Mein liebes großes Mädchen…

der heutige Montag in einem Jahr wird dein erster Schultag sein.
Du wirst die Nacht vorher kaum geschlafen haben vor Aufregung und dann selbstbewusst mit deinem Schulrucksack in dein Klassenzimmer gehen. Ich werde draußen vor der Tür stehen bleiben, dir einen Kuss schicken, winken und staunend zusehen, wie aus dem Baby, das sie mir vor (dann) knapp 6 Jahren auf den Bauch gelegt haben, ein großes Mädchen geworden ist…

Am Liebsten wärst du schon dieses Jahr in die Schule gekommen, wie die zwei Freundinnen aus deinem Melodica-Kurs. Schließlich kannst du schon zählen, deinen Namen schreiben und hast sogar schon ein Konzert gegeben, sagst du. Ich dagegen denke, es ist gut, dass du dieses Jahr noch nicht in die Schule gekommen bist, denn du trödelst morgens noch unendlich lange beim Anziehen („Mama, kannst du das machen?“), du rufst noch nach mir, wenn du auf dem Klo Hilfe brauchst nach größeren Geschäften, und du sagst häufig „Ich möchte das aber so machen!“, wenn man dir etwas erklärt. Gerade vorgestern spieltest du Murmel-Mikado mit deiner Großcousine. Ziel des Spiels ist es, die Stäbe so geschickt rauszuziehen, dass man am Ende die wenigsten Murmeln hat. Du meintest, dass du es aber lieber so spielst, dass der gewinnt, der die meisten Murmeln hat. Ich hoffe, das „verwächst“ sich noch bis zum nächsten Jahr und du erklärst der Lehrerin dann nicht wortreich, warum du Ente aber lieber mit N („enn“) vorne schreibst 😉 Als ich dich fragte, worauf du dich in der Schule am Meisten freust, antwortetest du: „auf die Zuckertüte natürlich!“. Darin sollen viele „Süchichkeiten“ sein, ein Kuscheltier und auch „ein paar Schuldinge, wie Ratzepummel zum Beispiel“.

Bild: www.amazon.de

Dein Ranzen soll vom „König der Löwen“ sein, weil du so einen im Spielzeuggeschäft gesehen und dich auf der Stelle in ihn verliebt hast. Du warst schon schwer davon zu überzeugen, dass man den Schulrucksack erst in dem Jahr kauft, in dem man auch wirklich eingeschult wird. Du betonst bei jeder Gelegenheit, dass du in der Kita jetzt ein Vorschulkind bist und freust dich im Moment (neben der Zuckertüte) am Meisten auf das Fach Sport, weil du es liebst, dich zu bewegen, wie du sagst. Dass man sich dafür in nicht allzu langer Zeit aus- und wieder anziehen und sich die Schnürsenkel selber binden können sollte, sage ich dir noch, wenn es soweit ist. Ein Hoch auf den Erfinder des Klettverschlusses!
Den früheren Berufswunsch „Pirat“ hast du seit einer Weile wieder an den Nagel gehängt und bist nun fest entschlossen, Tierärztin werden zu wollen. Du bist jetzt schon sehr ehrgeizig und gibst nicht sofort auf, wenn etwas nicht gleich klappt. Ich ermutige dich, Dinge auszuprobieren, lobe dich, wenn du etwas geschafft hast und sage dir oft, wie stolz ich auf dich, mein großes Mädchen, bin. Gerade vor ein paar Tagen hast du dich zum ersten Mal getraut, auf dem Piratenspielplatz an der Stange
herunterzurutschen. Dafür muss man auf einen kleinen Vorsprung klettern, sich mit Händen und Beinen an der Stange festklammern und dann „abseilen“. Beim ersten Mal habe ich dir noch geholfen und dich unter dem Po festgehalten, damit du ausprobieren kannst, wie es funktioniert. Beim zweiten Mal stand ich nur noch daneben und als du tatsächlich alleine an der Stange hingst, hast du vor Schreck geschrien wie am Spieß. Als du unten angekommen bist (trotz Schreien), haben deine Augen geleuchtet und ich war unheimlich glücklich, zu sehen, wie stolz du auf dich selber bist, wenn du etwas geschafft hast!
Bitte bitte erhalte dir das!

Meine Schweizer Bloggerfreundin Mama on the rocks macht sich gerade Gedanken über ihre Tochter und das Thema Schule, weil die vor ein paar Wochen eingeschulte „LadyGaga“ abends nachdenklich sagte, sie wünsche sich, besser malen zu können. Ich möchte natürlich, dass du deine Leistungen mit denen der anderen vergleichst, um dich und deine Fähigkeiten und Talente einschätzen zu können. Gleichzeitig hoffe ich aber auch, dass es dich anspornt und motiviert, wenn du merkst, dass du etwas noch nicht so gut kannst und du nicht gleich entmutigt bist und aufgibst. Man kann alles schaffen, wenn man nur will!

In einem Jahr stehst du an der Stelle, an der ich vor (dann) 22 Jahren gestanden habe und wirst – genau wie ich – Schwierigkeiten haben, die große Schultüte selber zu halten 🙂 Mit einem lachenden und einem weinenden Mama-Auge stelle ich mir heute schon diese Situation vor und bin einerseits froh, dass es noch ein Jahr dauert, bis ich ein bisschen „loslassen“ muss, und andererseits kann ich den Moment kaum erwarten, weil ich weiß, wie sehr du dich auf diesen neuen Lebensabschnitt freust!

Bitte bleib auch im nächsten Jahr der neugierige, wissensdurstige Forscher, der du bist, und erhalte dir die Freude an den kleinen Dingen, wie den leeren Schneckenhäusern, die du gerne sammelst, und den zu untersuchenden Spinnennetzen im Garten! Ich bin so glücklich, dass ich dich auf deinem Weg begleiten und die Wunder dieser Welt mit dir gemeinsam ein weiteres Mal erleben darf.

Ich liebe dich!
Deine Mama

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Autor: Mama 2.0

stoffverliebte 2fach-Mama, Berlinerin, iphoneaddict, Musikpädagogin. Liebt buntes Klebeband, geistige Herausforderungen und hat sich den Blick für das Schöne bewahrt. Happiness is not a destination, it is a way of life. Glas ist halbvoll und so, wa?

3 Kommentare zu „Mein liebes großes Mädchen…“

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