Soundtrack meines Lebens

Kennt ihr das? Ihr hört zufällig ein Lied im Radio, das euch zu einer bestimmten Zeit eures Lebens begleitet hat, und habt plötzlich den Kopf voller Bilder, Gefühle und Gedanken aus längst vergangenen Zeiten. Es ist ein bisschen wie das Kramen in vergilbten Fotoalben, nur viel intensiver…

Ich würde gerne mit euch zusammen virtuell ein bisschen in der Plattenkiste wühlen und erfahren, mit welchen Songs ihr besondere Menschen oder bestimmte Situationen verbindet. Habt ihr ein spezielles Lieblingslied? Könnt ihr vielleicht manche Lieder absolut nicht hören? Zu welchem Lied habt ihr euch zum ersten Mal geküsst oder eure Kinder in den Schlaf gesungen? Welche Hits habt ihr damals auf Kassette aufgenommen und euch darüber geärgert, dass der Radiomoderator in den Schluss reinquatscht? Welches war eure allererste CD?
Fühlt euch eingeladen, mir in einer Art kleinen Blogparade zu erzählen, was euch zum Thema einfällt. Euren Beitrag mit Link bzw. eure musikalische Geschichte als Kommentar könnt ihr natürlich hier posten und das Foto dürft ihr gern mitnehmen.

Mir ist die oben beschriebene Situation gestern Abend passiert, als ich auf der Suche nach einem bestimmten Lied durch meine Musikdateien auf dem Computer gesurft bin. Dabei habe ich noch viel mehr gefunden als das eine, was ich ursprünglich gesucht habe.
Es war regelrecht schockierend, wie längst vergessen geglaubte und verschüttete Erinnerungen an Situationen und Gefühle nur durch das bloße Lesen der Titel plötzlich wieder an die Oberfläche schwammen! Beim Hören einiger Songs liefen dann sogar die Tränen; nicht, weil die Lieder etwa besonders traurig sind, sondern weil diese Flut von Emotionen mich mit ziemlicher Heftigkeit einfach überrollt hat.

Auf eine kleine Reise mit dem Soundtrack meines Lebens möchte ich euch gerne mitnehmen. Es gibt natürlich noch viel mehr als die hier vorgestellten, aber manche Schätze muss man eben auch mal für sich behalten 😉

Schrei nach Liebe – Die Ärzte
Speziell mit diesem Lied verbinde ich viele schöne Orchesterfahrten Anfang des neuen Jahrtausends und daraus entstandene langjährige Freundschaften. Viele meiner Freunde waren schon zu Jugendzeiten große DÄ-Fans und konnten sämtliche Texte sowohl vor- als auch rückwärts im Schlaf mitgröhlen. Irgendwie wurde ich angesteckt und „Schrei nach Liebe“ war das erste, was ich tatsächlich auch irgendwann auswendig kannte. Und wenn es nur die Tatsache war, dass man im Refrain ein Mal so richtig laut und aus vollstem Herzen fluchen durfte.
 
Don’t stop me now – Queen
ist für mich untrennbar mit einer scheinbar grenzenlosen Freiheit und dem Gefühl, ein bisschen fliegen zu können, gekoppelt. Diese eingängige Up-Tempo-Nummer von Freddy & Co. war das Lied, zu dem mein Leistungskurs am Gymnasium beim Abi-Ball (2006) zur Zeugnisvergabe auf die Bühne gekommen ist. Hach… „Bewahre dir die kindliche Neugier des kleinen Prinzen“ schrieb mein Deutschlehrer und Tutor als Widmung in gleichnamiges Büchlein. Lieber Herr G., das hab ich!
 
All Star – Smash Mouth
Dieser Ohrwurm stammt aus dem Soundtrack zum allerersten Shrek-Film. Mein Faible für Animationsfilme ist ja allgemein bekannt. Wer weiß, vielleicht wurde genau da der Grundstein für die spätere Namenswahl bei unserer Tochter gelegt…? Beim Hören denke ich an meine Schwester, mit der ich gemeinsam mit ausgedrucktem Textblatt in der Hand die schnelle Strophe laut und unfallfrei mitsingen wollte, ohne einen Knoten in der Zunge zu bekommen. Ich kann es übrigens noch heute auswendig 😉
 
You know my Name – Chris Cornell
Die James-Bond-Fans unter euch, die sich jetzt händeklatschend mit mir sympathisieren möchten, muss ich leider enttäuschen. Mit dem Mann hab ich nix am Hut. Der Titel stammt aus dem Film „Casino Royale“ und kam (0)07 in die Kinos. Zu der Zeit studierte ich gerade im ersten Jahr und musste mir diesen Song ständig reinziehen, weil meine beste Semesterkumpanin völlig vernarrt in den damals neuen Darsteller Daniel Craig gewesen ist. Wann immer wir in ihrem Übezimmer einen Kaffee getrunken haben: Craig schaute von einem großen Poster an der Wand zu und Cornell steckte im Radio fest…
 
I wish I was a punkrocker – Sandi Thom
Nochmal zurück ins Übezimmer: wenn es nicht Chris Cornell war, war es Sandi Thom, die sang – schon eher mein Geschmack! Wir starrten auf den großen Wandkalender und staunten, wie schnell die ersten 6 Wochen Studium vergangen sind… In meinen Größenordnungen was Zeit angeht unvorstellbar lange her, auch wenn die Abi-69-Generation jetzt vermutlich laut lachen wird. Wenn ich dieses Lied höre, denke ich an laue Sommernächte, in denen wir vor dem Haus sitzend die Becks-Flaschen auf der Motorhaube eines kleinen blauen Corsas abgestellt haben, an meine erste Weinschorle in der Kneipe des studentischen Vertrauens und daran, dass ich laut Zeugenaussagen zu meinem Briefkasten gesagt haben soll: „Ach, sei ruhig!“ ^^
 
Have you ever really loved a woman – Bryan Adams
Mein jetziger Mann spielte bis vor ein paar Jahren als Gitarrist in dem in der Szene über die Ländergrenzen hinaus bekannten Orchester meines Dozenten mit und hatte im Frühjahr 2007 ein großes Konzert zum World Music Festival in Österreich. Vor einem vollbesetzten Saal spielten sie dieses an und für sich recht schnulzige Lied. Ich war nicht direkt im Publikum, sondern stand weit weg von der Bühne am Saaleingang. Unsere Blicken trafen sich über die Entfernung und er winkte mir flüchtig zu. Nicht einem der anderen 1500 Menschen, sondern mir! Have you ever really loved a woman… Ich habe gut geträumt in der Nacht.
 
Surfin‘ USA – Beach Boys
Nach dem Winken in Österreich haben wir beim gemeinsamen Bowling die Aktion „näher kennenlernen“ in Angriff genommen und dabei einen gemeinsamen Nenner gefunden: Surf-Musik. Über diesen Song, der gerade lief, als alle anderen mitgebrachten Freunde mit der Kugel beschäftigt waren, sind wir letztendlich tiefer ins Gespräch gekommen und haben es erstmalig ein bisschen knistern lassen…Hoppla, jetzt hat meine Hand doch glatt zufällig seine flüchtig berührt. Na sowas!
 
Barefoot – Ray Collins Hot Club
Die Titelmusik zu meinem Lieblingsfilm: „Barfuß“ mit Till Schweiger. Schon bei den ersten Takten hält es mich auf keinem Stuhl und das ganze Ich fängt von allein an, rhythmisch zu zucken. Auch in dem dazugehörigen Soundtrack untergebracht ist Rea Garvey mit seiner Version vom „Hallelujah“ – zum Heulen schön!
 
Mexico – Les Humphries Singers
Zu einer Zeit im Herbst 2009 hörte ich ihr Best-Of-Album rauf und runter, wie auch am 7. Oktober, als ich im Auto mit Kugelbauch zu einem (dem letzten, wie sich später herausstellte) Vorsorgetermin zum Frauenarzt unterwegs war. Bei spätsommerlichen Temperaturen fuhr ich mit heruntergelassenem Fenster laut singend durch die Gegend und brachte nur wenige Stunden später unsere Tochter zur Welt. So gesehen haben die Les Humphries also die Geburtshymne beigesteuert.
 
The Story – Brandi Carlile
„All of these lines across my face tell you the story of who I am…“
Ein wahnsinnig berührendes und emotionales Lied, das mich aufgefangen hat, wann immer ich Halt gebraucht habe.
Ähnlich intensiv wie:
 
 
What’s up – 4 Non Blondes
Die meisten Songs haben ja eine gewisse Stimmung, die sie vermitteln. Zum Beispiel ist „Always look on the bright side of life“ sowohl musikalisch als auch textlich so ziemlich das Gegenteil von HIMs „Join me in death“. Je nach Stimmung hört man entweder das eine, um die gute Laune zu zelebrieren oder das andere, um die eigene Traurigkeit ein bisschen auszuleben. „Whats up“ passt in kein Schema, auch deshalb ist es eins meiner absoluten Favourites. Wenn man traurig ist, kann man wunderbar ein bisschen mit Linda Perry heulen („and so I cry some times when I’m lying in bed“ – übrigens als jugendlicher Liebeskummertröstsong erprobt!), wenn man glücklich ist, nimmt man sich das positive, befreite Gefühl mit und genießt einfach die gute Musik der vier Nicht-Blonden. Wann immer dieses Lied im Radio läuft, vergesse ich die Welt für einen Moment und tauche ab in große Emotionen aus der Vergangenheit. Und die heimliche Hymne meiner Lieblings-iPhone-Chat-App ist es zudem auch noch 😉
 
 
Jetzt seid ihr dran! 
 Ich bin sehr neugierig und unglaublich gespannt, welche Songs euer Leben begleitet haben!
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Autor: Mama 2.0

stoffverliebte 2fach-Mama, Berlinerin, iphoneaddict, Musikpädagogin. Liebt buntes Klebeband, geistige Herausforderungen und hat sich den Blick für das Schöne bewahrt. Happiness is not a destination, it is a way of life. Glas ist halbvoll und so, wa?

8 Kommentare zu „Soundtrack meines Lebens“

  1. Jan Sievers – Die Suche
    … und sein komplettes Album – mein Geheimtipp

    Tolle Mischung, liebe Viv, trifft vieles (fast alles) meinen Geschmack. Ich selbst bin auch nicht auf eine Richtung festgelegt, Paddy ist Hardrock-Fan und ich stehe auf Schlager, bei der Mischung muss man tolerant sein, sonst funktioniert es nicht 😉

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  2. Meine Liste ist auch endlos lang, ich habe nur ein paar Songs rausgepickt, die mir spontan zu wichtigen Lebensabschnitten eingefallen sind, aber es hat auf jeden Fall großen Spaß gemacht, mit den Liedern ein bisschen in Erinnerungen zu schwelgen!

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  3. Wie toll, in meinem Kopf schwirren gleich sooo viele Songs herum, die mich an bestimmte Augenblicke erinnern. Ich schaue auch mal, dass ich so einen Post mache und mich deiner Blogparade anschließe 🙂

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