Prickelnd!

Montag Morgen und wer liegt neben mir im Bett…? Ein Gib-mir-Aspirin-Schädel und eine verstopfte Nase. Ich frage mich, ob ich die beiden jemals wieder los werde, sieht nämlich im Moment nicht wirklich danach aus. Dazu ein ausgetrockneter, fast pelziger Mund, der mich ernsthaft überlegen lässt, ob ich letzte Nacht oral die Qualität der Stoffe in meiner Näh-Tüte überprüft habe… Diese hartnäckigen Viren oder Bakterien starten nun also froh und munter in Woche 5 ihres Daseins. Auf ein Neues.

Am Wochenende hatten wir Besuch aus Neuenburg, der Heimat meines Mannes ganz im Süden Deutschlands. Während er Samstag früh zum Flughafen fuhr, bereiteten Nona und ich das Frühstück zu. Ich stand in der Küche am Kühlschrank und gab ihr nacheinander jeweils ein Stück zum in’s-Wohnzimmer-bringen: Marmelade, Butter, Milch, Saft, Honig, Brot, Wurst. Auch mit Tellern und Brettern hatte sie bereits den Tisch gedeckt. Mit den Hinweis „Schön gerade halten!“ gab ich ihr die volle Cornflakespackung und erwartete nach Murphys Law, dass sie ausgerechnet damit stolpert oder auf dem langen Weg zwischen Küche und Wohnzimmer ein Picknick einlegt. Aber nichts dergleichen geschah. Mit den Frühstücksmessern machte ich mich nun ebenfalls auf den Weg in’s Wohnzimmer und staunte nicht schlecht, als ich sah, wo sich der Inhalt der Cornflakespackung verteilt hatte. Sämtliche Schokopops befanden sich in und um ihren Teller und mittendrin das strahlende Kind mit der Aufforderung: „Ich brauch noch Milch!“
Samstag Abend statteten wir dem Italiener unseres Vertrauens einen Besuch ab. Als es an’s Zahlen ging, brachte er die Rechnung, hübsch verpackt in einem kleinen braunen Kästchen. Fiona kommentierte das mit den Worten: „Oh, guck mal, Mama! Papa hat eine neue Schatztruhe!“

 Vor 2 Wochen waren wir ja im SeaLife Berlin, einer Art großes Aquarium. Damit man die frischgewonnenen Unter-Wasser-Eindrücke nicht gleich wieder vergisst, ist direkt an das Aquarium ein Shop angeschlossen, durch den man hindurch muss, bevor man das Gebäude verlassen kann. Nemos, Dories, Oktopusse, Schollen, Haie, Krebse und anderes Plüschgetier wartet auf die Adoption durch willige Besucher unter 1,40m. In einem Korb auf Fiona-Greifhöhe befanden sich blaue Glibbertintenfische und gelbe Glibbergummiseepferdchen. Nono wollte beide, ich erklärte ihr, dass wir nur eins von beiden kaufen können. Sie entschied sich nach anfänglichem Zögern für den blauen Kraken. Nach ihrer Lieblingsserie, den Oktonauten, wurde er „Wo-Essor (Professor) Inkling“ getauft und sorgte schon für große Erheiterung im Kindergarten, denn wenn man ihn in der Mitte drückt, kommen die Augen so lustig raus ^^ Immer wieder erwähnte sie in den vergangenen 2 Wochen das Seepferdchen, so dass es mir schon fast leid getan hat, es bei unserem Besuch nicht gekauft zu haben. Doch gestern bot sich uns die Chance, das nachzuholen. Auf dem Weg in’s interaktive DDR-Museum, einem der meistbesuchten Museen Berlins, kamen wir zwangsläufig noch mal am SeaLife-Shop vorbei. Ich ergriff die Gelegenheit beim Schopf, stürmte in den Laden, angelte ein hübsches Seepferdchen aus dem Grabbelkorb und stellte mich an die Kasse. Der freundliche Kassierer wollte wissen, ob es mir denn gefallen habe im Aquarium. Ich sagte, dass ich gar nicht drin war, sondern nur hier bin, weil meine 2-jährige Tochter mir seit 14 Tagen ein Seepferd an den Kragen labert wegen dieses verdammten Glibbertieres ^^ Er lachte und wünschte mir noch einen schönen Sonntag. Shop-Konzept geht auf, kann man nix sagen…
Die Freude beim Nono-Kind war ungebremst, sie traute ihren Augen fast nicht, als ich das Tier vor ihrem Gesicht hin und her wedelte und rief immer ganz aufgeregt: „Ein Seepferdsen! Für mich! Danke, Mama! Vielen Dank! Mein Seepferdsen! Das is so kuschelig und weich…“ Naja, darüber lässt sich streiten. Jedenfalls sind sowohl Kind als auch Seepferd nach dem gestrigen Tag geschichtlich gebildet, denn hinterher ging es wie gesagt in die DDR, ein interaktives Museum für alle Sinne. Karat-Schrankwand, Wählscheibentelefon, Sandmännchen, Kaffeemix, Lipsi-Tanzschritte, Rennpappe und Erichs Lampenladen – so muss Geschichte schmecken. Fiona öffnete voller Begeisterung alle Schubladen, fläzte sich auf das Sofa im Plattenbau-Wohnzimmer und guckte angestrengt sie Sendung mit Karl-Eduard von Schnitzler, lenkte einen Trabi, hörte Lindenbergs „Sonderzug nach Pankow“ und buzzerte bei Worten, die der Grund waren, warum die Nationalhymne der DDR nicht mehr gesungen werden durfte, „einig Vaterland“ z.B. (Okay, sie drückte den tollen roten Knopf nicht nur bei „verbotenen“ Worten, sondern immer und ständig, weil das Buzzern so schön ist…)

Gebastelt haben wir auch mal wieder, zum ersten Mal mit einer Prickelnadel. Das ist eine spitze Nadel mit Halteknauf, mit der man auf einer dicken Filzunterlage Löcher in’s Papier stechen kann. In einem meiner vielen Bastelbücher fand ich eine Fisch-Prickelvorlage und machte mich an die Bastel-Vorarbeit. Gemeinsam mit Fiona wollte ich die aufgezeichneten Fischschuppen ausstechen, aber sie bestand vehement darauf, es alleine zu tun. Ich verabschiedete mich gedanklich schon von einem der drei Fische, weil ich erwartete, dass sie mit der Nadel dem Tonpapierfisch nach dem Leben trachten würde. Im Gegenteil! Ganz akkurat prickelte sie an den vorgegebenen Linien entlang  und zauberte 1A-Fischschuppen auf das bunte Papier! Inzwischen zieren die Fischies ihre Bastelausstellung an der Kinderzimmertür, auf der es langsam eng wird zwischen Pinguinen, Schmetterlingen, Hähnen und bunten Monstern…

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Autor: Mama 2.0

stoffverliebte 2fach-Mama, Berlinerin, iphoneaddict, Musikpädagogin. Liebt buntes Klebeband, geistige Herausforderungen und hat sich den Blick für das Schöne bewahrt. Happiness is not a destination, it is a way of life. Glas ist halbvoll und so, wa?

4 Kommentare zu „Prickelnd!“

  1. Ich habe letztens auch Prickel-Nadeln gekauft, wusste aber bis jetzt nicht, was wir damit überhaupt anfangen sollen… Aber jetzt – danke – der Tipp mit den Fischen ist klasse 🙂

    Viele Grüße, Sandra

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  2. Danke! Die Fische sind aus einem kleinen Heft namens „Fensterbilder für kleine Hände“ von Johanna Krohn. Ich werde demnächst mal hier im Blog meine Bastelbücher vorstellen 🙂

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