6 Monate Schulkind

Unglaubliche s-e-c-h-s Monate soll dein erster Schultag schon her sein, wie schnell rast die Zeit denn bitte?!
Du hast doch gerade erst Zuckertütenfest im Kindergarten gefeiert und jetzt wird schon bald die nächste Vorschulgruppe verabschiedet. Verrückt!

Wie auch schon beim letzten Bericht (3 Monate Schulkind) geschrieben: wir bereuen keine Sekunde, dich kurz vor deinem 6. Geburtstag schon eingeschult zu haben, obwohl die meisten deiner Klassenkameraden inzwischen schon 7 werden oder geworden sind. Du bist angekommen in deinem neuen Lebensabschnitt, hast dich an den Tagesablauf gewöhnt und bist auch nicht mehr soo maulig beim frühen Aufstehen. Ich wäre es zwar, 6.15 Uhr ist einfach noch nie meine Zeit gewesen, aber lasse mir nichts anmerken, damit du einen guten Start in den Tag hast und ihn mit guter Laune beginnst! Mit ganz kleinen Augen nutze ich die 20min zwischen Wecken und Aufstehen in der ansonsten stillen Wohnung für den „Brotbüchsenzauber“, wie es dein Papa nennt. Puzzleteilchen aus Toast, Gurkensterne und Melonenherzchen – das ist mein Yoga zum Wachwerden. Du würdest ganz normal geschIMG_9411nittene Gurken auch essen, das Alibi-Obst sowieso drin lassen und den Toast auch viereckig nehmen, aber weil ich weiß, dass du dich darüber freust und, weil ich dir zeigen möchte, dass du mir diese liebevollen Extraschnippeleien wert bist, mache ich das jeden Morgen. Manchmal stecke ich auch einen kleinen Liebesbrief oder „Kussbonbon“ mit rein und stelle mir vor, wie du ihn in der Frühstückspause findest und lächelst: Guten Appetit! Ich hab dich lieb, Mama ❤

Was eure Lehrerin uns letzten Sommer gesagt hat, habe ich nicht für möglich gehalten: im Dezember können die Kinder lesen. Du konntest tatsächlich im Dezember lesen – ganz langsam, aber richtig. Mittlerweile scannst du deine ganze Umgebung nach etwas Lesbarem ab und mit dem Lesen kommen auch die Fragen: was heißt eigentlich ULTRAHOCHERHITZT und HOMOGENISIERT?
Ähhh…

Du gehst – im Gegensatz zu mir damals – sehr gerne in den Schulhort und bist traurig, wenn du mal nicht bis 16 Uhr bleiben darfst. Ihr macht dort tolle Sachen: basteln, backen, stempeln, experimentieren und 1x im Monat steigt eine große Mottoparty. Das letzte Motto war Weltraum. Du hast dich akribisch darauf vorbereitet, aus unserem riesigen Konzertkostümfundus den Astronautenanzug mit Helm rausgesucht und wir haben zusammen einen Ufokuchen gebacken. Am Morgen der Party dann: Fieber. Das tat mir in der Seele weh! (Aber deine coole Horterzieherin hat gesagt, dass ihr bald in die Sternwarte geht und du dein Kostüm dann gerne anziehen darfst ^^).

Deine Lieblingsfächer sind nach wie vor Sport und Lebenskunde, aber auch Kunst gefällt dir sehr! Ich bewundere dein kreatives Potential und, wie du deine Ideen einbringst! Als ihr den Struwwelpeter gemalt habt, habt ihr seine Haare und Fingernägel aus schwarzen Papierstreifen gerissen und aufgeklebt. Du hattest zusätzlich die Idee, den nassen Pinsel mit schwarzer Farbe auf die gemalten Klamotten tropfen zu lassen, damit sie dreckig aussehen. Das fand deine Lehrerin nicht so gut, aber ich finde das großartig! Auch zu Hause produzierst du ein tolles Bild nach dem anderen. Was die Malkünste angeht, hast du mich längst überholt! Weiter so! Seitdem du in der Schule Buchstaben lernst, bastelst du dir regelmäßig Bücher, denn du machst nichts lieber als Dinge zu sortieren und zu archivieren, meine kleine Forscherin! Auch Einkaufszettel schreibst du mittlerweile am liebsten selber.

 

Obwohl du in deiner Freizeit sehr gerne Musik machst und eine der besten in deiner Akkordeongruppe bist, magst du das Fach „Musik“ in der Schule nicht so. Als ich fragte, weshalb, erklärtest du mir: „Weil wir da überhaupt nicht Musik MACHEN, Mama! Die Lehrerin macht immer einfach ein Lied an und wir sollen mitsingen. Ohne Instrumente! Das macht mir keinen Spaß.“ 
Das kann ich so gut verstehen, mein Schatz!

Dein erstes Halbjahreszeugnis hast du Ende Januar bekommen und warst mächtig stolz (nicht nur du!). In meinem eigenen Zeugnis der ersten Klasse war neben viel Lob für sprachlich-musische Fähigkeiten auch zu lesen: „Addition und Subtraktion im Zahlenbereich bis 20 bereiten ihr zuweilen noch Probleme.“
Dir nicht! Du bist schon mehrfach „Rechenkönigin“ geworden und hast kleine Tests mit „O F.“ bestanden. Zehner und Einer, Vorgänger und Nachfolger – you rock!

 

Geltende Währung zur Bestimmung des Coolness-Faktors und des Reifegrades in der ersten Klasse sind übrigens Wackelzähne! Da wird geklatscht und getrascht, geholfen, beratschlagt, es werden Wackel-Tipps gegeben und Erfahrungen geteilt: im Club der fehlenden Zähne. Die beiden unteren Schneidezähne bist du schon im Herbst losgeworden. Nachdem einer der oberen so bedrohliche Winkel eingenommen hat, dass einem vom Zugucken schlecht geworden ist, hat er nach vielen wackligen Wochen vor ein paar Tagen endlich aufgegeben. Hooray! Letztes Wochenende hat sich der zweite angeschlossen. Und nun fehlt dir ein Erkennungsmerkmal! Dein Babylachen mit den zwei großen, ein bisschen auseinanderstehenden Schneidezähnen, dieses freche, verschmitzte Nono-Grinsen – weg! Wuaah! DU bist stolz wie Bolle, schließlich hast du jetzt ein Riesenloch für den Strohhalm, und singst „Zahnlose Minka, Auto ohne Blinker“. ICH allerdings muss mich erst noch langsam daran gewöhnen, dass mein „großes Baby“ mit den langen Beinen nun nicht mehr nur keines mehr ist, sondern auch nicht mehr wie eines aussieht. Auch nicht ein klitzekleines bisschen…

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Im April findet der Rezitatorenwettbewerb eurer Schule statt, für den du dich freiwillig gemeldet hast. Als ich staunte, meintest du nur trocken: „Wenn es irgendwo gilt, mutig zu sein und sich etwas zu trauen, bin ich dabei! Das kann ich gut!“. Und weil wir online kein passendes Gedicht gefunden haben, habe ich dir kurzerhand ein schönes von den Tieren in der Tierschule geschrieben; vom Elefanten, der nicht so gut springen kann wie der Frosch und der Katze, die beim Schwimmunterricht blubbert und untergeht. „Kopf hoch“, sagt der Lehrer dann, „weil man nicht alles können kann. Seid verschieden, habt nur Mut: jeder kann was and’res gut!“. Keine 24 Stunden später konntest du alle 6 (!) Strophen auswendig. Hut ab!

Seit etwa 4 Monaten Foto 20.03.16, 21 44 30gehen wir morgens täglich zu Fuß zur Schule. Du bewegst dich gerne und sagst selbst, du bist „frischer“ im Kopf, als wenn wir fahren, und ich muss mit dem Auto nicht vor der Schule um einen Parkplatz drängeln und genieße die exklusive Zeit mit dir, meinem großen Mädchen. Unterwegs untersuchst du gefrorene Pfützen, Regenwürmer und Schuhabdrücke und erklärst mir mit deinem wichtigen Blick, welche Frühblüher auf dem Weg du in der Schule schon kennengelernt hast.

Du warst inzwischen schon auf gefühlte 20 Kindergeburtstage eingeladen, hast viele neue Freundinnen gefunden und mir gestern mit verschmitztem Grinsen erzählt, dass du VERLIEBT bist. Aber nicht nur in einen Jungen, sondern gleich in 3. Naja, viel hilft viel!

Seit du in der Schule bist haben wir ein fettes Minus auf dem Konto der Kleber, Bleistifte, Lineale, Anspitzer und Radiergummis. Ich weiß nicht, wohin die alle verschwinden oder wo in deiner Schulmappe sich das schwarze Loch befindet, aber du kratzt dir jedenfalls nur ratlos am Kopf und „weißt auch nicht“. Überhaupt weißt du Vieles nicht mehr, z.B., was es am selben Tag zum Mittagessen gegeben hat. Aber die temporäre Amnesie kenne ich ja schon aus Kita-Zeiten. Foto 20.03.16, 21 47 36

So schön es in der Schule ist – eine Situation, in der mein Mamaherz geblutet hat, gab es schon. Du erzähltest eines Tages am Wochenende unter Tränen, dass Mitschülerinnen dich gezwungen hätten, schneller zu essen und sogar, dein Essen wegzuschmeißen, obwohl du noch nicht satt warst. Sie wollten als Erste fertig sein und wieder auf den Hof gehen und das dürfen sie nur, wenn der ganze Tisch aufgegessen hat. Ich weiß, dass ich dich nicht dein Leben lang vor allem beschützen kann und dass du lernen musst, dich durchzusetzen und deine Meinung zu sagen. Aber in diesem Fall habe ich dir versprochen die Erzieherin zu bitten, beim Mittagessen ein Auge auf die Mädels zu haben. Seitdem gab es keine Probleme mehr. Ich wünsche mir, dass du auch in Zukunft mit deinen kleinen und großen Sorgen zu mir kommst und wir gemeinsam eine Lösung finden!

Mit Beginn der Schulzeit müssen ja vor allem die Eltern lernen, loszulassen. Wo man ein paar Monate vorher noch mitreingegangen ist, 3 Worte mit der Erzieherin gewechselt und das Kind in liebevolle Hände „übergeben“ hat, steht man heute nur noch am Schultor und winkt. Die meisten Kinder gehen von dort alleine über den großen Hof bis zu ihren jeweiligen Gebäuden. Wenn wir nicht gerade einer Klassenkameradin begegnen, mit der du zusammen reingehen kannst, möchtest du lieber, dass ich dich noch begleite bis zum Haus. Das mache ich sehr gerne, solange du mich lässt, und kann so Schritt für Schritt lernen, wie es ist, einem Kind Flügel zu schenken und es in die Selbstständigkeit zu entlassen… Bleib wie du bist! Ich bin stolz auf dich, mein großes Mädchen!

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Autor: Mama 2.0

stoffverliebte 2fach-Mama, Berlinerin, iphoneaddict, Musikpädagogin. Liebt buntes Klebeband, geistige Herausforderungen und hat sich den Blick für das Schöne bewahrt. Happiness is not a destination, it is a way of life. Glas ist halbvoll und so, wa?

3 Kommentare zu „6 Monate Schulkind“

  1. Ja ja, das loslassen… 🙂 Fällt einigen Eltern hier auch schwer – vor allem denen, die ihre Kinder am liebsten mit dem Auto bis ins Klassenzimmer fahren würden und dabei unsere Einfahrt zuparken.
    Zoe ist das letzte Jahr zum Kindergarten oft genug alleine mit dem Fahrrad gefahren. Ein guter Kilometer ist hier auf dem Land natürlich was anderes als in der Stadt, aber trotzdem: Ein bisschen mehr loslassen würde einigen Kindern gut tun. Ab der 5. Klasse müssen sie auch Bus fahren (oder trägt Mama den lieben Kleinen dann noch zur Abi-Klausur, packt ihm die Federmappe aus und gibt ihm ein Abschiedsküsschen?).

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    1. Ich denke, mit dem Alter des Kindes ändert sich auch die Selbstständigkeit. Aber wenn man die als Mama zum ersten Mal erfährt und deutlich merkt, wie sein „Baby“ groß wird, ist das eben ein einschneidender Moment und etwas, woran sich beide Seiten erst gewöhnen müssen.

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      1. Klar, die erste Klasse ist etwas anderes als die Vierte oder noch später. In der Stadt sieht die Sache nochmal ganz anders aus als hier auf dem Land mit einer wirklichen Hauptstraße im ganzen Ort 🙂

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