Hey hey Wickie

„Nein, Mama, nich in Kindergarten! Bitte nich…. Bei Mama bleiben!“

Ich weiß nicht, wem es heute morgen schwerer gefallen ist. Meinem tränenüberströmten Nono-Kind, das aus unerfindlichen Gründen absolut nicht in die Kita will oder der Mama, die sich immer neue Ablenkungsmanöver hat einfallen lassen, um den Abschied nicht so schwer zu machen. „Wenn ich dich abhole, kommt Liemhasi (–> „der liebe Hasi“, Eigenname ihres Lieblingskuscheltieres) mit“, „du kannst deine Kitty vom Nikolaus heute mit reinnehmen“, „Nono geht ein bisschen arbeiten, Mama geht auch ein bisschen arbeiten und dann bin ich gleich wieder da und hole dich ab“, „Dani hat zu Hause ein Überraschungsei für Nono hingelegt“, …. Nach kurzen Weinpausen ging das Ganze wieder von vorne los, da nützte auch die Aussicht auf ein Ü-Ei nichts. Bei der „Übergabe“ klammerte sich das kleine Äffchen so an mich, dass ich Arme und Beine hätte von mir strecken können, ohne, dass sie abgefallen wäre. Es ist ja allgemein bekannt, dass Kleinkinder ab und an mal eine „schwierige“ Phase haben. Aber noch vor 2 Wochen freute sie sich wie Bolle auf den Turnraum, erzählte mir fröhlich, welche Lieder sie singen und rannte morgens quietschvergnügt in den Gruppenraum ohne sich nochmal umzudrehen. Glaubt man dem Buch „Oje, ich wachse“ von Hetty van de Rijt, machen Kinder in ihrer mentalen Entwicklung 10 sogenannte Sprünge in den ersten 20 Lebensmonaten durch. Diese Bibel für Neu-Mamas erklärt, warum das Kind in einem gewissen Alter gerade sehr quengelig/trotzig/wütend/weinerlich ist und welche Fähigkeiten sich in dieser Zeit entwickeln. Jedes Kapitel beginnt mit den Worten: „der Sprung kündigt sich an: zurück zu Mama“. Ich weiß noch, dass ich früher beim Lesen immer neugierig vorgeblättert habe, was noch so kommt, und mir mit einem 12 Wochen alten Baby beim besten Willen nicht vorstellen konnte, dass dieses kleine Menschlein mit 11 Monaten in der Lage sein soll, einen runden Bauklotz in die dafür vorgesehene Öffnung zu stecken. Ich sollte mich noch wundern! Jedenfalls täuscht die Tatsache, dass besagtes Buch mit 18 Monaten endet, vor, dass die schwierigen Phasen dann vobei sind. Ha, weit gefehlt! Danach fangen sie erst richtig an! Jetzt brauche ich nicht mehr raten, dass das Baby vielleicht deshalb weint, weil es merkt, dass es sich noch nicht vom Rücken auf den Bauch drehen kann (lang ist’s her!), sondern jetzt sagt „das Baby“, dass es weint, weil es unter keinen Umständen auch nur den kleinen Zeh über die Türschwelle des Kindergartens setzen will. Darüber ein Buch zu schreiben, würde wohl den Rahmen sprengen.
Die Phase „Ich-gehe-gerne-in-die-Kita-und-ich-lasse-mich-völlig-problemlos-abends-in-mein-Bett-legen-und-schlafe“ wechselt sich momentan ab mit „Wenn-ich-in-die-Kita-soll-brülle-ich-mich-so-in-Rage-dass-sich-mein-Kopf-dunkelrot-verfärbt-und-an-schlafen-denke-ich-gar-nicht-vor-allem-nicht-in-MEINEM-Bett“. Die Hoffnung, dass es nur die Zähne sind, nimmt auch irgendwann rapide ab, liebe Mamas. Spätestens, wenn euch ein vollzähliger Satz Milchzähne angrinst und erklärt, dass er auf keinen Fall geputzt werden kann, weil er noch ein Gummibärchen essen muss. Spätestens dann ^^
Nonas Erzieherin erzählte mir letztens, dass Fiona nicht viel mit den anderen Kindern spielt, dass sie ein ziemlicher Einzelgänger ist und sich oft nicht allein zu beschäftigen weiß. Äh?! Redet die von meinem Kind?! Einzelgänger ja. Das waren schon Mama und Papa und vermutlich auch deren Mamas und Papas. Aber nicht alleine beschäftigen? Zu Hause muss ich manchmal regelrecht betteln, dass sie mich mitspielen lässt, wenn Fr.Dr.Nono all ihre Kuscheltiere untersucht (Fieber! Haben alle Fieber! Aber dagegen gibt’s eine Spritze, von ratiopharm ^^), den Raben ohne feste Spielregeln ihren Obstgarten fressen lässt (ein tolles Spiel, wirklich zu empfehlen!) oder ihre Taschenlampen-Bücher „vorliest“ und sowohl Steinbutt als auch Gelbklingendoktorfisch erkennt (gut, zugegeben, die gelbe Klinge lässt sie weg). Mit meinem „alten“ iPhone kennt sie sich ja auch bestens aus. Zack, zack entsperrt der kleine Zeigefinger das Display und navigiert sich zielsicher in die Ordner „Nono1“ und „Nono2“. Ob Buchstabieren, Glockenspiel, Tiergeräusche, Griechischsprachkurs oder Lingu-Pingu English-German – sie weiß genau, wie sie sich beschäftigen kann. Vermutlich haben die im Kindergarten nur das falsche Spielzeug. Nächstens gebe ich ihr ihr iPhone mit, dann soll sie den Ghettokids mal zeigen, wo die Katze die Krallen hat:

http://www.youtube.com/watch?v=7tqRq4UwyDs&feature=youtube_gdata_player

Gestern nach dem KiKa-Sandmännchen sprangen „Wickie und die starken Männer“ über den Bildschirm. Im Wohnzimmer rannte mein Kind glücklich und unter Vernachlässigung der dort ansässigen Gefahren wie Tischecken, Glasplatten, Fernseher, Blumentöpfen und Stehlampen von einer Ecke in die andere und rief:
„Ich renn wie Wickie! Guck mal, Mama!“
Das regte die Bevölkerung unseres Sofas dazu an, zu diskutieren, ob Wickie weiblich oder männlich ist.
Was sagt ihr? Fiona sagt: Mädchen, ganz klar.
Das Internet sagt, Wickie ist eindeutig männlich. Denn schließlich sagt sein Vater oft „mein Sohn“ und er ist in „Ilvi“ verliebt und errötet, wenn sie ihm ein Küsschen gibt. Muss das was heißen? Vielleicht ist Wickie die erste lesbische Zeichentrickfigur?! Und das aus den 70ern, holla die Waldfee!
Schon allein die Tatsache, dass der Titel „Wickie und die starken Männer“ heißt, lässt mein Sprachgefühl in Richtung Frau ausschlagen, warum sonst die Abgrenzung „und die starken Männer“? Das klingt doch wie „Lolita und die hübschen Frauen“!
Und okay, es schreibt sich zwar nicht „Vicky“ wie die Kurzform von Victoria, aber das Ohr hört doch genau das. „Wickie“ als Koseform für einen kleinen Wikingerjungen ist ja echt unglaublich maskulin… Und warum trägt er bitte einen Rock und rosa Strumpfhosen?
Was wollen uns die Macher damit sagen?
Den eindeutigen Beweis für Wickies Weiblichkeit lieferte meine Nichte, denn sie hörte im Titellied Folgendes:
„Hey hey Wickie, hey Wickie hey, sie fässt das Segel an….“
Ich hatte dem nichts entgegenzusetzen, hatte ich besagte Zeile doch auch eben gehört. Doch selbst da führt uns der/die metrosexuelle Wickie an der Nase herum.
Warum sollte sie (?) auch das Segel anfassen? Schöner Stoff, echt gute Qualität…. Nein! Aus der Feststellung des Segelanfassens wurde beim Googeln die Aufforderung „Zieh fest das Segel an“… Ich glaube, die Frage nach Wickies Geschlecht bleibt auf Ewig ein ungelöstes Rätsel. Sei’s drum.

P.S. Post geschrieben – versucht, das Video einzubinden – Video zu groß oder Internet zu lahm – gespeichert für später – Kind von Kita abgeholt.
Wider Erwarten ein guter Tag ohne Probleme gewesen, bis auf das kurze Weinen bei der Verabschiedung morgens, sagt „Mautes“ – also ist die anfängliche Frage, wer mehr gelitten hat, eindeutig geklärt ^^
Video bei Youtube hochgeladen – gepostet.

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Autor: Mama 2.0

stoffverliebte 2fach-Mama, Berlinerin, iphoneaddict, Musikpädagogin. Liebt buntes Klebeband, geistige Herausforderungen und hat sich den Blick für das Schöne bewahrt. Happiness is not a destination, it is a way of life. Glas ist halbvoll und so, wa?

5 Kommentare zu „Hey hey Wickie“

  1. Ich glaub reim rethorisch betrachtet soll das „und die starken männer“ den sachverhalt der serie verdeutlich. Wickie ist nich stark. Er is klein und schwach und schaut aus wie ein mädchen. Aber die serie bringt einem bei, dass nich muskelkraft allein reicht um zu siegen. Die starken männer brauchen ein klugen kopf wie wickie damit das problem gelöst werden kann…
    Na frau müller, deutschuntericht in die ecke vom chemieuntericht geschoben im kopf??

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  2. Also Wickie ist und bleibt ein Mädchen ;D
    also:
    rosa Strumpfhose
    rosa Oberteil
    Kleid
    Lange Haare
    nach wie vor SIE fässt das Segel an
    okay, auch wenn der Text so nicht ganz stimmt. In meinem Leben ist Wichie ein Mädchen ;D
    Oder es ist ne Transe kann auch sein. Ne lesbische Transe oder sowas^^

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