#momsrock

Lucie Marshall, ihres Zeichens Kolumnistin, Bloggerin und seit Kurzem Autorin des Bestsellers „Auf High Heels in den Kreißsaal“ (auf der Leseliste ganz ganz oben!), hat vor ein paar Tagen eine Blogparade ins Leben gerufen, die sich großer Beliebtheit erfreut. Unter dem Hashtag #momsrock sammelt sie, was Mütter finden, richtig gut gemacht zu haben. Man soll ausnahmsweise mal nicht nur die Stapel ungewaschener Wäsche und die Fingerabdrücke am Spiegel sehen, sondern ganz bewusst den Blick auf das lenken, was man selber als Mama im Bezug auf sein Kind richtig gut gemacht hat.

Auch wenn man mit sich selbst ja grundsätzlich eher kritisch ist, fallen mir doch ein paar Dinge ein, die ich wieder ganz genauso machen würde.

Respekt

Klar, sie ist gerade erst 5 geworden und hat manchmal ganz spezielle Ansichten, die ich nicht unbedingt teile, z.B., dass das ärmellose Kleidchen im Herbst aber auch schön aussieht oder dass sich die rosane Erdbeermilch ganz gut auf dem hellen Sofa macht. Dennoch nehme ich sie immer ernst und behandle sie nie von oben herab à la „…weil ich es sage“. Ich möchte, dass sie Entscheidungen nicht einfach als willkürlich hinnimmt, sondern dass sie verstehen und akzeptieren lernt. Das ist nicht unbedingt immer der leichteste Weg, aber hoffentlich genau der, der aus ihr einen vernünftigen und mitfühlenden Menschen macht, der andere mit Respekt behandelt, genau wie ich sie. Das hoffe und wünsche ich mir jedenfalls.

Kompromisse

Der Unterschied zwischen einer 5-jährigen und einem Terroristen? Mit Terroristen kann man verhandeln… Wenn wir nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen, bemühe ich mich, Kompromisse zu finden, die sie dann meistens völlig problemlos eingeht. Dann haben wir hinterher beide ein gutes Gefühl. Gut, noch 5 Minuten malen und dann aber ohne Diskussionen ins Bad. – „Okay, Mama! Indianerehrenwort!“

Fähigkeiten

Ich mag den Begriff der „Frühförderung“ generell nicht so gerne, weil er so etwas Zwanghaftes hat im Sinne von „schneller, höher, weiter“, finde aber dennoch wichtig, dass Kinder einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung nachgehen. Ich habe Fiona von Klein auf einfach in meinen Unterricht miteinbezogen, habe sie 1x wöchentlich zu meinen Baby-und-Kleinkind-Kursen mitgenommen und auch später in die musikalische Früherziehung für die „Großen“. Sie ist von Anfang an mit Spaß und Freude dabei, liebt Instrumente und singt und tanzt für ihr Leben gern. Seit einigen Monaten lernt sie in der Gruppe mit Gleichaltrigen und Erstklässlern ein Tasteninstrument, die Melodica. Ich bewundere ihren Ehrgeiz und ihre Ausdauer! Im Dezember steht sie schon zum zweiten Mal mit Instrument auf der großen Theaterbühne. Dank der Schwangerschaftshormone im Endstadium werde ich wohl vor Stolz und Rührung heulen wie ein Schlosshund (eigentlich schön, aber auch ungünstig, weil ich nicht nur Mama, sondern auch die Dirigentin bin ^^)

Selbstständigkeit

Als ich klein war, etwa 4 Jahre alt, durfte ich im Frankreichurlaub mein Frühstück beim Bäcker alleine bestellen: „ööh krohssong sievupläh“. Stolz wie Bolle kam ich mit der Beute zurück und erinnere mich noch heute an dieses Gefühl. In Griechenland, wenige Jahre später, wollte ich mit meinem besten Freund die Fahrgeschäfte am Hafen benutzen, während unsere Eltern nebenan Campari tranken. Man benötigte dafür (lange vor dem Euro-Zeitalter) 50 Drachmen passend, wechseln musste ich alleine: „Penida drachmes“. Und wir fuhren die ganze Nacht. Dass das große Pferd einen Schlitz hatte, durch den man mit kleinen Kinderhänden das eingeworfene Geld nach dem Reiten wieder rausholen konnte und wir daher einen unerschöpflichen Vorrat hatten, bekamen sie erst viel später mit ^^ Ich lasse Fiona auch viel selber ausprobieren und helfe nicht sofort, sondern nur, wenn es unbedingt nötig ist. Sie traut sich wohl nicht zuletzt deshalb auch schon eine ganze Menge zu und platzt dementsprechend fast vor Stolz, wenn sie etwas ganz alleine geschafft hat. Dass sie auf dem Klo nach dem großen Geschäft allerdings noch „Kannst du abwischen?“ ruft, erschließt sich mir nicht so ganz. Shit (haha) happens.

Höflichkeit

Sie sagt „Bitte“, „Danke“, „Hallo“, „Tschüss“ und „Entschuldigung“. Heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr, mir aber sehr wichtig. Letztens auf dem Spielplatz ist mein Mamaherz höher gehüpft als ich sie zu zwei spielenden Kinder habe sagen hören: „Hallo, ich bin Fiona, darf ich bitte euer Sandspielzeug mitbenutzen?“. Hach.

Sprache

Schon als sie ein Baby war habe ich ihr viel erzählt und ihr Lieder vorgesungen. Wir haben gemeinsam Bücher „gelesen“ und mit 10 Monaten konnte sie die meisten Tierlaute imitieren und war genau dafür in der Kita bekannt. Von meiner Liebe zu Büchern und zur Sprache hat sie sich anstecken lassen. Ich bin jedenfalls sehr stolz, wenn ich höre, wie gewählt sie sich mit 5 Jahren schon ausdrücken kann. Korrekte Genitivkonstruktionen wie „im Schatten des Baumes“, richtige Imperative wie „Gib“ und „Nimm“ und Vokabeln wie „merkwürdig“, „verbergen“ oder „behaupten“ – ich finde, das machen wir beide richtig gut!

Bauchgefühl

Wie oben bereits erwähnt: Fiona war schon als Baby fasziniert von Sprache und Geräuschen und hat auch sehr früh schon richtige Wörter und Sätze gebildet, dafür trug sie Windeln bis sie fast 3 war und ist auch erst mit weit über einem Jahr gelaufen. Gekrabbelt übrigens gar nicht. Ich habe mich von der „Vergleicheritis“ unter Mütter nicht verrückt machen lassen und auf mein Bauchgefühl gehört. Jedes Kind hat sein individuelles Tempo hat und entscheidet selbst, wann es was lernt. Das war gut.

Liebe & Vertrauen

Sie weiß, dass ich sie bedingungslos liebe und das auch dann, wenn mal wieder nicht-entfernbare Farbe auf dem neuen Teppich gelandet, die teure Shampooflasche kopfüber und mit offenem Verschluss ins Badewasser „gestürzt“ ist oder sie das neue Kleid bei der ersten Mahlzeit bekleckert. Und sie weiß auch, dass Eltern eben manchmal schimpfen müssen, das aber nichts an der Liebe zu ihrem Kind ändert. Sie erzählt mir, wenn ihr ein Missgeschick passiert ist oder sie Dummheiten gemacht hat und dann überlegen wir gemeinsam, was wir dagegen tun können. Ich hoffe, dass dieses Vertrauensverhältnis noch lange anhält und sie auch in ein paar Jahren noch so poetische Sachen sagt wie „Ich liebe dich so sehr, dafür gibt es keine Worte. Mehr als bis zum Mond und zurück. Am Liebsten würde ich dich heiraten, Mama.“

Anything else?

Lego-Szenarien ausdenken, einen Zoo malen, Kinderfilme gucken, bei Memory „verlieren“, auf Spielplätze gehen, begeistert schmatzen und Kuchen aus dem Sandkasten loben, Kastanien suchen, Grimassen schneiden und witzige Fotos machen, mit Bauchtanztüchern durch die Wohnung tanzen, beim kleinsten Geräusch an ihrem Bett stehen, Schneemänner bauen, Geschichten vorlesen, Geburtstagspartys planen, Briefe schreiben, Puppensachen nähen, mitten in der Nacht eine Zange suchen um die Wärmflasche zu öffnen, gesund pflegen, Hot-Dogs aus Knete „essen“ und Tee aus winzigen Tassen „trinken“, Bettmonster verjagen, Pflaster kleben, Zöpfe flechten, wie eine Löwin für sie kämpfen, bei jedem nächtlichen Toilettengang gucken gehen, ob sie richtig zugedeckt ist, ihr einen Kuss geben und einen Moment beim Schlafen zusehen…

Ja, ich glaube, ich mache das alles und noch mehr richtig gut!

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Autor: Mama 2.0

stoffverliebte 2fach-Mama, Berlinerin, iphoneaddict, Musikpädagogin. Liebt buntes Klebeband, geistige Herausforderungen und hat sich den Blick für das Schöne bewahrt. Happiness is not a destination, it is a way of life. Glas ist halbvoll und so, wa?

2 Kommentare zu „#momsrock“

  1. Liebe Vivi,

    Ich finde ja,dass schon die „kleine“ Liste am Ende deines Posts genug ist. Aber es zeigt eben auch nur, wieviel wir Mütter als selbstverständlich ansehen. 😉

    Liebe Grüße und mach genau so weiter,

    Andrea

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  2. Vielen Dank für deine lieben Worte, Andrea! Ja, Mamas sehen so vieles als selbstverständlich an. Aber gerade deswegen finde ich Lucies Idee so toll, sich auch mal selbst für alles zu loben, was man für das Herzenskind bzw -kinder so gerne und eben selbstverständlich macht 🙂

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