Hilfe, mein Kaktus hat Herpes!

Obwohl Kakteen wohl die einzigen Pflanzen sind, die bei mir „gedeihen“, sofern man davon sprechen kann, betrifft der Posttitel nicht meine eigenen. Jan Anderson (*1974) hat im blanvalet-Verlag ein Buch mit selbigem Titel herausgebracht, das „die beklopptesten Fragen und Antworten aus dem Internet“ vereint. Es ist zum Schreien komisch, wonach Menschen im Internet suchen (und manchmal genauso, welch kuriose Antworten sie auf ihre Fragen erhalten).

Wenn ich Eines in den vergangenen Jahren gelernt habe, dann ist es die Feststellung, dass es nichts gibt, was es nicht gibt. Die Google-Suche ist einem ja sowieso immer einen Schritt voraus und schlägt zum Satzanfang „Warum haben…“ sofort hilfsbereit „…Zebras Streifen?“, „…Asiaten Schlitzaugen?“ und „…Zeichentrickfiguren nur 4 Finger?“ vor. Manchmal bin ich dann so fasziniert von den Vorschlägen, dass ich beim Lesen vergesse, wonach ich eigentlich suchen wollte und mich Minuten später in einer zoologischen Abhandlung über das Paarungsverhalten afrikanischer Weißbauchigel wiederfinde. Nun ja.
Wie absurd die eigene Frage also auch sein mag, das Internet hat in Bruchteilen von Sekunden 48.372 Antworten gefunden, bei der garantiert eine dabei sein wird, die man gesucht hat. Denn mit dem Befragen des WWWs ist es ja so: oft möchte man eine bestimmte Antwort haben und googelt nach Bestätigung. Gegenteilige Antworten werden einfach überscrollt. Dass Dr.Google bei einem Kratzen im Hals nicht nur hilfsbereit homöopathische Kügelchen aus der Onlineapotheke zur Linderung anbietet, sondern auch Kehlkopfkrebs und eine onkologische Facharztpraxis in der Nähe vorschlägt, gefällt einem dann natürlich nicht so sehr…

Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis

Ich erinnere mich noch an mein erstes Mal googeln, das muss Anfang des neuen Jahrtausends gewesen sein (man, klingt das alt!), denn ich hatte es am PC unter dem Moorhuhn-Deckmantel insgeheim nicht aufs Hühnertöten, sondern auf den Internet Explorer abgesehen. Aufregende virtuelle Welt! Das Modem blinkte wild und hat bei jedem Start Codes gesungen, die klangen, als würde man Kontakt zu einem fernen Planeten aufnehmen. Hatte man sich im Chatroom „festgequatscht“, gab es Ärger bei der nächsten Telekom-Rechnung und damit einer im Haus telefonieren konnte, musste der andere das Internet ausmachen. Wird mein Kind mal darüber lachen? Bei meiner ersten Anfrage saß ich ein bisschen hilflos vor der Suchmaske und tippte dann „Kannst du mir sagen, ob….“ in die Leiste, weil ich noch nicht wusste, wie man dieses Google bedient ^^
Mittlerweile kennt sich die Welt damit aus und scheut sich nicht, in den anonymen Weiten um Hilfe zu bitten, wenn „die Katze zu laut furzt, die Warze zu weit wandert oder der Diesel nach Salatöl stinkt“.  

Grob unterteilt nach Themengebieten geht es im Buch zum Beispiel darum, wie man seinen Nachbarn am geschicktesten verärgert, was man tun kann, wenn der Hund sich in die Katze verknallt hat, warum beim Sex im Auto die Scheiben beschlagen oder was man machen soll, wenn die eigene Oma mit in die Disco kommen möchte. Im Vorwort schreibt Anderson: „Wer sich in den Foren dieser Welt umschaut, erhält nicht nur Antworten auf Fragen, die ihm niemals in den Sinn gekommen wären. Man lernt zudem eine ganze Menge über die Natur des Menschen an sich, nicht zuletzt abzulesen an der Art der Sprache und dem Stil des Schreibens. Das Internet ist eine anonyme gefährliche Scheinwelt? Von wegen! Nirgendwo wird so ehrlich beraten, gefachsimpelt und gelogen. Tauchen Sie ein in die Menschlichkeit der Webforen, und lesen Sie, welche Themen Madmichael, SchnellesBienchen73, Silverdancer & Co. unter den Nägeln brennen.“

Die abenteuerlichsten Forenbeiträge findet man in „Hilfe, mein Kaktus hat Herpes“(8,99€) versammelt, sicher nicht als literarische Unterhaltung auf höchstem Niveau, aber für kurzweiligen Spaß bei langen Bahnfahrten oder anderen „Sitzungen“ in den eigenen 4 Wänden. Wer also das ideale „Klo-Buch“ zum Verschenken sucht, sollte nicht lange zögern!

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Autor: Mama 2.0

stoffverliebte 2fach-Mama, Berlinerin, iphoneaddict, Musikpädagogin. Liebt buntes Klebeband, geistige Herausforderungen und hat sich den Blick für das Schöne bewahrt. Happiness is not a destination, it is a way of life. Glas ist halbvoll und so, wa?

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