Dit is Berlin, wa?

Neulich beim Fleischer (Metzger? Fleischer? Wurstfachtheke? as you like…):
„Sag mal, was du haben möchtest, Nona.“
N: „Wurst!“
Aufgrund der Tatsache, dass so ziemlich alles in der Auslage nach „Wurst“ aussah, bat ich sie unter den genervten Blicken der Wurstfachverkäuferin (kinderfreundliches Deutschland..? Hallo, wir haben doch Zeit ^^), zu präzisieren.
N: „Lalami“
Okay, dem Kind seine Lalami und ich bestellte noch 4 Scheiben „rosa Wurst“, also Schinken.
Verkäuferin (gelangweilt): „Der im Anjebot oder der normale?“
Na klar, zwei identisch aussehende Fleischklumpen und ick werde sicher vom teureren koofen. Man hat’s ja!
Ich: „Den im Angebot, bitte.“ Inzwischen fuhr das Lalami-Kind mit dem kleinen Wagen durch die Gänge und räumte Regale aus und Wagen ein. Mon Cherie („meckt nich!“), Streukäse, Marmelade. Die Ware aus den unteren Grabbelregalen, eben. Als sie bei den Eiern ankam, verließ ich die Fleischfrau für einen Moment, um Schlimmeres zu verhindern und portemoinnaietechnische Schadenbegrenzung zu betreiben.
Wieder am Fleischstand angekommen, drehte sich Fräulein Unfreundlich gerade um und legte den Anjebotsschinken wieder zurück in die Auslage. Statt zu fragen, ob’s noch was sein darf oder ich noch einen Wunsch habe, guckte sie mich einfach fragend an. Ich guckte zurück. Und wieder zur Wurst. Und wieder zu ihr. Sie guckte immer noch. Ich war so irritiert von der nicht gestellten, in der Luft hängenden Frage, dass ich direkt noch irgendwelche Wurst gekauft habe, obwohl ich eigentlich nichts mehr wollte. Nonos halbe Lalami bekam ich übrigens an der Kasse von ihr geschenkt mit den Worten: „Mama essen.“

Gestern beim Frühstück (klare Vorliebe für Fleisch) aß sie kleine Hackfleischbällchen statt Stulle. Auf ein Mal spuckte sie den gesamten Mundinhalt mit einem angewiderten Gesichtsausdruck in die Auffangtasche des Latzes und sagte tatsächlich: „Was is’n dis?!“
Nachdem das laute Elternlachen verhallt war, guckte ich mir näher an, was sie auf dem Finger hatte. Sie runzelte die kleine Stirn und fügte ein: „Haaart!“ hinzu. Ich konnte zwar nichts hartes feststellen, aber sowas kommt ja manchmal wirklich vor…

Heute morgen habe ich mich beim Frühstück zwei (!) Mal geschnitten. Messer und ich haben ja schon von Anfang an ein (haha) gespaltenes Verhältnis zueinander, aber zwei Mal bei einer Mahlzeit habe auch ich bisher nicht geschafft. Das erste Mal passierte es beim Apfel durchschneiden. Irgendwie war der Finger drunter, bekam aber zum Glück nur einen Schreckschuss-Pieks mit der Messerspitze ab. Das zweite Mal war beim Brötchen-Aufschneiden. Der letzte Schnitt durchtrennte nicht nur die Brötchenhälften, sondern auch die seitliche Daumenhaut von der brötchenhaltenden Hand durch einen kleinen Schlitz. Nona guckte mit großen Augen auf meine Hand und sagte: „Habich geseh’n! Mama aua!!“

Beim In-die-Kita-Bringen habe ich ihr erzählt, dass wir heute Nachmittag ein bisschen bummeln fahren. Papa hatte vorm Losfahren noch gefragt, ob wir auch zu Spiele-Max gehen sollen („JA!“). Während der Autofahrt sprach sie mit sich selbst:
„Maxspiele fahr’n. Nono Maxspiele fahr’n… Erst zu Mautes.“
(Fr. Mautes ist ihre Erzieherin im Kindergarten. Das mit dem zeitlichen Faktor hat sie offensichtlich verstanden. Erst zu Mautes, dann das Vergnügen ^^)

Gestern Abend waren wir bei dem Berliner Improvisationstheater schlechthin, den Gorillas. Der Standort ihres Heimattheaters, Ratibor in Kreuzberg, sollte niemanden davon abhalten, sich von den genialen Spontanschauspielern überzeugen zu lassen. Es ist alles ungeprobt: Charaktere, Orte, Eigenschaften, Lieder entstehen am jeweiligen Abend auf der Bühne. Keiner – weder Schauspieler noch Publikum – weiß vorher, was ihn erwartet. Das macht den Reiz des Improtheaters aus. Was die über die Jahre schon an mir verdient haben, will ich gar nicht nachrechnen. Bei jeder Preiserhöhung bin ich ihnen treu geblieben, denn es lohnt sich wirklich, liebe Berliner!
Das mit Abstand Beste ist die Samstagsshow „Gurke oder Banane“. Gestern waren wir bei „Ick und Berlin“, weil wir sonst unter der Woche, mittwochs, in der Schulzeit nie Gelegenheit dazu haben. War nicht schlecht, aber reicht eben nicht an G oder B ran. Ein Zitat schafft es aber in den Blog.
Besoffener Mann hängt am späten Abend als einziger Gast an der Currybude rum. Die Wurstfrau will schließen, der Mann legt den Kopf auf den imaginären Tresen und jammert lallend immer wieder: „Eine Wurst! Wuuuuuurst! Ich will eine Wuuurssssstttt!“
Sie: „Nimm den Kopp weg, sonst mach ick ihn ab!“
Witzig ist auch die Sache mit den Stadtbezirken. Die Gorillas erwähnen Mitte, Neukölln, Wedding, etc. Alles gut. Aber sobald sie Marzahn sagen – schallendes Gelächter! Die haben doch alle keine Ahnung 😉

Hach ja, war schön.
Stressig ist nur das Fahren. Oberbaumbrücke und Warschauer Straße gehen gar nicht! Von rechts kommt eine Horde jugendlicher Kampftrinker aus dem Bahnhof und läuft ohne zu Gucken über die Straße Richtung O2-World. Wahrscheinlich macht ihr Trip sie bärenstark und unverletzlich. In their heads. Ich bremse auch für Idioten.
Von links ein Fahrrad ohne Licht…..woooaaaahh, das war eng. Rote Ampel, die Straßenbahn fährt 10cm vor meinem Auto um die Kurve. Grün. Gas. Oops, Autos?! Parkende Autos auf der rechten Spur?!
Alle wissen bescheid, nur ich nicht. Anfänger! Sie ziehen auf der linken Spur dicht an dicht vorbei, auch ein paar Fahrräder. Ich bilde mir ein, sie lachen zu hören, während ich linksblinkend unfreiwillig parke… Beim Warten sehe ich die Bio-Lebensmittelkette VIV, die mich in Zusammenarbeit mit Facebook auf eine Idee bringt:

wenn ich das Lebensmittelgeschäft der Albrecht-Brüder kaufen würde und meinen Namen ergänzend hinzufügen täte, wäre VIVALDI dann eine Shopping-Alternative für die Oberschicht…? Aus den Lautsprechern dröhnt dann je nach Wetterlage eine der 4 Jahreszeiten (vergessen Sie die Melodie des Sommers) und das Sortiment bestimmt ganz exklusiv ein kleiner Feinschmecker: Wurst, Lalami, Wurst, Butter, Wurst, (Bou-)Letten, (Frucht-)Zwerge, Fruchttiger, Wurst, Rachungseier, Pizza (Quattro Stationi, versteht sich), Seifenblasen, Luftballons und Smartieseis. Is(s) doch was!
Sammeln Sie unsere Treue-Würste…? lach

Ein sein Auto behutsam um die Kurve tragender Rentner reißt mich aus meinen Gedanken. Ampel wieder rot. Danke! Und überhaupt, was macht der so spät noch auf der Warschauer?! Und dann, die Erlösung, ich sehe das Licht! Das Licht vom McDonalds am Frankfurter Tor. Rechts ab Richtung Heimat und dann wird alles gut. 3 Spuren, es fließt, keine parkenden Autos, keine Fahrräder, keine Idioten. Frankfurter Allee, du hilfst mir zu entspannen. Merci.
Fast zu Hause fahren wir vorbei am BIESDORF-CENTER.
Für die Nicht-Berliner: Biesdorf ist eine Art Unterbezirk in Berlin Marzahn.
Marzahn =grau. Biesdorf = grün.
Obwohl es um die Uhrzeit schon längst geschlossen hat, prangt der Schriftzug in großen, rot beleuchteten Lettern auf dem Gebäude.
Von Zeit zu Zeit steigt mal ein Buchstabe aus und lässt die anderen alleine. Gesetzlich vorgeschriebener Urlaub, schätze ich. Dieses Mal funktionierte das E-Licht nicht. Es war also nur das BIESDORF-CNTER.
Seit vielen Jahren warte ich darauf, dass mal die BIESDORF-ENTE draus wird. Nak Nak!

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Autor: Mama 2.0

stoffverliebte 2fach-Mama, Berlinerin, iphoneaddict, Musikpädagogin. Liebt buntes Klebeband, geistige Herausforderungen und hat sich den Blick für das Schöne bewahrt. Happiness is not a destination, it is a way of life. Glas ist halbvoll und so, wa?

4 Kommentare zu „Dit is Berlin, wa?“

  1. Schade, dass man im Blog nicht „gefällt-mir“ clicken kann. Vielen Dank! Welch eine Ehre, mit Hrn.Barth verglichen zu werden. Das geht runter wie Öl und das Schreiben macht gleich noch mehr Spaß 🙂 Schön, dass euch mein Blog so gefällt!

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