Die große Liebe

Mit dem ersten Kind ziehen sie in die Wohnung ein.
Sie kommen nicht alle auf ein Mal, sondern Stück für Stück.
Hier mal eins, da mal eins: ach ist der nicht süß…? Mama, den möchte ich unbedingt haben!
Nach und nach bevölkern sie erst das Kinderzimmer und irgendwann die ganze Wohnung.
Will sich das Kind mal so richtig stinkwütend und trotzig mit Schwung in die Ecke werfen, wird nichts passieren, denn die Ecken sind bunt gepolstert.
Lauter niedliche Knopfaugen gucken unschuldig von den Regalen und feiern wilde Partys, wenn wir nicht zu Hause sind. Anders kann ich mir das Chaos in deren Reich beim besten Willen nicht erklären. Da wird lustig mit Spielzeugbaggern geworfen, es werden heimlich Stiftspitzen abgebrochen, Pixibücher geknickt und Murmeln unters Bett gekullert.
Ginge die Entwicklung so rasant weiter, wie in den ersten paar Jahren, würde mir wohl irgendwann Teddy persönlich am Abend die Tür aufmachen und mir die Jacke abnehmen. Ihr ahnt es sicher schon: die Rede ist von KUSCHELTIEREN.

 
eine kleine Auswahl…

meine Kuh „Emma“, die Fiona immer
liebevoll „Elmar“ nennt nach
dem gleichnamigen Buch mit dem Elefanten ^^

Versteht mich nicht falsch: ich liebe Kuscheltiere, wirklich. Ich habe selber welche, die auch noch nicht in non’schen Besitz übergewandert sind, die werden höchstens mal zum Kuscheln geliehen. Aber irgendwann ist der anfangs noch recht übersichtliche Bestand explodiert und jetzt kann Fiona fast jeden Tag im Jahr einen anderen Plüschfreund mit in die Kita nehmen…Wann ist das passiert?

Die ortsansässigen Kuscheltiere lassen sich in 3 Gruppen einteilen:
 
1.) nur Deko
2.) nähere Bekannte
3.) große Liebe

Zu Kategorie 1 zählen bedauerlicherweise die meisten. Die haben ihren festen Platz im Regal, den sie nur zu o.g. Sturmfrei-Partys verlassen. In Gruppe 2 fallen die, die an den sog. Kuscheltiertagen (alle Tage, die auf „g“ enden ^^) eventuell mit in den Kindergarten kommen dürfen. Die Spanne reicht von einer winzig kleinen Monchichi-Dame, die Mama gekauft hat, weil sie sie so an ihre Kindheit erinnert, bis hin zu der großen pinken Build-a-Bear-Kitty, die sogar eigene Schuhe und Kleider vorweisen kann. Wenn letztere zum Mittagsschlaf mit in den Kindergarten geht, muss die Erzieherin vermutlich noch eine weitere Matratze stellen, denn Kitty ist wirklich sehr groß…
Dazwischen finden sich ein paar „halbstarke“ Oktonauten, sprechende Enten, Micky Mäuse und eine ganze Batterie an Hasen in unterschiedlichen Größen und Farben. Damit wären wir auch schon bei Kategorie 3 angekommen: der großen Liebe.
Bisher haben wir nur ein Kind, fühlen uns aber wie Eltern von Zwillingen, denn um Hasi, den einzig wahren „lieben Hasi“, dreht sich das gesamte Leben, genauso wie um Fiona. „Liemhasi“, dessen Adjektiv über die Zeit zum nicht deklinierbaren Eigennamen geworden ist, begleitet Nono seit ziemlich genau 3 Jahren auf Schritt und Tritt. Er hat ein etwas struppiges Fell (war mal weich), lange Schlenkerbeine mit dicken Pfoten, eine heute nicht mehr erkennbare Schleife um den Hals und hat bisher schon mehr von der Welt gesehen als manch Erwachsener (das hat auch schon sichtbare Spuren hinterlassen…). Im Alltag ist er nicht mehr wegzudenken: als Kuschelfreund genauso wie als Beulentröster, Spielkamerad, Seelenverwandter und nächtlicher Beschützer. Gerade weil er so einzigartig und wertvoll ist, konnte ich glücklicherweise von Anfang an durchsetzen, dass Hasi nicht mit in den Kindergarten geht, sondern morgens zu Hause einen „Schlaf-Gut-Kuss“ von Fiona bekommt, in ihrem Bett zugedeckt wird und sich dann erst mal ausruhen muss, während sie in der Kita ist, weil er ja die ganze Nacht auf sie aufgepasst hat. Klingt logisch, leuchtet ihr ein. Zum Abholen kommt er dann immer mit und die Wiedersehensfreude bei beiden ist immens. Irgendwann fing sie an zu fragen, was Hasi gesagt hat, als ich ihn geweckt habe, und so sponn ich mir immer neue Geschichten zusammen. Mittlerweile ist es schon zu einem kleinen Ritual geworden:
„Mama, was hat Hasi heute gesagt?“
– „Also, er hat tiiief und fest geschlafen, hat sogar geschnarcht, kannst du dir das vorstellen? Und dann hab ich leise gerufen: „Haaasi, aufstehen, wir wollen doch Nono abholen!“ Und dann hat Hasi gesagt: „Aber ich bin noch sooo müde…“ Und dann hab ich gesagt: „Aber Hasi, wenn du jetzt nicht aufstehst, dann fahr ich alleine zum Kindergarten!“ Und dann ist er aufgesprungen und bis in den Himmel gehüpft und hat gerufen: „Neeeiiiin, ich will doch mit, meine Nono abholen! Ich hab sie sooo vermisst! Fahren wir jetzt gleich? Darf ich in ihren Sitz? Kannst du mich anschnallen?“ …..

Hasi 2009 und 2013

Es ist so schön, in diesen Momenten aus dem erwachsenen Arbeitsalltag abtauchen zu können und gemeinsam mit dem eigenen Kind ein bisschen in die (verloren geglaubte) Phantasie zu reisen! Da soll noch mal einer sagen, Kinder machen Eltern nicht kreativ 😉 Als wir am Wochenende Trampolin gesprungen sind, habe ich meinen roten Schal zum Hüpfen zur Seite gelegt, woraufhin ihn sich Fiona geschnappt und in die Mitte des Trampolins gelegt hat. Das sei das Feuer, wo wir auf keinen Fall reinspringen dürften – wir hatten solchen Spaß!
Aber zurück zum Hasi: eines Morgens durfte er ausnahmsweise mitfahren zum Kindergarten, weil ich an dem Tag vor dem Abholen nicht nochmal nach Hause gekommen wäre um ihn zu holen. Seitdem muss Hasi jeden Morgen mitkommen und sie verabschiedet sich erst direkt am Kindergarten von ihm. Heute morgen hatten wir keinen guten Start. Ein paar Minuten nach dem Losfahren stellte Fiona panisch fest, dass sie ja Liemhasi vergessen habe! Ich erfand spontan allerhand Geschichten, weshalb er vor dem Losfahren direkt eingeschlafen sein könnte, sang mit ihr Lieder und spielte „Ich sehe was, was du nicht siehst“ um sie vom fehlenden Langohr abzulenken. Aber vergeblich… Sogar im Kindergarten bei der Verabschiedung von mir war sie nicht so ausgelassen und fröhlich wie sonst, sondern der vergessene Hasi steckte ihr noch immer merklich in den Knochen. Ich freue mich schon jetzt auf die strahlenden Augen, wenn Hasi beim Abholen nachher um die Ecke guckt und sie wissen möchte, was er heute gesagt hat. Das muss Liebe sein!
Kennt ihr das von euren Kindern auch? Gibt es „the one and only“ oder haben eure Mäuse wechselnde „Bettpartner“?

>>Lange bevor ich erwachsen wurde, lehrte mich ein Teddy, was Liebe wirklich heißt:
nämlich da zu sein, wenn man gebraucht wird.<<
(Jim Nelson)
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Autor: Mama 2.0

stoffverliebte 2fach-Mama, Berlinerin, iphoneaddict, Musikpädagogin. Liebt buntes Klebeband, geistige Herausforderungen und hat sich den Blick für das Schöne bewahrt. Happiness is not a destination, it is a way of life. Glas ist halbvoll und so, wa?

7 Kommentare zu „Die große Liebe“

  1. Ich hab ja noch keine Kinder, aber ich selbst hatte so einen Teddy, der musste auch überall mit hin! Genau wie bei Nono wurde er auch stets liebevoll zugedeckt und wartete dann bis ich wieder zuhause war. Teddy war wirklich mein treuster Begleiter, und ich hab ihn immer noch. Heute fällt er zwar in die Deko-Kategorie, aber ich werde nie vergessen wie wichtig er mir früher war 🙂

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  2. Du sprichst mir aus der Seele. Ich habe auch auf der Liste – lange schon – mal darüber zu schreiben. Hehe, und die Kategorien sind mal geil. Stimmt aber und viele Tierchen erkenne ich wieder. Vermutlich sind sie mit unserer Beute verwandt. 😀

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  3. Ist das schön. Besonders das „Vorher / Nachher“ – wie der Zahn der Zeit an Liemhasi genagt hat.

    Mein großer Junge hat von Anfang an ein Schnuffelpüppchen, das er sehr liebt. Es ist schon das 6. Baugleiche, da er mal eins verlor, mit einem zahnte etc. Leider hat er meine Restbestände gefunden und schläft nun mit den Nummern 6, 7 und 8. Tja. Eine hab ich noch 🙂

    Meine Tochter liebt seit ihrer Geburt „Bärchi“, es riecht streng, denn es mag nicht baden. Und ein selbstgenähtes Schnuffelpüppchen als Vampir, kannste hier sehen: http://zepideh.blogspot.de/2012/10/halloween-vorbotin.html

    Der Kleinste wechselt seine Bettgefährten, favorisiert aber eine fiese rosa Maus vom Rummel oder den Kussel-Heiland aus der Vorweihnachtszeit.

    Liebe Grüße von mir zu Dir. Nina

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  4. Oh man, der Liebhasi ist aber wirklich toll. Ich kann mir richtig vorstellen, wie die beiden den Tag zusammen verbringen. Noch viel toller finde ich welche schönen Geschichten du deiner Tochter erzählst. Ich wollte mich direkt neben dem Hasen schlafen legen. 🙂

    LIebe Grüße,

    Andrea

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