Lieblingstweets Februar Teil 1

Lieblingstwittercontent aus der ersten Februarhälfte, hier isser:

Wenn die Flügel wachsen…

Vorletzte Nacht schlich ich mich zu den Kindern in (mein) Bett und kuschelte mich an das schlafende Schulkind. Ja, die Mädels schlafen momentan beide im Elternbett, wo Papa freiwillig das Feld geräumt hat und vorübergehend ins Wohnzimmer umgezogen ist. Sie brauchen sich trotz aller Kabbeleien und sie brauchen mich im Moment. Das Gitterbett dient als Buch- und Kuscheltierablage und die Betten im Kinderzimmer sind nur Deko. Aber ich fühle, dass es ihnen so, wie es gerade ist, Halt und Sicherheit gibt, dass sie die Nähe und Geborgenheit des Familienbettes suchen. Und eines Tages wird es, ohne dass wir das vorher ahnen, das letzte Mal gewesen sein. Die Zeit geht viel zu schnell vorbei. Also habe ich mir vorgenommen, meine 20cm Betthälfte zu genießen, so lange die Kinder sie noch mit mir teilen.

Jedenfalls lag ich da so neben meiner schlafenden, großen Tochter und schaute sie an im schwachen Licht der Straßenlaterne, die durch unser Fenster schien. Ihr wunderschönes Profil: ihre perfekten Lippen, ihre langen Wimpern, ihre dunklen Augenbrauen, die Rundung ihrer Nase, ihr wunderschöner Mund, der inzwischen schon so viele schlaue Dinge sagt. Ich lauschte ihrem gleichmäßigen Atem. Und plötzlich liefen mir Tränen die Wangen herunter.

In meinem Kopf spielte sich ein Film ab

Lauter Erinnerungsfetzen von diesem, meinem ersten Kind. Auf ein Mal sah ich sie, wie sie auf der Schaukel saß und lachte, ihr helles, klares Kinderlachen, „Bitte anschaukeln, Mama!“. Wie sie in meinen viel zu großen Absatzschuhen durch die Wohnung lief, in ihrem Hochstuhl sitzend „Kling Glöckchen“ sang, wie sie ihre allerersten Lieder auf der Melodica spielen lernte und wie wir zusammen über die Hängebrücke auf dem Spielplatz kletterten. Ich sah sie an und mir wurde in diesem Moment in der Nacht bewusst, dass dieser kleine Mensch nicht mehr da ist. Sie ist jetzt jemand anderes. Wie Berlinmittemom es letztens so treffend beschrieben hat: sie ist eine andere Version von sich selbst. Ich liebe sie mit jedem Tag noch ein bisschen mehr und ich könnte nicht stolzer auf meine große, selbstbewusste Tochter sein. Aber die kleine Fiona, diese, die ich auf meinen Schultern durch den Tierpark getragen und beim Fahrradfahrenlernen festgehalten habe, die ist nicht mehr da. Die Babyzeit, IHRE Babyzeit, mit ihrem einzigartigen Geruch, mit winzigen Füßen, kleinen Händchenabdrücken in Salzteig und mit ersten Schritten an meiner Hand – die ist unwiederbringlich vorüber. Mit jedem Milchzahn, den sie verliert, wird sie ein Stück erwachsener und selbstständiger. Schöner und klüger. Lustiger und mutiger. Umso mehr genieße ich die kleinen, seltenen Momente, in denen sie zeigt, dass sie zwar eine tolle große Schwester, aber eigentlich doch selber manchmal noch klein und kuschelbedürftig ist und meine Nähe sucht.

An meiner Hand läuft noch ein anderes kleines Mädchen, eines, das fast täglich Neues lernt und gerade mittendrin in der Entwicklung ihrer eigenen kleinen Persönlichkeit ist. Mamasein zum zweiten Mal erleben – das fühlt sich ganz anders an. Ich liebe meine Kinder nicht gleich. Ich liebe sie beide bis ans Ende der Welt, aber auf ganz unterschiedliche Arten. Die beiden könnten nicht verschiedener sein! Man erlebt die Meilensteine des ersten Kindes mit dem zweiten nicht einfach noch mal, man erlebt sie mit jedem Kind anders. Dem kleinen wachsen gerade Wurzeln, dem Schulkind jeden Tag etwas größere Flügel…

In dieser Nacht streichelte ich gedankenverloren ihre Handfläche, als sie, immer noch schlafend, ihre Finger um meine legte. As long as I’m living, my baby you’ll be… ❤

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Lieblingstweets Januar Teil 2

Lust auf Gute Laune? Hier sind für euch die Twitterlieblinge der letzten Januarwochen, besser spät als nie!

 

Zimmer im Kopf

Fiona ist 7 Jahre alt und geht in die 2. Klasse.

Sie war schon seit frühester Kindheit ein sehr wissbegieriges Kind, wollte immer schon die Welt erklärt bekommen, interessierte sich für alles um sie herum, machte gerne kleine Experimente und entwickelte sich in den letzten Jahren zum absoluten Spezialisten auf dem Gebiet ihrer Lieblingstiere: Quallen. (Ja, so habe ich anfangs auch geguckt, als sich mir die anmutige Schönheit dieser Spezies noch nicht so recht erschließen wollte, haha). Sie wurde mit 5 eingeschult, vier Wochen bevor sie 6 geworden ist. Wir hätten sie zurückstellen lassen können, haben uns aber bewusst für das frühe Einschulen entschieden. Es war einfach zu merken, besonders deutlich in den letzten Monaten vor Schulbeginn, dass sie bereit war. Dass sie das zusätzliche Jahr Kita sehr wahrscheinlich nicht als „noch ein Jahr unbeschwert Kind bleiben“ empfunden hätte.

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Sie schrieb unermüdlich Buchstaben und Zahlen, wollte lernen wie man rechnet und fing im Sommerurlaub plötzlich an zu lesen. Nachdem sie zu Ostern ihre Schulmappe bekommen hatte, musste ich regelmäßig mit ihr Schule spielen. Dann kam sie mit Ranzen auf dem Rücken ins Wohnzimmer stolziert, machte sich über meine ausgedruckten Arbeitsblätter her, schrieb und malte, was das Zeug hielt, und wartete auf die „Pausenklingel“ meines Handys, damit sie endlich ihre Brotbüchse plündern konnte. Ich würde hier gar nicht pauschal sagen, Einschulung mit 5 ist gut oder Einschulung mit 5 ist schlecht. Eltern kennen ihre Kinder am besten und können demzufolge auch am besten einschätzen, ob ihr Kind sich im zusätzlichen Kitajahr langweilt oder ob es das unbeschwerte Spielen noch länger genießen möchte. Wie bei so vielen Entscheidungen gilt auch hier, oder hier ganz besonders: hört auf euer Bauchgefühl.

Sie hatte einen durchweg guten Start in der ersten Klasse: eine engagierte und vor allem liebevolle Lehrerin (bei der ich selbst vor 20 Jahren schon Unterricht hatte), tolle Klassenkameraden, viele Freunde und Spaß am Lernen („Schon eine Woche Schule und wir haben noch keine Hausaufgaben aufbekommen! Das finde ich nicht in Ordnung!“). Sie kam mit den Unterrichtsinhalten gut mit und zeigte mir täglich stolz ihre Hefte. Nur das frühe Aufstehen war ihr nach der ersten Schulwoche schon über…

Eine Träumerin?

Im Entwicklungsgespräch zu Beginn des zweiten Schuljahres erwähnte die Klassenleiterin, dass Fiona mit dem Stoff zwar super mitkäme, aber manchmal noch sehr verträumt und langsam sei (eine „Folge“ des frühen Einschulens? Möglich. Wir würden es dennoch wieder so machen). Zum Beispiel montags, wo sie regelmäßig nach dem Sportunterricht zu spät zur nächsten Unterrichtsstunde kommt, weil das Umziehen eben etwas länger dauert. Oder der Deutschtest: schreibt die schwersten Wörter fehlerfrei, kann eigentlich alles perfekt und liest dann die Aufgabenstellung nicht richtig bei „Benutze unbestimmte Artikel: ein, eine“ und setzt stattdessen „der die das“ ein. Oder Mathe: sie rechnet 10 Aufgaben des gleichen Typs ohne Fehler und bei der 11. schreibt sie plötzlich die Zahlen falschrum, also 63 für sechsunddreißig (was für ein blödes System auch, dass die Deutschen ihre Zahlen von hinten nach vorne sprechen. Ist euch das mal aufgefallen? Spanien, Frankreich, England, etc. sagen z.B. thirtysix, also „richtig rum“, hmpf!). Wenn ich sie frage, was bei dieser Aufgabe anders war, sagt sie manchmal Sachen wie:

„Weißt du, Mama, mein Kopf hat plötzlich mitten im Test an die gepunktete Wurzelmundqualle gedacht und ich habe mich gefragt, ob es die vielleicht auch in der Nordsee gibt…“.

Kreativität – ein neues Schulfach?

Ziemlich bald wurde mir klar: Fiona ist nur bedingt für dieses Schulsystem geeignet. Ich gehöre gewiss nicht zu den Übereltern, die meinen, kleine Mozarts oder Einsteins geboren zu haben und auf die Diagnose „Hochbegabung“ spekulieren. Ich bin selber Pädagogin. Aber ein Kind, das sich in andere Welten träumt, dabei vor sich hin philosophiert und über wichtige Fragen des Lebens sinniert, „kollidiert“ zwangsläufig irgendwann mit dem Lehrplan, der für die aktuelle Stunde eben nicht Meeresforschung, sondern Rechnen vorgesehen hat. Grundsätzlich ist daran ja gar nichts Falsches, irgendein System muss es ja geben und Lehrer können nicht jede Stunde darauf eingehen, was die jüngeren Schüler gerade beschäftigt. Aber ich finde, Kreativität sollte ein eigenes Schulfach sein! „Creativity is intelligence having fun“ – Ideen sammeln, sie weiterentwickeln, ausprobieren, experimentieren, Materialien kennenlernen, forschen. Nicht nur nach „Schema F“ abarbeiten, sondern selber denken, umdenken, neu denken. Das sind doch die gefragten Kompetenzen auf dem Arbeitsmarkt. Warum wird das dann nicht gelehrt?

Ja, als „Kreativfächer“ gibt es Musik und Kunst. Aber mal ehrlich: was wird denn gemeinhin mehr belächelt, als diese „Sekundärfächer“? Wie oft schon habe ich gehört, dass Musik gar von Fachfremden unterrichtet wird, die keine einzige Note kennen? „Ist ja nur Grundschule, ein bisschen singen kann doch jeder“. What?!

Fiona macht selber Musik seit sie 4 ist und spielt ganz allein (!) eine zweite oder dritte Stimme, also eine rhythmisch und melodisch komplett andere Melodie als die anderen Spieler. Was attestiert ihr die Musiklehrerin der Schule auf dem Zeugnis? Bei „Rhythmusgefühl“ 3 von 4 Punkten, haha. Als ich Fiona darauf ansprach, meinte die nur trocken:

„Ach weißt du, Mama, Musik ist total langweilig. Frau XY macht jede Stunde irgendein Lied an und wir sollen einfach mitsingen. Wir machen nie was mit richtigen Instrumenten oder so. Das macht mir keinen Spaß, deswegen mache ich da auch nicht so richtig mit.“

In Kunst sollten sie den Struwwelpeter malen, mit langen Haaren, riesigen Fingernägeln, usw. Fionas sah zum Fürchten aus und hatte schwarze Striche auf der Haut („weil er doch so dreckig ist!“). Die Lehrerin hatte aber gefordert, kein Schwarz zu benutzen und war deshalb mit Fionas Bild nicht zufrieden. Vielleicht findet ihr das kleinkariert, aber wie soll sich Kreativität entwickeln, wenn nicht durch die (freie!) Umsetzung der eigenen Vorstellungen zum vorgegebenen Thema? Wer sagt denn, dass der Struwwelpeter nicht Dreck auf der Haut hatte, weil er sich nie gewaschen hat? Ich habe sie für ihr Bild gelobt und auch hervorgehoben, wie gut ich ihre Idee finde mit den schwarzen Dreckstrichen. Ganz egal, was die Lehrerin davon hält.

Wenn man Kinder lässt, entwickeln sie oft ganz ohne Hilfe die erstaunlichsten Ideen, von denen wir Erwachsenen uns noch eine Scheibe abschneiden könnten. Letztes Frühjahr bastelte ich z.B. eine Karte zur Hochzeit und schnitt aus (teurem) selbstklebendem Glitzermoosgummi die Form eines Hochzeitskleides aus. Freihand. Die Taillie ist viel zu schmal geworden und das Moosgummikleid sah aus, als könnte es Barbie passen, landete also im Müll. Als Fiona ins Arbeitszimmer kam und das gute verschnittene Glitzerzeug im Papierkorb sah, fragte sie, ob sie das haben könne. Als sie kurze Zeit darauf mit ihrem Bild fertig war, kam ich aus dem Staunen nicht heraus: aus dem zu knappen Brautkleid war kurzerhand verkehrtherum ein Meerjungfrauenschwanz geworden! Erstaunliche Idee, oder? Ganz große Liebe!

 

Aber auch wenn ich sie für das kreativste Kind der Welt halte, stellte sich mir die Frage: wie kriegen wir es trotzdem hin, dass sie konzentriert bei der Sache ist, aber dennoch ihre Kreativität nicht vom starren Schulsystem abtrainiert bekommt?

Die Lösung ist so einfach wie genial

Zimmer im Kopf!

Wie bitte?! Ja, ihr habt richtig gelesen. Fiona selber hatte ein paar Wochen vor Weihnachten die Idee, als ich vorsichtig mit ihr über das „Problem“ gesprochen habe.

„Mama, wie wär’s denn, wenn ich mir für jedes Unterrichtsfach ein eigenes Zimmer in meinem Kopf einrichte? In meiner Fantasie? In dem Zimmer sieht dann alles so aus, wie ich es mir vorstelle, also bei Mathe sind da ganz viele Zahlen und Lineale und Plus und Minus. Und bei Deutsch sind alle Buchstaben drin! In Kunst stelle ich mir Stifte, Pinsel, Tuschkasten und Blätter vor und die Wände sind ganz bunt in Regenbogenfarben. Und in jedem Zimmer steht natürlich ein Schreibtisch! Und die Pokémons und Quallen und so sind in einem Extrazimmer, in das kann ich dann am Nachmittag reingehen, wenn die Schule vorbei ist. Ein Anziehzimmer richte ich mir auch noch ein, dann klappt das nach dem Sport bestimmt auch schneller!“

Ja, und was soll ich sagen: es funktioniert!

Ab und zu sprechen wir über die Zimmer: ich frage konkret nach, ob sie mir erzählen will, wie es in den einzelnen Zimmern aussieht, in welchen Zimmern sie tagsüber so war, ob es auch in einem vielleicht ganz unordentlich ist und wir mal aufräumen müssen (haha) und so erzählt sie auch von sich aus mehr als nur das obligatorische: „gut“ auf die Frage, wie es heute in der Schule war.

Ich habe tatsächlich das Gefühl, dass sie sich durch die „Zimmer“ besser fokussieren kann, ihre Energien besser bündelt und die Bewertungen der letzten Wochen ihren Fähigkeiten entsprechen und sich nicht mehr so viele kleine Flüchtigkeits- oder Konzentrationsfehler einschleichen. Wenn sie merkt, dass ihre Gedanken sich „selbstständig“ machen, kann sie mental in das Zimmer gehen, das ihr hilft, bei der Sache zu bleiben. Und wenn irgendetwas kreativ ist, dann doch genau DIESE Idee, oder?

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Bildquellenangabe: Eileen Naumann/ pixelio.de

Kennt ihr solche oder ähnliche Situationen bzw. Probleme von euren Schulkindern auch?

Lieblingstweets Januar Teil 1

Lasst mich durch, ich habe die Twitterlieblinge im Gepäck! Viel Spaß!

Und mein absolutes Highlight, das ich vor einigen Tagen unmittelbar vor dem Schlafengehen geguckt habe und es mich daraufhin vor Lachen so durchgeschüttelt hat, dass ich Angst hatte, die Kinder damit aufzuwecken:

#12von12 im Januar

Begleitet uns gerne auf unseren Donnerstag, den Monatszwölften.
Hier ist er:

Mehr #12von12 gibt es wie immer bei Draußen nur Kännchen

Lieblingstweets Teil 2 [Silvester Edition]

…und hier kommt der zweite Teil aus dem Dezember:

 

Teil 1 findet ihr hier.