Komödie beim Kinderarzt

Foto 12.05.16, 09 47 56Donnerstag Vormittag, 09.45 Uhr, Wartezimmer der Kinderarztpraxis.

Mit einem lauten BUMMS betritt sie die Bühne. Ein Baby im MaxiCosi in der Ellenbogenbeuge und den 4-Jährigen an der Hand, der gerade einen Moment zuvor die Schwingtür der Praxis mit voller Wucht ins Gesicht bekommen hat. „Ich habe dir doch gesagt, dass du nicht in der Tür stehen bleiben sollst! Lukas braucht einen Kühlakku! Schnell!“ Während die Mutter mit ihren Taschen, dem brüllenden Lukas und seinem Kühlakku ins Wartezimmer kommt, trägt die Schwester den Autositz inklusive Baby hinterher, den sie draußen stehen gelassen hat.

„Halt mal deinen Kühlakku alleine an die Stirn, Luise hat ihre Mütze im Gesicht!“

Die geschockte Stille im Wartezimmer nach dem Schwingtürenunfall entspannt sich gerade wieder ein bisschen, als die Mutter die ca. 3 Monate alte Luise auf den Wartezimmerfußboden neben den Autositz legt. Sie tippt in ihrem Handy, während Lukas das Kühlkissen zwar noch nicht abgeben, aber auch nicht mehr kühlen will.

Ein 1-jähriges Mädchen sitzt auf einem Bobbycar und fährt immer vor und zurück. In einem unbeobachteten Moment fährt es der unten liegenden Luise beinahe über die Hand. Die Mutter ist entsetzt und stellt den MaxiCosi neben Luise, nicht, ohne zu kommentieren: „Tja, Luise, jetzt mussten wir eine Schutzmauer bauen, das gefällt dir gar nicht, denn du willst ja gucken!“ Vorwurfswoller Blick zum Vater der Einjährigen. Lukas hat inzwischen Gefallen an den restlichen Autos im Wartezimmer gefunden und fährt vor und zurück. Neben ihm eine 3-Jährige, auf einem großen Kuscheltiertiger reitend. Lukas fährt dem Tiger über die Pfote.

„Lukas! Steig sofort ab! Wenn du jetzt mit dem Tiger spielen willst, musst du erst das Auto wieder einräumen. Wie zu Hause. Immer erst aufräumen.“

Lukas schiebt das Auto in die „Garage“ zurück und hebt den Kuscheltiertiger hoch. Dabei schlackert dessen langer Schwanz unkontrolliert durch die Gegend und berührt die Einjährige am Arm.

„Lukas!! Sofort runter damit! Du bist der älteste hier! Man hält niemand anderem etwas ins Gesicht, schon gar nicht einem Kind, das jünger ist als du. Du möchtest das auch nicht im Gesicht haben, also machst du es auch nicht bei anderen!“

Lukas sagt, er möchte sich sich das Mercedes-Bobbycar aus dem Schrank holen. Vor dessen „Garage“ sitzt der Papa der Einjährigen auf dem Fußboden und stapelt Becher.

„Tja, Lukas, dann musst du zu dem Papa sagen:darf ich mal bitte durch?“

Bevor Lukas etwas sagen kann, macht der Papa sichtlich irritiert Platz. Beim Rausziehen des Bobbycars stößt Lukas an den Windeleimer, von dem der Deckel verrutscht.

„Lukas! Mach den Deckel wieder rauf!“

Lukas fasst den Deckel an und schiebt ihn einige Male hin und her.

„A-n-d-e-r-s-r-u-m! Oaaah, Mensch, Lukas!!!“

Mutter steht auf, geht geräuschvoll zum Eimer und setzt den Deckel richtig auf.

Während sie Luise wickelt, spielt Lukas seelenruhig „Zug“ mit einer bunten Motorikschleife.

„Na Lukas, wo fährt denn dein Zug hin?“

„Nach England, da ist es ganz eng.“

„Na so ein Quatsch! Stell mal das Spielzeug weg, du bist eh zu groß dafür.“

Lukas setzt sich auf das Mercedes-Bobbycar und fährt vor und zurück. Er fährt in die Nähe der becherstapelnden Einjährigen, aber ohne sie zu berühren.

Erste Ermahnung der Mutter. Vater des Becherkindes: „Alles gut!“

Lukas fährt erneut in die Nähe.

Zweite Ermahnung der Mutter. „Lukas, ich habe doch gesagt…(bla bla bla)“

Vater des Becherkindes wieder: „Nein, nein, alles gut!“

Beim dritten Annäherungsversuch dann:

„So, Lukas, jetzt räumst du das Auto aber weg! Ich habe dich gewarnt. So geht das nicht!

Vater: „Es ist wirklich alles ok! Nichts passiert!“

Mutter: „Das ist eine grundlegende Sache bei uns. Er testet gerne mal aus und provoziert absichtlich!“ Lukas popelt währenddessen gedankenverloren auf dem Mercedes.

Mutter: „Geht’s dir eigentlich gut oder ist dir schlecht?“

Lukas: „Mir ist schlecht.“

Stimme der Schwester von der Anmeldung: „Lukas? Zieh mal bitte deine Schuhe aus, wir wollen messen, wie groß du bist!“

Mutter: „Lukas! Deine Schuhe sollst du ausziehen. Na los!“

Lukas stellt sich an die Messlatte.

Schwester: „103cm, toll! Das war’s schon!“

Mutter: „Na das kann aber nicht sein. Zu Hause habe ich 1,05m gemessen! Messen Sie das noch mal richtig!“

Dann wurde Felicia aufgerufen, die apathisch auf meinem Schoß gesessen hatte und nicht Teil der Szene war, und wir konnten das Schauspiel verlassen…

 

Diese nervigen Eltern, die ihre Kinder ständig ermahnen, sie nie einfach nur spielen lassen können und bei denen man schon nach 2min zusammen im Wartezimmer sämtliche Vornamen ihrer Kinder mitsprechen kann, kennt ihr die auch…?

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Autor: Mama 2.0

stoffverliebte 2fach-Mama, Berlinerin, iphoneaddict, Musikpädagogin. Liebt buntes Klebeband, geistige Herausforderungen und hat sich den Blick für das Schöne bewahrt. Happiness is not a destination, it is a way of life. Glas ist halbvoll und so, wa?

2 Kommentare zu „Komödie beim Kinderarzt“

  1. ^^ zum Glück nicht so extrem, aber diese Woche in der Verkehrschule hatte ich ein paar ähnliche Großeltern, die haben aber über alle Kinder kommentiert. Der Junge tut mir schon leid :/

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