und meine Mama quatschte mit der Verkäuferin, mein anderthalbjähriges Kind auf dem Arm. Und wie ich dazu kam, fragte sie mich ganz unvermittelt:

„Wird’s denn wieder ein Mädchen?“

BÄM, das hat gesessen.
Als ich das Missverständnis aufklärte, entschuldigte sich die Verkäuferin bestimmt 100x, ich lachte oberflächlich und tat so, als wäre es witzig und überhaupt nicht schlimm, für schwanger gehalten zu werden, war aber im Inneren ganz schön angeknackst. In diesem Moment hat es mich ziemlich getroffen und ich war im Grunde empört über dies dreiste (wenn auch nur nett gemeinte) Frage. Rückblickend bin ich der Dame unendlich dankbar! Denn genau das war der Punkt, an dem sich in meinem Kopf etwas getan hat. Diesen Schockmoment habe ich gebraucht um aufzuwachen, um zu verstehen, was ich meinem Körper zugemutet hatte und um zu erkennen, dass ich nicht die war, die ich sein wollte. Manchmal muss man erst sprichwörtlich einen Spiegel vorgehalten bekommen, um endlich aufzuwachen. Ich habe absolut kein Problem mit dicken Menschen, aber ich wusste in diesem Moment ganz genau, dass diese dicke Frau nicht ICH bin. Am selben Tag schrieb ich abends in den Notizblock meines Handys:

26.7.16
Das angefressene Plautzi hat scheinbar eine eindrucksvolle Nachwuchs-Silhouette gezaubert. Jetzt ist das Maß voll. Ein Auge zugehalten und auf die Waage gestiegen: unschwangerer Höchstwert von 89,5! Scheiße, ey! Neunundachtzig. Das ist fast neunzig und nicht mehr witzig. BMI von 31,7! A-D-I-P-Ö-S! Das Wort klingt genau so hässlich, wie die Tatsache an sich. Wie konnte das passieren? Ich war doch bei 86 schon dick. Unfassbar. Das bin ich nicht! Ab morgen ist Schluss. Kein Eis, keine Streuselschnecke und kein Brot schmecken so, wie sich 90kg anfühlen. SCHLUSS.

Am nächsten Tag tat ich das, was ich immer tue, wenn ich etwas anfangen will: Bücher bestellen. Ich lud mir „Ich bin dann mal schlank – die Erfolgsmethode“ von Patrick Heizmann aufs Handy, einem Comedian mit Ernährungshintergrund. Natürlich hat auch er das Rad nicht neu erfunden, aber er beschreibt eben dieses „Rad“ auf gelungene Art und Weise: mit bildhafter Sprache und viel Humor! Im Grunde erklärt er in einfachen Worten (aber fundiert!), weshalb Abnehmen nach dem Prinzip „Insulintrennkost“ klappt und dass man, wenn man sein Gewicht dauerhaft reduzieren bzw. halten will, verstehen muss, wie der Körper funktioniert. Und genau das ist der Punkt.

Ich bin überzeugt davon, dass kurzfristige Diäten vielleicht schnellen Erfolg bringen, aber sich der Körper nach der Diät zurückholt, was er nicht „durfte“, der bekannte Jojo-Effekt. Außerdem geht diese „Verbotssache“ an die psychische Substanz, bei mir jedenfalls.

Wenn man verstanden hat, wie der Körper welche Nahrungsmittel verwertet, ist es eigentlich alles ganz logisch. Grundsätzlich darf man (fast) alles essen, nur nicht zu jeder Tageszeit. Morgens benötigt der Körper Kohlehydrate, um Energie für den Tag zu haben, d.h. ich kann bedenkenlos meine Brötchen mit Marmelade zum Frühstück essen. Auch Kuchen oder Kekse sind nicht komplett „tabu“, ich muss nur bis zum nächsten Frühstück warten, wenn ich darauf Appetit habe. Klingt aber schon anders als „ich darf das gar nicht essen“. Entscheidend für die Fettverbrennung ist eigentlich die letzte Mahlzeit des Tages. Führt man dem Körper mit dieser Kohlehydrate zu, hat der Körper über Nacht mit dem Verbrennen selbiger zu tun. Bekommt er stattdessen abends Eiweiß, nimmt er den „Brennstoff“ für das Aufrechterhalten der Körpertemperatur in der Nacht aus den Depots, den Fettspeichern. Darauf bezieht sich der Name „Schlank im Schlaf“. Slogans wie diesen finde ich allerdings bedenklich, weil sie suggerieren, das man nichts dafür tun müsste. Das stimmt absolut nicht. Abnehmen ist kein Spaziergang. Es ist hart, es ist manchmal frustrierend und wer behauptet, man bräuchte keine Disziplin um durchzuhalten, der lügt. Aber egal, wie oft die Waage schon grundlos wieder mehr angezeigt hat oder das Gewicht stehenblieb – irgendwann ging es immer weiter. Und es lohnt sich. Ich glaube ja, dass jeder, der abnehmen möchte, seine persönliche Methode finden muss, es kann da kein Universalrezept mit Abnehmgarantie geben. Jeder muss den Weg finden, der zu ihm und seinem Leben passt. Für mich ist es zu 100% Low-Carb bzw. Ernährung nach dem Prinzip der Insulintrennkost, die mein Körper am besten verträgt und mit der ich mich am Wohlsten fühle (und das sagt die, die am Liebsten Nudeln in allen Formen als Beilage gegessen hat).

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Eines der wirklichen guten Kochbücher zum Thema, das tatsächlich auch alltagstaugliche Gerichte anbietet, ist übrigens „Essen ohne Kohlenhydrate“ von Alexander Grimme. Es sind nur wenige abenteuerliche Rezepte dabei und das meiste ist durchaus nachkochbar, auch für ungeduldige Wir-haben-doch-keine-Zeit-aber-Hunger-Esser wie mich. Ich könnte ja immer schon schreiend weglaufen, wenn ich in der Zutatenliste so Abgefahrenes wie Mungobohnenkeimlinge und Flusskrebsfleisch lese. Schließlich möchte ich vor dem Kochen nicht erst über einen orientalischen Markt schlendern oder im Fluss nach den Zutaten angeln müssen…

Kein Essen der Welt schmeckt so gut, wie es sich anfühlt, wenn man in seinem eigenen Körper wieder zu Hause ist.

Die ersten Tage ohne Zucker (außer zum Frühstück) fühlen sich an, wie ich mir einen kalten Entzug vorstelle: frieren, schlechte Laune, Lustlosigkeit, fehlende Motivation, ständig Appetit auf Irgendwas. Da heißt es: durchhalten. Das wird besser! Ich schrieb an Tag 3:

„Heute keinerlei Lust auf Eis oder Süßes bisher. Ich kann mich nicht mehr sehen. Da vergeht einem ja auch der Appetit. Nur mein Frühstück, das brauche ich, um gut in den Tag zu starten. Keine abgeschnittenen Kanten von Kindertoasts gegessen und keine halb gegessenen Joghurts ausgelöffelt. Was man alles isst, nur, damit man es nicht wegschmeißt. Unglaublich.
P.S. Noch mal aufstehen und den Kindern beim Essen und Wegwerfen eines halben Schoko-Vanille-Puddings mit Sahne zusehen zu müssen, ist übrigens nicht lustig.“

Nach ein paar Tagen stand unser Familiensommerurlaub an. Schön blöd, denkt man jetzt vielleicht. Den hätte sie ja noch abwarten, und danach mit Abnehmen beginnen können. Keine Chance. Die missgedeutete Fettschwangerschaft war so ein Schlag in die Magengrube, dass mir regelrecht der Appetit vergangen ist. Ich ernährte mich in den 10 Tagen Griechenland (All-Inclusive…) gesund vom reichhaltigen Buffet und stellte fest: ist doch eigentlich gar nicht so schwer! (Ok, zum Abendessen kein frisches griechisches Obst und nachmittags beim Kaffee keinen Kuchen zu essen, schmerzte ein wenig, war insgesamt aber zu vernachlässigen).

„Nach 3 Wochen plötzlich das Gefühl, jemand anders zu sein im Spiegel. Ein seltsam definiertes Gesicht und so einen flachen Bauch – hahaha. Okay, 86kg sind bei Weitem nicht schlank, aber es ist zu merken! Jetzt ist immerhin schon diese blöde Rückenfalte verschwunden und das Doppelkinn, das da zu wachsen anfangen wollte. Man fühlt sich gleich mindestens 10 Jahre älter, wenn man merkt, wie sich beim Nach-unten-gucken die Haut am Kinn staut. Bäh! Ich habe im Urlaub 10 Tage lang diszipliniert gegessen und dann der Schock: 300g mehr als vor dem Urlaub. Wie kann das sein?! An dem Tag schlug mir meine schlechte Laune ganz schön zu Gemüte! An den Tagen darauf ging es dann langsam aber stetig abwärts: mal 200, mal 400g. Jetzt sind es schon fast 4kg! Lustig ist, dass mir das ordentliche Essen nicht schwer fällt. Ich freue mich auf das Zubereiten, habe mir Specials wie den Spiralschneider zugelegt und freue mich sogar auf Tomaten. Heute gab es erstmalig „Zoodles“ bzw. Gemüse im Nudelkostüm, aber wenn man es nicht direkt mit Nudeln vergleicht, total lecker und ein würdiger Ersatz. Reisnudelnkartoffeln fehlen mir überhaupt nicht. Schlucken musste ich nur bei IKEA heute: die Familie isst HotDogs, Eis und Muffins. Ich nichts. Habe den Muffin gedrückt und intensiv daran gerochen, mehrmals. Und mir vorgestellt, wie ich reinbeiße. Und ich habe nichts gefühlt. Ein gutes Zeichen! Gestern war ich zum ersten Mal nach langer Zeit mal wieder beim Zumba. 20min Crosstrainer und 1 Stunde tanzen, fix und fertig! Aber so, dass ich heute direkt nochmal hätte gehen können. Dieser Drang mich zu bewegen, der ist neu. I love it!“

5 Wochen nach Beginn der Ernährungsumstellung kam der erste richtige Aha-Moment, nämlich das unglaubliche Gefühl, eine Hose in der nächst kleineren Größe anzuprobieren und den Reißverschluss ohne Probleme zuzubekommen! Vor lauter Euphorie über die „nur mal zum Testen“ anprobierten 42er Hosen musste ich leider beide kaufen. Tja, nun.

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Neue Hose (Gr.40) vs.im Sommer getragene

Mein Traum

Im Januar 2017 feiere ich meinen 30. Geburtstag. Und ich habe einen Traum: ich möchte mein rotes Abiball-Kleid an diesem Tag tragen. Es passt schon lange nicht mehr, liegt aber seit 10 Jahren im Erinnerungsfach des Kleiderschrankes. Ich möchte das Abnehmen gar nicht so sehr an einer bestimmten Zahl oder Grenze festmachen. Ich möchte mich wohlfühlen, nicht darüber nachdenken müssen, ob ich mich für ein spontanes Foto gerade noch schnell seitlich hinstellen und den Bauch einziehen sollte, ich möchte im Unterricht mit den Kitakindern nicht nach zwei getanzten Liedern aus der Puste sein und ich möchte dieses rote Kleid im neuen Jahr tragen. Vermutlich wird der BMI immer noch über dem Normalbereich liegen, wenn ich an meinem persönlichen Ziel angekommen bin, aber das ist mir egal.

06.09.16
„Gestern wurde ich zum ersten Mal gefragt, ob ich nichts zu essen bekomme – es sei zu sehen! YES! Und heute morgen dann Tiefstwert von 84,5kg auf der Waage, das sind glatte MINUS FÜNF! Geil. Und das Abiballkleid geht schon zu! Passen ist ein großes Wort, es ist eher wie Wurst mit Pelle, aber hey, es geht schon zu! Zu meinem Geburtstag trage ich das. 10 Jahre. Unglaublich. Und immer hat es mich begleitet. P.S. Heute erstmals den roten adipösen Bereich verlassen. Jetzt ganz offiziell „nur noch“ dick. Immerhin. Haha. Wenn ich 79 wiege, lass ich mich tätowieren. Neunundsiebzig, das klingt wie Musik in meinen Ohren…“

Im Oktober stand der 7. Geburtstag meiner Tochter an; mit anderen Worten: Backmarathon. Ich bin so stolz auf mich – kleine Kuchen im Waffelbecher für die Schule, zwei Kuchen für den Nachmittag zu Hause und noch einen weiteren Kuchen für die Party mit den Freunden einen Tag später. Ich hatte viel Spaß beim Backen und Verzieren, aber es war gar nicht schlimm, keinen zu essen. Am gleichen Wochenende waren wir noch zur Einweihungsfeier in der neuen Wohnung meiner Cousine eingeladen. Nach dem Mittagessen wurde Kaffee getrunken und hinterher gab es natürlich diverse Kuchen. Streusel, Apfel, Pflaume machen mir alle nichts aus. Aber direkt vor meiner Nase stand ein großer, frischer Zupfkuchen. Der hat mich fast um den Verstand gebracht! Um ehrlich zu sein, überlege ich noch heute, gute 6 Wochen später, wie der wohl geschmeckt haben mag. Das sind die wenigen Momente, die hart sind und die einem Einiges abverlangen. Natürlich würde die Waage nicht gleich wieder 5kg mehr anzeigen am nächsten Tag und ab und zu ein Stück Kuchen ist ja auch kein Problem. Aber wenn man noch nicht so lange „clean“ ist, sagt einem der Verstand, dass man das besser nicht machen sollte.

13.10.16
„Kindergeburtstag überlebt, hooray! Inzwischen bin ich bei 81kg, das sind mehr als -8kg! Meine Oma würde jetzt sagen: 16 Pfund! So süß, wie sie immer alles umrechnet. Vor ein paar Tagen musste ich aus sozialen Gründen ein winziges Kuchenstück essen, ohne Teigboden. Es hat geschmeckt wie ein Orgasmus im Mund! […] Wenn das Kuchenessen so eine soziale Angelegenheit ist und sich dann auch noch ewig hinzieht, ist es nicht leicht, dem Kuchen dauerhaft ausgeliefert zu sein und ihn nicht zu essen. Aber dann hilft ein Blick auf die Gewichtsapp. Wenn ich mir den Verlauf ansehe, bin ich einfach nur glücklich und stolz, schon so viel geschafft zu haben.“

Anfang November habe ich mich tatsächlich tätowieren lassen. Ich überlegte seit 4 Jahren, was und wo und warum. Jetzt hatte ich das Gefühl, es mir „verdient“ zu haben und als eine Art Erinnerung stechen zu lassen, nie mehr so dick zu werden wie ich war. Es ist jetzt Teil dieses neuen Lebensgefühls. Ich bin noch nicht am Ziel, aber habe über 10kg (20 Pfund, haha) abgenommen, trage inzwischen 2 Kleidergrößen kleiner, kann mich wieder im Spiegel und auf Fotos sehen und möchte allen, die das Gefühl haben, sie würden das nicht schaffen oder die den Abnehmwunsch auf unbestimmte Zeit vor sich herschieben, den Spruch mit auf den Weg geben, der mich motiviert hat:

A year from now,
you’ll wish you had started today.

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5 Freitagslieblinge 17.06.16

Lieblingsbuch der Woche, obwohl ich erstens kein Papa und zweitens auch erst auf Seite 31 bin. Sehr lustig! „Du bist plötzlich Vater, ohne es je zuvor gewesen zu sein. Das ist im Grunde so, als säßest du morgen früh unversehens am Steuerknüppel eines Tornado-Mehrzweckkampfflugzeuges, welches mit rasender Geschwindigkeit auf das Ende der Startbahn zuschießt, wo jemand unachtsamerweise einen mit extra dickflüssiger Buttermilch gefüllten Tanklastzug abgestellt hat, und zwar quer.“ Made my day!

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Lieblingsessen der Woche waren Karls Erdbeeren! Das schmeckt nach Sommer!

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Lieblingsmoment mit meinen Kindern: der Versuch, im Trampolin mit Hilfe von Plastiktüten fliegen zu können. Wir haben so viel gelacht. If you can dream it, you can do it! Oder der Moment, als wir abends im Bett nebeneinanderlagen, nicht einschlafen konnten und deshalb das Spiel „Wer als erster lacht, hat verloren“ gespielt haben. Als du zu deinem ernsten Gesicht noch den Flummi mit den Augen hochgehalten hast, konnte ich nicht mehr! Wir lachten und lachten bis wir Bauchschmerzen hatten. Sogar das Baby hat das Stillen unterbrochen und musste laut mitkichern. So ein Herzmoment!

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Lieblings-Mama-Moment war das Nähen einer U-Heft-Hülle für eine Freundin zur Babyparty und das dazugehörige in-der-Stoffkiste-kramen. Manchmal tut es gut, sich zwischen Noten, Präsentationen und Papierkram auf dem Schreibtisch einfach eine kleine Nähauszeit zu nehmen.

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Inspiration der Woche stammt von Tollabea mit ihrer Idee, Alltagsgegenständen Gesichter zu verleihen. Fiona war unendlich begeistert von Béas Korkenzieherqualle (wen wundert’s!) und ich habe die gemeine Ohrring-Biene portraitiert.

Macht Spaß! Probiert das unbedingt mal aus!

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Nach einer Idee von Berlinmittemom. Dort sind auch noch weitere Lieblinge verlinkt.

Kleinkindverhaltensregeln 1.0

Weil ihr den Babyknigge und die Baby-Verhaltensregeln bei Tisch so gerne gelesen habt und die inzwischen schon so lange her sind, gibt es heute ein Update. Das jüngste Familienmitglied ist inzwischen 14 Monate alt und stellt alles auf den Kopf, im wahrsten Sinne des Wortes.

Ein von Vivi (@mamazweipunktnull) gepostetes Foto am 22. Dez 2015 um 6:06 Uhr

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Kleinkindverhaltensregeln 1.0

#1
Versuche, so lange wie möglich mit dem Sprechen zu warten! Benutze stattdessen weiterhin „A, A, A!“ und deinen ausgestreckten Zeigefinger für Dinge/Essen/Trinken, das du begehrst. Kopfschütteln und Nicken als Antwort auf eine Rückfrage sind okay. Denke dir lustige, nichtexistente Laute und Silbenverbindungen aus, nutze diese und gestikuliere wild dazu. Dann halte die Hand vor den Mund und lache laut über deinen „Satz“. So generiert man Publikum!

#2
Gehe im gemeinsamen Kinderzimmer regelmäßig heimlich auf Schatzsuche. Große Bausteine, Babylego und die Kugelbahn sind nur Hindernisse; du suchst winzige Murmeln, Bügelperlen, Loom-Gummis, Perlen, Glitzersteine und andere Dinge, die sich prinzipiell gut eignen würden, um sie in den Mund oder die Nase zu stecken. Schenke auch Staubflusen oder Trocknerfusseln große Beachtung. Daraus kann man mit einem bisschen Geschick noch etwas Schönes filzen.

#3
Wann immer sich die Gelegenheit ergibt, gehe durch die geöffnete Badezimmertür auf direktem Wege ins Paradies. Dort warten Sonnencreme, Knisterbad, Dschungeldusche und Prinzessinnenschaum darauf, von dir entdeckt zu werden. OBs, Badeperlen und Klosteine geben extra Punkte!

#4
Stelle bei jeder sich bietenden Gelegenheit deinen Musikgeschmack unter Beweis und suche aus dem Wohnzimmerregal die CDs, die dir besonders gefallen. Ziehe sie aus dem Schrank, öffne die Hülle und verteile die losen Silberscheiben auf dem Fußboden. Advanced Memory, ein großer Spaß für Eltern!

#5
Auf die offensive Frage „Hast du Kacka drin?“ oder die etwas subtilere Schwester „Brauchst du eine neue Windel?“ schüttle grundsätzlich entschieden den Kopf. Also wirklich!

#6
Verstecke übriggebliebene Weintrauben, Blaubeeren oder Toasthäpse mit Leberwurst in den Ritzen deines Hochstuhles und erkläre die Mahlzeit als beendet, indem du deinen Teller hochnimmst und auskippst. Das sollten deine Eltern dann auch nonverbal verstehen. Mit dem leeren Teller als verlängerter Arm kann man übrigens wunderbar den Becher Milch umschmeißen, den sie extra außerhalb der „Grabschzone“ plaziert hatten. Ist einen Versuch wert! Stehe außerdem im Hochstuhl auf um der Situation die nötige Dramatik hinzuzufügen.

#7
Gib vor, dich intensiv mit Steckdosen zu beschäftigen. Sie werden daraufhin alle mit einer Kindersicherung ausstatten, die dann deiner Mutter zu schaffen macht, wenn sie die Waschmaschine einstecken will.

#8
Unerlässlich: bringe herrenlose Stifte unbedingt in deine Gewalt und markiere damit dein Zuhause.

#9
Wecke auch nach deinem 1. Geburtstag deine Eltern noch mindestens 1-2x pro Nacht.
Wenn du irgendwann durchschläfst, werden sie dich feiern wie eine Königin!

#10
Hilf wann immer du kannst beim Aufräumen des Fußbodens im Arbeitszimmer. Studiere zu diesem Zweck intensiv herumliegende Noten und markiere die, die du nicht magst, mit einem Riss. Das erleichtert deiner Mutter später das Sortieren.

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Habt ihr noch Ergänzungen eurer Kinder? Schreibt sie mir gerne in die Kommentare!