Verdammte Scheiße, schlaf ein

Kinder und Schlafen – ein heikles Thema. Ich betrachte diesen Beitrag als eine Art Selbsttherapie, andernfalls sollte ich nach inzwischen 21 (in Worten: EINUNDZWANZIG!) Monaten Schlafentzug mit Ausnahme einer Handvoll Nächte bald reif sein für die Klapse. Oder die Insel. Oder für irgendeinen Ort, an dem man mal ein paar Stunden am Stück die Augen zumachen kann.

Los geht es schon in der Schwangerschaft: plüschige Kataloge zeigen das friedlich schlummernde Baby in seinem schadstofffreien Beistellbettchen aus unbehandeltem Naturholz. Über ihm dreht sich zaghaft das gehäkelte Babymobile in zarten Pastellfarben, zum halben Preis des Bettes. Nicht zu vergessen die rein pflanzliche, vegane Bio-Babymatratze aus ökologischen Kokosfasern.

Während das Bio-Bett im Halbdunkel des Schlafzimmers still auf die Ankunft seines Bewohners wartet, bekommt die End-Schwangere dank Sodbrennen, intrauteriner Pöbeleien, Wadenkrämpfen, Harndrang und allgemeiner Kugeligkeit schon eine erste Vorstellung davon, wie zukünftige Wach-Nächte mit Baby aussehen könnten. Nach der Geburt, der ersten Euphorie, dem Hormonoverkill und der ist-sie-nicht-süß-guck-mal-wie-sie-guckt-Phase schließt sich nahtlos eine todesartige Müdigkeit an, wie man sie noch nie erlebt hat; nicht nach durchgefeierten Nächten und nicht nach einem 3-tägigen Lern- und Prüfungsmarathon als Student in grauer Vorzeit. Vor der Geburt hatte man sich das alles ganz romantisch vorgestellt, denn „Babys schlafen fast den ganzen Tag“. Hat man mal irgendwo gelesen. Ständig am Ratzen, während man selber Zeit hat, sich die Nägel zu machen, Haare zu färben, die Wohnung zu saugen und ein gutes Buch zu lesen. Ha. Ha ha ha ha!

Leider sind Babys aufgrund ihrer unzureichenden Sprachkenntnisse noch nicht in der Lage, die Ratgeber selber zu studieren. Denn sie machen in der Regel weder das, was Mamas möchten, noch das, was Papas möchten und schon gar nicht das, was Ratgeberbücher ihnen empfehlen! Das Bettchen hat nachts nicht den gewünschten Effekt: das Baby wird wach, brüllt und zeigt sich gänzlich unbeeindruckt von der vergoldeten Öko-Schlafstätte. Eine andere Lösung muss her.

Wiege. Ebaykleinanzeigen, Selbstabholung: zack zack, Wiege im Wohnzimmer. Mit Feststellfunktion zum Schlafen. Eine überflüssige, wie sich rausstellt. Kind schläft nämlich nicht.

Nonomo. Was klingt, wie eine afrikanische Begrüßungsfloskel, ist angeblich das Non(omo)-Plus-Ultra im ersten Babyjahr. Horrend teuer, aber laut Kundenmeinungen gerechtfertigt, weil effektiv. Nach 3 schlaflosen Monaten kauft man sich im Affekt ein gebrauchtes Exemplar dieser Federwiege und setzt alle Hoffnungen auf die Zauberwiege, die kurz darauf als neuer Einrichtungsgegenstand im Türrahmen baumelt. Reingelegt, zugeknöpft, geschaukelt, Kind schläft. Selig über diesen Zustand und fast schon bereit, dem Hersteller das doppelte des Kaufpreises als Dankeschön zu senden, macht man stolz drölfzig Gigabyte Fotos von der endlich schlafenden Brut. Bis das Kind aufwacht. Und danach nie wieder in der Federwiege schläft. Rechts antäuschen, links vorbeiziehen.

Manduca. Eine Tragehilfe, mit der man sich das Kind umschnallt wie einen Rucksack. Nicht selten primärer Aufenthaltsort des Babys in den ersten 9 Monaten. Darin schlafen sie. Hat allerdings den Nachteil, dass man sich nicht setzen kann, geschweige denn hinlegen. Mit falschem Sitzwinkel kippt der Traumsand im Hirn aus und das Baby ist wach. I’m walking…

Elternbett. Zugegeben nicht besonders romantisch, wenn man im ersten Moment nicht weiß, ob eine zärtliche Annäherung des Mannes oder ein das Shirt hochgrabbelndes Baby für die nächtliche Störung verantwortlich ist. Egal – hauptsache Schlaf für alle! Für alle?! Das Elternbett bringt nicht selten das Ergebnis, dass das Baby quer ausgeklappt im Bett liegt, Mama auf 20cm Bettkante die Luft anhält und Papa sich am anderen Rand vor nächtlichen Tret-Attacken in Sicherheit bringt. Rückenschmerzen from hell am nächsten Morgen. Next.

Kinderzimmer. Keine Kosten und Mühen scheuend, besorgt man dem noch kleinen Kind in der Hoffnung auf besseren Schlaf ein großes Bett, 90 auf 2m, und installiert es im Kinderzimmer. Als neuer Spielplatz und Höhle gern benutzt, auch als komfortable Ruhezone für die Bewohner des Kuscheltierschrankes, aber zum selber dort Schlafen absolut inakzeptabel. Keine Chance.

Kinderarzt. Stillen Sie ab.

Osteopath. Das Kind ist sehr hellhörig und aufmerksam für sein Alter. Das könnte eine Blockade im dritten Halswirbel sein. Ich werde sie lösen und homöopathische Kügelchen für“nervöse Störungen“ mitgeben. In dieser Zeit unterschreiben Sie doch bitte die Rechnung und lassen mir eine Niere da.

Elternbett, die Zweite. Während Papa kapituliert hat und schon vor Monaten ins Wohnzimmer umgezogen ist, glaubt man, endlich des Rätsels Lösung gefunden zu haben: Baby eine Betthälfte, Mama eine Betthälfte. In einer Nacht schläft das Kind auf „seiner“ Hälfte wie ein Murmeltier und ist nur mit Mühe um 9 zum Aufstehen zu bewegen. In der darauf folgenden Nacht wird es 10x wach, steht schließlich um 3 Uhr früh auf und fährt dem schlafenden Elternteil mit einem Spielzeugtraktor über’s Gesicht. Alles wie immer.

Zusammenfassend lässt sich Folgendes festhalten:

Nur weil ein Kind müde ist, heißt das nicht, dass es auch schläft.

Das kindliche Zeitfenster zwischen noch-nicht-müde und über-den-toten-Punkt-hinweg beträgt nach meiner Erfahrung 10 Nanosekunden irgendwann in der Zeit zwischen 19 und 22 Uhr.

Ein außerplanmäßiger kurzer Powernap um 18 Uhr ist in Etwa gleichzusetzen mit der Zombieapokalypse.

Kinder schlafen, wenn sie das möchten, und nicht, wenn Eltern müde sind.

Wenn dir nachts um 3 ein Traktor über’s Gesicht fährt: Augen zu lassen!

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Habt ihr noch Ergänzungen für mich? Ab wann haben eure Kinder geschlafen?

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Was sich verändert, wenn man Kinder hat

Eine satirische Aufzählung ohne Anspruch auf Vollständigkeit und – wie immer – rein subjektiv. Wer möchte ergänzen?

  1. Egal, wie leer der Kühlschrank ist: Bärchenwurst und Ketchup sind immer drin.
  2. Das Bad benötigt rein theoretisch keine Tür mehr, denn Kinder lieben Mamas, die auf Toiletten sitzen, immer ein bisschen mehr, als wenn sie das gerade nicht tun.
  3. Mal so richtig schön alleine für sich selbst shoppen gehen – der Blick in die Tüten hinterher verrät: 2 bunte Blümchenhosen in Gr. 86 und 128, ein Sommershirt mit Minions drauf, ein 10er Pack Kindersocken, eine Mütze mit Öhrchen, pinke Turnschuhe in Gr. 32 und glitzerndes Erdbeer-Anti-Ziep-Shampoo. Tja, nun.
  4. Endlich mal wieder ins Kino heißt nicht „50 Shades of Grey“, sondern „Bibi & Tina“.
  5. Handtascheninhalt früher: Portmonnaie, Schlüssel, Handy, Lippenstift, Taschentücher. Handtascheninhalt heute: Spielkarten, Magnetbausteine, Nuckel, Malstifte, Papier, 2 Flaschen Wasser, Wickelunterlage, Windeln, Feuchttücher, Portmonnaie (leer), Schlüssel, Schokobons, Fruchtquetschis, Kuscheltiere, Mützen, Schals und weitere „Kannst du das nehmen?“.
  6. Wo ich früher einen Roman pro Monat gelesen habe, lese ich heute sogar täglich ein Buch: „Hörst du die Bauernhoftiere?“ – Määäähhhhh!!!
  7. Die Palette der Nagellackfarben wurde von rot, apricot und mint erweitert auf blauglitzer, gelb, rosa, pink, lila und orange.
  8. „Meine Stifte sind deine Stifte“ – fehlendes Bürozubehör, wie Kulis, Scheren, Kleber und Tacker sucht man als Erstes in der Schreibtischschublade im Kinderzimmer.
  9. Die Auswahl der zu kochenden Gerichte beschränkt sich in Ferienzeiten auf Nudeln mit roter Sauce, Fischstäbchen und nacktes Kartoffelpüree.
  10. Das Repertoire an mütterlichen Staunensbekundungen auf die Aufforderung „Mama, guck mal“ wächst auf ein beachtliches Maß an.
  11. Wo ich früher nachts einfach auf’s Klo gegangen bin, wenn ich musste, wäge ich heute gründlich ab, ob der Harndrang oder das auf mir schlafende Baby Priorität hat.
  12. Früher musste ich mit einem Bein angewinkelt auf dem Bauch liegen, heute bin ich in der Lage, in nahezu jeder möglichen und unmöglichen Position zu schlafen.
  13. Ich habe gelernt, Kinderzeichnungen unauffällig und ohne schlechtes Gewissen in der Altpapiertonne „aufzubewahren“.
  14. Ich frage nicht mehr mehrmals täglich: „Schatz, was denkst du gerade?“, sondern stattdessen: „Was war das für ein Geräusch?“ und „Was hast du im Mund?!“.
  15. Ich kann in Wolken Tiere erkennen, aus 3 Federn, Buntpapierfetzen und ein paar Wackelaugen ein relativ ansehnliches Osterküken basteln, ich weiß, wie man fingerstrickt, darf abends hören: „Ich hab dich lieb, Mama“ und vor Stolz platzen, wenn ich in die schönsten Augen der Welt schaue.

❤️ Family ❤️ #eyes #blue #brown #green #macrophotography

Ein von Vivi (@mamazweipunktnull) gepostetes Foto am 22. Mär 2016 um 12:08 Uhr

 

Die besten Tweets zum Bachelor

Ich gebe es ja gerne zu: ich schaue gerne Trash-TV.

Ob Dschungelcamp, Topmodel, Bauer sucht Frau oder Bachelor – es kann gar nicht blöd genug sein, um abends auf der Couch nach einem anstrengenden Tag abzuschalten – und das nur im übertragenen Sinne. Wenn man diese Sendungen unter dem Label „Comedy“ einsortiert, geht’s eigentlich!

Der Bachelor hat allerdings von allen Trash-Formaten die Krone auf. Da kämpfen Frauen weltweit für Emanzipation, Gleichberechtigung und gegen das Hausfrauen-Image, und dann biedern sich 20 mediengeile Weibchen dem lispelnden, schielenden (!) Sunnyboy an und lassen sich Woche für Woche mit oder ohne Blümchen aussortieren. Ganz großes Kino! Aber es wäre nur halb so schön gewesen, wenn meine Twitter-Timeline das Zicken-Spektakel nicht kommentiert hätte: „Willft du diefe Rofe?“

Hier also die schönsten Tweets zum Bachelor:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kleinkindverhaltensregeln 1.0

Weil ihr den Babyknigge und die Baby-Verhaltensregeln bei Tisch so gerne gelesen habt und die inzwischen schon so lange her sind, gibt es heute ein Update. Das jüngste Familienmitglied ist inzwischen 14 Monate alt und stellt alles auf den Kopf, im wahrsten Sinne des Wortes.

Ein von Vivi (@mamazweipunktnull) gepostetes Foto am 22. Dez 2015 um 6:06 Uhr

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Kleinkindverhaltensregeln 1.0

#1
Versuche, so lange wie möglich mit dem Sprechen zu warten! Benutze stattdessen weiterhin „A, A, A!“ und deinen ausgestreckten Zeigefinger für Dinge/Essen/Trinken, das du begehrst. Kopfschütteln und Nicken als Antwort auf eine Rückfrage sind okay. Denke dir lustige, nichtexistente Laute und Silbenverbindungen aus, nutze diese und gestikuliere wild dazu. Dann halte die Hand vor den Mund und lache laut über deinen „Satz“. So generiert man Publikum!

#2
Gehe im gemeinsamen Kinderzimmer regelmäßig heimlich auf Schatzsuche. Große Bausteine, Babylego und die Kugelbahn sind nur Hindernisse; du suchst winzige Murmeln, Bügelperlen, Loom-Gummis, Perlen, Glitzersteine und andere Dinge, die sich prinzipiell gut eignen würden, um sie in den Mund oder die Nase zu stecken. Schenke auch Staubflusen oder Trocknerfusseln große Beachtung. Daraus kann man mit einem bisschen Geschick noch etwas Schönes filzen.

#3
Wann immer sich die Gelegenheit ergibt, gehe durch die geöffnete Badezimmertür auf direktem Wege ins Paradies. Dort warten Sonnencreme, Knisterbad, Dschungeldusche und Prinzessinnenschaum darauf, von dir entdeckt zu werden. OBs, Badeperlen und Klosteine geben extra Punkte!

#4
Stelle bei jeder sich bietenden Gelegenheit deinen Musikgeschmack unter Beweis und suche aus dem Wohnzimmerregal die CDs, die dir besonders gefallen. Ziehe sie aus dem Schrank, öffne die Hülle und verteile die losen Silberscheiben auf dem Fußboden. Advanced Memory, ein großer Spaß für Eltern!

#5
Auf die offensive Frage „Hast du Kacka drin?“ oder die etwas subtilere Schwester „Brauchst du eine neue Windel?“ schüttle grundsätzlich entschieden den Kopf. Also wirklich!

#6
Verstecke übriggebliebene Weintrauben, Blaubeeren oder Toasthäpse mit Leberwurst in den Ritzen deines Hochstuhles und erkläre die Mahlzeit als beendet, indem du deinen Teller hochnimmst und auskippst. Das sollten deine Eltern dann auch nonverbal verstehen. Mit dem leeren Teller als verlängerter Arm kann man übrigens wunderbar den Becher Milch umschmeißen, den sie extra außerhalb der „Grabschzone“ plaziert hatten. Ist einen Versuch wert! Stehe außerdem im Hochstuhl auf um der Situation die nötige Dramatik hinzuzufügen.

#7
Gib vor, dich intensiv mit Steckdosen zu beschäftigen. Sie werden daraufhin alle mit einer Kindersicherung ausstatten, die dann deiner Mutter zu schaffen macht, wenn sie die Waschmaschine einstecken will.

#8
Unerlässlich: bringe herrenlose Stifte unbedingt in deine Gewalt und markiere damit dein Zuhause.

#9
Wecke auch nach deinem 1. Geburtstag deine Eltern noch mindestens 1-2x pro Nacht.
Wenn du irgendwann durchschläfst, werden sie dich feiern wie eine Königin!

#10
Hilf wann immer du kannst beim Aufräumen des Fußbodens im Arbeitszimmer. Studiere zu diesem Zweck intensiv herumliegende Noten und markiere die, die du nicht magst, mit einem Riss. Das erleichtert deiner Mutter später das Sortieren.

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Habt ihr noch Ergänzungen eurer Kinder? Schreibt sie mir gerne in die Kommentare!

Temporäre Schulkindamnesie

oder: wie mich das Kind mit „Weiß ich nicht mehr“ an den Rand der Verzweiflung brachte.

Fiona geht in die 1.Klasse und besucht mit viel Freude den Lebenskundeunterricht (das weltliche Pendant zu Religion). Die Kinder durften im Unterricht ihre Namen auf kleine Zettel schreiben und in ein großes Glas stecken. Jede Woche wird nun ein Kind gezogen, das „Bärchen“ mit nach Hause nehmen darf.
Bärchen ist ein kleiner Teddybär, der eine Woche lang bei jedem Kind zu Hause wohnen darf. Er kommt in einer durchsichtigen Plastiktüte und bringt eine Art Mini-Schulranzen, eine Zahnbürste und ein großes Tagebuch mit. In dieses Tagebuch malen, schreiben und kleben die Kinder ein, was Teddy in der Woche bei ihnen alles erlebt hat. Eine total schöne Idee, wie ich finde. Entsprechend aufgeregt war Fiona, als sie gestern stolz das Bärchen samt Zubehör aus ihrer Mappe zog.
Im Tagebuch stehen auf der ersten Seite die Regeln für das Zusammenleben. Nummer 1 lautet:
Pass immer gut auf Bärchen und seine Sachen auf.

Bärchens erste Nacht bei uns verlief problemlos; er durfte natürlich in Fionas Bett schlafen.
Heute früh bereitete ich Toast zu, extra in Bärchenform mit einem unserer vielen Ausstecher. Honigbrot mag er nämlich für sein Leben gern, erzählte mir das Kind.
Und dann, kurz vor dem Losgehen zur Schule, schickte ich Fiona und Bärchen Zähneputzen, schließlich hat der Teddy ja sogar eine eigene Zahnbürste dabei.
Daraufhin stellte mir Fiona die Frage der Fragen:
„Wo ist Teddys Zahnbürste?“
– „Na in dem Beutel mit seinem Zubehör. Wo hast du den denn?“
„Du hattest ihn doch.“
– „ICH?! Nein, DU hast ihn doch gestern gehabt. Wo hast du die Tüte denn hingelegt, nachdem du den Bär rausgenommen hattest?“
„Ich weiß es nicht mehr.“

Diese vorübergehende Amnesie befällt Kinder meistens schon im Kindergarten, wenn man sie am Abend fragt, was sie am gleichen Tag (!) zum Mittag gegessen haben.
Möchte man wissen, was das Kind in der Schule gelernt hat, muss man konkreter fragen: „Ihr habt heute bestimmt das R gelernt. Oder das B?“. Fragt man allgemein, gibt es oft nur „Weiß ich nicht mehr“ zur Antwort. Verrückt, so ein Kinderkopf. Auch die Handschuhe, die sie morgens noch anhatte, sind am Nachmittag nicht mehr da. Mützen, Schals und Strickjacken ereilt nicht selten das gleiche Schicksal.
Letztens hat sich in der Schule die Jacke eines Jungen angefunden, der vor 6 Jahren (!!) die Grundschule verlassen hat. Scheint also kein Einzelfall zu sein, mein Kind. Gut, dass der Kopf angewachsen ist!

Zurück zu Bärchen:

„Wir haben ihn noch keine 24 Stunden und du hast schon seine Sachen verbummelt?!?“
– „Wir haben ja noch eine ganze Woche Zeit, sie zu finden, Mama…“

Und während ich, den Tränen der Verzweiflung nahe, eine Stunde meines Vormittages damit verbrachte, das Kinderzimmer inklusive Verkleidungskiste umzupflügen, kam mein Mann aus dem Wohnzimmer, hielt eine Tüte hoch und fragte, was die zwischen den Spielzeugen auf der kleinen Couch mache und was das da drin sei…
Bärchen wird den Rest der Woche von der Hand in den Mund leben müssen, denn sein Rucksack (mit Verpflegung) wurde von mir konfisziert und wird erst am Tag der Rückreise wieder herausgegeben. Sicher ist sicher!

Sind eure Kinder auch solche verplanten Verbummler? Wird das irgendwann besser?

Was Babys gut können

Babys sind ja von Hause aus eher grobmotorisch veranlagt.
Meines ist mit 11 Monaten noch nicht in der Lage, den runden Holzeumel in das passende Loch zu stecken, dafür erstaunt mich aber täglich die Präzision, mit der es andere Dinge bewältigt.

Was Babys nicht gut können:

– Ringe stapeln
– ohne Sauerei essen
– malen
– Türmchen bauen
– sich mal 10min alleine beschäftigen
– zu geregelten Zeiten schlafen
– aufs Töpfchen gehen
– laufen
– sprechen
– mit der großen Schwester Gesellschaftsspiele spielen ohne die Würfel zu essen
– für ein Foto kurz stillhalten
– Klavier spielen
– Erwachsene ausreden lassen

Was Babys gut können:

– das Buch genau in die Ritze zwischen Hochstuhl und Wand fallen lassen
– die Stückchen Toast mit der Butterseite zielgerichtet auf Mamas Hose werfen
– Haare ziehen
– den Holzstern in das Quadratloch pressen
– am Wochenende noch eine Stunde früher aufwachen als werktags
– mit dem Zeigefinger in Mamas Nase bohren, wenn sie noch schläft
– Krabbelmanöver in Richtung Bettkante oder andere Abgründe
– Becher umkippen, notfalls mit Löffel als verlängertem Arm
– mit einem präzisen Schlag den Hebelmechanismus auslösen und den Brei auf der Tapete verteilen
– in die Brust kneifen
– Fussel und andere Kleinteile aufspüren und probieren
– das Stückchen Banane erst in den eigenen Mund stecken und dann weiterverschenken
(es ist so wichtig, dass sie lernen, zu teilen…)
– einen beim Gähnen in den Mund gesteckten Löffel explosionsartig nach draußen befördern
– Windeln direkt nach dem Wechseln wieder füllen, gerne wenn man es eilig hat
– mit einem beherzten Griff die kompletten LEGO-Eisenbahnschienen auseinander reißen
– Bücher durch herausgetrennte Seiten besser lesbar machen
 ……..

Und eure? 

Ode an den Abendbrei

Als ich heute Morgen am Frühstückstisch saß und mit winzig kleinen Augen versehentlich das Messer statt in die Marmelade in meine Kaffeetasse getaucht habe, habe ich beschlossen, diesen Blogpost zu schreiben.
Dazu muss man wissen: wir waren heute Nacht wach. Zwischen 3.15 Uhr und 4.45 Uhr meinte das Baby, das nächtliche Stillen reiche nicht aus und man müsse um sich hauen, treten, sich in den Vierfüßler begeben und meckern. Und immer, wenn sie so tat als sei sie endlich wieder eingeschlafen und sich niemand mehr zu atmen geschweige denn zu bewegen traute, wachte sie wieder auf und das Spiel begann von vorn. Als ich ihr eine Flasche anbot, wurde es nur noch schlimmer. Wie kannst du nur, Mama!! Sie war einfach mit der Gesamtsituation unzufrieden und ich ahne auch, woran das gelegen haben könnte.

Dass ich mich also heute fühle wie von einem Zug überrollt und am Vormittag schon meinen 4. Kaffee trinke, könnte daran liegen, dass ich dem Baby gestern keinen Abendbrei gefüttert habe. Durch eine kleine Änderung im gestrigen Tagesablauf gab es für Felicia keine „Kaffee- und Kuchenmahlzeit“ am Nachmittag, wo sie sonst aufgeweichten Babykeks mit Bananenmatsch bekommt. Nachgeholt haben wir die fehlende Mahlzeit gegen 18 Uhr, ein Gläschen Abendbrei. Da dieses Kind so wenig schläft wie wohl kaum ein anderes, bekommt es normalerweise erst ca. 20.30 Uhr dieses Gläschen. Und weil sie nun schon einen gegessen hatte und zu meiner Abendbrotszeit sehnsüchtig und mit ausgstrecktem Händchen auf meinen Toast guckte, schmierte ich ihr eine Leberwurststulle und wir verzichteten auf den üblichen Abendbrei. Ein tragischer Fehler, wie sich wenige Stunden später herausstellte.
Deshalb nun aus gegebenem Anlass: das Abendbreiunser

Abendbrei unser im Gläschen
geheiligt werde dein Nährwert
Deine Sättigung komme,
deine Wirkung geschehe,
wie am Abend, so in der Nacht.
Uns’ren täglichen Schlaf gib uns heute
und vergib uns unsere Fehler,
wie auch wir vergeben dir deinen Preis.
Und führe uns nicht in die Küche,
sondern erlöse uns vom nächtlichen Mahl.
Denn dein ist die Nacht
und der Schlaf und die Müdigkeit
in Schläfrigkeit: Guten Appetit!