Ordnung muss sein!

Nach meiner eher unfreiwilligen Begegnung mit der Polizei letzten Monat, kommt jetzt auch noch eine mit den netten Herren vom Ordnungsamt hinzu. Nein, ich habe weder nachts laute Musik gehört (Witz: „Stellt euch vor – da klingelt mein Nachbar mitten in der Nacht um 2.30 Uhr an meiner Haustür! Z-W-E-I Uhr Dreißig!! Ein Glück war ich noch wach, saß gerade am Schlagzeug…“) noch illegal Bäume gefällt. Aber ich habe einen Hund.
Mit gerade mal 11 Jahren konnte ich die Tragweite dieser Entscheidung damals noch nicht einschätzen, wusste ich doch nur, dass nach dem Tod des geliebten Vierbeiners schnell ein neuer einziehen sollte! Als ich bei meiner Oma Jauli zu Besuch war, wartete ich im Einkaufscentrum vor dem Klo auf sie und studierte derweil die Suche-Biete-Pinnwand. Beim Wort „Hundewelpen“ in Verbindung mit „abzugeben“ klingelten bei mir alle Pawlow’schen Glocken. Jauli, ihres Zeichens ganz sicher Hund im vorigen Leben, teilte meine Begeisterung und so fuhren wir kurzerhand Babys gucken. Ein ganzes Rudel weiß-blonder Labrador-Schäferhund-Mixe stürmte begeistert auf uns zu. Nur einer saß ein bisschen schüchtern vor der Hütte und guckte mir durch sanft braune Augen direkt ins Gesicht. Der sollte es sein! Mamapapa angerufen (die teilten meine Begeisterung im ersten Moment nur bedingt, erlagen aber meiner Euphorie ^^), alles klar gemacht und meine schüchterne Hundedame abgeholt. Weil sie, im neuen Zuhause angekommen, sofort glücklich im Garten spielte, nannten wir sie „Felicitas“, die Glückliche, kurz: Feli.
Mit 19 zog ich in die weite Welt hinaus und Feli blieb bei meinen Eltern. Mittlerweile bin ich wieder da, mit eigener Wohnung und eigener Familie. Feli ist immernoch da – bei meinen Eltern 😉
Am 1. September ist sie sagenhafte 14 Jahre alt geworden. Im zarten Alter von 3 ergriff Madame ein Mal die Gelegenheit, die so ein offenes Gartentor bietet, und verliebte sich spontan in einen vorbeigehenden, ziemlich großen Hund. Die beiden fackelten nicht lange, steckten mitten auf der Straße ihre Puzzleteile ineinander und machten Nägel mit Köpfen, 11 Nägel, um genau zu sein! 7 Braune und 4 schwarze tapsige Welpen wohnten also von da an zuerst in einer umgebauten und eigens für den Nachwuchs hergerichteten Europalette im Flur und später in unserem Garten. Da so eine Hundemama über keine 11 Zitzen verfügt, aber grundsätzliche alle Kinder gleichzeitig das haben wollen, was die Schwestern und Brüder gerade haben, musste Jauli mit dem Fläschchen einspringen und in dieser anstrengenden Zeit für Feli Nachsorge-Hebamme, Rückbildungsgymnastik-Lehrerin und Babysitter spielen.

Jauli aus Solidarität mit den Hunden im Käfig 🙂

Eins der schwarzen Welpenkinder, „Willy“, behielten wir selber. Er starb leider letztes Jahr an einer Autoimmunkrankheit, hat aber für einen so großen Hund ein langes und schönes Leben gehabt. Feli hat sich im Laufe der Jahre auch einige Gebrechen zugelegt: die Hüfte ist schon ziemlich steif und die Ohren sind auch nicht mehr das, was sie mal waren, zumindest, wenn man danach geht, wie gut sie auf Rufen reagieren… Nun hat unsere Hundedame also täglich den großen Garten zur freien Verfügung und hält sich nur stundenweise im Zwinger auf, während Herrchen und Frauchen arbeiten sind. Was früher einwandfrei funktionierte, stellt heute ein kleines Problem dar: Feli bellt. Solange sie sich im Garten irgendwo im Sand unter der Hecke einen U-Bahn-Schacht buddelt, in dem sie seelenruhig den Tag vorbeiziehen lassen kann, ist alles gut. Sperrt man sie ein, meldet sie sich nach 5 Minuten zu Wort Wuff. Einigen netten Nachbarn muss das scheinbar auch aufgefallen sein, denn als die Herren vom Ordnungsamt auf den Hof gelaufen kamen (was Feli übrigens tatsächlich nur mit einem einzigen, müden „WOW“ kommentierte ^^), erklärten sie Jauli und mir, dass sie einer Beschwerde nachgehen müssten, da ihnen eine Anzeige vorläge.
Hunden stehen über den Tag verteilt 30 min Bellen zu, also hier mal 2, dort mal 3, etc. In der Zeit zwischen 13 – 15 und 22 – 6 Uhr gar nicht. Das Dumme ist nur, dass Hunde so schlecht Uhren lesen können.
Das Ordnungsamt muss solchen Geschichten natürlich nachgehen, denn es gab auch schon den Fall, dass ein bellender Hund auf seinen verstorbenen Besitzer aufmerksam machen wollte, sagten sie. Unsere Besitzer sind alle noch topfit, das Bellen heißt einfach nur: „Ey, ihr Penner, macht die Tür auf und lasst mich in den Garten.“

Auf ihre Nachfragen erklärte Jauli, die zwar rein biologisch schon zwei Mal 40 geworden ist, im Kopf aber fitter als die beiden Männer vom Amt zusammen, dass der arme Hund so alt ist und den Winter wohl nicht mehr überstehen wird. Sie tat ein bisschen tüdelig-alt, packte die 11-Welpen-Geschichte und diverse Tierarztstorys aus, reflektierte die vergangenen 14 Jahre mit dem Hund in vielen Facetten und quatschte die Männer in Grund und Boden. Als der ältere von beiden dennoch nach den Daten des Halters fragte, packte der jüngere seinen Anzeigenerstattungsblock in die Tasche und erklärte ganz entrüstet, dass er in diesem Fall doch keine Anzeige erstatten würde! Schließlich solle der Hund seinen Lebensabend in Frieden verbringen und auch mal das tun, was ein Hund tun muss: nämlich ab und zu einen Ton von sich geben.

Fiona wollte die Herren eigentlich fragen, ob sie Polizisten sind. Ich ermutigte sie dazu, denn die Antwort hätte mich brennend interessiert, leider hat sie sich dann doch nicht getraut. Wenige Stunden vor dem Besuch des Ordnungsamtes hatten wir die Straßenmalkreide rausgeholt und Fiona hatte sich auf den Boden gelegt, wo ich ihren Umriss abzeichnen sollte. Besagter Umriss wirkte in dem Moment dann doch ein bisschen komisch auf die Beamten, als sie das Grundstück betraten. Auf die Frage, ob es hier Tote gegeben habe, erwiderte ich, dass die Leiche im Keller sei.
Punkt für mich ^^

Als Fiona gerade sprechen lernte, war die Bezeichnung für den Hund ein tiefes „Wu“, ähnlich einem Husten. Als der „Hund“ konkreter wurde, bekam er auch einen liebevollen Namen: „Fitzi“. Wir nennen ihn bis heute so.
Wenn Fitzi in den Zwinger gehen soll („Geh arbeiten!“), bekommt er einen „Cookie“, also einen Hundekeks. Fiona brennt darauf, den Hundecookie in nanometergroße Stücke zu reißen und einzeln durch das Gitter zu stecken. Ich versuchte bereits, ihr zu erklären, dass Feli die Stückchen nicht einatmen, sondern essen will, aber das Durchstecken ist eben einfach zu schön. Letztens kommentierte sie Felis Bellen lautstark mit gerunzelter Stirn: „Ey, Feli! Wir haben dir einen Cookie gegeben, deswegen bellst du jetzt nicht mehr! Geh in dein Zimmer!!!“

der Rest der Bande:
Charmeur Joschka – der dicke Willy R.I.P. – und Zicke Miezi
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Autor: Mama 2.0

stoffverliebte 2fach-Mama, Berlinerin, iphoneaddict, Musikpädagogin. Liebt buntes Klebeband, geistige Herausforderungen und hat sich den Blick für das Schöne bewahrt. Happiness is not a destination, it is a way of life. Glas ist halbvoll und so, wa?

17 Kommentare zu „Ordnung muss sein!“

  1. Hach ja… Fitzi 🙂
    Finde auch, dass sie ihren Lebensabend in Ruhe verbringen soll und so schlimm ist sie doch gar nicht. Habe sie noch nie so lange bellen hören, dass man hätte das OA rufen müssen…

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  2. Meine liebe Viv, der Herr Bohne und ich, wir haben gemeinsam beschlossen, dieser Post ist eindeutig und für alle Zeiten unser Lieblingspost in unserem Lieblingsblog. Köstlich, einfach köstlich. Die 30-Minuten-Bell-Erlaubnis möchte der Herr Bohne künftig bis in die kleinste Sekunde ausschöpfen, hat er angekündigt, wenn er denn schon solche Rechte habe, müsse er auch Gebrauch davon machen, meinte er. Grüß mir die Leiche in eurem Keller. Sina

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  3. Die vom Ordnungsamt sind schon ok…haben auch schon Erfahrung mit denen gemacht…auch aufgrund der Nachbarn…Nala hatte ihren 18jährigen, blinden, dreibeinigen Kater zu lieb *räusper* Sie hat ihn angebellt und war meines Erachtens nach etwas irritiert, dass er nicht wegrannte :-S
    Aber ihr habt das ja prima gelöst und wir, vor allem Nala, wünscht Feli einen schönen Hundeabend mit etwas Gebell 😉

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  4. Tapfere, schlaue Verwandtschaft – jetzt kann Feli ja wohl weitermachen wie bisher. Hoffentlich geht's noch lange so; in meiner Kindheit hatten wir einen Dackel, der ist 19 Jahre alt geworden.

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  5. Liebe Viv,
    hab vielen vielen Dank für Deine guten Wünsche und netten Worte, da hab ich mich richtig drüber gefreut!
    Die eingeschränkte Bellerlaubnis erinnert mich bestenfalls an „Findus und der Hahn im Korb“ – der Hahn hat am Ende auch die Faxen dicke, schwängert alle Hennen und fliegt davon.
    Und wie gut Ihr das gelöst habt!
    Beste Grüße von Nina

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  6. bei der stelle mit dem kreidekinderkörper bin ich fast aus dem bett gefallen 😀 . und oma jauli hat es genau richtig gemacht. (ich mach es übrigens ähnlich, quatsch deine feinde in die flucht, funktioniert sogar bei an-der-tür-schellen-und-geld-sammlern) ein frohes wuff in eure richtung,
    mara

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  7. „…das die Leiche im Keller sei.“ … „Hunden stehen über den Tag verteilt 30 min Bellen zu“ … Ich hab mich schon lang nicht mehr auf einem Blog so amüsiert wie hier… einfach nur herrlich. Und so leid es mir tut, aber in Zukunft werd ich dich wohl stalken müssen. Solltest du mich mal auf der anderen Straßenseite hinterm Busch versteckt entdecken… einfach winken und weitergehen :D.

    Knuddel dich
    Kat

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