9 Monate kleines F

Mein liebes Baby,

ich muss noch ein letztes Mal diese Anrede benutzen, auch wenn du mit 8kg und ca. 78cm schon ziemlich „handfest“ aussiehst und kaum noch etwas an das winzige Neugeborene von vor 9 Monaten erinnert. Beim nächsten Brief in 3 Monaten wirst du nämlich schon 1 Jahr alt (!) und dann ist das mit dem Baby ja wohl endgültig passé…

In den vergangenen 3 Monaten hat sich einiges getan: man merkt jetzt deutlich dein Interesse an der Welt. Du hast bereits ein Lieblingsbuch („Mein erstes Buch von den Tieren“), das du immer beim Essen „liest“. Die dicken Papp-Seiten waren z.T. schon verklebt und haben ziemlich gelitten, aber das ist dir egal. Auf die Schieber stehst du total. Wann immer man fragt „Wo ist der Löwe?“ steckst du deinen kleinen Zeigerfinger in das Loch und ziehst den Schieber vor. DA ist der Löwe!
Auch frisst du jetzt nicht mehr die Seiten an und weichst die Pappe auf, bis die Farbe abgeht, sondern du benutzt Bücher tatsächlich so, wie ursprünglich vorgesehen. Jedenfalls meistens. Bye bye, orale Phase!


Dein liebstes Spielzeug ist momentan die große Feuchttücherbox neben dem Wickeltisch (auf den du kaum noch rauf passt übrigens). Wenn du die Box zu fassen kriegst, ziehst du sie zu dir ran, trommelst darauf rum und freust dich über diese fette Beute. Ich bin ganz froh, dass du die Taste zum Öffnen noch nicht entdeckt hast, aber lange wird wohl auch das nicht mehr dauern.
[Ich muss wohl nicht extra erwähnen, was sie – als könnte sie lesen, was ich gerade schreibe – just in diesem Moment hinter mir macht im Laufgitter? Es klingt jedenfalls so: rupf, hihi, rupf, hihi, rupf, …]

Apropos trommeln: Musik hast du vermutlich im Blut, genau wie deine große Schwester. Wenn ich Kinderlieder anmache aus der musikalischen Früherziehung, wippst du rhythmisch auf und ab, drehst deinen Kopf wild hin und her, lächelst und fängst an zu klatschen mit deinen kleinen Händchen.
Das. Ist. So. Süß!!
Wenn ich dich mal zum Unterricht mitnehmen muss oder du bei einer Probe dabei bist, hörst du aufmerksam zu, solange wir spielen. Wenn ich dann allerdings den Schülern etwas erkläre, äußerst du lautstark, wie unwichtig du dieses theoretische Gelaber findest und erklärst mit ausdrucksstarker Mimik und Gestik, dass wir endlich weiterspielen sollen. Überhaupt ist deine Gestik wahnsinnig ausdrucksstark. Ich kann mich nicht erinnern, dass Fiona das ähnlich ausgeprägt hatte. Zum Beispiel streckst du deine Händchen aus, machst mit den Fingern immer wieder eine Faust, drehst sie dabei leicht und öffnest sie wieder, wenn du etwas haben oder mitteilen möchtest.
Winken, Klatschen und energisches Kopfschütteln („Neeee“) sind deine neusten Features, die du bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu perfektionieren versuchst.

Wenn du staunst, formst du mit deinen Mini-Lippen einen Kreis und sagst immer wieder zärtlich „Oooooohhhh!“. Staunen kann man übrigens über einen leeren Karton genauso wie über blinkendes Plastikspielzeug. Oooohh, ooohhh!
Zu deinem Vokabular zählen außerdem MAMAMAM und BABABA, sowie lautes Lachen aus vollster Kehle, so dass man sich dabei selbst kaum halten kann, so ansteckend!

Wenn deine Cousine Charlotte zu Besuch ist, könnt ihr euch jetzt schon richtig unterhalten!
„Agraa“ – „Mamam!“ – „Rrrguu“ – „Babbooee“ – „Chrrr“. Sie ist 3 Monate jünger als du und von Mal zu Mal merkt man, wie sich der anfangs noch riesige Unterschied langsam „verwächst“. Ihr interessiert euch für das gleiche Spielzeug, ihr tragt die gleiche Kleidergröße und einer Cousine kann man ganz wunderbar ein bisschen an den Haaren ziehen, vor allem, wenn sie davon mehr hat als man selbst! Es ist toll, euch beiden beim Wachsen zuzusehen!

Seit etwa 4 Wochen bist du mittendrin in der Fremdelphase, das heißt konkret: MAMA!
Solange du auf meinem Arm aus sicherer Entfernung andere Leute angucken kannst, lächelst du sogar. Aber wehe, wenn ich auf die Idee komme, auf „Kann ich sie mal nehmen?“ mit „Ja“ zu antworten. Dann brüllst du auf dem fremden Arm von 0 auf 100 so, als würde man dir Arme und Beine ausreißen. Nehme ich dich wieder, bist du schlagartig ruhig und grinst. Nun ja…

Die Nachmittage verbringst du – zusammen mit deiner Schwester – immer für 2 Stunden bei meiner Mama. Das klappt super und durch den täglichen Kontakt fremdelst du bei ihr nicht. Im großen Kinderwagen, liebevoll dein Wohnmobil genannt, kannst du entspannen, spielen, schlafen und fühlst dich wie zu Hause. Ihr verbringt jeden Tag eine harmonische Zeit miteinander, bis zu dem Zeitpunkt, an dem du mich kommen siehst. Denn dann muss man seinem Unmut weinend Ausdruck verleihen.

Du bist in jeder Hinsicht ein „extremes“ Baby, so lala gibt es bei dir nicht. Entweder bist du sehr freundlich, lachst, flirtest und quietschst vor Freude oder aber du bist extrem genervt und tust das auch sehr deutlich kund. Ich bin jedes Mal überrascht von dem erstaunlichen Repertoire an Gesichtsausdrücken, über die du schon verfügst! Am besten präsentieren kannst du sie übrigens beim Mittagessen: bei Kartoffeln mit Hackfleisch oder Nudeln Bolognese kann es gar nicht schnell genug gehen und du lachst wie eine Hyäne, immer wenn du einen Bissen im Mund hast, und bei Rahmspinat ziehst du die angeekelt-Palette aus dem Ärmel. Börgs!
Was du besonders gut kannst, ist, Bananenstückchen, Gurkenscheiben oder auch Spielzeuge in nicht dafür vorgesehene Öffnungen zu stecken. Wenn du fertig gelesen hast, drehst und wendest du zum Beispiel dein Buch so lange, bis es tatsächlich in die kleine Lücke zwischen deinem Stuhl und der Wand passt. Bumms, weg. Außerdem interessierst du dich brennend für Physik und die Phänomene des Alltags: wie lange braucht die Schüssel, bis sie unten angekommen ist? Was macht sie für ein Geräusch? Klingt sie genauso, wenn sie links vom Stuhl fällt oder rechts? Klebt Marmeladentoast, wenn man es auf Mamas Kopf fallen lässt, während die gerade unter dem Tisch Essensreste aufsammelt? Macht ein beherzter Griff in die offene Butter die Haut weicher? Und wohin fliegt eigentlich Brei, wenn man ihn mit Schwung vom Löffel katapultiert? ….

Gestillt wirst du immer noch, aber eigentlich nur über den Tag verteilt ein Mal und dann abends zum Einschlafen bzw. nachts. Ich bezweifle, dass es da noch um Nahrungsaufnahme geht. Viel mehr ist es das Bedürfnis nach Nähe und Nuckeln und da du weder Däumchen noch Schnuller nimmst, funktioniert das Einschlafen nicht anders. Es ist ja nicht so, dass wir keine Nuckel hätten! Alle erdenklichen Farben, Formen und Modelle hast du zur Auswahl. Du steckst ihn dir beim Spielen in den Mund, gerne auch falschrum, nur um ihn danach mit angeekeltem Gesichtsausdruck wieder rauszuziehen. Ich glaube, das haben sich die Hersteller irgendwie anders gedacht, Baby! Ich für meinen Teil genieße diese ruhigen, innigen Momente noch, weil ich weiß, dass wir uns nie wieder so eng verbunden fühlen werden wie jetzt beim Stillen.

Wenn du, wie gerade diesen Moment, mit einer leeren Schultüte von Fiona spielst und ich sehe, wie du auf der Spitze kaust, sage ich laut „Nein!“ und nehme sie von deinem Mund weg. Darüber ärgerst du dich so, dass du im Laufgitter randalierst wie Godzilla! Du probierst es immer wieder, das machst du bestimmt nur, weil ich weiter oben geschrieben habe „bye bye, orale Phase“. Man, Murphy!

Ich werde oft gefragt, ob es unter den Geschwistern schon Konkurrenz gibt.
Momentan ist es, wie schon von Anfang an, noch die ganz große Liebe von beiden Seiten. Niemanden guckst du so verliebt und glücklich an, wie deine große Schwester. Und von ihr bekommst du jeden Nachmittag, wenn wir sie von der Schule abholen, als Erstes einen Kuss. Sie liebt dich abgöttisch und ich laufe fast über vor Glück, wenn ich euch zusammen kuscheln sehe.

Was das Krabbeln angeht, machst du keinerlei Anstalten. Es ist genau wie vor 5 Jahren. Fiona ist irgendwann einfach aufgestanden und losgelaufen mit dem rosanen Puppenwagen. Ich vermute, bei dir wird es ähnlich ablaufen (haha). Wenn du in Bauchlage auf dem Teppich liegst, schiebst du dich rückwärts und legst so schon ganz schöne Strecken zurück. Besonders motivierend wirken kleine Lego- oder Playmobilteile, die du wie ein Adler aus einiger Entfernung schon anvisierst und als Ziel ins Auge fasst. Aber wenn ich dir auf alle Viere helfen will, guckst du mich an, als wäre ich von einem anderen Stern, lässt dich wieder in Bauchlage fallen und ignorierst deine außerirdische Mutter. Aber Krabbler waren wir ja alle keine, das ist wohl irgendwie genetisch bedingt.

Als ich deinen 6-Monatsbrief geschrieben habe, war gerade das erste Zähnchen unten rechts durchgekommen. Danach hattest du eine ganze Weile nur unten 2 lange Kuchenzähne, die bei jedem Lächeln dafür sorgten, dass man dich sofort knutschen wollte, weil es so niedlich aussah. Vor ein paar Tagen haben sich zu den Hasenzähnchen noch 2 gigantische obere Schneidezähne gleichzeitig dazugesellt! Die Spitzen, die rausgucken, sehen aus, als wären sie viiiel zu groß für deinen kleinen Mund und haben ganz schöne Zahnschmerzen gemacht! Und fotoscheu sind sie außerdem.

Im August warst du zum ersten Mal krank mit 39 Fieber. Ich gab dir alle paar Stunden Zäpfchen und Fiebersaft abwechselnd und leidete ganz schrecklich mit, weil es dir nicht gut ging und du quengelig und insgesamt ganz schön reduziert warst. Nach ein paar Tagen Fieber kamen dann plötzlich rote Punkte überall und damit stand die Diagnose fest: das 3-Tage-Fieber. Bei Fiona lief das damals nicht so „glimpflich“ ab, denn die hatte sehr hohes Fieber (40 und mehr) und sogar Fieberkrämpfe. Da macht man ganz schön was mit…

Deine Augen sind inzwischen eindeutig nicht mehr blau, wie es im Reisepass steht, sondern dunkelgrün. Deine blonden Haare wachsen nun auch sichtbar und du hast sehr große Ähnlichkeit mit deiner Schwester, sagen alle. Wenn du friedlich schlummerst und ich deine süße Schlafschnute sehe, könnte ich dir stundenlang dabei zugucken!
Und manchmal sehe ich dich an und staune einfach nur über diesen kleinen eigenständigen Menschen, der da im Laufgitter sitzt und randaliert, und der vor gut 9 Monaten noch in meinem Bauch gestrampelt hat. Ein Wunder eben…

Du machst uns vollständig, Felicia.
Ich liebe dich,
deine Mama

 
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Autor: Mama 2.0

stoffverliebte 2fach-Mama, Berlinerin, iphoneaddict, Musikpädagogin. Liebt buntes Klebeband, geistige Herausforderungen und hat sich den Blick für das Schöne bewahrt. Happiness is not a destination, it is a way of life. Glas ist halbvoll und so, wa?

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