Blogparade #9

Ihr Lieben, es ist wieder Blogparadenzeit!
Bevor ich euch das Thema dieser Woche präsentiere, muss ich noch ein paar Worte zum Layout meines Blogs loswerden. Einige von euch haben angemerkt, dass mein pink auf schwarz mitunter schwer zu lesen ist bzw. bei der durchschnittlichen Länge der Posts in den Augen weh tut. Weil mir meine Leser natürlich am Herzen liegen, habe ich das Design geändert. Der schwarze Hintergrund soll allerdings bleiben, denn das ist das Markenzeichen von HexHex. Weiße Schrift auf schwarz ist ja eine gängige Einstellung (die ich übrigens auch auf meiner iPhone Kindle-App gefunden habe, yeah!). Allerdings ist jetzt nicht nur der Posttext in weiß, sondern auch die Schrift in der Sidebar. Weil weiß auf weiß nun aber wirklich sehr schwer zu lesen ist, wollte ich das wieder ändern, aber keine Chance. Bei der Umstellung auf weiße Schrift hat er schon seeeehr sehr lange nachdenken müssen, bevor er die Änderung angenommen hat. Jetzt geht gar nichts mehr. Seit gestern kämpfe ich mit der Blogger-Seite und meinem Laptop, habe es sogar über’s Handy versucht. Ergebnis dessen war 2x ein Totalcrash mit rien ne va plus und komplett schwarzem Bildschirm, der nicht mal den als Affengriff bekannten Taskmanager-Befehl „Strg + Alt + Entf“ mehr angenommen hat… Da sowohl mein Kopf als auch mein Laptop eigentlich multitaskingfähig sind, habe ich – um Zeit optimal zu nutzen – während meiner Design-Änderungsversuche mit dem Aufnahmeprogramm im Hintergrund das neue Lied für meine Früherziehungskurse diese Woche aufgenommen. Als ich heute morgen in der Kita stand und den mp3 abspielen wollte, staunte ich nicht schlecht. Von ursprünglichen 5 Strophen sind nur 3 angekommen, die restlichen beiden fielen wohl dem Lap-Crash zum Opfer und wurden dann acapella gesungen. Und alles nur wegen der pinken Schrift ^^ Aber wie gesagt, sobald ich die Blogger-Einstellungsseite öffne, steht alles still und nichts geht mehr. Kennt jemand dieses Problem (und passende Hilfe dazu)?

Jetzt aber zur Blogparade:
das Motto dieser Woche trägt zwar keine weiße Toga und Ledersandalen, wohl aber das olympische Feuer: „höher, schneller, weiter“. Es geht um das leidige Thema Vergleichen, wer wann was besser kann als jemand anderes. Die vier Sponsoren sind wieder hier verlinkt.

Schwangerschaft:

Gerade erst den Teststreifen bewässert und tatsächlich 2 Linien gezaubert, schon fangen die Zweifel an. Welche Früherkennungs-Untersuchungen sollten wir machen lassen, um rauszufinden, ob die 14mm große Frucht unserer Lenden wirklich die Anlagen für Papas Fußballerwaden und Mamas Intelligenzquotienten hat? So schön wie es ist, bei jedem Termin ein Ultraschallbild zu bekommen, kann es vielleicht sein, dass das viele Schallen unserem Baby nicht gut tut? Jedenfalls behauptet das Frau Meier. Sollten wir den Arzt wechseln, wenn er nicht die neusten Geräte hat? Vielleicht ist er oder sie gar nicht auf dem aktuellsten Stand? Frau Stein erzählt ja schon lange, dass Dr.XY hinter dem Mond lebt. Sollten wir den völlig überteuerten AngelSound kaufen, um Babys Herzschlag im Bauch hören zu können? Frau Schmidt fragt sich, wie wir auch nur eine ruhige Minute haben können, solange wir das Schlagen von Juniors Herzchen nicht jederzeit überprüfen können. Sollten wir lieber gleich in die Notaufnahme fahren, wenn AngelSound zwar einen grummelnden Magen verstärkt aber das Baby-Bumm-Bumm nicht finden kann? Frau Mai ist eine Schwangerschaftswoche weiter als ich und guckt immer so komisch auf meinen Bauch. Täuscht das oder ist ihrer schon viel, viel größer als meiner? Vielleicht ist unser Baby unterentwickelt? Genau das schwingt nämlich im Subtext mit, wenn sie mich so doof von der Seite anguckt…

Schon in der Schwangerschaft werden Bäuche und Ultraschallaufnahmen verglichen und erste Spekulationen über eine mögliche Bedeutung der festgestellten Unterschiede gemacht.
„Meiner hat einen größeren Kopf. Der wird bestimmt mal sehr intelligent…“
„Aber sieh mal, was meine für lange Beine hat! In ein paar Jahren wird sich Heidi Klum bei den Popmodels die Finger lecken…“
Mal ganz ehrlich, muss das denn sein? Kann man nicht einfach akzeptieren, dass keine Schwangerschaft wie die andere verläuft und dass jeder Embryo in seiner Entwicklung ein ganz eigenes Tempo hat? Bei Fiona hieß es erst, das Baby habe einen sehr schmalen Kopf und einen schlanken Körper. Kurz vor der Geburt nannten sie es einen dicken Kopf und ein sehr kräftiges Baby. Hä?
Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich die Meinung der Ärzte oder sie bleibt wie sie ist…

Geburt, Baby & Kleinkind

(Nur am Rande: ich hatte eine natürliche Geburt ohne PDA – obwohl ich bei den ersten Presswehen für diese verdammte Spritze meine Uroma verkauft hätte – aber man kann manchmal die Ohren einfach nicht verschließen, wenn sich Zimmernachbarinnen oder Rückbildungsgymnastikerinnen neben einem unterhalten…)

„Waaaaas?! Einen Kaiserschnitt? Medizinisch notwendig?! Papperlapapp! Früher haben alle Frauen ihre Kinder auf natürlichem Wege bekommen und das ging auch….“

„Eine PDA?! Also ich habe ja von vorn herein gesagt, dass ich sowas nicht möchte. Ganz natürlich soll es sein, das ist das Beste für Mutter und Kind. Sonst kommt das Baby ja schon benebelt auf die Welt…“

„Mit 4 anderen Müttern auf einem Zimmer? Das muss ja die Hölle für Ihr Neugeborenes gewesen sein…“

19-Euro-Bio-Cotton-Strampler oder SecondHand?
60€-Klima-Schlafsack oder Decke?
Pampers oder Billigmarke?
Avent oder Nuk-Fläschchen?
Impfen oder nicht impfen?
Hipp oder Alete?
Römer oder Maxi Cosy?
Leitungswasser oder teures rosa Sprequell?
Adidas-Sneakers oder Bobbi-Shoes?
Puky Wutsch oder Kettler Speedy?

Was benutzt die Nachbarin mit den gleichaltrigen Kindern und warum? Weiß die was, was ich nicht weiß? Sind die billigen Windeln wirklich so schädlich für den empfindlichen Babypopo? Welche Flaschen enthalten das giftige Bisphenol-A? Schläft deren Tochter besser, weil sie die Schlafzimmertemperatur ein Grad kühler eingestellt haben? Ist die chemische Belastung der Kunststoffreifen am Laufrad wirklich so hoch? Sollte ich mit unserem Kind zum Arzt, weil es sich mit 6 Monaten immer noch nicht vom Bauch auf den Rücken dreht? Warum läuft deren Sohn mit 12 Monaten und unsere Kleine kann noch nicht mal richtig krabbeln?
„Süße, der kleine Leon von Ines, der sagt schon so schön und deutlich „Mama“. Kannst du auch mal Mama sagen?“
– „Brrrrrrrpppprrröööö“
„Nein, sag mal: M-A-M-A!“
„Brrrrrööööömmmmjjjjlllll“ ……..

Ob man will oder nicht, man vergleicht. Tagein, tagaus und man merkt gar nicht, wie man seine Zweifel (über-)füttert und sich selbst unglücklich macht. Ein weiser Mann, Sören Aabye Kierkegaard, hat mal gesagt: „Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.“
Die Nachbarin oder die Freundin mit den gleichaltrigen Kindern weiß es nicht besser. Genauso wenig wissen es die Milliarden kommentierfreudigen Mütter in den Online-Foren oder die Schwiegermutter. Unsere Unerfahrenheit, besonders beim ersten Kind, wird von Medien und Umfeld oft genug schamlos ausgenutzt. Da wird einem schon mal das doppelt so teure Produkt angedreht, obwohl es das günstige auch (oder sogar besser!) getan hätte. Man will eben nur das Beste für sein Kind und das wissen die Hersteller diverser Baby- und Kleinkindprodukte ganz genau.
Sobald der Nachwuchs den Krabbelschuhen entwachsen ist, fängt das Vergleichen erst richtig an und immer öfter ertappen sich Mütter dabei, wie sie auf ihre To-Do-Liste im Kopf gedanklich den Vermerk notieren, beim nächsten Arztbesuch mal nachzufragen, ob das eigene Kind in dem und dem Alter schon das und das können sollte.
In 95% der Fälle kann ich euch per allgemeiner Ferndiagnose beruhigen: was euer Kind kann oder auch noch nicht kann, es ist völlig normal. Jedes Kind hat sein eigenes Tempo. Der eine 2-Jährige malt schon erkennbare Häuser auf’s Papier, der nächste erzählt grammatikalisch korrekt vom Theaterbesuch in Hamburg und der übernächste kann bis 20 zählen. Gerade letzte Woche waren wir ja zum Entwicklungsgespräch in Fionas Kindergarten. Klar ist man als Eltern stolz, wenn das eigene „Baby“ als einzige in der Gruppe etwas kann, was viele andere noch nicht können aber muss man sich das gleich mit Edding auf die Stirn schreiben? Fiona zum Beispiel quasselt wie ein Weltmeister und erzählt von Steinbutten, Oktopussen, dem SeaLife und ihrem Besuch im Museum, wohingegen sich die sprachlichen Fähigkeiten ihrer Freundin XY noch auf „Meine Mama auch abholt?“ beschränken. Dafür flitzt XY dann mit dem Laufrad in Tempo 20 an uns vorbei, als ihre „Mama auch abholt hat“. Fiona sitzt auf dem Laufrad wie der Affe im Bus und wartet, dass es losfährt. Passiert aber nix. Also absteigen und sagen: „Mama, gib mir bitte mein Handy. Es war schon am Strom. Es geht jetzt wieder…“
Auch im Pädagogikunterricht während des Studiums haben wir gelernt, dass Kinder nur mit sich selbst, nicht mit anderen verglichen werden sollten. Auch Killerphrasen à la „XY kann das aber auch. Warum kannst du das nicht?“ motivieren absolut nicht. Im Gegenteil! Ich habe früher nach einem miserablen Mathetest gerne mal zu Hause erklärt, dass ich mit meiner 4+ zu den Besten zähle, weil alle anderen eine 5 oder sogar eine 6 haben. Was hat meine Mama dann geantwortet? „Mir doch egal, was die anderen haben! Warum hast du keine 2?“
Mir war das in dem Moment zwar nicht egal, war ich zum Zeitpunkt der Rückgabe doch froh, weiter oben im Notenspiegel zu stehen, als mein damaliger Erzfeind ^^ Aber heute verstehe ich ihr Argument und der Test wurde sowieso wegen akuter Schlechtigkeit wiederholt…
Ich kann euch nur an’s Herz legen, eure Kinder als das zu sehen was sie sind: einmalig auf dieser Welt.
Wer ständig vergleicht, wird unglücklich. Akzeptiert die Individualität eurer Kinder; sie sind weder ein exaktes Abbild ihrer Eltern, noch ihrer Geschwister, Freunde, etc. und sie entscheiden selbst, wann sie was können.
„Wer in den Fußstapfen eines anderen wandelt, hinterlässt keine eigenen Spuren“ sagte Wilhelm Busch einst.
Und wenn ich das nächste Mal zu hören bekomme, dass meine Tochter für ihr Alter schon sehr gut spricht, sage ich ganz stolz und gelassen: „Ja, spricht wie ein Advokat aber ka*** in die Windeln“ 🙂

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Autor: Mama 2.0

stoffverliebte 2fach-Mama, Berlinerin, iphoneaddict, Musikpädagogin. Liebt buntes Klebeband, geistige Herausforderungen und hat sich den Blick für das Schöne bewahrt. Happiness is not a destination, it is a way of life. Glas ist halbvoll und so, wa?

13 Kommentare zu „Blogparade #9“

  1. Ich habe mich bis jetzt nie an Verleichen beteiligt weil ich das einfach nur doof finde. Jedes Kind ist einzigartig und so wie es ist was besonders. Den Spruch von Aabye Kierkegaard finde ich toll und werde mir ihn gleich mal aufschreiben. Danke für den unterhaltsamen Artikel.

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  2. Ja, da hat Herr Kierkegaard ja so recht! Die Eltern, die die Fähigkeiten ihres Kindes so stark in den Vordergrund stellen, sind auch die, die dann ganz kleinlaut werden, wenn ihr Kind mal nicht zu den „Schnellsten“ oder „Besten“ gehört.

    Liebe Grüße

    Karin

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  3. Ach Viv, wieder mal so gern gelesen. Wie recht du hast, die eigenen Spuren, die gefallen mir und der Affe im Bus, den würde ich gerne mal sitzen sehen 🙂 Herrlich!
    Ich hoffe, dein Laptop ist wieder gesund!?

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  4. Hi Viv,
    Dein bericht hat mich jetzt so amüsiert, danke dafür.
    Ich finde ihn so coll udn witzig geschrieben.
    Du hast recht, jedes Kind hat sein eigenes tempo und das ist auch gut so.
    Lg jassi

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  5. „Ich habe früher nach einem miserablen Mathetest gerne mal zu Hause erklärt, dass ich mit meiner 4+ zu den Besten zähle, weil alle anderen eine 5 oder sogar eine 6 haben. Was hat meine Mama dann geantwortet? „Mir doch egal, was die anderen haben! Warum hast du keine 2?“

    Ich kenne das auch: „Was interessiert dich, was die anderen haben, hättest du mehr gelernt hättest du auch eine 1 haben können“ – fand ich auch nicht gut, denn 2en wurden auch nie geschätzt (auch wenn sie recht hatte :D)

    Danke für den – wie immer! – erfrischenden Berich!

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  6. Ich kann mich nur anschließen – ein echt erfrischender Beitrag 🙂 Schon der erste Satz: zu genial 😉 – und zu deinem blogger-prob … ich fürchte ich bin nicht ganz durchgestiegen wieso du auf einmal nichts mehr machen kannst … aber ich habe davon bisher noch nichtsgelesen … hast du mal bei der blogger-hilfe gesucht oder die frage dort gepostet? würd ich sonst als nächstes tun 🙂

    Liebe Grüße
    Elli

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  7. Herrlich! Ich glaube ich muss mich bei Dir gleich mal eintragen. Da will ich garantiert nix mehr verpassen! Wäre unser Kleiner übrigens ein Mädchen geworden, hätte es auch Fiona gehiessen…
    In der Schwangerschaft ist mir das mit dem Vergleichen gar nicht so aufgefallen, ehrlich gesagt. Allerdings war ich beim Großen auch die erste im Freundeskreis, und zur Schwangerschaft des Kleinen war auch gerade keine „mitschwanger“…
    Das mit „mir doch egal, was die anderen haben“ kommt von mir auch ziemlich häufig. Ich weiß allerdings auch 2en zu schätzen – allerdings nur, wenn die Fehler in der Arbeit berechtigt sind! D.h. bei Flüchtigkeitsfehlern à la „ich schreib am Anfang eines Satzes mal klein weiter“ mecker ich auch!
    Achja, aber Du hast ja mit allem sooo recht!
    LG; Bianca

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  8. Vielen lieben Dank euch allen für eure netten Kommentare! Meinem Laptop geht's übrigens besser, konnte auch jetzt die Farben wieder ändern und musste leider Gottes resignierend meinen geliebten schwarzen Hintergrund doch ändern. Auf Schwarz tut mit der Zeit wohl alles in den Augen weh. Hoffe also, euren Augen mit normalem Schwarz auf Weiß einen Gefallen getan zu haben 🙂

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