Blogparade #7

*klopf klopf*
Ein neues Blogparadenthema steht vor der Tür und es trägt eine weiße Toga und Ledersandalen – „Brot & Spiele“! Die Sponsoren dieser Woche sind hier, da und dort verlinkt.

Ich musste ein bisschen schmunzeln, als ich bei einigen Teilnehmern las, dass sie sich wundern, wie die Testmama auf so ein Thema gekommen ist, wo Brot mit Spielen doch gar nichts zu tun hat.
„Populum Romanum duabus praecipue rebus, annona et spectaculis, teneri“ – keine Angst, auch trotz zu Gymnasialzeiten erworbenem Latinum kann ich nur ahnen, dass die Römer irgendetwas mit Spektakel zu tun haben. Wikipedia, meine dritte Gehirnhälfte, kann da weiterhelfen: das römische Volk lasse sich besonders durch 2 Dinge im Bann halten, Getreide und Spiele. Das schrieb einst der römische Dichter Juvenal.
Bei Kleinkindern (oder auch größeren!) ist es ganz ähnlich. Robbie Williams schmetterte in der Werbung für einen privaten TV-Sender sein berühmtes „Let meeeee entertain yoouuu!“, das ist wohl die Hymne aller Mütter. In unserem allgegenwärtigen Medienzeitalter machen sich viele Eltern das „Entertainen“ der Kids ein bisschen zu leicht, parken sie einfach vor dem Fernseher und wundern sich dann über viereckige Augen (was hatte ich früher Angst davor!) und ein Allgemeinwissen, was sich auf „Können wir das schaffen? Jo, wir schaffen das!“ beschränkt. Versteht mich nicht falsch, ich gehöre weder zu den alternativen wir-haben-keinen-Fernseher-und-wir-wollen-auch-keinen-Nervbacken noch zu den Junkies, bei denen der Fernseher von morgens um 8 bis Mitternacht im Dauerbetrieb läuft. Wichtig ist bei der Röhre (oder sollte ich besser sagen: dem Flatscreen?), dass man vor allem mit Kindern einen gesunden Mittelweg findet zwischen No-Go und Dauerberieselung. Fiona guckt auch gerne mal Kindersendungen, dazu gehören Angelina Ballerina, die kleine ehrgeizige Ballettmaus, die sich den ganzen Tag mit Tanzen und klassischer Musik beschäftigt, und ihre absoluten Favourites: die Oktonauten – eine Mischung aus Hello Kitty und Unterwasser-Star-Wars. Von der Titelmelodie trage ich regelmäßig einen Ohrwurm mit mir herum ^^ Auch Sandmännchen und die Sendung mit der Maus dürfen natürlich geguckt werden, am Liebsten gemeinsam auf dem Familiensofa. Manchmal kommt sie nach einem anstrengenden Tag aus dem Kindergarten und möchte weder malen noch basteln oder anderweitig entertaint werden, sondern einfach mit Liemhasi un den Oktonauten auf ihrer kleinen Couch chillen. Das kann ich gut nachvollziehen. Von Seifenblasen über Stifte, Knete und Brettspiele haben wir im Kinderzimmer alles, was das kleine Herz begehrt. Es ist mir manchmal unerklärlich, wie sich im Laufe von noch nicht ein mal zweieinhalb Jahren so viel Zeug ansammeln kann! Wahrscheinlich ist es aber auch der Elternkopf, der nun gnadenlos zuschlägt und alles kauft, was er selbst begehrt hätte als Kind. Kein Betteln, kein „ich-möchte-aber-bitte-bitte“ oder „ich-brauche-diese-Puppe-aber-unbedingt!“ mehr, stattdessen nur ein vorsichtiges Schielen auf’s Konto, was die Kaufentscheidung als Einziges beeinflussen kann. Manchmal musste man als kleiner Mensch einfach etwas Bestimmtes haben und konnte Mama oder Papa nicht plausibel genug erklären, warum man es haben musste. Das konnte sein, weil Puppe Lisa mit 2 Püppchenfreundinnen nicht glücklich war, die drei sich ständig stritten und deshalb unbedingt noch eine vierte, eine Streitschlichterin, her musste. Es gibt Dinge, die verstehen eben nur Puppenmütter oder kleine Autohausinhaber (warum noch mehr Matchbox?! Na Jahresumsatz, Prämienzahlungen, ganz klar, ihr Lieben!). Öffnet man heute die Tür zu Spielemaxx, Toys’r’us oder einem vergleichbaren Spielwarenparadies, nimmt einem das gigantische Angebot an buntem Plastikkram fast den Atem und schon Eltern von 4 Wochen alten Babys – die noch absolut zufrieden mit Mamas Stimme, Mamas Busen und ein paar Windeln wären – wird suggeriert, sie müssten das interaktive Winnie-Pooh-Lernbuch und das 3-stöckige Badewannenschiff sofort kaufen, um ihren Nachwuchs von Anfang an optimal zu fördern. Warum ich das schreiben darf? Weil es mir selbst so ging. Es heißt ja, beim Zweiten ist man relaxter, glaubt nicht mehr alles und ist nicht mehr so besessen davon, alles richtig machen zu wollen, weil man im Grunde weiß, dass man intuitiv alles richtig macht, wie schon Eltern einige viele Generationen vorher. Fakt ist, dass man Kinder fördern sollte, aber ohne sie zu überfordern. Schlaue Worte, die man mir nicht abnimmt, wenn man einen Blick in unsere Spielzeugkiste wirft (ja, hier wohnt wirklich nur ein Kind). Die schlauen Worte warten auch bei mir noch darauf, in die Tat bzw. in einen blauen Sack in den Keller umgesetzt zu werden. Ich glaube, das Geheimnis liegt in der Beschränkung. Wenn das Spiel-Angebot im Kinderzimmer zu groß ist, weil aus der einen Ecke Detlef Jöcker „1,2,3 im Sauseschritt“ trällert, in der anderen Ecke Legomännchen, Playmobilfiguren und Barbies dazu tanzen, in der dritten Ecke die Kuscheltiere ungeduldig vor der Knetmaschine sitzen und auf Input warten und in der vierten Ecke das vom Überangebot erschlagene Kleinkind sitzt, verliert es seine Phantasie und verlernt, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Das fällt mir auch bei meiner Arbeit im Kindergarten bzw. beim Gespräch mit den Erzieherinnen auf. Zu viele Kinder können sich nicht mehr mit sich selbst oder mit anderen Kindern beschäftigen ohne ständig „Hilfe“ von außen in Anspruch zu nehmen à la „wir wissen nicht, was wir spielen sollen“. Schade! Und während man selbst noch völlig euphorisch den frisch erworbenen Schminkkopf für’s Kind bestaunt, den man vielleicht selber so gerne gehabt hätte, sitzt die Beschenkte schon wieder mit dem Lieblingsbuch auf dem Bett und genießt beim 1000. Angucken die altvertrauten Bilder. Big Schminkkopf is watching you und wird seinen Platz oben auf dem Schrank finden, gleich neben dem nervigen Kinderlaptop und der eingestaubten Eismaschine…Weniger ist eben tatsächlich manchmal mehr 🙂
Was bei uns seine Daseins-Berechtigung in der Spielkiste hat, sind die Maltafel, der Arztkoffer, die Registrierkasse, die Plastik-Lebensmittel, diverse Legobausätze und ein paar Kinderspiele ab 2 oder 3 Jahren.
Absoluter Hit ist das Obstgartenspiel, was ich nur jedem mit Kleinkind empfehlen kann (ist auch auf dem Mottobild der Testmama abgebildet).

Äpfel, Birnen und auch Pflaumen,
wachsen nur bei grünem Daumen,
oder in dem Kinderspiel,
Obst zu pflücken ist das Ziel.
Achtung, Achtung, kein Gelaber,
würfelst du den Rab‘ aber,
frisst er dir die Bäumchen kahl,
und dein Kind ruft: noch ein Mal!

Dieser Vers über das Obstgarten-Spiel diente dazu, die Pflichtwörter dieser Woche („Rhabarber“ und „Kinderspiel“) unterzubringen. Wer den Rhabarber gefunden hat, darf ihn behalten, denn wir mögen ihn alle nicht ^^

Dass Fiona mein abgelegtes – weil teilweise defektes – iPhone benutzt, darüber habe ich ja auf dem Blog schon öfter berichtet. Darauf befinden sich keinerlei Jump & Run spiele, die in meinen Augen nichts außer die Beweglichkeit der Daumen trainieren. Alle installierten Apps (ok, bis auf Om Nom und sein legendäres „Cut the Rope“) drehen sich entweder um das Thema Tiere/Tierlaute/Geräusche oder Sprache (Griechisch, Italienisch, Englisch), also pädagogisch sinnvolle Beschäftigung. Eine App, die ich anfangs löschen wollte, weil ich dachte, sie sei noch nutzlos und viel zu schwer für Fiona, ist mittlerweile zu einem ihrer Lieblingsspiele geworden und Nonos Demonstration dessen sorgte bei den ägyptischen Kellnern für wahre Begeisterungsstürme: Tiernamen buchstabieren. Bei allen 5 Tieren der Lite-Version (darunter z.B. auch „Giraffe“) kann sie die durcheinandergewürfelten Buchstaben fehlerfrei und ziemlich zügig an die richtige Stelle ziehen, wo sie blass vorgezeichnet sind. Die angetippten Buchstaben werden laut erst von der Frau im Handy ^^ und dann von Fiona wiederholt. Inzwischen erkennt Nona in ihrem Mutter-Gans-lehrt-das-Alphabet-Buch schon viele Buchstaben und benennt sie auch richtig, z.B. „Eff wie Fiona“ 🙂 Wenn wir unterwegs sind und die Apple-Geheimwaffe gegen Quengeln aus der Tasche gezogen wird, gucken die Leute schon manchmal komisch in Anbetracht einer 2-Jährigen, die gezielt mit den kleinen Fingern auf dem Touchscreen hantiert. Ein älteres Ehepaar in der Schlange vor uns sagte mal staunend: „Die fangen auch immer früher an…“ Peinlich ist es nur, wenn man bei einer Adventsfeier im Kindergarten zwischen vielen anderen Eltern und Kindern auf viel zu kleinen Stühlen sitzt, die Veranstaltung gerade gewaltige Durchhänger hat und das eigene Kind dann gelangweilt ruft: „Mama, ich will mein Handy!“ ^^

Zum Thema Essen gibt es bei uns nicht so viel zu sagen. Fiona war ein unproblematisches Baby, die zwar in Breiangelegenheiten recht mäklig gewesen ist, aber ihre eine Sorte – die Möhrenpampe – dafür gerne und viel gegessen hat. Das Apfel-Bananen-Gläschen zum Nachtisch und den Vanille-Grieß am Abend haben wir immer schwesterlich geteilt. Sau lecker, das Zeug! Selber gekocht habe ich nicht, weil die Wahrscheinlichkeit, dass sie es nicht isst prozentual höher war, als die, dass es tatsächlich in den kleinen Magen wandert. Mein Vertrauen habe ich in der Babyzeit Herrn Hipp geschenkt, der sein Sortiment meinetwegen auf eine Sorte orangefarbenes Allerlei und Obst-Nachtisch hätte beschränken können 😉
Seit Nono „Menschenessen“ isst – seit dem 1.Geburtstag etwa – hat sie sich zu jeder Tages- und Nachtzeit auf Kartoffeln mit Butter eingefahren. Wenn ich sehe, wie sie ein kleines Stück Butter pur isst und eine Weile später erst das nackte Kartoffelstück hinterher schiebt, schüttelt es mich zwar, aber solange es ihr schmeckt…
Bouletten, Pommes und Nudeln mit Tomatensauce stehen bei uns – wie bei fast allen Kindern – ebenfalls hoch im Kurs. Gekocht wird nur am Wochenende, da sie unter der Woche mittags im Kindergarten is(s)t. Ungewöhnlich finde ich ihre Vorliebe für saure Gurken, die sie nach wie vor „grüne Wurst“ nennt. Generell kann man ihr, im Gegensatz zum Papa, mit einer Scheibe Wurst eine große Freude machen. Egal ob Salami, Bärchenwurst oder eine Wiener auf die Hand – ohne kommen wir nicht am Fleischerstand beim Einkaufen vorbei. „Waftiger“ (Saft-Tiger bzw. Frucht-Tiger) muss auch bei jedem Einkauf in den Korb, genau wie „Pornflakes“ (oha! da rappelt’s in der Kiste ^^) und Fruchtzwerge. Eier gibt es entweder in rot-weißer Knisterfolie oder aber meistens ohne Schokolade als Omelett am Sonntag Morgen von Papa und man sollte nicht meinen, wie viel Ei in den kleinen Mädchenbauch passt! Wenn dann 2 große blaue Augen vom eigenen, leeren Teller auf Papas halbvollen rübergucken und zwischen den prall gefüllten Bäckchen ein zuckersüßes „Moch mehr..?“ raus kommt, wer kann da schon nein sagen…?

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Autor: Mama 2.0

stoffverliebte 2fach-Mama, Berlinerin, iphoneaddict, Musikpädagogin. Liebt buntes Klebeband, geistige Herausforderungen und hat sich den Blick für das Schöne bewahrt. Happiness is not a destination, it is a way of life. Glas ist halbvoll und so, wa?

10 Kommentare zu „Blogparade #7“

  1. Nein, da kann man auch nicht Nein sagen. Das haben die kleinen Mäuse ja ganz schnell raus 😉
    „Pornflakes“ sind echt klasse – bei uns hießen die immer „Horfeks“.

    Vielen Dank für deinen toll geschriebenen Bericht!

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  2. Oh ja, liebe Vivi, die Metzgertheke hat auch unser Babymädchen schon entdeckt und freut sich inzwischen riesig über ihr Stückchen Fleischwurst, auch wenn die sonstige Familienkost eher schleppend anläuft… Witzig, gestern hat mir grad eine Freundin erzählt, dass ihr 1,5jähriger Sohn saure Gurken über alles liebt und ich konnte es nicht so recht glauben. Nun schreibst du das gleiche über Fiona – vielleicht sollte ich das testen? Die Salatgurke zum Abendessen hat Babymädchen nämlich vorhin grade wieder verweigert und du glaubst nicht, was wir alles versucht haben. Wie war das noch mit gesunder Ernährung und deren Wichtigkeit? Ob Fleischwurst eine Alternative zur Salatgurke darstellt??? Sehr schön dein Text, wie immer …

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  3. Hab 3x gelesen und den Fehler nicht gefunden! (habe „Titi“ o.ä. erwartet, das macht die Handyspracherkennung aus meinem Namen) Vivi ist genauso richtig, sagen auch die meisten 🙂
    Das Gurkenphänomen hat mich auch sehr erstaunt, sie isst sogar eine Salatgurke am Stück mit Abbeißen! Natürlich nicht die ganze, aber viel davon…dafür findet sie Pilze „iiieeehhh“ 🙂

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  4. Selbst in den Kommentaren ulkt sie noch herum, die Titi 😀

    Es sei erwähnt, dass ich innerhalb meines Textes sogar noch auf Iuvenal verwies, aber ich glaube, die meisten lesen eher selektiv, was in Anbetracht der Länge des Textes nicht verwunderlich ist.
    Bei dir habe ich nicht selektiv, sondern alles gelesen und lache gerade noch über die grüne Wurst. 🙂 Übrigens kannst du froh sein, dass dein Kind „Eff wie Fiona“ sagt. Unser Großer sagt „P wie Penis“ und „P wie Popo und pupsen“ (wir haben ihm das nicht beigebracht!!!) und spielt das Buchstabenspiel gerne laut beim Einkaufen, sagt die Mutter, die ihren Kindern auch schon sehr bald das erste Spielzeug gekauft hat (der Große hatte mit 12 Monaten genau 8 Spielzeuge! Ich habe das gezählt und war ganz stolz darauf, dass es so wenig waren, mittlerweile darf ich gar nicht mehr aufzählen, was es bei uns alles gibt…) Wir sortieren hin und wieder aus oder räumen Spielzeug in einen Schrank und bringen es ein paar Monate später wieder ins Zimmer, manchmal erinnern sie sich kaum noch und denken, das wäre neu (klappte allerdings früher noch besser, als ihr Gedächtnis noch nicht so gut war…)

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  5. Ganz viele der Spielsachen haben wir auch zuhause – auch wenn mir nicht unbedingt nach Dichten zumute ist, wenn ich an das Obstgartenspiel denke. So oft hat schon der garstige Rabe die ganze Ernte vernichtet!

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  6. mir gehts was das glotzen angeht ähnlich wie dir;)
    Und ist es nicht einfach mal schön ne halbe Stunde für sich zu haben…
    Bei uns ist Youtube der Übeltäter…
    Lauras Stern und Troto sind der Hit…
    Schau doch auch mal bei mir vorbei…
    mamakommstdu.blogspot.com

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