Sprüche-Parade #2

Nach den Postkartensprüchen kommen jetzt die Sprüche auf der Tapete: Wand-Tattoos.
Ist ja alles schrecklich „in“ gerade und dank Tine Wittler hat jedes deutsche Durchschnittspärchen entweder eine „Hexenküche“ in der Nähe der Herdplatten oder eine „Spielwiese“ respektive einen „Lustgarten“ oder sogar das „Fitnessstudio“ (iiieeehhh) im heimischen Schlafzimmer. Wandtattoos sind an sich eine tolle Sache, allerdings sind die Geschmäcker ja verschieden. Als Alternative zur bunt gemusterten Tapete sind sie speziell in Kinderzimmern Gold wert. Denn wenn der kleinen Prinzessin Bob der Baumeister plötzlich doch wieder mehr zusagt als Lillifee – dann weg mit ihr und ran mit den Baggern. Um neu zu tapezieren brauchte es schon mehr als den bloßen Interessenwandel
(wer einen Tipp möchte – Wachsmalstifte oder Edding und damit noch ein paar Buchstaben o.ä. auf der ABC-Tapete ergänzen ^^).
In den Wohnräumen der Erwachsenen steht so manch geschmacklose Floskel an der Wand: „Dahoam is dahoam“, der alte Goethe mit „Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein“ oder „Der schönste Platz der Welt“ über’m Sofa. Sind zweifelsfrei alles Tatsachen, aber muss man sich die hinschreiben? Möchte ich jeden Tag in kyrillischer Schrift „Der Rubel rollt“ oder „Heute ist der 1. Tag vom Rest meines Lebens“ im Arbeitszimmer lesen? Nein, ich möchte nicht. Klar, Wandtattoos sind zwar keine lebenslange Entscheidung wie die auf der Haut. Aber bevor ich mir für im Schnitt satte 25 – 50€ Buchstaben oder Motive an die Wand haue, überlege ich schon 3x, welche.
Man sollte nicht glauben, was sich manche Menschen so über’s Bett kleben. Würde über meinem Kissen „F*ckingham Palace“ an der Wand stehen, ich weiß nicht, ob ich das a) so königlich fände und es b) so förderlich für nächtliche Aktivitäten wäre. Und wenn dann das Kind erst lesen kann…aiaiai.

Man beachte den Schatten des Stiels ^^

Für mich müsste ein Wandspruch witzig und außergewöhnlich sein – da kann der alte Goethe leider einpacken.

Weil mir bisher noch keiner begegnet ist (und ich auch nicht wirklich ausdauernd danach gesucht habe), ist unsere Wohnung bis auf ein paar nicht mehr so gut klebende Blümchen im Wohnzimmer noch nicht tätowiert. Fast nicht. Denn genau am Tag der Bekanntgabe des aktuellen Paradenthemas saß ich im umgeräumten Prinzessinnenzimmer und klebte fleißig Rotkäppchen an die Wand. Wer hat eigentlich Rauhfasertapete erfunden?! Trotz eigentlich selbstklebender Bäume, Pilze, Wölfe, etc. fand ich mich kurze Zeit später resignierend mit einem Klebestift in der Hand vor der Wand sitzen. Eigentlich wollte ich aus Trotz Sekundenkleber nehmen um es den blöden Pilzen so richtig zu zeigen, aber mein Mann konnte das in letzter Minute abwehren. Damit wäre ja der Effekt dahin von wegen schnell abmachen wenn’s nicht mehr gefällt und so…
Der pinke Weg zum Haus der Großmutter klebt nach wie vor auch mit Uhu nicht sonderlich gut und wenn er abfällt, quietscht Nono immer und sagt, sie hätte Angst vor der Schlange in ihrem Bett…
 
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An Motiven für’s Kinderzimmer mangelt es in den gängigen Shops absolut nicht und da ist, wie ich finde, alles erlaubt, was den Mäusekindern eben gefällt. Egal ob Froschkönig, Filly-Pferde oder Biene Maja – Kinderzimmer darf auch ruhig nach Kind(ern) aussehen. Auf auf, liebe Mamas und Papas, gehet und klebet!
Meine Eltern haben ihre neue Küche über der edlen, schwarzen Eckbank à la Hitchcock gestaltet. Um die Vögel anzubringen, brauchte es zwei Frauen und einen Mann. Der Mann – mein Papa – stand mit klebenden Vögeln an der Hand vor der Küchentapete, ganz angewiesen auf das Symmetrie- und Waagerechtsempfinden der beiden Damen. Diese – meine Mama und Oma – gaben derweil Anweisungen: „weiter links!“ *ankleb* „Nein, der muss doch nach oben!“ *abmach*  „Aber oben sind doch schon so viele. Der fliegt eher nach rechts!“ *ankleb*  „Ich finde, der sollte lieber auf einem Ast sitzen.“ *abmach*
Das ganze Prozedere nahm nicht gerade wenig Zeit in Anspruch und glich einer typischen Männer-Frauen-Comedy frei nach Mario Barth, inklusive der tödlichen Komponente: Schwiegermutter. Wenn Herr Barth irgendwann auf einer der nächsten CDs einen Track namens „Die Vögel“ listet, wisst ihr, wo er’s her hat 😉

Was ich mir zwar nicht hinkleben würde, aber durchaus originell und witzig bei Anderen fände, wäre z.B.: „Hier könnte Ihre Werbung stehen“, den sprichwörtlichen Teufel an der Wand oder Schweinespuren an der Decke wie in Simpsons – the movie. In der Küche ein kölsches „Tüte auf…drübber…fertisch!“ oder über der Badewanne „Nicht vom Beckenrand springen!“ würden mir zweifelsfrei bei jedem Lesen ein Lächeln auf’s Gesicht zaubern. An großen Weisheiten oder Zitaten gibt es ja ebenfalls Unmengen. Viele schöne sind sogar dabei, aber das Einzige, was ich mir irgendwo hin meißeln würde, wäre von Leo Tolstoj:
„If you want to be happy, be.“. Das trifft es auf den Punkt, wirkt allerdings nur auf Englisch. Das deutsche Pendant „Wenn du glücklich sein möchtest, sei glücklich“ klingt im Gegensatz dazu ziemlich platt.
Für platt und vor Allem fragwürdig halte ich: „Mi casa es su casa“, italienisch für „mein Haus ist dein Haus.“. Das müsste hinter einem Vorhang stehen, den man nach Bedarf auf- oder zuziehen kann, denn will ich jedem, der kommt, mein Haus als seines anbieten? Sollen sich der Spitzel von der GEZ und die Zeugen Jehovas *klopf klopf* bei mir wie zu Hause fühlen..? Naja…
Auch die Ermahnung „Ordnung muss sein“ hätte über meinem Schreibtisch nichts zu suchen. Erstens habe ich mittlerweile das Privileg, endlich allein entscheiden zu dürfen, wann und ob ich „mein Zimmer“ aufräume 😉 und zweitens werden Schreibtische grundsätzlich nicht aufgeräumt. Hinterher findet man nichts mehr! Vorher hätte ich genau sagen können, unter welchem Papierstapel sich die Schere versteckt. Nur das Genie beherrscht das Chaos ^^ Apropos Arbeitszimmer: ich liebäugel ja schon seit Langem mit einem Noten- oder Musiktattoo für die Wand über dem Klavier, aber bis jetzt ist mir DAS Tattoo einfach noch nicht begegnet. Falls das in diesem Leben noch passieren sollte, werde ich es euch wissen lassen 🙂 Und vielleicht gibt ja ein Gutschein, der innerhalb der Parade gewonnen werden kann, den entscheidenden Anstoß dazu…?
Wenn ihr jetzt Lust habt, eure oder die Wände eurer Kinder zu verschönern, könnt ihr bei den Sponsoren hier, da oder dort einen Blick werfen.
In diesem Sinne: The time to repair the roof is when the sun is shining. Und wenn es kein roof zu repairen gibt, legt man sich gepflegt in die Sonne und genießt ein paar freie Freitags-Minuten unter blauem Himmel, bevor die Arbeit noch ein letztes Mal für diese Woche ruft.
Habt ein schönes Pfingst-Wochenende!

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Autor: Mama 2.0

stoffverliebte 2fach-Mama, Berlinerin, iphoneaddict, Musikpädagogin. Liebt buntes Klebeband, geistige Herausforderungen und hat sich den Blick für das Schöne bewahrt. Happiness is not a destination, it is a way of life. Glas ist halbvoll und so, wa?

7 Kommentare zu „Sprüche-Parade #2“

  1. Das hat richtig Spaß gemacht zu lesen 🙂

    Diese Margeritten sehen ja ähnlich wie meine Gerbera im Flur aus.
    *gg* die waren jedenfalls verhältnismässig leicht anzubringen.

    So schön ich Wandtattoos finde, wo es passt und nicht nicht vollgeklatscht ist, ich finde es schon einen enormen Kraftakt sie erstmal auf die Trägerfolie zu rubbeln und dann an die Wand zu bekommen.

    LG Martina

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  2. Ich habe mir vorgenommen für mein Haus (in entfernter Zukunft) meinen lieblings Spruch an die Wand zu bringen: Man muss solide beginnen und brilliant enden….! Das trifft auf alle Lebenslagen zu..! Ich habe mir auch schonmal überlegt den am häufigsten gesagten Satz meines Mannes in den Flur zu hängen, dann muss er ihn nich immer wieder wiederholen: tut mir leid, hab ich vergessen…. ;-DDD

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  3. Das Rotkäppchen samt Wolf und Wald sieht nett aus. Schade, dass es nicht gleich kleben bleiben wollte.
    Ähnliches hatten wir mit selbstleuchtenden Sternen über Dittes Bett. Es hat eine Weile gedauert bis wir herausgefunden haben, dass die Dinger nicht nur wegen der Schwerkraft und dem schwachen Kleber abstürzen.

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  4. Das Rotkäppchen-Tattoo sieht ja klasse aus, auch wenn es nicht hält 😉 Wir haben auch Raufasertapete und hatte gar keine Probleme damit – da kommt es wohl wirklich auf die Qualität drauf an! Aber schön sieht´s allemal aus!
    Wäre auch super als Deko für den Kindergarten, wenn Märchen durchgenommen werden 🙂

    LG

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  5. Wow, ein ganz toller ausführlicher Beitrag und so witzig geschrieben 🙂

    „F*ckingham Palace“ > geht echt gar nicht!
    Und deine anderen Beispiele (hier könnte Ihre Werbung stehen und co) sind ja echt zum Kringeln 🙂

    Dein Rotkäppchen-Tattoo und die Vögel sind einfach schön!

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