Schwanger – der sechste Monat [+Outing]

Der sechste Monat, Woche 21 – 24

„Weißt du, was krass ist? 6. MONAT (sechs-ter!). Wo ist die Zeit hin? Und trotzdem ist mir die Schwangerschaft immer noch nicht anzusehen, nicht zwingend, jedenfalls. Du zeigst dich jetzt jeden Tag mit kleinen Stupsern, so ein wahnsinnig schönes und einmaliges Gefühl! Die Untersuchung im Babykino hat übrigens wie damals bei deiner Schwester eine Vorderwandplazenta ergeben [d.h. einfach nur, dass die Plazenta – der Mutterkuchen, der das Baby im Bauch versorgt – vorne an der Bauchwand angewachsen ist, dämpft dadurch Tritte ab], also kein Wunder, dass ich dich erst jetzt so richtig spüren kann. Deine Stupser waren immer sehr weit oben im Bauch. Der Ultraschall hat gezeigt, dass du mit dem Köpfchen nach unten liegst, wobei ich glaube, dass du dich inzwischen nochmal gedreht hast, weil ich dich jetzt auf ein Mal unten im Bauch merke. An Wehwehchen habe ich sowas wie Ischias-Ziehen beim Aufstehen, wenn ich länger gesessen habe, rechts zwischen Rücken und Po. Kommt man sich vor, wie eine alte Frau beim Aufstehen! Die Gender-Reveal-Party ist übrigens heute in 2 Wochen. Deko ist schon angekommen, sooo süß, winzige pinke und blaue Schnuller, wie die, die man sich in Groß in den 90ern als Kette um den Hals gehängt hat. Außerdem Teller, Becher, Servietten im „BOY or GIRL?“-Design. Ich freue mich so, das wird bestimmt ganz toll!“

Anfang des sechsten Monats sind wir mit dem Orchester auf Konzertreise nach Griechenland geflogen. Flug und Busfahrt waren auch gar kein Problem, aber man sollte so einen schwangeren Organismus nicht unterschätzen! Der stellt gnadenlos alle „überflüssigen“ Körperfunktionen ein, wenn er merkt, dass etwas nicht so ist, wie es sein sollte, um das Baby optimal zu versorgen. In meinem Fall hieß das: ich musste mich jeden Abend entscheiden, ob ich vor dem Konzert mit allen gemeinsam esse oder ob ich im Interesse aller darauf verzichte. Beim ersten Auftritt (im Amphitheater eines 5-Sterne-Hotels) ahnte ich noch nichts von den Vorgängen und bediente mich am üppigen Buffet, nur um kurze Zeit später kreidebleich auf der Bühne zu stehen, in der Hoffnung, nicht vom Dirigentenpult zu fallen vor Übelkeit. Wahrscheinlich war es der Kreislauf, der zwar mit dem Klima ganz gut klar kam, aber mich in die Horizontale zog, sobald sich zusätzlich zu den warmen Temperaturen noch das Blut im Magen sammelte nach dem Essen. Eins geht nur: Verdauung oder Kreislauf…

„Wow, gestern spät abends habe ich deine Tritte zum allerersten Mal von außen durch die Bauchdecke gespürt. Ohne Zweifel! Oh Gott, war das schön! Man vergisst nach 5 Jahren total, wie sich das anfühlt. HERZAUGEN! Und bei dem einen Auftritt hast du mich auch leicht gestupst, beim 2. Satz von Transylvania [einem mazedonischen Volkslied mit Gänsehaut-Charakter], da hast du dir aber wirklich schöne Musik ausgesucht! Gegessen habe ich vor dem Auftritt übrigens nichts: „Die Dirigentin würde sich das Hühnchen gerne einpacken lassen“ – haha. Apropos Essen, du bist diesen Monat etwa so groß wie eine Cantaloupe-Melone!“

Wieder zurück in Berlin ging es ans Auspacken und Aufbauen der gekauften Möbel: Hensvik, Malm und die anderen schwedische Freunde. Wenn so ein Wickeltisch einsatzbereit steht, wird es irgendwie nochmal greifbarer, das Ganze. Das Wetter für unsere anstehende „Sex-Party“ sah zu dem Zeitpunkt mit einer Regenwahrscheinlichkeit von 70% laut wetter.com nicht gerade rosig aus für einen schönen Augusttag, also wurde zur Sicherheit der Party-Pavillon im Garten aufgebaut, damit wir in jedem Fall trocken bleiben würden. Ich war ein bisschen traurig, dass von meiner Verwandschaft niemand zugesagt hatte, freute mich aber umso mehr, dass Freunde und Bekannte begeistert von der Idee zur Party waren, sich schon im Vorfeld viele Gedanken machten und zahlreich zum Lüften des Geheimnisses erscheinen würden!

„Ich habe übrigens seit ein paar Tagen „rischtisch Rücken“! Es zieht und sticht hinten rechts knapp über’m Po, wie kurz vor Hexenschuss. Fühlt sich an, als ob eine einzige falsche Bewegung ausreichen würde um für immer in der Haltung bleiben zu müssen… Dementsprechend vorsichtig und steif laufe ich gerade. Hoffentlich sind das noch nicht die Anfänge des „Watscheltums“. Bisschen früh, oder?! Wenn ich abends von der Couch aufstehe um ins Bett zu gehen, muss ich mich Wirbel für Wirbel aufrichten, damit nichts zieht oder piekt. Na das kann ja noch heiter werden… P.S. Nach dem letzten Heißhungeranfall auf Erfrischungsstäbchen esse ich inzwischen zum ersten Mal in meinem Leben Senf. Seltsame Vorlieben hast du! P.P.S. Beim Niesen einen Tropfen verloren. WTF? Beckenboden, wo bist du?!“

Ebenfalls im 6. Monat waren wir zu einer digitalen Kreißsaalführung. Das läuft so ab: ein ganzer Haufen Kugelbäuche nimmt in einem Konferenzsaal des Krankenhauses Platz, begleitet von Männern mit Gesichtsausdrücken zwischen „Ich-habe-Feuer-gemacht“ bis „Ich will zu meiner Mutti“. Eine Ärztin, eine Krankenschwester und eine Hebamme werfen abwechselnd ein paar Eckdaten zu einer etwa 60-seitigen Powerpoint-Präsentation mit qualitativ mittelmäßigen Bildern von Wochenstation und Kreißsaal ein und wollen den potentiellen „Kundinnen“ damit das Krankenhaus schmackhaft machen. Gezeigt wird der Ablauf vom Ankommen im Krankenhaus („und an dieser Tür drücken Sie dann diesen Schalter…“) bis zum Tag der Entlassung; ähnlich erschöpft wie nach dem realen Prozedere fühlt man sich auch nach der zweistündigen Vorstellung. Es zog sich unglaublich in die Länge und die Zwischenfragen mancher Männer waren an Komik fast nicht zu überbieten: „Sie haben also 3 Kreißsäle. Und was, wenn ICH die Nummer 4 bin?!“ Die Hebamme hat allerdings so freundlich-gelassen gekontert, wie es wohl nur Frauen können, die seit vielen Jahren in diesem Bereich arbeiten: „Wenn wir nicht auch für diese Situation eine Lösung finden würden, hätten wir unseren Beruf verfehlt.“ Donnngg, voll auf die Zwölf. Eine der Hebammen würde ich jedenfalls gerne für die Geburt buchen, schade, dass das in der Form nicht möglich ist. Ein echtes Berliner Urgestein, weiblicher Mario Barth im Kittel, das die ganze Sache mit der richtigen Portion Humor betrachtet. Thema Babybett nach der Geburt: „Wat solln dit jetzt, denkt sich Baby. Eben war ick do noch im Bauch, wat soll ick jetzt mit nem eijenen Bett..?!“ Hahaha. Gefällt mir!

„Hallo mein Schatz, 

aufregende Tage liegen hinter uns! Zuerst der Termin bei der Ärztin, nach 6 langen Wochen endlich mal wieder! Sie hat aber nur ganz kurz geschallt und nicht das zweite große Screening gemacht, weil sowieso 3 Tage später der Termin zur Feindiagnostik anstand, wo alle Organe genauestens untersucht und vermessen wurden. Alles bestens, du bist super entwickelt, „ausgeklappt“ ganze 30cm lang, wiegst 470g und liegst mit dem Kopf oben. Was noch oben war, sind übrigens deine Füße (Fußsohlen 4cm lang, awwww), du liegst da wie ein Klappmesser. Von mir hast du diese Gelenkigkeit bestimmt nicht! Ansonsten wurden alle Umfänge/Durchmesser unter die Lupe genommen, Oberschenkelknochen, Herz (4 Kammern, alle genau zu sehen!), Galle, Leber, Harnblase, etc. Der Wahnsinn, was heutzutage alles möglich ist mit der Technik. Der Arzt hat ganz schön auf dem Bauch rumgedrückt, aber du hast die Mitarbeit verweigert. Ob da ein kleiner Steinbock durchscheint…? 🙂 Dein Geschlecht wurde übrigens in allerletzter Sekunde vor der Feier nochmal bestätigt. Puh! Dann kann sie ja kommen, die Sex-Party!“

 „A baby is coming, as cute as can be. 
A boy or a girl – you’re invited to see!“

Und dann war er kurz darauf auch endlich gekommen, der große Tag! Geregnet hat es zwischenzeitlich zwar kurz, tat dem Spaß aber keinen Abbruch! So viele liebe Menschen waren da, um unsere „Nummer 2“ zu feiern!  
„Haben sich alle sehr mit uns gefreut, du hast jetzt schon viele Freunde!“ 
Zu Beginn der Party musste sich jeder Gast für Team BLAU oder Team PINK entscheiden, seine Auswahl mit einer entsprechend farbigen Wäscheklammer an der Kleidung kennzeichnen und sich auf einer Leinwand mit pinkem bzw. blauem Namensschildchen verewigen. Als kleine Entscheidungshilfe gab es direkt daneben eine Übersicht mit den Old-Wives-Tales, den Ammenmärchen, die einer Schwangeren früher erzählt und anhand derer das Geschlecht des Ungeborenen vorausgesagt wurden, wie z.B. runder Bauch = Mädchen, spitzer Bauch = Junge, Lust auf Süßes = Mädchen, Lust auf Saures = Junge usw.

Dann gab es einen kleinen Laufzettel zum Ankreuzen, auf dem alle Aufgaben der Gäste einzeln aufgelistet waren, z.B. einen Hot-Dog vom Buffet essen, ein Polaroid-Foto mit den werdenden Eltern machen und sich damit im Gästebuch verewigen, einen Babybody bemalen, Entbindungstermin-Raten, Breisorten verkosten (Fisch im Gläschen ist echt eklig!), Bauchumfang schätzen, usw.
Ich lasse mal die Bilder sprechen, vielen Dank an dieser Stelle an Marco, den Fotografen!

Polaroid mit den Gastgebern

family & friends

der am Vorabend geschnitzte Melonenkinderwagen mit Mango-Baby ❤

Wildlachs mit Gemüse? Rahmspinat? Oder doch lieber Früh-Karotten?
mit
Der Umschlag wurde im Laufe des Nachmittags gut gefüllt, ich bin gespannt,
wer richtig liegt und das Geld am Ende bekommt!

Die Bodies – hier noch ganz jungfräulich weiß

Bauchumfang schätzen und Maßband abschneiden – gar nicht so leicht!

Zusammenfassend wünschen die Gäste dem Baby meine Haare und Papas lange Beine 😉

Auf kleinen vorbereiteten Zetteln in der jeweiligen Farbe haben die Teams gegeneinander Stadt-Land-Fluss gespielt mit Kategorien wie Babyname, Babyspielzeug, Babypflegeprodukt etc., die männlichen Gäste durften ihre Wickel- und Anziehfähigkeiten zur Freude der weiblichen Zuschauer an zwei Puppenkindern unter Beweis stellen (die meines Mannes sind noch ausbaufähig) und dann wurden noch die passend abgeschnittenen Maßbänder zur Bauch-Anprobe gebracht (hier hat übrigens meine Oma gewonnen, auf den Zentimeter genau. Einer Schneiderin macht eben niemand etwas vor…) Als Preise für die einzelnen „Challenges“ gab es je nach Team eine pinke oder blaue Pombär-Tüte, rosa Erdbeer- oder blaue Alpenmilch-Rittersport, pinke Gummibären-Ferkel oder blaue Schlümpfe. Herrlich doof, dieses Gender-Farben-Klischee, aber in diesem Fall einfach absolut passend!

Stadt-Land-Fluss mal anders

Zoé wickeln und anziehen gegen die Zeit, hier auf eine ganz spezielle Art und Weise…

 Als alle Aufgaben erledigt waren, wurde es langsam spannend. 
Wir holten den „Enthüllungs-Kuchen“…

…schnitten ihn gemeinsam auf, hoben ihn vorsichtig an uuuund…
PINK! IT’S A GIRL!



……………………………………………………..to be continued………………………………………………………………..

<– 5. Monat

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Autor: Mama 2.0

stoffverliebte 2fach-Mama, Berlinerin, iphoneaddict, Musikpädagogin. Liebt buntes Klebeband, geistige Herausforderungen und hat sich den Blick für das Schöne bewahrt. Happiness is not a destination, it is a way of life. Glas ist halbvoll und so, wa?

5 Kommentare zu „Schwanger – der sechste Monat [+Outing]“

  1. Sooooo schön, eine wunderbare Feier, bei der ich sehr gerne auch Gast gewesen wäre. So etwas kannten wir zur Bäuchleinzeit des großen Mädchens noch gar nicht, da seid ihr Großstädter uns Landeiern wieder einen Schritt voraus. Es freut sich von Herzen über euer Mädchen die Sina, die den Stufenbarren ebenso hasst wie Herr Bohne und Viv

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