Beta-Männchen

Auch wenn es die Überschrift vermuten lässt, hatte ich jetzt nicht vor, über das in unserem Haushalt lebende Exemplar der Spezies Mann herzuziehen. Es handelt sich viel mehr um einen Buchtitel mit der kritischen Frage „Sind die Männer noch zu retten?“ auf dem Cover.

Das Enddreißiger-Erfolgsduo Anne Weiß und Stefan Bonner, bekannt aus „Generation Doof“, „Heilige Scheiße“ und „Doof it yourself“, hat im September 2014 sein neues Buch „Beta Männchen“ im Bastei Lübbe Verlag veröffentlicht und ich durfte über „Blogg dein Buch“ testlesen.

In kurzen Episoden beschreiben die beiden Autoren abwechselnd Anekdoten aus ihrem Leben, immer mit Fokus auf den Schwerpunkt „Mann“ in der heutigen Zeit.
Anne ist nach ihrer Beziehung zu Exfreund Oli frei und ungebunden, hört aber so langsam ihre biologische Uhr ticken und sucht…ja, was sie sucht, weiß sie eigentlich selbst nicht so genau. Liebevoll, zuvorkommend und romantisch aber auch heldenhaft, stark und „ein ganzer Kerl“ eben. Aber existiert dieser Typ Mann noch irgendwo anders als in Annes Fantasie? Nachdem ihr erster One-Night-Stand versehentlich in die Küchentöpfe gepinkelt hat, ist sie mit dem Thema jedenfalls durch… und wer sagt eigentlich, dass Frau um jeden Preis einen Mann braucht um glücklich zu sein?!

Stefan ist mit Freundin Maja liiert und wird demnächst Papa. Seinem Schwiegervater Helmut fällt bei der Bekanntgabe fast das Essen aus dem Gesicht, denn wie sollte Weichei Stefan, der in einem Mama-Oma-Uroma-Frauenhaushalt groß geworden ist, jemals für eine Familie sorgen bzw. einen eventuellen Sohn erziehen können? Majas Ex Torsten, leidenschaftlicher Kettensägensammler, ist da ein ganz anderes Kaliber und steht in der Gunst des Schwiegervaters immer noch wesentlich weiter vorne. Auf der Suche nach sich selbst berichtet Stefan u.a. von einem echten Männerseminar, bei dem er zu Klängen der Schamanentrommel eine Höhle baut und einen hölzernen Luke Skywalker schnitzt, bei dem jeder das Lichtschwert für einen überdimensionalen Penis hält, und anderen Situationen im Leben eines „Beta-Männchens“ auf der Suche nach dem letzten bisschen Testosteron. Wie zeigt man einer Frau eigentlich, dass man sie wirklich liebt? Muss man ihr ein Haus bauen oder reicht auch eine schöne Wohnung? (Helmut: „Ein Haus! Ein Haus!“) Wann ist der beste Zeitpunkt, um um ihre Hand anzuhalten? Und was um Himmels Willen passiert genau bei einer Geburt?

Mein Fazit: Die berechtigte Frage „Wann ist ein Mann ein Mann?“ stellte sich schon Herbert Grönemeyer vor vielen Jahren. Muss er erst einen Baum gepflanzt, ein Haus gebaut und ein Kind gezeugt haben? Darf er Elternzeit nehmen oder muss er „das Geld nach Hause bringen“? Ich weiß nicht so genau, was ich hier gelesen habe: einen Roman, eine pseudo-wissenschaftliche Gesellschaftsanalyse, eine Kurzgeschichtensammlung…?
Das Autoren-Duo schreibt zweifelsfrei flüssig, locker und unterhaltsam. Allerdings habe ich beim Lesen immer das Gefühl, als wollten beide eben nicht „nur“ oberflächlich lustig sein, sondern hätten den Anspruch, auch „ein bisschen wissenschaftlich fundiert“ über aktuelle Probleme zu schreiben und damit ernst genommen werden zu wollen.
Man weiß nicht so genau, mit wem man es da zu tun hat – zwei, die Missstände aufzeigen und etwas in der „verweichlichten“ Gesellschaft verändern möchten oder zwei, die sich mit einem Augenzwinkern über die Situation lustig machen, pointieren und unterhalten wollen.
Insgesamt eine seichte Urlaubslektüre mit einigen guten und durchaus witzigen Kapiteln. Anderes wird aber dann doch wieder ein bisschen zu langatmig geschildert und verliert für mich auf insgesamt 399 Seiten den Unterhaltungswert in der anklingenden Gesellschaftskritik. Aber vielleicht bin ich mit süßen 27 Jahren auch einfach noch zu jung, um dem weiblichen und männlichen Midlife-Drama etwas abzugewinnen. Who knows!
Ich vergebe 3 von 5 Sternen: kann man durchaus lesen, muss man aber nicht.

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Autor: Mama 2.0

stoffverliebte 2fach-Mama, Berlinerin, iphoneaddict, Musikpädagogin. Liebt buntes Klebeband, geistige Herausforderungen und hat sich den Blick für das Schöne bewahrt. Happiness is not a destination, it is a way of life. Glas ist halbvoll und so, wa?

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