Wenn Kindheit ein Gefühl ist

An was erinnern wir uns, wenn wir an unsere Kindheit denken?

Bei mir ist das nicht der Alltag mit seinen Verpflichtungen und seinen Abläufen, sondern es sind besondere Momente, Gerüche, Geschmäcker. Meine Erinnerung ist ein Gefühl.

Ich erinnere mich an das rhythmische Quietschen meiner Schaukel im Garten, mit der ich überzeugt war, bis in den Himmel schaukeln zu können, an den Geruch von gemähtem Gras und den Geschmack der Kirschsuppe, die meine Oma im Sommer gekocht hat. Shaggys „Girl you’re my angel, you`re my darling, baby“ sang aus meinen Kopfhörern, während ich im Sonnenschein auf der Hollywoodschaukel lag und den Rap auswendig mitsprach. Ich habe noch den Geruch einer nagelneuen BRAVO für 2,40DM in der Nase, die ich jeden Donnerstag bei „Gabis Ecke“ kaufte und den Geschmack einer Boulette mit Ketchup aus der Schulcaféteria. Ich erinnere mich, wie meine Schwester in der Silvesternacht mit dem Finger „2004“ in den Schnee auf ihrer Motorhaube schrieb und an den Geruch von Thymian, der für mich von je her in die Badewanne zur Erkältungszeit und nicht ins Gewürzregal gehört. Vor allem aber erinnere ich mich an das warme, wohlige Gefühl, wenn ich nachts mit beiden Händen voller sich alleine gruselnder Kuscheltiere am Bett meiner Mama stand und unter ihre Decke schlüpfen konnte. Da fühlte ich mich sicher vor der Welt, da war mein Zuhause.

***

Gestern abend lag ich schon eine ganze Weile mit beiden Kindern im dunklen Schlafzimmer, als das Baby endlich eingeschlafen war. Ich wollte noch ein bisschen erwachsen sein – ein Buch lesen oder fernsehen, bis mir die Augen zufallen und nicht wie sonst direkt miteinschlafen und erst am nächsten Morgen aufwachen. Der Sonntag sollte noch nicht ganz vorbei sein. Als ich mich gerade lautlos in Richtung Bettkante schob, fragte mich Fiona plötzlich, ob wir noch kuscheln können. Es war 22 Uhr. Sie sollte eigentlich schon längst schlafen und ich wollte doch so gerne wenigstens noch kurz auf die Couch. Aber natürlich blieb ich liegen und kuschelte mich ganz eng an sie. Beim Geruch ihrer Haut und dem Gedanken an das Baby, das sie vor 7 Jahren war, stiegen mir die Tränen in die Augen. Ihr Atem wurde schnell ruhiger und keine 5 Minuten nach ihrer Frage war sie eingeschlafen. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, ich würde mir wünschen, dass sie sich an dieses Gefühl ihr Leben lang erinnert, so wie ich.

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Autor: Mama 2.0

stoffverliebte 2fach-Mama, Berlinerin, iphoneaddict, Musikpädagogin. Liebt buntes Klebeband, geistige Herausforderungen und hat sich den Blick für das Schöne bewahrt. Happiness is not a destination, it is a way of life. Glas ist halbvoll und so, wa?

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