Rettet die Wahlen!

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Dass in 9 Tagen eine Wahl in Deutschland stattfindet, dürften die meisten mittlerweile mitbekommen haben, auch wenn bei den Erstwählern, die Stefan Raab täglich befragt, oft noch nicht so ganz klar ist, wer wofür oder wogegen gewählt werden soll und, dass man dafür gar kein Telefon benötigt.
In den vergangenen Wochen konnte man sich dem ganzen Medientrubel um die bevorstehende Bundestagswahl ja so gut wie nicht entziehen, schon allein der Kampf der Giganten wurde auf 4 Sendern gleichzeitig übertragen – kein Entkommen!
Die Stadt ist gepflastert mit mehr oder weniger gelungenen Plakaten, die einem in großen Lettern Politikbrocken aus dem aktuellen Wahlprogramm vor die Füße kotzen und in kurzen Abständen erneuert werden müssen, weil große Konterfeis nun mal zum fröhlichen Verzieren einladen. So hat auch eine Angela Merkel schon geschichtsträchtige Bärte sich hat weglasern müssen…
Die großen Parteien setzen mit wenig kreativen Slogans auf Seriösität, haben ihre Farben nochmal durchdacht und präsentieren sich nun in Sonnenaufgangsorange und rot-pink-lila-Regenbogenfarben, denn schwarz macht sich auf einem Plakat nicht so gut und rot ist eben nicht gleich rot. Die Linke setzt mit einer dicken, runden Schrift alles auf plakative und griffige Slogans, ähnlich derer auf der ersten Seite der größten Boulevardzeitung des Landes. Man guckt hin, ob man will oder nicht. Die Grünen haben sich in diesem Wahlkampf auf den Kern der Sache besonnen und reduzieren ihren sperrigen Namen um das Bündnis 90. Auf den aktuellen Plakaten ist aber nicht mal mehr etwas von der Farbe zu lesen, sondern nur noch die Frage „Und du?“ mit einer kleinen Sonnenblume am Rand. Die Plakate sehen aus, wie sich Nicoles Grandprix-Hit 1982 angehört hat: nach langen Haaren, einem alten Wollpulli, einer Gitarre und „ein bisschen Frieden“… Die FDP wirbt mit einem gelb-bewölkten Plakat (und der Hausschrift von Mercedes Benz! Welch Ironie…), auf dem Philipp Rösler zu sehen ist. Darunter steht: „Starke Mitte“. Gut, dass dafür nicht Brüderle Modell stand, denn nach der Dirndl-Affäre hat wohl niemand mehr an seiner höchstpersönlichen „starken Mitte“ gezweifelt. Die Piraten segeln mit gehissten Flaggen in Richtung Bundestag, schießen mit Platzpatronen auf „das WIR“, die „sichere Mitte“ und die „soliden Finanzen“ und fragen stattdessen: „Warum häng ich hier eigentlich? Ihr geht ja eh nicht wählen.“ Einen Kreativitätspluspunkt bekommen sie für das Plakat mit dem Bild eines australischen Beuteltiers und dem Text: „Für einen Wombat in jedem Haushalt!“ und darunter klein: „Unrealistische Wahlversprechen können wir auch.“. Allerdings kann ich mir ein vollbesetztes Piratenschiff, auf dem jeder seine Daten für sich alleine hat, alle auf ihren Drogen rumkauen und niemand dabei gefilmt wird, dann doch nicht vorstellen. Die „Alternative für Deutschland“ hat so einen beknackten Namen, dass man wohl automatisch vermutet, das Wahlprogramm sähe längentechnisch ähnlich aus. Auch der „Potenzanzeiger“ (wie der Pfeil des AfD-Logos im aktuellen „Magazin“ im Interview mit einem Typografen genannt wurde) tendiert für mich eher in Richtung „starke Mitte“; jedenfalls muss ich immer lachen, wenn ich ihn sehe. Die rechtsextremen Parteien werben natürlich auch mit bunten Bildern und „lustigen“ Reimen, sind es mir aber nicht wert, ein weiteres Wort darüber zu verlieren. Pfui! Passend zu dem Thema las ich bei Twitter letztens: „Es dürfen übrigens die gleichen Leute wählen gehen, für die auf den Tiefkühlpizzakartons steht „Folie vor Verzehr entfernen“ (@JuTime).
Selten ein besseres Argument gehört, um am 22. wählen zu gehen! Günther Jauch hatte letztens ein Publikum voller überzeugter Nichtwähler, die mit allem unzufrieden sind und den typischen Satz sagten: „Es ändert sich ja eh nichts.“ Nichtwählen ist auch keine Lösung! Dann lieber den Stimmzettel regenbogenfarben ausmalen oder einen Papierflieger daraus bauen. Hauptsache, er landet in der Wahlurne! Der Wahlomat ist auch seit einer Weile wieder online. Bei mir ist das Ergebnis jedes Mal ein bisschen anders, meine Meinung zu manchen Themen ist wohl stark tagesformabhängig. Leider landet meine eigentlich favorisierte Partei immer auf den hinteren Plätzen. Ich werde also wohl noch mal in mich gehen müssen.

Wisst ihr schon, wen ihr wählt? (Achtung, Wahlgeheimnis, das ist eine Ja/Nein-Frage 😉
Wählt ihr immer die gleiche Partei, weil es eben schon immer so war oder vergleicht ihr tatsächlich Parteiprogramme und die meisten Übereinstimmungen mit eurer Meinung?
Was sagt ihr zu Steinbrücks ausgestrecktem Mittelfinger im Interview? In Zeiten, wo sogar eine schwarz-rot-goldene Kanzlerin-Kette einen eigenen Twitter-Account hat – wollte da ein alter Mann nur ein bisschen „hip“ sein oder ist das als Kanzlerkandidat ein absolutes No-Go? Ich finde, dieses Ohne-Worte-Interview des SZ-Magazins sollte mit allen Spitzenpolitikern durchgeführt werden! Viele Menschen wissen sicher gar nicht, dass Merkels gefaltete Hände die „ausgezeichnet“-Geste des Mr. Burns aus den Simpsons ist, haha.

Eine gute Zusammenfassung der einzelnen Wahlprogramme findet sich hier, da ist jedes Wahlprogramm auch mit dem Zusatz „in einfacher Sprache“ verfügbar. Das der Piraten beispielsweise würde (gelesen von Armin Maiwald) locker als Sendung mit der Maus durchgehen ^^

Fiona interessiert sich übrigens schon im zarten Alter von knapp 4 Jahren brennend für Wahlplakate und hat auch schon einen klaren Favoriten auserkoren: den Milchmann. Gelegentlich auch Ketchup- und Erbsenmann, da amüsiert sie sich königlich drüber. REWE, ein Mal hin, alles drin ^^

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Autor: Mama 2.0

stoffverliebte 2fach-Mama, Berlinerin, iphoneaddict, Musikpädagogin. Liebt buntes Klebeband, geistige Herausforderungen und hat sich den Blick für das Schöne bewahrt. Happiness is not a destination, it is a way of life. Glas ist halbvoll und so, wa?

5 Kommentare zu „Rettet die Wahlen!“

  1. Ich weiß noch nicht, was ich wähle. Ich weiß aber, dass ich eine kleine Randpartei wählen werde und muss da nochmal schauen, welche mir am meisten zusagt 😉 Auf die Wahlplakate achte ich ehrlich gesagt gar nicht. Gestern fuhren 3 Fahrradfahrer vor mir, 2 davon nebeneinander, mit Westen „Hier kommt die Linke“. Ich hatte es eilig und keinen Nerv, da hinterherzutuckern und nebeneinander Fahrrad fahren geht gar nicht. Also bei mir ging diese Form der Werbung nach hinten los 😉

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  2. Sehr schöner Artikel 🙂
    Ich habe schon gewählt (Briefwahl) und habe es mir wirklich sehr schwer gemacht. Kurzzeitig hatte ich überlegt, meien Jüngste einfach mal auf den Wahlzettel tippen zu lassen und dort mein Kreuz zu machen 😉

    In diesem Jahr habe ich mich tatsächlich ein wenig in die Wahlprogramme eingelesen aber auch das hat mich nicht überzeugt.
    Letztendlich ist das Kreuz auf dem Zettel gelandet (genau genommen sind es ja zwei Kreuze) und ich bin jetzt schon gespannt, wie Deutschland am 22. wählen wird.

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  3. Das einzige, was -neben den Babywindelinhaltfarbenen Parteien – für mich nicht in Frage kommt, ist das Nichtwählen. Die Erststimme geht zwangsweise an einen der Kandidaten, die überhaupt eine Chance haben, aber die Zweitstimme…

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