"Guck mal, hier ist ein Urlaub!"

Wenn man im bunten Bikini tausende Kilometer von zu Hause entfernt vor dem Fernseher sitzt und Peter Kloeppel von einer Kältewelle mit bis zu -30°C in Deutschland berichtet, denkt man „oh“ und schaltet lieber schnell den Fernseher aus. Die Rückflugtickets, die einen daran erinnern, dass man selbst auch bald wieder in die Winterlandschaft muss, kommen in die hinterste Ecke des Zimmer-Tresors. Tick, tick, tick, tick, piiiieeeep: zu.
Dann ölt man sich ausgiebig mit Sonnencreme ein, schnappt sein Buch, das Kind und die Schwimmflügel und eilt zurück in Richtung Strandbar. Die nackten Füße im Sand, die Sonnenbrille auf der Nase, der letzte Cocktail und die Shisha-Bar gefrieren einem im Hirn, wenn sich nachts um 4 die Flugzeugtüren öffnen und einem Peter Kloeppels Vorhersage eiskalt entgegenweht. Nicht mal „oh“ kann man noch denken, weil die Zähne im Rhythmus von Gayanes Säbeltanz klappern.
Was für ein Empfang! Hallo Deutschland.
Fiona: „Wo ist der Urlaub?!“

Ein kleiner Rückblick:

ich habe euch ja versprochen, dass ich ein bisschen Sonne, viele bunte Erinnerungen, Sand, Wasser, Steine, Muscheln und Cocktails mitbringe. Bei der Sache mit der Sonne muss am Flughafen irgendwas schief gelaufen sein. Ich könnte schwören, dort hatte ich sie noch! Aber ich bin mir sicher, sie kommt nach! Sand habe ich dabei, hübsch verpackt in kleinen Einzelportionen, zu finden in und an Schuhen, umgekrempelten Hosenbeinen, Rucksack-Ritzen, Bikinihöschen und an Schippe, Harke, Eimer & Co. Muschelschätze gab es auch in allen Farben und Formen. In Scharen haben sie den Weg in meine Tasche gefunden… Besonders angetan haben es mir ja die kleinen Eistütenmuscheln, sowas Süßes! Gefunden auf der Giftun-Insel, traumhaft!! Mitte der Woche sind wir mit einer Yacht rausgefahren zu besagter Insel, sie wird auch „die ägyptische Karibik“ genannt und das kann ich nur bestätigen. Weißer Sandstrand, türkisfarbenes Wasser, weiße Boote, Sonnenschirme aus getrockneten Palmenblättern, strahlend blauer Himmel, ein Riff direkt vor der Insel und Fische, von denen ich beim Schnorcheln nicht glauben konnte, dass ich sie tatsächlich gerade mit eigenen Augen gesehen habe. Als ich dem am Land gebliebenen Nonchen hinterher triefnass und noch mit Taucherbrille auf dem Kopf aufgeregt erzählte, dass ich einen echten Nemo gesehen habe, wie er aus seiner Seeanemone kam, konnte sie es gar nicht glauben und sagte immer wieder: „Oh jeee! Oh jee! Ein Clownfisch, Mama? Aus der Mone?“
Cocktails wollte ich für alle Leser mitbringen, das scheiterte aber an der Flüssigkeiten-Regelung am Flughafen. Hätte ja Sprengstoff sein können…manno!
Aber die vielen bunten Erinnerungen, die habe ich dabei und freue mich jedes Mal auf’s Neue, wenn ich sie angucke. Natürlich möchte ich sie mit euch teilen und ein bisschen arabischen Bauchtanz, Meeresluft und Wellenrauschen verbreiten: have fun watching!

Direkt nach der Ankunft am Flughafen sagte Fiona freudig erregt: „Guck mal, hier ist ein Urlaub!!“

Den Buggy hatten wir zu Hause vergessen, was bis dahin noch kein größeres Problem dargestellt hatte. Nona hüpfte fleißig von Köpfen zu Armen ihrer Mitreisenden und bequemte sich sogar ab und zu, ein paar Meter selber zu laufen. Abendliche Spaziergänge über Hurghadas Promenade mit den vielen kleinen Läden mit allerlei Staubfängern wurden mit dem bekannten „1, 2, 3 – hopp“-Spiel bewältigt, andernorts auch bekannt als „Engelchen, flieg“. 2 Erwachsene nehmen ein Kind in die Mitte, zählen gemeinsam und lassen es dann ein paar Meter weit fliegen, natürlich an den Händen festgehalten, versteht sich. Die Flugstrecke wurde mit jedem Mal weiter und unsere Arme immer länger. Wir weiteten dann schon das Zählen auf „bis 5“ aus, aber Fiona hat da ihre ganz eigenen Methoden und zählte plötzlich: „Eiiiinns, Viiieer, Fünf!“ und ließ sich fallen… Nach ein paar Tagen kam sie mit der bloßen Aufforderung „Arm-Arm“ nicht mehr weit und musste ihren kleinen Kopf anstrengen, wenn sie ihr Ziel erreichen wollte. Eines Abends auf dem Weg zum „Esstaurant“ (viel passender, der Name!) musste ich innehalten und erstmal wieder nach Luft schnappen, nachdem ich ihre Ausrede für „Arm-Arm“ gehört hatte. Durch meine Lachtränen guckte ich auf eine verschwommene Nona, die allen Ernstes wenige Sekunden vorher erklärt hatte, sie müsste auf den Arm-Arm, denn sie hätte „eine kaputte Flosse“. Zu viel „Findet Nemo“, würde ich sagen ^^
Das wird noch interessant, wenn sie in der Schule mal begründen muss, warum sie keine Hausaufgaben hat oder zu spät gekommen ist. Man darf gespannt sein!
Unser Hotel ist bekannt für seine Katzen. Manche Leute fahren sicher deswegen nicht dorthin, andere kommen gerade deswegen. So auch meine Mama. Beim Essen konnte man manchmal fast nicht schnell genug gucken, wie der Kellner (unser hieß „Alaa“ – wie schön 🙂 „Finish?“ fragte und man Teller samt Besteck noch ein letztes Mal vom Tablett winken sah. Fleischreste von den Mahlzeiten wurden bei uns auf einem Extrateller gesammelt. Als er den „Katzenteller“ mitnehmen wollte und meine Mama mit vollem Mund energisch den Kopf schüttelte, fragte Alaa: „Alles für die Katz?“ Hach, eine wundervolle Doppelbedeutung. Alles für die Katz.
Einen Tag ging es mir nicht so gut, mit Kopf- und Rückenschmerzen, geschwollenen Mandeln und allgemeiner Schlaffheit, die mich zwangen, ein Essen auszulassen und im Bett liegen zu bleiben. Meine Mama Sasa und meine Oma Jauli übernahmen den „Kinderdienst“ und erzählten mir hinterher, dass Fiona auf dem Weg zum Restaurant die ganze Zeit sehr besorgt von ihrer kranken Mama sprach und sagte: „Ist doch meine Mama! Die hört mir! Die hört doch Fiona!“ *knutsch*
Bei der Minidisco war sie auch ganz vorne mit dabei. Durch ihre wöchentlichen Besuche in der „Miezschule“ (Musikschule) bei meinen Früherziehungskursen ist sie schon gut auf’s Mitmachen programmiert und kann den Bewegungsabläufen und Aktionen verblüffend schnell folgen und diese ausführen. Ich war wirklich baff! Und wie süß ist es, wenn eine 2-Jährige das Lied vom Cowboy tanzt und dabei auf einem Pferd reitet, das Lasso wirft und Mary einen Kuss schenkt…?

Von einem der Animateure wurde ich aufgrund meiner Hautfarbe liebevoll „Mozzarella“ genannt, als Nono und ich das erste Mal den Pool unsicher machten. Der große Pinguin, in Fionas Sprachgebrauch auf die wesentlichen Wortmerkmale „U-i“ reduziert, begleitete uns dabei und war auch sonst das beste Erkennungsmerkmal. Du suchst die Familie am Strand? Da hinten, im Schatten des großen U-i s.

Unser „Stammjuwelier“ freute sich riesig, uns zu sehen (Ich glaube, im letzten Jahr konnte er getrost zumachen, nachdem wir abgereist waren…) und fragte gleich nach meinem Mann. „Wenn du anrufen deinen Mann oder SMS, sagst du schönen Gruß!“
Einige niedliche Schmuckstücke haben auch dieses Jahr wieder den Weg an unsere Ketten gefunden und sogar Fiona trägt nun stolz ein kleines Geschenk vom Juwelier um den Hals: Sammy, eine silberne Schildkröte, ihr Ein und Alles. Stolz wie Oskar (so heißt übrigens das bunt geschmückte Strandkamel) kam sie aus dem Laden und präsentierte allen Passanten ihre „Beute“. Sie machte auch keinen Halt vor einem schwarzen Umhang, aus dem nur zwei weibliche Augen hervorguckten. Wenn die kleine Prinzessin nicht so schnell gewesen wäre, hätte ich sie die verhüllte Frau nicht unbedingt ansprechen lassen. Aber warum eigentlich nicht? Wer sagt das? Denn wider Erwarten lachten diese Augen, als sie von dem kleinen weißen Mädchen die Sammy-Schildkröte gezeigt bekamen. Und wieder ein Mal hat ein Kind bewiesen, dass Vorurteile und Klischees nur in den Köpfen der Erwachsenen entstehen.
In Sachen Kinderfreundlichkeit sind die Ägypter den Deutschen um Einiges voraus! Vom Zimmermädchen über den Wachposten bis zum Hotelmanager – jeder hat ein Lächeln, eine Blume, ein paar nette Worte oder sogar einen Papierflieger übrig! Nach dieser Woche hat sie ohne Mamas Simultanübersetzung im Ohr auf die Frage „What’s your name?“ wie aus der Pistole geschossen mit „Fiona“ geantwortet. Na wenn das nix is 😉
Bei Facebook habe ich einen Kommentar gelesen, ob es Zufall ist, dass immer dann Unruhen in Ägypten sind, wenn wir da waren ^^ Dazu muss ich mal sagen, dass man der deutschen Berichterstattung in etwa soviel glauben kann, wie den Spam-Emails, die einem Autogewinne oder kostenlose Penisverlängerungen versprechen. Ja, es gab dieses Fußballspiel in Port-Said und ja, es gab Ausschreitungen in Kairo. Aber für Schlagzeilen wie „Ganz Ägypten versinkt im Chaos“ und „Gibt das dem Tourismus den letzten Knacks?“ gehören die Journalisten, die sich das abends bei einem Glas Rotwein an der Heizung ihrer Kölner 2-Raum-Wohnung ausgedacht haben, in Hurghada eine Nacht an ’ne Palme gefesselt. So!
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Autor: Mama 2.0

stoffverliebte 2fach-Mama, Berlinerin, iphoneaddict, Musikpädagogin. Liebt buntes Klebeband, geistige Herausforderungen und hat sich den Blick für das Schöne bewahrt. Happiness is not a destination, it is a way of life. Glas ist halbvoll und so, wa?

5 Kommentare zu „"Guck mal, hier ist ein Urlaub!"“

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