Schwanger – der achte Monat

Der achte Monat, Woche 29 – 32

„Vor 5 Jahren um die Zeit war ich mit Fiona schon in der „heißen Phase“ und habe mögliche Geburtstermine aufgeschrieben, die mir gefielen. Komische Vorstellung. Heute ist tatsächlich die allerletzte Stunde musikalische Früherziehung. Zum Glück! Ich liebe meine Kleinen ja wirklich sehr, aber ich kann echt nicht mehr. Gehen, Stehen, Sitzen, Liegen – immer tut irgendwo etwas weh! Beim Laufen zieht es von den Oberschenkelinnenseiten bis zur Körpermitte, wie Muskelkater. Das soll wohl die sogenannte Symphyse sein [Schambeinfuge: kurz gesagt, ein Teil aus Faserknorpel, das die linke und rechte Beckenhälfte miteinander verbindet]. Ein Körperteil, von dem ich bis dato nicht wusste, dass ich es habe…“

Zu Beginn der 29. Schwangerschaftswoche stand das zweite Mal Baby-TV in Walsleben auf dem Programm. Keine medizinische Untersuchung, sondern wirklich nur reines Babygucken in 3D zum Spaß und für schöne Erinnerungen. Die Sitzung ist zwar nicht ganz billig, aber absolut ihr Geld wert. Wie oft habe ich nach der ersten Entbindung die 3D-Bilder von Fiona noch mal rausgekramt und an die Zeit gedacht, als sie noch im Bauch gewesen ist. Das funktioniert mit den „echten“ Fotos einfach besser als mit den schwarz-weißen Ratebildern. Den Termin hatte ich schon vor Monaten ausgemacht und freute mich wahnsinnig auf die halbe Stunde Kinofilm live aus dem Bauch. Vermessen wurde natürlich auch: 37cm lang und in völlig querer und „zusammengeklappter“ Lage mit Kopf rechts, Knie (!) rechts und Po links. Ein vernünftiges Gesichtsbild erwies sich anfangs als ganz schön schwierig, denn so eine Plazenta scheint ein angenehmes Kopfkissen zu sein. Die kleine Lady war wie immer ganz ruhig und hat hauptsächlich geschlafen. Ob das noch so ist, wenn sie auf der Welt ist? Auf jeden Fall war es unglaublich faszinierend, so ein richtiges Baby auf der Leinwand zu sehen. Klar, „fertig“ ist sie noch lange nicht, aber die Proportionen sehen einem Neugeborenen doch schon sehr ähnlich. Ich bin verliebt!

„Hallo meine Schnecke, vorgestern haben wir schon den 5. Geburtstag deiner großen Schwester gefeiert! Den Käsekuchen zum Frühstück habe ich nicht so gut vertragen und du hast geboxt und getreten wie wild. Hat dir nicht geschmeckt?! Momentan tut mir echt alles weh und ich kann kaum richtig laufen. Hoffentlich bleibt das nicht bis Dezember so! Und die Hormone spielen scheinbar auch verrückt. Muss manchmal einfach grundlos weinen und habe keine Ahnung wieso! Das ist vielleicht ein blödes Gefühl. Und wenn ich dann vielleicht noch gefragt werde, warum ich schlechte Laune habe, macht es alles nur noch schlimmer. Denn ICH HABE JA KEINE SCHLECHTE LAUNE. Schiebe ab sofort alles auf dich. DU hast vielleicht schlechte Laune, aber ICH doch nicht 😉 Heute war ich bei der Ärztin, zum ersten Mal CTG seit 5 Jahren. Erstaunlich, was man alles vergisst! Ich erinnerte mich vorher nur noch dunkel daran, dass man 30-45 min auf dem Rücken liegt und kleine Schallköpfe mit Gurten um den Bauch geschnallt hat, die auf einem meterlangen Papierbogen Herztöne des Ungeborenen als Gebirge aufschreiben. Vorsorglich hatte ich mir ein Buch für die Zeit

eingesteckt, das ich vor Ort allerdings nicht mal geschafft habe auszupacken. Auf dem Rücken liegen musste ich nicht – seitlich ist auch viel angenehmer – und das CTG lief nur 15min, in denen ich zwar gelesen habe, aber nicht mein Buch, sondern den Frage- und Aufklärungsbogen zur Anti-D-Prophylaxe*. Auf dem CTG war links die Herzfrequenz tatsächlich als Gebirge zu sehen (die Schwester musste ab und zu mal am Bauch rütteln, weil du – wie immer – geschlafen hast), mittig die Kindsbewegungen als dünne oder dickere schwarze Balken und rechts momentan noch eine Nulllinie, die zu einem späteren Zeitpunkt mal Wehen anzeigen soll. Also alles super! Auf 1500g wirst du geschätzt, Köpfchen ist inzwischen unten, da, wo es hingehört. Ein Bild gab es dieses Mal nicht, denn zwischen deinem süßen Profil und der kuscheligen Plazenta war nie so viel Platz, dass man etwas hätte erkennen können. Sah immer aus wie eine gigantische Beule vor dem Kopf, in die du dein Näschen steckst…“

*Für Mütter, die rhesus-negativ sind [also das Rhesusfaktor-Antigen nicht besitzen, ca. 15% der Bevölkerung], steht um die 28. Schwangerschaftswoche herum diese Prophylaxe-Impfung an, um einer möglichen Blutgruppenunverträglichkeit vorzubeugen. Wenn der Papa des Kindes nämlich rhesus-positiv ist, kann es das Baby ebenfalls sein. Kommt dann unter der Geburt kindliches Blut mit dem Blut der Mutter in Kontakt, bildet die Antikörper gegen den „falschen“ Rhesusfaktor und es kann bei einer erneuten Schwangerschaft zu einer Abstoßungsreaktion aufgrund der Rhesusunverträglichkeit kommen.

Tim Reckmann  / pixelio.de

Die Rücken- bzw. Symphysenschmerzen wurden in diesen Wochen immer schlimmer. Sich mit etwas von der Größe einer Ananas im Bauch noch halbwegs elegant fortzubewegen, scheint anatomisch ein Ding der Unmöglichkeit. Der gefürchtete Watschelgang hatte mich schon eine Weile fest im Griff, ob ich wollte oder nicht, und besonders abends beim Aufstehen von der Couch fühlte ich mich wie mindestens 100 Jahre alt. Erstmal langsam nur die Beine raushängen lassen, dann irgendwann den Oberkörper samt Bauch hinterher wuchten und nach 5 min tatsächlich aufstehen… Bei den ersten Schritten nach längerem Liegen sind mir außerdem immer die Beine eingeknickt vor Schmerz, ganz komisch! Als ich die Frauenärztin darauf angesprochen habe, meinte die nur, bei einer zweiten und jeder weiteren Schwangerschaft sei eben das gesamte Gewebe etwas weicher und nachgiebiger und da können solche Wehwehchen auch viele Wochen vor der Geburt auftreten, sei nichts Ungewöhnliches. Mich an jeden Strohhalm klammernd, fragte ich sogar in der Apotheke nach homöopathischen Kügelchen gegen Symphysenbeschwerden, die mir in meiner Dezembermama-Gruppe empfohlen worden waren. Die Apothekenfrau fragte 3x nach, wo genau ich Schmerzen habe und wie man „Sümfüße“ buchstabiere. Schließlich habe ich mich einfach bedankt und den Laden ohne Kügelchen verlassen. Aber wenige Tage später war die Erlösung in der Post: ein Ersatzteil für meinen Rücken! Das Wunderdings heißt „BabyBelt“ und ist eine Bauchstütze aus weichem, flexiblem Material mit seitlichem Klettverschluss. Das Teil legt man sich um und trägt es unsichtbar unter den normalen Klamotten. Es stützt den Babybauch und entlastet somit den Rücken und ob man es glaubt oder nicht, schon nach 2 Tagen war es besonders beim abendlichen Couchaufstehen deutlich zu merken! Nicht mehr 100 Jahre alt, sondern nur noch gefühlte 85. Ein Segen und seitdem mein täglicher Begleiter!
Die Füße sind übrigens weg, wenn ich im Stehen von oben runtergucke und sie entfernen sich auch im Sitzen immer weiter vom restlichen Körper. Schuhebinden geht nur noch mit Luftanhalten und Expressknoten. Letztens hat Fiona schallend gelacht, als ich gefragt habe, ob sie mir die Socken anziehen könnte. Immerhin habe ich es bei ihr ja auch lange genug gemacht. Irgendwie nimmt mich hier niemand ernst 😉 Ab sofort keine Schuhe mit Schnürsenkeln mehr!“

„Na meine Süße! So langsam, wie die ersten 12 Wochen vergangen sind, so schnell rennt die Zeit jetzt! 32. Schwangerschaftswoche, unfassbar! Habe mich letztens beim Einkaufen erschreckt, weil mir gegenüber so eine dicke Frau im Spiegel stand! Gestern waren wir wieder beim Arzt, Termine sind jetzt nicht mehr alle 4, sondern schon alle 2 Wochen, allerdings ohne Ultraschall, nur Blutdruck, Wiegen (Augen zu: +13kg! ) und CTG. Zwischendurch war die Herzfrequenz immer mal ganz kurz bei etwa 70 (normal 130 – 160). Da konnte mich aber die Schwester beruhigen: das passiert, wenn das CTG die kindlichen Herztöne kurz „verliert“ und stattdessen meine findet ^^ Puh! Die Gebärmutter gehe inzwischen bis fast zum Rippenbogen, aber ein bisschen Platz sei noch, hieß es. Wo die ganzen Organe hin sind, die da eigentlich sind, übersteigt trotz jedes theoretischen Wissens meine Vorstellungskraft. Wo die Lunge nicht ist, weiß ich jedenfalls: da, wo sie hingehört. Anders lässt sich nicht erklären, dass ich nach gerade mal 18 Treppenstufen bis zu unserer Wohnungstür so aus der Puste bin, dass ich mich hinsetzen und ausruhen muss. Kann mir gerade nicht vorstellen, je mal 1 Std. Zumba getanzt zu haben und danach noch lebensfähig gewesen zu sein. Vor ein paar Tagen hattest du deinen ersten Schluckauf, abends beim Ins-Bett-Gehen ein rhythmisches Pochen unten am Bauch. Total süß! Seitdem immer öfter, weil du dich beim Fruchtwassertrinken verschluckst. Dieser Reflex trainiert deine Atemmuskulatur für die Zeit nach der Geburt. Habe gelesen, dass man nie wieder so viel Schluckauf hat wie im Bauch. Hicks! Habe vor ein paar Tagen einen Body für dich gekauft mit der Aufschrift „Ich bin eine Berlinerin“ und einen zuckersüßen rosa Strampler mit angenähtem, weißen Jäckchen. Letzteres soll dein Outfit sein für den Weg vom Krankenhaus nach Hause. Und an den Klischee-Tatzenhandschuhen und der Öhrchenmütze kam ich auch nicht vorbei. Allet nur wejen die Hormone! „

Der Bauch hat für mein Empfinden zu dieser Zeit im wahrsten Sinne des Wortes „große“ Fortschritte

gemacht, jedenfalls war er im Sitzen manchmal schon ganz schön kugelig. Und nach vorne gelehnt am Tisch lümmeln ging auch schon nicht mehr, weil ich sofort mit einem dezenten aber nicht ganz angenehmen Tritt in die Rippen zu korrekter Sitzhaltung ermahnt wurde. Schlimmer als die eigenen Eltern in der Pubertät! Schade, dass man nach einiger Zeit vergisst, wie sich ein strampelndes Baby im Bauch anfühlt. Es ist so schön, dass ich es gerne konservieren würde. Denn so anstrengend der wachsende Bauch ist, so sehr fehlt er einem dann doch, wenn er wieder weg ist. In diesen letzten Tagen des achten Monats sind wir in den Herbstferien eher spontan 2 Tage in den Kurzurlaub nach Rügen gestartet. Strandspaziergänge an der frischen Luft mit Schal und Pudelmütze, eine Bootsfahrt auf der unruhigen Ostsee (bei der um mich herum gekotzt wurde und ich währenddessen ganz entspannt den heißen Kakao durch den Schiffsbauch bis an Deck balanciert habe), ein Hotel mit Thermalbad im Keller und einfach noch mal „Tapetenwechsel“, das tat gut. Schwimmen soll ja für Schwangere die angenehmste Form von Bewegung sein. Das kann ich bestätigen. Allerdings ist die Schwerkraft ein ganz schönes Arschloch, wenn man dann aus dem Wasser herauskommt und der Bauch Stück für Stück wieder spürbar ist.
Nur noch 2 Monate, dann wird das Wunder Wirklichkeit…


………………………………………………………..to be continued………………………………………………………………

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Autor: Mama 2.0

stoffverliebte 2fach-Mama, Berlinerin, iphoneaddict, Musikpädagogin. Liebt buntes Klebeband, geistige Herausforderungen und hat sich den Blick für das Schöne bewahrt. Happiness is not a destination, it is a way of life. Glas ist halbvoll und so, wa?

6 Kommentare zu „Schwanger – der achte Monat“

  1. Haha, genial – bist du nun immun gegen alle Arten von Übelkeit? Und so ein toller Bauch – wo bitte sind da irgendwelche Schwangerschaftsstreifen? Keinen einzigen kann ich erkennen – paaahhh 🙂 Hübsche werdende Mami!!! Eine ganz tolle letzte Zeit mit ganz viel Vorfreude. Sina

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  2. Vielen Dank für deine lieben Worte, Sina! Bisher hatte ich Glück (und hoffe, dass es die letzten paar Wochen auch so bleibt): kein einziger Streifen. Aber wenn schon nicht von der Körperstatur her, vielleicht hab ich dann wenigstens mit dem Bindegewebe das große (Erb-)Los gezogen 😉

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  3. Halte durch! Bald hast du es geschafft! Und versorge uns bitte weiter mit deinen Schwangerschaftsgeschichten. In vielen Episoden erkenne ich mich wieder und dann kommt mir immer das berühmte „Weißt du noch, so war es bei dir auch“ in den Sinn:-)

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