Der Martin, ne?

Fiona und Mama sind mittlerweile beide wieder gesundet (dafür hat die liebe Sasa – meine Mama – jetzt rote Punkte und einen wunden Mund, obwohl das nur 2-6-Jährige bekommen….sollten wir sie mal schätzen lassen!) und konnten gestern beim Martinsumzug der Kita mitlaufen. Meine Freitagsbabymusikkurse hatte ich extra deswegen ausnahmsweise auf Donnerstag verlegt. Bei keiner Mama stellte das ein Problem dar, außer bei den beiden Migrationsmamas mit den verhaltensauffälligen 2-Jährigen, die ich jedes Mal fast rausschmeißen muss, weil
a) die Kinder nichts verstehen
b) die Kinder nichts machen, bzw. nichts von dem, worum ich sie bitte
c) die Kinder mit Klangstäben aus dem Holzglockenspiel Amok laufen auf der Suche nach der nächsten Pauke *BUMM*
d) die Mamas lächelnd daneben sitzen und staunen, was der Nachwuchs schon alles kann…
Beide Mütter hatten ziemlich unfreundlich wissen wollen, wann denn nun ihre Nachholstunde stattfände, schließlich könnten sie am Donnerstag nicht und sie wären ja am Freitag da, nur ich eben nicht. Ich sagte, dass es einen Nachholtermin gebe und ich nicht jedem einen persönlichen anbieten könne. Wer da ist, ist da. Wer nicht, der nicht.
Sie verließen nach der Stunde den Raum ohne Verabschiedung. Die anderen beiden Mütter aus dem zweiten Kurs sagten zu, dass sie beim Nachholtermin schon zur ersten Stunde kommen könnten. Super! Aus 2 mach 1. Einige Teilnehmer standen zwar noch auf meiner Liste, waren aber viele Wochen schon nicht mehr da gewesen. Ich bestellte also alle Übrigen auf 16 Uhr und erwartete einen vollen Kurs mit ca. 8 Kindern und Mamas, statt zwei Halbvolle.
Nona war auch dabei, freute sich schon riesig auf das Singen und sagte beim Treppenerklimmen zum Musikschulegbäude: „Ich geh gern in Miezschule!“ Die wenigen Male, die sie jetzt mit mir mitkommen konnte, scheint sie wie ein Schwamm in sich aufgesogen zu haben. Aus dem Nichts höre ich auf ein Mal aus dem Kinderzimmer eine Melodie: „Hopp hopp hopp, Pferdsen lauf in Lopp. Über Steine über Steine, aber nicht die Beine. Hopp hopp hopp hopp hopp, Pferdsen lauf in Lopp.“
(Videobeweis folgt in Kürze)
Es ist sooo süß und zum Schießen, wenn sie anfängt zu singen und man tatsächlich die Melodie erkennt! Ihre Klassiker sind das oben genannte „Hopp Hopp Hopp“, dann sehr aktuell „Laterne, Laterne“, „Ich bin ein dicker Tanzbär“, „Blätterfall“, „Hoch am Himmel“ und „Händewaschen“. Außerdem noch das „Yummy yummy yummy“ aus der Kinderschokolade-Werbung, wenn der Schokoladenmann für die Milchglasfrau mehr schlecht als recht Karaoke singt…
Ja, jedenfalls kamen wir kurz vor knapp in der Miezschule an (Musste Kind wecken um 15.30 Uhr! Gesunder Mittagsschlaf…) und vor dem Früherziehungsraum stapelten sich schon die Kinder. Ich schrieb mich im Lehrerzimmer ins Schlüsselbuch ein, schnappte den Schlüssel und griff dabei ins Leere. Kein Schlüssel da. Argh! Also mit Nona eine Treppe hoch ins Gewühl, Tür ist bestimmt offen. Rüttel, rüttel, Tür zu. Zurück durch’s Gewühl, schuldigung, sorry, bin gleich wieder da. Mit Nona wieder eine Treppe runter. Zum Glück war wenigstens eine Sekretariatsfrau da. Freitag Nachmittag ist da nämlich immer schon alles zu, der Letzte macht’s Licht aus! Sie gab mir den Ersatzschlüssel. Wir gingen wieder hoch. Nona: „Arm-Arm!“
„Nee, komm, Schatz, die paar Stufen schaffst du jetzt auch noch…“
Wieder durch’s Gedränge. Sorry, schuldigung, ich hab den Schlüssel, gleich könnt ihr rein.
Rüttel, rüttel. Schlüssel passt nicht. „§$%&!“§$%&/?*‘
Wer nimmt mal schnell mein Kind? Ja, ich. (die hilfsbereite Mama erzählte mir hinterher, Nona saß bei ihr auf dem Schoß und hat ihr erklärt, dass sie aus Mamas Bauch gekommen ist…um das mal klarzustellen!) Ok, wieder Treppe runter, diesmal alleine. Schlüssel passt nicht!!!! Sind Sie sicher? Wie kann das sein? Ist doch der Raum?! Dreht und wendet Schlüssel. Er passt nicht, wirklich, Sie können’s mir glauben! Ok, dann gebe ich Ihnen meinen General mit, aber den müssten Sie sofort wieder runter bringen. Treppe hoch, Raum auf, Kinderstau beseitigt, alle drin, meins auch. Schlüssel wieder runter. Treppe wieder hoch.
Hallo, schön, dass ihr so zahlreich erschienen seid!
Mit einer anstrengenden, weil gut besuchten, Stunde habe ich gerechnet. Aber dass ich vor lauter Eltern und Kinder kaum in den großen Raum rein komme, nicht. Erwartungsvoll guckten mich 13 Kinder, 13 Mamas und ein Papa an. Die kleinen Bänke reichten nicht, einige saßen auf dem Teppich. Wer aber direkt auf den Kinderbänken Platz genommen hatte, waren die 2 Damen, die donnerstags nicht können. Komisch. Vielleicht waren ihre Astralkörper nicht da, die physischen konnte ich aber ganz genau erkennen.
Sämtliche Teilnehmer, die jemals in meinem Babykurs registriert waren, waren an diesem Donnerstag da. Nach dem 10. Mal Begrüßungslied konnte auch der eine mitgebrachte Papa die Melodie und brummte konsequent eine Terz daneben das „Hallo und Winke-Winke“ mit. Niedlichkeitsfaktor: hoch! Ich wäre eh dafür, dass Mamas und Papas sich abwechseln und ein Mal eine reine Papa-Kind-Gruppe und dann wieder die (Standard) Mama-Kind-Gruppe kommt. Unter der besserwissenden, singenden, tanzenden, omnipotenten Müttermafia fühlen sich die Väter natürlich nicht so wohl und lassen deswegen den Damen den Vortritt. Schade, liebe Papas!
So, nun aber zurück zum gestrigen Martinsumzug. Um 4 war Treppfunkt (oh, was für ein schöner Verschreiber. Sieht man erst beim 2.Mal. Den lass ich stehen!) im Kitagarten. Ich bin ja generell kein Fan von großen Menschenaufläufen, meide deshalb auch Großveranstaltungen wie Konzerte, Demos, etc. Der beste Platz beim Konzert ist eh auf der Bühne 🙂 Jedenfalls weiß ich nicht genau, was ich mir vorgestellt habe, aber dass der ganze Stadtbezirk am Umzug teilnimmt, sicher nicht. Menschen, Menschen, Menschen, so weit das Auge sah. Dazwischen mein Kind mit seiner tollen, selbstgebastelten Laterne (singend). Es war ar…ktisch kalt. Fiona ließ sich sogar ohne Widerrede ihre kleinen Zahlenhandschuhe anziehen (Finger sind nummeriert). Ich wunderte mich, warum so viele Kinderwägen dabei waren. Okay, kleinere Baby-Geschwister, wahrscheinlich. Die Masse setzte sich träge in Bewegung. Es war unser erster Martinsumzug. Beim letzten (da hätten wir wirklich noch den Wagen gebraucht) war Nona krank. Ganz vorne ritt ein weißer Schimmel mit heiligem Martin. Um mich rum wurde gestaunt: „Oooh ein Pferd“. Nona: „Hopp hopp hopp…..“
Ich wartete auf die Lieder. Laterne, Laterne? Aber es sang nur einer: mein Kind.
Man lief also so mit dem Trott mit, hob heruntergefallene Laternen wieder auf, machte an, machte aus und ein Kind nach dem anderen verkrümelte sich so nach und nach in den dazugehörigen Kinderwagen oder auf Papas Schultern. Auch unsere Laterne machte ein paar Mal einen Abgang. Ich gab ihr den Laternenstab wieder in die Hand und fragte: „Hast du die Laterne?“ Sie antwortete: „Jaha. Ich hab den.“ Den Laterne, der Gerät, sozusagen.
Ganze Generationen von Familien samt Hunden, Katzen und Kanarienvögeln waren bei dem Umzug dabei. Und ich. Mit Nona. „Papa eibeitet noch“, genau. Tatsache ist, dass auf einem schmalen Bürgersteig keine 2 Kinderwägen, ein Hund, eine Mama und ein Nono-Kind nebeneinander passen. Also ließ ich sie dort laufen und ging 2m weiter vorne am Rand, ohne sie aus den Augen zu lassen, natürlich. Schon hörte ich es hinter mir rufen: „Mama! Nicht wegrenn‘!“ Verkehrte Welt, mein Kind?
Der Weg bis zur Kirche, wo Lagerfeuer, Martinsgeschichte und heiße Getränke stattfinden sollten, war eigentlich nicht weit. Mit dem Auto. Zu Fuß in der großen Menge dachte ich, wir laufen die 7km bis nach Hause… Und keine 300m von der Kita entfernt, hörte ich das Kind: „Mama, Nono Kopf!“ „Nein, du bist so schwer. Lauf mal noch ein bisschen, ja?“ „Neeeeeiiiiinnnnn, bitte Kopf. Bitte!“
In dem Moment habe ich mich verflucht, dass ich 1.) keinen Buggy im Auto hatte und 2.) eine gefühlt 10kg-schwere Tasche mit mir rumschleppte, in der sich neben viel unnützem Zeug die gute Spiegelreflexkamera befand. Mit geladenem Akku. Aber ohne Speicherkarte. Ommmmmmm.
Nicht genug, dass ich leere Spiegelreflex und Kind auf Kopf mit mir rumtragen musste, nun auch noch: „Lieber Mama Laterne nehm“.
Als wir im Kirchvorgarten ankamen, ließ ich mit letzter Kraft den Reiter vom Mutterpferd steigen und freute mich auf Glühwein/Punsch/Tee oder irgendetwas anderes Warmes. Es dauerte, bis alle da waren. Nun wurde die Martinsgeschichte erzählt und dargestellt. Beim Anblick des Bettlers im T-Shirt war mir gleich nochmal so kalt. Martin, die eine Martina war, wie ich von Nahem feststellen konnte, stieg von seinem Schimmel („Hopp hopp hopp….“), teilte mit seinem Schwert eindrucksvoll den roten Umhang und gab dem armen Mann eine Hälfte, um ihn zu wärmen. Anschließend verkündete der Sprecher, dass einige Helfer nun Martinshörner verteilen würden, die aber nicht für alle reichen. Man solle mit den um sich herum Stehenden teilen, dann würde es genügen. Ich, als unbeleckter Atheist, der nur zufällig einen Platz in einer ev. Kita bekommen hat, staunte. Martinshorn – so heißt das „Tatü Tata“ der Feuerwehr. Ich sah vor meinem geistigen Auge die Helfer kleine Blasinstrumente verteilen, in die erst man selbst und dann der jeweilige Nachbar rein bläst. Uuuhhh…Kurze Zeit später wurde ich von links angetippt und bekam ein Stück Croissant (Hörnchen! Martinshorn! Aaaahhhh *Licht an*) gereicht. Ich gab es Nona, die mittlerweile wieder auf meinen Schultern saß, um das Pferd besser sehen zu können. Sie sagte höflich: „oooh, danke!“ und begann zu kauen. Nach ca. 5 min zog wieder Martina mit dem Pferd vorbei, es war einen Moment ganz ruhig und in die Stille jaulte mein Kind: „Noch ein Höörnschen, bitte!“
Ich wartete vergeblich auf den versprochenen Glühweinpunschtee. Niente. Es hieß, jetzt beginne der Martinsumzug. Man würde ein Stück laufen und beim Zurückkommen warte bei der Kirche ein Lagerfeuer. Ein Stück laufen?! Martinsumzug?! Das Hinlauftragen zur Kirche war noch nicht der Umzug?! Deswegen wurde da auch nicht gesungen…In Anbetracht der Tatsache, dass ich mit Kind allein unterwegs war, es dunkel wurde, meine maximale Harnblasenkapazität fast erreicht und ich nicht im Besitz einer Windel war, liefen wir (Nona auf Kopf, Mama Laterne) nur ein kleines Stück mit, um dann über einen Trampelpfad zu verschwinden und mit unserem schwächelnden Laternenlichtlein den Rückweg anzutreten. Auch wenn das Hingehen zur Kirche nicht den Titel „Umzug“ trug, war es doch besonders für die Prinzessin ein schönes Erlebnis, die vielen kleinen Lichter und Martina auf dem Schimmel zu sehen. Das Hörnchen nicht zu vergessen. Dabei sein ist alles: „Nono in Laternzug!“

Gestern, am 11.11.11, soll es ja einen regelrechten Run auf die Standesämter gegeben haben, weil es, wie der 9.9.99, ein beliebtes Hochzeitsdatum ist. Von den an solchen Schnapsdaten geschlossenen Ehen sollen übrigens rein statistisch mehr wieder geschieden werden als von den „normalen“, unspektakulären Daten. Sollte einem zu denken geben. Aber nicht nur die Standesämter hatten gestern ein Kommen und Gehen im Minutentakt, sondern auch die Kreißsäle. Jawohl! Katja Burkhardt lügt nicht. Ihre kleine s-Schwäche dürfte ja allgemein bekannt sein: „Ssehr viele Sschwangere ssuchten ssich den 11.11. alss Kaissersschnitsstermin auss.“ Bravo, RTL!

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Autor: Mama 2.0

stoffverliebte 2fach-Mama, Berlinerin, iphoneaddict, Musikpädagogin. Liebt buntes Klebeband, geistige Herausforderungen und hat sich den Blick für das Schöne bewahrt. Happiness is not a destination, it is a way of life. Glas ist halbvoll und so, wa?

3 Kommentare zu „Der Martin, ne?“

  1. gerade ein paar freie Minuten zum lesen =)
    und mal wieder sehr amüsant hihi

    singen tut unsere auch soo gerne, das erste Lied was sie konnte mit 19 Monaten oder 20… ich weiß es grad nicht mehr genau – muss das Video suchen, war schlaf kindchen schlaf, wurde auch gerne abgewandelt in schlaf Papa schlaf 😀

    dieses schnappzahl Geheirate Oo und Kaiserschnittkinder… kann ich nicht verstehen *lol*

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