Wenn die Flügel wachsen…

Vorletzte Nacht schlich ich mich zu den Kindern in (mein) Bett und kuschelte mich an das schlafende Schulkind. Ja, die Mädels schlafen momentan beide im Elternbett, wo Papa freiwillig das Feld geräumt hat und vorübergehend ins Wohnzimmer umgezogen ist. Sie brauchen sich trotz aller Kabbeleien und sie brauchen mich im Moment. Das Gitterbett dient als Buch- und Kuscheltierablage und die Betten im Kinderzimmer sind nur Deko. Aber ich fühle, dass es ihnen so, wie es gerade ist, Halt und Sicherheit gibt, dass sie die Nähe und Geborgenheit des Familienbettes suchen. Und eines Tages wird es, ohne dass wir das vorher ahnen, das letzte Mal gewesen sein. Die Zeit geht viel zu schnell vorbei. Also habe ich mir vorgenommen, meine 20cm Betthälfte zu genießen, so lange die Kinder sie noch mit mir teilen.

Jedenfalls lag ich da so neben meiner schlafenden, großen Tochter und schaute sie an im schwachen Licht der Straßenlaterne, die durch unser Fenster schien. Ihr wunderschönes Profil: ihre perfekten Lippen, ihre langen Wimpern, ihre dunklen Augenbrauen, die Rundung ihrer Nase, ihr wunderschöner Mund, der inzwischen schon so viele schlaue Dinge sagt. Ich lauschte ihrem gleichmäßigen Atem. Und plötzlich liefen mir Tränen die Wangen herunter.

In meinem Kopf spielte sich ein Film ab

Lauter Erinnerungsfetzen von diesem, meinem ersten Kind. Auf ein Mal sah ich sie, wie sie auf der Schaukel saß und lachte, ihr helles, klares Kinderlachen, „Bitte anschaukeln, Mama!“. Wie sie in meinen viel zu großen Absatzschuhen durch die Wohnung lief, in ihrem Hochstuhl sitzend „Kling Glöckchen“ sang, wie sie ihre allerersten Lieder auf der Melodica spielen lernte und wie wir zusammen über die Hängebrücke auf dem Spielplatz kletterten. Ich sah sie an und mir wurde in diesem Moment in der Nacht bewusst, dass dieser kleine Mensch nicht mehr da ist. Sie ist jetzt jemand anderes. Wie Berlinmittemom es letztens so treffend beschrieben hat: sie ist eine andere Version von sich selbst. Ich liebe sie mit jedem Tag noch ein bisschen mehr und ich könnte nicht stolzer auf meine große, selbstbewusste Tochter sein. Aber die kleine Fiona, diese, die ich auf meinen Schultern durch den Tierpark getragen und beim Fahrradfahrenlernen festgehalten habe, die ist nicht mehr da. Die Babyzeit, IHRE Babyzeit, mit ihrem einzigartigen Geruch, mit winzigen Füßen, kleinen Händchenabdrücken in Salzteig und mit ersten Schritten an meiner Hand – die ist unwiederbringlich vorüber. Mit jedem Milchzahn, den sie verliert, wird sie ein Stück erwachsener und selbstständiger. Schöner und klüger. Lustiger und mutiger. Umso mehr genieße ich die kleinen, seltenen Momente, in denen sie zeigt, dass sie zwar eine tolle große Schwester, aber eigentlich doch selber manchmal noch klein und kuschelbedürftig ist und meine Nähe sucht.

An meiner Hand läuft noch ein anderes kleines Mädchen, eines, das fast täglich Neues lernt und gerade mittendrin in der Entwicklung ihrer eigenen kleinen Persönlichkeit ist. Mamasein zum zweiten Mal erleben – das fühlt sich ganz anders an. Ich liebe meine Kinder nicht gleich. Ich liebe sie beide bis ans Ende der Welt, aber auf ganz unterschiedliche Arten. Die beiden könnten nicht verschiedener sein! Man erlebt die Meilensteine des ersten Kindes mit dem zweiten nicht einfach noch mal, man erlebt sie mit jedem Kind anders. Dem kleinen wachsen gerade Wurzeln, dem Schulkind jeden Tag etwas größere Flügel…

In dieser Nacht streichelte ich gedankenverloren ihre Handfläche, als sie, immer noch schlafend, ihre Finger um meine legte. As long as I’m living, my baby you’ll be… ❤

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Verdammte Scheiße, schlaf ein

Kinder und Schlafen – ein heikles Thema. Ich betrachte diesen Beitrag als eine Art Selbsttherapie, andernfalls sollte ich nach inzwischen 21 (in Worten: EINUNDZWANZIG!) Monaten Schlafentzug mit Ausnahme einer Handvoll Nächte bald reif sein für die Klapse. Oder die Insel. Oder für irgendeinen Ort, an dem man mal ein paar Stunden am Stück die Augen zumachen kann.

Los geht es schon in der Schwangerschaft: plüschige Kataloge zeigen das friedlich schlummernde Baby in seinem schadstofffreien Beistellbettchen aus unbehandeltem Naturholz. Über ihm dreht sich zaghaft das gehäkelte Babymobile in zarten Pastellfarben, zum halben Preis des Bettes. Nicht zu vergessen die rein pflanzliche, vegane Bio-Babymatratze aus ökologischen Kokosfasern.

Während das Bio-Bett im Halbdunkel des Schlafzimmers still auf die Ankunft seines Bewohners wartet, bekommt die End-Schwangere dank Sodbrennen, intrauteriner Pöbeleien, Wadenkrämpfen, Harndrang und allgemeiner Kugeligkeit schon eine erste Vorstellung davon, wie zukünftige Wach-Nächte mit Baby aussehen könnten. Nach der Geburt, der ersten Euphorie, dem Hormonoverkill und der ist-sie-nicht-süß-guck-mal-wie-sie-guckt-Phase schließt sich nahtlos eine todesartige Müdigkeit an, wie man sie noch nie erlebt hat; nicht nach durchgefeierten Nächten und nicht nach einem 3-tägigen Lern- und Prüfungsmarathon als Student in grauer Vorzeit. Vor der Geburt hatte man sich das alles ganz romantisch vorgestellt, denn „Babys schlafen fast den ganzen Tag“. Hat man mal irgendwo gelesen. Ständig am Ratzen, während man selber Zeit hat, sich die Nägel zu machen, Haare zu färben, die Wohnung zu saugen und ein gutes Buch zu lesen. Ha. Ha ha ha ha!

Leider sind Babys aufgrund ihrer unzureichenden Sprachkenntnisse noch nicht in der Lage, die Ratgeber selber zu studieren. Denn sie machen in der Regel weder das, was Mamas möchten, noch das, was Papas möchten und schon gar nicht das, was Ratgeberbücher ihnen empfehlen! Das Bettchen hat nachts nicht den gewünschten Effekt: das Baby wird wach, brüllt und zeigt sich gänzlich unbeeindruckt von der vergoldeten Öko-Schlafstätte. Eine andere Lösung muss her.

Wiege. Ebaykleinanzeigen, Selbstabholung: zack zack, Wiege im Wohnzimmer. Mit Feststellfunktion zum Schlafen. Eine überflüssige, wie sich rausstellt. Kind schläft nämlich nicht.

Nonomo. Was klingt, wie eine afrikanische Begrüßungsfloskel, ist angeblich das Non(omo)-Plus-Ultra im ersten Babyjahr. Horrend teuer, aber laut Kundenmeinungen gerechtfertigt, weil effektiv. Nach 3 schlaflosen Monaten kauft man sich im Affekt ein gebrauchtes Exemplar dieser Federwiege und setzt alle Hoffnungen auf die Zauberwiege, die kurz darauf als neuer Einrichtungsgegenstand im Türrahmen baumelt. Reingelegt, zugeknöpft, geschaukelt, Kind schläft. Selig über diesen Zustand und fast schon bereit, dem Hersteller das doppelte des Kaufpreises als Dankeschön zu senden, macht man stolz drölfzig Gigabyte Fotos von der endlich schlafenden Brut. Bis das Kind aufwacht. Und danach nie wieder in der Federwiege schläft. Rechts antäuschen, links vorbeiziehen.

Manduca. Eine Tragehilfe, mit der man sich das Kind umschnallt wie einen Rucksack. Nicht selten primärer Aufenthaltsort des Babys in den ersten 9 Monaten. Darin schlafen sie. Hat allerdings den Nachteil, dass man sich nicht setzen kann, geschweige denn hinlegen. Mit falschem Sitzwinkel kippt der Traumsand im Hirn aus und das Baby ist wach. I’m walking…

Elternbett. Zugegeben nicht besonders romantisch, wenn man im ersten Moment nicht weiß, ob eine zärtliche Annäherung des Mannes oder ein das Shirt hochgrabbelndes Baby für die nächtliche Störung verantwortlich ist. Egal – hauptsache Schlaf für alle! Für alle?! Das Elternbett bringt nicht selten das Ergebnis, dass das Baby quer ausgeklappt im Bett liegt, Mama auf 20cm Bettkante die Luft anhält und Papa sich am anderen Rand vor nächtlichen Tret-Attacken in Sicherheit bringt. Rückenschmerzen from hell am nächsten Morgen. Next.

Kinderzimmer. Keine Kosten und Mühen scheuend, besorgt man dem noch kleinen Kind in der Hoffnung auf besseren Schlaf ein großes Bett, 90 auf 2m, und installiert es im Kinderzimmer. Als neuer Spielplatz und Höhle gern benutzt, auch als komfortable Ruhezone für die Bewohner des Kuscheltierschrankes, aber zum selber dort Schlafen absolut inakzeptabel. Keine Chance.

Kinderarzt. Stillen Sie ab.

Osteopath. Das Kind ist sehr hellhörig und aufmerksam für sein Alter. Das könnte eine Blockade im dritten Halswirbel sein. Ich werde sie lösen und homöopathische Kügelchen für“nervöse Störungen“ mitgeben. In dieser Zeit unterschreiben Sie doch bitte die Rechnung und lassen mir eine Niere da.

Elternbett, die Zweite. Während Papa kapituliert hat und schon vor Monaten ins Wohnzimmer umgezogen ist, glaubt man, endlich des Rätsels Lösung gefunden zu haben: Baby eine Betthälfte, Mama eine Betthälfte. In einer Nacht schläft das Kind auf „seiner“ Hälfte wie ein Murmeltier und ist nur mit Mühe um 9 zum Aufstehen zu bewegen. In der darauf folgenden Nacht wird es 10x wach, steht schließlich um 3 Uhr früh auf und fährt dem schlafenden Elternteil mit einem Spielzeugtraktor über’s Gesicht. Alles wie immer.

Zusammenfassend lässt sich Folgendes festhalten:

Nur weil ein Kind müde ist, heißt das nicht, dass es auch schläft.

Das kindliche Zeitfenster zwischen noch-nicht-müde und über-den-toten-Punkt-hinweg beträgt nach meiner Erfahrung 10 Nanosekunden irgendwann in der Zeit zwischen 19 und 22 Uhr.

Ein außerplanmäßiger kurzer Powernap um 18 Uhr ist in Etwa gleichzusetzen mit der Zombieapokalypse.

Kinder schlafen, wenn sie das möchten, und nicht, wenn Eltern müde sind.

Wenn dir nachts um 3 ein Traktor über’s Gesicht fährt: Augen zu lassen!

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Habt ihr noch Ergänzungen für mich? Ab wann haben eure Kinder geschlafen?

18 Monate kleines F

Anderthalb Jahre – du bist jetzt schon 2x so lange auf der Welt, wie du in meinem Bauch warst! Wenn mir in den vergangenen Wochen immer mal wieder Neugeborenenbilder in die Twitter-Timeline Bilder gespült wurden, konnte ich den Anblick gar nicht so richtig verarbeiten. Immerhin sehe ich dich immer noch als mein Baby („as long as I’m living, my baby you’ll be“), aber im direkten Vergleich muss ich zugeben, dass du irgendwie doch schon ganz schön groß bist!

Gerade in den vergangenen 3 Monaten hast du dich wahnsinnig entwickelt, Kindergarten sei Dank! Über unseren steinigen Weg der Eingewöhnung habe ich ja hier schon geschrieben. Inzwischen bist du angekommen in deinem neuen Alltag und du liebst es, im Garten mit den anderen Kindern zu spielen, zu malen, zu klecksen, zu buddeln und ein Teil der Gruppe zu sein!

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Speziell deine Sandkasten-Skills hast du enorm ausgebaut: du backst jetzt Kuchen, hantierst souverän mit der Schippe, füllst die Förmchen, kippst sie auf dem Rand um und klopfst drauf. Dass der Rand bei unserem Muschel-Sandkasten im Gegensatz zu dem in der Kita nur wenige Zentimeter breit ist, ignorierst du dabei gekonnt. Schlimmer noch, bis vor ein paar Wochen hatten wir gar keinen funktionierenden Sandkasten in unserem Garten, weil der alte aus den Vorjahren Opfer einer Überschwemmung und inzwischen zu einem Biotop geworden war. Eltern kennen das Problem. In Ermangelung an Alternativen hast du dich einfach auf die Terrasse gesetzt und mit übriggebliebenem Sandspielzeug schwarze Erde auf dein helles Kleid geschaufelt. Wir sind noch am gleichen Tag in den Baumarkt gefahren ^^

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Aus einem Bauchgefühl heraus habe ich vor einigen Wochen einen Termin beim HNO vereinbart, obwohl unsere Kinderärztin mir nicht dazu geraten hat („Alles ganz normal, Late-Talker“, etc.). Irritiert hat mich, dass du absolut kein Late Talker bist, sondern von Anfang an sehr viel gesprochen hast, nur eben nicht Deutsch. Und tatsächlich: der Hörtest hat ergeben, dass du Schleim hinter beiden Trommelfellen hast und deshalb in Etwa so hörst, als wenn wir uns die Ohren zuhalten. Also du hörst zwar, aber alles nicht so genau und deutlich. Und so klingt auch dein Reden. Inzwischen sagst du neben „Mama“ und „Papa“ hauptsächlich (und sehr deutlich!) „ja“ und „nein“ und „heißßß“ und „(k)alt“. Wenn man davon ausgehen kann, dass dein Wortschatz nach Wichtigkeit geht, wundert mich nicht, dass „Eis!“ bei den Vokabeln auch weit vorne mit dabei ist. Bei „Nana“ sind wir uns nicht ganz sicher, ob das der Spitzname für deine Schwester (FioNA), „neinnein“ oder sogar besitzanzeigend: „meiner?“ sein soll. Aber meistens trifft es eh gleichzeitig auf alles drei zu, haha. Du verstehst alles, kannst komplexen Aufforderungen folgen und weißt genau, was du willst. „Die!“ ist übrigens momentan das Universal-Wort für „das da“. Morgens frage ich immer, welche Schuhe du anziehen möchtest. Ich halte sie hoch und sage: „Die? .. oder die?“. Das hast du übernommen und sagst jetzt, wenn du auf etwas zeigst, das du haben (essen/trinken) möchtest, ebenfalls „die!“. Dieser Gag funktioniert übrigens am besten, wenn wir in Gesellschaft sind, ich dich rittlings auf den Schoß nehme, du mit deinem kleinen Zeigefinger auf meine Brust tippst und dazu laut „Die! Die!“ rufst. Für euch getestet.

(Ja, ich stille abends/nachts tatsächlich immer noch und hätte mir das nie träumen lassen. Aber solange ich das Gefühl habe, dass du „die“ noch brauchst, um runterzukommen und dich von dem Tag zu erholen, behalten wir das auch so bei. We don’t care what people say.)

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Vor deiner Geburt habe ich oft gelesen, dass das zweite Kind dann einfach mitlaufe, in seinen Platz in der Familie hineingeboren werde und so unkompliziert sei. Das kann ich so nicht unterschreiben. Du bist zu einer richtigen kleinen Persönlichkeit geworden und denkst nicht daran, einfach irgendwo mitzulaufen! Du hast dir deinen Posten in der Familie hart erkämpft und wirst den Thron nicht so schnell aufgeben! Mit „Ziegenbockaugen“, also stark gerunzelter Stirn, vertrittst du in Babynesisch deinen Standpunkt und brüllst auch mal aus heiterem Himmel los, wenn etwas nicht so läuft, wie du es dir vorstellst! Einfach aus Bock! Und wenn man dann das Gefühl hat, dass du NUR meckerst und man dir einfach nichts recht machen kann (und du ja auch noch nicht sagst, was los ist) – das sind die Momente, in denen ich ganz sicher bin, dass meine Kraft nie für mehr als 2 Kinder reichen würde…

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Deine Schwester soll dich möglichst nicht anfassen, denn du willst alles A-L-L-E-I-N-E machen. Es sei denn, sie funktioniert als Handlanger für Dummheiten, das ist dann etwas anderes. Abends sagt ihr euch Gute-Nacht mit „Küsschen, Ei, Winkewinke“, also – eigentlich selbsterklärend – Kuss, streicheln und winken. Awww! Geschwisterplüsch gibt es nicht soo oft, aber wenn, dann läuft beinahe mein Herz über. Euch zwei Lieblingsmenschen so zu sehen und zu wissen, dass ihr euch immer haben werdet, weil Blut dicker ist als Wasser, ist eines der schönsten Gefühle, die es gibt ❤ ❤ ❤ (und dann sind auch die Gedanken von weiter oben irgendwie wieder relativ, hihi)

Dass du Musik magst, ist ja schon hinlänglich bekannt. Inzwischen hast du ein eindeutiges und unangefochtenes Lieblingslied: „Baby Shark“! Das singe ich mit meinen Kita-Kindern in der Früherziehung und als ich es zu Hause mal angemacht habe, hielt es dich nicht mehr auf deinem Stuhl. Erst wird mit Daumen und Zeigefinger der „Baby Shark“ gezeigt, danach mit beiden Händen (als Maul) „Mommy Shark“, dann die gleiche Bewegung in groß als „Daddy Shark“ usw. Du tanzt dabei so, dass deine Moves dich regelmäßig umwerfen, und zwar ganz wortwörtlich. Zuckersüß! Und wenn du mit Daumen und Zeigefinger Baby Shark zeigst, schmelze ich. Hach…

Außerdem telefonierst du mit allem. Ja, wirklich mit allem. Egal, ob mit dem Deckel der Cremedose, mit meinem Autoschlüssel oder kürzlich mit einem Stück Kuchen, das du dir ans Ohr gehalten hast. „Ja?“

Für Puppen hat sich deine Schwester nie wirklich interessiert. Du dagegen fährst täglich mit dem kleinen klapprigen Puppenwagen über den Hof, veranstaltest Teepartys und zeigst deiner Püppi die Welt.

 

Mit deinem Lieblingsbuch („Das Orchester der Tiere“) haben wir schon ganze Arztpraxen erheitert. Man stelle sich vor, peinliche Stille in einem überfüllten Wartezimmer: die einen gucken zu Boden, die anderen in ihr Smartphone, die nächsten füllen gerade den Anamnesebogen aus. Und mittendrin schlägst du dein Buch auf, drückst auf einen Knopf und schon spielt das ganze Orchester aus dem „Karneval der Tiere“. Und weil es so schön war, gleich noch mal… Bücher müssen bei dir ja immer ziemlich leiden, und so hat auch dieses mittlerweile schon einige Seiten gelassen.

 

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Es ist so schön, dir beim Großwerden zuzusehen und dich auf deinem Weg in die Welt zu begleiten; zu sehen, wie du dich freust, wie du strahlst, wie du staunst und (nicht zuletzt) wie du schläfst.

Happy one-and-a-half birthday, mein Schatz!

5 Freitagslieblinge 17.06.16

Lieblingsbuch der Woche, obwohl ich erstens kein Papa und zweitens auch erst auf Seite 31 bin. Sehr lustig! „Du bist plötzlich Vater, ohne es je zuvor gewesen zu sein. Das ist im Grunde so, als säßest du morgen früh unversehens am Steuerknüppel eines Tornado-Mehrzweckkampfflugzeuges, welches mit rasender Geschwindigkeit auf das Ende der Startbahn zuschießt, wo jemand unachtsamerweise einen mit extra dickflüssiger Buttermilch gefüllten Tanklastzug abgestellt hat, und zwar quer.“ Made my day!

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Lieblingsessen der Woche waren Karls Erdbeeren! Das schmeckt nach Sommer!

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Lieblingsmoment mit meinen Kindern: der Versuch, im Trampolin mit Hilfe von Plastiktüten fliegen zu können. Wir haben so viel gelacht. If you can dream it, you can do it! Oder der Moment, als wir abends im Bett nebeneinanderlagen, nicht einschlafen konnten und deshalb das Spiel „Wer als erster lacht, hat verloren“ gespielt haben. Als du zu deinem ernsten Gesicht noch den Flummi mit den Augen hochgehalten hast, konnte ich nicht mehr! Wir lachten und lachten bis wir Bauchschmerzen hatten. Sogar das Baby hat das Stillen unterbrochen und musste laut mitkichern. So ein Herzmoment!

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Lieblings-Mama-Moment war das Nähen einer U-Heft-Hülle für eine Freundin zur Babyparty und das dazugehörige in-der-Stoffkiste-kramen. Manchmal tut es gut, sich zwischen Noten, Präsentationen und Papierkram auf dem Schreibtisch einfach eine kleine Nähauszeit zu nehmen.

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Inspiration der Woche stammt von Tollabea mit ihrer Idee, Alltagsgegenständen Gesichter zu verleihen. Fiona war unendlich begeistert von Béas Korkenzieherqualle (wen wundert’s!) und ich habe die gemeine Ohrring-Biene portraitiert.

Macht Spaß! Probiert das unbedingt mal aus!

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Nach einer Idee von Berlinmittemom. Dort sind auch noch weitere Lieblinge verlinkt.

#12von12 im Juni

Familiensonntag am 12. Juni mit Tierpark, Teeparty und toller Generalprobe. Und mit zweifelhaften Komplimenten. Aber lest selbst:

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SloMo-Kangaroo #6von12 #12von12 #tierpark #berlin #kangaroo

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Mehr #12von12 gibt’s bei Draußen nur Kännchen!

Beim Zweiten ist alles anders

…und auch, wenn man beim zweiten Kind an viele Dinge entspannter rangeht, heißt das nicht, dass man alles schon kennt oder weiß, wie alles abläuft. Das beste Beispiel ist unsere Kita-Eingewöhnung #2.

Rückblick

Fiona kam kurz nach ihrem 1. Geburtstag (2010) in den Kindergarten. Der war ein ganzes Stück weg von unserem Zuhause und ich erinnere mich, wie ich beim Bäcker gegenüber, wo ich die täglichen 30 min „ohne Mama“ verbracht habe, nach ein paar Tagen eine volle Kaffee-Stempelkarte hatte und einen umsonst bekam. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob meine Erinnerung an diese Zeit ein bisschen löchrig ist oder ob es wirklich so unkompliziert war, wie ich es im Kopf habe… Sie ist mit 12 Monaten noch nicht gelaufen. Als ich zum ersten Mal für 10 min draußen war und wieder rein kam, saß sie noch an der Stelle, an der ich sie abgesetzt hatte und beim ersten Mittagessen habe ich neugierig durch’s Schlüsselloch geguckt und stolz mein großes Mädchen beobachtet.

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Im Vorschuljahr hat Fiona die Kita gewechselt und ging nun in Lauf- oder zumindest Fahrradentfernung in den Kindergarten bei uns um die Ecke, in dem ich in grauer Vorzeit schon gewesen bin. Zu dem Zeitpunkt war ich hochschwanger und meldete schon Geschwisterbedarf an für unser 2014er „Dezemberchen“. Einen Platz bekamen wir trotzdem wegen fehlender Kapazitäten erst im April 2016, also mit einer fast 16-Monats-Felice.

Zu Hause bei mir machte sie nur noch Dummheiten: schnappte sich Fionas Stifte und verschönerte unseren Wohnzimmertisch, warf meine Kiste mit den Stecknadeln runter (das war besonders toll), riss sämtliche CD aus Papas Regal und holte sie aus den Hüllen, zerriss Noten, schrieb in meine Partituren und war einfach mit der Gesamtsituation unzufrieden. Sie liebt andere Kinder, sie liebt raus gehen, sie liebt malen – und ich zählte die Tage rückwärts, bis sie das alles endlich im Kindergarten machen konnte…!

 

Woche 1: Juchu, es geht los!

 

Das sog. „Berliner Modell“ zur Eingewöhnung sieht vor, die erste Woche für ca. 1 Std komplett mit Mama in der Kita zu bleiben. In der zweiten Woche dann 15min Trennung, 30min und langsam steigern auf 1,5 Std. In der dritten Woche mit Mittagessen und in der 4. Woche mit Mittagsschlaf. Soweit in der Theorie.

Da ich in der gleichen Kita musikalische Früherziehung unterrichte, fragte ich, ob es am zweiten Tag möglich sei, dass ich 1 Stunde im Haus Musik mache während sie im Buddelkasten bei den anderen bleibt. Es klappte wunderbar, sie spielte in aller Ruhe und ich war glücklich.

Um keinen „Rückschritt“ zu machen, behielten wir die Trennung bei. Am 4. Tag war dann die Verabschiedung schon ein bisschen holprig und sie wollte zurück auf meinen Arm. Am 5. Tag, als ihr scheinbar wirklich bewusst wurde, dass das jetzt „ihr täglicher Job“ ist, dicke Tränen und keinen Schritt ohne mich, „Das wird heute nichts mit gehen, Mama. Haben Sie noch etwas Zeit?“.

Woche 2: Tränen, Schreien, Rotz & Wasser

In der darauffolgenden Woche hat sie sich immer so ins Weinen reingesteigert, dass niemand sie beruhigen konnte. Und dieses Kind hat Ausdauer! Alles, was sie sonst gerne macht, interessierte sie nicht die Bohne! Malen, rausgehen, singen, spielen – keine Chance! Wir entschieden uns für einen „Cut“: einen Tag komplett Pause und dann starteten wir einfach noch mal von vorne.

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Neue Woche, neues Glück – Kitaeingewöhnung Tag 6: nachdem ich ca 25min mit im Raum war und sie keinen Schritt von meiner Seite gewichen ist, hat die Erzieherin die Instrumentenkiste geholt und ich bin unauffällig gegangen für 1 Std. Beim Abholen war sie auf dem Arm und hatte schon ganz rote Augen vom Weinen. Mensch, Hasi! 😢 sie hat wohl immer so 10min gespielt und dann ist es ihr wieder eingefallen, hat aber auch mit der Erzieherin gekuschelt. Das ist ein gutes Zeichen! 👍 Jetzt ist sie völlig übermüdet eingeschlafen 💤. Hoffentlich wird sie nicht krank… Und morgen dann ein neuer Versuch, tschakka 🍀 #babygirl #15monatealt #kita #eingewöhnung #kindergarten #kindergartenkind #woche2 #instakids #playing

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Woche 3: noch mal von vorne

In der dritten Woche der Kitaeingewöhnung also alles auf Anfang! Kind spielt, Mama bleibt mit dabei. Blumen im Garten angucken, Blüten auf’s Papier kleben und Lieder singen, aber alles nur, wenn ich direkt hinter ihr stehe…

Einen klitzekleinen Teilerfolg gab es dann am nächsten Tag, wo sie mit der Erzieherin 5min im Sandkasten Muscheln gebacken hat, ohne sich nach mir umzudrehen.

An den darauffolgenden Tagen sollte ich mich unauffällig hinter dem Gartenhaus verstecken, während sie im Sandkasten saß. Es dauerte meistens nur wenige Sekunden, bis ich die „Sirene“ hörte. Leider ließ sie sich auch von niemandem beruhigen und wir „erlösten“ sie nach ein paar Minuten Weinen. Vom wirklichen Verlassen des Kindergartens waren wir also zu dem Zeitpunkt noch weit entfernt. Dass mein Mamaherz blutete, wenn ich mein Kind weinen hörte, muss ich wohl nicht extra erwähnen. Kraft gab mir die Tatsache, zu wissen, dass sie nicht weinte, weil ihr etwas weh tat, sondern aus purem Bock, weil es eben anders lief, als sie es gerne gehabt hätte. Es geht ihr nicht schlecht und sie ist in liebevollen Händen, hat allerdings mit knapp anderthalb einfach schon sehr klare Vorstellungen. Mäh. Eine befreundete Kinderpsychologin der Erzieherin gab den Rat, die Bezugsperson jetzt nicht zu wechseln und ihr locker 6 Wochen Zeit zu geben.

Woche 4: Erste kleine Erfolge

Wie immer: Tränen beim Abgeben, aber als ich nach 15min wieder kam: STILLE! Ich guckte von Weitem ungläubig ins Fenster und die Erzieherin zeigte mir den „Daumen hoch“. Ich konnte es kaum glauben! Der wütende Brüllkäfer hat sich beruhigen lassen! Der große alte Telefonhörer und die Computertastatur hatten sie so fasziniert, dass sie auch an den Folgetagen ausdauernd gespielt hat. Yay! Ooohh, bin ich happy gewesen!

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Kitaeingewöhnung Tag 15: nachdem es letzte Woche keine Neuigkeiten zum Trennungsverhalten mehr gegeben hat (brüllte in der Sekunde, in der sie mich nicht mehr sah und ließ sich nicht beruhigen),begann der heutige Tag auch wieder ganz entspannt, so lange ich dabei war. Ich sollte für 15min gehen und hörte sie schon weinen, als ich die Tür noch nicht ganz hinter mir geschlossen hatte… Als ich nach 15min wiederkam, war es wider Erwarten still im Raum 🎉🎉🎉 sie hat zwar gebrüllt, hat sich aber dann doch beruhigen lassen. Ein erster Schritt in die richtige Richtung! Jetzt bin ich doch ganz schön erleichtert. Morgen das Gleiche noch mal und täglich ein bisschen länger ohne Mama. #Kita #eingewöhnung #kindergarten #kindergartenkind #woche4

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Wir steigerten die Ohne-Mama-Zeit täglich um 15 min, bis wir bei 1,5 Std angekommen waren. Die ersten Tage saß ich wie paralysiert zu Hause am Schreibtisch und wusste vor lauter Ruhe gar nicht, was ich zuerst machen soll. So fühlte es sich also an, alleine zu Hause zu sein? Immer ein Auge auf dem Handy, falls die Kita mit schreiendem Kind anruft. Aber sie rief nicht an. In der Garderobe konnte ich beim Abholen bestaunen, was sie „gemalt“ hatten. Und da hing tatsächlich ein Farbklatsch-Bild mit dem Namen meines Kindes an der Wand. Was für ein aufregender Moment, das erste Kita-Bild zu sehen! Die Erzieherin hat auch „Beweisfotos“ gemacht, um mir zu zeigen, wie gut Felicia gespielt und mitgemacht hat. Man, fiel mir da ein Stein vom Herzen!

Woche 5: Nudeln mit Käsesahnesoße

Das erste Mal 2 Stunden dort inklusive Mittagessen! Als ich kam, saß sie mit am runden Tisch zwischen 7 anderen Lätzchenträgern, hat mit gutem Appetit gegessen und (das ist neu!) alleine aus einem Becher getrunken. Es klappt! Und das, obwohl ich es in der zweiten Woche nicht für möglich gehalten hätte! Von den winzigen Kinderstühlen, in denen man so toll sitzen kann, war sie von Anfang an fasziniert. Keine Frage also, dass sie eines besonders gerne macht: am Tisch sitzen. Sie isst alles, was es so gibt, kann nur Süßspeisen wie Milchreis o.ä. nicht leiden (Nanu? Und das soll mein Kind sein?!). Als es einen Tag Schokopudding zum Nachtisch gab, hat sie einen Löffel davon in den Mund gesteckt, in einer bühnenreifen Show zuerst Würgegeräusche gemacht und anschließend ca. 5min lang immer wieder mit der Hand ihre Zunge abgewischt, haha. Am nächsten oder übernächsten Tag wollten wir den Mittagsschlaf in der Kita probieren, doch dazu kam es nicht…

 

Woche 6 & 7: Tschüss Kindergarten, Hallo Bronchitis

Dass Kinder nach Kitastart öfter krank sind, weil sie sich in der „Virenbörse“ etwas mitnehmen, kennt man ja vom Hörensagen. Auch in dieser Hinsicht sind wir bei Fiona damals weitestgehend verschont geblieben. Natürlich hat sie Scharlach, Rotze und Husten mitgebracht, aber dauerhaft krank war sie nicht. Felicia hat ja schon in der ersten Woche zu kränkeln angefangen, wo ich es noch auf die Windpockenimpfung geschoben hatte. Gefühlt alle Kinder ihrer Grupe trugen einen Schnupfen im Gesicht, also war das nur eine Frage der Zeit bei uns. Aus Schnupfen und Husten wurde eine hartnäckige Angelegenheit mit nächtlichen Hustenanfällen mit Erbrechen (vom Hustenreiz!), fehlendem Schlaf, Atemnot, nur abends hohem Fieber, Herumtragen auf dem Balkon um 2.30 Uhr und letztendlich noch eitrig-verklebten Augen und einer entsprechenden Laune. Die wöchentlich 2x erfolgten Besuche beim Kinderarzt ergaben nach einiger Zeit die Diagnose: obstruktive Bronchitis und eben allerhand „Kleinkram“, der sich so dazu gesellt, wenn man eh schon angeschlagen ist. Das Thema „Kindergarten“ hatte sich also vorerst erledigt und wir standen vor ganz anderen Problemen, nämlich Nasentropfen, Augentropfen, Hustensaft und nachts Hustenstiller in ein Kind zu kriegen, das den Kopf rhythmisch hin und her wirft, mit Armen und Beinen rudert und den Mund zusammenpresst. Ihre koordinatorischen Leistungen in der Medikamentenverweigerung stellten uns Eltern vor logistische Herausforderungen und nicht selten benötigten wir die Hilfe der großen Schwester, wenn mal wieder einer der gefühlten 8 Arme unseres Okto-Babys ausgebüxt war und mit einem gezielten Schlag die Pipette mit den Nasentropfen entfernen wollte…

 

Woche 8: noch mal von vorne???

Wider Erwarten klappte der Einstieg in den Kitaalltag nach 2 kranken Wochen zu Hause erstaunlich gut! Wir begannen wieder mit 9 – 11.15 Uhr, inklusive Mittagessen und schon am zweiten Tag ging sie ohne Tränen in den Raum. Ganz ohne! Ich sagte: „Bis nachher, mein Schatz“, ging aus dem Raum und schloss die Tür. Stille. Ich blieb noch einen Moment ungläubig in der Garderobe stehen, bis ich sie miteinander spielen und lachen hörte. Mein Baby war da drin und es machte keinerlei Anstalten, mir hinterher zu weinen. Yesss!!!!

 

Am dritten Tag in Woche 8 wollten wir es endlich wagen: Mittagsschlaf in der Kita. Weil der lange Schlafanzug, den ich vor 8 Wochen mitgebracht und in ihr Fach gelegt hatte, inzwischen zu warm war, sollten wir einen kurzen mitbringen, den ich spontan einen Tag vorher extra dafür nähte. Der sollte ja etwas Besonderes sein. Die Verabschiedung klappte erneut ohne einen Mucks und wir verblieben so, dass die Erzieherin mich anrufen würde, wenn sie nach dem Schlafen wach wird. Zu Hause aßen wir ganz pünktlich Mittag und ich saß quasi auf meinem Telefon, jeder Zeit in Erwartung des Kita-Anrufs, der nicht kam. Als ich staunend wie verabredet um 2 in der Kita ankam, schlief sie noch immer und wurde just in dem Moment wach. Mein großes Mäuschen! Ich bin so stolz! Diese Woche also 9 – 14 Uhr und ab nächster Woche ist die Eingewöhnung offiziell vorbei und mein Mädchen ist ein ganz reguläres Kindergartenkind! Nach dem schweren Start habe ich nicht daran geglaubt, dass es irgendwann so funktionieren würde, wie jetzt. Wir haben es geschafft!

 

Wie war das bei euch und euren Kindern?

Völlig problemlos oder auch eine herzzerreißende Angelegenheit? Ich bin gespannt!

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