Reisetagebuch Chalkidiki

Wie ihr wisst, waren wir Anfang August in Griechenland, genauer gesagt auf der wunderschönen Halbinsel Chalkidiki, das ist die mit den „3 Fingern“, rechts von Athen & Co. (mein Erdkundelehrer möge mir verzeihen!). Wir sind nach Thessaloniki geflogen und von dort aus noch etwa 45min mit dem Bus gefahren bis nach Néa Potidea, das liegt genau an der schmalsten Stelle, wo der „erste Finger“ beginnt. Unser Hotel war das „Portes Beach“, Portes und die Gegend Portea übrigens vom Wort Tür/Tor abgeleitet, also das Tor zur „Kassandra“, so heißt er nämlich, der erste Finger. (Ganz in der Nähe, in Psakoudia, war zur gleichen Zeit zufällig der Familienbetrieb unterwegs. Wer deren Urlaubstagebuch verpasst hat, sollte das dringend nachholen😉 )

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Schon als wir durch die große Hotelhalle nach draußen in den Garten getreten sind, war klar: wir haben wieder ein kleines Paradies gefunden. So unscheinbar das Hotel von außen aussieht, so traumhaft ist es hinter den Türen! Den Hotelslogan „where green meets blue“ hätte man nicht besser wählen können. Palmen, Blumen, Bäume, Torbögen, Bänke, WLAN-Repeater, kleine Häuser und kein 10-etagiger Klotz in der Landschaft. Perfekt! Wir sind sehr früh geflogen und waren so schon mittags dort. Nach Beziehen der Zimmer konnten wir also direkt in Richtung Pool/Strand gehen, wo in der Taverna schon das Mittagsbuffet wartete. Auf dem Weg dorthin lief ich nur mit Handy vor der Nase und musste ständig abdrücken, es war einfach alles so schön!

Und dann der erste Blick auf’s Meer, der ist für mich immer etwas ganz besonderes. Hier ist er, vor Freude über das Gesehene sogar mit schiefem Horizont, das ist sonst nicht meine Art, haha:

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Das Meer war badewannenwarm, aber der Einstieg steinig. Nicht zuletzt deshalb bestand eine der ersten Urlaubsaktionen darin, den kleinen Hotelshop zu plündern, in dem wir in diesen 10 Tagen zu Stammgästen geworden sind (Tag 1: Badeschuhe, aufblasbare Schwimmtiere. Tag 2: Flasche Wein. Tag 3: Klebetattoos. Tag 4: Klebetattoos, Alleskleber für sich auflösende Schuhsohle. Tag 5: Buch, Briefmarken. Tag 6: Kinder-Sonnencreme mit Goldstaub (?) für sagenhafte 20€, Tag 7: Gewürzmischung, Schokolade, Duschbad, …..) Während das große Kind nach dem Frühstück seine Runden im Pool gedreht und die Taucherbrille zum wichtigsten Urlaubsutensil erkoren hat, saßen wir unter den großen Pinien im Schatten, mit Wellenrauschen in den Ohren, Meerwind um die Nase, Kaffee in der Hand und Blick auf Pool und Strand.

 

Für Tag 3 hatten wir einen Schiffsausflug gebucht und wurden in aller Frühe nach einem 15-minütigem Speedfrühstück von einem kleinen Bus abgeholt und nach Pefkochori gebracht (wer oben gucken möchte: erster Finger ziemlich weit unten). Frühstück gab es übrigens nur von 7.30 Uhr bis 9.30 Uhr, das fand ich relativ knapp bemessen. Aber was schrieb @krispels neulich dazu auf Twitter?

 

Auf der großen Agios Nikolaos ging es hinüber zum 2. Finger namens Sithonia zu einem der schönsten Strände, die ich je gesehen habe: Toroni. Schon der Name klingt ja nach Erholung. Türkisblaues Wasser, heller Sand, strahlender Sonnenschein und anderthalb Stunden Zeit bis zum Mittagessen auf dem Schiff. Und los!

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Nach dem Essen fuhr die Agios Nikolaos ein Stück an der Küste entlang bis nach Néas Marmaras ( Mitte 2. Finger) für einen kurzen Stadtbummelstopp. Ich schaffte es, in dieser einen Stunde sagenhafte 2 Oberteile, Postkarten und ein paar Schuhe zu shoppen, haha. Aber meine Lieblingsschuhmarke ipanemas in Verbindung mit einem 20%-off-Schild: daran kann ich nicht vorbeigehen! Nach einem kurzen Frappé (Eiskaffee) am Hafen ging es dann schon wieder auf’s Schiff, das mit uns zur „Schildkröteninsel“ fuhr, einer unbewohnten, felsigen Insel mitten im Meer, die von Weitem wie eine Schildkröte aussieht. Es ertönte eine Durchsage, dass das Schiff zum Badestopp halten würde und man von einem Brett direkt ins (tiefe) Wasser springen könne. Und nun ratet, wer ganz vorne in der Schlange stand und sich aus 4m Höhe furchtlos mit Schwimmring vom Piratenschiff gestürzt hat? Richtig, mein großes Kind – und ich notgedrungen hinterher mit zugehaltener Nase. Wenn man sie heute fragt, das schönste Erlebnis dieser Reise!

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An zwei weiteren Tagen fuhren wir mit dem Hotelbus vormittags direkt nach Néa Moudania und Néa Potidea. Erstere ist die größere Stadt von beiden. Bis auf ein paar kleinere Läden, einen Springbrunnen und Cafés gab es allerdings nichts. Touristisch noch so gar nicht erschlossen. Also verbrachten wir nach kleinem Souvenirbummel und ipanemas für die Mädels die Zeit bis zur Abholung bei einem Eiskaffee am Hafen.

In die kleinere der beiden Städte ging es am nächsten Morgen, eigentlich eher aus der Not heraus, weil wir keine Windeln mehr hatten und der Hotelshop nur NewBorns führte. Wenn in Néa Moudania nichts los war, dann war in Néa Potidea gar nichts los. Ein klitzekleiner urgriechischer Ort, der um halb 10 noch schlief. Einzige Attraktion war die große, dom-artige Kirche, die allerdings gerade geputzt wurde. Well… Das untouristischste Dorf, das man sich vorstellen kann. Shops fanden wir beim besten Willen keine und so gingen wir in Richtung Wasser. Immerhin für Fotos war es toll und für die kleine Bar, in der wir als einzige Gäste direkt über dem Wasser sitzen konnten, hat sich der Ausflug doch noch gelohnt! In Anbetracht des einzigen Kiosks mit sonnengebleichten Postkarten aus einem anderen Jahrhundert entschied sich Fiona dafür, Souvenirs nicht zu kaufen, sondern zu sammeln: Blumen. 3,5 Stunden später und um etliche Blüten reicher, mussten wir zurück im Hotel ein Buch zweckentfremden, um die ganzen schönen „Souvenirs“ zu trocknen. Den Supermarkt für unsere Windeln haben wir dann übrigens doch noch gefunden. Und die wagenradgroßen griechischen Melonen hatte er auch.

 

Nach dem Abendessen warteten die Kinder schon vor der Bühne auf das abendliche Pflichtprogramm: die Mini-Disco! In meinem Beruf mache ich musikalisch oft Ähnliches wie die Animateure, deswegen ist es für mich immer doppelt spannend. Oliver aus London hat mit so viel Körpereinsatz vorgetanzt, dass es eine wahre Freude war, ihm und den Kindern dabei zuzusehen. Kinder merken, ob jemand das macht, weil er es muss, oder ob er wirklich Spaß dabei hat. Felicia war mit ihren anderthalb Jahren mit Abstand die Jüngste, hat aber so wild getanzt, dass sie regelmäßig dabei das Gleichgewicht verloren hat, so süß!

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Der Sonnenuntergang war direkt über dem Wasser und zeitlich so getimed, dass er vorbei war, wenn die Mini-Disco angefangen hat. Perfekt! Ach, Griechenland, ich vermisse dich… Schön war’s, Chalkidiki!

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Und wo wart ihr diesen Sommer?

5 Tipps für Urlaub mit Kleinkind

Sie schlafen schlecht, sie sprechen nur rudimentär, sie rauben einem den letzten Nerv, sie wollen am Liebsten alles ALLEINE machen und wir lieben sie trotzdem abgöttisch: Toddler. Das Wort „Kleinkind“ trifft es nicht so richtig, das klingt so harmlos. Das englische „Toddler“ beschreibt zumindest lautmalerisch den Zustand zwischen anderthalb und 3 für mich irgendwie treffender. Urlaub mit Baby ist vergleichsweise easy: trinkt Mama/Flasche, kackt und schläft und ist glücklich da, wo Mama und Papa sind. Ob das in den heimischen 4 Wänden oder in der Karibik ist, ist zweitrangig. Urlaub mit Kind ab 3 ist auch relativ entspannt: es spricht, es schläft, es buddelt, es badet und es darf in den Mini-Club, haha. Die Zeit dazwischen allerdings ist eine Herausforderung für urlaubende Familien, wenn sie sich neben Toddler-Bespaßung vorgenommen hatten, ein Buch zu lesen oder auch nur einen Kaffee zu trinken, oder, wenn sie mehrere Stunden in einem engen Flugzeug verbringen müssen und das Kleinkind bis 2 Jahre noch keinen Anspruch auf einen eigenen Sitzplatz hat, argh…

 

Deswegen kommen hier unsere 5 praxiserprobten und flugzeugtauglichen Tipps für einen entspannten Urlaub mit (oder trotz?) Kleinkind:

 

  1. Essen/Fingerfood

Ich weiß nicht, wie es bei euch ist, aber für meine Kinder ist die Snackbox immer der wichtigste Bestandteil eines Ausflugs und dabei ist es egal, ob es in den Tierpark um die Ecke geht oder auf einen anderen Kontinent. Kaum sind wir 5min unterwegs (manchmal noch vor dem Anschnallen!), heißt es: „darf ich jetzt die Brotbüchse aufmachen?“ Inzwischen ist schwesterliches Teilen nicht mehr so cool, weswegen jeder eine eigene Box bekommt. Sehr gute Erfahrungen habe ich mit den Bento-Boxen gemacht. Sind nicht ganz billig, aber die vielen kleinen Fächer machen aus dem Snacken ein großes Vergnügen. Wenn sie nicht mit uns in den Urlaub fahren, beherbergen diese Büchsen übrigens Fionas Frühstück in der Schulzeit.

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2. Motorikspielzeug [DIY]

Kleine Finger mögen kaum etwas lieber als Dinge irgendwo reinzustecken und sie wieder rauszufummeln. Kennt ihr oder? In einem Video bei Mamiblock habe ich diese Idee gesehen und sie kurzerhand ausprobiert. Ein voller Erfolg! Einen Tag vor Abflug saßen dann beide (!) Kinder auf dem Fußboden in meinem Arbeitszimmer und haben ausdauernd kleine Pfeifenreinigerstücke in die Mini-Löcher der leeren Oregano-Dose gesteckt. Auch im Hotelrestaurant, wenn die Kinder schon fertig waren, als die Erwachsenen gerade erst mit vollem Teller vom Buffet zurückkamen, verloren die Do-it-yourself-Steckspielzeuge nicht ihren Reiz. Einzige „Gefahr“: die volle Flasche mit den Pompoms (ohne Deckel, versteht sich) weckte immer einen unglaublichen Schüttelreflex bei unserem Toddler und so kam es, dass die Pompoms fliegenderweise schon Bekanntschaft mit vollen Bechern und sogar dem Schoß eines Busfahrers gemacht haben, erste Reihe sei Dank, hahaha.

3. Malbox [DIY]

Wer schon ein Mal mit Kindern im Flugzeug gemalt hat, wird wissen, dass es Schöneres gibt, als die dort runtergefallenen Stifte aufzusammeln. Man stößt sich den Kopf am Tischchen, der Rucksack steht im Weg, die Armlehne muss hoch und der Bauch wird so gequetscht, dass das überteuerte Sandwich aus dem Boardbistro beinahe den Rückweg antritt. Mit der Malbox für unterwegs kann zwar auch mal ein Stift runterfallen, die Gefahr ist aber weitaus geringer. Es ist so simpel: man benötigt nur eine ausrangierte Brotbüchse, Heißkleber, Stifte und einen kleinen Notizblock. Der Block wird mit dem Heißkleber auf die eine Seite der Büchse geklebt und die Stifte in der etwas zurechtgeschnittenen Hülle auf die andere Seite. Zumachen, fertig. Diese Idee stammt ebenfalls von Mamiblock und wurde von beiden Kindern getestet und sowohl für Flugzeug als auch Auto für gut befunden!

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4. Stickerhefte

Auf der Suche nach Kleinkram für Punkt 5 fand ich einen Grabbelstand mit Pixi-Heften, darunter auch sog. Sticker-Pixis: Gold wert! Auf ein Minimum reduzierter Text, bunte Seiten zum Bekleben und in der Mitte eine Doppelseite mit wiederablösbaren Stickern, 99 Cent eins. Das kleine Kind benutzte seine Malkiste nicht nur zum Malen, sondern auch zum Einkleben der Sticker in den Block. Die wurden dann wieder abgemacht und zurück ins Heft, auf die Haut (steht total auf Klebetattoos!) oder auf Mamas Sonnenbrille geklebt. Immer und immer wieder, bis sie so sandig waren, dass sie nicht mehr hielten. Eine tolle Alleine-Beschäftigung! Inzwischen habe ich den Pixi-Stand aufgekauft und in meinem Reservefach für Ausflüge warten nun neben „Am Strand“ und „Im Zoo“ auch noch „Fahrzeuge“, „Fluss und See“, „Zu Hause“ und „Auf dem Bahnhof“ auf ihren Einsatz😉

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5. Überraschungssäckchen

Einen Tag vor dem Urlaub, bzw. nur knapp 12 Stunden vor dem Aufbruch, überkam mich plötzlich die Lust, noch schnell ein Überraschungssäckchen für die Reise zu nähen und mit ein paar Kleinigkeiten zu füllen, weil ich weiß, wie sehr speziell das große Kind Überraschungen liebt. Blickdicht stand er dann zwischen den anderen Handgepäckssachen auf meinem Schreibtisch und Fiona schlich den halben Abend drum rum, fühlte und knisterte und konnte den nächsten Tag nun erst recht kaum erwarten. Im Flugzeug sitzend wurde sofort geplündert und die Freude über fluffige Knete, ein kleines Lego-Set, Überraschungsei und Sticker war riesengroß. Und an einem Strandtag hatte sie die Idee, mit der Knete Tiere zu formen und sie in ihrem normalen Lebensraum zu fotografieren. Das hat Spaß gemacht!

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Und was kennt ihr noch für Tipps für einen entspannten Urlaub mit Kindern?

Schreibt sie mir gern in die Kommentare, ich bin gespannt! Der nächste Urlaub kommt bestimmt:)

Lieblingstweets August Teil 1

Während wir im Urlaub waren, habe ich keine Mühen gescheut*, um euch auch Mitte August wieder Lieblingstweets präsentieren zu können! Hier sind sie!

*im schmalen Gang zwischen Klo und Restaurant das letzte Fünkchen griechisches Internet aus dem hoteleigenen, eher launischen WLAN gezogen

#12von12 im August: Holidayedition

Es war ein paar Tage ruhig auf dem Blog, das hatte den schönsten Grund, den es dafür geben kann: URLAUB! Wer uns auf Instagram folgt, wurde in den vergangenen 10 Tagen mit Strand-, Sonnenuntergangs- und Meerbildern im wahrsten Sinne des Wortes „überschwemmt“ und konnte ein bisschen am wunderschönen Griechenlandflair teilhaben. Der Monatszwölfte fiel genau mit unserem Abreisetag zusammen, an dem wir erst am Abend aus dem Hotel abgeholt wurden und kurz vor Mitternacht in Berlin landeten. Hier kommt also – bedingt durch Kofferauspack-Wäsche-Chaos- mit etwas Verspätung unsere Urlaubsversion der #12von12.

Mehr gibt es wie immer bei Draußen nur Kännchen! Viel Spaß!

Koffer-Chaos #2von12 #12von12 #holidayedition #kofferpacken #fürmehrrealitätaufinstagram #greece

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Aqua-Zumba 💪💃#4von12 #12von12 #holidayedition #greece #zumba #pool #fun

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#nofilterneeded #byebyegreece #10von12 #12von12 #sundown #beach #skyporn #beautiful

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Lieblingstweets Juli Teil 2

Pünktlich zum Beginn des neuen Monats steht der 2. Teil der Juli-Lieblinge in den Startlöchern! Diesmal mit demonstrierenden Freilandhühnern, Kleinkindabteil-Poker, wilden Pokemons und dem Geheimnis einer guten Mutter. Viel Spaß!

Was hast du nur mein Schatz? #2

Rückblick:

Vor etwa 1 Monat habe ich auf dem Blog über die Ärzte-Odyssee mit meiner großen Tochter (6) geschrieben, die seit einigen Monaten unkontrolliert zittert. Von der (Ex-)Kinderärztin nicht ernst genommen und als hysterische Mutter hingestellt, musste ich Einiges auf mich nehmen, um überhaupt weitere Diagnostik zu bekommen. Die telefonische Ferndiagnose „Ach, ist ein Tic. Bleiben Sie mal ruhig und warten Sie ab“ wollte ich ohne weitere Untersuchungen nicht einfach so hinnehmen. Und als ich dann über Umwege tatsächlich eine Überweisung und einen zeitnahen Termin zur MRT („Röhre“) bekommen hatte, wurden wir am  Tag de Untersuchung kurz vorher telefonisch darüber informiert, dass eine Spule am Gerät kaputt sei und der Termin um etwas mehr als 2 Wochen verschoben werden müsse.

Das war der Punkt, an dem ich nervlich nicht mehr konnte. Die Mama, die immer stark ist, die zur Löwin wird, wenn es um ihre Kinder geht und die der Fels in der Brandung ist, war fix und fertig, besorgt, ängstlich und hilflos!

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Wer den ursprünglichen Artikel noch mal nachlesen möchte: hier ist er.

Ich hatte ihn geschrieben, um es mir wortwörtlich von der Seele zu tippen, ohne den Gedanken an eine tatsächliche Veröffentlichung. Wollte ich denn, dass die ganze Welt mitlesen kann, wie es meiner Tochter und mir geht? Wollte ich diese intimen Gedanken und Gefühle öffentlich teilen? Und vor allem – wollte ich auf die eventuellen Nachfragen reagieren müssen, wenn irgendwann eine Diagnose gestellt werden sollte?

Ohne weiter zu überlegen, clickte ich auf „veröffentlichen“ und wurde in den darauffolgenden Stunden und Tagen regelrecht überrollt mit der unglaublichen Resonanz! Der Beitrag wurde in den sozialen Netzwerken unzählige Male geteilt und kommentiert, es erreichten mich so viele liebe und aufmunternde Kommentare und Nachrichten, Emails und Hilfsangebote. An dieser Stelle noch mal ein ganz herzliches DANKESCHÖN dafür! Zu wissen, dass ihr hinter uns steht, dass ihr an meiner Stelle genauso gehandelt hättet und dass ihr verfolgen möchtet, wie es weiter geht, macht meine Tochter zwar nicht gesund, baut mich aber ungemein auf und gibt mir die Kraft, dran zu bleiben und weiter zu kämpfen!

So, und nun stellt euch vor, was daraufhin auf Twitter geschah:

 

Als ich sagte, dass das sehr lieb sei, wir aber in 2 Wochen schon einen neuen Termin hätten, meinte @mama_natur, die ich bis dahin übrigens nicht kannte, es könne sein, dass wir bei ihrer Freundin schon in wenigen Tagen zum MRT kommen dürfen. Da ich weiß, wie schwierig man an so einen Termin kommt, ließ ich sie nachfragen, rechnete aber nicht mit einer kurzfristigen Zusage. Und dann geschah das Unglaubliche:

 

4 Tage später saß ich mit Fiona malend im Wartezimmer der Röntgenpraxis, die sich auch noch ganz in der Nähe unseres Zuhauses befand. Wir wurden zu 18.45 Uhr in die Praxis bestellt, die um 19 Uhr schließt. Sie seien alle 20 Minuten durchterminiert, sagte @mama_naturs Freundin am Telefon. Wenn alle Patienten kämen, könne es sein, dass wir erst 19 Uhr dran seien. So war es dann auch. Fiona durfte ein Hörspiel mitbringen, ich konnte die ganze Zeit dabei sein, stand am Ende der Röhre und durfte ihre Beine streicheln, über einen kleinen Spiegel an ihrem „Helm“ hielten wir die ganze Zeit Blickkontakt und sogar Hasi konnte bei dem Abenteuer MRT in ihrem Arm bleiben! Die lauten Geräusche und das stille Liegen waren überhaupt kein Problem, von Sedierung war keine Rede! Für Fiona war das Ganze ziemlich aufregend (im positiven Sinne!) und sie erzählt noch heute mit großen Augen gerne von dem „Raumfahrerhelm“ und den riesigen Kopfhörern.

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Wann immer ich diese Geschichte, die wie aus einem modernen Märchen wirkt, in den vergangenen Wochen erzählte, stieß ich auf Gänsehaut und ungläubige Gesichter bei den Zuhörern:

eine menschenleere Röntgenpraxis, in der Wildfremde nach der regulären Sprechstunde extra für UNS länger geblieben sind, um dieses MRT zu machen (und sogar kurz mündlich auszuwerten!). Es gibt sie also noch, diese Menschen mit großem Herzen, die die Welt (und das Netz!) zu einem besseren Ort machen. Ich kannte weder @mama_natur noch deren Freundin und bin eigentlich immer noch sprachlos über so viel Hilfe und Unterstützung! Tausend Dank euch beiden!

„Ich bin selber Mutter. Ich kann verstehen, wie du dich fühlst. Und wenn es nur dazu dient, dass du wieder eine Nacht ruhig schlafen kannst.“

Ich konnte tatsächlich schlafen. Und wie! Das MRT war völlig unauffällig und normgerecht. Es gibt also keine Anhaltspunkte für eine organische Ursache (z.B. Tumor), die das Zittern auslöst. Sehr wahrscheinlich handelt es sich tatsächlich „nur“ um einen Tic. Weiter geht es für uns nun im September beim Kinderneurologen. Wenn es sich dann als Tic herausstellen sollte, kann ich das akzeptieren. Jetzt, nachdem alles andere in verschiedenen diagnostischen Verfahren ausgeschlossen wurde.

So und nicht anders, liebe Frau Doktor.

Lieblingstweets Juli Teil 1

Zeit zum Lachen, Zeit für Lieblingstweets! Heute mit Fußball, Pokémon GO, Brexit, Sangria, Koks und Chia-Samen. Für jeden etwas dabei😉

#12von12 im Juli

Obwohl der Tag mit Verschlafen, panischem Aufwachen und Hektik am frühen Morgen begann, wurde er doch noch ganz gut! Crazy Fly-Aways, Bingo, Handtaschen und viel Musik – hier sind unsere 12 von 12 aus dem Juli!

Mit Handtasche in die Kita. Eine Frau halt. #3von12 #12von12

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"Hackfleischgeschenke", wie mein Mann sie liebevoll nennt. #Mittagessen #instafood #6von12 #12von12

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Endlich die liebe große Schwester von der Schule abholen #7von12 #12von12 #schule

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Hotdog auf die Hand, Open Air Abendbrot fetzt 👍 #10von12 #12von12 #abendessen #hotdog

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Mehr #12von12 gibt’s bei Draußen nur Kännchen zu sehen!

Lieblingstweets Juni Teil 2

Auf ein Mal war schon Juli und ich bin noch nicht zum Teilen meiner Lieblingstweets Teil 2 aus dem Juni gekommen! Heute erfahren wir, was Oliver Pocher mit dem BREXIT zu tun hat, warum Boateng ab sofort von Zu Hause aus arbeitet und, was Menschen mit Salatgurken gemeinsam haben. Have fun!

 

Was hast du nur, mein Schatz?

Ich habe lange überlegt, ob ich darüber schreiben soll oder nicht.

Heute ist der Punkt erreicht, an dem ich nicht anders kann, als mir die Enttäuschung von der Seele zu schreiben.

Fiona zittert.

Sie zittert nicht mal kurz, weil ihr kalt ist. Sie zittert ständig, immer wieder, ohne Zusammenhang mit der Temperatur. Sie kann es nicht kontrollieren. Und es macht mir Angst.

Anfangs war es nur, wenn sie sich über etwas gefreut hat. Dieses kleine vor-Freude-Zittern fanden wir eigentlich alle eher niedlich als besorgniserregend. Dann fuhren wir mit dem Orchester Anfang Mai nach Innsbruck und ich saß während der 10-stündigen Busfahrt neben ihr. Immer wieder sah ich aus dem Augenwinkel, wie sie kurz zitterte. Ich zog ihr eine Jacke an und sagte irgendwann sogar genervt:

„Mensch, jetzt hör‘ doch mal auf, ständig so zu zucken! Das macht mich wahnsinnig!“

In den darauffolgenden Wochen wurde es immer schlimmer, hauptsächlich bei ruhigen Tätigkeiten, wie malen, schreiben oder fernsehen. Verwandte sprachen sie darauf an beim Familienkaffeetrinken, dann kamen erste Nachfragen von Lehrern, Horterziehern und Mitschülern. Ich ging mit ihr zu unserer Kinderärztin, sprach die darauf an. Sie winkte ab, das sei ein Tic. Aber wenn ich drauf bestehe, würden wir mal eine Blutuntersuchung machen.

Erst auf Nachfragen und Bitten gab sie uns die Zusage für eine EEG*-Untersuchung des Gehirns.(*Elektroenzophalogramm: grafische Darstellung der Spannungsschwankungen an der Kopfoberfläche, gehört zur neurologischen Diagnostik) Ich kürze mal ab: bis ich endlich einen Termin in 6 Wochen im Krankenhaus vereinbaren konnte, waren unzählige Telefonate mit Kinderarztpraxis und EEG-Abteilung von Nöten gewesen. Der Termin könne nicht vereinbart werden, solange von der Ärztin kein Einweisungsschein vorliege, denn eine simple Überweisung reiche nicht aus. Für ein EEG muss das Kind – nur auf dem Papier – stationär in der Tagesklinik aufgenommen werden, obwohl die Untersuchung ambulant durchgeführt wird! Aaaahhh! Sch*** Bürokratie!

In der Zwischenzeit lag auch das Ergebnis der Blutuntersuchung vor: keine Auffälligkeiten. Schilddrüse, Blutzucker, Borreliose, Toxoplasmose, etc – alles o.B.

In den 6 Wochen, in denen wir auf den Termin zum EEG warteten, wurde das Zittern immer schlimmer. Ich erinnere mich an einen Tag, an dem sich Fiona Nagellack auf den Fingern wünschte. Während ich lackierte, sagte sie:

„Hör mal kurz auf, ich muss zittern“.

Sie merkt also, dass es gleich passiert, kann es aber nicht steuern. Nachts und, wenn sie in Bewegung ist, zittert sie nicht. Tagsüber wurde es dagegen immer häufiger.

Eines Abends war ich mit ihr zu Hause, wir aßen Abendbrot und sie fing plötzlich so stark und häufig an zu zittern, immer und immer wieder, dass sie beim Essen ihre Cornflakes verschüttete! Ich machte ein Video davon und schickte das an unsere Familien-Whatsappgruppe, in der auch mein Onkel, von Beruf Zahnarzt, mitliest. Danach stand mein Handy nicht mehr still: alle rieten mir, sofort ins Krankenhaus zu fahren. Es könne auch etwas Entzündliches sein. Oder Epilepsie. Und je öfter ich mir selber das kleine Video ansah, desto panischer wurde ich. Was war bloß los mit meinem Kind??

Ich rief Papa an, der noch Unterricht hatte, er solle schnell nach Hause kommen, drückte ihm das müde Baby in die Hand, packte Fiona, Hasi, ein Malbuch und ein paar Stifte ein und fuhr mit ihr ins Krankenhaus, an einem Freitag Abend, 21 Uhr.

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In der Rettungsstelle angekommen, schilderte ich die Symptome und wir kamen ohne Wartezimmer, in dem blasse Kinder mit Kotztüten saßen, direkt in den Behandlungsraum. Während wir auf den Arzt warteten, wollte eine Schwester Fionas Blutdruck messen. 3 Versuche blieben erfolglos, weil sie ständig zitterte und das Gerät immer wieder ERROR anzeigte. Und wie ich mein großes Mädchen da auf der Behandlungsliege sitzen sah in der Kinderrettungsstelle eines Krankenhauses, musste ich mir die Tränen verkneifen. Wie stark man als Mama für seine Kinder sein kann, weiß man auch erst, wenn man keine andere Wahl hat, als stark zu sein. Sie war verunsichert und ängstlich und ich musste ihr Fels in der Brandung sein, ihr Halt und ihr Hafen. Innerlich war ich ein Wrack: panisch, ängstlich und so hilflos in dieser Situation. Ich drückte sie und sagte:

„Du brauchst keine Angst zu haben. Alles wird gut. Ich lass dich nicht allein!“.

Ihr liefen die Tränen. Ich musste schlucken. Der Kloß im Hals blieb. Mein Baby…

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Als der nette Arzt kam, ließ er sich die Symptome schildern, beobachtete Fiona und unterhielt sich mit ihr. Er sagte, es sehe nach einer Tic-Störung aus, aber so ohne Weiteres könne man das nicht diagnostizieren, denn es kämen noch unzählige andere Ursachen in Frage, die zuerst ausgeschlossen werden müssen. Ob sie in letzter Zeit eine Mittelohrentzündung oder Angina gehabt habe, fragte er. Ja, im Januar, ziemlich heftig, mit 10 Tagen Antibiotikum. Es gäbe eine bestimmte Art Streptokokken, die, wenn sie sich im Gehirn „eingenistet“ haben, solche Störungen auslösen können.

Oh Gott. Kopfkino AUS. Nein, mein Kind hat keine Streptokokken im Gehirn. Bestimmt nicht. Und wenn doch? Er bot an, Fiona stationär aufzunehmen zur Überwachung, sagte aber, dass am Wochenende sowieso nichts in Richtung Diagnostik gemacht werde, erst am Montag dann das EEG. Er halte eine stationäre Aufnahme allerdings nicht für notwendig. Wir können auch Montag Morgen zum EEG kommen. Ich fragte, ob ich Fiona gleich zu Hause lassen oder sie erst mal in die Schule schicken solle, bis ich erfahren habe, ob wir wirklich Montag dran kommen. Zu Hause lassen, wir kommen Montag dran. Er schrieb mir eine interne Telefonnummer auf, die ich dann gleich um 8 anrufen solle und wir fuhren nach Hause.

Montag, 8 Uhr.

(pampig) „Ja, also SO kurzfristig kann man nicht zum EEG kommen!“

– „Aber wir waren doch am Freitag in der Rettungsstelle und Dr. XY hat gesagt….“

– „Na dann weiß der gute Doktor wohl nicht, dass wir voll sind und sie nicht so einfach dazwischen schieben können!“

Nach einigem BlaBla und diversen Anrufen auf den verschiedenen Stationen des Krankenhauses (ihr erinnert euch… die pro forma stationäre Aufnahme?) durften wir doch kommen, „aber stellen Sie sich auf lange Wartezeiten ein!“. Und schon morgens am Telefon der Gedanke: bin ich eigentlich die Einzige, die wissen möchte, was das Kind hat?!

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Im Krankenhaus angekommen, liefen wir im besten Hemingway-Regen über das Krankenhausgelände, von der einen Station zur nächsten, dann wieder zurück, ein Formular abholen, dann wieder hin, … Nach einiger Wartezeit dann endlich der Aufruf zum EEG. Fiona sprang auf. Als ich ebenfalls aufstehen wollte, die Worte der Schwester:

„Mama bleibt draußen und ruht sich ein bisschen aus.“

WTF?! Ich war zu perplex, um etwas zu sagen. Bumms, Kind weg, Tür zu. Ich hatte keine Ahnung, wie lange ein EEG dauert, was genau gemacht wird und wie das Ganze abläuft.

Tick, Tack, Tick, Tack. Immer mal wieder kamen Notfälle in die an die EEG-Abteilung angrenzende Rettungsstelle. Ich war zu aufgewühlt, um mein mitgebrachtes Buch zu lesen. Nur für nervöses twittern hat’s gereicht:

 

Als nach einer gefühlt endlosen halben Stunde die Tür auf ging, kam eine strahlende Fiona raus, mit Spielzeugarmband und einer Stickeez-Figur, die sie sich nach dem EEG aussuchen durfte. Ich fragte, wie es war. Sie durfte ein Hörspiel hören, hatte Kabel am Kopf angeschlosen, „die aussahen, als hätten sie Eiskristalle dran“, musste auf Anweisung die Augen zu- und ab und zu wieder aufmachen. Wir wurden wieder zurück auf die Tagesstation geschickt und sollten uns noch mal „10 Minuten“ setzen. Wir warteten und warteten, bis irgendwann eine Schwester kam und uns informierte, dass wir nach Hause gehen können. Der Befund käme in ca. 2 Wochen mit der Post.

Natürlich freute mich mich im ersten Moment, dass wir nun wieder nach Hause durften, aber schon im Auto kam der Gedanke: hä, in ZWEI WOCHEN per Post?! Was machen die so lange mit dem EEG-Befund, den das Gerät direkt während der Ableitung schon ausspuckt?! So ein Psychoterror.

Am nächsten Morgen rief ich um 8 auf der Station an und fragte nach, wie es nun weitergehe und ob wir den Befund nicht früher erhalten können. Sie stocherte einen Moment in ihren Unterlagen und sagte, ein Arzt hätte schon drüber geguckt, allerdings dürfe sie telefonisch keine Auskunft geben. Argh! Sie würde es aber direkt unserer Kinderärztin rüberfaxen und dort könne ich dann anrufen und den Befund erfragen. Yay! Aber eine Faxnummer von Fr.Dr.XY habe sie nicht. Ich solle die raussuchen und mich erneut melden. Ich surfte ein Mal quer durch die Website unserer Kinderärztin. Alles, aber keine Faxnummer! Maaan! Bei der Google-Suche wurde ich nach ein paar Minuten doch noch fündig und rief direkt wieder im Krankenhaus an. Besetzt. Das Spiel ging eine Zeit so, bis ich endlich die gefundene Faxnummer übermitteln konnte.

Pünktlich zum Sprechstundenbeginn um 8.30 Uhr klingelte bei der Kinderärztin das Telefon. Der Azubi bestätigte mir den Eingang des Faxes. Aber Frau Doktor sei nun schon im Behandlungsgespräch. Ich solle kurz vor Sprechstundenende anrufen, 5 vor 12…

Um 5 vor 12 dann die erlösende Nachricht: EEG-Befund unauffällig, keine Epilepsie.

„Also alles gut.“

Alles gut?! Ich verstand nicht recht. Natürlich ist es erst mal gut, dass das EEG keine Auffälligkeiten zeigt. Aber es müssen doch jetzt andere Ursachen ausgeschlossen werden! Wie geht es weiter, was kommt als Nächstes? Die Kinderärztin sagte, ich solle Ende der Woche anrufen, bis dahin würde sie uns die Nummer eines Zentrums für Tic-Störungen raussuchen. Es sei einfach ein Tic. Ich hörte ihre Worte wie in Trance, dachte an die möglichen Streptokokken. Als ich die Möglichkeit erwähnte, von der der Arzt in der Rettungsstelle gesprochen hatte, bestätigte mir die Kinderärztin telefonisch per Ferndiagnose:

„Ach, Quatsch, sowas ist es nicht.“

Ich legte auf und konnte nicht fassen, was ich gerade gehört hatte. Und weil Mütter, wenn es um ihre Kinder geht, zu Löwinnen werden, googelte ich mich durch bis zur Kinderradiologie. Ich schrieb eine Mail mit unserem Fall und bat auf eigene Faust um ein MRT* des Schädels (*Magnetresonanz- oder auch Kernspintomographie, landläufig bekannt als „Röhre“), um ausschließen zu können, dass es sich um eine Entzündung im Gehirn handelt, die diese neurologischen Ausfälle verursacht. Die Kinderärztin war an einer weiteren Diagnostik ja scheinbar nicht interessiert. Parallel dazu vereinbarte ich telefonisch einen Termin bei einem niedergelassenen Kinderneurologen. Das klingt leichter als es tatsächlich ist, denn die „Neuropädiatrie“ ist oft eine Spezialabteilung im Krankenhaus und nur die wenigsten Spezialisten haben eigene Praxen. Vor September sei allerdings aussichtslos, sagte die nette Schwester.

Ich bekam kurze Zeit nach meiner Mailanfrage bezüglich des MRTs schon Antwort: man hätte den Fall mit der zuständigen Kinderradiologin besprochen und die habe eingewilligt, die Untersuchung zu machen. Termin am 27.6., bis dahin waren es nur noch knappe 2 Wochen! Einzige Bedingung: ich müsse eine Überweisung mitbringen. Ich rief also wenige Stunden später erneut bei unserer Kinderärztin an und was sie dann sagte bzw. wie sie mit mir sprach, war für mich ausschlaggebend, für die Zukunft einen neuen Kinderarzt zu suchen.

„Frau M., jetzt bleiben Sie mal ganz ruhig. Wir wollen mal nichts überstürzen. Eins nach dem anderen. Ich bewahre immer gerne Ruhe. Wir haben ja schon das unauffällige EEG und die Blutuntersuchung. MRT ist nicht notwendig, außerdem wird das nicht ambulant gemacht und das Kind muss dazu sediert werden. Warten Sie mal ab, regen Sie sich nicht so auf, und gehen Sie erst mal im Herbst zum Kinderneurologen. Der wird dann anordnen, wie es weiter geht.“

– „Aber ein MTR muss doch sowieso als nächstes gemacht werden und ich habe schon einen zeitnahen Termin bekommen! Ich kann nicht bis September einfach nur abwarten und ruhig bleiben! Habe ich Sie also richtig verstanden, dass Sie mir keine Überweisung ausstellen wollen?“

– „Ich sehe da keine Notwendigkeit.“

BÄM.

Das saß.

In der Zwischenzeit hatte eine Freundin, die andernorts in einem Krankenhaus auf der neurologischen Station arbeitet, das Zitter-Video einem Arzt gezeigt. Unbedingt untersuchen lassen, war die Antwort. Meine liebe Séverine hat sich per Mail an ein befreundetes Neurologenpaar aus der Schweiz gewandt, die das Video „hochinteressant“ fanden, geraten haben, mich an Spezialisten zu wenden, weil es eben so vielfältige Ursachen haben kann und am weiteren Verlauf und der Diagnose sehr interessiert sind.

Die ganze Welt meint, es müsse unbedingt genauer diagnostiziert werden, bevor es als Tic-Störung abgestempelt wird. Nur unsere eigene Ärztin nicht. War sie vielleicht überfordert, weil Fiona in kein Schema passte? Weil eben nicht die Standarddiagnose „Nase zu, Hals ein bisschen gerötet, können wir sie ne Woche zu Hause lassen?“ in Frage kam? Oder war sie schlicht und ergreifend „bockig“, weil ich mich selber gekümmert habe, dass es weitergeht? Uns die Überweisung einfach nicht auszustellen, finde ich jedenfalls ein Unding! Und wenn das MRT ohne Befund verläuft – gerade dann wäre ich beruhigt und könnte mal wieder eine Nacht schlafen, ohne darüber nachzudenken, was bei meinem Kind im Gehirn los sein könnte. Und wenn es Entzündungsherde o.ä. zeigen sollte, kann ihr endlich geholfen werden und ich muss nicht noch 3 Monate einfach nur abwarten.

Mein persönliches Unwort des Jahres.

Den Termin für das MRT hatte ich schon bestätigt und wusste, ich würde Himmel und Hölle in Bewegung setzen, diese blöde Überweisung zu bekommen.

Ich rief erneut beim Kinderneurologen an und fragte, ob ich einen früheren Termin bei ihm bekommen würde, wenn ich die Behandlung privat bezahlen würde. Wären wir vor dem 27.6. bei ihm Patient, könnte er die Überweisung ausstellen. Die Schwester hörte sich meine Geschichte an,  nahm mir allerdings die Hoffnung auf den früheren Termin. „Tut mir leid. Der Doktor macht keinen Unterschied zwischen Kassen- und Privatpatienten bzw. Selbstzahlern.“ Eigentlich ein schöner Satz. In dieser Situation allerdings nicht der, den ich hören wollte. „Aber geben Sie mir mal Ihre Nummer, ich schreibe die auf und dann ruft der Doktor Sie zurück.“ Ich gab sie ihr durch, allerdings nicht verbunden mit der Hoffnung auf einen positiven Ausgang des Gespräches, falls er denn überhaupt zurückrufen sollte. Immerhin kannte er uns im Gegensatz zur Kinderärztin noch gar nicht und war für diesen Fall noch nicht zuständig.

Und während ich noch das Netz nach potentiellen Überweisungsausstellern durchsuchte, klingelte mein Handy, die Nummer der Neurologie-Praxis auf dem Display! Ein unglaublich netter und einfühlsamer Arzt war am anderen Ende, der sich meine Sorgen anhörte und ohne zu zögern (!) einwilligte, die Überweisung auszustellen!! Immerhin seien wir ja ab September sowieso bei ihm und ein MRT sei eh die nächst logische Untersuchung (ach, was, Frau Doktor!). Und ob die nun gemacht werde, nachdem wir bei ihm waren oder vorher, wenn ich nun schon den Termin habe, sei doch irrelevant. Und wenn es nur dazu diene, uns als Eltern zu beruhigen.

Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal SO dankbar gewesen bin! Dankbar von den Haarspitzen bis zum kleinen Zeh, dass er MICH als besorgte Mutter ernst genommen hatte. Dazu muss man wissen: ich bin bei Leibe nicht die, die beim kleinsten Husten im Wartezimmer sitzt und bei erhöhter Temperatur statt eines Infektes gleich eine Hirnhautentzündung vermutet – DIE bin ich nicht. Aber in den letzten Wochen fing ich wirklich an, an mir zu zweifeln und mich zu fragen, ob ich mit meinen Ängsten um unsere Erstgeborene, unsere coole Nono-Socke, die so taff und clever ist, zur hysterischen Übermutter geworden bin. Mir tut es weh, zu erfahren, dass sie – von einer Hortnerin auf das Zittern angesprochen – zu weinen anfängt, weil sie auch nicht weiß, wieso das passiert. Und ich habe Angst, dass sich dieses selbstbewusste, offene Mädchen zurückzieht und verschließt, weil sie von Mitschülern vielleicht gehänselt wird. Nein nein nein, es muss etwas passieren.

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Ich fuhr letzte Woche in die Praxis, holte mir völlig problemlos den Überweisungsschein ab und wartete nun auf den 27.Juni. Die Schulbefreiung war lange im Voraus geklärt. Einen Abend vorher suchte ich im Netz nach Videos eines MRTs, um Fiona darauf vorzubereiten. Immerhin wird man in eine enge dunkle Röhre gefahren, muss ganz still liegen und es macht seltsame Geräusche. Ich fand eins, bei dem eine Puppe mit Kinderstimme erklärt, was genau passiert, wie die Untersuchung abläuft und auch, wie man sich darauf vorbereiten kann (Stichwort „Statuenspiel“). Sie war ganz begeistert und wollte das Video immer wieder angucken.

In der Nacht schlief ich unruhig, wurde immer wieder wach und träumte sogar, dass die Untersuchung abgesagt werden musste. Umso größer war die Freude am nächsten Morgen, dass es nun endlich soweit sein sollte. Wir machten wir uns rechtzeitig fertig, ich packte die Überweisung ein und war im Gehen, als das Telefon klingelte.

„Sie haben heute einen Termin zum MRT mit Ihrer Tochter. Den müssen wir leider verschieben. Seit Freitag ist eine Spule am MRT kaputt und bis zu Ihrem Termin haben wir noch keinen Ersatz.“

Wir wurden auf Mitte Juli vertröstet, das überrumpelte Kind ist zur dritten Stunde in die Schule gegangen und jetzt heißt es mal wieder abwarten.

Vielleicht ist auch ein bisschen Wunschdenken dabei, aber ich würde sagen, in letzter Zeit hat das Zittern etwas abgenommen und tritt nicht mehr ganz so häufig auf. Ich hoffe so, dass es wirklich „nur“ ein harmloser Tic ist, der sich irgendwann so plötzlich in Luft auflöst, wie er gekommen ist.

Aber bis nicht alles untersucht wurde, was sonst noch in Frage käme, gebe ich nicht auf. Traurig finde ich, dass man als Familie so allein gelassen wird und selbstständig alle Hebel in Bewegung setzen muss, um eine vernünftige Diagnostik zu erhalten.

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Kennt jemand von euch aus eigener Erfahrung solche Symptome?

Oder habt ihr selber oder eure Kinder Erfahrungen mit Tic-Störungen?