Eltern-Kind-Blogparade August

Neuer Monat, neues Motto, und zwar „Mädchen oder Junge? Hauptsache gesund?“
Diesen Monat schreiben alle Teilnehmer für einen guten Zweck. Der Sponsor sparlingo.de unterstützt mit 2€ pro geschriebenem Beitrag das Kinderhospiz Löwenherz in Syke, wo schwerstbehinderte Kinder und Jugendliche betreut werden, die nach derzeitigen Kenntnisstand der Medizin keine Aussicht auf Heilung haben. Da machen wir natürlich – wie immer – gerne mit und hoffen auf rege Beteiligung, vielleicht auch von (noch) Nicht-Eltern…?

Tja, Mädchen oder Junge?
Natürlich ist die Gesundheit das Allerwichtigste und wenn man in der Schwangerschaft erfährt, dass mit dem Nachwuchs irgendetwas nicht stimmt, rücken Geschlecht und alles andere in den Hintergrund. Aber wer ein gesundes Kind bekommt, hat natürlich auch eine rosa oder blaue Vorliebe, würde ich behaupten.
Ich denke, die meisten Standard-Familie-Mama-Papa-und-zwei-Kinder-Paare wünschen sich eher die klassische Verteilung: ein Mädchen und ein Junge. Da ist es beim Ersten wirklich noch egal, beim zweiten schon nicht mehr ganz so. Aber es soll ja auch reine Jungs- bzw. Mädchenmamas geben. Wenn die Familienplanung noch nicht abgeschlossen ist und man dazu jetzt ein Statement abgibt, hängt man sich ganz schön weit aus dem Fenster :p

Papas wünschen sich wahrscheinlich insgeheim einen kleinen Feuerwehrmann, der mit ihnen später bohrt, schraubt, hämmert und Fußball spielt. Mamas hingegen träumen von rosa Prinzessinnen, die sie in süße Kleidchen verpacken und denen sie Puppen schenken können. Ganz so war es bei uns nicht. Vielleicht guckt man sich auch (unbewusst?) ein bisschen was von den eigenen Eltern ab. Schwieriger Fall bei uns, denn Stephans Mama ist eine doppelte Jungs- und meine Mama eine doppelte Mädchenmama. Und nun? Stephan wollte – entgegen des Klischees – keinen Fußballer, sondern eine Prinzessin. Nur das mit dem Pink hätten wir weglassen können. War ja am Anfang auch mein Reden: alles, nur nicht rosa! Es gibt so viele schöne, neutrale Farben! Dann war die junge Dame geboren und was passte einfach am Besten zu diesem zarten, neuen Menschenmädchen? Richtig, rosa…



Barbie oder LKW? Oder beides?

Ich hätte mich natürlich auch über einen kleinen Jungen gefreut, habe mir aber ein bisschen mehr ein Mädchen gewünscht, denn „a daughter may outgrow your lap, but she will never outgrow your heart!“. Es war nicht so sehr das Wunschdenken, wohl aber ein ganz eindeutiges, rosa Gefühl nach dem ersten Arztbesuch mit schlagendem Herzchen, was mich dazu verleitete, ganz am Anfang der Schwangerschaft ein rosa Babytagebuch zu kaufen. Vorsorglich schrieb ich als Einleitung: „Falls du ein Junge wirst, entschuldige ich mich hiermit in aller Form für das rosa Büchlein“. Durch ungünstige Faktoren wie eine leider nicht durchsichtige Vorderwandplazenta und ein sehr altes Ultraschallgerät wollte sich Fiona lange Zeit nicht als Prinzessin outen. Auf die Frage nach dem Geschlecht antwortete meine Gynäkologin damals immer nur: „Es ist momentan nichts Männliches zu erkennen.“ Eine ziemlich schwammige Aussage, wenn man seit Wochen darauf brennt, endlich zu erfahren, wie man seinen Bauchknirps anreden soll! Wusstet ihr, dass die Geschlechtsanlagen anfangs noch identisch aussehen? In dem unglaublich detaillierten Buch „Ein Kind entsteht“ von Lennart Nilsson (nichts für Väter: bebilderte Geburt…uäääähhh! Das Angucken ist vermutlich eine sichere Verhütungsmethode für die Zukunft ^^) ist beschrieben, wie sich aus einer kleinen Knospe zwischen den Beinen entweder ein Penis oder eine Klitoris entwickelt. Was beim Mädchen zu Schamlippen wird, formt sich beim Jungen zum Hodensack. So einfach ist es. Damals konnte ich es nicht glauben, als meine Ärztin sagte, dass sie ungern das (vermutliche) Geschlecht nennt, eben weil das Etwas zwischen den Beinen beides sein kann. In meinem Kopfkino begann in dem Moment ein Film von Oswald Kolle, in dem eine nackte Frau und ein nackter Mann nebeneinanderstehen. Nicht zu unterscheiden?! Aber hallo!Bei der Feindiagnostik in der 22.Woche zeigte der bärtige Oberarzt, der mich an den Vater von „Wickie“ erinnerte (kennt ihr?), keinerlei Empathie für mich aufgeregten Kugelbauch. Da wurden nur stupide Oberschenkelknochen und andere Teile vermessen und in eine Tabelle eingetragen. Als ich angesichts des hochmodernen Ultraschallgerätes hoffnungsvoll zwischen den Messdaten die Frage einstreute, ob er das Geschlecht sehen könne, hieß es nur brubbelig: „Das hat für die medizinischen Untersuchungen keine Relevanz. Wir sind hier nicht beim Baby-Fernsehen.“ Donngggg…voll auf die 12. (Werdende) Mütter sind sensibel, du Penner! Tränen schossen mir in die Augen. Als ob es ihm weh getan hätte, mal schnell zwischen die Beine zu leuchten, also ihre, nicht meine.
Die „Diagnose“ nichts-Männliches-zu-sehen bestätigte sich bei den weiteren Arztbesuchen. Der teure 3D-Ultraschall (ein einmaliges Erlebnis!) im 7.Monat brachte letztendlich das pikante Detail ans Licht, als sie ihren Po hinter der Bauchwand direkt vor dem Schallkopf des Gerätes positionierte : (O-Ton Arzt) „Aha, eine Kaffeebohne!“

Dass das mal ’ne Turnerin wird, war schon abzusehen.
Wer kann sich denn bitte mit dem Zeh am Auge kratzen?!

Als die kleine Kaffeebohne dann auf der Welt war, regnete es niedlich-pinke Glitzer-Kärtchen mit „Hurra, ein Mädchen!“. Rosa Kleidchen, rosa Schühchen, rosa Schlüppies (ich dachte damals: Hä? Wozu Hemden und Schlüppies?!), rosa Mützchen und rosa Strampler füllten unseren Babyschrank und von meiner anfänglichen Abneigung gegen diese Farbe war irgendwie nichts mehr zu spüren. Sie sah darin einfach nur unglaublich süß aus 😉
Selbst der Namensaufkleber auf der Tür und die Spieluhr mit der wunderschönen Melodie von „Somewhere over the rainbow“ waren rosa. Die hatte ich ebenfalls Anfang der Schwangerschaft gekauft und jeden Tag vor dem Schlafengehen auf meinen Bauch gelegt. Noch heute schnappt sich Fiona gern besagte Kuh und lauscht deren Melodie.

Pink ist übrigens nach wie vor ihre Lieblingsfarbe, wenn man sie fragt. Ich weiß, dass sich das irgendwann ändert. Spätestens mit 13 wird aus dem Prinzessinnenzimmer eine Grufti-Höhle und Schwarz das neue Bunt. Bis dahin haben wir – zum Glück – noch sehr viel Zeit 😉 Als sie letztens mit schwarzer Tusche malen wollte und ich sagte, dass Schwarz doch so eine traurige Farbe sei, antwortete sie nur gelassen: „Mama, ich finde schwarz nicht traubig. Gelb ist traubig!“ Ups!

Aber zurück zu den Mädchen und Jungs. Es soll ja Eltern geben, die sich tatsächlich überraschen lassen wollen. Hut ab! Für mich wäre das nichts. Ich würde durchdrehen, wenn man mich 40 Wochen auf die Folter spannen würde. Bei der Geburt hab ich doch andere Sorgen, als nach dem Geschlecht zu fragen. Da will ich höchstens überlegen, ob der ausgesuchte Name bestenfalls auch zum Gesicht passt oder ob ich postnatal in Fetzen von der Wand hänge, aber nicht, ob es ein Mädchen oder ein Junge ist. Meine Mama ist 1986 so fest davon ausgegangen, dass ich ein Junge werde (obwohl sie sich sehnlichst noch ein Mädchen gewünscht hat), dass sie vor lauter Schreck bei der Geburt vergessen hat, mir einen zweiten Namen zu geben, wie ursprünglich vorgesehen. An dem kalten Januarmorgen 1987 lag da kein Oliver und kein Dominik auf dem Tisch. Ja, wie soll SIE denn heißen? Äh äh äh…. Naja, das üben wir noch mal im nächsten Leben 😉
Ich schrie mir kurz nach der Geburt übrigens – angeblich vor Hunger – die Seele aus dem Leib. Von wegen! Ich hab’s doch immer wieder laut und deutlich gesagt: „Name! Den N-A-M-E-N!!!“, aber irgendwie wollte mich keiner verstehen…

Für die, die auch glauben, dass Ende 2012 die Welt untergeht, gibt es da noch den Chinesischen Mondkalender, der anhand des Alters der Mutter zum Zeitpunkt der Zeugung und des Monats der Befruchtung das Geschlecht des Babys vorhersagt. Erstaunlicherweise stimmt er erschreckend häufig, aber eben nicht immer. Am Besten war, als meine Mama vor einer Weile überprüfen wollte, ob der Kalender auch bei ihren Kindern zutrifft. Ich guckte rauf und sagte – in dem Moment völlig ernstgemeint: „Aber der geht nur bis 45 Jahre“.

Um den Bogen zum Anfang zu schlagen: ganz egal, ob Junge oder Mädchen – wer das Glück hat, Mama zu werden und überdies noch mit einem gesunden Kind gesegnet ist, bekommt das wertvollste Geschenk der Welt: Liebe.

„In den Kindern lebt man sein eigenes Leben noch einmal, und erst jetzt versteht man es ganz.“
– Sören Kierkegaard –
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Autor: Mama 2.0

stoffverliebte 2fach-Mama, Berlinerin, iphoneaddict, Musikpädagogin. Liebt buntes Klebeband, geistige Herausforderungen und hat sich den Blick für das Schöne bewahrt. Happiness is not a destination, it is a way of life. Glas ist halbvoll und so, wa?

9 Kommentare zu „Eltern-Kind-Blogparade August“

  1. Das hast du sehr schön geschrieben 🙂 Also ich träume ja von zwei Jungs die dann auf ihre kleine Schwester aufpassen 😉 Aber ich könnte mich auch voll und ganz mit einer erstgeborenen Prinzessin anfreunden!

    Bei diesem Mondkalender finde ich es ja klasse: „…Ihr bekommt dann das wahrscheinliche Geschlecht des Kindes – Die Chancen sind ca. 50%“ – haha, klasse – bei mir und meinem Bruder stimmt er übrigens nicht 😉

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  2. Mensch Vivi, kaum hab ich deinen neuen Blog in zwei Etappen gelesen steht hier schon der nächste ;). Beide wie immer so toll geschrieben :))) Ja, ich als Jungsmama hab dann auch mal den Chinesischen Mondkalender getestet und ich muss sagen: einmal stimmt's, einmal stimmt's nicht….Das nenn ich mal 50%

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  3. Von diesem Kalender hab ich ja noch nie gehört. Muss ich gleich mal suchen;-) Einen tollen Beitrag hast du geschrieben! Bei mir hieß es wirklich „Hauptsache gesund!“. Ob Mädchen oder Junge war mir total egal.
    Liebe Grüße
    Ute

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  4. So einiges aus deinen Schilderungen kommt mir ja sehr bekannt vor…
    Wir (mein Liebster und ich) haben es beim ersten Kind tatsächlich durchgehalten, uns das Geschlecht nicht verraten zu lassen. Das war teilweise total schwierig, weil unsere Umwelt inklusiver Ärzte unsere Entscheidung kaum akzeptieren wollte. Bei jeder Untersuchung musste ich mehrmals deutlich daran erinnern, das wir das Geschlecht nicht wissen wollen. Tatsächlich war es dann so, dass wir das Geschlecht 30 Minuten nach einer komplikationsreichen Geburt erfahren haben. Ich hatte die ganze Schwangerschaft über ein Bauchgefühl, welches sich dann bestätigt hat. Wir wollten uns überraschen lassen, weil ich mega Angst hatte, dass die Ärzte sich irren könnten und ich mir dann falsche Vorstellungen mache… das war dann Motivation genug.
    Beim zweiten Wunder dann, wollten wir uns zunächst wieder überraschen lassen. Bei der Feindiagnostik sagte mein Bauchgefühl jedoch plötzlich, das ich ganz dringend wissen muss, welches Geschlecht es gibt. Da habe ich es mir dann sagen lassen.
    Mit beiden Entscheidungen kann und konnte ich super leben…
    Bei mir haut der Mondkalender übrigens hin…

    Liebe Grüße und einen schönen Abend…

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  5. Ich wollte mir auch eigentlich das Geschlecht nicht verraten lassen, aber mein Mann wollte es unbedingt wissen. Und irgendwie war ich erleichtert als der Ärztin in der Feindiagnostik das Geschlecht raus rutschte 😉 Ich glaube ich hätte es auch nicht bis zum Ende ausgehalten.
    Das Foto mit dem LKW und der Puppe ist übrigens sehr toll gelungen 🙂

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  6. Ach Gott „Kaffeebohne“ hab ich aber auch noch nicht gehört. Den Arzt der Feindiagnostik hätte ich aber was gehustet! Man, mansche sind schon echt übel! Unserer hatte uns bei der 1. SS offenbart, dass nichts männliches zu erkennen sei und beim 2 mal das 15 g mehr dran sind 😉 Ich hätte mich nicht überraschen lassen können. Der Mondkalender ist ja auch sehr interessant, hab es probiert und es stimmt in beiden Fällen (ist ja geheimnisvoll!).

    LG Romy

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  7. Laut dem chinesischen Kalender hätte Lotta ein Junge werden sollen 😉 Aber laut Mondkalender (in welchem Tierkreiszeichen der Mond während der Zeugung stand) ein Mädchen. Fifty-fifty sozusagen!

    Und die Befürchtung, dass wir in gut 10 Jahren auch nen kleinen Gruftie haben werden, hab ich auch – ich weiß wie ich in dem Alter war 😉

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  8. Da hätte ich doch fast deinen Artikel verpasst (schäm!!!!), wie gut, dass die Kerstin mit ihrem Post heute daran erinnert hat, dass ich unbedingt bei dir vorbeilesen sollte (und ich werde nie wieder eine Erinnerung brauchen, versprochen 😉 !).
    Vieles kann ich wieder 1 zu 1 übernehmen:
    Ich stimme dir in Sachen Ungeduld absolut zu und bewundere auch all die, die bis zur Geburt warten können und wollen (keine Ahnung, wie man das schaffen kann, eine Sina könnte es nicht). Und meine Gefühle hatten auch von Anfang an eine Rosa-Nuance 🙂

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