Phänomene des Alltags

….der nächste Mittagsschlaf kam…nicht! Zumindest nicht gestern, am Sonntag. Heute ist es nicht mehr mein Bier, sondern das von „Mautes“ [Mautes heißt eigentlich Frau Mautes und ist Nonas Kindergärtnerin].

Phänomen Nr. 1: 16x + 4y = -5z
(x = ein laut erzählendes Kind, y = Teilchenbewegung (Schubsen), z = Nerven der Aufsichtsperson)

Manchmal gibt es so Tage, die gibt’s eigentlich gar nicht. Und damit meine ich nicht den 29. Februar. Heute Morgen war so einer in der Montagskita. Ich weiß nicht, was genau heute falsch war. Das Wetter? Der Wochentag? Meine Ohrringe? 2/3 der Stunden waren einfach nur laut, so dass ich mit einem mit den Händen geformten Megaphon eine Kreisaufforderung in die Runde gerufen habe und geduldig auf deren Ausführung warten musste. Bei Gruppen ab 10 Kindern ist eine Erzieherin dabei, die für Zucht und Ordnung sorgt, so dass ich mich wirklich dem widmen kann, wofür ich in die Kita komme: Musik. Deswegen sind Montage und Dienstage eigentlich immer recht entspannt. Erzieher sind aber schon ein seltsames Völkchen. Abgesehen von teilweise atemberaubend schlechten Kenntnissen der muttersprachlichen Grammatik („Scharlien, gebe den Schastinn die Schippe zurück und nehm den Eimer wieder!“) fühlen sie sich auch manchmal einfach nicht zuständig. Aber wie sagte unser ehemaliger Dozent immer, wenn wir ob der geballten Ladung an Theorie in Methodik stöhnten? „Sinn und Zweck dieser Veranstaltung ist es nicht, erholt nach Hause zu gehen.“
Wie wahr, wie wahr, liebe Erzieherinnen. Einige sind sich für nichts zu schade und tanzen, singen, spielen, raten mit „ihren“ Kindern mit, was das Zeug hält. Andere freuen sich über die 45 min „Auszeit“ ^^ Die Erzieherin der 16-Kinder-starken Gruppe heute früh ignorierte die Dezibelzahl im Raum (die zeitweise an einen Presslufthammer erinnerte), überließ mich meinem Schicksal und meinte nach der Stunde freundschaftlich, sie möchte mir einen Tipp geben: immer Junge, Mädchen abwechselnd setzen, dann ist es das nächste Mal nicht so laut.
Ich sag da jetzt nix mehr zu…………
Die letzte Stunde war sehr erfrischend ruhig und konzentriert mit einem wunderschönen „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“ (Kind: „Da muss ich immer fast heulen. Da ist die Musik so schön!“) mit den „Klockhölzern“. Ruhig war es bis zum Lied mit den Halloween-Gespenstern, die schreien, um die anderen Geister aus dem Spukschloss zu verjagen. Aber da war ich drauf vorbereitet ^^

„Es gibt auch Skelett-Kostüme. Wisst ihr denn, was ein Skelett ist?“
„Ja, ein gestorbener Mensch.“

Phänomen Nr. 2: Versuche nicht, etwas schnell zu erledigen, wenn du es eilig hast. Murphys Hausfrauen warten nur darauf!

Kennt ihr das? Wenn man den Supermarkt betritt, sitzt eine Kassiererin „arbeitslos“ herum, die andere hat 2 Kunden: einen, der gerade bezahlt und einen, der dahinter seine Waren auf’s Band legt. Gut gelaunt und voller Vorfreude auf das Mittagessen, dessen Zutaten man noch schnell besorgen muss, rennt man durch REWE und hält ab und zu mal den Arm raus, um im Vorbeigehen Fleisch, Eier, Milch, Saft und Kaffee zu greifen. Korb, geschweige denn Wagen, hat man gar nicht erst genommen, denn man wollte ja nur schnell ein paar Kleinigkeiten mitnehmen. Man sieht sich schon beim Bezahlen, als plötzlich – auf den letzten Metern vorm Ziel – lauter Hausfrauen lauern, deren einzige Aktivität am Tage scheinbar darin besteht, einkaufen zu gehen, und ihre prallgefüllten Wägen aus den letzten 3 Gängen vor den Kassen alle gleichzeitig rausschieben und sich an die eine noch offene Kasse anstellen. Die zweite hat inzwischen geschlossen, hatte ja nichts zu tun. Ich glaube, die Hausfrauen haben genau auf mich gewartet. Vermutlich haben sie mich schon auf dem Parkplatz gesehen und ihren hinterhältigen Plan ausgeheckt, als sie mich ohne Korb am Eingang gesehen haben… Paranoid, sagt ihr? Und dann schreibt sie noch einen Blog? Naja, auf einen Verfolger mehr oder weniger kommt’s dann auch nicht mehr an ^^ Ich schicke also Stoßgebete an den REWE-Gott und bitte ihn um eine zweite Kasse. Er gibt wohl grad sein Pfand ab. Mein Flehen wird nicht erhört. Die Hausfrauenmafia schaufelt Milch in Stiegen und Eier in rauhen Mengen auf das Band. Eine Hühnerfarm wäre günstiger gewesen, denke ich. Meine Milch und mein Saft werden langsam schwer. Ich spüre Druckstellen an den Unterarmen, veratme den Schmerz, denke kurzzeitig über ein Überraschungsei für Nona nach, um ihr eine Freude zu machen, wenn sie aus der Kita kommt, aber verwerfe den Gedanken wieder: mir fehlt ein Arm. Und der REWE-Gott? Hat schon 5,25€ auf seinem Pfandschein…
Als ich nach einer gefühlten Ewigkeit endlich dran bin, meinen Einkauf auf das Band zu legen und die Wunden an meinen Armen zu verarzten (*puuust*), höre ich das nuschelig-schwammige „2.Kasse, bitte“ und kurz danach ein piepsiges „Sie können auch zu mir rüber kommen!“. Argh! Danke!

Phänomen Nr. 3: Plastetüten sind Penner (nein, der ist nicht vom RTL-Texter).

Der Einkauf, für den ihr weder Korb noch Wagen gebraucht habt, kostet satte 25€ und füllt eine Plastiktüte bis zum Rand. Während die Hausfrauenmafia ihre Lebensmittelvorräte bis Ende des Jahres in ihren Fahrradanhängern verstaut, rennt ihr mit dem Sack ein Mal quer über den Parkplatz Richtung Auto, die Zeit im Nacken. Auf halber Strecke passiert was? ….genau, Plastetüten sind eben Penner.

Phänomen Nr. 4: Ampeln wissen, wenn du es eilig hast. Kinder auch.

Bis halb 8 war noch alles gut. Aufgestanden, Mama fertig, Frühstückstisch gedeckt. Kind geweckt. Töpfchen. Buch lesen. Und wer wann genau die fehlenden 8 Minuten geklaut hat, weiß ich auch nicht.
„Iss mal deine Stulle, Nona. Wir fahren jetzt in den Kindergarten.“
„Nein. Sasa fahren.“

„Such schon mal deine Schuhe!“
„Nein. Hau-ssuhe anlassen!“
„Aber mit den Hausschuhen kann man doch nicht rausgehen. Die sind für zu HAUSe.“

„Komm mal her, Mütze aufsetzen.“
„Ande Mütze!“
„Nein, es ist so kalt draußen. Lieber die warme Mütze!“
„Nein. Lieber die.“

„Handsshuhe an!“
„Soo kalt ist es nicht. Die brauchst du noch nicht anziehen.“
„Doch, Handssuhe an!“
(beim Hineinschlüpfen steckte der Daumen dort, wo er hingehört und die restlichen 4 Finger alle in einem Loch)
Nach Fingersortieren und Jackenärmel hoch- und wieder runterschieben zum Anziehen ging ich auf Toilette.
Nona kam hinterher mit den Worten: „Handsssuhe lieber aus!“

Wenn man mit exakt 50 Stundenkilometern unsere Kitastrecke fährt, schwimmt man genau auf der grünen Welle über ca 1,5km. Heute müssen die Ampeln anders eingestellt gewesen sein. Nur so kann ich’s mir erklären. Wir standen. Und warteten. An j-e-d-e-r Ampel. Erbarmungslos dröhnte das Lied vom Elefanten aus den Radiolautsprechern (Nona: „Laut machen! Lauter!“) Normalerweise läuft es ca. 4 Mal auf dem Weg zur Kita. Heute waren es gefühlte 10! Das rote Ampellicht leuchtete genau so hämisch wie die Digitalanzeige der Autouhr. Und auch die ging heute Morgen ein bisschen schneller als sonst…

Phänomen Nr. 5: Tankstellchen und der böse Golf

Es gab ein Mal zwei Tankstellen namens Shelly und Arialle. Die eine war blau und die andere gelb. Aber das machte den Tankstellen gar nichts aus, denn schließlich gab es Leute, die lieber gelbes Benzin tankten und andere, die wiederum lieber das blaue mochten. Die beiden Tankstellen wohnten sehr dicht beieinander. Kein Kilometer war es, der sie voneinander trennte. Eines Tages fuhr der böse Golf durch die Stadt, auf der Suche nach Nahrung. Fände er nichts, würde er röchelnd stehen bleiben und die gelben Engel trügen ihn davon. Der Golf aber wurde schnell fündig. Er rief: „Shelly, Shelly, lass deine Säule herunter, ich brauche dies(el).“
Satt und zufrieden fuhr der Golf weiter und kam alsbald bei Arialle vorbei. Beinahe wären ihm vor Ärger die Lichter rausgefallen! Der blaue Stoff kostete sage und schreibe 6 Cent weniger. In dem Golf rechnete es. 6 Cent pro Liter. Bei der Größe des Tankes eine Ersparnis von…..ach was kümmert’s den Golf? Er tankt eh immer für’n Zehner ^^

Phänomen Nr. 6: Selbst die Phantasielosesten sind nicht zu unkreativ, sich abenteuerliche Ausreden einfallen zu lassen.

„Wo sind deine Noten?!“
„Die nimmt meine Schwester immer mit in den Kindergarten…“

„Und wo sind deine Noten?“
„Meine Mappe war schon voll. Die haben nicht mehr reingepasst!“
(schmaler A4-Schnellhefter mit 4 Notenblättern…)

„Ich konnte nicht üben. Meine Eltern haben sich getrennt.“
„Das tut mir leid. Aber, sag mal, sind die nicht schon getrennt?!“
„Doch…. zum 2. Mal….“

Und eine wahre zum Schluss: „Zu Hause klappt’s!“

Phänomen Nr. 7: Erst den Satz beenden, dann das Telefon abnehmen. (oder: auch die fluchen)

„…ist mir doch egal evangelische Sonnenblumen-Kita, hallo?“

Phänomen Nr. 8: Auf direkte Fragen folgen direkte Antworten.

„Hast du Kaka drin?“
„Nein.“
„Soll ich dir das glauben?“
„Nein.“

Nona springt von ihrem Fernsehsessel und stößt sich das Knie. Am nächsten Tag zeigt sie mir das Aua (nichts zu sehen) und ich frage, weil ich nicht dabei war, was sie gesagt hat, als sie gesprungen ist („aua, mein Knie!“ laut Sasa). Sie: „Allez hopp!“

„Hast du eine Freundin im Kindergarten?“
„Ja.“
„Wie heißt die denn?“
„Leon.“

„Ein Kuchen, das.“
„Ja, so ähnlich. Das ist ein Donut.“
„Nee! Donnert nich!!“

„Hör auf, Nona, sowas machen nur Babys.“
„Nona Baby ist.“
„Nein, du bist groß! Was machen denn Babys?“
„Weinen.“
„Noch was anderes?“
„Nein. Nur weinen.“

Vor ein paar Tagen:
„Was ist das für ein Gemüse, Nona?“
„Kakika“ (Paprika)

Gestern:
„Schmeckt dir das? Das ist eine Khaki.“
„Ja, Kakika.“

Heute Morgen:
„Heute kommt Katja uns besuchen.“
„Ah, Kakika.“

An den Toiletten eines Einkaufscenters:
Frau bezahlt die 30 Cent Klogebühr mit einem 10€-Euro-Schein. Die Toilettenfrau kramt eine ganze Weile und überreicht ihr dann 2 Hände voll Wechselgeld mit den Worten: „Hier ist ihr Rückgeld. Zähln se ma lieba nach.“
Frau: „Nein, ich vertraue ihnen jetzt mal.“
Klofrau: „Nee, ick hab ja nich Mathe studiert. Zähln se lieba nach!“

Phänomen Nr. 9: Manchmal ist Mehrzahl bilden ganz schön schwer. Und manchmal auch ganz leicht.

Das Rad – die Räder
Das Meer – die Meere
Die Ampel – die Ampeln
Der Kalender – die Kalender

„Nona, möchtest du Ei essen?“
„Ei ja“

Das Ei – die Ei-Ja

Phänomen Nr. 10: Eselsalami ist nicht das Gleiche wie Edelsalami.

Neulich beim Fleischer…

Phänomen Nr. 11: Wenn sie sich Befehlen widersetzen, dann korrekt, ABER.

„Was machen wir immer, wenn ich eine Lucy-Geschichte vorlese? …. Genau! Den Mund abschließen und den Schlüssel weeeit weg legen.“
Ich lese vor und sehe aus dem Augenwinkel, wie ein Kind auf den Boden ins Leere greift, die Hand zum Mund führt, hin und her bewegt und dann erst mit dem Nachbarn tuschelt. Immerhin konsequent. Zu ist zu! Vielleicht sollte ich die imaginären Schlüssel einsammeln nach dem Abschließen und erst nach der Geschichte (oder noch später? 😉 wieder austeilen. Ha!

Phänomen Nr. 12: Meine Waschmaschine liest meinen Blog.

Seit Samstag isst sie auch Taschentücher.

Nach den 12 Phänomenen gibt’s nun auch mal wieder 7 Sachen, die wir am Wochenende gemacht haben:
der magischen Anziehungskraft der verflixten Dose Penatencreme nachgegeben, mit Emily Rehe und „Höösche“ beobachtet, gebastelt, gemalt, gegessen, gestaunt, geklebt, gelacht, aufgeräumt, …

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Autor: Mama 2.0

stoffverliebte 2fach-Mama, Berlinerin, iphoneaddict, Musikpädagogin. Liebt buntes Klebeband, geistige Herausforderungen und hat sich den Blick für das Schöne bewahrt. Happiness is not a destination, it is a way of life. Glas ist halbvoll und so, wa?

5 Kommentare zu „Phänomene des Alltags“

  1. Ich Paprika! Du NICHT….
    Ja is halt nich so einfach. Ich hatte als Kind auch son schlimmen Sprachfehler. Ich konnte kein „K“ sprechen und hab immer „T“ gesagt. So folgender Satz:
    Katja Krämer aus dem Kindergarten
    Tatja Tämer (r gabs nich, wir hatten ja nix im Osten) aus dem Tindertaten (g entsprach k)

    Mein Phänomen beim Einkaufen sieht etwas anders aus. Es gibt zwei Kassen. Eine ist etwas voller oder auch viel voller als die andere. Wo stell ich mich an? Bin ja nich blöd, also an die leerere. Ich bin IMMER die letzte. Irgendwas passiert dann immer an der Kasse an der ich stehe. Kassiererin schläft ein (wenn ich so arbeiten würde wie die manchmal, wär der Daimler schon pleite) oder die Leute vor mir kommen nich klar. Aber ich habe mich meinem Schicksal ergeben. Reg mich nich mehr auf. Bringt ja nüscht.
    Eine Frage zu deinem ersten Phänomen: War das Phänomen die Tatsache das du Nerven gelassen hast oder dass du die Gleichung aufstellen konntest? Wenn ich jetz raten müsste nehm ich letzteres!
    Ich möchte dir noch einen Tipp als Lehrer geben. Wenn du deine Schüler mal zum grübeln bringen möchtest:
    Ich arbeite mich ja gerade auf Arbeit in ein neues Themengebiet ein. Eine sehr (sozial) kompetente Mitarbeiterin soll mich einarbeiten. Was tut man, wenn man etwas nicht weiß? Man fragt!!! Was mach ich also? Fragen! Ich stelle an besagte Person meine Frage(n) und bekomme diese Antwort: „Denk mal drüber nach!“
    ÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄHHHHHHHHHH??????????????
    Ich hab drüber nachgedacht. Weiß die Antwort immer noch nicht. Stelle die Frage nochmal. Und bekomme nun folgende Antwort:“Das hast du mich schonmal gefragt“
    na wenigstens hat se es selber erkannt……
    Ich habe bis heute auf einige Fragen noch keine Antwort….
    Also für alle leherenden Mitmenschen: Wenn ihr eure Erlendenen verwirren wollt, lasst sie drüber nachdenken.

    Ich hätt noch soviel lustige (also für mich lustige) Dinge zu berichten, aber es is ja nich mein Blog 😉

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  2. Sieht mir aus, als bräuchtest du einen eigenen Blog („denk mal drüber nach!“) ^^ aber falls nicht – tu dir keinen Zwang an, ich lese es auch hier 🙂 …zu deiner Frage: Formel und Nerven waren beides die Phänomene 🙂 2 in 1, sozusagen.

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  3. soo viel zu lesen =)

    suuper interessant, zumal ich auch eine 2 Jährige habe, da lese ich sooo gern was andere so machen 🙂 finde ich immer total spannend!

    das mit dem Mittagsschlaf…kenn ich! Wurde bei uns auch abgeschafft und ich hätte ihn sooo gern noch behalten. Aber unser Schatzekind findet Mittagsschlaf tooootal out. ;D

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