Tanja, Panik & rosa Einhörner

Die Frage, wer Tanja ist, klären wir gleich (oder auch nicht?). Vorher aber erstmal ein Witz, der nicht wirklich witzig ist, dann aber doch wieder so, dass ich über den Tag verteilt immer mal wieder ein Grinsen im Gesicht habe.

Sitzen 2 Kühe im Keller und hacken Heizöl. Kommt ein Schraubenzieher rein, geht an der Wand hoch, läuft an der Decke lang, geht an der anderen Wand wieder runter und verlässt den Raum. Sagt die eine Kuh zur anderen: „Haste dit jesehn?!“
Die andere darauf: „Ja, ja, den kenn ick. Der grüßt nie…“

Ach, schön. Und nun grinst sie schon wieder.
Kann da noch jemand drüber lachen?

Meine Kitastunden von letzter Woche waren verhältnismäßig unspektakulär.
Nur eins hat mich zum Nachdenken gebracht:
ich fragte mit hochgehaltenen Klanghölzern, ob die Kinder wissen, was das ist (Stöcker, Hölzer, Stäbe – alles schon gehört).
Dann sagte ein Kind nicht etwa zögerlich: „Tanja“
Wenn einem nichts pädagogisch Wertvolles einfällt, einfach überhören.
„Keiner? Doooch, das kennt ihr bestimmt. Wer weiß denn, wie die heißen?“
Anderes Kind: „Tanja“
Ich schaue mich hilfesuchend im Kinderkreis um, denn die richtige Antwort steht praktisch schon ungesagt im Raum.
Da ziehen die restlichen Kinder nach und bestätigen „Tanja“ ernst und heftig nickend.
Manche Dinge muss man nicht verstehen. „Tanja“ ist eins davon.

Gruppendynamik ist übrigens ein Arschloch. Manchmal.
Merke: Es muss NIE nur ein Kind auf die Toilette. Das muss eine hochansteckende Blasenkrankheit sein, die innerhalb von Sekunden um sich greift und alles platt macht was noch nicht bis 10 zählen kann. Dagegen sollten sie mal was entwickeln…

Merke 2: vermeide Wörter, die Kinder zu spontanen, lauten, selbstständig ausgeführten Tätigkeiten anregen. Auch „Frosch“ kann im ungünstigsten Fall auf der Liste der No-Gos stehen. Das wirst du merken, spätestens wenn fünfzehn (!) 3-Jährige wild quakend ohne Aufforderung durch den Raum springen, während du – mittlerweile allein – in der Kuschelecke sitzt und eine Geschichte vorliest. Vielleicht haben sie Bullshit-Bingo gespielt, sehr beliebt zu meiner Abizeit. Und der „Frosch“ war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Bingo!

Merke 3: die Wahrscheinlichkeit, dass das freche Kind, was permanent stört, schlägt, beißt, kratzt, haut, dazwischenredet und Lieder sabotiert „Jason“ heißt, liegt bei nahezu 80%.

Kennt ihr das, wenn euch so eine unterbewusste Panik befällt, die euch ständig zwingt, irgendetwas zu tun und euch paranoid umzugucken?
Mich hat sie direkt am Eingang der Mittwochskita begrüßt und ging mit mir Arm in Arm in meinen Unterrichtsraum. Sie tanzte alle Tänze, hockte mir beim Vorlesen auf dem Schoß und hat sich rotzfrech auf den Beifahrersitz meines Autos gedrängt um bis nach Hause mitzufahren. Donnerstag war sie wieder da und auch am Freitag sah ich sie schon von Weitem winkend am Fenster stehen. Die Panik nennt sich „Kita mit Ringelröteln-Befall“, zwingt mich zum permanenten Händewaschen und ist auch sonst kein sehr angenehmer Zeitgenosse. Das Kinderbokatz-Motto „Sammeln Sie Punkte?“ (Post „panzen“) war dann doch nicht SO ernst gemeint.
Apropos Bokatz – morgen hat „d’Opa Bobokatz“  <– wir sind immerhin schon bei der richtigen Silbenanzahl angekommen. Es wird!

Nonos Kita-Erzieherinnen heißen Frau Mautes und Frau Sidlo („Litu“). Die beiden haben vor Kurzem den Tischdienst eingeführt, d.h., jeden Tag stellt ein anderes Kind Teller und Becher für die ganze Gruppe auf den Tisch. Als ich Fiona interviewt habe, wer denn Tischdienst hatte, sagte sie nichts. Bei der konkreteren Frage, wer die Teller hingestellt hat, sagte sie „Mautes!“ und die Becherfrage beantwortete sie mit „Litu“. Das nonocharakteristische Weglassen einer Silbe bzw. hier des gesamten Präfixes „Frau“ kannte ich also schon, was mich dennoch nicht davor bewahrte, laut loszulachen, als Nona eines Morgens ihre Erzieherin mit einem fröhlichen
„Hallo, Mautes!“ begrüßte ^^

Außerdem gibt es im Kindergarten für alle Kinder Tee zum Trinken. Statement dazu:
„Schmeckt dir der Tee?“
„Nein.“

Heute morgen beim Wochenendfrühstück mit viel Zeit gab es Cornflakes für die Prinzessin. Weil nur die reinen Schokoflakes nicht genug „Panz-Potential“ und Manschmöglichkeit bieten, muss natürlich Milch rein.
Ich sagte: „Ich mache dir gleich Milch rein.“
Nona: „Milchreis!!“
Ich: „Nein, Milch reiN. Zu den Cornflakes.“
Nona: „Ja, Milchreis.“

Eine ähnliche Story folgte direkt danach auf dem Weg zu REWE im Auto.
„Wir gehen jetzt einkaufen.“
„Oh ja, faufen. Nono auch faufen. Mama auch. Papa auch.“
„Sag mal: einKaufen, mit k“
„faufen mit k“

Heute nachmittag waren wir auf dem Erntefest an der Marzahner Mühle, weil mein Schülerorchester dort einen Auftritt hatte.
Nona hat schon aus weiter Ferne die bunten, heliumgefüllten Spongebobs, Patricks, Hüühs und Blubbs vorbei schweben sehen und das lautstark mit dem bekannten, blognamensgebenden „Nono auch haben will“ kommentiert. Auf dem Rückweg erfüllten wir ihr selbigen Wunsch (7€, in Worten SIE-BEN!!) und ein rosa Hüüh mit Stange auf dem Kopf zog bei uns ein. Jetzt können wir wahrheitsgemäß singen:
„Da schwebt ein Pferd auf’m Flur….“

Wie auf dem zweiten Bild unschwer zu erkennen ist, ist unsere Ich-bin-nicht-zu-sehen-Taktik nicht etwa der schwarze Balken vor’m Gesicht, das kann ja jeder. Bei uns ist es das rosa Einhorn ^^ Hast du Mama gesehen? Ich auch nicht…
Nachdem mir Fräulein M. heute Abend so heiß vorgekommen ist, habe ich gesagt:
„Wir müssen Fieber messen.“
Ganz verständnisvoll hat sie genickt und wiederholt: „Schieber nässen.“
Das Schieberthermometer sagt übrigens 39,0°C. Nicht gut… Bitte nur ein Zahn!

P.S. Wen nur die Technik am Kommentieren hindert:
Bei „Kommentar schreiben als“ das Vorletzte („Name/Url“) auswählen, Namen angeben und abschicken 🙂

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Autor: Mama 2.0

stoffverliebte 2fach-Mama, Berlinerin, iphoneaddict, Musikpädagogin. Liebt buntes Klebeband, geistige Herausforderungen und hat sich den Blick für das Schöne bewahrt. Happiness is not a destination, it is a way of life. Glas ist halbvoll und so, wa?

3 Kommentare zu „Tanja, Panik & rosa Einhörner“

  1. Ick fand den witz lustig. Kann sich nur kein schwein merken.
    Der begroff tanja hat mich auch ein wenig stutzig gemacht. Mir fällt aber auch keine logik ein. Vielleicht hat ein kind ein baum zu hause den sie oder auch ihr mutter sehr gern hat und deshalb mittels namensgebung diesen vermenschlicht hat. Wer weiß.
    Als pädagogenkind aus ddr zeiten ein kleiner hinweiß: ich leidete früher unter schweren verschiedenen logopädischen problemen. Nacheinander! Und immer wenn meine eltern und großeltern feststellten dass ich den buchstaben oder wort doch tatsächlich aussprechen könnte, reagierten sie auf die wörter erst wenn ich sie wirklich korrekt ausprach. Für mehr infos kannste mich ja nochmal fragen. Siehst ja was bei rausgekommen is. Würde es vestehn wenn du die methode ablehnst 😉
    Bist du in berlin? Ick dachte du wohnst im outback!! Wir müssen uns mal sehen. Also wenn du in berlin bist….

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  2. …ich habe nicht nur einen Koffer in Berlin, sondern seit Längerem auch einen festen Wohnsitz ^^
    Pädagogenkind – wie geht der Spruch? Lehrers Kind und Pastors Vieh gedeihen selten oder nie…? Aber wir können uns die Hand reichen, ich bin auch eins 🙂

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