Reise in die Vergangenheit

Die Sprücheparade von der Testfamilie startet in eine neue Runde und ich bin auch mal wieder mit dabei – das Thema lautet „Vergissmeinnicht“. Es geht dabei nicht um die gleichnamigen Blümchen, sondern um die schöne (aber ausgestorbene?) Tradition der Poesiealben; gesponsert wird übrigens von couponsearch. Ich möchte mich an dieser Stelle schon im Vorfeld bei Eva für das tolle Motto bedanken, denn es hat mir erstens beim Suchen witzige Funde auf Dachboden und Wintergarten meiner Eltern beschert und zweitens durfte ich mit Hilfe der Bücher weit in die Vergangenheit reisen und ungeahnte Schätze entdecken. Wer jetzt meint, ich übertreibe maßlos, nur weil ich mein Büchlein mit „uralten“ Versen von 1995 gefunden habe, der irrt. Ich stelle euch heute etwas ganz Besonderes vor, nämlich die Poesie von sage und schreibe  4 Generationen!

Steigt ein, schnallt euch an und dann reisen wir zusammen ein ganzes Stück zurück….

Auf dem hintersten Buch, dem Buch meiner Oma, steht nicht etwa „Ponfin“, wie man meinen könnte, sondern „Poesie“. Diese Schrift nennt sich „Sütterlin“ und war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die gängige Schulausgangsschrift. Als meine Mama es aufschlug und die ersten Seiten durchblätterte, rief sie mir zu: „Das kannst du bestimmt gar nicht lesen!“ Ich rief zurück: „Klar, kann ich das lesen!“. Ich erwartete die altdeutsche Schrift, die zwar ein bisschen experimenteller aussieht, als unsere Schreibschrift, man sie aber dennoch mit einem bisschen Phantasie und gutem Willen lesen kann. Aber was mir dann aus dem Buch entgegenblickte, war nicht das, was ich gedacht hatte. Es waren gemalte Zeichen, ein bisschen wie verschlüsselte Botschaften, bei denen man nicht sicher ist, ob es wirklich Buchstaben sind, die dort stehen. Ich erriet eine handvoll Wörter (davon die Hälfte noch falsch ^^) und ließ mich resignierend über die Sütterlinschrift aufklären und die Verse von meiner Mama übersetzen. Dieses kleine, von den Jahrzehnten grau gefärbte, Büchlein ist von vorne bis hinten voll mit „Zeugenaussagen“ einer fast vergessenen Zeit. Bunte, damals sehr wertvolle Lackbilder zieren die mittlerweile vergilbten Seiten und in elegant-verschörkelter Schrift steht eine magische Jahreszahl zwischen 1939 und 1941 unter jedem Eintrag. Das Gefühl, dass ich über 70 Jahre später die Seiten berühren kann, auf denen die Menschen im Zweiten Weltkrieg ihre Zeilen zu Papier gebracht haben, jagt mir einen Schauer über den Rücken. Viele von ihnen sind entweder heute sehr, sehr alt oder sogar schon gar nicht mehr am Leben. Der Geruch, die Schrift, die Bilder und die Worte rühren mich zu Tränen, wenn mir bewusst wird, wie wertvoll dieses Buch ist und auch in Zukunft für meine Kinder und deren Kinder noch sein wird. Interessant ist, was sich die Mehrzahl der Schulfreundinnen meiner Oma für Verse ausgesucht haben. Da ist noch lange nicht die Rede von „In allen 4 Ecken soll Liebe drin stecken“ oder anderem belanglosen Blabla. Die Achtung vor den Eltern und der Gehorsam des Kindes stehen bei nahezu jedem Spruch im Mittelpunkt. Stellvertretend zeige ich euch den Eintrag meiner Uroma vom März 1939. Ihre Tochter – meine Oma – war damals gerade erst 8 Jahre alt.

„Sei folgsam, Kind, und zög’re nicht,
wenn Vater oder Mutter spricht!
Die Eltern sollst du herzlich lieben,
durch Ungehorsam nie betrüben!
Dieses schrieb Dir zum Andenken
Deine Mutti“

Wirklich schön und nach wie vor aktuell ist der Vers eines Lehrers, der zusammen mit meinem Uropa als Einziger unsere lateinische Schrift benutzt hat: „Kämpfe und erring‘ Dir eig’nen Wert, hausbacken Brot am Besten nährt.“. Dieser Spruch existiert heute in etwas anderer Form (aus Kohlenhydraten wurde Eiweiß), hat aber an Aktualität nichts verloren: „If you give a man a fish, you’ll feed him for a day. If you teach a man how to fish, you’ll feed him for a lifetime.“

Mit Hilfe der Wikipedia-Seite über die Sütterlinschrift und dem dort abgebildeten ABC konnte ich sogar Vieles aus dem Buch von Deutsch nach Deutsch „übersetzen“. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen…. Ihr dürft euch auch gerne mal am Übersetzen probieren:
(P.S. Textfragmente bei Google eingeben wird euch vermutlich nicht helfen. Zu alt 😉

Lustig ist auch die Veränderung der Namen über die Generationen. Hießen sie bei meiner Oma noch Erika, Gisela, Elsbeth, Ingeborg und Hildegard (Poesiealben sind wohl schon immer Mädchensache gewesen), schrieben bei meiner Mama vorwiegend Monikas, Petras, Brigitten, Margits, Renaten und Angelikas ein. Damit sind wir schon bei der zweiten Generation angekommen. Anfang der 60er Jahre, die DDR war in vollem Gange, schrieb man – nun auch für mich – lesbar und klebte ebenfalls hübsche Lackbilder ein. An denen kann ein Ungeübter die 25 Jahre Unterschied absolut nicht erkennen (Blumen waren immer „in“), wohl aber am Inhalt der kleinen Verse. Vater/Mutter aus den 30ern haben Platz gemacht für ein bisschen Politik:
„Wer mit dem Leben spielt, kommt nie zurecht. Wer sich nicht selbst befiehlt, bleibt immer Knecht!“ (Februar 1961) oder auch harmlose, absolut unpolitische Regentropfen, die in vielen Jahren an’s Fenster klopfen und Grüße überbringen (Moment – war es die, die einen Stasi-Mann geheiratet hat? Dann waren die klopfenden Tropfen vielleicht doch nicht so unpolitisch….)
Die hübschen Lackbilder wurden getauscht, gesammelt und gehortet. In den 60ern war die Auswahl nicht sooo groß. Es gab Blumen. Viele Blumen. Rote Blumen, blaue Blumen, weiße Blumen, gelbe Blumen. Und Fachwerkhäuser. Bombastisch für eine 10-Jährige, die viel lieber die Schätze aus Mamas Album besessen hätte: fliegende Tauben, niedliche Schulkinder, Engel und selbst die Blumen waren schöner!
Wenn dann doch mal ein außergewöhnliches Bild im Album klebte, war es entweder ein Überbleibsel von den Mamas der Schulfreundinnen (li.) oder aus dem Westen (re.).

Kommen wir zur 3. Generation: zu meiner Zeit, in den 90er Jahren, kannte man Poesiealben zwar noch, viel cooler waren dann aber Stickeralben (haben die guten, alten Lackbilder abgelöst) und Freundebücher. Zu Zeiten von Backstreet-Wahn (waaaaaahh, ein überlebensgroßer Starschnitt von Nick in der BRAVO *augenroll*) und Diddl-Mania musste jeder ein Buch mit dem klumpfüßigen Mäuse-Kanguruh drauf haben und durch die Reihen der Mitschüler reichen, vorzugsweise direkt im Unterricht. Hier brauchte man nicht mehr selbst kreativ werden, sondern konnte einfach einen Fragebogen ausfüllen und damit hatte sich das. Da wurde dann auch schon mal ein Vierteljahr später das Buch erneut verlangt, damit man die Lieblingsband aktualisieren konnte. Irgendwann waren auch Nick, AJ, Brian & Co. irgendwie schwul statt megasüß ^^

Trotz des Freundebuches besaß ich tatsächlich noch ein Poesiealbum, in das ich allerdings nur Lehrer und Erzieher schreiben ließ – haha. Ich fand das Buch so schön und hatte Angst, dass gleichaltrige Kinder es verunstalten würden, glänzte meine Klasse im Bereich „Schönschrift“ ja nicht sonderlich, wenn ich da vor allem an die Jungs zurückdenke…
Eine Lehrerin zitierte Tucholsky: „Der Vorteil der Klugheit ist, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger.“ Wahrscheinlich hatte sie damals schon erkannt, dass mein zeitweises, mathematisches Unvermögen ausschließlich auf dem Verbergen der eigentlichen Fähigkeiten beruhte ^^

Wenn dann doch mal ein Kind einschrieb (ok, die große Schwester einer Klassenkameradin), hatten Politik und Patriarchat da nichts mehr zu suchen. Man schrieb entweder Banales, wie „Lebe glücklich, lebe froh, wie der Floh in Mexiko“ oder Schulsprüche wie „Algebra, Physik, Chemie mancher denkt, er lernt es nie! Aber mancher, der das dachte, später doch Karriere machte!“. Da war nichts mehr zu spüren vom Wind of Change oder gar dem Rohrstock im Unterricht… Und auch wenn man’s nicht glauben mag – poetisch waren wir allemal, nur eben nicht vorrangig im Poesiealbum. Man schrieb dem Angebeten (der leider gerade mit der besten Freundin „zusammen“ war – blöd) Geraspeltes wie „Wärst du eine Träne von mir, ich würde nie mehr weinen, aus Angst, dich zu verlieren“ im Liebesbrief oder per Liebesmail, nur um 10min später in eben diese Tränen auszubrechen, weil er noch nicht geantwortet hat (hatte die Zunge vermutlich gerade im Mund der Freundin! Multitasking und so) Ja, ja, so war das mit den 90s-Kids 😉

Ob die 4. Generation überhaupt noch weiß, was ein Poesiealbum ist, geschweige denn, ein eigenes besitzen wird, sei mal dahingestellt. In Zeiten der Social Media, wo Freundschaft, Liebe, Hass und andere Kommunikation hauptsächlich über Facebook, Twitter und diverse andere Netzwerke stattfindet, wie viel Wert hat da noch ein handgeschriebenes Büchlein? Ist das so oldschool, dass es niemand mehr machen wird (Was ist eigentlich Po-esie? Was Versautes?) oder erfährt es irgendwann eine Renaissance? Statt der Lackbilder schickt man mal schnell als Gruppennachricht ein witziges Bild rum – wer will kann es sich ja selber ausdrucken und irgendwo hinkleben… Wie persönlich ist denn das „Happy birthday“ im Netz, nicht, weil man weiß, wann die Freunde Geburtstag haben, sondern weil das Netzwerk blinkt und einen daran erinnert?
In vielen, vielen Jahren, wenn Schulzeit, Ausbildung oder Studium längst hinter unseren „Babys“ liegen, scrollen sie sich dann online durch ihre Nachrichten und denken: „Ach, war das eine schöne Zeit! Was die wohl gerade macht? Ob sie Kinder hat? Verheiratet ist?“? Im Zweifel müssten sie das nicht mal erfragen, sondern könnten einfach auf deren Chronik vorbei gucken und das Hochzeitsbild liken ^^

Die Schönheit mancher Verse erschließt sich einem mitunter erst viele Jahre später. So ist es auch mit diesem, den ich meiner Tochter mit auf den Weg geben würde, sollten Poesiealben tatsächlich ein Revival erfahren:

„Wenn deine Augen dieses lesen,
so reich im Geiste mir die Hand.
Es ist doch wunderschön gewesen,
wie wir als Kinder uns gekannt.“

Wenn Fiona größer ist und unseren Poesiebücher-Schatz mal zu sehen bekommt, wird sie sicher auch eines haben wollen (hoffentlich!). Derzeit besitzt sie ein vollständig ausgefülltes Kindergartenfreundebuch. Muss das in dem Alter schon sein? Nee, muss überhaupt nicht. Aber mal ehrlich, könnt ihr euch an alle erinnern, die mit euch zusammen im Kindergarten waren? Meine vollständige Erinnerung beginnt erst mit der Schulzeit. Und auch wenn es nicht die Kinder ausgefüllt haben, sondern die Eltern, ist es in ein paar Jahren sicher sehr süß, wenn man zusammen die Fotos und abstrakten Zeichnungen der anderen Gruppenkinder angucken kann. Und in 20 Jahren erst – „na, erinnerst du dich noch an den? Der hat doch immer gehauen. Jetzt arbeitet er auf der Bank…“

Schon allein die Tatsache, dass man mit knapp 3 Jahren „Sahne“ als sein Lieblingsessen angibt, ist es wert, im Kindergartenalter schon ein erstes Erinnerungsbuch zu starten.
Es heißt ja, mit dem Alter wird man wieder Kind. Vielleicht sollte ich mal meine Oma nach ihren Lieblingsspeisen fragen. Wenn die dann „Sahne“ sagt, lach ich aber 🙂

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HexHeks

Wow, da steht man wegen eines gekauften Armbandes mal kurz beim Blogzug auf der Startseite und schon explodiert die Zahl der regelmäßigen Leser von gut 70 auf über 100 – ich freue mich, vielen Dank und herzlich Willkommen in der bunten Welt von HexHex! (Ihr kommt gerade richtig, das Gewinnspiel zum ersten Bloggeburtstag Mitte August steht schon in den Startlöchern!)

Vor ein paar Tagen ist das bestellte (weil bei Testmama gesehene) Buchstabenspiel angekommen. Es ist kein gewöhnliches Spiel mit Karten oder Würfeln – es ist einn Art LEGO-Bausatz, allerdings nicht von LEGO, sondern von einer Firma namens Hubelino. Eine große Grundplatte und das komplette ABC auf Spielsteinen, die kompatibel mit allen gängigen Steckspielsystemen sind – toll! Vokale sind jeweils dreifach im Set enthalten, andere wichtige Konsonanten wie z.B. „M“ oder „S“ sind auch mehrfach vorhanden. Außerdem gibt es nicht nur einzelne Buchstaben, sondern auch „Kuschelbänke“, auf denen dann „SP“, „AU“, „SCH“ etc. Platz finden. Fiona ist seit einer Weile ganz fasziniert vom Alphabet, so musste ich ihr schon auf Küchenpapier mit einem Stift ein „F“ malen, das sie dann mit Traubenzuckerdrops nachgelegt hat. Da kam dieses Spiel natürlich gerade recht. Unter Zuhilfenahme des niedlichen Buches „Mutter Gans lehrt das Alphabet“ zeigte ich ihr immer, welchen Buchstaben wir für das gewünschte Wort als nächstes brauchten und sie kramte ihn dann aus der Kiste raus. „Ihr“ F findet sie so schön, dass sie ihren Namen regelmäßig mit zwei Fs vorne schreibt 😉 Lieblingsbuchstabe ist das Ypsilon, wahrscheinlich einfach, weil sein Name so schön klingt. Im letzten Urlaub (ich berichtete HIER) sangen wir bei der Minidisco ein spanisches Lied namens „Chu-Chu-Ua“, was ich als „Kitschi-Wah“ und Fiona als „Itzi-La“ interpretierte. Seitdem das Buchstabenspiel bei uns zu Hause eingezogen ist, singt sie auf die Melodie gerne „Ypsi-Lon, Ypsi-Lon, Ypsi-Lon-Lon-Lon“…
Als mir die Idee kam, mit dem Spiel ein Werbefoto für den eigenen Blog zu machen, stieß ich auf ein leider nur einmalig vorhandenes Problem: das X ^^ Nichts für ungut.

Es gibt übrigens freudige Neuigkeiten im Hause M, und zwar an der Raupenfront! Vorgestern (und ein Nachzügler gestern) haben hier 4 wunderschöne Schmetterlinge das Licht des Kinderzimmers erblickt! (Der Einfachheit halber heißen sie alle „Brian“) Nachdem wir die Kokons vorsichtig vom Raupenbecher in den Schmetterlingskorb umgelagert hatten, dauerte es nicht ein mal eine Woche bis zur „Geburt“. Im „Beipackzettel“ war angegeben, dass die Raupen sich nach 3-5 Wochen verpuppen und die Schmetterlinge anschließend  nach 7-14 Tagen schlüpfen. Bei uns haben sie scheinbar das Kurzprogramm durchgezogen. Eine knappe Woche bis zur Verpuppung und noch mal ein paar Tage bis Schmetterling. Die Neuankömmlinge wurden natürlich sofort bestaunt, fotografiert (so gut das bei denen eben geht) und gefüttert. Womit füttert man denn bitte einen Schmetterling? Mit Obst wie z.B. Äpfeln, alten Bananen und (aufgeschnittenen ^^) Orangen und mit Blüten aus dem Garten, die man mit Nektar (2 TL Zucker auf 1/4 l Wasser) beträufelt. Fiona hatte gestern großen Spaß dabei, denn wenn man das Obst mit der Hand ganz langsam bis zum Boden des Schmetterlingskorbes führt, fliegt manchmal einer der rot-schwarzen Distelfalter neugierig auf die Hand. Das hat gequietscht vor Freude! Wenn man ihnen dann das leckere Obst direkt vor die Fühler gelegt hat, fahren sie einen kleinen, zusammengerollten Rüssel aus, probieren ein Nano-Stück und rollen ihn wieder ein. Der Rüssel scheint so beweglich zu sein, dass man damit auch problemlos vom Teller des Nachbarn kosten könnte. Das wär’s doch im Restaurant: „oh, der Herr da drüben hat Lachs vom Grill, ich darf kurz…?“ *ausroll*

Besonders süß war Fionas Kommentar, als wir ihnen kurz vorm Schlafengehen das Stückchen Apfelsine reingelegt hatten, was sie erstmal gekonnt ignorierten. „Mama, wir müssen warten, bis ein Schmetterling auf der Cousine ist!“ Hui! Und wer den Anfang von unserer Schmetter-Mania verpasst hat, kann sich das „Life of Brian“ (ja, nur deshalb ^^) hier nochmal im Zeitraffer angucken, vom Päckchen in der Post bis hin zum fertigen Falter:

Am Sonntag waren wir mal wieder im Berliner Tierpark, dem größten Landschaftstiergarten Europas. Eine Wohnungsbaugesellschaft hatte für diesen Tag ein großes Fest mit Spielen und Programm angekündigt, was wir uns nicht entgehen lassen wollten. Kaum angekommen, fing es auch schon an zu tröpfeln. Ich hatte zwar (lange) Wechselkleidung für Fiona eingepackt, die wir dann auch direkt gebrauchen konnten, aber nützliche Utensilien wie Regenschirme o.ä. liegen bei uns grundsätzlich dort, wo es normalerweise nicht regnet, also im Kofferraum vom Auto, im Schrank zu Hause, … Nur ein rotes Regenkondom hatte ich dabei. Das wurde vorne zusammengeknotet (weil Kilometer zu lang) und von Fiona sofort in Beschlag genommen (Nach dem Auseinanderfalten wird es nie, nie wieder in die vorgesehene Hülle passen!). Wir suchten uns also einen Platz am Terrassencafé und etwas zu essen und hörten (halb aus privatem, halb aus beruflichem Interesse) einem Schüler-Akkordeonorchester auf der Bühne zu. Nach einer guten Dreiviertelstunde, in der wir trotz gezahltem Eintritt schon überlegt hatten, wieder nach Hause zu fahren, hellte es sich wieder auf und entwickelte sich zum perfekten Tierparkwetter: nicht zu heiß, aber trocken und sonnig. Fiona staunte über die „pinken Vögel“, die „borsteligen Schweine“, die sich entleerenden Elefanten (okay, nur einer…muss eben auch mal sein, aber WIE!) und die kleinen Kletter-Äffchen, die baumauf- und baumabwärts Fangen spielten. Die Affenmama gewährte uns einen kleinen Blick auf das winzige Baby unter ihrem Bauch, präsentierte uns anschließend aber nur noch ihren Rücken. Fiona passte das so gar nicht. Sie rief laut, sehr zur Freude der Mitmenschen: „Affe! Affe! … AFFE! … AAAAAFFFEEEEE! Zeig ma‘ dein Baaaaabbbbyyyy!“

Als wir an der großen Spielwiese mit dem dort aufgebauten Kinderprogramm vorbei kamen, war das Schminken leider gerade vorbei. Aber man konnte noch hübsche Masken basteln und diese selber mit Pinsel und Farbe gestalten. Nix wie ran da! Mein kleiner Bastelkönig färbte seine Giraffe in Regenbogenfarben und überhäufte sie mit Glitzerpuder. Vorher hatte Mama es doch tatsächlich noch geschafft, sich beim Ausschneiden der Maske aus einem gewöhnlichen Pappteller mit einer stumpfen Kinderschere (!) so in den Finger zu schneiden, dass es blutete. Naja, Messer, Scheren und ich haben ja bekanntlich ein ganz spezielles Verhältnis zueinander ^^
Ein großer Klangbaum mit Murmeln (man, sind die [leider] teuer!), Entenangeln, Monsterabwerfen, Stablaufen, Verzerrspiegelgucken, Obst ertasten, viele weitere Spiele und dazu als Kulisse große, luftgefüllte Giraffen, Walrösser (s.u.) und Schildkröten machten aus einem gewöhnlichen Nachmittag einen ganz besonderen.

Ach ja, apropos Basteln – am Wochenende war das erste Projekt unserer August-Wummelkiste zum Thema Zirkus fällig: Tier-Masken von Elefant und Löwe. Die wurden an den vorgegebenen Kanten herausgetrennt, bemalt, trocknen gelassen, zusammengesteckt, bebändert und aufgesetzt. Wuaaahhhh!
(Den Elefantenrüssel und die Löwennase werde ich bei Gelegenheit festkleben. Denn nichts ist furchteinflößender, als wenn dich gerade ein Elefant antrötet und ihm im selben Moment der Rüssel abfällt ^^ Törööööö!)

Eigentlich sollte der Post hier zu Ende sein, aber aus gegebenem Anlass noch eine kurze Story von gestern.

Folgendes Szenario: ein Berg, eine große (doppelte) Kurve, 2 Spuren. In der Kurve eine Tankstelle.

Ich fuhr auf der linken Spur und wollte kurz vor der Kurve auf die rechte wechseln. Neben mir war ein Motorrad. Ich fuhr weiter auf die Kurve zu, ließ das Motorrad vorbei, machte den in der Fahrschule gelernten Schulterblick (alles frei), setzte an zum Spurwechsel, richtete den Blick wieder nach vorne und schaute direkt auf….das Kennzeichen eines dicken BMWs, das zu nah dran war um rechtzeitig bremsen zu können. Bumms.
Fiona: „Öh, was war das, Mama?“ – „Mist! Ein Unfall…“
Ich hielt ein kleines Stück weiter halb auf dem Gehweg, um den Verkehr nicht zu behindern und stieg aus. Die betagte BMW-Frau stieg ebenfalls aus und zeterte, was das Zeug hielt. Was mir einfiele, sie habe noch nie einen Unfall gehabt (ich auch nicht!!!), das Auto habe noch keinen einzigen Kratzer und sie habe übermorgen einen Termin zum TÜV. Ich erwiderte, dass sie doch nicht einfach mitten in der Kurve, so weit hinter dem tankstellenabbiegenden Auto mit ihrem Schlitten stehen bleiben könne, aber das hörte sie gar nicht. Sofort pampte sie mich an, ich solle augenblicklich die Polizei anrufen. Zum ersten Mal in meinem Leben wählte ich die 110 und berichtete, was passiert war. Statt mal ihre Karre aus dem Weg zu räumen, schnappte sich die aufgebrachte Dame ihr Notfall-Set bestehend aus Einwegkamera, Stift und Zettel, fotografierte ihren kleinen Kratzer an der Stoßstange und notierte erstmal mein Kennzeichen. Sie tat so, als würde es sich nicht um einen minimalen Blechschaden am Ar*** ihres BMWs, sondern um ein Fiasko mit mindestens 5 Toten handeln… Derweil bombardierte mich Fiona mit Fragen: „Kommt jetzt ein Krankenwagen? Ich hör ihn schon, Mama! Warum hast du eine Notbremsung gemacht? Mein Sitz hat gewackelt. Schimpft die Polizei jetzt? …“

Als sie endlich kam, schimpfte die Polizei tatsächlich, in erster Linie mit der alten Dame, die ihren Blechschaden über eine halbe Stunde an der Gefahrenzone mitten auf der Straße stehen ließ, statt mal zur Seite zu fahren um nicht noch einen Unfall zu provozieren. Wenn keine Personen zu Schaden gekommen sind, kann man einen Anbumms-Unfall auch ohne Polizei über die Versicherung regeln, das hätte mir in dem Fall die 35€ Bußgeld erspart, aber die BMW-Frau war ja scharf wie ein Schießhund. Nicht mal über den Witz des Beamten („Ah, ein BMW, Bayerischer Mist-Wagen“) konnte sie einen Mundwinkel zum Lächeln hochziehen, im Gegensatz zu mir ^^ Als wir unter Anleitung des Schiedsrichters Polizei unsere Personalien ausgetauscht hatten, fragte sie mich ungelogen 3x, ob sie sich darauf verlassen könne, dass ich die Versicherung informiere. JA, man!
Nun das Größte: heute früh, kurz nach 9, rief ich im Versicherungsbüro meines Vertrauens an. Anrufbeantworter: „Wir sind Montag bis Freitag ab 10 Uhr für Sie da…“ Okay, probiere ich es eben in einer Stunde nochmal, dachte ich. Haha, denkste. Kurz nach halb 10 klingelte mein Handy, dran war die Zentrale meiner Versicherung aus Münster. Eine Frau Sowieso habe angerufen und sich erkundigt, ob ich den Unfall schon gemeldet habe. Argh! Ja, klar, Frau Sowieso, ich bin gestern direkt nach dem Unfall nach Münster gefahren zum Vorsprechen und Buße tun!
Manche Menschen sollten mit Eintritt in die Rente ihren Führerschein besser abgeben. Wer nicht in Kauf nehmen will, dass auch ein dickes Auto mal unabsichtlich einen Kratzer am Heck abbekommen kann (den die Versicherung natürlich übernimmt!), der darf eben nicht am Straßenverkehr teilnehmen. So!

Frage-Foto-Freitag

Freitage sind ja eigentlich was Tolles. Nicht so toll sind Freitage dann, wenn sie das Ende der Ferien ankündigen. Ich habe in den unglaublichen 6 Wochen Sommerferien nicht alles sogar das Meiste von dem geschafft, was ich mir für das neue Schuljahr und die anstehenden Konzerte vorgenommen hatte. Die 2 Wochen Tunesien-Urlaub waren dringend nötig und haben auch die erhoffte Erholung mit sich gebracht. Wenn man dann aber wieder zu Hause sitzt und aus dem tropfnassen Fenster guckt, will die Sommerstimmung nicht so richtig aufkommen. Aber ich will mich ja nur ein bisschen nicht beschweren, denn es waren auch ein paar wirklich schöne Tage dabei, die wir u.a. mit Rasensprengerhinterherjagen, Eis essen, Wasserrutsche im Kinderpool und Kahnfahrt in Lübbenau verbracht haben. Hier ein paar Impressionen von unserem 3. Hochzeitstag im Biosphärenreservat Spreewald, der Heimat der Gurken und Schmalzbrote 🙂

Man wird dort tatsächlich von einem Fährmann im Spreewaldkahn durch das Wasser gestakt – so heißt das Abstoßen vom Grund des Gewässers mit einem langen Holzstab. Originale Trachtenfrauen, wie die Püppi oben links, haben wir leider keine gesehen, dafür aber neugierige Enten, freche Mücken, blaue Libellen, gewöhnungsbedürftiges Gurken-Radler, gelbe Post-Bootshäuser und blaue Müllkähne von ALBA. Toll!

Aber dass nun ausgerechnet heute, am allerletzten Ferientag, der Himmel weint und die dicken grauen Wolken einen schon am Vormittag zum Lichtanmachen zwingen, finde ich nicht so lustig…
Vielleicht kann ich wenigstens mit den 5 Bildern zum Frage-Foto-Freitag, der übrigens letzte Woche wegen hitzefrei ausgesetzt hat, ein bisschen Sonne auf euren Bildschirm zaubern 🙂 Hier kommen die Fünf:

1. Was hast du letzte Woche Freitag gemacht?

Weil „unser“ Papa letzten Freitag nicht so lange arbeiten musste, wollten wir zusammen etwas unternehmen. Zur Abwechslung sollte es mal nicht in den großen, schönen Tierpark bei uns um die Ecke gehen, sondern in den etwas kleineren Berliner Zoo am anderen Ende der Stadt. Nachdem der große Rucksack mit allem möglichen Zubehör (Wechselshirt, Wechselhose, Wechselschlüppi – für Fiona, versteht sich ^^ -, Obst, Stullen, Trinken, Kuscheltier, Ball, Buch, Regencape, Feuchttücher, Koffertopf, Geld, Schlüssel, Handy, …) fertig gepackt war und wir aus dem Haus gingen, erschlug uns fast die Hitzefront, die direkt vor der Tür wartete. Angesichts der hohen Temperaturen (an dieser Stelle ein mitleidiger Blick aus dem Fenster) entschieden wir uns spontan um und fuhren in ein großes, klimatisiertes Shopping-Center. Die Diskussionen mit Fiona waren entsprechend langwierig, denn es können auch 50°C draußen sein – wenn es heißt, wir gehen Schlittschuhfahren, dann gehen wir Schlittschuhfahren, basta. Der letztendlich gefundene Kompromiss war, dass wir zwar in das Center fahren „durften“, aber auf’s Auto verzichten mussten. Zum Zoo wären wir nämlich mit der Bahn gefahren. Weil Bahnfahren für Autofahrerkinder ein echtes Erlebnis ist, ging’s also ab in die U-Bahn und durch die Mitte 😉
Was genau wir gemacht haben, habe ich im letzten Post schon ausführlich beschrieben, deswegen hier nur noch mal ein Bild von Sid, den wir letzte Woche bei Build-A-Bear geboren haben. Katrin hat sich im Kommentar ein Nacktfoto von ihm gewünscht, hier kommt es:

Die entscheidende Stelle musste ich natürlich ein bisschen zensieren…

2. Wobei hast du gedacht: finde ich schon lange toll, sollte ich endlich mal allen sagen?

Eindeutig: Masking-Tape! Was als hübsch verkleidetes 08/15-Klebeband daher kommt, ist in Wirklichkeit ein kleiner Alleskönner. Zum ersten Mal begegnete mir eine dieser kleinen bunten Rollen als Give-Away in einem Päckchen mit Stoff, bei dem ich vor dem Bestellen nicht wusste, dass er aus Hong-Kong kommen würde ^^ Das Band rollte mir entgegen und ich staunte. Wozu man es benutzen kann, wusste ich dann noch nicht so recht. Egal, geschenkt ist geschenkt. Nach und nach stieß ich auf immer mehr DIY-Blogs, die „Masking-Tape“ als die neue Design-Idee anpriesen und zeigten, was man damit alles machen kann. Von hübsch verzierten Gläsern zur Aufbewahrung von Stiften, Kassenbons oder sonstigem Kleinkram bis hin zu kleinen Cupcake-Girlanden oder Wimpelkettchen: nichts ist unmöglich.
Auch zum Verpacken eignet es sich bestens, um aus irgendeinem Geschenk ein ganz persönliches zu zaubern:

P.S. Wer jetzt Lust bekommen hat: viele tolle (und vor allem qualitativ hochwertige!) Tapes findet ihr übrigens bei Mizzie. Viel Spaß beim Stöbern und Ausprobieren!

3. Bist du abhängig von, egal, ob’s regnet oder die Sonne scheint?

Ganz klar von Büchern. Nur das Interesse beim Bücherkauf hat sich in den letzten 3 Jahren ein kleines bisschen verschoben: konnte ich früher an witzigen Romanen und Büchern aus dem Bereich Humor/Satire nicht vorbeigehen, wandert mittlerweile bei jedem Buchladenbesuch mindestens ein Kinderbuch in den Einkaufswagen (ja, ok, Bücher für mich bringt der DHL-Mann auch noch oft genug ^^). Es gibt einfach zu viele schöne! Die Liebe zu Büchern ist scheinbar erblich, denn schon oft fand ich Fiona abends nach dem Gutenachtsagen irgendwann auf ihrer Couch statt im Bett mit einem Buch vor: „Ich lese nur noch ein Buch an, Mama…“
„Anlesen“ – eine non’sche Wortkreation – ist sowieso eine tolle Tätigkeit. Egal, ob Regen, Schnee, Hagel, Sonne, drinnen, draußen, unterwegs – irgendein Buch ist immer dabei für den kleinen „Hunger“ zwischendurch. Momentane Nummer 1: „Für Hund und Katz‘ ist auch noch Platz“ vom Grüffelo-Duo Papa Axel Scheffler und Mama Julia Donaldson. Niedliche Zeichnungen und wundervolle, witzige Reime erzählen die Geschichte von der lieben Hexe, die beim Fliegen auf ihrem Besen erst den Hut, dann die Haarschleife und anschließend noch den Zauberstab verliert. Immer findet sich ein Tier, das den verlorenen Gegenstand zurück bringt und dafür einen Platz auf dem Besen bekommt. Voll besetzt mit Katze, Hund, Frosch, Vogel und Hexe bricht der Besen plötzlich auseinander und die Hexe fällt geradewegs dem feuerspeienden Drachen in die Arme. Ein riesiges Ungeheuer („…da steigt aus dem Sumpf ein Ungeheuer, schlimmer als Schwefel und schlimmer als Feuer, mit Federn und Fell, mit Gemaunz und Gebell, vierköpfig und schmutzig, nicht lieb und nicht putzig…“) schlägt den Drachen in die Flucht und entpuppt sich als die vier schlammigen Freunde. Was die sich hinterher voller Vorfreude im Hexentopf köcheln, dürft ihr selbst rausfinden. Ein wunderbares Buch, liebevoll illustriert und auf schönste Art und Weise mit der Sprache gespielt. Fiona vergibt Prädikat: „nochmal!“. Ab ca. 2 Jahren uneingeschränkt empfehlenswert! „Schwuppdiwupp Kartoffelsupp….“

4. Gibt es jeden Samstag?

Ok, vielleicht auch mal am Sonntag, aber hoch im Kurs steht bei uns am Wochenende die Wummelkiste für Kinder von 3 bis 7 Jahren. Jeden Monat gibt es ein großes Paket randvoll mit 3 Bastelprojekten zu einem bestimmten Thema, im August ist es die Zirkuskiste. Alle benötigten Materialien sind im Lieferumfang enthalten, man muss also nicht aus den hintersten Ecken des Haushalts Klebeband (hier täte es auch Masking Tape ^^), Pappe, Klebestift, Pinsel, Farben, Klammern und anderes Zubehör zusammensuchen, sondern hat alles im Set dabei. Ursprünglich wollte ich nur mal eine Kiste zum Probieren bestellen (weil teuer), aber die Spannung auf den 1. des Monats, wenn die neuen Kisten verschickt werden, und der Spaß beim Auspacken, Basteln und Ausprobieren ist so groß, dass der Postbote nun monatlich ein buntes Kinderpaket ins Haus bringt, was uns die Wochenenden verschönert.

Letztens fragte Fiona, als wir ganz entspannt und ohne konkrete Vorstellungen einkaufen gehen wollten,
ob wir „wummeln“ gehen…das sagt ja wohl alles ^^ 
5. Isst du gerade eine Tüte nach der anderen von?

Wenn es nicht gerade regnet: die fälschlicherweise anfänglich für Himbeeren gehaltenen Brombeeren aus unserem Garten. Der Effekt ist ein bisschen wie der mit sauren Gummitieren: eigentlich schüttelt’s einen beim Essen, aber man braucht trotzdem immer mehr davon. Aufgesammelt und mit einem bisschen Zucker in einer Schüssel wären sie perfekt, allerdings sind sie immer schon weg, bevor wir auch nur in die Nähe der Eingangstür kommen… Auf dem Bild seht ihr Brombeer-Eis made by Nono. Nach dem Vorbild stellt sie übrigens auch Sand- und Wassereis her. Besonders Letzteres: lecker! (und ganz ohne Kalorien ^^) Guten Appetit! Habt ein schönes Wochenende!