Best-Of April/Mai

Lange musstet ihr darauf warten, dafür gibt’s jetzt eine bunt gemixte Bilder- und Zitateflut der beiden Monats-Best-Ofs!
Im April haben wir es uns eine Woche in der Sonne Ägyptens gut gehen lassen (siehe HIER), ohne Frage das Highlight des Monats!

Direkt nach der Rückkehr ging es an die Eier: ausblasen, bemalen, verstecken, suchen und natürlich trudeln. Gibt es diesen Brauch bei euch auch? Wir packen dafür am Ostersonntag haufenweise gefärbte (und gekochte) Eier ein, machen mit der ganzen Familie einen Osterspaziergang zu einem kleinen Hügel und von oben werden die Eier von den Kindern mit Schwung den Berg hinab gerollt. Geht die Schale dabei kaputt, darf das Ei gegessen werden. Wichtig hierbei: Mini-Salzstreuer 🙂 Dieser heidnische Brauch geht wohl zurück bis ins 16. Jahrhundert aus der Gegend des Spreewaldes mit dem Ei als Symbol für Leben, Fruchtbarkeit und Glück.

Wir haben das schöne Wetter genossen, viel draußen gespielt (das große Garten-Dart gab es vor einer Weile bei Tchibo, great fun!) und endlich mal die Sandbilder ausprobiert. Funktionieren ganz wunderbar, man braucht allerdings ein bisschen Geduld und eine nicht so empfindliche Tischdecke ^^

Ende des Monats waren wir in der Musikstadt Trossingen in Baden-Württemberg (südlich von Stuttgart) zu Workshops und Konzerten am Konservatorium, wo ich bis 2009 studiert habe. Als Fiona das letzte Mal dort war, war sie noch in meinem Bauch, dementsprechend neugierig war sie auf die Stadt, in der sich Mama und Papa kennengelernt haben…

Der Mai kann ja nur gut werden, wenn er mit einem Feiertag beginnt (der nicht auf ein Wochenende fällt). Den „Tag der Arbeit“ haben meine Eltern pflichtbewusst im Garten verbracht, während wir uns im Kino mit den Muppets köstlich amüsiert haben. Der kriminelle Kermit-Doppelgänger Constantin, der aus einem sibirischen Gefängnis ausgebrochen ist, nutzt mit seinem Komplizen die Europa-Tour der Muppets, um den größten Juwelenraub aller Zeiten zu planen. Während die gutgläubigen Muppets anfangs gar nicht merken, dass „Kermit“ plötzlich so einen seltsamen russischen Akzent hat, findet sich der echte Kermit plötzlich, auf der Flucht vor der CIA und Interpol, in dem sibirischen Gefängnis wieder. Aber die Muppets wären nicht die Muppets, wenn sie nicht auch für dieses Problem gemeinsam eine Lösung finden würden. Fiona hatte am Ende Tränen in den Augen. Als ich ihr erklärt habe, dass doch alles gut und der echte Kermit wieder bei seinen Freunden sei, erwiderte sie nur: „Mama! Ich weine doch nur, weil es so schön ist!“ Miss Piggy kommt ihrem Traum übrigens so nah wie nie und steht am Ende sogar in einem maßgeschneiderten Hochzeitskleid von Vivienne Westwood vor dem Traualtar! Für Freunde der kultigen Puppen ein absolutes Must-See! Wir hatten viel Spaß!

Diesen Monat war ich nähtechnisch sehr fleißig! Mit der neuen Maschine macht es einfach so viel Spaß und geht so schön schnell, dass man im Handumdrehen tolle Kleider, Mützen oder Shirts gezaubert hat. Fiona kommt immer gerne mit in den Stoffladen und sucht sich gezielt Stoffe aus und auch ganz konkret, was daraus werden soll. Das größte Lob ist dann immer: „Ooooh, ist das schön! So eins hab nur ich! Danke, Mama!“
(Schnittmuster: Beanie Miss Poppins, Kinderhalstuch Leni PePunkt, Herbstkleid Lillesol & Pelle, Basic Tank Top KiBaDoo, Shirt „Easy“ Miss Poppins, Halssocke „Clodia“ Damali)

Anfang Mai hatte Fiona ganz plötzlich festgelegt, sie wolle keine Stützräder mehr an ihrem Fahrrad haben. Am 15.05. war es dann soweit: sie stieg auf und fuhr! Wir hatten zu der Zeit gerade Ensembleprobe und meine Mama war mit ihr im Garten. Vor der Stunde lief sie noch und nach der Stunde ist sie ohne Hilfe gefahren. Mein Mamaherz wäre vor Stolz fast rausgesprungen. Da fährt das große Mädchen jetzt einfach so los. Unfassbar….

Wir sind dem Erdbeerwahn verfallen und gönnen uns wöchentlich 1-2x die horrend teuren (aber unglaublich leckeren!) Karls Erdbeeren aus den kleinen Erdbeerhäuschen, die überall in der Stadt rumstehen. Gestern Nachmittag hatte die Erdbeere ausnahmsweise noch geöffnet (normalerweise nur morgens solange der Vorrat reicht) und ich habe übersehen, dass die einzelnen Körbe nicht wie sonst 250g-Schalen waren, sondern 500er. Ich bestellte also wie üblich 2 Schalen und war kurz darauf um gute 12 € ärmer und um 1kg (!) Erdbeeren reicher. Ups… Nächstes Mal: Augen auf beim Erdbeerkauf. Mein kleiner Naturforscher war am Wochenende mit Lupe und Stethoskop im Wald unterwegs, um Holzwürmern so auf die Schliche zu kommen: „Mama, ich hab einen knurren gehört!“  und außerdem hatten wir großen Spaß auf einer U-Bahn-Brücke mit hier nicht näher zu bezeichnenden Dummheiten. 
„…da freut sich die Spucke, dass sie Bahn fahren kann! Holladihia, holladiho….“

 P.S. Wer ein systematisches und trotzdem kindgerechtes Buch zum Thema Natur sucht, sollte mal bei der Reihe „Naturdetektive“ gucken. Viele kleine Ausgaben zu verschiedenen Themengebieten (Bäume, Vögel, Blumen, Insekten, usw.) für je 4,99€. Lohnt sich!

Diesen Monat hat Fiona in einer kleinen Gruppe meiner Vorschulkinder mit ihrem ersten Melodica-Unterricht begonnen. Sie lernt unglaublich schnell, ist wahnsinnig stolz (und ich erst!) und kann ganz konzentriert und sicher die ersten 3 Lieder auf ihrem Instrument spielen! Hach!

So, hier kommen nun die versprochenen Zitate aus 2 Monaten Kindermund:
Fiona ist 4 Jahre und 7 Monate alt.
„Was gab’s heute im Kindergarten zum Mittag?“
– „Zimt mit Senf als Dessert.“
„Meine Mama kann einfach alles! 
Die kann sogar mit dem Osterhasen und dem Weihnachtsmann telefonieren!“
„Nono, du trödelst!“
– „Ja, meine Füße sind ja auch ganz matschig.
Muss ich sie wohl in einem Topf mit heißem Wasser kochen.“
„Hast du gehört, Mama? Ich huste! Da brauchen wir möglicherweise Hustensaft!“
„Ach, Mama! Dafür brauche ich echte Stifte, nicht welche aus Plastik!“
„Nach dem Frühling kommt der Sommer. Aber vorher ist noch Mai.“
„Ey! Wenn du mich die ganze Zeit knutschst, kann ich gar nicht fernsehen!“
„Kaufen wir wieder Gummitiere mit Schaumstoff?“
„Was möchtest du für eine Pizza, Fiona?“
– „Walhai.“
„Was?!“
– „Na W-A-L-H-A-I!“
„Meinst du etwa Hawaii?“
– „Achso, ja.“
„Manchmal bist du ganz schön bockig.“
– „Ja, dann darfst du mich immer Frau Böckchen nennen.“
„Brauchst du Ersatzbatterien für dein Walkie Talkie?“
– „Nee, nee, da sind ja schon 2 drin.“
(Frauenlogik!)
„Fiona, lesen wir heute Stockmann?“
– „Hä? Was ist denn in dich eingefahren?!“
„Ganz schön windig heute, wenn ich das sagen darf!“
(Das Radio läuft)
„Mama, der Fernseher ist aus aber irgendwie gibt er trotzdem Laute von sich!“
„Ich brauche einen Computer.“
– „Jetzt schon? Wofür das denn?“
„Na ich will mal wieder nach Ägypten.“
– „Und dazu braucht man den?“
„Ja, um den Flug zu planen.“
„Heeeey, du kannst Fahrrad fahren!!!!!“
– „Tja, ich bin halt ne coole Socke! Ich bin so stolz auf mich selber!“
(Fiona spielt Tierarzt“
„Hat’s dem Hasi weh getan?“
– „Nö, war nur ne kurze Reparatur…“
(Ich kämme sie)
„Man! Du hast schon wieder durch meinen Filz geharkt!“
„Eigentlich mögen die Käfer gelb, aber jetzt haben sich alle auf blau versammelt.“
„Mama, wenn wir spielen, darfst du nicht reden. Das steht nicht in den Spielregeln!“
„Guck mal, die Wolken sind ganz verwurschtelt!“
(neben uns fährt ein Krankenwagen mit Sirene vorbei)
„Boah, der hat aber laut gebrüllt!“

Wir werden die kommenden 3 Tage mit 50 Kindern im Musik-Probenlager verbringen, deswegen wünschen wir euch jetzt schon einen tollen Start in den Juni!

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Von kleinen Gespenstern und bunten Herbstbäumen (DIY)

Murphys Law: erst ist das Kind eine Woche erkältet zu Hause und wenn der kleine Mensch wieder topfit ist, kränkeln die großen so vor sich hin. So geschehen bei uns am letzten Wochenende. Aus unseren Sealife-Plänen (da kann man gerade die Oktonauten live treffen!) wurde demzufolge nichts, weil jeder Schritt zu viel ist, wenn man hauptsächlich mit der Erhaltung seiner Lebensfunktionen beschäftigt ist. Um dem Mausekind aber doch noch ein Wochenend-Highlight zu bieten, bei dem man sich nicht weiter bewegen muss, beschlossen wir spontan um 15 Uhr, dass wir zu der 16-Uhr-Vorstellung ins Kino gehen würden. Wir sagten Fiona nicht, wo wir hinfahren. Umso größer war dann die Überraschung an der Kinokasse: „Wir gucken das kleine Gespenst??? Jaaaaa!“
Ich muss dazu sagen, dass die Buchvorlage von Otfried Preußler aus dem Jahr 1966 leider irgendwie an mir vorbeigegangen ist, ich kannte die Geschichte bis dato nicht und war dementsprechend unvoreingenommen, was den Vergleich mit der Verfilmung betrifft. Zum letzten Mal im Kino waren wir zum Trickfilm „Keinohrhase & Zweiohrküken“. Das einzig Witzige daran war für mich die Hasenstimme von Til Schweiger, ansonsten insgesamt eher ziemlich flach. So enttäuscht, wie ich vom Keinohrhasen gewesen bin, so begeistert war ich vom kleinen Gespenst! Die anfängliche Sorge, dass es Fiona langweilig werden würde, weil der Film mit echten Schauspielern arbeitet und kein reiner Animationsfilm ist, war völlig unbegründet. Sie verfolgte die Handlung gebannt, gruselte sich ein bisschen, als das Gespenst dem Polizist die Mütze vom Kopf gepustet hat und lachte lauthals über die kleinen Missgeschicke des niedlichen Geistes. Das Gespenst wird immer um Mitternacht wach, spukt eine Stunde lang durch die Burg Eulenstein, grüßt seinen Freund, den Uhu-Schuhu, und die alten Bekannten auf den Bildern an der Wand und fällt Punkt 1 Uhr wieder zurück in die große Holztruhe zum Schlafen. Sooo gerne würde das kleine Nachtgespenst ein Mal den Tag erleben, aber dafür muss es erst die eine Uhr finden, die seine Schlaf- und Wachzeiten bestimmt. Als es sämtliche Uhren auf der Burg verstellt hat und die große Rathausuhr vom Uhrmacher Zifferle (haha) zum Stellen für 12 Stunden angehalten wird, geht der große Wunsch in Erfüllung: 12 Uhr mittags, das Gespenst ist wach! Vom Sonnenstrahl getroffen, wird es schwarz, versteckt sich in der Kanalisation, und sorgt als „schwarzer Unbekannter“ unter der Stadt für ziemliche Aufregung. Schon bald merkt das kleine Gespenst, dass es eigentlich viel lieber wieder ein weißes Nachtgespenst wäre, aber das allein und ohne die Hilfe seiner Freunde nicht schaffen kann. 3 mutige Kinder stellen sich der Herausforderung und wollen dem Gespenst helfen, damit es wieder zur Mitternachtsspukstunde zurückkehren kann…
Der Film besticht mit unglaublicher Liebe zum Detail und einer charmant umgesetzten Geschichte, die das Herz berührt. Die Auswahl der Schauspieler hätte nicht besser sein können, besonders Uwe Ochsenknecht wird der Rolle des eitel-schnöseligen Bürgermeisters von Eulenstein mehr als gerecht. Während die Kinder sich über tolpatschige Feuerwehrmänner und ungeschickte Polizisten amüsieren, freuen sich die Erwachsenen über treffend zugespitzte Gesellschaftskritik an den „Würdenträgern“ und die kleinen versteckten Lebensweisheiten. Alles in allem ein wunderbarer und kurzweiliger Film für die ganze Familie, der definitiv als DVD bei uns einziehen wird, sobald er erscheint! 
5 Sterne, Prädikat: absolut sehenswert!
Und wer für das kommende Herbstwochenende noch eine schöne Beschäftigung sucht (und wie ich bunte Knöpfe in rauen Mengen hortet), für den habe ich die ultimative Do-It-Yourself-Idee, bei der auch kleine Hände schon ganz toll mithelfen können und jede Menge Spaß haben: das Knopf-Bäumchen! Ohne viel Aufwand machbar und eine wirkungsvolle Herbst-Deko. So geht’s:
Du brauchst:
eine kleine Leinwand 
 (in unserem Fall ist sie 30x24cm)
Pinsel
braune Acrylfarbe
Kleber
KNÖPFE
Ich habe einen Abend vorher den Baum mit Ästen frei Schnauze auf die Leinwand gepinselt und das Ganze trocknen lassen. Am nächsten Morgen durfte Fiona dann in der Knopfschachtel wühlen und viele kleine Schätze aussuchen, die sie als Blätter an die Äste kleben möchte. Einige sind auch klebstofflos in ihren Kinderzimmerbestand übergewandert, ich glaube, die Faszination für Knöpfe ist erblich! Oh oh…
Mit einem kleinen Tropfen Kleber auf der Rückseite verteilt man die unterschiedlich großen Knöpfe kreuz und quer an den Ästen des Baumes und lässt die „Blätter“ kurz trocknen – FERTIG!  
Falls ihr es nachbastelt, würde ich mich über Bilder eurer fertigen Werke sehr freuen! 
Viel Spaß dabei und ein schönes Wochenende!

Feuchtgebiete – wir haben’s getan!

Nach einer gefühlten Ewigkeit war ich vergangenes Wochenende mal wieder im Kino. Diesmal stand keine leicht verdauliche Animations-Kinderbespaßung à la Ice Age auf dem Programm, sondern harter Tobak: die Verfilmung des „Skandalromanes“ Feuchtgebiete von Charlotte Roche.

Als ich auf einem Flug Anfang 2008 die Buch-Ankündigung im Bordmagazin gelesen hatte, stand für mich fest, dass ich dieses Buch lesen muss.Endlich mal etwas, worüber sich die Welt das Maul zerreißen wird. Und so kam es dann ja auch: 30 Wochen auf Platz 1 der Literaturcharts, Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste und der Sensationserfolg des Jahres 2008. Ich kenne kaum ein Buch, das so durchwachsene Bewertungen kassiert hat wie der Debütroman von Charlotte Roche. „Kotzkrämpfe auslösender, trivialer Schund“ vs. „mutige, offene und lustige Gesellschaftskritik“. Ob das Werk die Bezeichnung „Literatur“ wirklich verdient hat, darüber lässt sich streiten. Auf jeden Fall ist es pure Provokation vor dem Hintergrund der sehr durchwachsenen Familienstruktur der psychisch labilen Protagonistin Helen. Man mag sich fragen, was hier tatsächlich im Vordergrund steht: das völlig schamfreie Verletzen gesellschaftlicher Konventionen oder das psychische Trauma eines Scheidungskindes, das die Eltern wieder vereinen möchte. Ich glaube ehrlich gesagt, Charlotte Roche wollte nicht nur „irgendein“ Buch schreiben, was ein paar Teenager vielleicht lesen, die sie mal auf VIVA gesehen haben, sondern sie wollte ganz bewusst etwas veröffentlichen, das die Nation spaltet. Denn egal, ob es gefallen hat oder nicht – über Feuchtgebiete wurde gesprochen. Mittlerweile ist die Spiegel-Bestsellerliste wieder „sauberes“ und trockenes Gebiet, die Medien haben sich beruhigt und ebenso die erhitzten Gemüter der Zeitgenossen, die beim Lesen des Buches angewidert ihre Nasen gerümpft hatten. Denkste! Denn vor wenigen Wochen stürmte die Verfilmung die Kinos.
Ich habe eigentlich selten mal beim Lesen eines Buches gedacht, dass es auf keinen Fall verfilmt werden sollte. Bei „Feuchtgebiete“ allerdings dachte ich genau das und ich gehe davon aus, das 90% der Leser bei der Lektüre Ähnliches gehofft hatten.
In den vergangenen 5 Jahren waren die Details in meinem Kopf verblasst, so dass ich nur noch vage wusste, womit Helen experimentiert und was ansonsten so passiert. Der Film holte aber alles sehr präsent in die Gegenwart zurück. Wer ihn noch nicht gesehen hat bzw. noch unentschlossen ist, ob er ihn sich angucken sollte: der Film ist extremer als das Buch, er ist eklig, schockierend, abstoßend, ehrlich aber gleichzeitig auch ziemlich gut und stellenweise wirklich witzig (für Menschen, die einen bisschen schrägen Humor haben)! Ich ziehe meinen Hut vor den Produzenten und der jungen Schauspielerin Carla Juri! Das Buch so originalgetreu umzusetzen und auf die Leinwand zu bringen, Stimmungen einzufangen und das Unvermeidliche zu zeigen ohne es wirklich zu zeigen, ist eine große Kunst. Natürlich flimmerten ab und an mal Brüste oder Geschlechtsteile über den Bildschirm, aber nicht in der Form, dass man es fälschlicherweise für einen Fetisch-Porno hätte halten können,

während Helen in der Badewanne Obst und Gemüse auf phallische Qualitäten testete… Obwohl ich relativ „hart im Nehmen“ und nicht leicht zu schockieren bin, saß ich während der Vorstellung teilweise mit der Hand vor dem Mund oder bei einigen wenigen Szenen auch mit abgewandtem Gesicht in meinem Kinositz, das tat dem letztlich doch positiven Gesamteindruck aber keinen Abbruch. Wie ich das so schreibe, liest es sich tatsächlich ein bisschen widersprüchlich, aber ich glaube, das versteht man nur, wenn man den Film gesehen hat. Die Stimme der Hauptdarstellerin ist der der Original-Frau-Roche sehr ähnlich, ein bisschen quäkig und irgendwie naiv, aber auch das passt perfekt zu der Figur Helen, die mit kindlicher Neugier die eigenen (und fremden) Körperflüssigkeiten unter die Lupe nimmt und ihr Gegenüber und den Kinozuschauer unverblümt damit konfrontiert. Wo zu Goethes Zeiten Werthers Freitod ausgereicht hat, um die Menschen in Schockstarre zu versetzen, bedarf es heute, wo Nacktheit und Erotik in den Medien überpräsent sind, eines aktuelleren Tabus um Menschen nachhaltig zu schockieren. Das ist den Machern zweifelsfrei gelungen. Auch schaffen sie es, nur durch die gelungene Verbindung von Bild und Musik witzig zu sein. Meine Lieblingsstelle zu diesem Thema? 4 Pizzabäcker, die (aus Genervtheit von einer sich beschwerenden Bestellerin) gemeinsam auf eine frische Pizza onanieren. Zu den Slowmotionbildern des „Schüttel-Quartetts“ der klassische Strauß-Walzer „An der schönen blauen Donau“. Ich habe sehr gelacht, bin aber – anders als Helen – nicht davon überzeugt, dass der „kulinarische“ Genuss so einer Pizza erstrebenswert ist…
Einziges wahres Manko: wie fast immer ist auch in den Feuchtgebieten mal wieder „die Gesellschaft schuld“, wie bei allen großen Dramen der Vergangenheit. Fragwürdig.

Abschließend noch ein schönes Zitat von http://www.film-zeit.de:

„Feuchtgebiete glänzt mit wunderbarer Hauptdarstellerin und guter Regie. Wer hart im Nehmen ist, wird ein in vielerlei Hinsicht intensives Kinoerlebnis haben. Rein filmtechnisch kann man durchaus das Wort „gelungen“ verwenden, der Zukunft unserer Gesellschaft zu liebe möchte ich dennoch von diesem Film abraten.“

Habt ihr den Film gesehen/das Buch gelesen?
Ich bin auf eure Meinungen gespannt!