Gruscht

Ja, ist denn heut‘ scho Weihnachten?
Nein, noch nicht, obwohl ich in der Kita herzlich empfangen worden bin mit den Worten: „Frohe Weihnachten!“
Ich: „Aber es ist doch noch gar nicht Weihnachten!“
Kind: „Doch. Da steht doch der Weihnachtsmann!!!“
Tatsächlich gucken seit dieser Woche nicht mehr nur die Autos (der war übrigens diese Woche krank ^^), sondern auch ein gebastelter, ein bisschen unförmiger Weihnachtsmann bei meinem Unterricht zu (leider ohne Foto).
Das Krokodil sitzt da mit irreparabler Maulsperre. In einer überraschenden Freistunde und damit einem unbeobachteten Moment habe ich nämlich versucht, mit dem Kroko-Doc zu spielen, was leider nicht möglich war, weil ihm ein paar Backenzähne fehlen und sich dadurch kein Zahn mehr runterdrücken lässt. Schade!

Bei der Arbeit mit Kindern passiert das Meiste unterhalb der Augenhöhe, d.h., wenn ich nicht gerade sitze, sind Kopf und Blick nach unten gerichtet. Da treten ganz neue Hindernisse auf, die ein „normaler“ Erwachsener kommen sieht. Ich nicht.

Der schaukelnde Clown ist ja an sich ein wunderschönes Dekoelement, nur ist die Tatsache, dass sich Kinder von herabbaumelnden Dingen wie magisch angezogen fühlen und diese um jeden Preis anschubsen müssen, für eine gelungene Musikstunde nicht gerade förderlich. Will sagen: zweite Amtshandlung nach Betreten des Unterrichtsraumes und Verbarrikadieren des Bällebads ist das Hochhängen der Clownsbeine. Nun sitzt er eben ein bisschen ungemütlich und die Einzige, die sich wegen fehlender Baumelbeine den Kopf an der Schaukel stößt, bin ich.

Eine Gruppe kam gestern zur Tür rein und wie ich dabei noch überlegte, ob das eine arme Mädchen Neurodermitis im Gesicht hat oder was das für ein Ausschlag ist, stellte ich fest, dass alle Kinder so aussahen. Großflächige, tiefrosa Hautpartien über Nase, Mund und Augen. Schickten Sie mir neuerdings auch die Quarantänestation?! Ich fragte vorsichtig bei der Erzieherin nach und erhielt auch prompt Antwort, allerdings mit unüberhörbar saurem Unterton in Richtung der Kinder: „Sie haben sich selbst geschminkt….“ Oha! Einen Moment mal nicht aufgepasst, schon hat man ne Gruppe kriegsbemalter Prinzessinnen dazustehen. Eieiei.
Stellt euch vor, im Bauernhaus von Lucys Opa werden die Kinder nachts wach und hören ein seltsames Geräusch. Während ich die neue Lucy-Geschichte vorlese, sind – je nach Alter der Kinder – anhaltende Störgeräusche wahrnehmbar. Je jünger die Kinder, desto stört. Ob leises Quatschen, Weinen, Schubsen, Rascheln oder einfach das permanent Rumgruschteln, weil man nicht stillsitzen kann. (für Nicht-Württemberger: „gruschteln“ ist eine Vokabel, die ich in meiner süddeutschen Zeit aufgegabelt habe und die in den festen Wortschatz übergegangen ist. Sogar ein App-Ordner auf meinem iPhone heißt „Gruscht“. Gruschteln ist ein herrliches Wort, ja, fast lautmalerisch für die Tätigkeit, die es beschreibt: vielleicht eine Mischung aus kramen, wühlen, stöbern und Unordnung machen. Lieblingsbeschäftigung von Flohmarktfans.) Jedenfalls hörte das Gruschteln augenblicklich auf, als ich anfing zu flüstern: „Lucy, Lucy, psst, hörst du auch dieses komische Geräusch? Tak Tak Tak“ Montag riefen alle Kinder: „Öööh, leicht, das ist eine Uhr!!“ „Nein, keine Uhr.“
Seit Dienstag stelle ich das „komische Geräusch“ als Schnalzen mit der Zunge vor, ohne Tak. Und von da an folgen mir aufmerksame Ohren für die restlichen 20sek Geschichte, bis sich rausstellt, dass der Regen durch das Loch im Dach in einen Eimer fällt. Stundenziel: jedes Kind kann schnalzen lernen. Nein, Quatsch. Aber das versuchen alle, obwohl ihr Mund abgeschlossen ist, wenn ich vorlese.
Ich fragte, wie das Loch ins Dach kommt. Ein Mädchen erklärte mir aufgeregt, dass da „ein Donnerschlag eingebrochen“ sei!
Muss wohl.
Unsere gebastelten Laternen aus der letzten Woche, also kleine Pappringe mit Schnur und ca. 10 rundherum angeklebten, bunten Papierstreifen, kamen auch diese Woche wieder zum Einsatz bei der Wiederholung des Martinsumzuges. Um die Kinder zu beschäftigen, während ich langsam und vorsichtig die bunten Laternchen ohne Streifenverlust zu verteilen versuchte, bat ich sie, die Papierstreifen zu zählen. Gar nicht so leicht, wenn es rundherum geht. Von 2 bis 30 Streifen war laut Kindern alles vertreten. Aber den Schuh zieh ich mir nicht an, das Prinzip „nach 1 kommt 2, nach 2 kommt 3, etc“ überlasse ich dem jungen, motivierten „Rechnen“-Lehrer, der die nächste 1.Klasse kriegt 🙂
Ich hingegen habe nur grinsend über sagenhafte 30 Streifen gestaunt und darüber, dass seine Laterne nicht zu schwer zum Hochhalten war…
Gestern kamen wiegesagt die Geschminkten, heute hatte ich eine Gruppe, die bis auf 2 Ausnahmen, mit Entenfüßen kam, also die Schuhe verkehrt herum an. Da sieht man den aktuellen Erziehungsschwerpunkt der jeweiligen Gruppe. Gestern war’s wohl „Wir lernen malen“ und heute „wir lernen Schuhe anziehen“…
Wegen akuten Krankenstandes sowohl bei Erziehern als auch bei Kindern wurden 2 Gruppen zusammengelegt, so dass ich heute ein bisschen später anfangen konnte, weil ich gestern früh schon 2 Grüppchen mit einer Klappe geschlagen hatte, sozusagen.

Nun brachte mir diese halbe Stunde länger schlafen aber keine große Erleichterung, denn wenn man so auf eine bestimmte zeit gepolt ist, dann kann man genau sagen, wenn man eine oder zwei Minuten im Verzug ist. Wenn wir 7.38 Uhr noch nicht am Frühstückstisch, sondern noch auf dem Topf sitzen (wir?! sie!), dann müssen wir uns später ein bisschen mehr beeilen, etc. Heute passierte nun alles 30min später und da mein Zeitgefühl dadurch völlig auf der Strecke geblieben ist, erwischte ich mich ständig beim „Umrechnen“. Um 8.15 rechnete ich eine halbe Stunde zurück, um zu wissen, ob wir mit dem Frühstück gut in der Zeit lagen oder nicht. Aha, eigentlich erst 7.45 – wunderbar, alles gut. Diese ganze Rechnerei und der leichte, dadurch hervorgerufene, Stressgrad waren unangenehmer, als einfach wie immer um 7 aufzustehen ^^
Nona wurde gestern in der Kita gebissen! Sie hat auch gleich gepetzt, wer’s war. Aber selbst wenn sie es nicht gesagt hätte, auf genau den Jungen hätte ich am Ehesten getippt. Bei einer Elternversammlung im August hatte ich ja die Ehre, die anderen Raupeneltern kennenzulernen. Die mit Abstand dümmsten Äußerungen kamen von genau denen. Bei der nächsten Versammlung werde ich sie beißen. Siri, erinnere mich bitte daran.
An meinen Ohren ist schon Winter. Weihnachten kommt in großen Schritten! Am letzten Wochenende unterhielten wir uns im Familienkreis über das Essen am Heiligabend. Zwei verschiedene Traditionen prallen aufeinander: bei meinem Mann, dem Alemannen, gibt es am Heiligabend DAS große Weihnachtsessen, an den Weihnachtstagen die Reste davon. Kein festgelegtes Gericht, aber mehrgängiges Menü. Bei uns, den „Preußen“, gibt es am Heiligabend ein eher unspektakuläres Essen wie Kartoffelsalat und Würstchen, da die große Kalorienschlacht (Ente, Ente, Ente, Rotkohl, Klöße….mmmmmmmmmmmmmmmmhhhhhhhhhhhh) an den Weihnachtsfeiertagen stattfindet.
Und nu? Was tun?

Aufgrund der Tatsache, dass mein Mann nicht auf Salat steht, auch nicht, wenn er aus Kartoffeln gemacht wird, gibt es am Heiligabend auch was zu essen. Nicht, dass es sonst nichts gegeben hätte, aber nun eben „was Handfestes“. Wie wir noch so am Überlegen sind, ob Reh oder Hirsch auf dem Teller landet, kommt plötzlich der Vorschlag „Hase“. Meine Mama sagt: „Hase ist auch Wild“, woraufhin sich Nono ihren Kuschelhasen, den „Liem Hasi“, schnappt und ganz empört ruft:
„Hasi is nich wild!!“

Wenn sie ein Kleid anzieht, sagt sie von sich selbst: „Nono is eine Prepessin!“
Habt ihr für euch und ggf. eure Kinder schon an Weihnachtsoutfits gedacht? Wir noch nicht… wollen noch geshoppt werden ^^

„Nono, singst du für mich mal „Bruder Jakob“?“
„Ja………….. (gesungen) Bruder Japob. Schläft Nonoo?
(gesprochen) Nee schläft nich.
(gesungen) Hörst du nich die Decke. Ding dong.“

Woran merkt man, dass ein Kind evtl. zuviel Fernsehen guckt?
Wenn du nach einem Arbeitstag nach Hause kommst und mit den Worten „Mein RTL“ begrüßt wirst…

Ein bisschen Weihnachtsflair ist nun auch in unsere Wohnung eingezogen. Ich, als der totale Weihnachtsmuffel, bin aufgeregt wie ein kleines Kind, WEIL ein kleines Kind da ist, was mit großen, staunenden Augen jedes zur langweiligen Gewohnheit gewordene Schmücken, Backen und Dekorieren als etwas ganz Besonderes wahrnimmt, diese Begeisterung mit uns teilt und den geheimnisvollen Zauber in die Weihnachtszeit zurückbringt. Danke, Noni *love*

That’s Rudolph: Kinderhände auf Fotokarton abmalen, ausschneiden, „Nasenloch“ für rotes Teelicht lassen – VOILÁ 🙂
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Autor: Mama 2.0

stoffverliebte 2fach-Mama, Berlinerin, iphoneaddict, Musikpädagogin. Liebt buntes Klebeband, geistige Herausforderungen und hat sich den Blick für das Schöne bewahrt. Happiness is not a destination, it is a way of life. Glas ist halbvoll und so, wa?

1 Kommentar zu „Gruscht“

  1. Haha 😀 Sehr lustiger Post wieder !

    Aber die arme kleine 😦 Der muss ja ganz ordentlich reingebissen haben in den Arm. :/
    Ich weiß noch damals hat jemand im Kiga meiner Schwester nen ganzen Büschel Haare ausgerissen. Kinder können schon ganz schön gemein sein ^^

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