Lieblingstweets Februar 2018

Hier sind sie mit etwas Verspätung, die Lieblinge aus dem Februar, mit aktueller Politik, Valentinstag, arktischem Frühlingsanfang, Karneval, Petting, Topmodels und öffentlichen Verkehrsmitteln. Have fun!

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Ein Sack voll Blödsinn: Schule.

Ich hätte noch vor wenigen Jahren nie gedacht, dass ich schon nach so kurzer Zeit, in der mein Kind zur Schule geht, so wütend auf dieses sture, nicht zeitgemäße System sein würde. Natürlich erinnert man sich an seine eigene Schulzeit und an die Begebenheiten, Lehrer oder Fächer, mit denen man so seine Probleme hatte (öhöm). Aber – ich kann nur für uns sprechen – wir jedenfalls sind im Herbst 2015 durchweg positiv und voller Vorfreude in den neuen Lebensabschnitt „Schule“ gestartet, keine Rede von „Ernst des Lebens“. Inzwischen geht sie in die 3. Klasse, seit diesem Schuljahr werden die Leistungen anhand von Schulnoten bewertet und natürlich war neben vielen Einsen und Zweien auch schon mal die eine oder andere 3 dabei: Hefterführung, Handschrift oder ein Englischtest in zweifelhafter Form, der mehr Ähnlichkeit mit einem Schnittmuster für Handschuhe hatte, haha. Who cares.

Dass Eltern nicht immer einer Meinung mit Lehrern sind, okay. Auch das kommt vor und ich spreche hier nicht von Helikoptereltern, die in jeder Note ihr Kind ungerecht bewertet sehen. Aber als ich im Hausaufgabenheft die Aufgabe „Gedicht lernen Lesebuch“ und die dazugehörigen zwei Gedichte zur Auswahl gesehen habe, habe ich doch an der pädagogischen Kompetenz der Lehrerin gezweifelt.

Vielleicht stoßen mir die Gedichte so bitter auf, weil ich selber Lehrerin bin und man in der Ausbildung von Kindern doch ein gewisses pädagogisches Konzept verfolgt, dessen Inhalte logisch (!) aufeinander aufbauen und sich im Schwierigkeitsgrad langsam und kontinuierlich steigern.

Wenn man Gedichte lernt, lernt man doch, was Reimschema und Versmaß angeht, zuallererst die gleichmäßigen Grundformen. Paarreim, Kreuzreim oder oder. Jambus, Trochäus, Daktylus, Anapäst – das muss in der Grundschule sicher noch niemand wissen, aber welches Versmaß auch immer zu Grund liegen mag, es sollte ein regelmäßiges sein, damit die Kinder erstmal grundsätzlich ein Gefühl für den Sprachrhythmus bekommen!

„Unsere“ beiden Gedichte sind eine wahrhafte Katastrophe und speziell Erwin Moser („So im Schatten liegen möchte ich“) gehört für seines, abgedruckt in einem Lesebuch von Klasse 3, posthum verkehrtherum aufgehängt und mit einem Buch über Reimschemata gefoltert: 3 Strophen, in denen sich kein Wort reimt und der Sprache keinerlei einheitlicher Rhythmus zu Grunde liegt. Dass wäre, als wenn ich (Musiklehrerin) mit den Instrumentalschülern nach den ersten drei Tönen direkt Freejazz oder den 7/8tel-Takt behandle!

(Der Vollständigkeit halber: „Einfach alles“ ist nicht von Herrn Moser, sondern von Klaus Kordon)

Natürlich gibt es Gedichte, die absichtlich keinem festen Reimschema folgen oder deren Versmaß aufgebrochen wird, um die Inhalt-Form-Beziehung zu unterstreichen. Aber mit Analyse und Interpretation beschäftigt man sich in der Oberstufe im Grund- oder Leistungskurs und muss die Gedichte in der Regel „nur“ analysieren und nicht auswendig lernen. Sicher steht im Rahmenlehrplan Deutsch für Klasse 3 „ein Gedicht lernen“ für das zweite Halbjahr, aber weshalb ist ein Lehrer nicht in der Lage, aus 1 Milliarde Gedichten in Lesebuch und Internet dafür ein vernünftiges auszuwählen?

Fiona hat als „kleineres Übel“ das zweite ausgewählt, immerhin reimt es sich.

Aber möcht‘ ich tatsächlich ein Sack voll Blödsinn sein? Am liebsten hätte ich einen Brief geschrieben, in dem ich ausführlich begründet hätte, weshalb mein Kind keines der beiden Gedichte gelernt hat…

Denn ein Sack voll Blödsinn ist für mich nur eines: Seite 90 im Lesebuch!