7 Sachen

Frau Liebe ruft – wenn sie nicht gerade mit dem Blog pausiert – jeden Sonntag dazu auf, 7 Sachen zu zeigen, für die wir unsere Hände benutzt haben, ob für 5 Minuten oder 5 Stunden spielt dabei keine Rolle.

Mich dieses Mal auf nur 7 zu beschränken, fiel mir nicht gerade leicht, so aufregend wie unser Wochenende war.
Beginnen wir chronologisch beim Samstag Morgen, mit dem mit Abstand schönsten und einem bisschen sentimentalen Erlebnis unseres Schmetterlingsprojektes !
Es war langsam an der Zeit, unsere vier hübschen Falter in die Freiheit zu entlassen. Seit knapp einer Woche haben wir sie beobachtet, fotografiert, mit Orangen, Nektar und Blüten gefüttert und ihnen „Guten Morgen“ und „Gute Nacht“ gewünscht. Fiona wollte sie natürlich lieber behalten und war von der Freilassungsidee gar nicht so angetan… Ich erklärte ihr, dass der kleine Beobachtungskorb für die Schmettis nicht groß genug ist. Sie wollen die leckeren Blüten draußen kosten, andere Schmetterlingsfreunde finden und zusammen bis in den Himmel fliegen. Das verstand sie, schnappte sich den Korb und stiefelte die Treppen runter bis in den Garten. Dort angekommen kniete sie sich ins (nasse) Gras, öffnete vorsichtig den Reißverschluss und hielt ihre Hand in den Korb. Es dauerte nicht lange und schon saß der erste Schmetterling auf ihrer kleinen Hand. Behutsam zog sie die Hand heraus und hielt sie wie eine Abflugrampe in den Himmel. Nichts geschah. Er blieb einfach sitzen. Nicht mal die Aufforderung „Flieg, Schmetti, du bist frei!“ bewegte ihn zum Abheben. Erst eine ganze Weile später, nachdem die anderen drei schon ihre Reise angetreten hatten, breitete auch er die Flügel aus und flog der Sonne entgegen. Wir winkten ihnen mit einem lachenden und einem weinenden Auge hinterher (3 Std später: „Mama, ich will die Schmetterlinge doch lieber wieder haben, bitte….“) und sind beide sehr froh, dass wir an dem Projekt teilnehmen durften. Sowohl Mama als auch Kind haben bei der Aktion viel gelernt und großen Spaß gehabt! Bye bye butterfly….

 Anschließend ging es in Europas größtes, gemeinnütziges Kinder-, Jugend- und Familienzentrum, das FEZ Berlin. Dort trafen wir nicht nur auf die große Rutsche und das Klettergerüst, sondern auch auf einige der 2009er Oktobermamas. Wir haben uns damals online in einer Gruppe über’s StudiVZ kennengelernt und die Schwangerschaft gemeinsam erlebt. Wünsche (Mädchen? Junge?), Ängste (Gesund?), Hoffnungen (PDA?) und Probleme (Schwangerschaftsstreifen?!) wurden geteilt, Ultraschallbilder „getauscht“ und Vornamen diskutiert. Heute sind unsere Babys alle fast 3 Jahre alt, unterhalten sich wie die Großen, toben, klettern, fangen, spielen und rutschen zusammen als hätten sie nie etwas anderes gemacht. Unvorstellbar!
Caros Erdbeermädchen Lena und mein Mausekind Fiona „Fine“ haben sich gesucht und gefunden: „das ist jetzt meine Freundin!“. Da wurden Kekse geteilt („Willst du lieber Weintrauben?“ – „Nein.“ „Aber die sind gesund!“), Bücher gelesen, Kuscheltiere geschoben, gemeinsam aufs Klo gegangen (Frauen!), Eis gegessen, erzählt und gelacht. Einfach schön!

Holzspielzeug ist etwas Tolles, finden wir. Kein Wunder, dass wir demzufolge an dem großen aufgebauten Holzkugelbahnenparcours im Hauptgebäude nicht vorbeigehen konnten. Der Stempel auf der Hand durfte am Abend auch keinesfalls abgewaschen werden! Nun schrubb mal schwarze Kinder-Fingernägelchen sauber, ohne dabei versehentlich den Handrücken nass zu machen… Als alle Oktobermamas drinnen waren, war die vorher leere Spielfläche schlagartig voll. Es klackerte und rummste, klingelte und quietschte in einer Tour. Die Tonleiter-Glockenspielbahnen haben es mir ja angetan. Aber dafür bräuchten wir erstens einen Lottogewinn und zweitens müssten wir wohl anbauen 😉

Nach ausreichender Erforschung der physikalischen, architektonischen und akustischen Phänome der riesigen Kugelbahnen ging es weiter in Richtung Streichelzoo. Ich schreibe bewusst „in Richtung“, denn vor Erreichen der Tiere hielten wir an jeder Fressbude, um Crèpes, bunten Quark (nach dem Abessen eines Löffels Smarties-Topping: „Will nicht, Mama.“ *argh*) und Eis zu organisieren. Will einer, wollen alle. Außerdem stoppte unsere Herde auch noch an jedem Spielplatz, und davon gibt es im FEZ eine Menge. Ich hatte als Einzige aus Eitelkeit keinen Buggy mitgenommen, denn die Kinder sind ja groß, staunte dann natürlich nicht schlecht, dass wirklich alle außer mir einen dabei hatten und diesen auch benutzten. Ende vom Lied war ein Platz auf meinen Schultern für ein 15kg-Baby. Kein Wunder, dass Menschen mit dem Alter schrumpfen. Ich weiß jetzt, wieso. Habe gestern bestimmt 1cm an Höhe eingebüßt auf dem Weg zum Streichelzoo ^^
Im „Haus Natur und Umwelt“ konnten wir erst drinnen und dann draußen kleine und größere Tiere bestaunen: von bunten Fischen über haarige Vogelspinnen bis hin zu mauligen Eseln war alles dabei. Große Attraktion war für alle das Ponyreiten mit pferdgroßen Huftieren. Fiona wollte unbedingt den großen Reiterhut aufsetzen, was zur Folge hatte, dass sie auf den letzten Metern das Innere der Kappe statt den Rücken des Ponys gesehen hat. Shit happens!

Abends beim Grillen war sie dann nach diesem ganzen Action-Tag an der frischen Luft mit den vielen Eindrücken so müde, dass sie fast am Tisch eingeschlafen wäre, mit dem Kopf auf dem neuen Blanco-Kissen vom Schweden, bei dem der Infozettel beinahe größer ist, als das Kissen selbst…

Heute Mittag ging’s nach der obligatorischen Sendung mit der Maus auf ein Sommerfest ganz in der Nähe. Angekündigt war laut Flyer „Programm für Jung und Alt auf der Bühne, Hüpfburg, Kinderschminken, Karussel uvm.“. Der große Platz war bei unserer Ankunft relativ leer. Es gab tatsächlich eine kleine Bühne mit zwei älterlichen Herren an Mikrofon und Gitarre. Das war wohl gerade das Programm für „Alt“. Am Programm für „Jung“ fehlte es leider an allen Ecken und Enden. Von der versprochenen Hüpfburg war leider keine Spur, genauso wenig vom Kinderschminken. Nachdem wir alle Attraktionen ausprobiert hatten (also Kinderkarussel und Entenangeln), gab es noch Süßes und eine Bockwurst und dann traten wir den Heimweg an, aber nicht, ohne dem CDU-Stand noch Luftballons, Kugelschreiber und Spritzpistolen abzuziehen. Wenigstens was 😉 Beim Entenangeln hat Fiona ein Armband-Set gewonnen, bei dem man mit einem kleinen Löffel und einem Trichter bunten Sand in ein Plastikröhrchen einfüllen kann. Der Staubsauger lachte sich schon ins Saugrohr als er uns damit kommen sah ^^ Herausgekommen sind 2 hübsch bunte Armbänder und eine Kette.

Last but not least kommt hier noch die letzte der 7 Sachen – ein verunstaltetes Buch.
Äh?!
Gerade ich, die ich Bücher über alles liebe und schon Probleme mit dem kleinsten Eselsohr oder einem gebrochenen Buchrücken habe, verunstalte ein Buch? Ja!

Vielleicht sind sie dem einen oder anderen von euch schon ein Mal im Buchladen begegnet: „Mach dieses Buch fertig“ und „Das ist mehr als ein Buch“ von Keri Smith. „Fertig“ sehen beide Bücher in der Tat nur von außen aus, denn innen findet man weder Text noch Bilder – man findet Anleitungen, Aufforderungen, Vorschläge zur (Verun-)Gestaltung der Seiten. Da soll das Abendessen (in natura!) dokumentiert oder eine Seite in Farbe getränkt werden. Einzelne Seiten sollen zerschnitten, rausgerissen, in Brand gesetzt oder mit klebrigen Substanzen betropft werden. Es sollen abscheuliche Bilder gemalt, die verstrichene Zeit dokumentiert oder die schlimmsten Schimpfwörter notiert werden. Obstaufkleber sammeln, farbige Handabdrücke machen und mit dem Stift im Mund rückwärts schreiben sind noch die harmlosesten Aktivitäten. Als ich durch Zufall auf Rikes Blog und ihr Projekt „Tobt euch an diesen Büchern aus!“ stieß, stand für mich fest, dass ich da mitmachen möchte. Die beiden Bücher werden von Blogger zu Blogger geschickt, die sich jeweils ein paar Seiten zum Kreativwerden raussuchen dürfen, bevor sie das Bücherpaket weiterschicken.
Ich blätterte ein wenig in den Büchern, freute mich über viele unglaublich einfallsreich gestaltete Seiten und ärgerte mich über die handvoll lieblos hingeklatschter Wörter von manchen, die scheinbar nicht kreativ werden, sondern nur den eigenen Bloglink unterbringen wollten. Wer sich anmeldet, sollte auch wirklich Lust darauf haben! Ich suchte mir den Apparat zur Stimulierung der Sinne aus, bei dem man für jeden Sinn einen Gegenstand finden und ihn aufkleben soll.
Wackelaugen, Wattepad, Stephans Parfum, einer von Nonos MAOAMs und eine Bastelfeder von Ostern fanden schnell ihren Weg in das Büchlein. Der dicke Kaubonbon bewirkt höchstwahrscheinlich sogar, dass meine Seite die erste ist, die automatisch aufgeschlagen wird ^^ Ist mir aber erst hinterher aufgefallen. Für jeden Sinn fand ich noch ein passendes Zitat und für den Apparat eine zeitgemäßere Masking-Tape-Verkleidung. Wenn schon, denn schon. Hope, you like it!
P.S. Dadurch, dass ich mich als Erstes um das „Riechen“ gekümmert hatte und alle Sinne tausendfach im Kreis schrieb, roch meine rechte Hand hinterher durch und durch nach Jill Sander. For men…

Am Besten gefiel mir die mit Stofffetzen und bunten Pompons beklebte Seite, die in Farbe ertränkt werden sollte mit Auslassung eines kleinen Kreises. Die war ein echter Hingucker! Aber auch die mit Büroutensilien, wie Klammern, Kuliminen, Aktendulli, Nieten und einer flache Scheibe vom Radiergummi, beklebte Seite hat mich sehr amüsiert. Die üblen Schimpfwörter sind so übel, dass ich mir ein paar davon direkt merken musste, um sie für eine verbale Auseinandersetzung als Totschlagargument im Ärmel zu haben. Nicht von schlechten Eltern 🙂
Im zweiten Buch sprang mich die Seite mit dem Zeitungsausschnitt an, bei dem man alle Wörter einkreisen sollte, die einem gefallen.
Ich zerschnippelte eine NEON und suchte mir den Artikel über Facebook heraus: alte Liebe postet nicht – oder doch?
„Man muss sich nicht gleich entfreunden, wenn man nicht mehr miteinander ins Bett geht. Ihr seid schließlich erwachsene Menschen? Dümmster Satz der Welt. […] Ihr solltet lieber von den Dreijährigen lernen. Die brüllen nach dem Schippenklau instinktiv das Richtige: Du bist nicht mehr mein Freund!!!“

Ich hatte viel Spaß dabei. Vielleicht hat einer von euch jetzt auch Lust bekommen? Es ist noch Suppe da sind noch Seiten frei! Nachdem ich mir das schwarze Buch im Laden schon ein Mal vorher angesehen und es wieder weggelegt hatte (die Aufgaben macht man ja eh nicht!), musste es bei einem der folgenden Einkäufe doch mit. Ich sage euch auch, warum. Es gibt eine Seite, auf der man dazu aufgefordert wird, Aufkleber zu sammeln, die auf dem Obst drauf kleben. Jedes Mal, wenn ich einen Apfel, eine Birne o.ä. gegessen hatte, musste ich an dieses Buch und besagte Seite denken. Deswegen besitze ich nun auch ein Exemplar, vergewaltige manchmal eine der Seiten, aber klebe hauptsächlich meine Obststicker ein. Schön, back to the 90s. Das moderne Stickeralbum. Besonders begehrt sind die großen: HONIGMELONE, besonders haarig die kleinen: KIWI!

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Autor: Mama 2.0

stoffverliebte 2fach-Mama, Berlinerin, iphoneaddict, Musikpädagogin. Liebt buntes Klebeband, geistige Herausforderungen und hat sich den Blick für das Schöne bewahrt. Happiness is not a destination, it is a way of life. Glas ist halbvoll und so, wa?

7 Kommentare zu „7 Sachen“

  1. hach wie schön.
    diese Bücher hab ich auch schonmal gesehen und dabei sehr an dich denken müssen, eben wegen deiner fast schon peniblen Art, mit Büchern umzugehen 😉

    mein Highlight war gestern, wie Nono alleine schaukelt und stolz ruft „Guck mal Mama, was ich schon lerne!“

    Hab noch einen schönen Sonntag!

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  2. Fiona ist ein ganz mutiges kleines Mädchen (sag ihr das bitte!), denn das hätte ich mich nicht getraut, einen Schmetterling auf der Hand sitzen haben – ich finde die wunderschön, aber ich halte einen gewissen Sicherheits-Abstand ein (und erinnere mich gerade mit Schrecken und Ängsten an einen Betriebsausflug in ein Schmetterlingshaus 😉 ) – keiner kann es verstehen, es ist einfach so 😉
    Das Buch ist wunderbar (lese hier zum ersten Mal davon) und bei keinem Blogger in so guten Händen, wie in deinen, liebe Viv!!!

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  3. Oooh, danke, liebe Sina :-*
    Fiona hatte übrigens absolut keine Scheu vor den Schmetterlingen. Sie sagt ja selbst: „Raupen, Käfer, Aale – ich liebe alle Tiere, Mama!“
    War jedenfalls ein sehr schönes und aufregendes Erlebnis!

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