100x das Ich reflektiert

Prost, Genossen!
Ich stoße virtuell mit euch an auf diesen, meinen 100. Post! *cheers*
Mein Blogbaby feiert diesen Monat schon sein 9-monatiges! Am Anfang hätte ich nie gedacht, dass das so ein Selbstläufer wird und es regelmäßig etwas zu erzählen gibt, was andere interessieren könnte. Ich habe wirklich überlegt, ob ich überhaupt bloggen sollte, denn schließlich gab es ja keinen Grund dazu. Kein Auslandsaufenthalt, nichts Selbstgemachtes zum Verkaufen und auch sonst – nichts Außergewöhnliches bis auf meinen damals noch 1-jährigen Wirbelwind. In den letzten 9 Monaten habe ich das regelmäßige Schreiben wieder für mich entdeckt (nachdem mein LK-Deutsch Lehrer aus dem Abi mich so gerne im Journalismus gesehen hätte und ich aber lieber Musik machen wollte ^^). Ich habe selber sehr viel Spaß am kreativen Schreiben und nochmal genauso viel Spaß habe ich, wenn ihr mit euren lieben Kommentaren ein Feedback zu dem da lasst, was ich hier von mir gebe. Danke!
Blogbedingte Entwicklungen aus dem vergangenen Dreivierteljahr sind z.B. die Anschaffung einer Nähmaschine und das autodidaktische Erlernen ein paar grundlegender Skills im Umgang mit ihr und einem mir bis dahin völlig fremden Terrain: Stoff. Knöpfe in allen Formen und Farben, buntes Garn, 1kg Füllwatte, diverse Nadeln, Stoffmarkierstift, Transparentpapier, Ösenzange, Klettband, Schneiderschere u.v.m. hielten unter den staunenden Augen meines Mannes Einzug in unseren Haushalt. Inspiriert von vielen tollen Nähblogs musste ich einfach probieren, ob man auch mit zwei linken Händen 2 Stücken Stoff aneinander gebaut kriegt und mit Filzaugen und einem schiefen Mund ein liebenswertes Kuschelmonster daraus zaubern kann (man kann!). Hätte ich vor einem Jahr (speziell meiner Oma –> Schneiderin…) gesagt, dass ich eine Nähmaschine besitzen und auch ein bisschen mit ihr umgehen können werde, meine Familie hätte wohl schallend gelacht oder noch eher bei mir Fieber gemessen ^^

Größter Kritiker, wenn ich wegen nicht vorhandener Stofffarbe ein bisschen improvisieren musste („Der muss aber gelb, Mama! Nicht orange!“) und zugleich größter Fan meines Nähwerks („Ooooh, danke, Mama! Hast du das für mich geknäht? Danke! So eins hab nur ich!!“) ist wohl zweifelsfrei Fiona herself.
Nach Tunip, dem Vegimal aus den Oktonauten (Zwischending aus vegetable und animal – also eine lebende Karotte), wünscht sie sich nun Professor Inkling. Professor Inkling ist ein rosa Oktopus mit Brille, an den ich mich nähtechnisch bisher noch nicht gewagt habe (8 Arme auf links nähen und wenden?! Omg). Wenn jemand konkrete Vorschläge zum Nähen eines Oktopusses hat – gerne her damit 😉
Außerdem kamen mit dem Blog viele bunte Bastelbücher und 2 mittlerweile randvoll gefüllte Körbe mit dem dazugehörigem Bastelzeug:
unzählige Finger- und Bastelfarben, Kleber, bunter Pfeifenreiniger, Wachsmalstifte, Tuschkasten, Bastelhölzer, Zahnstocher, Federn, Prickelmatte, bunte Perlen, Fotokarton, Wolle, Tonpapier, Bastelfilz, Wackelaugen (!), Moosgummi, etc. Bei Letzterem hätte ich vor nicht allzulanger Zeit wohl eher vermutet, dass es sich um dunkelgrüne Pflanzen handelt, die mit Vorliebe zwischen Pflastersteinen wachsen…
Wenn ich irgendetwas nicht wollte und konnte (neben kochen ^^), dann war das basteln. Weil ich aber gesehen habe, wie viel Spaß es dem liebsten Mausekind macht, mit Bastelschürze und Farbe zu experimentieren, sind wir also tatsächlich unter die Bastler gegangen und zücken mindestens ein Mal pro Woche, meist am Wochenende, den Pinsel.
Eine dritte und letzte Sache, die mit dem Bloggen gekommen ist, ist das Fotografieren. Nicht, dass ich früher nicht fotografiert habe. Mit Kind hält man eh fast jede Sekunde bildlich fest, so dass man zur Volljährigkeitsfeier ein Daumenkino der vergangenen 18 Jahre präsentieren kann. Vom ersten Lebensjahr habe ich sage und schreibe von jedem Lebensmonat einen Ordner auf dem Laptop ^^ Aber heute sehe ich (nicht nur wegen Luzia Pimpinellas Fotoprojekt) die Welt öfter durch eine Linse und fotografiere mit dem immer-in-der-Tasche-i-Phone auch Alltägliches oder scheinbar unbedeutende Kleinigkeiten, um sie euch zeigen zu können. (Mensch, war das nicht eine tolle Überleitung?)

Wo wir schon beim Thema „Fotoprojekt“ wären, zeige ich euch heute ein „reflektiertes Ich“.

Ich habe zugegebenermaßen im Verlauf der letzten Woche ziemlich gegrübelt, wie man das Thema umsetzen könnte. Einfach an den Spiegel stellen und sich darüber freuen, dass das gleiche Gesicht nun doppelt in die Kamera grinst, erschien mir zu banal. Im Mai geht es ja hauptsächlich darum, die Personen hinter der Kamera vorzustellen. Und was könnte mich – im wahrsten Sinne des Wortes – besser reflektieren als mein Instrument?
Einer der Dozenten des Konservatoriums, an dem ich studiert habe, sagte mal, das Akkordeon (= Aerophone = Luftklinger) funktioniert durch seinen Balg und durch das Spielen direkt am Körper wie eine zweite Lunge. Diesen bildlichen Ausdruck finde ich absolut perfekt und ich selbst könnte nicht besser beschreiben, was mir meine erste große Liebe – das Akkordeon – bedeutet.

Vorgestern war in Fionas Kindergarten Eltern“abend“ um halb 4. Weil ich bis 15.15 Uhr am anderen Ende des Bezirkes Unterricht hatte, kam ich 5 Minuten später und stürmte mit Nonos Liemhasi, dem lieben Hasi, unter’m Arm in den Raum rein. Ich dachte, die Kinder wären auch im Gruppenraum. Waren sie aber nicht. Nun starrten mich 14 erwachsene Augenpaare an und versuchten vergeblich, ein Grinsen zu unterdrücken in Anbetracht des ziemlich mitgenommen aussehenden Hasis in meinem Arm. Ich schnappte mir einen dieser Ministühle, setzte Hasi auf meinen Schoß, erfuhr, dass die Kinder im Garten sind und wusste kurze Zeit später auch, weshalb.
Als Fiona kurz nach ihrem 1. Geburtstag als kleines, weder laufendes noch krabbelndes, Baby in die Kita gekommen ist, gab es da einen Hoffnungsschimmer, dass wir die Eingewöhnungszeit vielleicht doch ohne größeres, tränenreiches Drama über die Bühne bringen würden, denn es gab: „Mautes“, wie Fiona sie nennt. Mautes heißt eigentlich Frau Mautes und ist eine relativ-frisch-aus-der-Schule-Erzieherin der ganz netten Sorte. Sie ist nicht nur genauso alt (jung!) wie Mama (25), sondern hat ebenfalls braune Locken. Um es kurz zu machen: Mautes ist in den letzten 1,5 Jahren zu einer wichtigen Bezugsperson für meine Prinzessin geworden und sie hat sie sehr in’s Herz geschlossen. Vorgestern verkündete selbige dann mit Kloß im Hals, dass sie nach der Schließzeit im Sommer die Kita verlassen würde, um sich beruflich weiterzubilden. Allen Eltern stand der Schock in’s Gesicht geschrieben. Sie bat uns, noch nicht mit den Kindern darüber zu sprechen, weil sie es erstens selber machen möchte und es zweitens noch eine Weile hin ist. Natürlich wird es eine große Abschiedsfeier geben und die zweite Erzieherin der Gruppe bereitet schon fleißig Handabdruckblumen mit Fotos, etc. als Erinnerung vor, aber den Schock mussten alle erstmal verdauen.
Vor 2 Jahren war ich froh, überhaupt noch durch Zufall einen Kitaplatz bekommen zu haben (weil in Nonas Kita die 2009er-Gruppe so voll war, dass sie geteilt werden musste), denn im kompletten Stadtbezirk waren alle Einrichtungen bis auf den letzten Platz ausgebucht. Ich verbrachte Tage am Telefon, um mir nicht nur im eigenen, sondern auch in den umliegenden Stadtbezirken immer wieder den gleichen Satz anhören zu müssen: „Tut mir leid, wir haben lange Wartelisten…“ Auf vielen dieser Wartelisten stehen wir sogar seit Mitte 2010 drauf. Getan hat sich bis jetzt noch nichts. Unter Anderem, weil der Fahrtweg hin und zurück ca. 45 min Zeit beansprucht, spiele ich schon länger mit dem Gedanken, Fiona die Kita wechseln zu lassen. Der Elternabend vorgestern war der Auslöser, es direkt am selben Tag in die Hand zu nehmen. Wir klapperten 4 Kindergärten ab, die alle mit der gleichen Antwort kamen: „Wartelisten bis 2015“. Wie krank ist das? Wenn du dein Kind mit 2 Jahren betreuen lassen willst, musst du den Platz jetzt schon für 2015 anmelden. Das heißt, für ein Kind, was noch nicht mal gezeugt wurde….! Fiona wollte auf unserer Kita-Tour von mir wissen, ob sie auf den Spielplatz gehen kann. Ich nahm sie auf den Arm und erklärte ihr, dass wir fragen wollen, ob hier ein Platz für sie ist. In der dritten Kita rannte sie zielstrebig zu einer kleinen Bank im Garten, setzte sich und rief mich. Ich ging hin und sie sagte stolz: „Ich hab einen Platz, Mama!“

Weil neben ihrem Kindergarten (in dem heute übrigens Kuchenbasar gemacht wird *mmmmhhh* Donnerstags-Süß ^^) ein Jugendzentrum ist, in dem die Halbstarken von heimlich hinter-der-Hausecke-rauchen bis laut-auf-dem-Handy-Musik-hören, knutschen und Boden bemalen alles machen außer ihre Hausaufgaben, konnten wir vor dem Eingang schon öfter kleine Kunstwerke bewundern. Meistens steht da zwar nur in großen Lettern „Jamie-Lee + Rodney = LOVE“ oder so aber wie die Farbe auf den Fußboden kommt, wo man doch nur auf Papier malen darf, das beschäftigte mein Kleinkind. Als uns dann letztens in einem Laden, der so heißt wie wir, eine Box Straßenmalkreide begegnet ist, musste die natürlich mit. Dass Kreide abbricht, wenn man sie fallen lässt, ist eine sehr schmerzliche Erfahrung. Und dass die ganzen abgebrochenen Kreidestückchen hinterher nicht mehr so schön in die Box passen, auch…
Das Malen und Hopsen in die vorgezeichneten Felder hat wunderbar funktioniert. Ganz tatortmäßig hat sich Nono dann auf die Steine gelegt und ich habe mit der Kreide unter lautem Kichern ihrerseits ein Mal rum gemalt, bis wir einen Umriss hatten. Der kann dann ausgestaltet werden, wie man möchte. Entweder originalgetreu wie die Vorlage, oder warum nicht mal einen Jungen draus machen oder ein Tier oder ein Monster oder Hackenschuhe……
Es gibt viel zu tun malen – ich kann’s nur empfehlen!
Jetzt wird ja auch endlich das Wetter wieder schöner, juhuuuu! Ab nach draußen, Blumen pusten…..
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Autor: Mama 2.0

stoffverliebte 2fach-Mama, Berlinerin, iphoneaddict, Musikpädagogin. Liebt buntes Klebeband, geistige Herausforderungen und hat sich den Blick für das Schöne bewahrt. Happiness is not a destination, it is a way of life. Glas ist halbvoll und so, wa?

7 Kommentare zu „100x das Ich reflektiert“

  1. Das ist ein schöner 100. Blogeintrag.
    Die ersten Sätze spiegeln so ziemlich meine aktuelle Situation wieder „Was könnte die Netzgemeinde interessieren? Ich habe kein Kind, mache gerade keine große reise….“
    und um mal wieder zu schreiben ist es wirklich super. Danke, dass du mich mit den vorhergehenden 99 Posts motiviert hast, auch zu schreiben ❤

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  2. DAS ist eine wundervolle runde Einhundert! So schön geschrieben, dass man wirklich bis zum Schluss lesen wollte.
    Dein reflected me-Foto ist wundervolle und ich kann die Liebe zu diesem Instrument gut nachvollziehen. Wenn meine Freundin auf ihrem Akkordeon spielt, schmelze ich förmlich dahin.

    Ich wünsche dir nochmal und nochmal hundert wundervolle Einträge dieser Art & sende dir einen lieben Gruß herüber.

    Katja

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  3. Fiona ist zum Knutschen, „ich hab einen Platz“, wie recht sie doch hat und wie einfach alles wäre, würde man es aus Kinderaugen betrachten… Tut mir sehr leid mit dem Verlust der lieben „Mautes“, ich drücke euch die Daumen, dass Fiona eine mindestens genauso tolle neue Erzieherin bekommen wird.
    Unglaublich finde ich, dass du mit Basteln und Nähen nichts am Hut hattest, bevor Fiona da war – das lässt Herrn Bohne und mich hoffen…
    Sonnige Grüße nach Berlin, wir gehen sie jetzt gleich draußen inhalieren…
    Sina
    P.S. Zu welchem Ergebnis bist du beim „Zeiten-zu-Ende-Lesen“ gekommen???

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