Schwanger – der vierte Monat

Der vierte Monat, Woche 13 – 16

„Heute war endlich wieder Baby-TV bei der Frauenärztin. Wohl die einzige Zeit im Leben einer Frau, in der sie es kaum erwarten kann, auf den „heißen Stuhl“ zu kommen… Nach einem schnellen „WiegehtshabenSieFragen?“ hat sie kurz geschallt und meinte nur, du seist inzwischen so groß, dass es fast schon ein Fall für Ultraschall über den Bauch gewesen sei. Nächstes Mal dann! Du warst sehr aktiv, hast dich gestreckt und deine Beinchen zwei Mal nacheinander gaaaanz lang gemacht. So süß! Gewachsen bist du auch: 6,4 cm von Kopf bis Po. Wahnsinn oder? So ein kleiner großer Mensch turnt da in meinem Bauch! Und ich habe e-n-d-l-i-c-h meinen Mutterpass bekommen, bin also jetzt auch ganz offiziell schwanger! Habe mich zu Hause gleich an die Nähmaschine gesetzt und dem Pass ein hübsches Outfit genäht. Die Familie weiß es jetzt auch. Meine Oma: „Also hatten die Mohrrüben doch was zu sagen!“ (Hatte ganz am Anfang furchtbaren Appetit auf Möhreneintopf und habe 4 Tage am Stück davon gegessen. Diese Tatsache hatte meine Oma dazu veranlasst, zu fragen, ob ich schwanger sei (äh, nein, warum?). Weshalb wissen die Frauen der Familie sowas immer sofort?!)

Juhu, geschafft! 4. Monat, endlich aufatmen: das Ende der kritischen 12 Wochen und der Beginn der „Wohlfühlzeit“! Liest man am Anfang der Schwangerschaft in Ratgebern, dass die Übelkeit mit der 13. Woche verschwindet, hofft man das zwar ganz stark, kann es sich aber absolut nicht vorstellen, wenn sich aktuell mal wieder das Mittagessen auf dem Rückweg befindet. Aber was soll ich sagen – genau so war es! Fast von einem Tag auf den anderen waren die extreme Schlappheit und Müdigkeit weg und die Lebensgeister kamen langsam zurück (ok, ich gebe zu, abends auf der Couch habe ich immer noch schneller geschlafen als der Prime-Time-Film zu Ende gewesen ist ^^). Heißhunger hatte ich auch in dieser Zeit nicht zu knapp: auf grüne Bohnen, Philadelphia, frisches Brot mit Butter, Nektarinen und äh…Eis. Alles in rauhen Mengen und solange, bis die Phase wieder vorbei war.
Ebenfalls Anfang des 4. Monats hat Fiona ihren „Geschwisterpass“ bekommen, eine Art kleinen Ausweis im gleichen Stil gehalten wie der originale Mutterpass, nur eben für große Schwestern und Brüder (gibt’s für kleines Geld bei dawanda, gesehen und sofort verliebt in die Idee).

Vorne werden (genau wie im „echten“) Stempel gesammelt von Arzt, Hebamme, Kita usw. und statt Blutgruppe, Rhesusfaktor und Antikörpern wird im Geschwisterpass z.B. nach Anzahl der Finger und Zehen gefragt und ein Geschwister-Suchtest durchgeführt (noch negativ). Das Ultraschallbild aus der 11. Woche habe ich ihr in klein ausgedruckt, damit sie es einkleben konnte und den Pass hütet sie seitdem wie eine Trophäe.

In Woche 14 sah ich von außen noch nicht wirklich schwanger aus, aber im Liegen hatte der Unterbauch schon eine deutliche kleine Babywölbung.
Wie süß! Da ist jemand drin!
Zu dem Zeitpunkt habe ich eine Weile überlegt, ob ich mir wirklich ein „Angelsounds“ bestellen soll. Das ist keine moderne Spieluhr, sondern ein Gerät zum Hören der Herztöne des Babys mit etwas Ultraschallgel und Kopfhörern. Neumodischer Schnickschnack und unnötiges Geld-zum-Fenster-Rauswerfen denken sicher einige. Aber ihr glaubt nicht, wie ewig lang die 4 Wochen zwischen zwei regulären Vorsorgeterminen sein können, wenn man sein Bauchkind noch nicht spürt. In der Hoffnung, es hinterher bei Ebay wieder loswerden zu können, bestellte ich also das „Angelsounds“ und konnte dann kaum die Tage abwarten, bis der DHL-Mann mir mein Päckchen in die Hand gedrückt hat. In dem Moment, in dem ich ein zartes, aber rhythmisches Hufgetrappel aus meinem Bauch gehört habe, kullerten ein paar Tränen meine Wangen runter vor Freude über das erste selbstgehörte Lebenszeichen von meinem Baby.
In den darauffolgenden Wochen habe ich immer mal wieder kurz gehört, ob es noch da ist, besonders, wenn ich aus irgendeinem Grund ein „komisches Gefühl“ hatte (sowas haben werdende Mamas öfter…). Es beruhigt einen doch sehr, wenn man einfach die Möglichkeit hat, zu Hause kurz in den Bauch „reinzuhören“ und nicht wegen jedes Zipperleins beim Arzt im Wartezimmer zu sitzen oder sich grundlos Gedanken zu machen.
Birgt allerdings auch Risiken, das „Angelsounds“, z.B., wenn man den Herzschlag nicht auf Anhieb findet. Es braucht schon etwas Geduld und Feingefühl. Auf jeden Fall war ich froh, es zu haben. So konnte auch die große Schwester schon gespannt ein erstes Mal Baby hören und über das kleine Herzchen staunen.

„Die gute Nachricht: du bist etwa so groß wie ein Pfirsich, kannst nach der Nabelschnur greifen und am Daumen lutschen und dein Gesicht bekommt deutlichere Konturen: Nase, Kinn, Ohren, Augen, Lippen. 
Die schlechte Nachricht: jedes Kind kostet einen Zahn, sagt man. Ausgerechnet am Sonntag habe ich heftige Zahnschmerzen bekomen und den Tag mit Kühlpack und Salbeitee auf dem Sofa verbracht! Wollte eigentlich die Hochzeitszeitung für den 30. Hochzeitstag (meiner Eltern) fertig stellen, aber rien ne va plus mit dem Zahn! Habe morgens eine halbe und nachmittags eine ganze Paracetamol nehmen müssen, so schlimm. Hatte zwar ein schlechtes Gewissen wegen Tabletten in der Schwangerschaft, aber erstens soll Paracetamol da das Mittel der ersten Wahl sein bei Schmerzen und zweitens ging es wirklich nicht anders… Montag morgen dann zuerst zum Kinderarzt mit der erkälteten Fiona und dann weiter zum Zahnarzt. Kaum wieder zu Hause, ist mir auf der anderen Seite ein Stück Zahn abgebrochen beim Essen! Das gibt’s doch nicht! Zwillinge? Dienstag also wieder hin, Zahnschmerzen auch wieder da. Großbaustelle! Man, ausgerechnet jetzt…“

Bild: http://www.amazon.de

In der 15. Woche schrieb ich in mein Schwangerschaftstagebuch: „Mitte des vierten Monats: im Ultraschall ist eine Geschlechtsbestimmung jetzt weitgehend sicher möglich, sagt der Newsletter – WHAT?! Ich bin mir irgendwie so sicher, dass du ein kleiner Bruder bist. Alles ist anders als bei Fiona, vor allem meine Haut (ständig Pickel und irgendwelche Flecken!). Am Wochenende haben wir den 30. Hochzeitstag gefeiert. Nach einem ganzen Tag auf den Beinen war der Bauch abends gefühlt riesig groß, nanu! Unsere Gäste aus den USA tippen auch auf einen Jungen („I wish you joy and health! And: it will be a boy!“), ob Frau Dr. beim nächsten Ultraschall schon was dazu sagen kann? Bei Fiona war es auch in der 16. Schwangerschaftswoche, glaube ich. So aufregend!!! Du bist jetzt ca. 8cm lang (SSL) und gerade mal 50g schwer. Frauen, die schon ein Kind geboren haben, könnten in dieser Woche evtl. schon erste Kindsbewegungen spüren. Oh wie schön wäre das! Zeig dich, mein Schatz! Haben übrigens schon einen Kinderwagen für dich ausgesucht, bzw. einen Buggy, in den ich mich verliebt habe: den Quinny Zapp Xtra mit 3 Rädern in der Farbe „red rumour“ (hoffentlich kein Omen, haha), auf den man auch ganz bequem die Autoschale montieren kann und der für Junge und Mädchen gleichermaßen passen würde. Hach, freu ich mich!“

Als ich vor 2 Monaten den positiven Test in der Hand gehalten habe, war die erste „Amtshandlung“ als Schwangere das Verschicken einer Emailanfrage an eine Hebamme. In der Schwangerschaft mit Fiona habe ich schlichtweg nicht gewusst, dass man sich auch vor der Entbindung schon eine suchen kann und vor allem wusste ich nicht, dass die Krankenkasse ihre Besuche bezahlt. Das Berufsbild der Hebamme war für mich das der Frau, die mich im Kreißsaal zum Atmen auffordert und sagt, dass und vor allem wann ich pressen soll. Dass man sie als „praktisches Accessoire“ schon während der gesamten Schwangerschaft an seiner Seite haben, sie intensiv kennenlernen und mit allen Fragen des täglichen Schwangerschaftswahnsinns „belästigen“ kann, war mir neu. Die damalige war mir nicht besonders sympathisch und wir sind bis zum Ende einfach nicht so richtig warm miteinander geworden. Sie so alt, ich so jung. War irgendwie nix. Dieses Mal sollte das anders laufen! Die Hebamme, die unmittelbar in unserer Nähe wohnt, heißt zufällig auch Vivien und hat mir sofort ganz lieb geantwortet. Sie würde mich annehmen und wir könnten einen Termin zum Kennenlernen ausmachen. YES! Ich fühlte mich wie damals im Sportunterricht, wenn ich in ein Handball-Team gewählt worden bin und nicht noch als Letzte auf der Bank sitzen musste. Sie wollte mich kennenlernen, wir hatten ein DATE!

Dieses erste „Date“ stand Ende der 15. SSW an. Ich war ganz aufgeregt und gespannt, ob sie mir sympathisch sein würde. Um 9 klingelte es an der Tür. Vivien wollte eigentlich nur eine halbe Stunde „smalltalk“ machen, damit wir uns kennenlernen und beschnuppern können. Aus der halben Stunde wurden 2, wir quatschten uns fest und konnten uns fast nicht trennen. Es war, als wäre eine sehr gute Freundin zu Besuch. Neben dem Namen verbanden uns noch einige weitere Gemeinsamkeiten (fast gleichaltriges Kind, in Süddeutschland studiert bzw. Ausbildung gemacht, usw.) und wir hätten noch eine ganze Weile weitererzählen können. Mir ist ein großer Stein vom Herzen gefallen. Ich hab eine Hebamme und die gebe ich auch nicht mehr her!

„Wo ist die Zeit hin? 16.Woche! Du bist so groß wie eine Orange, ca. 12cm, und 110g schwer, so viel wie eine Tafel Schokolade. Morgen erfahren wir das ganz genau, denn dann ist endlich wieder Termin bei Frau Dr. und Fiona kommt mit! Ich glaube, in den letzten Tagen habe ich dich tatsächlich schon gespürt, mein Schatz! 100%ig sicher bin ich mir nicht, aber gerade gestern Abend war irgendwie „Unruhe“ als ich auf der Couch gelegen habe. So schön! Letzten Sonntag hatte mein Bauch übrigens Unwucht! Eine Beule auf der rechten Seite, ganz hart. Was war das? Kopf? Po? Und nach dem Frühstück ist mir plötzlich sauschlecht geworden, mit Kotzen! Hä? Kann aber auch am Blutdruck liegen, der war sehr niedrig, 104/59 und Puls nur 47. War mal wieder halbtot scheinbar. Das Konzert am selben Nachmittag haben wir trotzdem gut über die Bühne gebracht. Morgen ist der letzte Arbeitstag, es trennen uns nur noch wenige Stunden von den SOMMERFERIEN! P.S. Habe heute Nacht geträumt, dass du geboren wurdest und ein Mädchen warst! Bei Fiona hatte ich so einen eindeutigen Traum auch. P.P.S. Dein Quinny-Flitzer, den ich mir ausgeguckt hatte, steht neu und OVP im Keller. War ein unschlagbares Angebot mit zeitlich begrenztem Aktionsgutschein. Konnte nicht anders :)“ 

……………………………………………….to be continued……………………………………………………….
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Autor: Mama 2.0

stoffverliebte 2fach-Mama, Berlinerin, iphoneaddict, Musikpädagogin. Liebt buntes Klebeband, geistige Herausforderungen und hat sich den Blick für das Schöne bewahrt. Happiness is not a destination, it is a way of life. Glas ist halbvoll und so, wa?

2 Kommentare zu „Schwanger – der vierte Monat“

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