3 Monate kleines F

Hallo mein Schatz,

heute wirst du 3 Monate alt. DREI! Es ist so unwirklich, wenn ich jetzt mein Schwangerschaftstagebuch durchblättere. Da kannte ich dich noch nicht. Nur von schemenhaften schwarz-weiß-oder-sepia-Bildern, die nicht mal im Ansatz abbilden konnten, wie schön du tatsächlich bist.
12 Wochen bist du nun schon bei uns. Mittlerweile kann ich mir das Leben ohne dich gar nicht mehr vorstellen. Es ist, als wäre es schon immer so gewesen und als könnte es auch gar nicht anders sein. Du bist ein Teil unserer Familie, das Puzzleteil, das gefehlt hat, ohne dass wir wussten, dass überhaupt eines fehlt…
Immer dienstags gehen wir seit 3 Wochen zur Rückbildungsgymnastik in die Hebammenpraxis. Du guckst erst seelenruhig zu, wie Mama den „Zappelkäfer“ und „die nasse Katze“ gibt und wenn du dann die Faxen dicke hast, äußerst du deine Absichten lautstark und unverkennbar.
Langsam kann ich schon fast ein „Vokabelheft“ anlegen: „Meng!“ (vom Sound her wie ein Motorrad beim Gasgeben) ist akuter Hunger, der nur noch durch „EYYA!!!“ gesteigert werden kann. Bei Eyya brennt aber schon die Hölle, meistens lassen wir es gar nicht erst so weit kommen. Nörgelnde Hungervorstufe ist „Ngi“, oft mit langgezogenem, tonal abfallendem iiii. Steht deiner sich schon artikulieren könnenden großen Schwester im Quengeltonfall übrigens in nichts nach! Du lernst schnell.
Wenn du zufrieden vor dich hin brabbelst, hört man „ach“, „ogrrr“ und „errö“ aus der Wiege. Wenn du mich „rufst“, also dein Erzählen aus dem Bettchen zu einem klagenden „hyyääää“ oder „naijaaaai“ umschwingt, komme ich und sage: „Sie haben geläutet?“. Dann lachst du mit dem schönsten zahnlosen Lächeln, das die Welt je gesehen hat. Gurgeln kannst du auch schon! Ist als Effekt beim Rufen besonders beeindruckend und verleiht dem Gesagten speziellen Nachdruck: „rrrrrrrrrrrraaaai!!“.

Vom „dicken Mütterchen“, wie ich in den letzten Wochen der Schwangerschaft von meiner eigenen Mutter liebevoll genannt wurde, bin ich inzwischen zu der „Frau mit den Brüsten“ geworden. Wenn du die siehst, strahlst du nämlich (Naja, oder „Meng!“, je nach dem…).

„Kleines F“ mit O-Ball

So langsam scheinst du zu ahnen, wozu die komischen Dinger am Ende deiner Arme zu gebrauchen sind. Deine Bewegungen sind schon viel koordinierter als am Anfang, obwohl es, wenn du sehr konzentriert bist, manchmal noch so hölzern aussieht, als ob jemand gerade lernen würde, eine Marionette zu bedienen. Insgesamt bist du sehr aktiv mit Händen und Füßen, mehr als es deine Schwester gewesen ist. Wenn du unter deinem Spielbogen liegst, arbeitest du so intensiv mit Glocke und O-Ball, als würde etwas sehr Wichtiges davon abhängen. Und dann kommt immer die Frau mit den Brüsten und sagt: „Fein! Hast du geklingelt, mein Schatz?“. Sie scheint ein bisschen schwer von Begriff. Das wird in den kommenden Monaten wohl noch öfter vorkommen (Hast du gerade MAMA gesagt?…Ja, Mensch, hör doch hin!)

Von Schlafen hältst du nicht so viel, wird völlig überbewertet. Solange es hell ist, wird geguckt und erzählt. Über dir am Wickeltisch hängt das kleine IKEA-Mobile mit Schaf, Gans und Katze, die auf dich runter schauen. Denen erzählst du morgens immer erstmal ausführlich von deiner Nacht, während Mama sich untenrum zu schaffen macht, Füße knutscht, Tiergeräusche nachahmt und Pups-Küsse auf den Bauchi drückt. Mütter sind sooo albern, ey.
Die berühmte Frage nach dem Durchschlafen wurde mir in der Kita erstmalig gestellt, als du 2 Wochen (!) alt warst. Haha. Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben (oh, wie passend!), aber seit ein paar Tagen schläfst du nachts auch mal 5-6 Stunden am Stück und ich fühle mich dann wie neugeboren. Die Augenringe werden langsam kleiner und so nach und nach komme ich auch wieder mit den Wochentagen hinterher. Das Bewusstsein dafür war bis vor einer Weile noch völlig abgeschaltet. Wenn das Großkind zu Hause war und Sendung mit der Maus guckte, musste es wohl Sonntag sein…

Deinen Schneeanzug konnten wir inzwischen schon beiseite legen und die fellige Ohrenmütze auch – zu klein! Hallo, Größe 62! Apropos – Mütze aufsetzen sucks! Obwohl du gerne rausgehst und dir gut eingepackt die kühle Märzluft um die winzige Nase wehen lässt, findest du Mützen ziemlich daneben, scheint mir. Die, die du jetzt aufhast, hat uns meine Mama zur Babyparty letzten Sommer geschenkt: weiß mit Schleifchen. Unwissend, dass das Schleifchen auf die Seite gehört, setzte ich es dir mittig auf. Das hat dir den Spitznamen „der kleine Koch“ verschafft. In Unterhaltungen beispielsweise: 
„Na, was geht?“ – „Alles gut. Der kleine Koch hat die Augen zu.“

Eine wichtige Grundvoraussetzung für das Zusammenleben mit einer großen Schwester hast du auch schon gelernt. Verhaltensregel Nummer 1, um Geschwisterkrieg anzuzetteln:
Zunge rausstrecken!

Baden findest du in 4 von 5 Fällen übrigens absolut daneben. Trotz lachendem Smiley auf dem Thermometer ist dir die Wanne irgendwie suspekt. Während ich anfange zu schwitzen beim Absolvieren des Schnellwaschganges, meckerst du in einer Tour und vermeldest lautstark dein Missfallen. Frage mich manchmal, ob die gut 9 Monate Bauch für dich eigentlich angenehm gewesen sind oder ob du auch da schon gedacht hast, wann sie das Wasser endlich ablassen…

Den Daumen hast du bisher noch nicht entdeckt, steckst dafür lieber die ganze Hand in den Mund und wunderst dich dann, dass „errö“ irgendwie komisch klingt. Du sabberst so viel, dass ich mich ernsthaft frage, ob da schon Zähnchen einschießen und die „Felge“ juckt. Hope not! Ein bisschen wollte die „Frau mit den Brüsten“ selbige gerne noch zur Nahrungsaufnahme für dich benutzen.

Du siehst deiner großen Schwester unglaublich ähnlich, nicht nur auf den Babyfotos, sondern auch jetzt wurde ich schon mehrfach darauf angesprochen.
Ihr beiden seid das Beste, was mir je passieren konnte. Schön, dass es euch gibt!

„After all, a child is the only one who knows 
what your heart sounds like from the inside.“
(Verfasser unbekannt) 
Advertisements

Autor: Mama 2.0

stoffverliebte 2fach-Mama, Berlinerin, iphoneaddict, Musikpädagogin. Liebt buntes Klebeband, geistige Herausforderungen und hat sich den Blick für das Schöne bewahrt. Happiness is not a destination, it is a way of life. Glas ist halbvoll und so, wa?

4 Kommentare zu „3 Monate kleines F“

  1. Hahaha…wie Jojo….tagsüber putzmunter, höchstens mal so einen Halbstundenschlummer, gucken gucken gucken, vor sich hin brabbeln und einen ausgiebigen Bewegungsdrang…..und die Sache mit dem Wasser hat weit bis ins Schulalter gereicht (heute ein ausgezeichneter Schwimmer!)
    P.S. Anne das ganze Gegenteil! 😉

    Gefällt mir

  2. Liebe Frau mit den Brüsten
    Was für ein wunderschöner Bericht <333 !
    Ich bin selber kein soooo grosser Fan von Blogposts mit „Ach jetzt kann sie/er das und dann war da das und hier der Pickel und dort die klebrige Kotze“ etc. Naja, ich garantiere nicht, dass ich es nicht selber schreibe, aber bei anderen lese ich es eben nicht so gerne. Deinen Bericht aber habe ich verschlungen. Wie Du die Sprache vom kleinen F (super Pseudo!) beobachtest und festhältst, ist für mich als Gemanistin einfach total faszinierend. Copperfield ist ja schon fast 1, aber ich höre nur „enggé“ und neu „enjá“. Dass Du die Sprache so differenzieren kannst, zeigt für mich, wie sehr Du Dich mit Deinem Kind beschäftigst. Man spürt die Liebe auch als Aussenstehende quasi in jeder Silbe. Das finde ich sooo toll. Ich habe da wohl bereits etwas verpasst bei Copperfield – oder habe ich es bereits wieder vergessen? Seufz. ;-). Aber: Es klingt einfach herrlich, wie Du den kleinen Koch und ihr Vokabular beschreibst, habe ich so noch nicht gelesen und gehört. Da geht die Sonne auf <3
    Ich drücke Euch aus der Ferne und zähle die Tage bis Legoland!
    LG
    Séverine

    Gefällt mir

  3. All die Liebe! Man liest aus jeder Zeile wie sehr sich das „kleine F“ in Dein Herz gestohlen hat und das ist wunderschön. Danke für's Teilen dieser kleinen Momente. <3

    Bei uns sind's nächste Woche schon sechs Monate. Unglaublich wie die Zeit rennt, oder? Baden ist bei uns auch Höchststrafe und „Örööö“ scheint ein universeller Baby-Code zu sein. Ich wundere mich oft, ob die Halblinge sich untereinander wohl verstehen. Gar in einer Universalsprache kommunizieren. Das würde zumindest das ein oder andere erklären. 😉

    Habt's weiterhin so fein!
    Liebe Grüße
    Gretchen

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s