2. Bokatz

Vom letzten Wochenende gibt es kein 7-Sachen-Foto, denn wir haben von Freitag bis Sonntag mindestens 70 Sachen gemacht. Fotobeweise folgen. Aber erstmal eine kleine Rückblende:
Mittwoch, 07.10.2009
13.30 Uhr:
Ich kurbelte das Fenster runter, genoss die kurze Sommerrückkehr und den warmen Fahrtwind (26°C!) und sang laut die spätere Geburtshymne „MEXICOOO, MEXICOO-HOO, YEAH YEAH“ von den Les Humphries mit dem Autoradio mit.
14 Uhr:
Termin bei der Frauenärztin, auf dem CTG keine (!) Wehen.

Sie untersuchte mich trotzdem, stutzte kurz und fragte dann:

„Haben Sie noch was Wichtiges zu erledigen zu Hause?“
„Äh…nein, warum?“
„Naja, weil ihr Muttermund schon 2cm auf ist.“

„Oh, schön. Hab ich gar nichts von gemerkt. Wie lange dauert’s dann noch?“
„Nicht mehr so lange….“
„Sagen Sie schon – heute, morgen, nächste Woche?“
„Na ich denke, zum Termin nächste Woche sehen wir uns nicht mehr.
Aber bleiben Sie ruhig, es kann auch noch dauern.“

15.10 Uhr:
Also nahm ich – nicht wesentlich schlauer als vor der Untersuchung – meinen 2cm offenem Muttermund, das Untersuchungsheft mit bitteren Wahrheiten (ein + von 14kg), setzte ich mich wieder ins Auto und fuhr zurück nach Hause.
Man, was fremde Leute nerven können!
„Jetzt fahr doch, du Idiot. Grüner wird’s nicht. Rechts ist das Gas!!“
Ob das Fluchen was mit den Rückenschmerzen zu tun haben könnte?
Ich guckte auf die Digitaluhr im Auto. Alle 10min so seltsame Krämpfe, bei denen ich nicht genau sagen konnte, ob es vorne oder hinten weh tat. Naja, ist ja auch schwer, so’n Bauch. Stephan anrufen? Stephan nicht anrufen?

15.20 Uhr:
Oh Gott, anrufen, anrufen!!!

15.22 Uhr:
Ach, halb so wild. Doch nicht anrufen.

15.32 Uhr:
Aaaaaaah, anrufen, anrufen!!!

15.35 Uhr:
Falscher Alarm. Doch nicht anrufen.

Ich ging erstmal Lebensmittel einkaufen und war kurz nach 4 zu Hause. Zwischenzeitlich hatte ich die Stephan-SMS schon mehrmals angefangen zu formulieren um sie wieder zu löschen, wenn der Rücken besser wurde.
Ohne Abschicken, versteht sich.
1,5 Stunden würde er brauchen bis nach Hause. Aber ihn wegen eines Fehlalarms aus dem Unterricht holen? Nein, wie peinlich ist das denn.

17.30 Uhr:
Nachdem ich das Bett frisch bezogen hatte (heißt es nicht „aggressiver Nestbautrieb kurz vor der Geburt“? Habe das nicht als solches registriert) und mich zwischendurch schon immer hinknien und atmen musste (dabei Standleitung nach Berlin: „Vivi, das sind Wehen!“), fing ich an, die Wehen auf kleinen gelben Post-Its zu notieren. Ich legte mich atmend ins Bett und schrieb nun doch eine SMS:
„Schatz, kommst du?“
Keine Antwort. 10 Minuten später, um 6, rief ich an, er versprach, sofort nach Hause zu kommen.

18.30 Uhr:
Ein Anruf. „Schlechte Nachrichten, ich stehe im Stau!“
Auch das noch. Krankenwagen rufen? Nein, wait for it….
Ich studierte meine Post-Its: 19.11 – 19.16 – 19.25 – 19.31 und erinnerte mich dunkel an die weisen Worte der Hebamme aus dem Geburtsvorbereitungskurs: „Wenn die Wehen alle 5 Minuten kommen, sollte man ins Krankenhaus fahren.“

19.40 Uhr:
Ich rief im Kreißsaal der Uniklinik an und schilderte mein Problem. Die diensthabende Hebamme sagte, ich könne ruhig noch auf meinen Mann warten und es könne sein, dass die Wehen wieder nachlassen und wir gar nicht ins Krankenhaus fahren müssen. Sie verabschiedete sich mit:
„Na dann vielleicht bis nachher“. Haha, witzig.
19.45 – 19.51 – 19.58 – 20.02 – 20.08 – ein Schlüssel im Schloss. Hooray!
Ich machte ihm noch eine Fertig-Lasagne und mir zwei Scheiben Toast und dann fuhren wir ins Krankenhaus nach Freiburg, ca. 30km Autobahn. Die Stelle im Auto, an der der Fahrer die Pedale und der Beifahrer nichts hat, erwies sich als großartige Wehengegendruckfläche. Wann sind wir da?!

20.50 Uhr:
Ankunft in der Klinik. Wir liefen zur Anmeldung. Die freundliche Dame am Empfang begrüßte mich mit den Worten:
„Wie kann ich Ihnen helfen?“
(Aha, es gibt also keine dummen Fragen, ja?)
und ich erwiderte: „Ich glaub, ich krieg ein Kind.“
Sie schickte uns mit allen Unterlagen ans andere Ende des Geländes, zum Kreißsaal.

21.01 Uhr:
Warum ich so sicher bin, dass es 1 min nach 9 war? Weil sich die Türen ab 21 Uhr nicht mehr automatisch öffnen und man klingeln muss… Eine Hebammenschülerin drückte von innen auf den Knopf, sah mich an und sagte grinsend: „Hi, cooles Shirt!“
Ich schaute irritiert an mir runter und las: „Sexy, sexy, sexy“ und die Unterschrift von Bruce Darnell. Ein Modegag von C&A. Vielleicht nicht die ideale Krankenhausbekleidung, aber da kriegt man eh was anderes an. Oder?! (Ratet, was ich anhabe auf dem ersten Bild mit Baby? 😉

22.00 Uhr:
Nach dem CTG mit diesmal deutlich sichtbaren Wehen und einem 4cm offenen Muttermund, lief ich noch alleine mit der Tropf-Laufrad-Stange in den Kreißsaal und zog mir die Schuhe aus. Nur die Schuhe.
Dann ging alles ziemlich schnell. Ein letzter Ultraschall, alles okay mit dem Baby.
Ich wurde gefragt, ob die Schmerzen noch auszuhalten seien. Ich Vollidiot sagte „Ja“, weil ich dachte, es würde noch mindestens 12 Stunden dauern. Wollte mir die Drogen für die richtigen Schmerzen aufheben.
Die Hebamme im Vorbereitungskurs hatte versprochen, zwischen den Wehen seien immer Pausen, in denen man sich erholen und Kraft schöpfen könne. Pah! Ich konnte weder Luft holen noch die Augen öffnen, geschweige denn, mich erholen!!!

22.45 Uhr:
„Atmen, atmen! Frau M., Sie müssen A-T-M-E-N!!!“
Mein Kopf dachte: lass mich in Ruhe. Ich will aber nicht atmen!!!
Ich verlangte die PDA-Spritze, die ich schon beim Vorgespräch in der Klinik vor ein paar Wochen bestellt hatte. Dort hatte die Ärztin gesagt: „Das entscheiden wir dann vor Ort.“ Ich hatte geantwortet: „Nein, ich will das. Schreiben Sie es bitte auf, damit die Hebammen bei der Geburt dann schon bescheid wissen.“
Denkste! Die Hebammenschülerin kam mit einer Duftlampe (wirklich wahr!!), keine Spritze weit und breit. Ich rief: „Geben Sie mir alles was Sie haben!“ Die Hebammenschülerin wand sich entschuldigend an mich und stammelte: „Für eine PDA ist es schon zu spät, Ihre Wehen kommen in so kurzen Abständen. Aber ich habe Aroma-Öl für die Duftlampe zur Entspannung mitgebracht“
Wäre ich nicht schmerzbedingt gezwungen gewesen, auf dem Bett liegen zu bleiben, ich wäre ihr an den Hals gesprungen. Hebammen leben gefährlich!

23.30 Uhr:
8cm, die ersten Presswehen. Oha! Ich dachte, man könne mich hinterher in Fetzen aus dem Raum sammeln.
Auf ein mal sollte ich nicht mehr atmen, sondern die Luft anhalten und pressen. Ich wollte aber lieber brüllen und fluchen. Mein „AAAAAAAAAAAAAAUUUUUUUUUUUUUUUU“ war sicher bis an den Ententeich in den Krankenhauspark zu hören. Da sagte die Hebamme doch glatt: „Hören Sie auf zu schreien und sparen Sie Ihre Kraft.“ In einer kurzen Wehenpause soll ich gesagt haben: „Ich mach das NIE wieder!“

Der Countdown lief, Köpfchen zu sehen („Hat Haare?“ „Hat Haare!“), ein bisschen mit der Schulter verkantet. Egal, raus, raus, raus. Wenn’s geht, heute noch. Die Uhr über der Kreißsaaltür im Blick (23:56), hielt ich gefühlte 2 min die Luft an und trat dann kurz mal – auch ohne Schmerzmittel – die Reise zu einem anderen Stern an, um das Schönste von dort abzuholen, was ich je in meinem Leben gesehen habe…



Fiona Francesca



23:59 Uhr:
Flutsch. Hallo, Baby!

Meine ersten postnatalen Worte waren: „Noch am 7.!“, damit die Hebammen und Ärzte, die mit dem Rücken zur Uhr standen, das auch ja mitkriegen und sie nicht fälschlicherweise auf den 8. datieren. Kaum war der Bauchstern geboren, waren die Schmerzen weg. Wirklich. Einfach weg. Als wäre nie was gewesen.

Schwanger? Geburt? Was, wer, ich?!
50cm, 3625g – willkommen, Prinzessin Fiona!

Freitag, 07.10.2011

7 Uhr:
Prinzessin Fiona (89cm, 13.700g) saß im Bett und grinste, als sie mich kommen sah.
Ich sagte: „Nona! Heute ist dein Geburtstag! Alles Gute, mein Schatz!“
Sie sagte: „Geschenke?“

Noch im Schlafanzug gingen wir ins Wohnzimmer, staunten über den kleinen Geburtstagskuchen, der gegen Mitternacht erst vom Papa gebacken worden war, und pusteten die Kerzen aus. Also sie, nicht ich. Sie pustete ein Mal. Noch ein Mal. Kerzen aus. Foto? Nein, ging nicht. Ok, Kerzen wieder an. Nono, pustest du noch mal? Ja. *Puuuuuuust* Und, geklappt, Foto? Nein, der macht nicht. man! „Noch mal an, Nono pustet!“ Ja, Nona, wir machen die Kerzen noch mal an. *Puuuuuuuust* KNIPS. YEAH! Sie packte noch zwei Bücher aus – die geschenketechnische Vorspeise, sozusagen – und dann ging’s in die „Lollomms“ (Bild oben rechts) und hinterher zur Kita. Happy Birthday!

8.30 Uhr:
Kindergarten. Stolz trug sie die rosa Kitty-Armee in den Gruppenraum und wurde gleich mit „Oh, da kommt ja unser Geburtstagskind!“ von der Erzieherin und mit „Oooooh, Nona Kuuuchen!“ von den anderen Kindern begrüßt.

15 Uhr:
Als wir sie am Nachmittag abholten und fragten, ob sie auch ein Geburtstagslied gesungen haben, bejahte sie. Wir fragten, ob sie „Zum Geburtstag viel Glück“ oder „Happy Birthday“ gesungen haben. Da sagte das Nono-Kind: „Nein! Hoch soll leben!“.

Nach Kaffee und Kuchen bei uns zu Hause im engsten Familienkreis, durfte sie Geschenke auspacken. Ein ganzer Wohnzimmertisch voll!
Von Westen über Strumpfhosen bis Regenschirm und Registrierkasse war an Geschenken alles dabei, was sich eine 2-Jährige so wünschen kann: Arztkoffer, Bibi&Tina-Hörspiel, Kittyflasche, Kittykekse, Kittywandbild, Kittylego, Kittybrausebonbons, Kitty-PEZ-Spender, Kittyschal und -mütze, Kittyboxen, Kittytattoo, Schokolade, Malbuch, Bücher, Kuhtasche, Rucksack, Größenmessgiraffe, Spiele, kleiner Hocker (der Renner!), Kuschelhase, selbstgemachte Kuschelkatze („die Anja-Tatze“), Seifenblasen, …
Auch hier noch mal ein ganz liebes („Nona, was sagt man?“) DANKE an die Gratulanten und Geschenkeüberbringer!!!

20.30 Uhr:
Am Abend wollte sie nur ungern ins Bett gehen, ließ sich aber von mir dazu überreden, weil ich ihr versprechen konnte, dass wir am nächsten Tag noch mal Bokatz feiern…

Der nächste Morgen kam leise durch die Rollladenschlitze ins Schlafzimmer, das frisch zweijährige Kind kam auch – nicht ganz so leise -ins Schlafzimmer, nachdem es aber bis sage und schreibe kurz vor 9 geschlafen (oder sich ruhig beschäftigt?) hat.
„Guten Morgen, mein Schatz. Was möchtest du frühstücken?“
„Torte.“
„Torte gibt’s erst heute Nachmittag. Soll Papa für dich Eier zum Frühstück machen?“
„Ja, Eiertorte.“

Nach dem Mittagsschlaf ging’s ab zur eigenen Party. Und die ersten Gäste warteten schon:

Es stimmte einfach alles. Und wenn das Kind glücklich ist, ist auch die Mama glücklich 🙂 Sogar Nachbarstochter Lilly, im Sommer in die Schule gekommen, ließ es sich nicht nehmen, direkt nach der Ankunft aus dem Urlaub zu ihrer kleinen Freundin Nona feiern zu gehen.
Beim Auspacken einer kleinen, bunten Zuckerstange stellte sie übrigens überrascht fest: „Oh, ein Hegenschirm!“

So viele liebe Gäste, dazwischen eine aufgedrehte Geburtstags-Nona, tolles Essen, Wein, Weib(er) und Gesang („Wir sind dreizehn dicke Tanzbären und kommen aus dem Wald….“), mitmachfreudiges Publikum und engagierte Puppenspieler (Video folgt hoffentlich in Kürze) haben den Tag zu einem ganz besonderen Geburtstag gemacht. Vielen, vielen Dank! Man wird schließlich nur 1 x 2 🙂

In diesem Jahr hat sie – im Gegensatz zum 1. Geburtstag – nicht mehr gedacht, das Geschenkpapier sei das eigentliche Geschenk.
Außerdem musste sie nicht über den Boden robben (Krabbelverweigerer, die ganze Familie), um von Autos nach Babybuggy zu kommen, sondern konnte einfach aufstehen und hingehen.
Sie musste als Zeichen der Freude nicht mehr nur sagen: „Ooooh, Mama, brrrrrr gllglglg“, sondern ist in der Lage, „Oooh, danke, Mama! Dis schön! Nono sssick!“ auszusprechen, oder auch: „Nein, lieber dis haben!“ ^^
Sie entschied allein, welchen Kuchen sie essen möchte (nein, keine Eiertorte…) und welche Gäste sie einladen will.
Sie sagt „Alles Duute!“, wenn jemand Geburtstag hat und singt nicht nur „Hoch soll leben“, sondern seit gestern auch „HETZI BÜRZI JU-HUU“. I love you

P.S. Gestern beim Frühstück: auf ihrem Brett lagen Birnenstückchen und ein Wurstbrot. Sie klappte die Stulle auf, entnahm fein säuberlich die Scheibe Bärchenwurst, legte selbige auf die Obststücke und sagte ganz liebevoll:
„Birne heiert. Nono zudeckt.“

P.S.2: Heute morgen bei der Topfsitzung haben wir Kasse gespielt. Sie scannt die Lebensmittel, tippt den Preis ein und gibt sie mir. Das Einzige, was sie noch nicht verstanden hat, ist, dass der bezahlen muss, der die Lebensmittel „kauft“, nicht der, der hinter der Kasse sitzt ^^ Jedenfalls hat sie den Eimer mit den Plastiklebensmitteln hinterher ausgekippt und ich habe sie daraufhin gebeten, alles wieder einzuräumen, weil wir zur Kita fahren wollten.
Da kam eine 89cm große 2-Jährige auf mich zu, legte die Stirn in Falten und sagte allen Ernstes: „Nich aufräumen. Dis dauert!“

Oooh, 5 min und einen heftigen Lachflash später, haben wir zusammen aufgeräumt.
Dis dauerte dann nich so lange ^^

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Autor: Mama 2.0

stoffverliebte 2fach-Mama, Berlinerin, iphoneaddict, Musikpädagogin. Liebt buntes Klebeband, geistige Herausforderungen und hat sich den Blick für das Schöne bewahrt. Happiness is not a destination, it is a way of life. Glas ist halbvoll und so, wa?

2 Kommentare zu „2. Bokatz“

  1. Toller Post! Ich hab bei der Muttermundgeschichte gestaunt, dass du noch so viel machen konntest.Ich hatte solche Schmerzen, dass ich ganz ruhig wurde und die mir noch Sauerstoff geben mussten. Aber das lag daran, dass ich um 00:30 Uhr 1cm Muttermund hatte und 45 Minuten später 9cm…:D PDA hab ich dennoch bekommen, Gott sei Dank.
    Die Bilder von Nono´s Bokatz sind so süß! Ich wünsche aus der Ferne und trotz dass wir uns nicht kennen noch alles Gute nachträglich für deine Kleine!
    LG aus Bonn, Becca 🙂

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