Strg/Alt/Entf

Und wieder sind die „Sieben Sachen“ dran, innerhalb von 4 Tagen 2 Mal Wochenende gehabt, zumindest den Postings nach…
Was will man mehr?

Das Nonchen ist ja leider mal wieder krank… Und seit heute hat’s mich auch erwischt, ist hoffentlich in ein paar Tagen wieder weg. Nachdem sie vor zwei Wochen für eine Woche mit Schnupfen und Fieber zu Hause war, ist sie drei Tage im Kindergarten gewesen. Am 4. Tag bekam ich einen Anruf: „Frau M., holen Sie bitte die Fiona ab. Sie hat 38,8°C Fieber…“ Und am 7.Tage ruhten wir nicht etwa vom Werk der letzten Woche, nein, wir verbrachten unsere Mittagsstunden im Kinderkrankenhaus und warteten eine geschlagene Dreiviertelstunde, um nur in die Anmeldung reinzukommen und dann nochmal eine ganze, um Audienz beim weißen Kittel zu bekommen.
Aber zurück zum 4.Tag:
wir sind natürlich sofort zur Kinderärztin gefahren, die diagnostizierte eine Angina und verordnete Antibiotikum. Ab Montag wieder Kita, alles wird gut. Vorgestern Abend bekam Nona kleine rote Punkte an einigen Körperstellen und wollte einfach nicht einschlafen, obwohl das sonst nie ein Problem ist. Sie kam raus, um mit mir zusammen im Wohnzimmer auf der Couch zu kuscheln. Beim Kuscheln wären mir fast die Augen rausgefallen, weil ich ihr Auge sah: ein Lid ganz dick angeschwollen und rot, aber keine Einstichstelle, o.ä. zu sehen. Was sollte das nun wieder? Sie ist sonst eine ruhige Langschläferin, ca. 20 Uhr bis morgens um 7 nonstop. Die vorletzte Nacht hätte ich Kilometergeld kassieren können, so oft, wie ich zwischen Schlafzimmer, Kinderzimmer und Küche hin und hergelaufen bin. „Nono in Mamas Bett“ und „Nono in Zimmer“ wechselten sich ab, unterbrochen von „Fisschen machen, bitte ein Fisschen“ (Fläschchen) und „Bibi & Tina an!“. Dann erklär mal einer 2-Jährigen, dass die Pferdemädchen nachts um 4 schlafen, auch wenn „Nono wach ist“… Kein leichtes Unterfangen. Aber wenn Bibi & Tina mitten in der Nacht auf Amadeus und Sabrina im Wind reiten, dann reitet bei mir am nächsten Morgen nur eine: bleierne Müdigkeit. Jedenfalls war ich mit dem Gedanken an eine mögliche Penicillin-Allergie so unruhig, dass wir gestern „mal schnell“ ins Kinderkrankenhaus gefahren sind. Aus dem „mal schnell“ wurde, wie oben schon beschrieben, ein „ziemlich lange“. Viele, viele Eltern stapelten sich vor Zimmer 127. Ich sah sie stehen und wusste da noch nicht mal, was in Zimmer 127 ist. Bis ich näher trat und las ANMELDUNG. Menschen vor der Tür, Menschen hinter der Tür. Kinder, Babys, sehr kleine Babys, weinende Babys (Nona: „Guck mal, Mama, dis weint!“), quengelnde Babys, hungrige Babys, schreiende Babys, besorgte Mamas, singende Mamas, erziehende Mamas („Geh da nicht hin! Fass das nicht an. Leg den Stock weg!“ …) genervte Papas, fürsorglichängstliche Omas und Opas und ab und zu die Illusion eines vorbeihuschenden Weißkittels dazwischen. Ich fragte vorsichtig, ob ich mal vorbei dürfte, ich wollte schließlich nur sagen, dass wir hier sind und uns dann gemütlich irgendwo draußen platzieren. Auf Deu-ssisch wurde mir mitgeteilt: „Wirr auch warrten fürr Anmeldung.“ Ich stellte mich hinten an, schließlich hatte das Kleinkind vor uns einen Stock. Sicher ist sicher.
Da das Menschenknäuel im Anmeldungs-Vorraum immer undurchsichtiger wurde, begannen die Leute, sich anzustellen an der Tür. Um nicht morgen noch zu warten, stellten wir uns auch an. „Mama, Arm-Arm!“ „Och, Noni, jetzt nicht. Du bist zu groß für Arm-Arm. Setz dich doch hin.“ „Nein, Arm Arm. Bitte Arm-Arm“ Sie guckte mich mit großen Augen, also mit einem großen und einem kleinen, an. Ok, Arm-Arm. Erzählen die in der Anmeldung ihre Lebensgeschichte? Was gibt’s groß zu reden außer „Hallowirhierkindkrankbittearzt“?! Es dauerte und dauerte. Stephan schrieb eine SMS: „Und? Was sagen sie?“ Ich antwortete: „Noch nicht mal Hallo. Warten auf Anmeldung.“
Nicht lange nach „Arm-Arm“ kam „Runter“ und dann ihre Killerphrase: „Kopf“. „Kopf“ heißt: Kind sitzt auf Schultern und hält sich bevorzugt an Ohren, Nase, Augen oder Haaren fest und schreit jauchzend: „Sneller, Mama!“. Mir war nicht nach Kopf, absolut nicht.
Es roch nach Milch, Windeln, Schweiß und die Uhren gingen rückwärts. Als wir dann endlich dran waren, also in der Anmeldung, guckte die gute Frau auf Nonas allzeit laufende Nase und sagte: „Was hat sie denn? Schnupfen und Husten?“
Na klar, weil mein Kind Schnupfen hat, setze ich mich freiwillig ins Kinderkrankenhaus und warte auf Godot. Mach ich jeden Sonntag so. Wär ja sonst langweilig. Was machen wir heute, Schatz? Wie, was machen wir?! Es ist Sonntag! Das gleiche, was wir jeden Sonntag machen, Liebling!
Laut Godot würde es nach erfolgreicher Anmeldung noch mindestens eine Stunde dauern, bis wir dran sind. Wir suchten uns also weit ab vom Schuss ein Plätzchen, aßen alle Traubenzuckervorräte und Gummibärchen aus meiner Tasche (neben Trinken für Nona das Einzige, was sich darin befand) und warteten. Nun ist es aber so, dass man einem Kleinkind relativ schlecht erklären kann, dass man jetzt für eine ganze Weile einfach nur so sitzt und wartet. 2-Jährige wollen rennen, springen, malen, lesen, singen, klettern, Verbandsmaterial als Mumienbausatz verwenden, Stethoskope ausprobieren und Rollstuhl fahren. Sie wollen alles, außer sitzen und warten. Ein Mus-Auge ist dabei vielleicht ein Grund, aber kein Hindernis.
Als sich die Reihen der Wartenden langsam lichteten und auch kein Platzmangel in Sprechzimmernähe mehr herrschte, spielten wir ein Spiel. Ich saß auf einem Stuhl, neben mir viele freie Plätze. Die Stühle sind durch eine Stänge unter den Sitzflächen miteinander verbunden, haben also keine „Füße“, ähnlich wie in Bushaltestellen, auch von der Bequemlichkeit her. Nona kletterte auf einen Stuhl drei Plätze neben mir. Sie setzte sich richtig hin, drehte sich halb, lief vorsichtig zwei Mäuseschritte auf der Verbindungsstange, von dort auf den nächsten Stuhl, nach gleichem Prinzip auf wieder den nächsten, hielt sich dann bei mir fest und sprang auf 3 mit Festhalten auf den Fußboden, ohne dabei zu weinen, zu lärmen, zu quieken oder sonst wie aufzufallen. Das ganze Prozedere wiederholte sie mit Ausdauer ungefähr für 20 Minuten und beschäftigte sich quasi allein, während ich wartete. Phantasievoll erklärte sie mir, das sei ihr Baumhaus. Ich stieg darauf ein und fragte, wie die Luft dort oben sei. „Besser“, sagte sie. Wir lachten beide und ich küsste sie jedes Mal, wenn sie aus luftiger Höhe den Spung Baumhaus-Krankenzimmerflur wagte. Sich selbst beschäftigende Kinder scheinen für manche Mitmütter (die Säugetiere unter den Mitmenschen) ein Dorn im Auge zu sein. Bei denen läuft das Programm „Muss Spaß bremsen. Muss erziehen. Muss schimpfen. Nein, du darfst das nicht. Warum? Weil ich es sage.“ und kein Task-Manager dieser Welt kann den Prozess beenden, auch nicht mit Strg/Alt/Entf. So eine saß ein Stück neben uns, den ca. 3-jährigen Jungen auf dem Schoß. Er sah Nonas Spiel und wollte das – verständlicherweise – auch machen. Kurz darauf hörte ich das Muttertier vorwurfsvoll mehr in meine als in Richtung des Jungen sagen: „Nein, Tyler! Das sind schließlich keine Turngeräte. Das hier ist ein Krankenhaus und kein Spielplatz…“
„Aber die macht das auch!!“
Fiona verschluckte sich am Traubenzuckerbonbon und hustete ein Mal kurz.
„Ja, das sehe ich. Aber DU machst, was ich sage. Und geh nicht so dicht ran, ich will nicht, dass du noch richtig krank wirst. Du weißt, wie schnell du dich ansteckst…“
What?! Manchmal möchte man doch kurz zurückspulen und nochmal auf PLAY drücken um zu überprüfen, ob man wirklich das gehört hat, was man gehört hat. Aber wenn ihr der permanent quengelnde weil gelangweilte Tyler lieber ist, der alle 2min fragt, wann sie endlich dran sind und warum das so lange dauert – bitte. Mein Kind war nach knappen 2 Stunden noch erstaunlich entspannt und friedlich dafür, dass wir weder Bücher noch anderes Entertainment an Bord der MS Baumhaus dabei hatten ^^
Zu dem geschwollenen Auge sagte weder die Ärztin im Krankenhaus noch heute die Kinderärztin was. Nach Absetzen des Antibiotikums sind die roten Flecken weg und das Auge ist wieder normal. Schon komisch, oder? Aber eine mögliche Allergie auf Penicillin würde ja niemand zugeben…
Auf dem 7-Sachen-Bild ist das Eiskneten drauf. Eine eigentlich eher unfreiwillige Aktion des vergangenen Wochenendes. Die Knet-Eismaschine lagerte schon im Arbeitszimmer auf dem Schrank für Weihnachten. Wenn dann aber so ein krankes Kind mit Mus-Auge vor einem steht und mit lieblicher Stimme säuselt: „Dis Nonos! Bitte haben! Tnete haben, Mama?“, wer kann da schon nein sagen?! Das Ding an sich ist eine coole Sache. Oben Knete rein, Hebel drücken, unten schöngeformte Knete wieder raus. Viele Dekorationsmöglichkeiten, einen Streuselmacher und niedliche Eisbecher + Waffeln. Aber Schweinerei ohnegleichen. Während man den Hebel drückt, um die Knete durch ein kleines Loch zu pressen, kommt sie links und rechts an der Seite als flache Zeitung aus den Ritzen, gemeinsam mit den Knetresten, die vom Mal davor noch drin waren. Ein Nicht-Mischen ist praktisch unmöglich. Bei jedem Eismachen („nochmal! nochmal!“) lösen sich Miniknetteile ab, die dann irgendwo kleben bleiben und hart werden. Also praktisch müsste man das ganze Gerät nach jeder Knetsession komplett baden. Aber Spielspaß ist auf jeden Fall garantiert! Und die Knetsorten Mint mit Schokostückchen und Sahne mit bunten Streuseln sind auch sehenswert.

Gestern Abend haben wir zusammen Traumschiff geguckt, 30-jähriges Jubiläum. Doc Schröder ist nicht mehr da, dafür waren Hape Kerkeling als Meeresschildkrötenforscher, Harald Schmidt als Gentleman-Host, bauernfrauensuchende Inka Bause als Fitnesstrainerin, Till Schweiger, etc. mit an Bord. Heide Keller alias Chefhostess Beatrice geht irgendwann mit dem Schiff unter…
Jedenfalls waren Nonas erste Worte nach dem Aufstehen heute: „Wasser Traum“ und dann „Traum Boot gucken, Nono hingehn! Nono geht in Flugfeug, in Ohlaub. Dooßes Wasser, Nono wimmt!“ Beim Ausräumen ihrer Spielzeugkiste, während ich mit Kopf, Mandeln und Rücken von ihrem Sofa aus tatenlos zuguckte, fand sie ein kleines Kamel aus dem Urlaub im Land am Nil und sagte: „Ooh, guck mal, Mama! Dis aus Ebüptn!“
Die obligatorische Bibi-und-Tina-hexhex-Gutenachtgeschichte wurde gestern zum ersten Mal ausgetauscht. Und wisst ihr, was sie stattdessen bestellt hat?
„Elefant in Blume“ ^^

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Autor: Mama 2.0

stoffverliebte 2fach-Mama, Berlinerin, iphoneaddict, Musikpädagogin. Liebt buntes Klebeband, geistige Herausforderungen und hat sich den Blick für das Schöne bewahrt. Happiness is not a destination, it is a way of life. Glas ist halbvoll und so, wa?

2 Kommentare zu „Strg/Alt/Entf“

  1. Ohhhhhh, was haben wir für nette Wochenenden im Lindenhof verbracht, weil die Erbertschen Zwerge pünktlich Freitagabend bzw. am WE, wenn alle Praxen geschlossen waren den Hebel auf krank umgeschwenkt haben… Da kann man wirklich seine Studien betreiben!!! ^^

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