Was hast du nur, mein Schatz?

Ich habe lange überlegt, ob ich darüber schreiben soll oder nicht.

Heute ist der Punkt erreicht, an dem ich nicht anders kann, als mir die Enttäuschung von der Seele zu schreiben.

Fiona zittert.

Sie zittert nicht mal kurz, weil ihr kalt ist. Sie zittert ständig, immer wieder, ohne Zusammenhang mit der Temperatur. Sie kann es nicht kontrollieren. Und es macht mir Angst.

Anfangs war es nur, wenn sie sich über etwas gefreut hat. Dieses kleine vor-Freude-Zittern fanden wir eigentlich alle eher niedlich als besorgniserregend. Dann fuhren wir mit dem Orchester Anfang Mai nach Innsbruck und ich saß während der 10-stündigen Busfahrt neben ihr. Immer wieder sah ich aus dem Augenwinkel, wie sie kurz zitterte. Ich zog ihr eine Jacke an und sagte irgendwann sogar genervt:

„Mensch, jetzt hör‘ doch mal auf, ständig so zu zucken! Das macht mich wahnsinnig!“

In den darauffolgenden Wochen wurde es immer schlimmer, hauptsächlich bei ruhigen Tätigkeiten, wie malen, schreiben oder fernsehen. Verwandte sprachen sie darauf an beim Familienkaffeetrinken, dann kamen erste Nachfragen von Lehrern, Horterziehern und Mitschülern. Ich ging mit ihr zu unserer Kinderärztin, sprach die darauf an. Sie winkte ab, das sei ein Tic. Aber wenn ich drauf bestehe, würden wir mal eine Blutuntersuchung machen.

Erst auf Nachfragen und Bitten gab sie uns die Zusage für eine EEG*-Untersuchung des Gehirns.(*Elektroenzophalogramm: grafische Darstellung der Spannungsschwankungen an der Kopfoberfläche, gehört zur neurologischen Diagnostik) Ich kürze mal ab: bis ich endlich einen Termin in 6 Wochen im Krankenhaus vereinbaren konnte, waren unzählige Telefonate mit Kinderarztpraxis und EEG-Abteilung von Nöten gewesen. Der Termin könne nicht vereinbart werden, solange von der Ärztin kein Einweisungsschein vorliege, denn eine simple Überweisung reiche nicht aus. Für ein EEG muss das Kind – nur auf dem Papier – stationär in der Tagesklinik aufgenommen werden, obwohl die Untersuchung ambulant durchgeführt wird! Aaaahhh! Sch*** Bürokratie!

In der Zwischenzeit lag auch das Ergebnis der Blutuntersuchung vor: keine Auffälligkeiten. Schilddrüse, Blutzucker, Borreliose, Toxoplasmose, etc – alles o.B.

In den 6 Wochen, in denen wir auf den Termin zum EEG warteten, wurde das Zittern immer schlimmer. Ich erinnere mich an einen Tag, an dem sich Fiona Nagellack auf den Fingern wünschte. Während ich lackierte, sagte sie:

„Hör mal kurz auf, ich muss zittern“.

Sie merkt also, dass es gleich passiert, kann es aber nicht steuern. Nachts und, wenn sie in Bewegung ist, zittert sie nicht. Tagsüber wurde es dagegen immer häufiger.

Eines Abends war ich mit ihr zu Hause, wir aßen Abendbrot und sie fing plötzlich so stark und häufig an zu zittern, immer und immer wieder, dass sie beim Essen ihre Cornflakes verschüttete! Ich machte ein Video davon und schickte das an unsere Familien-Whatsappgruppe, in der auch mein Onkel, von Beruf Zahnarzt, mitliest. Danach stand mein Handy nicht mehr still: alle rieten mir, sofort ins Krankenhaus zu fahren. Es könne auch etwas Entzündliches sein. Oder Epilepsie. Und je öfter ich mir selber das kleine Video ansah, desto panischer wurde ich. Was war bloß los mit meinem Kind??

Ich rief Papa an, der noch Unterricht hatte, er solle schnell nach Hause kommen, drückte ihm das müde Baby in die Hand, packte Fiona, Hasi, ein Malbuch und ein paar Stifte ein und fuhr mit ihr ins Krankenhaus, an einem Freitag Abend, 21 Uhr.

IMG_6394

In der Rettungsstelle angekommen, schilderte ich die Symptome und wir kamen ohne Wartezimmer, in dem blasse Kinder mit Kotztüten saßen, direkt in den Behandlungsraum. Während wir auf den Arzt warteten, wollte eine Schwester Fionas Blutdruck messen. 3 Versuche blieben erfolglos, weil sie ständig zitterte und das Gerät immer wieder ERROR anzeigte. Und wie ich mein großes Mädchen da auf der Behandlungsliege sitzen sah in der Kinderrettungsstelle eines Krankenhauses, musste ich mir die Tränen verkneifen. Wie stark man als Mama für seine Kinder sein kann, weiß man auch erst, wenn man keine andere Wahl hat, als stark zu sein. Sie war verunsichert und ängstlich und ich musste ihr Fels in der Brandung sein, ihr Halt und ihr Hafen. Innerlich war ich ein Wrack: panisch, ängstlich und so hilflos in dieser Situation. Ich drückte sie und sagte:

„Du brauchst keine Angst zu haben. Alles wird gut. Ich lass dich nicht allein!“.

Ihr liefen die Tränen. Ich musste schlucken. Der Kloß im Hals blieb. Mein Baby…

IMG_6393

Als der nette Arzt kam, ließ er sich die Symptome schildern, beobachtete Fiona und unterhielt sich mit ihr. Er sagte, es sehe nach einer Tic-Störung aus, aber so ohne Weiteres könne man das nicht diagnostizieren, denn es kämen noch unzählige andere Ursachen in Frage, die zuerst ausgeschlossen werden müssen. Ob sie in letzter Zeit eine Mittelohrentzündung oder Angina gehabt habe, fragte er. Ja, im Januar, ziemlich heftig, mit 10 Tagen Antibiotikum. Es gäbe eine bestimmte Art Streptokokken, die, wenn sie sich im Gehirn „eingenistet“ haben, solche Störungen auslösen können.

Oh Gott. Kopfkino AUS. Nein, mein Kind hat keine Streptokokken im Gehirn. Bestimmt nicht. Und wenn doch? Er bot an, Fiona stationär aufzunehmen zur Überwachung, sagte aber, dass am Wochenende sowieso nichts in Richtung Diagnostik gemacht werde, erst am Montag dann das EEG. Er halte eine stationäre Aufnahme allerdings nicht für notwendig. Wir können auch Montag Morgen zum EEG kommen. Ich fragte, ob ich Fiona gleich zu Hause lassen oder sie erst mal in die Schule schicken solle, bis ich erfahren habe, ob wir wirklich Montag dran kommen. Zu Hause lassen, wir kommen Montag dran. Er schrieb mir eine interne Telefonnummer auf, die ich dann gleich um 8 anrufen solle und wir fuhren nach Hause.

Montag, 8 Uhr.

(pampig) „Ja, also SO kurzfristig kann man nicht zum EEG kommen!“

– „Aber wir waren doch am Freitag in der Rettungsstelle und Dr. XY hat gesagt….“

– „Na dann weiß der gute Doktor wohl nicht, dass wir voll sind und sie nicht so einfach dazwischen schieben können!“

Nach einigem BlaBla und diversen Anrufen auf den verschiedenen Stationen des Krankenhauses (ihr erinnert euch… die pro forma stationäre Aufnahme?) durften wir doch kommen, „aber stellen Sie sich auf lange Wartezeiten ein!“. Und schon morgens am Telefon der Gedanke: bin ich eigentlich die Einzige, die wissen möchte, was das Kind hat?!

IMG_6395

Im Krankenhaus angekommen, liefen wir im besten Hemingway-Regen über das Krankenhausgelände, von der einen Station zur nächsten, dann wieder zurück, ein Formular abholen, dann wieder hin, … Nach einiger Wartezeit dann endlich der Aufruf zum EEG. Fiona sprang auf. Als ich ebenfalls aufstehen wollte, die Worte der Schwester:

„Mama bleibt draußen und ruht sich ein bisschen aus.“

WTF?! Ich war zu perplex, um etwas zu sagen. Bumms, Kind weg, Tür zu. Ich hatte keine Ahnung, wie lange ein EEG dauert, was genau gemacht wird und wie das Ganze abläuft.

Tick, Tack, Tick, Tack. Immer mal wieder kamen Notfälle in die an die EEG-Abteilung angrenzende Rettungsstelle. Ich war zu aufgewühlt, um mein mitgebrachtes Buch zu lesen. Nur für nervöses twittern hat’s gereicht:

 

Als nach einer gefühlt endlosen halben Stunde die Tür auf ging, kam eine strahlende Fiona raus, mit Spielzeugarmband und einer Stickeez-Figur, die sie sich nach dem EEG aussuchen durfte. Ich fragte, wie es war. Sie durfte ein Hörspiel hören, hatte Kabel am Kopf angeschlosen, „die aussahen, als hätten sie Eiskristalle dran“, musste auf Anweisung die Augen zu- und ab und zu wieder aufmachen. Wir wurden wieder zurück auf die Tagesstation geschickt und sollten uns noch mal „10 Minuten“ setzen. Wir warteten und warteten, bis irgendwann eine Schwester kam und uns informierte, dass wir nach Hause gehen können. Der Befund käme in ca. 2 Wochen mit der Post.

Natürlich freute mich mich im ersten Moment, dass wir nun wieder nach Hause durften, aber schon im Auto kam der Gedanke: hä, in ZWEI WOCHEN per Post?! Was machen die so lange mit dem EEG-Befund, den das Gerät direkt während der Ableitung schon ausspuckt?! So ein Psychoterror.

Am nächsten Morgen rief ich um 8 auf der Station an und fragte nach, wie es nun weitergehe und ob wir den Befund nicht früher erhalten können. Sie stocherte einen Moment in ihren Unterlagen und sagte, ein Arzt hätte schon drüber geguckt, allerdings dürfe sie telefonisch keine Auskunft geben. Argh! Sie würde es aber direkt unserer Kinderärztin rüberfaxen und dort könne ich dann anrufen und den Befund erfragen. Yay! Aber eine Faxnummer von Fr.Dr.XY habe sie nicht. Ich solle die raussuchen und mich erneut melden. Ich surfte ein Mal quer durch die Website unserer Kinderärztin. Alles, aber keine Faxnummer! Maaan! Bei der Google-Suche wurde ich nach ein paar Minuten doch noch fündig und rief direkt wieder im Krankenhaus an. Besetzt. Das Spiel ging eine Zeit so, bis ich endlich die gefundene Faxnummer übermitteln konnte.

Pünktlich zum Sprechstundenbeginn um 8.30 Uhr klingelte bei der Kinderärztin das Telefon. Der Azubi bestätigte mir den Eingang des Faxes. Aber Frau Doktor sei nun schon im Behandlungsgespräch. Ich solle kurz vor Sprechstundenende anrufen, 5 vor 12…

Um 5 vor 12 dann die erlösende Nachricht: EEG-Befund unauffällig, keine Epilepsie.

„Also alles gut.“

Alles gut?! Ich verstand nicht recht. Natürlich ist es erst mal gut, dass das EEG keine Auffälligkeiten zeigt. Aber es müssen doch jetzt andere Ursachen ausgeschlossen werden! Wie geht es weiter, was kommt als Nächstes? Die Kinderärztin sagte, ich solle Ende der Woche anrufen, bis dahin würde sie uns die Nummer eines Zentrums für Tic-Störungen raussuchen. Es sei einfach ein Tic. Ich hörte ihre Worte wie in Trance, dachte an die möglichen Streptokokken. Als ich die Möglichkeit erwähnte, von der der Arzt in der Rettungsstelle gesprochen hatte, bestätigte mir die Kinderärztin telefonisch per Ferndiagnose:

„Ach, Quatsch, sowas ist es nicht.“

Ich legte auf und konnte nicht fassen, was ich gerade gehört hatte. Und weil Mütter, wenn es um ihre Kinder geht, zu Löwinnen werden, googelte ich mich durch bis zur Kinderradiologie. Ich schrieb eine Mail mit unserem Fall und bat auf eigene Faust um ein MRT* des Schädels (*Magnetresonanz- oder auch Kernspintomographie, landläufig bekannt als „Röhre“), um ausschließen zu können, dass es sich um eine Entzündung im Gehirn handelt, die diese neurologischen Ausfälle verursacht. Die Kinderärztin war an einer weiteren Diagnostik ja scheinbar nicht interessiert. Parallel dazu vereinbarte ich telefonisch einen Termin bei einem niedergelassenen Kinderneurologen. Das klingt leichter als es tatsächlich ist, denn die „Neuropädiatrie“ ist oft eine Spezialabteilung im Krankenhaus und nur die wenigsten Spezialisten haben eigene Praxen. Vor September sei allerdings aussichtslos, sagte die nette Schwester.

Ich bekam kurze Zeit nach meiner Mailanfrage bezüglich des MRTs schon Antwort: man hätte den Fall mit der zuständigen Kinderradiologin besprochen und die habe eingewilligt, die Untersuchung zu machen. Termin am 27.6., bis dahin waren es nur noch knappe 2 Wochen! Einzige Bedingung: ich müsse eine Überweisung mitbringen. Ich rief also wenige Stunden später erneut bei unserer Kinderärztin an und was sie dann sagte bzw. wie sie mit mir sprach, war für mich ausschlaggebend, für die Zukunft einen neuen Kinderarzt zu suchen.

„Frau M., jetzt bleiben Sie mal ganz ruhig. Wir wollen mal nichts überstürzen. Eins nach dem anderen. Ich bewahre immer gerne Ruhe. Wir haben ja schon das unauffällige EEG und die Blutuntersuchung. MRT ist nicht notwendig, außerdem wird das nicht ambulant gemacht und das Kind muss dazu sediert werden. Warten Sie mal ab, regen Sie sich nicht so auf, und gehen Sie erst mal im Herbst zum Kinderneurologen. Der wird dann anordnen, wie es weiter geht.“

– „Aber ein MTR muss doch sowieso als nächstes gemacht werden und ich habe schon einen zeitnahen Termin bekommen! Ich kann nicht bis September einfach nur abwarten und ruhig bleiben! Habe ich Sie also richtig verstanden, dass Sie mir keine Überweisung ausstellen wollen?“

– „Ich sehe da keine Notwendigkeit.“

BÄM.

Das saß.

In der Zwischenzeit hatte eine Freundin, die andernorts in einem Krankenhaus auf der neurologischen Station arbeitet, das Zitter-Video einem Arzt gezeigt. Unbedingt untersuchen lassen, war die Antwort. Meine liebe Séverine hat sich per Mail an ein befreundetes Neurologenpaar aus der Schweiz gewandt, die das Video „hochinteressant“ fanden, geraten haben, mich an Spezialisten zu wenden, weil es eben so vielfältige Ursachen haben kann und am weiteren Verlauf und der Diagnose sehr interessiert sind.

Die ganze Welt meint, es müsse unbedingt genauer diagnostiziert werden, bevor es als Tic-Störung abgestempelt wird. Nur unsere eigene Ärztin nicht. War sie vielleicht überfordert, weil Fiona in kein Schema passte? Weil eben nicht die Standarddiagnose „Nase zu, Hals ein bisschen gerötet, können wir sie ne Woche zu Hause lassen?“ in Frage kam? Oder war sie schlicht und ergreifend „bockig“, weil ich mich selber gekümmert habe, dass es weitergeht? Uns die Überweisung einfach nicht auszustellen, finde ich jedenfalls ein Unding! Und wenn das MRT ohne Befund verläuft – gerade dann wäre ich beruhigt und könnte mal wieder eine Nacht schlafen, ohne darüber nachzudenken, was bei meinem Kind im Gehirn los sein könnte. Und wenn es Entzündungsherde o.ä. zeigen sollte, kann ihr endlich geholfen werden und ich muss nicht noch 3 Monate einfach nur abwarten.

Mein persönliches Unwort des Jahres.

Den Termin für das MRT hatte ich schon bestätigt und wusste, ich würde Himmel und Hölle in Bewegung setzen, diese blöde Überweisung zu bekommen.

Ich rief erneut beim Kinderneurologen an und fragte, ob ich einen früheren Termin bei ihm bekommen würde, wenn ich die Behandlung privat bezahlen würde. Wären wir vor dem 27.6. bei ihm Patient, könnte er die Überweisung ausstellen. Die Schwester hörte sich meine Geschichte an,  nahm mir allerdings die Hoffnung auf den früheren Termin. „Tut mir leid. Der Doktor macht keinen Unterschied zwischen Kassen- und Privatpatienten bzw. Selbstzahlern.“ Eigentlich ein schöner Satz. In dieser Situation allerdings nicht der, den ich hören wollte. „Aber geben Sie mir mal Ihre Nummer, ich schreibe die auf und dann ruft der Doktor Sie zurück.“ Ich gab sie ihr durch, allerdings nicht verbunden mit der Hoffnung auf einen positiven Ausgang des Gespräches, falls er denn überhaupt zurückrufen sollte. Immerhin kannte er uns im Gegensatz zur Kinderärztin noch gar nicht und war für diesen Fall noch nicht zuständig.

Und während ich noch das Netz nach potentiellen Überweisungsausstellern durchsuchte, klingelte mein Handy, die Nummer der Neurologie-Praxis auf dem Display! Ein unglaublich netter und einfühlsamer Arzt war am anderen Ende, der sich meine Sorgen anhörte und ohne zu zögern (!) einwilligte, die Überweisung auszustellen!! Immerhin seien wir ja ab September sowieso bei ihm und ein MRT sei eh die nächst logische Untersuchung (ach, was, Frau Doktor!). Und ob die nun gemacht werde, nachdem wir bei ihm waren oder vorher, wenn ich nun schon den Termin habe, sei doch irrelevant. Und wenn es nur dazu diene, uns als Eltern zu beruhigen.

Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal SO dankbar gewesen bin! Dankbar von den Haarspitzen bis zum kleinen Zeh, dass er MICH als besorgte Mutter ernst genommen hatte. Dazu muss man wissen: ich bin bei Leibe nicht die, die beim kleinsten Husten im Wartezimmer sitzt und bei erhöhter Temperatur statt eines Infektes gleich eine Hirnhautentzündung vermutet – DIE bin ich nicht. Aber in den letzten Wochen fing ich wirklich an, an mir zu zweifeln und mich zu fragen, ob ich mit meinen Ängsten um unsere Erstgeborene, unsere coole Nono-Socke, die so taff und clever ist, zur hysterischen Übermutter geworden bin. Mir tut es weh, zu erfahren, dass sie – von einer Hortnerin auf das Zittern angesprochen – zu weinen anfängt, weil sie auch nicht weiß, wieso das passiert. Und ich habe Angst, dass sich dieses selbstbewusste, offene Mädchen zurückzieht und verschließt, weil sie von Mitschülern vielleicht gehänselt wird. Nein nein nein, es muss etwas passieren.

IMG_6400

Ich fuhr letzte Woche in die Praxis, holte mir völlig problemlos den Überweisungsschein ab und wartete nun auf den 27.Juni. Die Schulbefreiung war lange im Voraus geklärt. Einen Abend vorher suchte ich im Netz nach Videos eines MRTs, um Fiona darauf vorzubereiten. Immerhin wird man in eine enge dunkle Röhre gefahren, muss ganz still liegen und es macht seltsame Geräusche. Ich fand eins, bei dem eine Puppe mit Kinderstimme erklärt, was genau passiert, wie die Untersuchung abläuft und auch, wie man sich darauf vorbereiten kann (Stichwort „Statuenspiel“). Sie war ganz begeistert und wollte das Video immer wieder angucken.

In der Nacht schlief ich unruhig, wurde immer wieder wach und träumte sogar, dass die Untersuchung abgesagt werden musste. Umso größer war die Freude am nächsten Morgen, dass es nun endlich soweit sein sollte. Wir machten wir uns rechtzeitig fertig, ich packte die Überweisung ein und war im Gehen, als das Telefon klingelte.

„Sie haben heute einen Termin zum MRT mit Ihrer Tochter. Den müssen wir leider verschieben. Seit Freitag ist eine Spule am MRT kaputt und bis zu Ihrem Termin haben wir noch keinen Ersatz.“

Wir wurden auf Mitte Juli vertröstet, das überrumpelte Kind ist zur dritten Stunde in die Schule gegangen und jetzt heißt es mal wieder abwarten.

Vielleicht ist auch ein bisschen Wunschdenken dabei, aber ich würde sagen, in letzter Zeit hat das Zittern etwas abgenommen und tritt nicht mehr ganz so häufig auf. Ich hoffe so, dass es wirklich „nur“ ein harmloser Tic ist, der sich irgendwann so plötzlich in Luft auflöst, wie er gekommen ist.

Aber bis nicht alles untersucht wurde, was sonst noch in Frage käme, gebe ich nicht auf. Traurig finde ich, dass man als Familie so allein gelassen wird und selbstständig alle Hebel in Bewegung setzen muss, um eine vernünftige Diagnostik zu erhalten.

Foto 21.06.16, 09 16 27

Kennt jemand von euch aus eigener Erfahrung solche Symptome?

Oder habt ihr selber oder eure Kinder Erfahrungen mit Tic-Störungen?

Advertisements

18 Monate kleines F

Anderthalb Jahre – du bist jetzt schon 2x so lange auf der Welt, wie du in meinem Bauch warst! Wenn mir in den vergangenen Wochen immer mal wieder Neugeborenenbilder in die Twitter-Timeline Bilder gespült wurden, konnte ich den Anblick gar nicht so richtig verarbeiten. Immerhin sehe ich dich immer noch als mein Baby („as long as I’m living, my baby you’ll be“), aber im direkten Vergleich muss ich zugeben, dass du irgendwie doch schon ganz schön groß bist!

Gerade in den vergangenen 3 Monaten hast du dich wahnsinnig entwickelt, Kindergarten sei Dank! Über unseren steinigen Weg der Eingewöhnung habe ich ja hier schon geschrieben. Inzwischen bist du angekommen in deinem neuen Alltag und du liebst es, im Garten mit den anderen Kindern zu spielen, zu malen, zu klecksen, zu buddeln und ein Teil der Gruppe zu sein!

IMG_5830

Speziell deine Sandkasten-Skills hast du enorm ausgebaut: du backst jetzt Kuchen, hantierst souverän mit der Schippe, füllst die Förmchen, kippst sie auf dem Rand um und klopfst drauf. Dass der Rand bei unserem Muschel-Sandkasten im Gegensatz zu dem in der Kita nur wenige Zentimeter breit ist, ignorierst du dabei gekonnt. Schlimmer noch, bis vor ein paar Wochen hatten wir gar keinen funktionierenden Sandkasten in unserem Garten, weil der alte aus den Vorjahren Opfer einer Überschwemmung und inzwischen zu einem Biotop geworden war. Eltern kennen das Problem. In Ermangelung an Alternativen hast du dich einfach auf die Terrasse gesetzt und mit übriggebliebenem Sandspielzeug schwarze Erde auf dein helles Kleid geschaufelt. Wir sind noch am gleichen Tag in den Baumarkt gefahren ^^

Foto 04.06.16, 17 45 53

Aus einem Bauchgefühl heraus habe ich vor einigen Wochen einen Termin beim HNO vereinbart, obwohl unsere Kinderärztin mir nicht dazu geraten hat („Alles ganz normal, Late-Talker“, etc.). Irritiert hat mich, dass du absolut kein Late Talker bist, sondern von Anfang an sehr viel gesprochen hast, nur eben nicht Deutsch. Und tatsächlich: der Hörtest hat ergeben, dass du Schleim hinter beiden Trommelfellen hast und deshalb in Etwa so hörst, als wenn wir uns die Ohren zuhalten. Also du hörst zwar, aber alles nicht so genau und deutlich. Und so klingt auch dein Reden. Inzwischen sagst du neben „Mama“ und „Papa“ hauptsächlich (und sehr deutlich!) „ja“ und „nein“ und „heißßß“ und „(k)alt“. Wenn man davon ausgehen kann, dass dein Wortschatz nach Wichtigkeit geht, wundert mich nicht, dass „Eis!“ bei den Vokabeln auch weit vorne mit dabei ist. Bei „Nana“ sind wir uns nicht ganz sicher, ob das der Spitzname für deine Schwester (FioNA), „neinnein“ oder sogar besitzanzeigend: „meiner?“ sein soll. Aber meistens trifft es eh gleichzeitig auf alles drei zu, haha. Du verstehst alles, kannst komplexen Aufforderungen folgen und weißt genau, was du willst. „Die!“ ist übrigens momentan das Universal-Wort für „das da“. Morgens frage ich immer, welche Schuhe du anziehen möchtest. Ich halte sie hoch und sage: „Die? .. oder die?“. Das hast du übernommen und sagst jetzt, wenn du auf etwas zeigst, das du haben (essen/trinken) möchtest, ebenfalls „die!“. Dieser Gag funktioniert übrigens am besten, wenn wir in Gesellschaft sind, ich dich rittlings auf den Schoß nehme, du mit deinem kleinen Zeigefinger auf meine Brust tippst und dazu laut „Die! Die!“ rufst. Für euch getestet.

(Ja, ich stille abends/nachts tatsächlich immer noch und hätte mir das nie träumen lassen. Aber solange ich das Gefühl habe, dass du „die“ noch brauchst, um runterzukommen und dich von dem Tag zu erholen, behalten wir das auch so bei. We don’t care what people say.)

IMG_6066

Vor deiner Geburt habe ich oft gelesen, dass das zweite Kind dann einfach mitlaufe, in seinen Platz in der Familie hineingeboren werde und so unkompliziert sei. Das kann ich so nicht unterschreiben. Du bist zu einer richtigen kleinen Persönlichkeit geworden und denkst nicht daran, einfach irgendwo mitzulaufen! Du hast dir deinen Posten in der Familie hart erkämpft und wirst den Thron nicht so schnell aufgeben! Mit „Ziegenbockaugen“, also stark gerunzelter Stirn, vertrittst du in Babynesisch deinen Standpunkt und brüllst auch mal aus heiterem Himmel los, wenn etwas nicht so läuft, wie du es dir vorstellst! Einfach aus Bock! Und wenn man dann das Gefühl hat, dass du NUR meckerst und man dir einfach nichts recht machen kann (und du ja auch noch nicht sagst, was los ist) – das sind die Momente, in denen ich ganz sicher bin, dass meine Kraft nie für mehr als 2 Kinder reichen würde…

IMG_4563

Deine Schwester soll dich möglichst nicht anfassen, denn du willst alles A-L-L-E-I-N-E machen. Es sei denn, sie funktioniert als Handlanger für Dummheiten, das ist dann etwas anderes. Abends sagt ihr euch Gute-Nacht mit „Küsschen, Ei, Winkewinke“, also – eigentlich selbsterklärend – Kuss, streicheln und winken. Awww! Geschwisterplüsch gibt es nicht soo oft, aber wenn, dann läuft beinahe mein Herz über. Euch zwei Lieblingsmenschen so zu sehen und zu wissen, dass ihr euch immer haben werdet, weil Blut dicker ist als Wasser, ist eines der schönsten Gefühle, die es gibt ❤ ❤ ❤ (und dann sind auch die Gedanken von weiter oben irgendwie wieder relativ, hihi)

Dass du Musik magst, ist ja schon hinlänglich bekannt. Inzwischen hast du ein eindeutiges und unangefochtenes Lieblingslied: „Baby Shark“! Das singe ich mit meinen Kita-Kindern in der Früherziehung und als ich es zu Hause mal angemacht habe, hielt es dich nicht mehr auf deinem Stuhl. Erst wird mit Daumen und Zeigefinger der „Baby Shark“ gezeigt, danach mit beiden Händen (als Maul) „Mommy Shark“, dann die gleiche Bewegung in groß als „Daddy Shark“ usw. Du tanzt dabei so, dass deine Moves dich regelmäßig umwerfen, und zwar ganz wortwörtlich. Zuckersüß! Und wenn du mit Daumen und Zeigefinger Baby Shark zeigst, schmelze ich. Hach…

Außerdem telefonierst du mit allem. Ja, wirklich mit allem. Egal, ob mit dem Deckel der Cremedose, mit meinem Autoschlüssel oder kürzlich mit einem Stück Kuchen, das du dir ans Ohr gehalten hast. „Ja?“

Für Puppen hat sich deine Schwester nie wirklich interessiert. Du dagegen fährst täglich mit dem kleinen klapprigen Puppenwagen über den Hof, veranstaltest Teepartys und zeigst deiner Püppi die Welt.

 

Mit deinem Lieblingsbuch („Das Orchester der Tiere“) haben wir schon ganze Arztpraxen erheitert. Man stelle sich vor, peinliche Stille in einem überfüllten Wartezimmer: die einen gucken zu Boden, die anderen in ihr Smartphone, die nächsten füllen gerade den Anamnesebogen aus. Und mittendrin schlägst du dein Buch auf, drückst auf einen Knopf und schon spielt das ganze Orchester aus dem „Karneval der Tiere“. Und weil es so schön war, gleich noch mal… Bücher müssen bei dir ja immer ziemlich leiden, und so hat auch dieses mittlerweile schon einige Seiten gelassen.

 

IMG_5413

Es ist so schön, dir beim Großwerden zuzusehen und dich auf deinem Weg in die Welt zu begleiten; zu sehen, wie du dich freust, wie du strahlst, wie du staunst und (nicht zuletzt) wie du schläfst.

Happy one-and-a-half birthday, mein Schatz!

5 Freitagslieblinge 17.06.16

Lieblingsbuch der Woche, obwohl ich erstens kein Papa und zweitens auch erst auf Seite 31 bin. Sehr lustig! „Du bist plötzlich Vater, ohne es je zuvor gewesen zu sein. Das ist im Grunde so, als säßest du morgen früh unversehens am Steuerknüppel eines Tornado-Mehrzweckkampfflugzeuges, welches mit rasender Geschwindigkeit auf das Ende der Startbahn zuschießt, wo jemand unachtsamerweise einen mit extra dickflüssiger Buttermilch gefüllten Tanklastzug abgestellt hat, und zwar quer.“ Made my day!

Foto 17.06.16, 10 18 07

Lieblingsessen der Woche waren Karls Erdbeeren! Das schmeckt nach Sommer!

Foto 11.06.16, 15 50 16

Lieblingsmoment mit meinen Kindern: der Versuch, im Trampolin mit Hilfe von Plastiktüten fliegen zu können. Wir haben so viel gelacht. If you can dream it, you can do it! Oder der Moment, als wir abends im Bett nebeneinanderlagen, nicht einschlafen konnten und deshalb das Spiel „Wer als erster lacht, hat verloren“ gespielt haben. Als du zu deinem ernsten Gesicht noch den Flummi mit den Augen hochgehalten hast, konnte ich nicht mehr! Wir lachten und lachten bis wir Bauchschmerzen hatten. Sogar das Baby hat das Stillen unterbrochen und musste laut mitkichern. So ein Herzmoment!

Foto 16.06.16, 18 03 43

Lieblings-Mama-Moment war das Nähen einer U-Heft-Hülle für eine Freundin zur Babyparty und das dazugehörige in-der-Stoffkiste-kramen. Manchmal tut es gut, sich zwischen Noten, Präsentationen und Papierkram auf dem Schreibtisch einfach eine kleine Nähauszeit zu nehmen.

Foto 13.06.16, 15 02 11

Inspiration der Woche stammt von Tollabea mit ihrer Idee, Alltagsgegenständen Gesichter zu verleihen. Fiona war unendlich begeistert von Béas Korkenzieherqualle (wen wundert’s!) und ich habe die gemeine Ohrring-Biene portraitiert.

Macht Spaß! Probiert das unbedingt mal aus!

Foto 15.06.16, 12 04 49

 

Nach einer Idee von Berlinmittemom. Dort sind auch noch weitere Lieblinge verlinkt.

Lieblingstweets Juni Teil 1

Habt ihr Lust auf Lieblingstweets? Hier sind sie!

Heute erfahrt ihr, warum man als Single junge Mütter daten sollte, was Noah mit dem deutschen Sommer zu tun hat und, wer tasächlich hinter Boatengs legendärer Ball-Rettungsaktion steckt. Viel Spaß beim Lesen!

https://twitter.com/WorldAndScience/status/737790786058616832

https://twitter.com/Frl_Pfefferminz/status/739165493924368384

#12von12 im Juni

Familiensonntag am 12. Juni mit Tierpark, Teeparty und toller Generalprobe. Und mit zweifelhaften Komplimenten. Aber lest selbst:

View this post on Instagram

SloMo-Kangaroo #6von12 #12von12 #tierpark #berlin #kangaroo

A post shared by ✮ Vivi ✮ (@mamazweipunktnull) on

Mehr #12von12 gibt’s bei Draußen nur Kännchen!

Friday Fives

Berlinmittemom Anna hat die Aktion der 5 Freitagslieblinge ganz frisch ins Leben gerufen und möchte 

Lieblingsbuch der Woche

Lieblingsessen der Woche

Lieblingsmoment mit Kindern

Lieblings-Mama-Moment nur für mich

Lieblingsinspiration der Woche

erfahren und dazu je ein Bild sehen. 

Here we go:

Lieblingsbuch der Woche ist „GEFÜHLTE WAHRHEIT“ (unser Leben in unterhaltsamen Diagrammen), ein Klobuch eigentlich, aber inzwischen liegt es auf meinem Schreibtisch. So wahr und so lustig! 


Da ich mein tägliches Essen nicht fotografiere, weil ich ehrlich gesagt nicht so recht weiß, was mir das Essen fremder Leute sagen soll, kann ich mit #foodporn nicht dienen. Wohl aber mit einem Schnappschuss aus der letzten Lebenssekunde meines Lieblingsessens in der Saison „März bis Oktober“: Grillfleisch. 


Lieblingsmoment mit den Kindern war diese Woche das gemeinsame Eisessen am Kindertag: Zuckerwatteeis (uerks!), bunte Heliumballons und gute Laune!


Lieblingsmamamoment war – so paradox das klingen mag – das Nähen von 28 kleinen Kostüm-Halstüchern für unser Musicalprojekt mit der Grundschule im Sommer. Auch wenn ich inzwischen keine Halstücher mehr sehen kann, war es doch einfach schön, ein paar Stunden am Stück einer entspannenden Tätigkeit nachzugehen, während das große Kind in der Schule und das kleine im Kindergarten gewesen ist. 


Und meine Lieblingsinspiration der Woche kommt – wie sollte es anders sein – von Pinterest, wo ich eine wirkungsvolle Easy-Peasy-Idee zum Basteln von Pferden gefunden habe, ebenfalls für unser Theaterprojekt. Die Poolnudeln sind schon bestellt. Hüü!

http://www.pinterest.com

Und was sind eure Wochenlieblinge gewesen? Macht mit und zeigt sie uns!

Lieblingstweets Mai Teil 2

Zack, Monatsende verpasst.

Also gibt’s heute als Kindertagsüberraschung für euch den zweiten Teil der Lieblingstweets aus dem Mai, mit Keksen, alkoholfreiem Bier, Eis, Kuchen, Staubsaugerbeutelinhalt und Sexualkunde. Viel Spaß mit dem ganz normalen Twitter-Wahnsinn!

https://twitter.com/wortuose/status/731893281668407297

https://twitter.com/Huebscherei/status/732466474418212867

https://twitter.com/humorlos4/status/735435211505340416