Beim Zweiten ist alles anders

…und auch, wenn man beim zweiten Kind an viele Dinge entspannter rangeht, heißt das nicht, dass man alles schon kennt oder weiß, wie alles abläuft. Das beste Beispiel ist unsere Kita-Eingewöhnung #2.

Rückblick

Fiona kam kurz nach ihrem 1. Geburtstag (2010) in den Kindergarten. Der war ein ganzes Stück weg von unserem Zuhause und ich erinnere mich, wie ich beim Bäcker gegenüber, wo ich die täglichen 30 min „ohne Mama“ verbracht habe, nach ein paar Tagen eine volle Kaffee-Stempelkarte hatte und einen umsonst bekam. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob meine Erinnerung an diese Zeit ein bisschen löchrig ist oder ob es wirklich so unkompliziert war, wie ich es im Kopf habe… Sie ist mit 12 Monaten noch nicht gelaufen. Als ich zum ersten Mal für 10 min draußen war und wieder rein kam, saß sie noch an der Stelle, an der ich sie abgesetzt hatte und beim ersten Mittagessen habe ich neugierig durch’s Schlüsselloch geguckt und stolz mein großes Mädchen beobachtet.

Foto052Foto077

Im Vorschuljahr hat Fiona die Kita gewechselt und ging nun in Lauf- oder zumindest Fahrradentfernung in den Kindergarten bei uns um die Ecke, in dem ich in grauer Vorzeit schon gewesen bin. Zu dem Zeitpunkt war ich hochschwanger und meldete schon Geschwisterbedarf an für unser 2014er „Dezemberchen“. Einen Platz bekamen wir trotzdem wegen fehlender Kapazitäten erst im April 2016, also mit einer fast 16-Monats-Felice.

Zu Hause bei mir machte sie nur noch Dummheiten: schnappte sich Fionas Stifte und verschönerte unseren Wohnzimmertisch, warf meine Kiste mit den Stecknadeln runter (das war besonders toll), riss sämtliche CD aus Papas Regal und holte sie aus den Hüllen, zerriss Noten, schrieb in meine Partituren und war einfach mit der Gesamtsituation unzufrieden. Sie liebt andere Kinder, sie liebt raus gehen, sie liebt malen – und ich zählte die Tage rückwärts, bis sie das alles endlich im Kindergarten machen konnte…!

 

Woche 1: Juchu, es geht los!

 

Das sog. „Berliner Modell“ zur Eingewöhnung sieht vor, die erste Woche für ca. 1 Std komplett mit Mama in der Kita zu bleiben. In der zweiten Woche dann 15min Trennung, 30min und langsam steigern auf 1,5 Std. In der dritten Woche mit Mittagessen und in der 4. Woche mit Mittagsschlaf. Soweit in der Theorie.

Da ich in der gleichen Kita musikalische Früherziehung unterrichte, fragte ich, ob es am zweiten Tag möglich sei, dass ich 1 Stunde im Haus Musik mache während sie im Buddelkasten bei den anderen bleibt. Es klappte wunderbar, sie spielte in aller Ruhe und ich war glücklich.

Um keinen „Rückschritt“ zu machen, behielten wir die Trennung bei. Am 4. Tag war dann die Verabschiedung schon ein bisschen holprig und sie wollte zurück auf meinen Arm. Am 5. Tag, als ihr scheinbar wirklich bewusst wurde, dass das jetzt „ihr täglicher Job“ ist, dicke Tränen und keinen Schritt ohne mich, „Das wird heute nichts mit gehen, Mama. Haben Sie noch etwas Zeit?“.

Woche 2: Tränen, Schreien, Rotz & Wasser

In der darauffolgenden Woche hat sie sich immer so ins Weinen reingesteigert, dass niemand sie beruhigen konnte. Und dieses Kind hat Ausdauer! Alles, was sie sonst gerne macht, interessierte sie nicht die Bohne! Malen, rausgehen, singen, spielen – keine Chance! Wir entschieden uns für einen „Cut“: einen Tag komplett Pause und dann starteten wir einfach noch mal von vorne.

Neue Woche, neues Glück – Kitaeingewöhnung Tag 6: nachdem ich ca 25min mit im Raum war und sie keinen Schritt von meiner Seite gewichen ist, hat die Erzieherin die Instrumentenkiste geholt und ich bin unauffällig gegangen für 1 Std. Beim Abholen war sie auf dem Arm und hatte schon ganz rote Augen vom Weinen. Mensch, Hasi! 😢 sie hat wohl immer so 10min gespielt und dann ist es ihr wieder eingefallen, hat aber auch mit der Erzieherin gekuschelt. Das ist ein gutes Zeichen! 👍 Jetzt ist sie völlig übermüdet eingeschlafen 💤. Hoffentlich wird sie nicht krank… Und morgen dann ein neuer Versuch, tschakka 🍀 #babygirl #15monatealt #kita #eingewöhnung #kindergarten #kindergartenkind #woche2 #instakids #playing

A post shared by ✮ Vivi ✮ (@mamazweipunktnull) on

 

Woche 3: noch mal von vorne

In der dritten Woche der Kitaeingewöhnung also alles auf Anfang! Kind spielt, Mama bleibt mit dabei. Blumen im Garten angucken, Blüten auf’s Papier kleben und Lieder singen, aber alles nur, wenn ich direkt hinter ihr stehe…

Einen klitzekleinen Teilerfolg gab es dann am nächsten Tag, wo sie mit der Erzieherin 5min im Sandkasten Muscheln gebacken hat, ohne sich nach mir umzudrehen.

An den darauffolgenden Tagen sollte ich mich unauffällig hinter dem Gartenhaus verstecken, während sie im Sandkasten saß. Es dauerte meistens nur wenige Sekunden, bis ich die „Sirene“ hörte. Leider ließ sie sich auch von niemandem beruhigen und wir „erlösten“ sie nach ein paar Minuten Weinen. Vom wirklichen Verlassen des Kindergartens waren wir also zu dem Zeitpunkt noch weit entfernt. Dass mein Mamaherz blutete, wenn ich mein Kind weinen hörte, muss ich wohl nicht extra erwähnen. Kraft gab mir die Tatsache, zu wissen, dass sie nicht weinte, weil ihr etwas weh tat, sondern aus purem Bock, weil es eben anders lief, als sie es gerne gehabt hätte. Es geht ihr nicht schlecht und sie ist in liebevollen Händen, hat allerdings mit knapp anderthalb einfach schon sehr klare Vorstellungen. Mäh. Eine befreundete Kinderpsychologin der Erzieherin gab den Rat, die Bezugsperson jetzt nicht zu wechseln und ihr locker 6 Wochen Zeit zu geben.

Woche 4: Erste kleine Erfolge

Wie immer: Tränen beim Abgeben, aber als ich nach 15min wieder kam: STILLE! Ich guckte von Weitem ungläubig ins Fenster und die Erzieherin zeigte mir den „Daumen hoch“. Ich konnte es kaum glauben! Der wütende Brüllkäfer hat sich beruhigen lassen! Der große alte Telefonhörer und die Computertastatur hatten sie so fasziniert, dass sie auch an den Folgetagen ausdauernd gespielt hat. Yay! Ooohh, bin ich happy gewesen!

 

Wir steigerten die Ohne-Mama-Zeit täglich um 15 min, bis wir bei 1,5 Std angekommen waren. Die ersten Tage saß ich wie paralysiert zu Hause am Schreibtisch und wusste vor lauter Ruhe gar nicht, was ich zuerst machen soll. So fühlte es sich also an, alleine zu Hause zu sein? Immer ein Auge auf dem Handy, falls die Kita mit schreiendem Kind anruft. Aber sie rief nicht an. In der Garderobe konnte ich beim Abholen bestaunen, was sie „gemalt“ hatten. Und da hing tatsächlich ein Farbklatsch-Bild mit dem Namen meines Kindes an der Wand. Was für ein aufregender Moment, das erste Kita-Bild zu sehen! Die Erzieherin hat auch „Beweisfotos“ gemacht, um mir zu zeigen, wie gut Felicia gespielt und mitgemacht hat. Man, fiel mir da ein Stein vom Herzen!

Woche 5: Nudeln mit Käsesahnesoße

Das erste Mal 2 Stunden dort inklusive Mittagessen! Als ich kam, saß sie mit am runden Tisch zwischen 7 anderen Lätzchenträgern, hat mit gutem Appetit gegessen und (das ist neu!) alleine aus einem Becher getrunken. Es klappt! Und das, obwohl ich es in der zweiten Woche nicht für möglich gehalten hätte! Von den winzigen Kinderstühlen, in denen man so toll sitzen kann, war sie von Anfang an fasziniert. Keine Frage also, dass sie eines besonders gerne macht: am Tisch sitzen. Sie isst alles, was es so gibt, kann nur Süßspeisen wie Milchreis o.ä. nicht leiden (Nanu? Und das soll mein Kind sein?!). Als es einen Tag Schokopudding zum Nachtisch gab, hat sie einen Löffel davon in den Mund gesteckt, in einer bühnenreifen Show zuerst Würgegeräusche gemacht und anschließend ca. 5min lang immer wieder mit der Hand ihre Zunge abgewischt, haha. Am nächsten oder übernächsten Tag wollten wir den Mittagsschlaf in der Kita probieren, doch dazu kam es nicht…

 

Woche 6 & 7: Tschüss Kindergarten, Hallo Bronchitis

Dass Kinder nach Kitastart öfter krank sind, weil sie sich in der „Virenbörse“ etwas mitnehmen, kennt man ja vom Hörensagen. Auch in dieser Hinsicht sind wir bei Fiona damals weitestgehend verschont geblieben. Natürlich hat sie Scharlach, Rotze und Husten mitgebracht, aber dauerhaft krank war sie nicht. Felicia hat ja schon in der ersten Woche zu kränkeln angefangen, wo ich es noch auf die Windpockenimpfung geschoben hatte. Gefühlt alle Kinder ihrer Grupe trugen einen Schnupfen im Gesicht, also war das nur eine Frage der Zeit bei uns. Aus Schnupfen und Husten wurde eine hartnäckige Angelegenheit mit nächtlichen Hustenanfällen mit Erbrechen (vom Hustenreiz!), fehlendem Schlaf, Atemnot, nur abends hohem Fieber, Herumtragen auf dem Balkon um 2.30 Uhr und letztendlich noch eitrig-verklebten Augen und einer entsprechenden Laune. Die wöchentlich 2x erfolgten Besuche beim Kinderarzt ergaben nach einiger Zeit die Diagnose: obstruktive Bronchitis und eben allerhand „Kleinkram“, der sich so dazu gesellt, wenn man eh schon angeschlagen ist. Das Thema „Kindergarten“ hatte sich also vorerst erledigt und wir standen vor ganz anderen Problemen, nämlich Nasentropfen, Augentropfen, Hustensaft und nachts Hustenstiller in ein Kind zu kriegen, das den Kopf rhythmisch hin und her wirft, mit Armen und Beinen rudert und den Mund zusammenpresst. Ihre koordinatorischen Leistungen in der Medikamentenverweigerung stellten uns Eltern vor logistische Herausforderungen und nicht selten benötigten wir die Hilfe der großen Schwester, wenn mal wieder einer der gefühlten 8 Arme unseres Okto-Babys ausgebüxt war und mit einem gezielten Schlag die Pipette mit den Nasentropfen entfernen wollte…

 

Woche 8: noch mal von vorne???

Wider Erwarten klappte der Einstieg in den Kitaalltag nach 2 kranken Wochen zu Hause erstaunlich gut! Wir begannen wieder mit 9 – 11.15 Uhr, inklusive Mittagessen und schon am zweiten Tag ging sie ohne Tränen in den Raum. Ganz ohne! Ich sagte: „Bis nachher, mein Schatz“, ging aus dem Raum und schloss die Tür. Stille. Ich blieb noch einen Moment ungläubig in der Garderobe stehen, bis ich sie miteinander spielen und lachen hörte. Mein Baby war da drin und es machte keinerlei Anstalten, mir hinterher zu weinen. Yesss!!!!

 

Am dritten Tag in Woche 8 wollten wir es endlich wagen: Mittagsschlaf in der Kita. Weil der lange Schlafanzug, den ich vor 8 Wochen mitgebracht und in ihr Fach gelegt hatte, inzwischen zu warm war, sollten wir einen kurzen mitbringen, den ich spontan einen Tag vorher extra dafür nähte. Der sollte ja etwas Besonderes sein. Die Verabschiedung klappte erneut ohne einen Mucks und wir verblieben so, dass die Erzieherin mich anrufen würde, wenn sie nach dem Schlafen wach wird. Zu Hause aßen wir ganz pünktlich Mittag und ich saß quasi auf meinem Telefon, jeder Zeit in Erwartung des Kita-Anrufs, der nicht kam. Als ich staunend wie verabredet um 2 in der Kita ankam, schlief sie noch immer und wurde just in dem Moment wach. Mein großes Mäuschen! Ich bin so stolz! Diese Woche also 9 – 14 Uhr und ab nächster Woche ist die Eingewöhnung offiziell vorbei und mein Mädchen ist ein ganz reguläres Kindergartenkind! Nach dem schweren Start habe ich nicht daran geglaubt, dass es irgendwann so funktionieren würde, wie jetzt. Wir haben es geschafft!

 

Wie war das bei euch und euren Kindern?

Völlig problemlos oder auch eine herzzerreißende Angelegenheit? Ich bin gespannt!

Advertisements

Autor: Mama 2.0

stoffverliebte 2fach-Mama, Berlinerin, iphoneaddict, Musikpädagogin. Liebt buntes Klebeband, geistige Herausforderungen und hat sich den Blick für das Schöne bewahrt. Happiness is not a destination, it is a way of life. Glas ist halbvoll und so, wa?

3 Kommentare zu „Beim Zweiten ist alles anders“

  1. Schön, dass ihr es doch noch geschafft habt. Wir hatten damals glaub ich keine 4 wochen. Lukas hat immer geweint, wenn ich gegangen bin, sich dann aber zum Glück sehr schnell beruhigen lassen. Nur wenn er krank wurde, hat es ihn doch sehr aus dem Rythmus gezogen…

    Gefällt mir

  2. Oh, das kommt mir bekannt vor. Ich habe bei unserer Großen 6 Wochen lang jeden Tag den kompletten Vormittag im Kindergarten verbracht. Sie war knapp 3 als sie da hin durfte und unser kleiner 4 Monate und musste natürlich jeden Tag mit. Sie fand den Kindergarten toll, aber nur, wenn ich in unmittelbarer Reichweite saß. Sie hat mich auch keine Sekunde aus den Augen gelassen und nur gespielt, wenn ich direkt neben ihr saß – mit Baby auf dem Arm natürlich zeitweise nicht wirklich ein Vergnügen. Die ersten Trennungen haben wir dann mehr oder weniger zwangsweise nach 2 Wochen probiert: ein Desaster, sie hat gebrüllt wie am Spieß und das so ausdauernd, dass ich jedes Mal nach wenigen Minuten von den Erzieherinnen zurück geholt wurde. Also jedes Mal: Kommando zurück und wieder da bleiben. Nach 6 Wochen habe ich dann beschlossen, dass es reicht: ich habe ihr eine Galgenfrist bis zu den nächsten Ferien eingeräumt und wollte sie erst mal wieder komplett rausnehmen und es einige Zeit später nochmal neu probieren.
    Die Erzieherinnen waren da irgendwie komplett entspannt und meinten immer: ein Kind braucht länger, andere kommen schneller zurecht, sie würden sich bei meiner Tochter keine Sorgen machen, die würde das schon schaffen. Kurz vor Ende meiner „Galgenfrist“ hat es plötzlich geklappt: ich durfte von jetzt auf gleich gehen und sie hat auch die komplette Zeit über nicht mehr nach mir verlangt! Am Anfang war ich auch sehr skeptisch, hab mich überwiegend um den KiGa rum aufgehalten (dort waren alle Läden des täglichen Bedarfs in umittelbarer Nachbarschaft) und hatte mein Handy ständig im Anschlag, aber ich wurde nie angerufen.
    Selbst nach unserem Umzug hat es im neuen Kindergarten nach einer Woche „Zwangseingewöhung“ (bei denen durfte man am ersten Tag nur 1 h bleiben, am zweiten Tag nur 2 h, usw. obwohl meine Tochter gerne länger geblieben wäre) reibungslos geklappt.
    Heute geht sie gerne hin, sie kann sich aber noch gut daran erinnern wie es ihr in der Anfangszeit gegangen ist und kümmert sich intensiv um „neue“ Kinder, die auch Trennungsschwierigkeiten haben. Sie erklärt diesen Kinder dann immer, dass es ja ein „Kindergarten“ und kein „Mamagarten“ sei und dass Mamas „immer, immer, immer wiederkommen!“ (das war mein Mantra, das ich ihr damals immer gesagt habe).
    Ich bin gespannt wie es beim Kleinen wird, der gerade jedes Mal beim Hinbringen Theater macht weil er wieder mit mir nach Hause muss… ob er wohl wenn er „muss“ genauso gerne dort bleiben möchte, oder ob dann auch die Probleme kommen? Man darf gespannt sein…

    Gefällt mir

    1. Oh, danke für deinen ausführlichen Kommentar! Ich finde sehr süß, dass sie sich jetzt um die „Neuankömmlinge“ so kümmert! Meiner Tochter hat auch geholfen, dass eine von den „Großen“ sie an die Hand genommen hat und mit ihr durch den Garten spaziert ist! Rückblickend hat es mich nur eines gelehrt: jedes Kind ist anders! Jetzt bin ich aber heilfroh, dass es inzwischen so problemlos klappt. Liebe Grüße und ich drücke die Daumen für die Zeit, wenn dein Kleiner dann in die Kita kommt!

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s