Frohe Weihnachten…

Wie bei Facebook schon angekündigt, schreit der gestrige Tag förmlich nach einem Blogpost.
Warum?
Merke für 2012: In der VORletzten Schulwoche vor Heiligabend allen Kindern frohe Weihnachten wünschen…
(Am 21.12. geht ja eh die Welt unter….dann ist es auch egal ^^)
Es hat schon einen Grund, warum sich in der unmittelbaren Vorweihnachtszeit die Wandertage und Ausflüge häufen und warum in der noch regulären Schulzeit fernsehgeguckt und gefrühstückt wird. Was anderes geht einfach nicht mehr! In Kindergehirnen kreist alles nur noch um GESCHÄÄÄNKÄÄÄÄÄ und die ganz normalen Termine unter der Woche treffen einen völlig unerwartet.
Aber fangen wir von vorne an:
Mittwochskita, 8.55 Uhr. Ich kam, sah und siegte über den Raum, dessen Bällebad immernoch umhüllt von weißen Laken in der stillen Ecke sein trauriges Dasein fristete. Was Kinder nicht sehen, ist auch nicht da. Strike!
Es wurde 9, es wurde nach 9, keine Kinder da. Ich suchte raus, welche Gruppe dran sein sollte und stiefelte durch die ganze Kita. Das Schöne ist, dass all diese Ostbauten haargenau identisch sind, d.h., ich sehe eine unbekannte Kita in diesem Stil und kann sagen, wo sich der Turnraum befindet. Nützte mir aber in dem Fall nix. Ich guckte durch alle Türen und fand viele Gruppen, nur nicht die Nummer 7. Als ich gerade aufgegeben hatte und wieder in meinem Raum im Erdgeschoss angekommen war, stand eine Erzieherin staunend vor mir und sagte: „Vivien?! Du bist heute da?“
Ich: „Ja, wo soll ich sein?“
Sie: „Na wir wussten nicht, dass du heute noch kommst…“
Hat also keiner mehr mit mir gerechnet.
„Wir haben ein Problem“, sagte sie weiter. „Wir gucken heute nebenan DVD mit einigen Kindern. Aber der Turnraum oben müsste frei sein, ich gucke mal schnell und sage den Kollegen auch gleich bescheid.“
Wenn die nebenan aufmerksam und mucksmäuschenstill Tabalugas Abenteuer verfolgen, kann ich natürlich nicht lautstark „Kling Glöckchen“ singen. Ich packte mein Zubehör (nicht wenig!) zusammen: die große Tasche mit Lucy-Puppe, Tüchern, vielen Instrumenten, Noten und Glockenspiel, mein Radio, USB-Stick, CDs, Malzubehör, Arbeitstasche und Jacke. Voll bepackt mit schönen Sachen ging es also alle Treppen hoch bis in den leeren Turnraum. Auf dem Weg dorthin begegnete mir auch, verschachtelt zwischen den Aufgängen, die Gruppe 7. „Ach, du bist da? Das haben wir nicht gewusst…wir kommen dann später, ja?“ Wusste nicht, dass man jetzt bescheid sagen muss, wenn man da ist. Dachte das macht man nur, wenn man nicht da ist. Was soll’s.
Im Turnraum packte ich meinen ganzen Krempel wieder aus und drapierte alles hübsch nebeneinander auf der tiefen Fensterbank. Wenn man mit kleinen Kindern arbeitet und sich einen Moment umdreht, um in seiner Tasche etwas zu suchen, kann man die restliche Stunde knicken. Die checken das sofort, reißen die Herrschaft an sich und sind dann nur schwer wieder runterzufahren auf normalen Musik-Modus. Deswegen steht alles griffbereit.
Zeitgleich mit meinem letzten Handgriff ging die Tür auf und eine Horde Kinder stürmte rein, aber es waren nicht die, die ich erwartet hatte. Sie nahmen kaum Notiz von mir, schoben sich eine Bank hin und begannen eifrig damit, sich auszuziehen! Ich dachte, ich bin im falschen Film. Lucy, kneif mich mal! Achso, geht nicht ohne Finger… Dann kam die Erzieherin rein und sagte: „Wir sind heute nebenan im Duschraum, das habe ich aber schon lange angekündigt“ und zu den Kids: „Los, ihr Süßen! Badeschlüppies an und rein in’s Vergnügen!“
Bevor ich „aber“ sagen konnte, schlüpften die vielen Badenixen und Nixeriche samt Obernixe in den Duschraum, schlossen die Tür hinter sich und starteten ihre Wasserfestspiele. Ein Quietschen, Kreischen, Lachen, Jaulen und Jubilieren trotz geschlossener Tür (!) machte mir den Unterricht unmöglich. Genervt lief ich durch die Kita, bis eine Erzieherin mir den Raum der Badegruppe anbot, der war ja leer. Dort konnte ich 2 Stunden nahezu ungestört Musik mit den Kindern machen. Ich sagte, wir singen „Kling Glöckchen“. Während ich die Stabglöckchen verteilte, sang ein Junge permanent „Schneeflöckchen“. Ich wies ihn darauf hin, dass wir „Schneeflöckchen“ erst später machen, jetzt erstmal „Kling Glöckchen“, da antwortete er: „Ja! Ich sing das nur schon als Vorschau…“ ^^
Stinknormale Gruppenräume mit Unmengen an Spielzeug (das Spielzeug einer anderen Gruppe muss auch besonders interessant sein!) sind nicht optimal für den Unterricht. In der dritten Stunde hatten die Wasserratten scheinbar genug. Heiser und trotzdem nicht zu überhören, kamen sie in ihren Raum reingepoltert, während wir gerade mit den weißen Flöckchenentüchern „Leise rieselt der Schnee“ trällerten. Alle wollten gucken, was sich im Raum abspielt. Die Erzieherin kam wieder als Letztes, sah uns, pfiff die Kinder zurück und rief: „Na dann müssen wir nebenan föhnen.“
„Nebenan“ ist das Unwort des gestrigen Tages. Sie föhnten nebenan. Alle. Ich resignierte, zog dem Radio den Stecker und wünschte frohe Weihnachten…
Heute morgen übrigens ein ähnliches Szenario: eine Erzieherin saß in meinem Unterrichtsraum und bastelte.
„Ach, du bist heute hier drin?“
„JA!!!“
„Na ich bin auch gleich weg.“
Kurze Zeit später kam die Erzieherin von gestern und verkündete, dass meine 1. und 3. Gruppe sich heute zum DVD gucken verabredet hätten. Ich fragte, ob dann wenigstens die 2. Gruppe käme. Sie ging hoch zum Fragen und kam wieder mit den Worten: „Die 2 kommt auch nicht. Die waren da jetzt nicht drauf vorbereitet und ziehen sich gerade an, weil sie Enten füttern gehen wollen.“
FROHE WEIHNACHTEN!

Apropos – unsere letzten Basteleien habe ich euch noch gar nicht gezeigt. Kugeln sind immernoch keine am Baum, das machen wir morgen, an unserem 1.Ferientag, ganz entspannt zusammen. Aber der Bastelkram hängt schon 🙂
[Der Weihnachtsmann (auf blau) hat kleine Rasierwunden im Gesicht, da hat das Nonokind gemeint, sie würde lieber kurzzeitig alleine mit dem Wattestäbchen + der roten Farbe malen…]

Der Mond hängt nun auch, der Rest ist mit der Weihnachtspost verschickt:

Beim Schülerorchester haben wir gestern eine kleine Weihnachtsfeier mit (haha) DVD gucken gemacht, nur mit dem Unterschied, dass bei uns niemand NEBENAN war und versucht hat, zu arbeiten ^^ Ich wurde von meinen Spielern regelrecht mit Geschenken überhäuft und habe mich riesig über die kleinen Aufmerksamkeiten gefreut!

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Autor: Mama 2.0

stoffverliebte 2fach-Mama, Berlinerin, iphoneaddict, Musikpädagogin. Liebt buntes Klebeband, geistige Herausforderungen und hat sich den Blick für das Schöne bewahrt. Happiness is not a destination, it is a way of life. Glas ist halbvoll und so, wa?

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