Nummer 3

Wie viele Monate schiebe ich diesen Post jetzt schon vor mir her… obwohl es mir eigentlich ein Bedürfnis ist, darüber zu schreiben. Aber kennt ihr das, wenn die richtigen Worte fehlen?

Gestern Abend las ich den Artikel von Halima über ihren 3. Kinderwunsch, den sie sich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr erfüllen möchte, obwohl er da ist. Und plötzlich hatte ich das Gefühl, es ihr schuldig zu sein, unserer Nummer 3.

20.11.2017

„Nachdem ich 3 Tage gefangen war in einer Seifenblase, in der die Welt einfach angehalten hat und die Zeit um mich herum still stand, sickert jetzt so langsam in mein Bewusstsein, was ich vor 72 Stunden erfahren habe: ich bin schwanger.“

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Mit dem Kinderwunsch ist das ja so eine Sache. Beim ersten Kind war ich noch sehr jung, 22 Jahre alt. Ich habe zu dieser Zeit gerade mein Musikstudium beendet und bekam nach dem Abschluss also erst mal unsere Tochter. Als sich nach etwa 3 Jahren der Gedanke an ein Geschwisterchen bemerkbar machte (ringsherum plötzlich nur noch Schwangere, Babys, Kinderwägen, hach – ihr kennt das!), dauerte es geschlagene anderthalb Jahre, viele Auf und Abs und eine Fehlgeburt, bis sich Tochter Nummer 2 endlich auf den Weg machte. Mama, Papa, 2 Kinder. 4er-Familie. Komplett, also? Ich erinnere mich noch gut an die 2. Schwangerschaft und die ersten Wochen mit dem Neugeborenen, in denen ich nicht nur 1x wehmütig dachte: „Das soll das letzte Mal gewesen sein?“. Ich lief mit unserer frisch geborenen Tochter auf dem Arm einen Tag nach der Geburt über die Wöchnerinnenstation des Krankenhauses, atmete ihren Babyduft ein und mir kamen die Tränen. Meine letzte Geburt, mein letztes Baby??

Die ersten Monate mit Nummer 2 – ach was sag ich, to be honest: die ersten anderthalb Jahre – gestalteten sich als wahre Herausforderung. Das ruhige, ausgeglichene, zufriedene Baby, das die große Schwester mal gewesen ist, war hier nur ein ferner Wunschtraum. Dieses zweite Kind schlief nicht oder nur sehr selten. Es forderte immer 150% Aufmerksamkeit, es schrie und ließ sich nur schwer beruhigen, es war die meiste Zeit unzufrieden mit sich und der Welt. Da halfen kein Osteopath, keine Federwiege, keine Globuli und erst recht kein „So-lernen-Kinder-schlafen-(ohne schreien lassen)-Buch. Ich war am Ende, sowohl körperlich als auch psychisch. Dieses Baby verlangte mir alles ab und die Doppelbelastung Selbstständigkeit und Familie + Schlafentzug brachte mich sehr nah an meine Grenzen.

Der Gedanke an ein mögliches 3. Kind war demzufolge in sehr, sehr weite Ferne gerutscht. Ok, ich bin Anfang 30. Es ist noch nicht so, dass die biologische Uhr wahnsinnig laut tickt. Aber würde ich das irgendwann später überhaupt noch ein Mal schaffen? Noch mal die anstrengende erste Zeit? Was, wenn das Dritte wieder nicht schlafen würde? Rückblickend muss ich zugeben, dieser 3. Kinderwunsch war trotzdem da. Die ganze Zeit über. Er war versteckt in einer der hintersten Ecken und gut verschlossen. Aber er war da. Ich begnügte mich mit dem Gedanken „Vielleicht in ein paar Jahren noch einen Nachzügler“, ahnte aber insgeheim, dass wenn die Kinder erst groß sind, ich sicher nicht den Mut und die Kraft hätte, noch ein Mal „von vorne“ anzufangen. Immerhin wird unsere erste Tochter dieses Jahr 9.

Als ich dann aber im November 2017 den zweiten Strich auf dem Schwangerschaftstest gesehen und nach 3 Tagen „Schockstarre“ realisiert habe, dass sich trotz im Zeitfenster genommener „Pille Danach“ (!) ein Löwenembryo eingenistet hat, der trotz widrigster Umstände den Weg zu uns gefunden hat, wusste ich, dass wir dieses 3. Wunder bekommen werden.

Inzwischen bin ich Anfang 7. Monat, der Bauch ist nicht mehr zu übersehen und mit jedem „Hallo“ aus dem Bauch wächst die Liebe zu unserem 3. Mädchen, obwohl natürlich die Angst vor den ersten Monaten und dem möglichen Temperament der kleinen Löwin nicht weg ist! Aber in hormongetränkte, rosa Watte eingepackt ist sie momentan, haha. Ich kann nicht sagen, ob ich mich in ein paar Jahren tatsächlich noch mal bereit dafür gefühlt hätte oder ob es (vermutlich eher) bei den zwei Damen geblieben wäre. Auf jeden Fall bin ich inzwischen sehr froh, dass das Löwenbaby mir diese Entscheidung abgenommen hat. Denn dieses dritte Kind, das vielleicht auf Ewig „nur“ einen wir-sind-noch-nicht-vollständig-Platz in meinem Herzen gehabt hätte, hat nun einen Platz in meinem Bauch gefunden. Und darüber könnte ich nicht glücklicher sein!

Welcome to the family, little one!

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